Die Zügel Gottes


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Die Zügel Gottes oder:
Vom Irrtum des Visionsglaubens


Ein Ruf zur Umkehr, um unser Augenmerk auf die Erkenntnis Gottes zu richten

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    Die nachfolgenden Sätze sind vor nun schon einigen Jahren niedergeschrieben worden. Sie waren Bestandteil der Schrift „Der Dienst des Christus” in einer zweiten, erweiterten Fassung, in der diese und andere Wahrheiten im Lauf der Zeit zusammengetragen worden waren. Ich gebe sie nun, geringfügig überarbeitet, einzeln heraus, um sie all denen zukommen zu lassen, die „nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten” (Mt 5. 6), die also bemerkt haben, daß die heutigen, in vielerlei „Gemeindestrukturen” vorherrschenden „Lehren” unseren geistlichen Hunger nicht stillen können, sondern statt dessen immer noch weiter von Gott Selbst wegführen. An diesem Sachverhalt, und damit an dem nachfolgend Erläuterten, wird der gewaltige Betrug ersichtlich, der in den hinter uns liegenden Jahren durch die Anwendung scheingeistlicher, pseudo-charismatischer Lehren an zahlreichen Kindern Gottes verübt worden ist. Zu diesen Lehren gehören auch die nachfolgend angesprochenen Irrtümer um die Anwendung sogenannter „Visionen”, die mit wirklichen Gesichten aus dem Himmel, wie sie in der Bibel mehrfach bezeugt werden, allerdings nichts gemein haben. Als allgemeingültiges Merkmal dessen, was der Geist Gottes bewirkt, sei hier nur angeführt, daß Er, der Geist des Vaters, stets und ausnahmslos den Sohn verklärt (der uns wiederum den Vater zeigt und allein diesen offenbart), niemals aber Menschen in den Mittelpunkt des Interesses stellt, verherrlicht oder hochhebt (Jo 15. 26, 16. 14 und 17. 1 - 5). Wo im Gegensatz dazu Menschen erhoben werden, Geschwister also sich als über andere Geschwister gesetzt wähnen – aufgrund dessen, was sie gesehen haben (Kol 2. 18 - 19) – ist demnach niemals der Geist Gottes am Wirken, sondern haben wir es mit der Einwirkung betrügerischer Geister zu tun. Nicht das Echte soll hier also demontiert werden, sondern die Fälschung. Dabei darf nicht nur eingerissen werden, sondern es ist auch auf das Echte hinzuweisen und an die Stelle des Alten zu setzen. Hinzuführen zu unserem Gott Selbst und zu Seiner Erkenntnis – die nach biblischem Zeugnis keine Wissenserkenntnis, sondern eine Vereinigung mit Ihm als einer Person ist, weil nur aus ihr heraus als einer unmittelbaren Liebesbeziehung neues Leben hervorkommen kann (vgl. 1Mo 4. 1) – sei der Inhalt und Zweck des Vorliegenden.

    Es ist zunächst nichts gegen echte Visionen, biblischerseits „Gesichte” genannt, zu sagen. Hier wird uns jedoch die eigene Schau als eine solche verkauft. Das Erstgenannte ist immer etwas, was Gott tun wird; das Zweitgenannte ist etwas, was Menschen erfüllen sollen. Dies wird regelmäßig verwechelt. Die Ansicht, auf Visionen angewiesen zu sein und ihnen nachfolgen zu müssen, beruht auf einer in heutigen Gemeinden weitverbreiteten und mit einer verkehrten „Unterordnungslehre” verbundenen Irreführung, die darin besteht, daß man sich nicht mehr in Abhängigkeit des Herrn, sondern in „Visionen” bewegt, die von diversen Führern ausgegeben werden. Wie vorstehend angedeutet, wird von diesen den Gläubigen verkündigt, „vom Herrn” die so genannte „Vision (Schau) für die Gemeinde” empfangen zu haben, nach der jetzt diese Gemeinde, den Anweisungen „ihres Leiters” entsprechend, der die Vision erhalten zu haben vorgibt, mit aller ihrer Kraft diese seine Sichtweise zu erfüllen hat; schließlich habe dieser ja „vom Herrn gehört”. Indem nun die Gemeinde beständig angehalten wird, sich „ihren Leitern unterzuordnen”, kommt es zu jenem verhängnisvollen, weil unmerklichen Abgleiten von Gott, da man Strukturen errichtet und bedient, statt miteinander die unmittelbare Gegenwart und beständige Offenbarung des Herrn Selbst zu suchen und Ihm zu dienen.

    Die Einheit des Geistes wird damit in eine Konditionierung in den Willen menschlicher Leiterschaft pervertiert, der mit wahrer geistlicher Einheit nichts mehr zu tun hat, außer daß dieser Anspruch lediglich als mehr oder weniger leere Worthülse vor sich her getragen und vor der Gemeinde dann natürlich auch entsprechend nachdrücklich ausposaunt wird. Der wahre Gottesdienst im Geist und in der Wahrheit verkommt so mehr und mehr zu einem gefährlichen, weil unerkannten christlichen Götzendienst, indem in der Gemeinde nicht mehr das persönliche Reden Gottes zu jedem Seiner Kinder als Glieder des einen Gemeindekörpers maßgebend ist, sondern die Regelungen und Anordnungen einer „Leiterschaft”, die sich durch solches Verhalten an die Stelle Gottes zu setzen anmaßt. – Statt der Gemeinde in Hingabe zu dienen, wird somit die Gemeinde „von oben herab” regiert, ein Vorgehen, das in direktem Widerspruch zu den Worten der Apostel steht, wie zu erkennen sein wird. Es hilft dabei auch nichts, wenn man sagt, daß jeder, der hier „mitgehen wolle”, die von der Leitung ausgegebene, vermeintliche „Vision der Gemeinde” gleichermaßen empfangen haben müsse, und dabei alle anderen ausschließt. Wer die Gemeinde so zu „regieren” sucht, hat nichts vom Herrn empfangen, und sucht sich und seine eigenen Vorstellungen – als das, was er zu sehen meint (Kol 2. 18 - 19, s. o.) – in fleischlicher Art und Weise durchzusetzen.

    Den vorstehend genannten Lehrverirrungen liegt im wesentlichen die fälschlicherweise aufgestellte Behauptung zugrunde, daß die Schrift lehre, daß jede Gemeinde eine Vision haben müsse, da ohne eine solche das „Volk” zugrunde gehe und zügellos werde. Diesem wird also die Schriftstelle Spr 29. 18 in einer Weise zugrunde gelegt, die ihre Auslegung jedoch in dem Sinne einseitig und darin irreführend erscheinen läßt, indem der zweite Versteil einfach unterschlagen oder in seiner Bedeutung verkannt wird. Infolgedessen wird das Ganze aus seinem Kontext gerissen und in einen willkürlichen, völlig anderen Zusammenhang gestellt, als der bestehende, in den Gott in Seinem Wort es gesetzt hat. Wieder einmal bestätigt sich die Gefahr der Irreführung durch eine den menschlichen Maßstäben angepaßte, willkürliche Exegese, die die einfache Regel mißachtet, daß eine Auslegung der Schrift nicht Sache eigener Erläuterung ist, da die Schrift sich in ihren Zusammenhängen selbst erklärt (vgl. 2Ptr 1. 20). –

    Zu unserer Schriftstelle Sprüche 29. 18, welche zunächst einmal aussagt, daß ohne Weissagung oder Weisung das Volk zügellos wird, und – im Gegensatz dazu – ihm Gutes (Wohl) widerfahren wird, wenn es das Gesetz bewahrt. Der im Hebräischen verwendete Begriff kann sehr schwer mit nur einem Wort wiedergegeben werden, sollen Inhalt und Zusammenhang des Schriftwortes gewahrt bleiben. Der Begriff einer Vision kann sich zwar durchaus aus diesem Wort ergeben; dies geschieht aber eher erst in zweiter Instanz und ist hier an sich auch nicht gemeint. Andere Übersetzer geben mit „Gesicht” (Unrevidierte Elberfelder), „Weissagung” (Schlachter) oder „Offenbarung” (Luther) wieder. Die Revidierte Elberfelder schreibt ebenfalls „Offenbarung”, gibt aber in der Fußnote als wörtliche Übersetzung „Vision” an. Alle diese Übersetzungen weisen inhaltlich durchaus in die richtige Richtung; und doch greift jede für sich gesehen zu kurz. Es ist uns gerade hier nur dann möglich, zur richtigen Aussage dieser Schriftstelle zu kommen, wenn wir sie in ihrem Kontext belassen und auch dementsprechend auslegen. In dem Sinne zunächst, daß wir ohne Weisung und Offenbarung, die des Herrn nämlich, sowohl orientierungs - als auch zuchtlos werden würden (also ohne Erziehung; das Bild der „Zügel”, in denen ein Jochtier laufen soll, wird hier verwendet!), weil dies ein Indiz dafür wäre, daß wir Ihn, Seine Gegenwart, Seine Führung und Sein Wort verlassen und uns damit selbst von dem Licht Seiner Wegweisung (Ps 119. 105, Jes 2. 3 - 5) entfernt hätten, ist dies auch richtig (vgl. Jer 2. 13).

    Gemeint ist in dem Zusammenhang nämlich erst einmal jene Weisung und Offenbarung, die der Herr durch Sein Wort gibt und die von denen, die dieses Wort hören, dann auch bewahrt wird. Dementsprechend gibt etwa Schlachter unsere Schriftstelle Sprüche 29. 18 vollständig wieder:

    „Wo keine Weissagung ist, wird ein Volk zügellos; aber wohl ihm, wenn es das Gesetz (d. i. in dem Zusammenhang das Wort) bewahrt !”

    Das im Hebräischen stehende, hier mit „Weissagung” wiedergegebene Wort bedeutet jedoch wesentlich mehr. Es hat nämlich, beachten wir sowohl den Grundtext als auch den Textzusammenhang, vor allem den Sinn einer sowohl weisen als auch weisenden Voraussicht, mit der ein Vater seinen Sohn zu dem Ziel führt, das der Vater für ihn im Auge hat, und ihn demgemäß erzieht: Würde man diese Schriftstelle tatsächlich in ihrem Kontext lesen und das Wort Gottes nicht immer wieder aus seinen Zusammenhängen herausreißen, in denen es nun einmal steht, so würde sehr schnell offenbar werden, daß hier von der – vor der Sünde bewahrenden – Weisung, Führung und Erziehung Gottes die Rede ist, welche in dem notwendigen Umgang eines Vaters mit seinem Sohn verdeutlicht wird, der ihn – in weiser Voraussicht – sowohl mit dem Wort als auch mit der Zuchtrute erzieht, damit der Sohn dem Vater einmal Wonne bereiten wird (Spr 29. 15 - 19; vgl. dazu etwa 5Mo 8. 5 - 6, Spr 3. 11 - 12 und Hbr 12. 5 - 13). Ohne diese weise Voraussicht seines Vaters, nämlich Gottes, würde der Sohn, hier als ein Volk dargestellt, in der Tat alsbald zügellos werden – also aus seinem Joch, in dem er laufen soll, ausbrechen und wild, d. h. ungebändigt werden. Damit aber geht es nicht darum, was der Sohn sieht, sondern um das, was Gott sieht. Mithin ist das Verfolgen so genannter Visionen durch den Sohn bzw. das Volk etc.  nicht gemeint.

    Wie der Sohn zum Vater, so gehört das Volk zu Gott und in seine enge Bindung an Ihn. Dementsprechend wird uns in der Schrift nicht nur Jesus, sondern auch das Volk Israel als Sohn Gottes vorgestellt, bzw. als Seine Söhne und Töchter beschrieben (5Mo 1. 31 und 32. 19). Bereits Mose sollte dem Pharao sagen:

    „So spricht Jahwe: Mein Sohn, mein Erstgeborener, ist Israel! Daher sage Ich dir: Entlasse Meinen Sohn, damit er mir diene”,

2Mo 4. 22, 23, [1]

    um die Befreiung Israels aus dem Sklavenjoch Ägyptens, hin zum Dienst für Gott, einzuleiten, was uns außerdem verdeutlichen kann, daß es eine absolute Ungebundenheit nicht gibt – entweder sind wir unter das Joch der Sünde versklavt, wovon sowohl die Gefangenschaft Israels unter dem Sklavenjoch Ägyptens, als auch die vielen Gebundenheiten, in die es infolge seines Ungehorsams immer wieder geriet, Vorbilder sind – oder wir dienen dem Herrn, dessen Joch sanft, und dessen Last leicht ist (Mt 11. 29, 30). Immer wird es ein Joch geben, das es zu ziehen, und eine Last, die es zu tragen gilt (Rö 6. 16 - 22, Ga 6. 5). Verließen wir den Herrn, indem wir – um mit dem Propheten Jeremia zu sprechen – Sein Joch zerbrächen und Seine Stricke (das sind die Seile, an denen der Pflug gezogen wird) zerrissen (Jer 5. 5 - 6), gerieten wir alsbald unter das schwere, das eiserne Joch der Gebundenheit und Unfreiheit, das uns nur allzu oft Menschen auferlegen wollen (5Mo 28. 47 - 48, Ps 38. 5, Jer 28. 12 - 13, Ga 5. 1). Besser ist es, in den Händen Gottes zu bleiben! Bleiben wir nämlich in Seiner Führung und Gegenwart, so erleben wir, das Er uns auch hindurchbringen wird, weil Er Selbst die Lasten trägt (Ps 68. 20), da der Herr im Bilde auch jenen erstgeborenen Stier verkörpert (5Mo 33. 17, Hes 1. 10), der mit uns in ein und demselben Joch läuft und mit dem wir zusammengejocht werden sollen, wobei Er Selbst das Joch zieht und die Last trägt, und wir lediglich – gleich einem Kalb oder einem Jungstier, der an die Feldarbeit erst noch gewöhnt werden muß – mit Ihm den Weg mitlaufen sollen, und dabei wohl mit dem Joch, nicht aber mit der Last desselben verbunden werden (vgl. Jer 31. 18). – Die Zügel, in denen Gottes Volk nun gehen soll – in dem oben angedeuteten Bild eines Joches Rinder – beinhalten sowohl die Führung als auch die feste Einbindung innerhalb dieser, die Weisung wie die Züchtigung Gottes, des Vaters. Gleich dem in seinem Joch laufenden und den Acker pflügenden Rind – das dem zugrunde liegende Bild (Jer 2. 20 und 5. 5) – kann, wie der Sohn, so auch Sein Volk nicht laufen, wann, wie und wohin es will. Mit „Visionen” hat das nichts zu tun.

    Auch der Hebräerbrief spricht davon, daß wir, blieben wir ohne eine solche Erziehung, Bastarde wären und nicht Söhne (Hbr 12. 8). In diesem Zusammenhang wird – gleichnishaft – von dem von der Muttermilch entwöhnten Kind gesprochen, das vom Vater als Sohn angenommen wird, um von ihm in die Erziehung genommen zu werden (Hbr 12. 6; vgl. 1Mo 21. 8, 1Sam 1. 22, Jes 28. 9). Dementsprechend redet der Hebräerbrief auch zu seinen Lesern als von solchen, die der Milch - der nämlich der Anfangsgründe des Wortes Gottes – entwöhnt sein sollten, um nun in der Lage zu sein, die feste Speise zu sich zu nehmen (Hbr 5. 12 - 14), deren Inhalte der Schreiber in den nachfolgenden Kapiteln erläutern wird, um im Schluß derselben auf die Erziehung dieser als der von der Milch entwöhnten Knaben, die der himmlische Vater nun als Söhne annimmt, zu sprechen zu kommen. Es ist nach Hebräer 12. 5 - 13 nun – solchen von der Milch Entwöhnten entsprechend – geradezu ein Kennzeichen der Söhne Gottes, daß diese, als die – nach der Schrift – an Ihn Gebundenen und in Seinem Joch Laufenden (Jer 2. 20 und 5. 5 - 6, Kg 3. 27, Mt 11. 29, 30; vgl. auch 2Kor 6. 14), von Ihm gezüchtigt werden; die ohne Gott, als die von Ihm losgelöst (d. h. in Sünde) Lebenden sind im Gegensatz dazu

    „in den Begierden ihrer Herzen” ... „in ehrlose Leidenschaften” ... „in ihren unbewährten Denksinn dahingegeben, das zu tun, was sich nicht gebührt.”

Rö 1. 24, 26, 28

    Und zu dieser Erziehung gehören notwendigerweise auch die Leiden; wer nicht leidet, der ist dahingegeben, der gehört nicht zu Ihm – denn auch der erstgeborene Sohn Gottes

    „lernte... den Gehorsam durch das, was Er litt” (Hbr 5. 8).

    Dieser Gedanke des Joches, in dem jeder läuft, der mit Gott wandelt und Ihm dient, ist eine unabänderliche Ordnung Gottes. Wer Ihm dient, trägt bildlich gesehen ein Joch, an das er mit Stricken gebunden wird. Diese Aussage ist ein einheitliches Zeugnis der Heiligen Schrift, unabhängig davon, ob es sich um das Alte oder das Neue Testament handelt. Unser Gott ändert Sich nicht; durch alle Zeiten hindurch ist und bleibt Er Derselbe. Hatte Gottes alttestamentliches Bundesvolk ein Joch zu tragen, so haben auch wir eines zu tragen. Als Jesus dazu aufforderte, zu Ihm zu kommen, sagte Er auch, daß die Gemeinschaft mit Ihm ein Joch – Sein Joch – bedeuten würde, und es beinhalten würde, mit Ihm eine – Seine – Last zu tragen. Diese Gemeinschaft mit Ihm ist also Jochgemeinschaft, die bedeutet, daß wir zusammen mit Ihm denselben Weg zu gehen haben, den auch Er zu gehen hat. Alles, was Ihm dabei begegnet, wird auch uns begegnen. Da Er litt, werden auch wir leiden; da Er erhoben wurde, werden wir es mit Ihm (Rö 8. 17). Aus keinem dieser Dinge werden wir je ausgenommen sein. Als Er uns anwies, Sein Joch aufzunehmen, sagte Er dabei nichts anderes, als daß wir in dasselbe Joch eingebunden werden sollen, das Er zieht –

    „und lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig” (Mt 11. 29 - 30).

    Der Stier ist eines der bedeutendsten Opfertiere des Alten Bundes und als solcher Abbild des Opfers Jesu. In Jesus erkennen wir hier also das Bild des in das Joch eingespannten Stieres, der das Joch zieht und die Last trägt, während wir uns in dem lediglich neben Ihm herlaufenden, erst noch anzulernenden Jungstier wiederfinden, der an die Feldarbeit erst noch gewöhnt werden, und darum in demselben Joch erzogen werden muß, wie dies vorstehend bereits angedeutet worden ist.

    Da der Herr nun die eigentliche Last trägt, kann Er uns auch sagen, daß Sein Joch für uns sanft, und seine Last leicht ist. Die Aussage, daß Er sanftmütig und von Herzen demütig ist, beinhaltet eine Wahrheit, die wir bislang nie in dem rechten Kontext gesehen haben, bezieht es sich doch auf das Joch, das Er zu tragen hat, und in dem Er läuft, indem Er dem Vater willig, ohne jedes Murren und ohne jede Widerrede also sanftmütig und von Herzen demütig – folgt, indem Er gerne tut, was der Vater Ihm sagt. Für Jesus bedeutete dies den Tod. Noch immer kennen zumindest ältere Bauern den Ausdruck „sanftmütig” für ein williges, gutmütiges und leicht zu führendes Arbeitstier, mit dem sich gut arbeiten läßt. Hierin erschließt sich uns die Bedeutung Seiner Anweisung, diesbezüglich von Ihm zu lernen. Diese Wahrheit ist also eine für unseren Wandel ganz zentrale und notwendige, als die einer Ordnung, ohne die wir nicht auskommen werden. Schon früh begann sich jedoch eine Rebellion gegen diese Ordnung zu erheben, vergeblich jedoch – ist es doch nicht möglich, diese Ordnung jemals zu ändern:

    „Warum schnauben die Nationen, und kümmern die Völkerstämme sich um Vergebliches? Die Könige der Erde stehen dabei, und die Oberen versammeln sich am selben Ort gegen Jahwe  [1] und gegen Seinen Gesalbten: Wir wollen zerreißen ihre Bande und ihr Joch von uns werfen. Der in den Himmeln wohnt, verlacht ihr Tun, Jahwe hohnlacht ihrer.”

Ps 2. 1 - 4

    Der Gedanke eines Zusammengejochtseins findet im Neuen Testament seine Entsprechung auch in der Mahnung des Paulus, nicht

    „ungleich gejocht mit Ungläubigen”

    zu sein (2Kor 6. 14). Er gebraucht in diesem Zusammenhang (Verse 14 - 18) für unseren Wandel mit Gott tatsächlich das Bild eines Joches, in dem zwei gleiche Zugtiere laufen. Schon nach dem Gesetz war das Einspannen verschiedener Jochtiere verboten: Der Ochse sollte nicht mit dem Esel ackern (5Mo 22. 10). Der Ochse ist das Bild für das folgsame, das Joch gerne ziehende Tier, in dessen Sanftmut und Demut wir Christus wiederfinden, der dem Vater gerne folgt, während der Esel in der Tradition das Bild des Widerborstigen ist, dessen also, der Gott stets widerstrebt. Beide gehen also nicht zusammen. Gleichermaßen gehen Gerechtigkeit mit Gesetzlosigkeit, Licht und Finsternis, Christus und Beliar (d. i. der Teufel, das Wort kommt von Bel, hebr. Verwirrer), der Ungläubige mit dem Gläubigen und der Tempel Gottes mit den Götzen nicht zusammen (2Kor 6. 14 - 16). Nur Gleiches kann mit Gleichem laufen, Demütiges mit Demütigem, Sanftmütiges mit Sanftmütigem. Indem wir dem Herrn Jesus folgen und Sein Joch aufnehmen, lernen wir von Ihm; in der Weise, in der wir uns mit Ihm in das Joch des Vaters fügen, Sein Vorbild anschauen und ihm nacheifern, und uns in dieser Weise Seiner Führung unterordnen, d. h. also in einem Lernprozeß (Heiligung) ebenso demütig und sanftmütig werden wie Er, werden wir Seinem Bilde gleichgestaltet (Rö 8. 29) und daher befähigt, mit Ihm zusammen den Weg bis zu Ende zu gehen. So sind wir mit Christus verbunden, d. h. fest zusammengejocht worden; eine Tatsache, die wir auch in dem Gedanken wiederfinden, daß wir mit Ihm zusammen-gekreuzigt worden sind.

    Das Kreuz spricht immer von Tod, und da wir mit Ihm zusammengejocht sind, sowohl von dem Seinen, als auch von dem Unseren. Der Herr wurde gekreuzigt; dies sagt uns, die wir mit Ihm in einem Joch verbunden sind, daß wir mit Ihm gekreuzigt sind. Die Gleichgestaltung, von der oben die Rede war, und in die wir hineingeführt werden sollen, indem wir uns in Sein Joch einbinden lassen und von Ihm lernen, ist ja eine in Seinen Tod hinein, um von dort in die Auferstehung aus den Toten, in das Leben also, zu gelangen (vgl. Phil 3. 10 - 12). Die Losung heißt noch immer: vom Tode zum Leben, und: vom Kreuz zur Krone. Und es gilt, daß

    „niemand, der seine Hand an den Pflug legt und dabei nach hinten blickt,... für das Königreich Gottes geeignet”

    ist (Lk 9. 62). Wer pflügen will, der muß vergessen, was hinter ihm liegt, und aus all dem heraustreten; und genauso muß der, der in einem Joch laufen will, das alte verlassen; er muß ihm also absterben. Das Joch und das Kreuz sind nahe verwandt; beides sind Symbole, die in dieselbe Wirklichkeit führen. Wie das Joch der den Acker pflügenden Tiere, so ist auch das Kreuz ein Gegenstand aus Holz. Das griechische Wort stauros, das zumeist mit Kreuz übersetzt worden ist, bedeutet „aufrecht Stehendes” und meint daher eigentlich einen senkrechten Pfahl. Wie die Tiere mittels Riemen mit dem Joch – der Jochstange – verbunden waren, so war auch Jesus an einen Pfahl gebunden worden. Jenes war ein Bild von dieser Erde, das Kreuz aber ist ein Bild, das uns, die wir von der Erde kommen, mit dem Himmel verbindet. Wir nun sind durch diesen Pfahl miteinander – mit Ihm – in gleichem Tod verbunden worden (vgl. Rö 6. 2 - 11), so daß wir nicht mehr gehen können, wohin wir wollen, sondern nur noch dahin, wohin Er will (vgl. Jo 21. 18 - 19, Apg 21. 10 - 14). Unser Leben ist mit Ihm zusammengekreuzigt (eigentlich mitgepfählt, grie. sustauroo), in den Tod hinein; das neue Leben, das wir infolge dieser Verbindung mit Ihm erhielten, ist nicht mehr das Unsere, sondern das Seine:

    „Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus.”

Ga 2. 20

    Ein Gekreuzigter ist an das Holz gefesselt; er ist aus sich selbst wehrlos geworden. Die Bindung an den Pfahl macht ihn regungslos. Die Füße können nicht gehen, und die Hände können selbst ohne Ihn nichts tun (Jo 15. 5). Auch die Gedanken sind nicht frei – um die Stirn herum windet sich eine Dornenkrone. Fortan werden sie unter den Gehorsam des Christus gefangengenommen (2Kor 10. 5). Es wird dem Gekreuzigten nicht möglich sein, seine Situation zu ändern – es sei denn, ein anderer kommt und ändert sie für ihn. Mit Ihm gekreuzigt zu sein, heißt auch, mit Ihm Opfer zu sein. Daher werden wir aufgefordert, unsere

    „Körper Gott als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer bereitzustellen... als euren folgerichtigen Gottesdienst.”

Rö 12. 1 - 2

    Das Opfer steht in Verbindung mit dem Altar, auf dem es dargebracht wird. Wie Abraham das Holz des Brandopfers nahm, es auf seinen einzigen Sohn Isaak legte, und ihn danach auf diesem Holz festband, um ihn Gott als Brandopfer darzubringen (1Mo 22. 6 - 9) – welches ein wunderbares Bild dessen ist, wie der himmlische Vater Seinen einzigen Sohn darbrachte – so sind und bleiben wir als lebendige Opfer mit dem Altar des Kreuzes verbunden, auf welchem wir dem Herrn geopfert werden sollen. Dem entsprach die Weisung des Alten Bundes,

    „die Festopfer mit Stricken bis an die Hörner des Altars”

zu binden (Ps 118. 27, Schlachter). Der am Eingang der Stiftshütte befindliche Brandopferaltar, an dem der Priester nicht vorbei kam, wollte er Gott nahen, war an seinen vier Ecken mit Hörnern versehen worden, an dem größere Opfer festgebunden wurden, um sicherzustellen, daß sie sich nicht loslösen und herabfallen konnten, und somit auf dem Feuer blieben (2Mo 27. 2 u. a.).

    Unser Horn des Altars ist nun der Kreuzespfahl, an dem wir, mit Jesus zusammen an diesen festgeschnürt, dem Herrn als Ganz-Brandopfer dargebracht werden. Wenn Er starb, dann ist es daher nur folgerichtig, daß auch wir starben, ebenso, wie es richtig ist, daß, wenn Er auferstand, so auch wir mit Ihm auferstanden sind. Diese Auferstehung – das Auferstehungsleben – setzt also den unabdingbaren Tod unseres Eigenlebens voraus. Dieser Tod muß ständig vollzogen werden, um auch das neue, geistgewirkte Leben als Beständiges aufrechtzuerhalten – das sündige Fleisch, das immerfort nach Unabhängigkeit strebt, und das aus sich selbst heraus bekanntlich doch nichts anderes als sündigen kann, ist beständig im Tode zu halten – deshalb gab es ja auch die Stricke, die das Opfer mit dem Holz des Brandopfers, dem Joch wie dem Kreuzespfahl gleichbedeutend, fest verbanden:

    „Wenn wir zusammen (d. h. also verbunden!) mit Christus starben, so glauben wir, daß wir auch zusammen mit Ihm leben werden, wissend, daß Christus, auferweckt aus den Toten, nicht mehr stirbt. Der Tod ist nicht mehr Herr über Ihn; denn was Er starb, das starb Er der Sünde ein für allemal, was Er aber lebt, das lebt Er für Gott. Also auch ihr! Rechnet damit, daß ihr selbst der Sünde gegenüber tot seid, aber lebend für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn!”

Rö 6. 8 - 11

    Dieser völligen Hingabe entspricht die Weisung des Alten Testamentes, das Feuer des Altars stets brennend zu erhalten, indem

    „das Brandopfer ... auf seiner Glut die ganze Nacht bis zum Morgen”

    verblieb,

    „daß das Feuer des Altars dadurch genährt werde”;

    es durfte nicht erlöschen (3Mo 6. 2 und 5 - 6).

    Wird das Opfer vom Altar entfernt, d. h. fangen wir wieder an, unser Eigenes hervorbringen zu wollen, erlischt das Feuer; das uns geschenkte Geistesleben – das Feuer des Heiligen Geistes – stagniert und geht in dem Maße zurück, wie auch unsere Hingabe unseres Lebens an Gott, Ihm zum Opfer, zurückgeht. Der Vollzug dieser Wahrheit ist ein wahrhaftes „Leben aus dem Tode”. Daher kann es für uns ohne Ende des alten kein neues Leben geben – es sei denn, daß zuvor der Tod kam und in uns wirksam geworden ist, indem er das alte Leben – den Sünder, d. h. den, der ohne Gott wirken will – zu Tode brachte und im Tode hält. Wer diesen Tod nicht will, hat auch das Leben nicht, das allein aus diesem Tode resultiert. Die Grundbedingung des Lebens aus Gott ist also der ständig aufrechterhaltene Tod, d. h. das Unwirksamwerden des eigenen, mit all seinen vermeintlichen Ansprüchen, Rechten, Wünschen und Vorstellungen. Wir – als mit Christus Gestorbene und mit Ihm in Neuheit des Lebens Auferstandene (vgl. Rö 6. 2 - 11, s. o.) – haben daher weder Macht noch Recht für uns selbst. Dies freilich ist eine Aussage, die direkt konträr zu den heute reichlich kolportierten sogenannten „Glaubenslehren” steht, und entlarvt diese als offensichtliche Lüge.

    Paulus drückt diese Tatsache an anderer Stelle dadurch aus, daß ihm

    „ein Splitter für das (wörtlich: dem) Fleisch”... (gegeben sei), „ein Bote Satans, um mich mit Fäusten zu schlagen.”

2Kor 12. 7

    Das Wort „mit Fäusten schlagen” (kolaphizo) weist tatsächlich auf ständige Fausthiebe hin, mit denen Paulus immer wieder mißhandelt wird. Der ihn schlägt, ist „ein Bote Satans”. Die Bezeichnung Satan steht hierbei nicht nur für den Teufel schlechthin, sondern weist vor allem auf die durch seinen Boten [2] übermittelten Widrigkeiten hin. Das aus dem Hebräischen stammende Wort Satan (ssath´an) bedeutet Ankläger (Gegenredner) und Widerwirker. Dessen Bote, durch den er dem Paulus entgegenwirkt und ihn durch schmerzhafte Schläge zu widerstehen sucht, ist nun von Gott verordnet: Ein Splitter für das Fleisch. Die in den heutigen Bibeln übliche Wiedergabe eines Splitters oder Pfahls „im Fleisch” ist leider mißverständlich, da das diesbezügliche Wort in (en) im Griechischen nicht vorhanden ist. Dem Fleisch ist also ein Splitter gegeben. Der Splitter (grie. skolops, Splitter, Dorn oder spitzer Pfahl) ist aus Holz und weist somit auf den Pfahl hin, von dessen Holz er stammt, und durch den Paulus mit Christus verbunden, zusammengepfahlt worden ist. Dieser Splitter ist dem Fleisch des Paulus zugeordnet worden. Er ist sein tägliches Kreuz bzw. Pfahl (stauros), den er jeden Tag aufzunehmen hat (Lk 9. 23). Bei dem Pfahl handelt es sich um ein Hinrichtungswerkzeug, an dessen Ende der Tod des Fleisches steht. Durch dieses Kreuz (Pfahl) wird das sündige Fleisch jeden Tag zu Tode gebracht und im Tode gehalten, d. h. unwirksam gemacht (Rö 6. 5 - 6). [3]

    „Die aber Christus Jesus angehören, kreuzigen das Fleisch samt seinen Lüsten und Begierden” (Ga 5. 24).

    Das Wort „kreuzigen” (eigentlich pfählen) steht hier im sog. schwachen Aorist, einer Zeitform des Griechischen, und beschreibt eine nicht abgeschlossene, noch in der Durchführung befindliche Handlung: das Kreuzigen geschieht ständig, das bedeutet Tag für Tag, Stunde um Stunde.

    Somit stirbt Paulus täglich, wie er etwa auch den Korinthern im Hinblick darauf schreibt, daß er sich jede Stunde in Gefahr begibt (1Kor 15. 30 - 31). Diesbezüglich bezeugt er auch den Römern, daß ihm auf seinem Weg beständig Drangsal, Druck und Verfolgung, Hunger und Blöße, Gefahr und Schwert begegnen:

    „Deinetwegen (d. h. um des Herrn willen) werden wir den ganzen Tag zu Tode gebracht, wie zu den Schlachtschafen sind wir gerechnet.”

Rö 8. 35 - 36

 
    Das Fleisch muß sterben, da es der Gerechtigkeit Gottes nicht untergeordnet ist, und ihr nicht zu entsprechen vermag (Rö 8. 7); dazu ist ihm der Pfahl bzw. der Splitter gegeben. Dieser Splitter bewirkt Leiden für das Fleisch, das durch ihn im Tode gehalten werden soll, und es gilt, daß

    „der Leidende am Fleisch mit Sündigen aufgehört hat” (1Ptr 4. 1 - 2).

Am Beginn der Berufung stand nicht umsonst die Verheißung, daß Paulus leiden müsse (Apg 9. 16). Hier steht der Jünger nicht über seinem Lehrer (Mt 10. 24), was der Herr Jesus im Zusammenhang mit der Tatsache erwähnt, daß Seine Jünger um Seines Namens willen von allen gehaßt werden müssen; Widerspruch, Geißelung, Verrat und Verfolgung sind ihr normales Los (Mt 10. 17 - 23). Die Gemeinschaft mit dem Herrn ist also immer auch die Gemeinschaft Seiner Leiden (Phil 3. 10) – als reale Kreuzeserfahrung, da wir mit Ihm Mitgekreuzigte sind (Ga 2. 20, Rö 6. 6). Hier finden wir den Gedanken des mit Ihm, Christus, Mitgepfähltseins wieder, infolgedessen es dem Apostel

    „schwer sein” (wird), „gegen Stacheln auszuschlagen” (Apg 26. 14).

    Paulus kann nun – als ein mit Ihm an denselben Pfahl Gebundener – nicht mehr gehen, wie, wann und wohin er will, sondern wird sich an Seiner Gnade genügen (2Kor 12. 9). Die verschiedensten Widrigkeiten, die Paulus im Vorfeld dieses Wortes anführt (2Kor 11. 22 - 28), und die Tatsache, daß Gott seiner Bitte nicht entspricht und all diese Anfechtungen bestehen läßt (12. 8), offenbaren so die Erziehung des Vaters, der mehr sieht, als wir in solchen Situationen erkennen können (vgl. Hbr 12. 1 - 11). Wären die Anfechtungen – der dem Fleisch gegebene Splitter – nicht vorhanden, würde Paulus sich nämlich der hohen Offenbarungen, die der Vater ihm zuteil werden läßt, aufgrund seines ungekreuzigt bleibenden Fleisches alsbald überheben (2Kor 12. 7); sie würden ihm schaden.

    Unser Wort aus den Sprüchen, mit dem diese Betrachtung begonnen hat, offenbart so die Art und Weise, wie Gott mit Seinem Volk umgeht, damit es Ihm wohlgefällig werden, und Er an ihm Freude haben kann. Dies mag freilich keine uns allzu gefällige Botschaft sein; ihre – vielerorts sogar schon lehrmäßige – Ablehnung in heutigen, gerade auch in so manchen charismatischen Kreisen und Glaubensgemeinden zeigt einmal mehr, wie sehr unser heutiges „Christentum” und unsere Art zu denken, schon vom jetzigen Weltlauf und Humanismus, der nur noch den Menschen und das ihm Wohlgefällige in den Mittelpunkt gestellt wissen will, unterwandert worden ist. Es erscheint für unser Fleisch doch um so vieles leichter, nicht von Mahnung und Züchtigung, sondern von großartigen Visionen zu reden, denen wir angeblich nachfolgen sollen. Diese zur eigenen Vision umgedeutete väterliche Erziehung wird also umfunktioniert zu einem Befolgen von Prinzip und Methode, an deren Ende der Erfolg unseres Tuns stehen soll. Abermals will man sich hier selbst in einen Segen hineinbringen, wobei das Kreuz, mit dem wir verbunden sein sollen und das wir zu tragen haben – das uns gegebene Joch also – ausgeklammert wird (Mt 10. 38, 16. 24, Lk 14. 27 u. v. a.). Somit will man also wiederum, der uralten Verführung der Schlange folgend, vom Kreuz herabsteigen, um sich selbst helfen zu können (Mt 27. 40, 42, Mk 15. 30). Jesus, der Sohn Gottes, blieb an dem Kreuz; sogar Er lernte Gehorsam an dem, was Er litt, und wurde (!) so vollkommen gemacht (Hbr 5. 8 - 9); wieviel mehr wird Gott mit Seinen Kindern so verfahren! –

    Wir erkennen also unschwer, daß die Schriftstelle Spr 29. 18 in keiner Weise von einer Vision spricht, die Gott einem Menschen zukommen lassen wolle, sondern von der Art und Weise, wie Gott Sein Volk erzieht und führt, indem Er das für Sein Volk Richtige im Blick – „im Gesicht behält. Es geht daher also nicht um das, was der Sohn – Gottes Volk – sieht, sondern um das, was der Vater für ihn sieht. Da sich somit ein ganz anderer Zusammenhang aus dem Wort Gottes ergibt, ist nun mehr als deutlich geworden, daß dies keineswegs auf „Visionen” einzelner und einer vermeintlichen Führung durch sie angewendet werden kann – noch dazu dann nicht, wenn man dies in alttestamentlicher Weise d. i. die durch Menschen angestrebte Vermittlung zwischen einem Gläubigen und Gott – auf die Gemeinde des Neuen Bundes bezieht (vgl. Hbr 8. 10 - 12). Wiederum wird ein – recht geschickt eingefädelter – Schachzug der Finsternis offenbar: Das Wort des Herrn, das uns doch dazu anleiten sollte, nicht auf Menschen, sondern auf Gott Selbst zu bauen und sich in die völlige Abhängigkeit von Ihm – in Sein Joch und in Seine Zügel – zu begeben, wird, da es nur oberflächlich gelesen wird, verdreht, schließlich entstellt und in sein Gegenteil verkehrt, um unter das Joch von Menschen zu führen: Hier ist der Diabolos, der Durcheinanderwerfer, Satan selbst am Werke!



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Anmerkungen

[1] Die Konkordante Übersetzung transliteriert den Gottesnamen mit „Jewe”; wir wollen uns hier an das gebräuchlichere „Jahwe” halten.

[2] Engel” (angelos) ist mit „Bote” zu übersetzen. Ein Bote ist ein Überbringer. Zu denken ist hier sowohl an einen Engel Satans (Dämon) als auch als einen Menschen, der sich dem Bösen wissentlich oder unwissentlich ergeben hat.

[3] Paulus verwendet hier einen Begriff des römischen Militärs. Nach dem Sieg wurde der Feind wurde gefangen gesetzt; mithin galt er als „zunichte”, weil „unwirksam gemacht” (katargeoo, w. herab-unwirksam in Römer 6. 6). Bezügleich des „Körpers der Sünde” beutet dies die Aufhebung seiner Macht; er ist durchs Kreuz von oben her „zu Tode gebracht”.




Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985” und

Die Bibel. Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen. Version 2000. Neue revidierte Fassung. GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader,  3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle-Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969



Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Diese Schrift ist am 23. 06. 2011 zuletzt bearbeitet worden.


© 2003 ff.



 
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