Die Zehntenlüge - Teil 1



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Die Zehntenlüge

*

Vom Opfer,
dem Gebannten
und der Barmherzigkeit

*

I. Das andere Evangelium, oder:
Rühre kein Gebanntes an”


Darum sagte Er,
als Er in die Welt kam:

Opfer und Darbringung willst Du nicht,

aber einen Körper paßt Du Mir an.
An Ganzbrandopfern
und solchen für Sünde
hast Du kein Wohlgefallen.

Darum sagte Ich:
Siehe, Ich treffe ein
(in der Summe der Rolle
ist von Mir geschrieben),
um Deinen Willen,
o Gott, zu tun!

So hebt Er das Erste auf,

um das Zweite aufzustellen.

Hbr 10. 5 - 7, 9



*

Ausführlich überarbeitete und ergänzte Ausgabe 2011




Inhalt


Zum Geleit * Einführung * Der Fluch des Gesetzes * Die wirksame Kraft des Irrtums * Gnade oder Lohn? * Feinde des Kreuzes * Geistliche Hurerei und Geld: Babylon * Das fremde Joch * Angst * Heraus aus dem falschen Bund: Von Schulden frei * Treue oder Kapitalismus? * Das Todesurteil des Kreuzes * Verschlossene Himmelsfenster * Die Liebe sucht nicht das Ihre * Begehren? Entfliehe! * Das andersartige Evangelium und das Gebannte Gottes * Warnende Vorbilder: Gott allein * „Mir ist wohl... Was ist Wohlstand? * Vom Halten des Gesetzes: Leben für sich selbst * Das Wort vom Kreuz: Verordneter Stachel * Weg des Lebens - way of life? * Söhne der Widerspenstigkeit * Die Beschwörungen der Skevasöhne * Die Galater: gebannt, bezaubert, weggeführt * Das Fenster des Eutychus * Vom Wein benebelt? Ich kann nicht lesen!



Titel

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Zum Geleit

Lieber Leser,
In der vorliegenden Schrift handelt es sich
um das Ergebnis einer mehrfachen Überarbeitung
über die Aussagen der Heiligen Schrift,
die diese bezüglich unserer Versorgung,
dem Gesetz, der Gnade und auch der betreffenden Ordnungen
des Alten und des Neuen Bundes zu machen hat.
Sie hat darin einen gewissen Schlußpunkt
auch unter eine mehrjährige Irrfahrt meines eigenen Lebens gesetzt,
der ich mich selbst in den nachfolgend beschriebenen Irrtümern befunden habe.

So hatte ich mich vor einigen Jahren
zu entsprechenden Schriftstudien entschlossen,
deren Erkenntnisse bislang in einigen
wenigen Schriften niedergelegt worden sind.
Das Vorliegende stellt einen Teil dieser Arbeit dar.

Die Inhalte, um die es hier zu gehen hat,
sind von großer Brisanz; sie erscheinen, 
ohne darin übertreiben zu wollen, von höchster Dringlichkeit.
Darum sah ich auch keine Möglichkeit, sie für mich zu behalten;
das Empfangene sollte weitergegeben werden.
Handelt es sich in dem hier Beschriebenen
doch um eine Gefangenschaft,
ja für unser Glaubensleben tödliche Gefahr,
in die allzu viele hineingeraten sind 
und sich noch immer befinden 
und die dringend abgewendet werden muß.

Gnade oder Gesetz, Freiheit oder Knechtschaft,
Wahrheit oder Schein, Gottes Geist oder Dämonie -
das sind die Dinge, zwischen denen es hier zu entscheiden gilt.

Insofern will das hier Niedergelegte in die persönliche Umkehr zu Gott,
und durchaus auch in die Rückbesinnung zu dem führen,
was vielen einmal geschenkt war, bevor sie menschlichen Lehren gefolgt sind.

Der Leser ist herzlich eingeladen, das hier Niedergelegte
selbst zu lesen; es zu studieren,
und anhand des Wortes Gottes zu prüfen,
um dann mit in die Freiheit zu treten -
in die Freiheit des Gekreuzigten von Golgatha - 
und die Gnade und Liebe des himmlischen

VATERS

wiederzuentdecken. 

*




Einführung

  In einer Vielzahl der in unserem Lande entstandenen „Freien” bzw. so genannten „Glaubensgemeinden” hat sich die Einforderung von Zehnten - und sonstigen Opfergaben durch eine hierarchisch strukturierte Leiterschaft sehr eingebürgert. Dabei ist ganz offensichtlich eine Frömmigkeitsform entstanden, die sich stark an alttestamentlichen Vorschriften und dem in ihnen enthaltenen Levitendienst orientiert. Kennzeichnend hierfür ist im Wesentlichen der Gedanke der Versorgung einer über das „Volk” gesetzten geistlichen Oberschicht, und der Aufrechterhaltung der durch diese Oberschicht errichteten gemeindlichen, durchaus auch kirchenähnlichen Strukturen durch die so genannten gewöhnlichen Gläubigen, die damit das Volk, nach korrekter sprachlicher Deutung des dem zugrunde liegenden Wortes laos also die Laienbilden. Ich verwende darum diese Formulierung, weil ich mit ihr deutlich will, daß hier das alte römische Modell eines über die vorgeblich unmündigen Laien regierenden Klerus, wenn auch unter biblisch klingendem Namen, fröhliche Urständ' feiert. Ein Vertreter dieser Ordnung wird dies natürlich empört von sich weisen. Wie deplatziert insbesondere die diesem Dienst zugrundeliegende Zehntenlehre in der Gemeinde des Neuen Bundes jedoch ist, vermag allerdings daran deutlich zu werden, wenn wir uns Sinn und Inhalt der biblischen Zehnten betrachten – als einer zum Volk Israel gehörenden Ordnung, die allein im Zusammenhang mit dem ihm verheißenen Land steht und die später mit dem Gesetz aufgenommen worden ist, welches ebenfalls im Bezug auf dieses Land erlassen wurde. Die klerikale Ordnung, die man in den meisten Gemeinden aufgerichtet hat, ist schon darum nicht haltbar, weil sie wesentliche Elemente dieses Lebens unter dem Gesetz wieder aufrichtet, wobei die Freiheit der Kinder Gottes in dem Maße beschnitten wird, wie solche Elemente zunehmen.

    Wir wenden uns dabei ausdrücklich nicht gegen jene, die aus Liebe heraus und je nach ihrem Vermögen, einen regelmäßigen Betrag an eine Gemeinde, ein christliches Werk oder an andere bedürftige Personen geben. Es ist sicher auch legitim, sich dabei an Maleachis Zehnten anzulehnen. Legitim ist es jedoch nicht, daraus ein Gesetz zu machen, das für den Leib Jesu gelte, oder zu behaupten, daß der, der solches tue, damit geistlicher als andere sei. Denn damit wird ganz klar eine Grenze überschritten, die nach gesamtbiblischer Lehre nicht überschritten werden darf. Darin liegt dann auch die Gefahr, in der letztlich jeder steht, der seine Gaben an einem bestimmten Prozentsatz festmachen will. Liebe läßt sich nicht in Prozenten ausdrücken, eine gesetzliche Gesinnung schon. Wogegen wir uns also richten, ist die Zehntenlehre, nach der nur derjenige sich in materiellem Segen befinden könne, der „seinen” Zehnten gebe und entsprechend opfere. Auch die Lehre vom „Kornhaus”, das vorgeblich durch die „Ortsgemeinde” dargestellt werde und in das dieser Zehnte dann zu fließen habe, ist eine falsche und unzulässige Buchstabenklitterung und hat mit den Lehren des Neuen Testamentes nichts zu tun. Wer nämlich „die Gemeinde” an sich für „sein Kornhaus” hält, aus dem er also „seine geistliche Nahrung” bezieht, der verwechselt „Gott” mit „Gemeinde”, und setzt zuletzt „Leiterschaft” an die Stelle des Heiligen Geistes, der allein in alle Wahrheit führt. Wohl sollen wir uns von denen, die gereift sind und voran gehen, sagen und uns belehren lassen. Wir dürfen dabei aber nicht Menschen an Gottes Stelle setzen. Hier hat man, wie in so vielen anderen Fällen auch, einfach Dinge aus verschiedenen Zusammenhängen der Heiligen Schrift herausgenommen und sie dann miteinander vermengt – Dinge, die nicht vermengt werden dürfen, da sie nach biblischer Lehre nicht zusammen gehören.

    Es ist zwar alles biblisch, was in der Bibel steht, aber nicht alles, was biblisch ist, ist darum in jeder Situation richtig, so daß wir es jederzeit anwenden könnten. Wir müssen die Aussagen der Schrift in ihren jeweiligen Zusammenhängen belassen und dürfen sie nicht interpretieren, wie es uns gefällt oder am eingängigsten oder vielleicht auch am praktikabelsten erscheint. So ist die Zehntenlehre nicht zuletzt auch ein Ergebnis einer überaus nachlässigen Schriftauslegung, sofern man überhaupt von Schriftauslegung im biblischen Sinne sprechen kann. Wir haben oben angeführt, daß der levitische Dienst integraler Bestandteil der Ordnung Israels unter dem Gesetz war, im Geltungsbereich des ihnen verheißenen und später auch eingenommenen Landes, zu welchem die Zehnten unlösbar gehörten. Aus diesem Grunde waren auch nur die Landbesitzer in dieselbe einbezogen als diejenigen, die die Zehnten zu entrichten hatten; alle anderen (wie etwa die Tagelöhner als die „abhängig Beschäftigten” jener Zeit) waren von dieser Verpflichtung frei. Dieser Ordnung, die fälschlicherweise immer wieder in unserer Zeit angewandt wird, soll im Verlaufe dieser Schrift die Ordnung der Gemeinde des Neuen Bundes gegenübergestellt werden, die freilich keine irdische, aufs Land bezogene und darum vergängliche Ordnung mehr ist, sondern eine himmlische und unvergängliche. Hierbei wollen wir unser Hauptaugenmerk auf die Art und Weise richten, in der Gott Seine unter diesem Bund lebenden Kinder versorgt. Dabei gilt es deutlich zu machen, daß derjenige, der diese ihm gesetzte Ordnung zugunsten einer anderen verläßt, damit nicht nur seine damit verbundene Versorgung aufgibt, sondern, da er sich auf Werke verläßt, auch dabei ist, seine Gnade zu verlassen und zuletzt seinen Frieden zu verlieren.

    Denn Christus ist unser Friede, da Er es ist, der uns durch Sein Blut am Kreuz mit Gott versöhnt, die Feindschaft durch das bis dahin unerfüllt gebliebene Gesetz in seinem eigenen Fleisch niedergerissen und so beiden, Juden wie Nationen, den freien Zutritt zum Vater ermöglicht hat (Eph 2. 14). In diesem Sinne stellt Er die Vollendung, d. h. also sowohl die Erfüllung, als auch, da in Ihm stellvertretend für uns dem Rechtsanspruch des Gesetzes bereits volle Genüge getan worden ist, den in dieser Erfüllung liegenden Abschluß des Gesetzes dar (vgl. Rö 10. 4). [1] Ich höre nun wohl die Frage, wie es um den Zehnten Abrahams stehe, den er doch lange vor dem Gesetz dargebracht habe, als Melchisedek, der Priester des Höchsten und König von Salem, aus der himmlischen Welt heraustrat und ihn segnete. Wir werden also vor allem Abrahams Zehnten beleuchten, was ganz ausführlich und umfassend geschehen soll, wie wir auch nicht vergessen wollen, auf all die anderen Zehnten einzugehen, die in der Heiligen Schrift erwähnt worden sind und, so sie vor dem Gesetz geschahen oder wenigstens zugesagt wurden, alle auf punktuelle und freiwillige Entscheidungen, nie aber auf eine Anordnung Gottes zurückzuführen gewesen sind. Und wir werden uns auch den Aussagen des Neuen Testaments widmen, wie beispielsweise denen des Matthäusevangeliums und des Hebräerbriefes, die zur Rechtfertigung der Zehntenlehre immer wieder so gerne angeführt werden. Anhand der klaren Aussagen der Heiligen Schrift wird nachzuweisen sein, weshalb wir gerade auch an den hier erwähnten Zehnten keinerlei Anteil haben und, da wir Bürger des Himmels sind, von ihnen – als den Dingen dieser Erdeso vollständig und gründlich ausgenommen sind, wie man von einer Sache nur ausgenommen sein kann.

    Wir werden dabei entdecken, daß insbesondere der Zehnte Abrahams, obschon er vorzeiten dem Melchisedek dargebracht worden war und – im Hinblick auf diesen – auch im Hebräerbrief erwähnt wird, sich keineswegs auf den Neuen Bund bezieht, sondern auf Levi, den damals noch zukünftigen Priesterstamm unter dem Gesetz und der darin enthaltenen Art der Versorgung des Alten Bundes hinzielt, auf dessen Linie und Dienst unser Herr gerade nicht zurückzuführen ist (Hbr 7. 5 - 9). Und dieser Zehnte kam nicht einmal aus Abrahams Eigentum; es war vielmehr der zehnte Teil der eroberten Beute, die aus Lots, seines Neffen, Habe kam und die er räuberischen Königen aus dem verheißenen Land wieder abgejagt hatte. Auch war dies eine einmalige Sache, die sich danach nie wieder ereignet hatte. Wie staunte ich selbst, als ich im Zuge dieser Studien gewahr wurde, daß Abraham seine eigene Habe zu keiner Zeit seines Lebens verzehntete! Nichts davon steht in der Bibel; und doch war Abraham zeitlebens steinreich, ohne aus seinem Besitz auch nur einen einzigen Zehnten entrichtet zu haben.

    Das ist allerdings auch kein Wunder, wenn wir bedenken, daß der Zehnte sich aus den Erträgen des Landes bezog, das ihm zwar zugesagt war, in welchem er jedoch

   „verweilte als einem fremden,

   
wie es im Hebräerbrief heißt; er

   „wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Mitlosteilhabern derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die Grundfesten hat, deren Künstler und Baumeister Gott ist.”
Hbr 11. 9 - 10

    Die „Zelte”, in denen nicht nur Abraham, sondern sogar auch Isaak und Jakob wohnten, deuten das nur Vorübergehende dieser Ordnung schon an. Abraham besaß von dem Lande, das Israel zu geben Gott geschworen hatte, selbst nichts, und am Ende nur eines, nämlich ein Grab für seine Frau Sara und für sich, das er seinerzeit den Hethitern abgekauft hatte, welches dort besteht bis auf den heutigen Tag (1Mo 23. 1 - 20). [2] Daß der Zehnte immer und ausschließlich (!) im Zusammenhang mit dem verheißenen Lande Israel steht, und zwar mit dem Besitz dieses Landes, haben uns die Zehntenlehrer allerdings wohlweislich unterschlagen. Denn sonst hätten wir gar zu bald bemerkt, daß jenseits dieses Landes selbst Israel an keinerlei Zehnten gebunden war. Daß die Zehntenlehre aus dem Gesetz kommt, und nicht etwa auf Abrahams Zehntengabe zurückzuführen ist, erkennen wir bereits aus dem Umstand, daß die heute agierenden Zehntenlehrer sich alle auf Maleachi, dort vor allem auf Kapitel 3. 7 - 12, berufen. Maleachi aber richtet sich eindeutig an den Stamm Levi, den Priesterstamm, der den Gesetzes- und Opferdienst Israels auszuführen hatte (Mal 1. 6ff, 2. 1ff; 3. 7). Abrahams Gabe an Melchisedek ist also lediglich vorgeschoben, um derlei Lehren zu rechtfertigen und sie vor allem des Verdachtes entheben zu können, daß man es hier mit Gesetzeslehren zu tun haben könnte. Nachdem ich solche und andere Dinge erkennen durfte, galt es um so mehr, den hier zwar weitverbreiteten, nichtsdestotrotz aber dennoch falschen Lehren auf den Zahn zu fühlen und die hinter ihnen stehenden Wirklichkeiten zu entlarven. Aus genau diesem Grunde trägt diese Schrift auch den Titel „Die Zehntenlüge”, weil diese Lehre tatsächlich eine Lüge ist, und ein gewaltiger Betrug dazu.

    Für viele mag das wie ein Paukenschlag klingen. Aber das haben Paukenschläge ja auch an sich: wie in Haydns Sinfonie sollen sie den, der schläft, aus seinem Schlummer aufwecken. Denn mit gefährlichem, geistlichem Schlaf hat die Zehntenlehre sehr viel zu tun, wie wir noch sehen werden. Und so werden wir anhand dieser Untersuchung alsbald zweifelsfrei herausfinden, daß diese Lehre, obwohl sie so weite Verbreitung gefunden hat, rein gesetzlicher Natur ist, und auch hierin jenes andere Evangelium wiederfinden, vor dem schon Paulus immer wieder gewarnt hatte – als einem solchen, das die Gläubigen dazu verführt, sich auf ihr eigenes Tun, statt sich allein auf die in Christus geoffenbarte Gnade zu verlassen, und sie damit unter die Knute des Gesetzes, als dem von Vormündern und Verwaltern unterjocht, somit von Menschen abhängig macht und sie infolgedessen dem Fluch all derer, die mit Gesetzeswerken umgehen, anheimfallen läßt (vgl. Ga 1. 6 - 8, 3. 1 - 14; 4. 1 - 7 u. a.). Von diesem Fluch werden wir nachfolgend zu reden haben. –



Der Fluch des Gesetzes

    Worin besteht nun dieser Fluch des Gesetzes? Er resultiert zunächst daraus, daß derjenige, der das Gesetz in Anspruch nimmt, um aus dem Halten seiner Bestimmungen heraus zu leben, sich diesem Gesetz gegenüber unterordnet und verpflichtet, ihm also verfallen ist. Er geht mit dem Gesetz demnach einen Bund ein – indem er an dieses Gesetz gebunden wird (dazu ist ein Bund da) hat er ihm zu dienen und wird somit zu seinem Sklaven (vgl. Ga 4. 1 - 9). Jeder Bund hat zwei Seiten, die miteinander zusammenwirken und auf die es entsprechend einzugehen gilt. Der Bund des Gesetzes besagt nun, daß derjenige, der aus seinen Geboten lebt, durch sie leben wird (Ga 3. 12). Das Gesetz besitzt also durchaus die Eigenschaft, in sich selbst zu wirken und wenigstens in Grenzen auch zu funktionieren, d. h. also für den, der es befolgt, Resultate seines Befolgens hervorzubringen. Indem es dem ans Gesetz Glaubenden dazu anhält, die Bestimmungen desselben einzuhalten, setzt es das entsprechende richtige eigene Handeln voraus, um die Verheißungen desselben Gesetzes einzulösen. Dieses Leben aus dem Gesetz verlangt dann aber auch das Halten des ganzen Gesetzes. Denn es gilt vergleichsweise, daß der, der sagte, „du sollst nicht ehebrechen”, auch sagte, „du sollst nicht morden” (Ja 2. 3). Wer also auch nur einen einzelnen Bestandteil des Gesetzes für sich nutzt, um daraus zu leben – nehmen wir als Beispiel durchaus einmal das Gebot des Zehnten an – geht damit dem Gesetz gegenüber eine Verpflichtung, eine Bindung ein, die besagt, daß er nun schuldig ist, das ganze Gesetz zu halten.

    Paulus erwähnte in diesem Zusammenhang die Beschneidung, und sagt, daß dies demjenigen gilt, der sich beschneiden läßt. Denen, die sich beschneiden ließen, sagte er ganz unmißverständlich, daß Christus ihnen nichts mehr nützen würde (Ga 5. 2 - 3), und folgert daraus:

    Ihr seid des Segens enthoben und von Christus abgetrennt, die ihr durch das Gesetz gerechtfertigt werden wollt: Ihr seid aus der Gnade gefallen.

Ga 5. 4

    Hier gibt es nur ein ganz unerbittliches Entweder-Oder. Beides zusammen können wir nicht haben. Entweder wir sind unter dem Gesetz, dann gehen wir der Gnade verlustig, oder aber wir sind unter der Gnade, dann sind wir frei vom Gesetz. Allen aber, die aus dem Gesetz heraus leben wollen, gilt das Wort Gottes, das ihnen sagt:

    Verflucht ist jeder, der nicht bei allen in der Rolle des Gesetzes geschriebenen Geboten bleibt, um sie zu erfüllen.

Ga 3. 11

    Wer sich auf diese Weise dem Gesetz ausliefert, der erfährt auch den Fluch desselben Gesetzes. Denn der, der aus dem Gesetz heraus leben will, übersieht die ganz entscheidende Tatsache, daß das Gesetz zwar heilig und gut ist, jedoch seine Grenzen findet in der Sündlichkeit des eigenen Fleisches (Rö 7. 12 - 25). Kurzum, er negiert sein eigenes Sünder-Sein, wie dies ja in der gesamten Glaubensbewegung schon von der Lehre her geradezu vorausgesetzt, ja gefordert wird. Sicher ist zwar, daß die Heilige Schrift wiedergeborene Kinder Gottes – von ihrem Stand und ihrer Berufung her – nirgends Sünder nennt. Gerecht sind wir jedoch nie in uns selbst, gemäß eigener Werke oder des eigenen Verdienstes, sondern immer nur in Christus. Das In-Christus-Sein ist jedoch keine statische Angelegenheit, sondern eine des täglichen Wandels in der Abhängigkeit von Ihm. Auch ist der, der sich als sündlos bezeichnet, ein Lügner und ein Betrüger seiner selbst (1Jo 1. 7 - 10).

    All diese Dinge kennzeichnen schließlich auch die Zehntenlehre als eine Ausgeburt nicht nur des Stolzes, sondern auch einer zutiefst gesetzlichen Frömmigkeit, indem sie das Gefährliche auch eines nur vermeintlichen Glaubenslebens demaskieren, das von Paulus ganz klar als nicht aus dem Glauben, sondern aus dem Gesetz kommend definiert wird (Ga 3. 12). Und in dem Maße, in dem man dieses Gesetz für sich anwandte, um es für sich wirksam zumachen, verließ man auch die Gnade, nach der Christus den Fluch für uns getragen hatte. Warum? Man hat sich dem Gesetz, das man für sein Leben anwenden wollte, gegenüber verschuldet – man ist ihm verfallen, da der, der in einem Gebot strauchelt, dem ganzen Gesetz gegenüber schuldig geworden ist (Ja 2. 10). Denn es ist nicht möglich, daß ein Mensch in der Lage sei, das ganze Gesetz Gottes zu halten. Dazu war es allerdings auch nie da. Es ist uns nämlich nicht zum Leben gegeben, sondern zum Tode zum Tod unseres eigenen Lebens ohne Christus und in eigener Kraft (Rö 7. 4ff).

    Darum ist das Gesetz nur zu einem gut, und nur zu einem darf es daher auch angewandt werden: Es bewirkt Erkenntnis der Sünde, führt den Sünder also zur Buße (Rö 3. 20) und leitet ihn damit auf Christus hin (Ga 3. 21 - 24). Und der, der an Ihn glaubt, der also „Christus angezogen” hat, ist nicht länger unter diesem Geleiter (Ga 3. 25 - 28). Das Gesetz ist demnach...

    ...ausgezeichnet, wenn es jemand gesetzmäßig gebraucht; auch wissen wir dies, daß das Gesetz nicht für Gerechte bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Aufsässige, Ruchlose und Sünder, Huldlose und Unheilige, Vatermißhandler und Muttermißhandler, Männermörder, Hurer, Männerschänder, Männerräuber, Lügner und für anderes, was der gesunden Lehre widerstrebt.

1Tim 1. 9 - 11

    Denn gegen den, der in Ihm, im Geist also wandelt, besteht kein Gesetz (Ga 5. 23). Das aber entlarvt die Zehntenlehre ganz eindeutig als eine falsche und damit unzulässige Anwendung des Gesetzes, was man freilich wiederum mit diversen Kunstgriffen zu verschleiern sucht, mit denen wir uns noch auseinandersetzen werden.

    Doch ist diese Entwicklung nichts wirklich Neues. Sehr zeitig schon hatte die Gemeinde mit gesetzlichen Einflüssen zu kämpfen gehabt. Die kirchengeschichtliche Forschung geht etwa von einem Zeitraum von nur fünfundzwanzig Jahren aus, die seit ihrer Entstehung vergangen waren, als gesetzliche und andere Irrlehren sie unterwandert und sich in ihr mehr oder weniger fest etabliert hatten. Man verweist mit Recht darauf, daß die Schriften des Neuen Testamentes ganz gewiß andere Inhalte bekommen hätten, wenn es diese fortwährende Unterwanderung und den Hang zur Umdeutung des Evangeliums nicht gegeben hätte. Gläubig gewordene Pharisäer etwa bestanden schon früh darauf, daß man die Gläubigen aus den Nationen wiederum beschneiden und auch anweisen müsse, das Gesetz Moses zu halten (Apg 15. 5). Immer wieder brandete diese Gesetzlichkeit heran und drohte die Gemeinde zu überschwemmen, um aus den in Christus Freigewordenen wieder Sklaven zu machen. Es galt also, diese wiederum hereinbrechende Gesetzlichkeit einzudämmen und gesetzlichen Lehren einen Riegel vorzuschieben. Demgemäß kam bereits die noch junge Gemeinde darin überein, auf die Jünger nicht abermals ein Joch zu legen, das weder sie noch ihre Väter zu tragen vermocht hatten (Apg 15. 10).

    Und so sandte man mit Paulus und anderen...

    ...durch deren Hand folgendes Schreiben: „Die Apostel, Ältesten und Brüder grüßen die Brüder aus den Nationen in Antiochien, Syrien und Cilicien: Freuet euch! Weil wir gehört haben, daß einige, denen wir keinen Auftrag gegeben hatten, von uns ausgegangen sind und euch mit ihren Worten beunruhigen und eure Seelen verstören, erscheint es uns gut, – so haben wir einmütig beschlossen – Männer zu erwählen und sie mit unseren geliebten Barnabas und Paulus zu euch zu senden. Beide sind Menschen, die ihre Seelen für den Namen unseres Herrn Jesus Christus hingegeben haben. Daher haben wir Judas und Silas geschickt, sie werden euch dasselbe auch noch mündlich verkünden. Denn es erscheint dem Geist, dem heiligen, und uns gut, euch keine weitere Bürde aufzuerlegen außer diesem, was unerläßlich ist: nämlich euch fernzuhalten von Götzenopfern, von Blut und Ersticktem und von Hurerei. Wenn ihr euch sorgfältig davor bewahrt, werdet ihr wohl handeln. Lebt wohl!”

Apg 15. 23 – 29 (s. a. 15. 20, Kap. 21. 25)

    Allein daran erkennen wir, wie abwegig es ist, in der neutestamentlichen Gemeinde noch einen Zehnten nach dem Muster Maleachis (3. 7ff) einführen zu wollen. Denn dieser Zehnte (richtiger wäre es allerdings, von den Zehnten zu sprechen) entspringt ja ganz klar einem Gebot an das Volk Israel, das sich namentlich an den Stamm Levi als die entsprechende Priesterschaft des Alten Bundes richtet, und wird dort ganz eindeutig im Zusammenhang des Gesetzes Mose benannt (Mal 2. 1 - 9; 3. 6 - 7, 22). Außer den vier oben genannten Dingen sollte also nichts weiteres aus dem Gesetz mehr übernommen werden. Diese vier haben auch ihren besonderen Sinn. Keinen Sinn aber macht die Zehntenlehre im Neuen Bund, da dort der Levitendienst nicht mehr vorhanden ist, dem diese Zehnten zuzuordnen sind. Im Neuen Bund gibt es keine besondere Priesterschaft mehr; hier ist das gesamte Volk Priestertum, das auch den Leib des Herrn bildet, und nicht nur einige wenige (1Ptr 2. 9 - 10). Schon diese Sätze sollten dem, der die Zehntenlehre noch vertritt, wenigstens aufhorchen lassen, um einmal nachzudenken, ob das alles noch ganz richtig ist, was er da tut. Dasselbe gilt allerdings auch dem heute weitverbreiteten Leiterschaftsgebaren, das durch sie bedient wird. Wer solche Dinge aufrichtet, der zeigt, daß er aus dem Wesen des Gesetzes als dem eines Schattens und Vorläufers (Hbr 8. 4 – 5) noch nicht herausgekommen ist: Er lebt noch nicht wirklich in den Dingen selber. Wie die Lehre, daß die Gemeinde einer klerikalen Struktur nach dem Muster Levi untertan sei, so gehört auch die Zehntenlehre nicht in den Neuen Bund hinein; demnach sind beides gesetzliche Irrlehren!

Die wirksame Kraft des Irrtums

    Das Befolgen solch gesetzlicher Lehren ist also eine durchaus ernste Sache, und darf daher keineswegs so leicht abgetan werden, wie dies in gewissen Kreisen leider fortwährend geschieht. Die heutige, insbesondere in den sogenannten Glaubensgemeinden zumeist vorherrschende Zehntenlehre ist nur eine davon. Freilich geht es uns um diese hier in erster Linie; wie auch andere Gesetzeslehren, so ist auch sie als eine äußerst gefährliche Fälschung zu entlarven, die in keiner Weise hingenommen werden darf – und das umso mehr, wie man gerade in diesem Zusammenhang gewisse Schriftzusammenhänge immer wieder umgedeutet, ja regelrecht umgebogen hat, um sie den eigenen Vorstellungen anzupassen. Gefährlich ist sie nicht nur, weil sie vielen Geschwistern das Geld aus den Taschen zieht, oft gerade auch von solchen, die Not leiden, und das zumeist für Dinge, die Gott an keiner Stelle geboten hat. Gefährlich ist sie vor allem darum, weil sie dieselben Geschwister wieder unters Gesetz bringt, indem sie die Werkgerechtigkeit aufrichtet; sie bewirkt ein Fallen aus der Gnade und macht aus Freien wieder Sklaven, nachdem sie dieselben unter einen fremden Geist gebracht hat. Die andere, kaum geringere Gefahr liegt darin, daß diese Lehre in Stolz und Habgier hineinführt; es ist besonders die so typisch menschliche Habgier, die von ihr angesprochen und regelrecht bedient wird. Hier rächt sich die falsche Haltung jener, die sich nur allzu schnell selbst Lehrer ausgesucht haben, die das verkündigten, was man hören wollte, da es dem eigenen Begehren entsprach, wie Paulus dem Timotheus schreibt:

    Denn es wird eine Frist kommen, wenn Menschen die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern sich selbst nach eigenen Begierden Lehrer aufhäufen, weil ihr Gehör gekitzelt wird; und zwar werden sie das Gehör von der Wahrheit abwenden und sich den Sagen zukehren.

2Tim 4. 3 - 4

    Daß diese Frist da ist, ist offenkundig und nicht zu leugnen. Dabei ist zugunsten falscher Lehren (den „Sagen”) die schlichte Wahrheit des Evangeliums klar verlassen und aufgegeben, ja zur Lüge erklärt worden. Sozusagen mit Phantasie, List und Tücke wurde die Wahrheit mit der Lüge vertauscht, die dann zur vermeintlichen Wahrheit umgedeutet worden ist. Damit wurde allerdings der Beginn einer geistlichen Gefangenschaft eingeleitet: Denen, die die „Liebe der Wahrheitnicht angenommen haben, sendet Gott Selbst eine „Wirksamkeit (grie. energeia, Kraft im Sinne einer Einwirkung) des Irrtums” (2Th 2. 10 - 12). Das ist bereits Gericht, denn Gott Selbst ist es ja, der eine solche Wirksamkeit nicht nur zuläßt, sondern sendet, und zwar darum sendet, weil man Seine Wege und Führungen verlassen und sich – unter Umdeutung Seines Wortes – von Ihm in weiten Zügen abgewandt hat. Dabei haben wir meistens gedacht, daß alles recht sei, wenn nur „Zeichen und Wunder” geschähen (in unseren Augen) und wir demnach „Ergebnisse” und „Erfolge” aufweisen könnten. Ganze Lehrgebäude bedienen diese Vorstellungen kaufmännischen Denkens und des Pragmatismus. Doch weit gefehlt. Gerade darin liegt ja die Verführung des Irrtums, daß er wirksam ist – d. h. also in sich funktioniert, und daher durchaus auch zu Resultaten führen kann und wird. Nicht umsonst wird in diesen Zusammenhang eindringlich auf jenen Gesetzlosen hingewiesen,

    ...ihn, dessen Anwesenheit gemäß der Wirksamkeit (energeia) Satans ist, mit aller Kraft, Zeichen und Wundern der Lüge und durch jede Verführung der Ungerechtigkeit unter denen, die untergehen.

2Th 2. 9 - 10

    In diesem Wort heißt es nicht, daß an dieser Stelle keine Kraftwirkungen geschähen. Sie geschehen sehr wohl, was freilich nichts damit zu tun hat, daß dies etwas Geistliches wäre. Sie sind ja keine göttlichen Gaben, sondern Kundgebungen und Manifestationen betrügerischer Geister und damit Satans selbst. Daran wird ersichtlich, was es heißt, ein anderes Evangelium zu empfangen. Es bedeutet damit auch, gleichzeitig einen anderen Jesus und einen anderen Geist anzunehmen, was Paulus im zweiten Korintherbrief denen ins Stammbuch geschrieben hat, die doch so sehr von den Lehren der „hervorragenden Apostel” fasziniert waren (2Kor 11. 1 - 6) – um sich dabei doch nur der Versklavung, dem Aufzehren, der Beraubung, der Überhebung und den Schlägen durch diese auszuliefern (2Kor 11. 19 - 20). Paulus hat diese Sätze nicht umsonst geschrieben. Sie sind hochaktuell. Hier hängt tatsächlich eines am anderen. Gesetzeslehren und geistlicher Mißbrauch von Geschwistern gehen stets Hand in Hand. Und immer geht dies einher mit einem ungesunden Personenkult, in welchem Leiterschaft zum Maß der Dinge gemacht wird. Blind muß der sein, der die offensichtliche Übereinstimmung dieser Aussagen mit dem Geschehen in solchen Strukturen heute nicht mehr erkennen kann. Aber eine solche Blindheit, der ich selbst lange Jahre unterlag, zeigt eindrucksvoll, wie wirksam gerade diese Dinge sind.

    Eine nicht unerhebliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die in diesen Strukturen weitverbreitete Ansicht, nach der das Evangelium zu einer Methode umfunktioniert worden ist, durch die man – nach solcher Lehre – einen allein auf den Bereich dieser Welt zugeschnittenen Segen für sich erwerben soll. Hierzu sind wenigstens zwei wirksame Aspekte zu erwähnen. Der erste ist die in solchen Vorstellungen vollständige Abwesenheit der Liebe. Im Gegensatz zur Liebe (agape) nämlich, die gemäß 1Kor 13. 5 nicht das Ihre sucht, wird man nach solcher Lehre nämlich in der Tat dazu gehalten, etwas für sich selbst zu begehren, ja es zum Maßstab einer vorgeblich „rechten” Frömmigkeit zu machen. So wird der, der etwa arm ist, selbst als Grund seiner Armut benannt, da er nach deren Vorgaben es nicht nur versäumt habe, die „richtigen” Bibelstellen über den „ihm verheißenen Wohlstand” zu bekennen, sondern obendrein „Gott auch den Zehnten verweigert” und auch sonst nicht hinreichend „geopfert” oder anderweitig „gesät” habe. Das ist allerdings nicht nur Lieblosigkeit in ihrer ausgeprägtesten Form, sondern auch Gesetzlichkeit im Reinstformat, die in dieser Form noch nicht einmal im Alten Bund gegeben war – denn dort waren es tatsächlich ausschließlich die Landbesitzer, als die Vermögenden jener Zeit, denen die Zehnten verordnet waren.

    Diese Vorstellungen sind außerordentlich perfide, da sie gerade viele arme Geschwister dazu veranlassen, Geld zu geben, das sie eigentlich gar nicht zur Verfügung haben. Für sie gibt es keinen Ausweg: sagen sie, daß sie keine Mittel hätten, werden sie eines vorgeblich „falschen Bekenntnisses” schuldig gesprochen; so werden sie ausgegrenzt und gehören nicht „wirklich” zur Gemeinschaft „dazu”. Und das geht naturgemäß solange, bis endlich auch ihr Geld in der Gemeindekasse gelandet und ihr Gehirn nach den Vorstellungen der „großen Apostel” gewaschen ist oder sie die Gemeinschaft verlassen haben, wonach unter Umständen auch noch vor ihnen „gewarnt” wird. So müssen sie sich die volle Teilhabe an ihr immer wieder mit ihren eigenen Gaben erkaufen. Das riecht geradezu nach Ablaßhandel. Für viele ergibt sich daraus ein gewaltiger Teufelskreis. Sie sollten wissen, daß dieser Teufelskreis durchbrochen werden kann durch die Erkenntnis, daß diese Lehre eine Lüge ist. Eigentlich handelt es sich dabei um ein ganzes Lehrsystem, das aus einer Ansammlung mehrerer, geschickt miteinander verwobener Lügengebäude besteht.

    Ebenso ist es um die so genannte „Saat-und-Ernte-Lehre” bestellt, nach der ebenfalls nur der an einer rechten irdischen Versorgung teilhaben kann, welcher (ähnlich wie bei der „Zehntenlehre”) entsprechendes zuvor „sät”, um aus dieser Saat dann auch eine eigene „Ernte” zu erhalten. Dabei wird jedoch regelmäßig übersehen, daß es bei solchem Säen überhaupt nicht darum geht, etwas für uns zu säen, damit unser eigenes Fleisch eine Ernte habe: Von unserem Fleisch ernten wir zwar tatsächlich etwas. Was wir hier ernten, ist allerdings nichts als Verderben, weil die Ernte, für die hier gesät werden soll, nämlich nie für uns bestimmt ist, sondern immer nur für andere (Ga 6. 7ff). Was uns dabei geschenkt werden soll, sind immer und ausschließlich geistliche Dinge, die das ewige Leben betreffen (V. 8). Die Regel des Neuen Bundes ist, die Arbeit Gottes betreffend, daß einer sät, und ein anderer erntet (Jo 4. 36 - 38). Damit ist ein anderer Kunstgriff, dessen sich die Irrlehrer der Glaubensbewegung (und leider auch anderer Bewegungen und Strömungen) bedienen, eindeutig der Lüge überführt. So muß also auch hier die versprochene Geld- und Wohlstandsvermehrung ausfallen! Sie kann nicht funktionieren. Aber nicht nur das: Jakobus etwa bezeichnet eine solche Religiosität, die sich am Äußeren festmacht und deren eigentlicher Inhalt das eigene Begehren ist, nicht nur als eine der echten und gottgemäßen Frömmigkeit diametral entgegengesetzte, sondern als eine dämonische und von Satan beeinflußte (Ja 4. 1 - 10, s. a. Kap. 2), und scheut sich dabei nicht, die sie Ausübenden als Feinde Gottes zu benennen, die sich in Hoffahrt üben (4. 4, 13 – 17). Damit sind solche Lehren als dem Wesen nach als hoffärtig überführt. Wen wundert es da noch, daß die einschlägigen Irrlehrer sehr, sehr häufig auch spürbar in derselben gefangen sind, was sich regelmäßig in ihrem äußerlich erkennbaren Verhalten gegen ihre Geschwister niederschlägt?

    Der zweite hier vorliegende Aspekt, der mit dem oben Genannten freilich eng zusammenhängt, ist die Betonung des Irdischen, nicht des Himmlischen; das Himmlische wird höchstens noch ins Irdische hinein umgedeutet, und der Fokus gerät damit vom Unsichtbaren, worauf er nach dem Neuen Testament ja gelegt werden soll, wieder hin zum Sichtbaren – ein klarer Rückfall aus der Gnade, weg von der Himmelswelt, hin zu den Dingen dieser Erde, die man begehrt und für sich oder die eigene Struktur zu verwerten sucht. Vielleicht – ganz gewiß sogar – ist es an dieser Stelle richtiger, sogar von Abfall zu sprechen. Bei solchem Abfall interessiert nicht mehr der Himmel, sondern vielmehr die Erde, und das Leben in diesseitigem Wohlstand, den es einzunehmen gelte, und der demnach zum Maßstab eines rechten Glaubens erhoben wird.

    Um sich nun einen solchen irdischen Wohlstand zu sichern, sprich: ihn für sich selbst zu erwerben, gilt es nach solcher Lehre etwas zu tun. Am Ende dieses Tuns, wie etwa dem des Zehntengebens, steht dann sein Verdienst – hier ist es der irdische Wohlstand, den es dadurch zu erwerben gilt, wie schon Maleachi dem Israeliten, der treu seine Zehnten entrichtete, verhieß, daß seine Scheunen bald überquellen würden (Mal 3. 10ff). Gerade ein solches Erwerben spricht ja vom Gesetz, das seinen Zuhörern auferlegt, daß derjenige, der dessen Gebote tut (erfüllt), durch diese leben wird (Ga 3. 12, 3Mo 18. 5). Wir sehen also, daß das Gesetz einschließlich der in ihm enthaltenen Zehnten vorrangig auf den irdischen Segen zielte, da es den Israeliten im Bezug auf das ihnen zugeloste Land gegeben war, indem es den, der seine Bestimmung erfüllte, mit dem Segnungen dieses Landes belohnte (Mal 3. 7 - 12). Und wir sehen auch, daß all dies immer wieder etwas mit dem Erwarten des Irdischen zu tun hat und damit auch auf das irdische Leben hinzielt. Irdische Erwartung und Gesetz – das eigene Wirken für Lohn – gehören demnach eng zusammen. Die Erwartung eines Lohnes entspricht demgemäß der Pflicht desjenigen, dessen Anweisungen man ausgeführt hat, während Gnade ein stets unverdientes Geschenk darstellt, was Paulus im Römerbrief wie folgt zusammenfaßt:

    Wer nun Werke wirkt, dem wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit. Wer aber solche nicht wirkt, jedoch an den glaubt, der den Unfrommen rechtfertigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet.

Rö 4. 4 - 5

    Das Wort Lohn (grie. opheilema) bedeutet wörtlich „nach dem Soll”, d. h. einem sich selbst erworbenen Rechtsanspruch, der seiner eigenen Leistung entspricht, dieser also gerecht wird. Hier gilt, daß der nichts empfängt, der nicht vorher leistet. Wir haben den Begriff des Gerechtseins nicht ohne Hintergedanken ins Spiel gebracht. Denn hier wird offenbar, daß es um eine Gerechtigkeit geht, die es selbst zu erwerben gilt. Dieses „Soll” ist ja keine freie Zuwendung, wie es bei einer solchen aus Gnade zutrifft, die des eigenen Verdienstes nicht bedarf, sondern ein jemandem aufgrund seiner eigenen Vorleistung zustehender Fehlbetrag. Der Begriff ist kaufmännischer Natur und wird heute noch etwa im Bankwesen verwendet. Wiederum wird deutlich, daß der, der gemäß solcher Lehre einen „Segen” haben will, sich diesen selbst erwerben, sprich: durch eigene Leistung verdienen muß. Es ist immer eine eigene Gerechtigkeit, mit der wir es hier zu tun haben, und nicht die Gerechtigkeit Christi. Und es ist ein Trugschluß zu glauben, daß wir wenigstens hinsichtlich unserer eigenen Versorgung und unseres irdischen Fortkommens einer anderen Gerechtigkeit untergeordnet wären als nur dieser. Hier gilt nämlich dieselbe Gerechtigkeit, durch die wir auch errettet worden sind, und keine andere.

Gnade oder Lohn? Himmel oder Erde?

    So hat sich uns diese Haltung, durch Werke für sich einen Segen erwerben zu wollen, ganz klar als Ausdruck einer zutiefst gesetzlich ausgerichteten Religiosität offenbart, die letztlich nicht den Gehorsam gegenüber Gott, sondern vorrangig das Erheischen sogenannter „Segnungen” durch das Anwenden alttestamentlicher Vorschriften zum Ziel haben soll, wobei der Geber von dem, der die Gabe begehrt, letztlich zum Dienstboten und Pflichterfüller herabgesetzt wird. Denn der, der in Vorleistung etwas tat, aufgrund dessen er für sich herleitete, daß der Gott, dessen Gebot er ja gerade ausgeführt hatte, ihm seine Tat zu belohnen habe, erwartet nun geradezu, daß Gott Sich aufgrund Seiner eigenen Vorhersagen unweigerlich verpflichtet fühlen müsse, diese Gesetzeserfüllung mit dem daraufhin versprochenen Segen zu erwidern. Dies ist Ausdruck menschlichen Stolzes und von Überhebung gegen Gott. Letztlich ist es der Versuch, durch treues Befolgen einzelner Gebote und Satzungen einen sich geneigten Gott zu schaffen (ein Luther hatte noch vom „gnädigen” Gott gesprochen, den er zu finden hoffte), der aufgrund unserer Treue (!) nun gar nicht anders könne, als nun endlich Seine „Himmelsfenster” zu öffnen und uns mit den von uns begehrten Segnungen zu überschütten, nachdem wir doch so eifrig und treu unseren Obolus entrichtet haben. Das ist ein klarer Rückschritt hinter die Linien der Reformation, und wie wir oben gesehen haben, ist diese Vorstellung nach dem Neuen Testament ganz eindeutig zurückzuweisen.

    Hier wird noch etwas offensichtlich: Nachdem man schon das Evangelium verdreht hat, wird auch die Rolle Gottes mit der des Menschen regelrecht vertauscht. Es gilt nun nicht mehr Gottes Gerechtigkeit, sondern unsere; nicht wir haben darauf zu hören und das zu tun, was Gott uns sagt, sondern Gott hat zu tun, was wir Ihm sagen, weil wir es von Ihm aufgrund unserer eigenen Leistung meinen begehren zu dürfen. Gott habe Sich ja schließlich an Sein Wort gebunden, behauptet man; dem Königskind stünde all dies zu. Das einzige, was uns nach dem Neuen Testament rechtmäßig zusteht, ist allerdings der Tod am Kreuz. Hier ist – im Wortsinn – eine klare Umkehrung des Evangeliums geschehen (s. Ga 1. 7). Damit aber nehmen wir unser Leben letztlich wieder in die eigene Hand. Auf diese Art und Weise wähnen wir, Gott und Sein Handeln vorherbestimmen zu können – ganz so, als sei dies „in den Griff” zu bekommen, was man natürlich nicht laut sagt, da es einigen dann vielleicht doch auffallen könnte, daß mit dieser Lehre etwas nicht stimmt. Wiewohl solches uns in der sog. Glaubensbewegung und ihren neueren Ablegern durch diverse „Prediger” als „besitzergreifender Glaube” oder ähnliches schmackhaft gemacht werden soll, ist dies nach Galater 3. 12 jedoch kein Glaube, sondern kommt aus dem Gesetz – es ist letztlich nichts anderes als der Ausdruck des alten pharisäischen Stolzes, der sich unentwegt auf die peinlichste Befolgung des mosaischen Gesetzes berief, und sich dabei so eindeutig gegen, und damit letztlich über Gott erhob, und diese vermeintlich Frommen dabei doch aus Seinem Segen und Seiner Gemeinschaft in Wahrheit ausschloß.

    Dieselbe Haltung beschreibt Paulus im Galaterbrief, indem er den Widerspruch zwischen dem von den Galatern zwar bevorzugten, jedoch falschen, und dem von ihm verkündigten, dafür aber echten Evangelium aufzeigt: das von Paulus verkündigte ist nicht menschengemäß. Es entspricht also weder menschlichem Denken, noch orientiert es sich an menschlichen Vorgaben. „Menschengemäß” und „gottgemäß” sind so verschieden, wie etwas nur verschieden sein kann. Beides widerspricht sich zutiefst, ja mehr noch – als „Fleisch” und „Geist” stehen beide in so unerbittlicher Feindschaft zueinander, so daß das eine das andere auf den Tod bekämpft, wie Paulus in seinem Evangelium, besonders in Galater 4, anhand des Segens Abrahams darlegen wird, welcher allein dem Sohn der Verheißung galt, während der des Fleisches (gemäß fleischlichem Vermögens) auszutreiben war.

    Paulus sieht sich diesem wahren Evangelium verpflichtet, weshalb er nicht danach trachten kann, Menschen zu gefallen. Denn versuchte er, den Menschen gemäß zu sein und auf ihre Vorstellungen Rücksicht zu nehmen, ihnen also zu entsprechen, was das Evangelium nicht vorsieht, würde er seine Berufung, Sklave Christi zu sein, klar und eindeutig verlassen und sich zum Sklaven der Menschen machen. Das Evangelium geht ja nicht vom Menschen aus, sondern interpretiert sich vom geoffenbarten Willen Gottes her. Es gilt also, diesem Evangelium gehorsam zu sein und sich ihm unterzuordnen (vgl. Rö 15. 18). Aus demselben Grund kann es dann auch nicht sein, daß dieses Evangelium sich den Vorstellungen und Bedürfnissen der Menschen anzupassen habe, nein – die Menschen haben sich dem Evangelium, und damit den Vorstellungen und Willensbekundungen Gottes anzupassen. Die Konkordante Übersetzung gibt dies wie folgt wieder:

    Will ich denn jetzt Menschen willfahren oder Gott? Oder suche ich damit Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Sklave Christi. Denn ich mache euch bekannt, Brüder: Das von mir verkündigte Evangelium ist nicht menschengemäß...

Ga 1. 10 - 11

    Die erste Frage, die Paulus an die Galater richtet, soll uns hierzu besonders interessieren, um die nachfolgenden Gedanken einzuleiten. Sie lautet im Griechischen arti gar anthropous peitoo en tu theou und kann auch (wörtlich) übersetzt werden mit:

    (Mache) ich denn jetzt Menschen gefügig oder den Gott?

    Das an dieser Stelle mit gefügig machen, anstelle des konkordanten willfährig sein” wiedergegebene griechische Verb peitoo meint demnach weniger ein Gefälligsein, als vielmehr ein Sich-gefällig-machen, ein Überzeugen, ein Sich-willfährig-machen seines Gegenübers, für den man ja durch Gesetzeserfüllung, um die es im Galaterbrief geht, gerade in Vorleistung getreten war. Es kennzeichnet in dem Zusammenhang das (bewußte) Erreichenwollen eines Sichfügens, einer Zustimmung, einer zustimmenden Unterstützung und Erwiderung dessen, den man mit seinem Tun zu beeinflussen (zu manipulieren) sucht: auf die Vorgabe einer erbrachten Leistung hin soll eine entsprechende Anpassung erreicht werden. Durch Erfüllung einzelner Gebote, durch ein Eintreten in Vorleistung also wähnt man den, auf dessen Gebot hin man zu handeln meint, nun in der Pflicht. (In Rö 4. 4 war vom „Soll”die Rede). Der Weg des Gesetzes ist also der, der eine solche Leistung geradezu benötigt, um in Erwiderung dieser vorher erbrachten Leistung ein Ergebnis, einen Segen als Belohnung der Tat zu erzielen. Damit wird der Segen abhängig gemacht von unserem Tun; die Gnade wird ausgeklammert, und Christus wird vom Thron gestoßen, verachtet, ins Angesicht geschlagen und geradezu erneut gekreuzigt, indem Sein Opfer, das ein vollkommenes und vollgültiges ist, beschnitten und letztlich ungültig gemacht wird (siehe Ga 2. 21).

    Er, der Selbst das Gesetz in allem erfüllt hatte, und der nach dem Urteil des Gesetzes trotzdem am Fluchholz hing, trug ja diesen Fluch für uns, damit wir anstelle des Fluches, der nach demselben Gesetz den von uns verdienten Tod zur Folge hatte, das Verheißene – den himmlischen Segen – erlangen, weshalb wir ja auch den Heiligen Geist empfingen, welcher ein Angeld des uns Zugeeigneten ist (Ga 3. 14, Eph 1. 3 - 14). Was aber ist das uns Zugeeignete? Wie sagte doch die Schrift: „Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit allem irdischen Segen auf der Erde segnet...?” Steht das so da? Nein, nicht wahr? Sondern da steht ganz klar:

    Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen segnet.

Eph 1. 3

    Demnach ist es also nicht der irdische Segen, hier, auf der Erde, der uns zugeeignet wurde, sondern der geistliche Segen ist es, der sich in den Himmeln befindet! Wir müssen uns also in den Bereich der himmlischen Welt hineinführen lassen, wenn wir an dem Segen derselben Welt teilhaben wollen; denn nur dort, wo Gott beschlossen hat, uns zu segnen – „inmitten der Überhimmlischen” – ist er tatsächlich auch zu haben! Spätestens hier bemerken wir also, daß uns die Zehntenlehre in ein ganz anderes Wesen hineinführt, als das, welches uns verheißen ist; sie führt uns nämlich nicht in den Himmel, sondern wieder zurück auf die Erde!

    Und noch ein anderes ist wichtig: sollten wir, nachdem Christus uns doch vom Fluch des Gesetzes erkauft hatte, uns noch einmal von demselben Fluch freizukaufen haben, indem wir eine Geldsumme darbrächten? Nimmermehr! Was wollten wir Ihm denn darbringen, Ihm, der Himmel und Erde durch Sein mächtiges Wort erschuf; Ihm, dem alles zu eigen ist, was darauf ist, einschließlich wir selbst, Ihm, dem alles Gold und alles Silber ohnehin schon gehört (Ps 50. 9 - 15, Jes 66. 1 - 4; Hag 2. 8)? Nein, es bleibt dabei, daß allein in Ihm – und eben nicht in unserem Tun – alle Verheißungen Ja und Amen sind (2Kor 1. 20). Er hat sie uns erworben, und in Ihm werden sie uns zugeeignet und frei geschenkt. Die Zehntenlehre ist demnach dem Geist und Inhalt des Evangeliums so zuwider, wie diesem nur etwas zuwider sein kann, und dies gleich in zweierlei Hinsicht: nämlich nicht nur hinsichtlich des Gegensatzes von Gesetz und Gnade, sondern auch hinsichtlich dessen von Himmlischem und Irdischem, Sichtbarem und Unsichtbarem.


Feinde des Kreuzes

    Und so wird anhand des biblischen Zeugnisses immer klarer, womit wir uns hier zu befassen haben: Uns, den im Neuen Bund Lebenden, wird nämlich an keiner Stelle gesagt, daß unsere Erwartung auch nur ansatzweise auf Irdisches hin ausgerichtet sein soll. Im Gegenteil: Unser Herr machte deutlich, daß das Sehen auf Himmlisches Gutes bewirkt – der Leib wird licht – während das Sehen auf das Irdische Böses bewirkt – der Leib wird finster (vgl. Mt 6. 22 - 23). Denn das Auge ist die Leuchte des Körpers”, und das, worauf wir sehen, bestimmt daher, wie dieser Körper dann beschaffen sein wird. Richten wir also unseren Blick auf den Herrn, so gehen wir ins Licht hinein; richten wir unsere Augen auf die Dinge dieser Welt, gehen wir in die Finsternis – der Körper, d.h. also unser Irdisches, und damit auch unsere irdischen Begleitumstände, gehen in die Finsternis hinein und werden damit von dieser beeinflußt, da wir in unserem Begehren ja das Himmlische, und mit ihm den Einflußbereich des Lichts und auch der Liebe, verlassen haben. Das Begehren des Irdischen beschreibt der Herr in diesem Zusammenhang als Mammonsdienst, und sagt uns dann unmißverständlich, daß es nicht möglich ist, beiden nämlich zwei Herren zugleich – zu dienen. Der Eine wird immer von dem Anderen ausschließen (Mt 6. 19 - 24). Soviel erst einmal dazu; im zweiten sowie im dritten Kapitel dieser Schrift wird hierzu noch näher eingegangen werden. Dem also, der nach dem Irdischen trachtet, wird der Himmel nicht etwa eröffnet, wie all diese Lehren suggerieren, sondern er ihm wird gerade verschlossen. Das ist auch der eigentliche Grund, warum diese Lehren wenigstens für die meisten nicht funktionieren und auch nicht funktionieren können: Es sind Lügenlehren.

    In dem Zusammenhang wird Paulus auch jene, die das Bestreben nach dem Irdischen zum Inhalt ihrer Lehren und ihres Handelns gemacht haben, als Feinde des Kreuzes Christi kennzeichnen. Ja, wir haben ihn richtig verstanden: den, der das Irdische im Sinn hat, den nennt er einen Feind – einen Feind des Kreuzes. Bedenken wir, daß er solche nicht als Feinde Christi oder als Ungläubige bezeichnet. Er schreibt ja „an alle Heiligen, in Christus Jesus, die in Philippi sind” (Phil 1. 1). Auch sie sind demnach Gläubige, sind Kinder Gottes. Er brandmarkt aber die unter ihnen, die irdisch gesonnen sind, als Feinde Seines Kreuzes. Und so wollen wir ihn einmal hören, was er ihnen und damit auch uns zu sagen hat:

    Denn viele andere, die wandeln (ich sagte es euch schon oft von ihnen und sage es nun unter Schluchzen), sind Feinde des Kreuzes Christi, deren Abschluß der Untergang, deren Gott der Leib (wörtlich: der Bauch, griech. koilía) und deren Herrlichkeit in ihrer Schande ist, die nur auf das Irdische sinnen.

Phil 3. 8 - 20

    Damit wird deutlich, daß die Lehren der Glaubensbewegung den Denksinn (nous) ihrer Hörer auf das Irdische lenken und sie damit regelrecht zu Feinden des Kreuzes erziehen. Sie stehen der Sicht, die Paulus darbietet, völlig entgegen. Wörtlicher ist hier zu übersetzen: „die das auf der Erde bedenken” (hoi ta epigeia phronountes). Die Einschränkung des griechischen Wortes „kai”, des „nur”, das immerhin die Möglichkeit eines „auch” unterstellt, wie sowohl hier als auch in zahlreichen anderen Übersetzungen angeführt wird, findet sich im Grundtext allerdings nicht. Hier hat man mit dem Einfügen eines kleinen Wortes den ganzen Sinn entstellt. Denn das würde letztlich auch dem Inhalt des hier Gesagten widersprechen. Wir können ja nicht zwei Herren zugleich dienen, uns sowohl nach rechts als auch nach links ausrichten, wie der Herr eindeutig erklärt hat (vgl. Mt 6. 24). Hier gibt es eben kein „und” und kein „auch”, sondern nur ein entweder – oder.

    Und so fährt Paulus fort:

    „Unser Bürgertum ist jedoch in den Himmeln, woher wir auch den Retter erwarten...” (Vers 20).

    Es ist eine einfache Frage, was das Wort „jedoch” in diesem Zusammenhang bedeutet, und sie ergibt eine ebenso einfache wie klare Antwort. Sie meint „im Gegensatz dazu”. In den Himmeln ist unsere Heimat, und eben nicht auf dieser Erde. Denn eine Heimat kann man nur an einem Ort haben; es gibt für eine Person nicht mehrere zugleich. Und so ist dementsprechend auch unsere Erwartung nicht das reichlich gefüllte Bankkonto auf Erden, welches wir uns mit unseren Gaben bei Gott verdienen wollen; sie besteht ebensowenig in dem neuen, alle Welt beeindruckenden und möglichst repräsentativen Gemeindegebäude auf dieser Erde, das „die Massen anziehen” soll, wie wir so oft erhofft und angenommen haben – sondern sie ist der Herr aus den Himmeln, wie uns hier dringlichst nahegelegt wird. Denn auf dieser Erde haben wir keine bleibende Statt und keine Heimat, und erst recht haben wir hier keine „geistliche”, wie einige suggerieren wollen; diese Heimat liegt überhaupt nicht im Hier und Heute, denn „die zukünftige suchen wir” (Hbr 13. 14).

    Wir aber haben es uns recht häuslich auf dieser Welt eingerichtet, so daß jene Strukturen, die wir „Gemeinde” genannt haben, als weltlich organisierte Körperschaften, ja Kultusorganisationen bereits so sehr in dieser Welt aufgegangen sind, daß sie mittlerweile zu einem festen Bestandteil eben dieser Welt, ihrer Einrichtungen und ihrer Werte geworden sind. Und so sind wir meistens dazu übergegangen, diese auf weltliche Art konstruierten Einrichtungen auf ebenso weltliche Art zu unterhalten. Damit aber wurde unser Augenmerk immer mehr von der Liebe abgelenkt; aus dem Dienst am Bruder und der Schwester, die ja die eigentlichen Glieder am Leibe Christi sind, wurde fortan ein Dienst an der selbst errichteten Gemeindestruktur, die wir – im Namen Christi, wie wir behaupteten – über alles andere gestellt haben.

Geistliche Hurerei und Geld: Babylon

    Gewiß sind das Aussagen, die keiner gerne hört. Und doch sollten wir uns der Wahrheit stellen, daß wir Gesetzlichkeit für Gerechtigkeit gehalten haben; das Einhalten von Prinzipien wurde uns wichtiger als die Beziehung zu Gott und dem Nächsten, so daß wir unseren „Prinzipienglauben” am Ende gar umetikettiert haben, um zu behaupten zu können, daß das Befolgen „geistlicher Gesetze” Ausdruck der eigentlichen und richtigen Beziehung sei. Dieser Prinzipienglaube ist jedoch nichts anders als eine pseudo-charismatisch verbrämte Gesetzlichkeit, die uns sagen will, daß wir uns außerhalb des Segens Gottes stellten, wenn wir ihre Regeln nicht einhielten. Mit solchem Betrug sind wir nicht nur bei der Sünde der Pharisäer und Schriftgelehrten angelangt, die Jesus kritisierte, sondern wir sind auch genau so weltförmig geworden wie sie. Und so haben wir den Herrn, den wir doch aus den Himmeln erwarten sollten, nur allzu oft verlassen und statt dessen, fromm verbrämt zwar, die Welt, das Irdische also, wieder lieb gewonnen – dem Demas vergleichbar, der aus demselben Grunde die Gemeinschaft mit Paulus aufgegeben hatte (2Tim 4. 10). Und darum haben wir es auch weithin aufgegeben, uns der Gleichförmigkeit, wörtlich: dem Zusammen-Schematisiertsein (griech. sys-schematizo) dieser Welt zu entziehen, vor der Paulus die Römer so sehr warnte, und uns nicht auf diesen Äon einzustellen” (Rö 12. 2a).

    Wie wir oben angedeutet haben, ist das Ganze vor allem ein Produkt eigener Umbenennungen und Umdeutungen geworden. Fleischliches wurde als Geistliches verkauft, Menschenwerk als Gotteswerk. Daß wir so gleichförmig mit dieser Welt geworden sind, ist den meisten nur darum nicht aufgegangen, weil wir das, was wir da errichtet haben, Gemeinde zu nennen gewagt haben! Das ist ein Schlag ins Angesicht Gottes. Und es zeigt, daß wir nicht begriffen haben, was Gemeinde, was ekklesía bedeutet, die die Herausgerufene Gottes und nicht eine von Menschen ist. Und doch werden wir uns der manchmal bitteren Wahrheit zu stellen haben, daß Fleisch Fleisch ist und niemals durch den Geist ergänzt werden kann. Wir sind den Galatern gleich geworden, den Paulus ins Stammbuch schrieb, daß sie ihren Weg wohl einst im Geist begonnen hätten, ihn nun aber im Fleisch vollenden wollten, weswegen er sie fragen mußte, ob sie das viele, was sie vor dem zu leiden hatten, nur zum Schein erlitten hätten (Ga 3. 3 - 4).

    Nachdem wir – immer „nach der Bibel” zwar, aber doch in Eigenregie – solche Strukturen aufgerichtet haben, die wir fälschlicherweise „Gemeinde” nannten, blieb uns freilich kaum etwas anderes als ein Buhlen und ein Vermischen mit dieser Welt übrig. Und dieses Buhlen mit der Welt, um das es hier letztlich geht, diente dazu, Vorteile aus eben dieser Welt zu ziehen, die sich regelmäßig im finanziellen und damit wirtschaftlichen Bereich befinden. Das ist nicht nur Sünde, sondern auch Unglaube, allein darum, weil wir Anleihen bei der Welt gemacht haben, statt in allen Dingen auf Jesus zu vertrauen. Bedenken wir nur einmal das Finanzgebaren eines sich als „Gemeinde” bezeichnenden, gemeinnützigen eingetragenen Vereins (e.V.), dessen Mitglieder ihre Spenden und Gaben bei der weltlichen Obrigkeit steuerlich geltend machen, um „ihr” Geld wiederzubekommen, was im Grunde nur zeigt, daß sie es nie wirklich losgelassen haben. Oder sehen wir etwa jenes Glaubenswerk an, das nur durch Verschuldung bei weltlichen Banken zustande kommt. So gesellt sich zum Errichten in Eigenregie immer auch die weltliche Methode, diesen Weg auch zu ermöglichen. Kredite aufnehmen bei der Welt? Unvorstellbar, daß solches zu den Zeiten der Apostel möglich gewesen wäre! Wo hat Gott solches geboten?

    Ein gutsituierter Herr bedeutetet mir, als ich ihm solches vortrug, daß er da doch anderer Meinung sei, und es gut möglich wäre, daß eine Gemeinde einen Kredit oder eine Hypothek aufnehme, um eine Angelegenheit zu finanzieren. Geschwister, wenn wir hier um Meinungen streiten, dann können wir die Bibel gleich wieder zuklappen. Seien wir also nicht töricht und begreifen wir, daß es hier nicht um Meinungen geht, sondern um Gottes Wort. Und dieses Wort weist uns eindeutig an, und zwar auch im Zusammenhang mit der Welt, daß wir niemandem etwas schuldig bleiben sollen – außer daß wir ihn lieben (Rö 13. 8, siehe den Zusammenhang). Nun bin ich durchaus der festen Überzeugung, daß das Wort „niemand” tatsächlich auch „niemand” bedeutet. Zum anderen bin ich auch der Überzeugung, daß der, der einen Kredit aufnimmt, sich damit immer auch in die Gefahr begibt, jemandem eines Tages doch etwas schuldig bleiben zu müssen. Seinen Lebensunterhalt mit Schulden zu bestreiten, noch dazu in der Welt, war noch nie der Weg Gottes und wird es nie sein. Wenn also jemand einen Kredit aufnimmt, kann er höchstens von einer Zulassung sprechen, nicht aber davon, daß Gott zu ihm gesprochen habe. Für materielle Nöte unter Geschwistern sind immer die Geschwister da, die gerade überfließend sind (2Kor 8. 12 - 15). Das freilich hört man heute kaum. Und doch entspricht es in vollem Umfang der Grundregel des Neuen Bundes – ein jeder trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen” (Ga 6. 2). Auch damit werden wir uns im Verlaufe dieser Schrift noch ausführlicher zu befassen haben. Wohl kaum ein Gebot ist in der Vergangenheit so häufig übertreten worden wie dieses. Natürlich spreche ich von der Begegnung wirklicher Nöte (die in der Tat sehr vielfältig sein können) und nicht von Vorkehrungen zur Befriedigung diverser Begierden des Fleisches.

    Wo solche Dinge regieren, da haben wir es jedenfalls nicht mit Gott zu tun. Das Gegenteil ist der Fall. Ein solches Verhalten setzt die Schrift ohne Ausnahme mit geistlicher Hurerei gleich, wie sie Habgier als Götzendienst bezeichnet, der mit Hurerei und Unreinheit in einem Atemzug genannt wird und aus der Himmelsherrschaft ausschließt (s. Eph 5. 1 - 5). Hier findet des Geldes und anderer Vorzüge wegen eine Vermischung mit der Welt statt, vor der Gott immer wieder eindrücklich gewarnt hat (vgl. etwa 2Mo 23. 32, 5Mo 7.2, Jer 51. 45; siehe auch Mt 6. 24, 2Kor 6. 14 - 18). Gerade in der Endzeit spielt ja die Frage nach dem Kaufen und Verkaufen, die Frage nach dem Gewinn also, die alles überragende Rolle (Off 13. 16 – 17). Das ist eine der größten und schwerwiegendsten Fallen, in die viele Gemeinden geraten sind, und ich rede gewiß nicht nur von solchen der Glaubensbewegung, wenngleich diese Dinge dort besonders kraß ausgeprägt sind. Und so scheint auch das soziale Gewissen vieler christlicher und charitativer Werke nach innen hinein verblaßt; nachdem man wie die Welt geworden ist, hat man aus Furcht davor, daß man die eigenen Kosten nicht mehr begrenzen könne, die klaren Aussagen des Evangeliums verlassen, um der einschlägigen Ideologie zu frönen; meistens aber geht es schlicht und einfach darum, daß  die eigene Kasse tunlichst geschont werden soll, was man freilich nicht sagt, weil man sich sonst der Gefahr aussetzte, angesichts der in solchen Kreisen vielfach gängigen Lehre, vor den Menschen als ungläubig zu gelten.

    Dasselbe ist zwar gewiß nicht von allen, so aber doch zahlreichen „christlichen” Unternehmern zu sagen, wenn diese ihre Arbeiter ausbeuten, gleichzeitig aber reichlich Spenden in diverse Projekte geben. Gerade das oft beklagenswerte Verhalten den Angestellten gegenüber (vor allem das Geizen um Lohn) zeigt, was für einen Geist man da eigentlich eingelassen hat. Das Ganze ist nichts als Unglaube; Unglaube aber ist dem Wesen nach Sünde (man rechnet ja nicht mit Gott) und hat immer auch ein sündiges Verhalten zur Folge. Mit Recht ist dieses Verhalten in der Welt, in Gewerkschaften, Sozialverbänden etc., immer wieder kritisiert worden, und längst ist eingetreten, was der Apostel sagte – um euretwillen wird der Name Gottes gelästert unter den Heiden” (Rö 2. 24). Jene sollten sich einmal überlegen, warum christlicher Glaube gerade unter der Arbeiterschaft bis heute einen zumeist so unsäglich schweren Stand hat. In diesen Dingen finden wir dafür zahlreiche Gründe vor. Hier wird Christentum stinkend gemacht in den Augen vieler; Gottes Name wird gelästert vor aller Welt, und Gott wird solche Leute (ich mag sie nicht Brüder nennen) dafür zur Rechenschaft ziehen, daß sie damit nicht nur Seinen heiligen Namen in den Schmutz gezogen haben, sondern auch die Arbeiterschaft in die Hände von Bauernfängern getrieben haben, und nun, damit nicht genug, auch noch heuchlerische Arien darüber singen, wie schlimm dieses doch alles sei.

    Aber dies zeigt sich ja gerade auch in unserer Gesellschaft, die sich mitten in einer Periode der Auflösung aller Werte befindetaußer dem des Geldes. Dieser Prozeß einer gehirnwäscheartig fortschreitenden Kapitalisierung des Denkens vollzieht sich mittlerweile bis in weite Gemeindebereiche hinein. Die Zehntenlehre, nach der Wohlstand gegen Geld zu haben sei, ist da nur ein Ausdruck dessen, womit wir uns hier zu befassen haben. Indem wir diese Dinge eingelassen haben, sind wir zu Opfern des vorherrschenden neoliberalenZeitgeistes geworden freilich ohne daß dieser Geist wirklich etwas Neues wäre, noch auch nur irgend etwas mit Freiheit zu tun hätte, wie dieser schon vom Ansatz her lügenhafte Begriff uns suggerieren will, sondern viel eher mit dem vermeintlichen Recht der Starken, die Schwachen auszubeuten, was wir in unseren christlichen Kreisen, gerade auch den vermeintlich rechtgläubigen und bibeltreuen, jedoch meistens ausgeblendet haben. Denn sonst würde man dort mit der gleichen Vehemenz diese Dinge aufzudecken und zu bekämpfen suchen, wie man ja auch solche offenkundigen Sünden wie Hurerei, Ehebruch etc. aufdeckt und bekämpft, siehe 1Kor 5. 9 - 13. Allerdings entbehrt der Begriff, der sich aus den Adjektiven „neu” (neo) und „frei” (liberal) zusammen setzt, auch nicht eines gewissen Wahrheitsgehaltes. Dabei ist es allerdings die Frage, was man hier von Neuem in Freiheit gesetztsehen will. Nicht mehr der Wert der Arbeit, nicht mehr der der Ethik, nicht mehr der der Gerechtigkeit und des Gemeinnutzes, und schon gar nicht der Wert der Gottesfurcht und der Frömmigkeit, sondern der Wert des Geldes ist der Maßstab, dem blind nun alles folgen soll. Was mir schon damals irgendwie auffiel, ist die Gleichzeitigkeit, mit der solche Philosophien in der Welt und die diversen Geldlehren in der Gemeinde Einzug hielten. Beides gehört eng zusammen, und beides entstammt derselben Finsternis.

    Haben oder nicht haben, zahlen oder nicht zahlen ist so zur Maxime aller Welt geworden. So fällt die ach so freiheitlicheMaske: An der Tagesordnung steht tatsächlich Profitmaximierung um jeden Preis. Die ganze Welt ist davon schwanger geworden, und die „fromme” Welt dazu. Und es soll ja tatsächlich etwas herausgeboren werden: Eine antichristliche Ordnung ist im Vormarsch, in der die Hure Babylon (hebr. Vermischung) eine alles überragende Rolle einnehmen wird, von der gesagt wird, daß die Könige der Erde mit ihr so gerne gebuhlt haben, und daß durch deren Macht die Kaufleute der Erde reich geworden sind (Off 18. 9 - 17). Hier geht es eben nicht nur um eine religiöse Vermischung, wie viele behauptet haben; hier wird auch eine Vermischung auf wirtschaftlicher Ebene sichtbar, weil sie sich des Gewinnes wegen ereignet hat und noch viel stärker ereignen wird. Blind muß der sein, der in der sich in allen heutigen Medien sintflutartig ergießenden Propaganda der sogenannten Globalisierung und der mit ihr zusammenhängenden, explosionsartig fortschreitenden Konzentration von Wirtschaft und Kapital in den Händen stetig abnehmender Personenkreise nicht Babylons direkte Vorreiter erkennt. Und so soll auch hier nicht unterschlagen werden dürfen, was Gottes Wort uns bezüglich ihres Wesens so dringlich ans Herz legt:

    Gehet aus aus ihr, damit ihr nicht an ihren Sünden teilnehmt und damit ihr nichts von ihren Plagen erhaltet; denn ihre Sünden türmen sich bis zum Himmel auf, und Gott hat ihrer Untaten gedacht.

Off 18. 4

    Die meisten haben noch nicht bemerkt, was hier wirklich vor sich geht. Aber doch ahnen viele, daß der alte (und uns als etwas Neues verkaufte) Raubtierkapitalismus dabei ist, wieder aufzuerstehen, allerdings ohne daß von der Christenheit auch nur ein wenig nennenswerter Gegenwind zu spüren wäre. Im Gegenteil. Und so erwarten die Sklavenhalterordnungen längst vergangen geglaubter Epochen ihre Wiedergeburt, auf die sie so lange im Verborgenen hingearbeitet haben. Was wir bis jetzt gesehen haben, sind alles nur die anfänglichen Symptome einer viel grausameren und unerbittlicheren Wirklichkeit, die aufzustehen im Begriff ist. Bald wird der sich offenbaren, der an der Spitze dieses allumfassenden, weltkapitalistischen Systems steht; dann wird niemand mehr kaufen oder verkaufen können, es sei denn, er trage das Malzeichen des Tieres, des Antichristen, der die ganze Erde verführt (Off 13. 16 - 18). – Dann wird anhand dieses Besitzzeichens sichtbar werden, wer wem gehört, wie fromm oder unfromm er sich bis dahin auch gegeben haben mag: Denn der, der Gewinn und Ertrag zur Maxime seines Lebens erkoren hat, der hat sich schon jetzt mit ihm verbunden. Gewinnstreben, das Teilhabenwollen am Kaufen und Verkaufen nach den Vorgaben dieser Welt, verquicken also auch hier direkt mit der Finsternis und führen den, der daran Anteil hat, in die stetig zunehmende antichristliche Knechtschaft hinein. Wie viele Geschwister, besonders im Osten unseres Landes, unter dem Sog des im Zuge der sogenannten „Wende” von 1989 hereinbrechenden Mammonsdienstes einst aufgebrochen waren, um endlich einmal reich und wohlhabend zu werden, und so in die Gefangenschaft eines von Schulden überhäuften Lebens gerieten, ist kaum mehr abzuschätzen.

    Wir verkennen dabei nicht, daß es um die Überwindung eines totalitären Regimes ging, und danken Gott für die damals neu gewonnene Freiheit im gesellschaftlichen Bereich. Es darf insofern nicht übersehen werden, daß die bürgerliche Gesellschaft alle Chancen besaß, sich im Interesse und zum Wohle aller zu entfalten. Diese Chancen sind vertan worden. Dabei dürfen wir aber nicht stehen bleiben. Denn wir haben diese Dinge in erster Linie nicht politisch, sondern geistlich zu beurteilen. Hier wurde ein Weg für etwas gebahnt, was damals bestenfalls nur zu ahnen war. Nicht die Wendewar schlecht, die ein in sich korruptes System wegfegte, sondern das, was man im Anschluß daraus gemacht hat. Das, was das Ganze verdarb, war die Habgier, die immer neue und doch so alte Wurzel alles Bösen. Hier rief nicht der Herr, sondern das Geld – die neue Währung, für die man endlich alles, alles kaufen konnte, was das Herz begehrte. Schon damals war man allerdings recht erfolgreich darin, solche Stimmen, die den schönen Scheinverdarben, möglichst unter der Deckezu halten. Und doch erkennen wir die Früchte, die dieser Weg alsbald zeitigte, den man hier zumeist eingeschlagen hat. Was aber für Früchte waren dies?

    Aus vielen der vormals geistlich Freien – und ja, man kann durchaus unter den Gegebenheiten eines totalitären Systems geistlich frei seinsind nun Sklaven des Kapitals, der Banken und damit der hinter ihnen stehenden Finsternismächte geworden. Ja, es stehen Finsternismächte dahinter, die die Menschen binden und versklaven. Denn Mammon ist ein Geist, der beherrschen will; Jesus Selbst bezeichnet ihn sinngemäß als den „anderen Herrn”, dem man nicht folgen kann, ohne Gott dabei vorher aufgegeben zu haben, ganz gleich, wie „christlich” oder gar „biblisch” sich dieser Weg auch gebärden mag (Mt 6. 24). Ist man ihm aber erst einmal gefolgt, dann ist man auch unter seiner Herrschaft, dann ist man Knecht; am Ende muß man ihm dienen, ob man will oder nicht. Und so ist Mammon vor allem auch ein Herr, der schon heute von denen, die sich ihm ergeben haben, vor allem auf der materiellen Ebene ganz unbarmherzig, unnachgiebig und gnadenlos seinen Tribut einfordert. Und da ist es völlig egal, ob wir diesen Weg mithilfe von Bibelstellen gegangen sind, die wir zu dessen Rechtfertigung herangezogen haben, oder nicht.

    Wer für solche Hinweise eine weiterführende Illustration braucht, der betrachte sich doch einmal die Rückseite einer amerikanischen Dollarnote. Da sehen wir eine Pyramide, jenes Illuminatensymbol, das die inneren Machtstrukturen und Hochgrade dieser, der Öffentlichkeit freilich verborgen bleibenden Kreise der internationalen Hochfinanz darstellt, das, von dem linksseitig schielenden Auge” des Gottes der oberen Freimaurerei bekrönt, mit den Schriftzügen Annuit Coeptis” und Novus Ordo Seclorum” eingerahmt wird: Annuit Coeptis heißt so viel wie Begonnen – gewährt”, d. h. die Unternehmungen, die jene Kreise begonnen” haben, seien ihnen gewährt” und damitvom Erfolg gekrönt”; und Novus Ordo Seclorum” – das ist die Neue Weltordnung”, deren Errichtung man hier anstrebt und die in den heutigen Medien ebenso offen und unverblümt wie reichlich zitiert wird. Das mag dem aufmerksamen Betrachter dann auch den Gott erklären – in God we trust”, wie wir auf der Vorderseite lesen – , dem die Herausgeber solcher Banknoten in Wahrheit vertrauen.

    Der Gott der Bibel, den die scheinbar Wissenden und die Unwissenden, die Verführer und die Verführten dieser Welt in das hier vorgezeigte schielende Auge hineininterpretieren, ist dies ganz gewiß nicht. Nein, es ist Satan, der Fürst bzw. Gott dieser Welt, der hier und auf diese Weise verehrt wird. Ja, dieser ist es, der einst auch als König von Babel bezeichnet worden ist; seine Hauptregeln sind schon immer Handel und Gewinn gewesen; auf diesem Wege war er vorzeiten schon zu Fall gekommen (Jes 14.3 - 14, Hes 28. 1 - 19). Geistliche Hurerei und Vermischung, die Einflußnahme weltlicher Macht und der Handel dieser Welt (wir sprechen ja oftmals auch vom Welthandel) gehören demnach eng und ganz untrennbar zusammen: Erinnern wir uns nochmals an Babylon, die große Hure der Endzeit, die in der Offenbarung im Zusammenspiel sowohl mit den Königen der Erde, die mit ihr Hurerei betrieben haben, als auch mit den durch sie reich gewordenen Kaufleuten der Erde erscheint – sie ist zu einer Wohnstätte der Dämonen” geworden (Off 18. 2 - 3). Wer an einem Ort wohnt, der bleibt, weil er sich diesen Ort zu seinem Sitz erwählte. Dort, wo man das Streben um Handel und Gewinn, Erfolg und Wohlstand zum gesetzmäßigen Lebensprinzip erhoben hat, sind also die Mächte der Finsternis zu Hause!


Das fremde Joch

    Darum müssen wir endlich auch aus diesen Dingen – und vor allem aus der ganzen damit verbundenen Art des Denkens – herauskommen, um zurückzukehren in die Freiheit der Kinder Gottes, wie der Apostel Paulus im zweiten Korintherbrief geschrieben hat:

    Werdet nicht ungleich gejocht mit Ungläubigen! Denn welche Teilhaberschaft besteht zwischen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, oder welche Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis, oder welche Eintracht zwischen Christus und Beliar? (d. i. der Teufel) Oder welches Teil hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? Oder wie verträgt sich der Tempel Gottes mit den Götzen? Denn ihr seid der (wörtlich: die) Tempel des lebendigen Gottes, so wie Gott gesagt hat: „Ich werde ihnen innewohnen und unter ihnen wandeln, Ich werde ihr Gott sein, und sie werden Mein Volk sein. Darum kommt aus ihrer Mitte heraus und sondert euch ab, sagt der Herr. Rührt nichts Unreines an, und Ich werde euch Einlaß gewähren. Ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet Mir zu Söhnen und Töchtern sein, sagt der Herr, der Allgewaltige”. Und Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von jeder Besudelung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes vollenden.

2Kor 6. 14 - 7. 1

    Dieses Wort hat Paulus in erheblichen Teilen direkt aus dem Alten Testament, der Bibel seiner Zeit, entnommen, so daß es im Wesentlichen auf diesen Stellen gegründet ist und sich auf ihnen aufbaut (siehe 3Mo 26. 11, Jes 52. 11, Jer 31. 9). Damit wird klar, daß das entsprechende Gebot des Alten Bundes, soweit es diese Dinge betrifft, nicht aufgehoben ist, eben weil es Dinge betrifft, die aufzeigen, wie Gott mit denen umgeht, die Er zu Sich gerufen hat und die demnach zu den Seinen gehören. Hier geht es um ein Joch; Gott will nicht, daß wir in dem Joch eines andern laufen. Wie der Ochse nicht mit dem Esel ackern sollte (5Mo 22. 10), so sollen auch wir nicht mit artfremden Jochgenossen zusammenlaufen, um mit ihnen an ein und demselben Pflug zu ziehen. Auch dieses Gebot steht hinter unserem Wort; es bildet seinen eigentlichen Hintergrund. Wir haben weiter oben bereits den Begriff der geistlichen Hurerei erwähnt. Um den Zustand geistlicher Hurerei, des Buhlens mit dieser Welt also, näher zu betrachten, sollten wir uns durchaus zu Herzen nehmen, was Mose und die Propheten des Alten Bundes geschrieben haben: Mahnten sie das Volk Israel, die von Gott auserkorene Braut, nicht immer dann zur Umkehr, wenn es sich dazu verleiten ließ, Bündnisse mit den sie umgebenden Nationen einzugehen? Und galt es nicht zu verhindern, daß Israel würde wie sie?

    Sei es des Vorteils oder auch des Schutzes wegen – Gott war der Hort, der Sein Volk schützen würde, Er würde es durchbringen, Gott allein und kein Anderer; war es damals nicht Ägyptenland, so ist es heute nicht das Land namens USA, noch irgendeine andere Macht dieser Welt. Gott allein! Doch immer wieder übertrat Israel dieses Gebot; es übertritt es bis heute; stets buhlte es um die Gunst der Nationen, verbündete sich mit ihnen und setzte sein Vertrauen auf sie, statt auf den Herrn allein: So war aus dem Volk, das doch Gottes Braut sein sollte, nur allzu oft eine Hure geworden (vgl. Jer 2. 20, 3. 1 - 3, Jes 23. 17, Hes 16. 15ff. u. v. a., sehr viele, zahlreiche Stellen). Nicht umsonst haben wir oben von geistlicher Hurerei gesprochen. Oh wie hinderlich sind doch all die Bündnisse, die man immer wieder eingeht, weil man Gott nicht wirklich ganz vertraut! Daß Gottes Volk keinerlei Bund mit den sie umgebenden Nationen eingehen sollte, ist ein bleibendes Gebot, dessen Überschreitung schon immer Gottes Gericht, ein Dahingegebenwerden in die Hand der Feinde nach sich zog. Jede Nation, mit der Israel sich verband, präsentierte später die Rechnung, und Gott ließ dies zu. Die Geschichte Israels legt bis in die heutige Zeit hinein davon eindrücklich Zeugnis ab.

    Und nicht nur das. Die Sünde Israels bestand ja gerade darin, daß sie sich ein eigenes Gottesbild schufen, das sie mit dem Namen des wahren Gottes – Jahwe – versahen und beschlossen, diesem zu singen und zu spielen. „Heute ist ein Fest für Jahwe!”, beschlossen sie, und forderten so Seinen Zorn heraus. So opferten sie ihrem eigenen Gebilde ihr Gehör, was vor allem daran sichtbar wird, daß sie ihren Ohrschmuck gaben, aus dem sie dann jenes goldene Kalb machten, das sie ins Verderben stürzen würde. Warum? Sie konnten einfach nicht abwarten, bis Mose von dem Berge zurückkehrte, auf den Gott ihn gerufen hatte; so griffen sie Gott vor, indem sie die Dinge in die eigene Hand nahmen, und sich so ihren eigenen Gottesdienst schufen (2Mo 32. 1 - 6ff). Bald fiel auch die Gemeinde, für diese diese Dinge vorgeschattet sind, in dieselbe Sünde wie jene. Auch sie konnte nicht warten, bis der Herr aus dem Himmel zu ihnen redete, und nahm die Dinge in die eigene Hand. Damit wurde aus dem Dienst an Gott ein gefährlicher Götzendienst, was man unter falschem Namen vergeblich zu verschleiern suchte; aus der ekklesía Gottes, die doch die von Ihm Herausgerufene ist und auch nur eine von Ihm Selbst Herausgerufene sein kann, wurde ein Sammelsurium christlicher Sekten, jeweils errichtet und forciert durch die Bestrebungen menschlicher Leiterschaft. Im Anschluß nannten sich diese Gebilde ekklesía, ohne wirkliche ekklesía zu sein. Diese Dinge wiederholen sich bis heute – wie immer unter falschem Namen, der freilich nur dem Echten zusteht. Denn Gottes Gemeinde ist nun einmal kein Menschenwerk; und wenn man das, was man selbst errichtet hat, noch zehnmal als Gottes Gemeinde bezeichnete, so wird darum längst nicht Gottes Gemeinde daraus.

    Damit hat auch die Kirchengeschichte bewiesen, daß die neutestamentliche Gemeinde fortwährend in dieselbe Falle getappt ist wie das das alttestamentliche Bundesvolk vor ihnen. Dabei konnten wir nicht einmal sagen, daß wir nicht gewarnt gewesen wären. Denn Paulus bezog ja das Geschriebene ausdrücklich auf uns, damit auch wir unser Ziel nicht versäumten wie jene (1Kor 10. 1ff). Versäumten jene den Einzug ins verheißene Land, so verschloß sich für uns – gegenbildlich – die Himmelswelt, was in dem Maße zunahm, wie wir die Welt einließen und nach dem Urteil unseres Herrn lau geworden sind. Das Nachlassen der geistlichen Gaben in der Mitte der Gemeinde der Kinder Gottes ist nur eines der Beispiele davon, was geschieht, wenn der Weg verlassen und der Leuchter, als das Licht und die Offenbarung des Geistes Gottes, darniederliegt (Off 2. 4 - 5). Und so geriet auch „unser Kanaan” in immer weitere Ferne. Das haben auch die zahllosen geistlichen Aufbrüche, die seitdem geschehen sind, nicht ins Gegenteil umkehren können, weil sie aus demselben Grunde, da der Mensch die Dinge Gottes immer wieder von neuem in die eigene Hand nahm, in gleicher Regelmäßigkeit versandeten. Wir haben kaum aus diesen Dingen gelernt, denn sonst wären wir aus dem Eigenen tatsächlich ausgegangen.

    Statt dessen setzen wir immer noch einen neuen Flicken auf das alte Kleid der eigenen Werke, die wir fälschlicherweise zu Werken Gottes erklärt und auch für solche gehalten haben. So aber blieb uns nichts anderes übrig als die Gedanken und Methoden der Welt, nachdem wir in solchem Ungehorsam verblieben waren. Und doch gilt uns das gleiche Gebot. Jedenfalls wies Paulus, in derselben Tradition des Wortes Gottes stehend, seine Zuhörer ebenso an, ein jedes Zusammengehen, ein jedes Zusammengejochtsein mit der Welt zu unterlassen und aus ihr auszugehen. Hier ging es weder nur um die Ehe mit Ungläubigen, noch betraf dies lediglich das Essen von Götzenopferfleisch, wie man einige hin und wieder lehren hört. Diese wie andere Beschränkungen werden wir im Kontext dieser Aufforderung vergeblich suchen, da es sie weder dort, noch anderswo gibt. Dort ging es vielmehr darum, uns überhaupt nicht (d. h. in keiner Weise und in keinem Zusammenhang) mit dieser Welt zu verquicken, um sie nicht über das uns zuträgliche und absolut notwendige Maß hinaus zu gebrauchen. Und auch wir sollten nicht werden wie sie, und deshalb durfte auch unser Umgang mit den Gütern dieser Welt nicht sein wie der ihre.

    Daß er es doch geworden ist, zeigt, daß wir diese Lektion nie wirklich beherzigt haben. Die Lehren des Neuen Testamentes sind so ganz anders, als wir die Dinge immer wieder gehandhabt haben. Denn „die Kaufenden”, sagte Paulus, sollten sich so verhalten, „als behielten sie nichts”, die die Welt gebrauchen, die sollen sie gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht zur Neige”, als kosteten sie sie nicht aus – denn die Art und Weise dieser Welt vergeht” (siehe 1Kor 7. 30 - 31). Auch darum hatte Paulus die Korinther gefragt, „welches Teil der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen” habe. Und auch darum hielt er sie dazu an, und zwar ohne Einschränkungen, aus ihrer Mitte herauszukommen und sich von ihnen abzusondern und, indem er dabei sowohl Mose als auch die Propheten Jesaja und Jeremia anführte, ja nichts Unreines anzurühren, damit der himmlische Vater ihnen – als Seinen Söhnen und Töchtern – Einlaß gewähren könne, wie er in 2Kor 6. 14 - 7. 1 geschrieben hatte. Demnach ist die Art und Wesenhaftigkeit dieser Welt vollständig zu verwerfen. Und darum ist auch aus ihrem Denken auszugehen. Warum sonst wohl scheinen wir im Thronsaal Gottes heute so wenig Einlaß zu erhalten?


Angst

    Eine der größten Problematiken der Zehntenlehre ist ihr Umgehen mit Angst. Der, der nicht zehntet, den hält sie in Angst – in Existenzangst, in der Angst nicht nur vorm Zukurzkommen, sondern vor dem Mangel, vor dem Ausbleiben der Versorgung, vor dem Absturz ins materielle Nichts. Die Angst auch vor dem „falschen Bekenntnis”, das uns angeblich Krankheit oder Mangel bescheren könnte, ist in der Glaubensbewegung immer präsent. Und diese Angst bleibt auch dem treuen Zehntengeber erhalten: Was wird morgen sein? Werde ich auch morgen noch die Möglichkeit haben, all dies zu tun, um damit meine eigene Versorgung zu sichern? Werde ich auch morgen noch die Kraft haben, immer „richtig zu funktionieren”, um die Widerwärtigkeiten des Alltags, um Mangel und Zukurzkommen von mir fernzuhalten? Das sind die Grundfragen vieler, die zum Zehntengeben animiert worden sind. Und sie merken dabei gar nicht, wie sehr sie den gesetzlichen Lehren ihrer Leiterschaft, die sie sich erwählten, damit zum Opfer gefallen sind. So werden sie zur Beute.

    Die Glaubensbewegung macht die Menschen für alle ihre Lebensumstände in vollem Maße selbst verantwortlich. Diese Verantwortung wäre an sich noch nicht einmal etwas Falsches, wenn sie dabei nicht unabhängig vom Herrn machen würde. Es gibt kein Empfangen mehr; die Rezeptivität des Menschen wird aufgehoben. An die Stelle der Gnade und des Friedens, den diese Gnade mit sich bringt, tritt ein ständiger Kampf. Die Befolger all dieser Lehren sind geradezu zum Erfolg verdammt. Und immer ist auch die Furcht dabei, „aus der Gnade zu fallen”, wenn wir nicht zehnten! Diese Furcht, die ganz klar eine Furcht des Gesetzes ist, wird von den Zehntenlehrern dann auch aufs Heftigste geschürt. Hier überträgt sich deren eigene Angst davor, nicht mehr ausreichend versorgt zu sein, auf ganze Gemeinden – eine Angst, die sich wiederum aus einer ganz anderen Angst speist, aus der nämlich vor der scheinbaren Ungewißheit des völligen Angewiesenseins auf den Herrn allein.

    Damit zeigen nicht nur deren Opfer, sondern sie selbst, daß sie einer gewaltigen Lüge aufgesessen sind; ihre vor sich her getragene Freiheitentpuppt sich als eine gigantische Unfreiheit, ihre Freude als Schauspielerei. So kann die ganze Maskerade, zu der sie auch ihre Versammlungen anhalten, nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie verführte Verführer sind. Zugleich aber erweist sich ihr ganzes Leben, ihr Lehren und ihr Verhalten als Ausdruck tiefen und eingefleischten Mißtrauens gegen Gott, das sie sowohl vor sich selbst als auch vor ihren Geschwistern mit solchen Lehren zu übertünchen suchen. Das Wort „Glauben” wird so zur Farce und zum Betrug. Das ist die große Täuschung einer Bewegung, die das Wort „Glauben” im Namen trägt und allen weismachen will, daß gerade sie es neu ausgegraben hätte: Im Grunde ist sie ein einziger Mißtrauensantrag gegen Gott, denn sie vertraut nicht mehr Seiner durch Christus erworbenen und darum freien Gnade, sondern sieht sich vielmehr dem Zwang ausgeliefert, auf den Gebrauch von Gesetzen und Formeln zurückzugreifen, um Anteil an dieser selben Gnade zu erlangen – Katholizismus pur.

    Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Himmelreich Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reißen es an sich.

Mt 11. 12 (Schlachter 1951)

    Dazu gehört auch das gesamte Verständnis eines vorgeblichen An-Sich-Reißen-Müssens des Reiches Gottes, von dem auch die Zehntenlehre kündet. Das ist die andere große Irrlehre der Glaubensbewegung, ihrer Ableger und all derer, die sich von ihren Lehren haben unterwandern lassen: Hier soll der Mensch an sich reißen, was allein in die Hände Gottes gehört. Aber das, was man Gott aus der Hand reißt, ohne es von Ihm zuvor auch empfangen zu haben, hat spätestens dann aufgehört, Gottes Reich zu sein, wenn es in unseren Händen liegt. Damit wird es nämlich zu unserem eigenen Reich, das wir fälschlicherweise für Gottes Reich halten, und die Praktiken und Prinzipien, die wir als Weg eines solchen An-Uns-Reißens anwenden, führen uns in die Dämonie. Und das tun sie gerade dann auch, wenn wir diese Prinzipien aus der Bibel entnommen haben! Denn es ist die Frage aller Fragen, ob Gott in der Stille wirklich uns gesprochen hat oder ob wir wie der Feind einfach nur Bibelstellen an uns reißen, um diese anzuwenden, und Gott damit zuvorzukommen suchen (siehe Mt 4. 1 - 4). Alle diese nannte Jesus Diebe und Räuber (Joh 10. 7ff).Wie hieß es doch gleich in dem Liede?

Jesu geh´ voran

Auf der Lebensbahn.

Und wir wollen nicht verweilen

Dir getreulich nachzueilen

Führ uns an der Hand

In das Vaterland...

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700 - 1760)

    Alles das hat man weitestgehend abgeschafft oder bekämpft es dort, wo es (noch) vorhanden ist. Das gesamte Lehrgebäude der Glaubensbewegung ist darauf angelegt, vor Gott her zu gehen, damit Er handeln könne. Jesus aber hat von Nachfolge gesprochen. Damit steht die Glaubensbewegung als solche auch auf diesen Aspekt bezogen auf einer falschen Grundlage; sie fußt auf einem auf den Kopf gestellten, im Wortsinn „verdrehten” Evangelium (im griechischen Text steht metastrephoo=umdrehen, s. Ga 1. 6 - 7). Zugleich aber erzeigt sich diese Bewegung auch als Ganzes als ein riesiger Betrug. Aber auch hier wird der, der solches nicht tut, mit der Furcht überhäuft, in irgend einer Weise zu kurz zu kommen und etwas zu verpassen, als Ausdruck dessen, was die Schlange zu Eva sagte (1Mo 3. 4 - 7). Überall Angst, Angst, Angst, während man die Furcht des Herrn vertrieben hat. Was soll auch an Furcht des Herrn auch noch übrig sein, wenn man sie zu etwas Religiösem und Zurückgebliebenen erklärt hat, zugleich im Gebet (oder was man dafür hält) lässig dastehend, die Hände in den Taschen! So sind all diese Lehren ist nicht nur Irrlehren, sondern sie sind Ausdruck menschlichen Stolzes, ja einer Frechheit und Unverfrorenheit gegenüber einem hocherhabenen und unaussprechlichen Gott, der in der Himmelswelt dreimal heilig genannt wird (Jes 6. 3, Off 4. 8). Das Problem an dieser Frechheit ist, daß man sie obendrein noch pseudobiblisch verbrämt hat, weshalb sie auch nur von so wenigen durchschaut werden kann. Zugleich künden diese Dinge von einem zutiefst gesetzlichen Bibelverständnis und auch von gewaltigen Mißverständnissen über das Wesen unseres Gottes, Seiner Liebe und von dem völligen Widerspruch, in dem Gottes Liebe zur Gewalttat steht. Gewalttaten haben nämlich mit vom Geist gewirkten Machttaten nichts zu tun!

    Damit aber stellt diese Bewegung sich selbst in Frage. Denn es ist schwerlich anzunehmen, daß jene, die eine solche Richtung voranzutreiben suchen, dies als Auftrag von Gott empfangen hätten. Angst ist nämlich immer die Visitenkarte des Teufels. Sie hat nichts mit der Furcht des Herrn zu tun, sondern ist ihr völliges Gegenteil. Wie Johannes sagt, muß die Furcht, die wir als Angst bezeichnet haben, vor der Strafe (als Folge falschen Handelns) zittern (1Jo 4. 17). Die Furcht des Herrn aber erzeugt keine Ängste, sondern hat etwas mit der Furcht davor zu tun, Ihn zu betrüben. Darum heißt es auch, daß wir den Heiligen Geist nicht betrüben sollen (Eph 4. 30). Diese Furcht ist ein Wesenszug des Heiligen Geistes, der darum auch Geist der Furcht des Herrn (wörtlich: Jahwes) genannt wird (Jes 11. 2f). Wir sollten daher den Geist der Furcht des Herrn nicht mit dem Geist der Furcht verwechseln, von dem Paulus schreibt, daß Gott uns diesen gerade nicht gegeben habe (2Tim 1. 7, s. a. Rö 8. 15). In denselben Zusammenhang gehört die Liebe: Liebe ist nicht in der Furcht, sagt die Schrift, aber die völlige Liebe treibt die Furcht aus (1Jo 4. 18). Diese Furcht kommt von Satan, wie auch all die Lehren, die Menschen in einer solchen Furcht knechten wollen, von Satan kommen. Natürlich gibt es auch eine Furcht, die zu Jesus treibt. Diese Furcht hat etwas mit der Erkenntnis des Gesetzes und damit der Sünde zu tun. Hieran zeigt sich schließlich auch das Wesen der Zehntenlehre als Wesen des Gesetzes, das mit Furcht umgeht und auch mit Furcht umgehen muß – bis Der nämlich kommt, Der uns aus solcher Furcht erlöst, und das ist der Herr Jesus Christus, über den geschrieben steht, daß Er uns erlöst hat aus der Furcht des Todes, der wir das ganze Leben Sklaven sein mußten (Hbr 2. 15). Er ist es ja, der uns von dem Fluch des Gesetzes längst erlöst hat, während jene noch immer damit zu drohen wagen.




Heraus aus dem falschen Bund: Von Schulden frei

    Nicht nur ich selbst weiß von der riesigen Erleichterung, die ich empfand, nachdem ich die Lügen all dieser Lehren als solche habe erkennen dürfen. All diese Ängste waren wie weggeblasen, und ich war frei  nach vielen Jahren. Ein gewaltiger Felsen an Last wich von meinen Schultern. Zugleich begann sich nach langen Jahren – endlich auch meine eigene finanzielle Gefangenschaft zu wenden. Damit entlarvte sich das ganze Lügengebäude der Zehntenlehre für mich aufs Völligste, so daß ich der hier zu besprechenden Dinge umso gewisser wurde. Daran sehen wir aber auch die Wirksamkeit der Mächte, die mit solchen Lehren einhergehen, die mit Geld und Geldgewinn zu tun haben! Das ist dann auch der eigentliche Grund für die Entstehung dieser Seiten! Und darum haben wir auch so viel von der Herrschaft des Geldes und von den dahinterstehenden Mächten gesprochen; wir sprachen von Schuldversklavung, wir behandelten die Art und Weise dieser Welt, und wir haben damit fortgefahren zu erklären, daß es uns verboten ist, Bündnisse mit derselben Welt einzugehen, sich also unter das Joch dieser Welt zu begeben. 

    Der Leser mag einwenden, was diese Dinge wohl mit dem Einfordern des Zehnten zu tun haben. Sehr viel, solange es Prediger gibt, die sogar noch verschuldete Kinder Gottes an die Zehntenlehre binden, indem sie ihnen weismachen wollen, daß sie nur durchs Zehntengeben aus Schulden herauskommen könnten. Angst, Zehntengeben und Schulden sind im Grunde alles Dinge, die zusammengehören. Diese Dinge haben weite Strecken auch meines eigenen Erlebens begleitet, und auch in meinem Fall gab es Brüder, die mir ans Herz zu legen, „zu zehnten und zu opfern”, damit Gott ein solches Zehntengeben endlich auch „bestätigen” könne, indem Er aus Schulden herausführte. So blieb ich nicht nur ein Verschuldeter, sondern auch ein Schuldiggesprochener, gefangen im Kreislauf des eigenen Unvermögens und auf dem Weg in die Apathie. [3] Da gab es doch tatsächlich Menschen, die danach fragten, „wann ich das endlich einmal begreifen” würde, daß das alles mit einem „Mangel am Zehntengeben” zu tun habe – Menschen, die mir hätten durchaus helfen können, während sie selbst jahrelang Unsummen in Gemeindestrukturen investierten, die bald danach zusammenbrachen. Wirklich Buße getan haben diese darüber nie – zu eigenem Schaden. Ich habe also am eigenen Leibe erfahren, was für ein wahnsinniger Trugschluß dies alles ist. Ich sage das heute nicht in Bitterkeit, sondern in großer Dankbarkeit gegen Gott. Denn ich habe gewisse Dinge tatsächlich begreifen dürfen, die ich anders kaum begriffen hätte. Nur fiel meine Erkenntnis so ganz anders aus als das, was von denen erwartet wurde, die mir solches geraten hatten.

    Und so darf ich heute bezeugen, daß Gott hat mich auch im Natürlichen gesegnet und in vielem wiederhergestellt hat. Und das nicht nur, ohne daß ich seither auch nur einen einzigen Zehnten entrichtet hätte, sondern obendrein auch, nachdem ich Schriften wie diese ins Internet stellte, um andere vor diesem Weg zu warnen. Der mir von diversen Wort-des-Glaubens-Predigern angedrohte Fluch des Gesetzes mußte schon darum ausfallen, weil Christus ihn für mich getragen hat und ich ihm nicht untergeordnet bin! Halleluja! So erfuhr ich aus eigener Anschauung, daß die Zehntenlehre eine einzige Lüge ist  und eine ziemlich dreiste obendrein. Darum hat es mir sehr am Herzen gelegen, einige praktische Dinge zu erwähnen, die ich selbst habe durchleben müssen und – so sage ich heute – habe durchleben dürfen. Sie betreffen den Weg des Schuldenmachens und vor allem den Weg des Freiwerdens von diesen Schulden. Vielleicht vermag die eine oder andere Aussage anderen Geschwistern zu helfen, die heute in einer ganz ähnlichen Lage sind wie ich damals. Denn es ist niemals der Wille Gottes, daß Seine Kinder in auch nur irgendeiner Weise, weder auf dem Weg der Überschuldung, noch in irgend einer anderen Art an diese Welt gebunden sind. Ja, ich spreche von einer Gebundenheit; eine Gebundenheit aber weist im Wesentlichen auf zwei Dinge hin: Erstens ist hier in der Tat, wie das Wort Gebundenheit schon sagt, ein Bund eingegangen worden, und zwar ein Bund mit der Welt. Hier ist es ein anderer Mensch oder eine Bank als sogenannter Gläubiger. Und zweitens hat dieser Bund zu einer Gefangenschaft geführt, wie jeder, auch Gottes Bund es bewirkt; wir sind gefesselt, umstrickt, gebunden.

    Und so hat auch der Bund, den wir hier eingegangen sind, uns zu Schuldnern gemacht; das hat dann dazu geführt, daß wir diesem Gläubiger ab sofort zu dienen haben, für ihn Lasten tragen müssen, eingespannt sind auf einem Weg, den nun der Gläubiger diktiert; wir sind also nicht mehr frei. Denn jeder Bund ist ein Joch, wie wir zuvor gesehen haben; Gott aber will nicht, daß wir in dem Joch eines Anderen laufen. Wer sich verschuldet, der ist ab sofort seinem Gläubiger versklavt. In den Sprüchen Salomos heißt es:

    Der Reiche herrscht über die Armen, und wer borgt, ist des Gläubigers Knecht.

Spr 22. 7, Schlachter


    Das bedeutet, daß der, der borgt und sich damit einem anderen zum Dienst unterstellt hat, gleichermaßen auch zu seinem Sklaven geworden ist (vgl. Rö 6. 16). Wohl stehen wir in Gottes Bund. Aber gerade darum ist uns gesagt:

    Mit einem hohen Preis seid ihr erkauft worden; werdet daher nicht Sklaven der Menschen.

Rö 14. 23


    Bei aller Not, in der wir vielleicht stecken, müssen wir dennoch anfangen, diese Dinge vor allem aus dem Blickwinkel Gottes zu betrachten. (Das sollten wir eigentlich immer.) Ihm geht es vor allem darum, daß wir aus jeglicher Menschensklaverei herauskommen, um niemandem zu dienen als Ihm allein. Der hier eingegangene Bund besagt im Wesentlichen ja nichts anderes, als daß da ein Geldgeber ist, der dem Schuldner auf dessen Verlangen einen Betrag zur Verfügung gestellt hat; der Schuldner aber ist nun gehalten, bis zu dem vom Gläubiger festgelegten Termin diesen Betrag zurückzuerstatten – mit Zins und Zinseszins. Er hat also für diesen Bund oder Vertrag zu zahlen, und wird nicht eher aus diesem Vertrag herauskommen, bis jede seiner Forderungen bis auf den letzten Heller beglichen ist. Das ist der Bund, und dieser Bund muß bezahlt werden wie jeder andere Bund auch.  Nun hat es zwar auch in Israel Regelungen gegeben, die es ermöglichten, zu leihen und zu verleihen. Es gibt also durchaus Bündnisse zwischen Menschen, die aus Gottes Sicht legitim sind. Nur sollten wir darauf achten, daß wir uns dabei nicht überschulden und so abhängig werden, so daß außer Schulden zahlen nichts mehr übrig bleibt. Der Weg zum Mangel ist hier nicht weit, weil der, der diesen Weg beschritten hat, große Teile dessen, was ihm zum Lebensunterhalt gegeben ist, fortan zur Befriedigung der Ansprüche seines Gläubigers einsetzen, ihm also dienen muß. Wir laufen also nicht zuletzt vollends in Gefahr, ganz in menschliche und damit auch geistliche Abhängigkeiten zu fallen.

    Wer etwa zur Bank geht, um einen Kredit zu erhalten, der tut es aus dem Grunde, daß ihm das gegenwärtig zur Verfügung stehende Geld für sein eigenes Anliegen nicht genügt. Es ist vielleicht eine besondere Anschaffung, die wir haben möchten, wir benötigen ein Fahrzeug, oder wir wollen möglicherweise ein eigenes Haus bauen. Daran ist zunächst nichts Verkehrtes; und doch kann dies bereits die erste Falle sein, die uns der Teufel auf diesem Gebiet stellen möchte; denn Gott hat uns ganz klar und unmißverständlich geboten:

    Geldgier (wörtlich: philarguria, Silbergeld-Freundschaft) sei nicht eure Weise, euch genüge, was vorhanden ist; denn Er Selbst hat versichert: Keinesfalls würde Ich dich preisgeben und noch je dich verlassen.

Hbr 13. 5

    Haben wir einen sich aus einer Notwendigkeit ergebenden Bedarf, so dürfen wir also in jedem Fall, und zwar allein unter der Vorbedingung, daß wir Gott an die erste Stelle setzen, darauf vertrauen, daß Er uns nach Seinem Willen, Seinem Plan und zu der von Ihm festgelegten Zeit helfen wird, wie immer auch diese Hilfe aussehen möge, und zwar allein aufgrund der Tatsache, daß wir Seine Kinder sind und Ihm gehören, Er Sich also um uns kümmern und für uns sorgen wird. Das mag durchaus auch ein Haus oder sonstiges Eigentum mit einschließen, wenn Gott will oder es zuläßt, daß wir in einem solchen eigenen Haus leben sollen. Ich selber hatte Gott eine Zeitlang um ein Auto gebeten, dann aber für mich selbst erkannt, daß es zur Zeit wohl nicht drangewesen sei, eines zu besitzen. Alles kommt, wenn es kommen soll, zu Seiner zu Gottes Zeit. Heute habe ich auch ein Auto, weil es eine Notwenigkeit dafür gibt und weil auch ein Verdienst gegeben ist, der dies absichert. Wir haben nur allezeit darauf zu achten, daß Er in unserem Leben an erster Stelle steht und dort auch stehen bleibt. Gott will uns weder etwas vorenthalten, noch kommt Er zu spät; Er will jedoch, daß wir die Dinge nicht selbst nehmen, sondern aus Seiner Hand erhalten.

    Wenn wir die Dinge aus der Hand legen, in die Hände Gottes hinein, dann werden wir merken, daß Gott sie uns nicht nehmen will; wie Abraham, der seinen Sohn völlig loslassen sollte und glaubte, er solle ihn töten, werden auch wir den Widder finden, der uns an dessen Statt gegeben ist (1Mo 22. 1 - 19). Darum nannte Abraham jenen Ort Der Herr wird ersehen” (V. 14). Der Widder verweist uns auf das Opfer Christi. So empfangen wir die Dinge über Ihn. Gott ist treu! Das ist mir besonders groß geworden. An anderem Ort werden wir noch gründlicher auf die Fürsorge Gottes im Neuen Bund einzugehen haben, die eine so ganz andere und weit bessere ist, als dies das Gesetz mit seinem Zehntendienst jemals ermöglichen konnte. Gott weiß doch so vieles besser als wir; Er weiß auch, wessen wir bedürfen, noch ehe wir Ihn darum bitten (Mt 6. 8). Der Weg des Überschuldens aber ist niemals der Weg Gottes, sondern der Weg dieser Welt; er zeigt, daß wir Gott nicht vertrauen, nicht warten können und die Hilfe, wie wir meinen, woanders suchen.

    Unser heutiges Problem ist, daß wir uns einer ganzen Ansammlung verschiedenster Möglichkeiten befinden, die uns in den Ruin treiben können. Eine solche Möglichkeit besteht darin, für jeden Sinn oder Unsinn ohne große Umstände überall Geld erhalten zu können und uns damit über beide Ohren zu überschulden. Gottes Wort selbst schließt einen solchen Weg jedoch aus; Gott bedarf der Hilfestellung nach den Regeln dieser Welt nicht, damit Er uns helfen kann. Seine Hilfe wird, ja kann niemals dergestalt sein, daß wir uns dabei bei den Banken dieser Welt überschulden, sonst würde Er Sich Selbst widersprechen (vgl. Rö 12. 7 - 8). Wohl sollen wir nach unserem Vermögen bereit sein, anderen zu leihen; auch ist zunächst nichts Verwerfliches daran, für notwendige und unumgängliche Dinge Geld zu leihen, zumal dann, wenn damit ein entsprechender Gegenwert geschaffen werden kann; ein regelrechter Lebensstil des Borgens (d. h. eines Lebens auf Kredit) aber steht uns selbst nicht offen, da er wie kaum etwas anderes ganz unweigerlich dazu führen wird, daß wir Gott nicht mehr so dienen können, wie es ein sollte. Niemand kann bekanntlich zwei Herren dienen.

    Überdies gilt dieselbe Kritik auch für die Praxis des Einforderns von Zinsen, was gerade in der Glaubensbewegung häufig übersehen wird (2Mo 22. 24, 3Mo 25. 36, 37; 5Mo 23. 20, 21). Die Bibel negiert die Möglichkeiten des Leihens und Verleihens nicht, aber sie begrenzt sie, indem sie ein jedes Geben auf Zinsen als Wucher bezeichnet. Dabei ist es völlig gleich, wie hoch der eingeforderte Zins ist immer werden Zinsen im Zusammenhang mit zu Unrecht erworbenem Gewinn genannt; wer Zinsen nimmt und den Nächsten übervorteilt, der hat Gott vergessen, hat Ihn also verlassen (Hes 22. 12). Nicht zuletzt aus den hier erörterten Gründen wird dieser Weg in der Heiligen Schrift auch durchweg so verurteilt. Überbordende Schulden, die uns die Luft zum Atmen nehmen, haben immer etwas mit Schuld zu tun. So werden solche Schulden von jeher auch in Verbindung mit Abfall, Ungehorsam, Gericht und Abstieg gebracht (siehe 5Mo 28. 44).

    Sind wir dennoch in solche Schulden geraten, wie sollen wir dann herauskommen? Mit dieser Frage habe ich mich selbst jahrelang zu beschäftigen gehabt. Nun, durch Gottes Gnade bin ich herausgekommen – das war ein wirklich langer und steiniger Weg – allerdings nicht, bevor ich nicht einige der Dinge, die ich hier niederschreibe, begriffen hatte. Ich kann und mag an dieser Stelle zwar keine klugen Ratschläge erteilen. Das, so glaube ich, steht mir nicht zu. Was ich aber kann und will, ist, einige der Punkte anzuführen, die ich selbst zu erkennen und auch umzusetzen hatte oder noch habe, und hoffe, daß dies dem einen oder anderen hilfreich sein kann, die sich in solchen oder ähnlichen Umständen befinden. Ich habe hierbei die Siebenzahl verwendet; sie ist jedoch nicht wichtig; man könnte ebenso von fünf oder auch von acht Punkten sprechen; es kommt vielmehr auf den Inhalt an.

    Das Erste, was ich dazu in aller Kürze sagen kann, ist die Tatsache, daß wir zurückkehren müssen auf den Weg Gottes, und zwar genau an die Stelle, an der wir Ihn verlassen haben und aus Seinem Weg ausgeschert sind. Höre auf, mit Gott zu hadern, und verzichte vor allem darauf, allein andere für Dein Schicksal verantwortlich zu machen; bitte Gott in erster Linie um Vergebung für den falschen Weg, den Du eingeschlagen hast. Jedes Anklagen anderer, so berechtigt oder unberechtigt dies auch sei, führt in Fesseln der Bitterkeit. Du mußt umkehren; Du hast keine andere Wahl; gehe also – bildlich gesehen – zurück bis an die Stelle, an der Du „Dein Eisen” verloren hast; woanders wirst Du dieses Eisen nicht finden; dort, wo Du nicht mehr allein herauskommst, laß Dir von einem Bruder oder einer Schwester helfen (2Kö 6. 1 - 7). Zu dieser Umkehr gehört die klare Abkehr von allem, was Deiner Gottesbeziehung im Wege steht; wende Dich also gründlich ab von all den Lehren, die Dich in diese Situation mit hineingeführt haben; entferne sie aus Deinem Leben; trenne Dich davon. Räume Sünde aus, wo immer nötig; halte nichts zurück; bekenne jede Sünde vor Gott und Menschen, von der Du weißt, laß Dich also reinigen von dem Blut Jesu (Ja 5. 16, 1Jo 1. 5 - 10). Kehre den alten Sauerteig ganz hinaus, und tue das nach bestem Wissen und Gewissen (1Kor 5. 6 - 8, vgl. Ga 5. 9).

    Umzukehren heißt aber nicht nur, sich von dem Alten abzuwenden; sie bedeutet vor allem, sich bedingungslos Gott zuzuwenden. Eine Umkehr, die noch immer Bedingungen stellen will, ist keine Umkehr; eine solche Haltung kommt aus dem Stolz; sie entthront Gott und setzt uns auf den Thron, da sie Gott anweisen will, was Er zu tun und zu lassen habe; sie will mit Ihm verhandeln, wo es doch zu gehorchen gilt. Damit wird jedoch offensichtlich, daß der alte Weg des Kuhhandelns noch immer nicht verlassen worden ist. Du kannst in diesen Dingen mit Gott nicht handeln; Sein Wille ist nicht verhandelbar; er gilt auch für Dich ab sofort, und zwar uneingeschränkt. Denke nicht, daß Gott Dir erst helfen müsse, dann wollest Du Dich Ihm zuwenden; nicht Du stellst die Bedingungen, sondern Gott stellt sie. Nicht Du bist der Herr, sondern Er ist es; nicht uns, sondern Ihm gehört unser Leben; Er ist es, der uns erkauft hat; somit gehören wir Ihm und nicht mehr uns selbst. Mir ist ein Satz überaus wichtig geworden, den Daniels Freunde sagten, als sie unter Nebukadnezar in den glühenden Feuerofen geworfen werden sollten. Welcher Gott wird euch aus meiner Hand erretten?”, fragte dieser, nachdem sie sich geweigert hatten, sein Standbild anzubeten. Sie aber antworteten ihm:

    „Nebukadnezar, wir haben nicht nötig, dir hierauf ein Wort zu erwidern. Sei es nun, daß der Gott, dem wir dienen, uns aus dem glühenden Feuerofen befreien kann und uns von deiner Hand erretten wird, oder nicht, so sollst du wissen, o König, daß wir deinen Göttern nicht dienen und auch das goldene Bild nicht anbeten werden, das du aufgestellt hast!”

Da 3. 17, Schlachter

    Wieviel mehr ziemt sich diese Haltung für uns, die wir nicht wie jene aufgrund ihres Gehorsams in Bedrängnis geraten sind, sondern durch die Wahl eines falschen Weges, und deshalb von diesem Weg umzukehren haben? Dieser Satz ist gewissermaßen zur Tür, zum Einstieg in meine Umkehr und damit zum Neuanfang geworden. Möge er uns allen hilfreich sein.

    Das Zweite, was ich zu lernen hatte – das kann bei Dir vielleicht etwas ganz Anderes sein – gehe zurück zu den Menschen, zu den Geschwistern, die Du verletzt, mit denen Du Dich entzweit hast, bitte sie um Vergebung und versöhne Dich mit ihnen. Zur wiederhergestellten Gottesbeziehung gehört immer auch die wiederhergestellte Beziehung zu den Geschwistern, da wir nicht sagen können, daß wir Gott lieben, den wir nicht sehen, während wir die Geschwister nicht lieben, die wir doch vor Augen haben (1Jo 4. 11 – 21).

    Das Dritte gehört ganz eng dazu; drehe Dich nicht mehr um Dich und Deine eigenen Belange, sondern kümmere Dich nun auch um den Bruder und die Schwester, in deren Beziehung Gott Dich gestellt hat, und fange – nach Deinen Möglichkeiten – an, ihnen zu dienen (s. 1Jo 3. 16). Beginne also damit, die geschwisterliche Liebe zu leben, und Du wirst sehen, wie Gott Deinen Weg, Deine Umstände und vor allem Dich selbst verändern wird – nicht etwa als Lohn, sondern als Ergebnis des Einflusses Seiner Gnade, unter den Du Dich zurückbegeben hast.

    Da bedarf es dann auch einiger Geduld, denn die Hilfe kommt zumeist nicht über Nacht, und fast nie kommt sie so, wie wir das uns oft so gerne ausmalen. Es geht Gott auch gar nicht in erster Linie um die Hilfe, Ihm geht es vor allem darum, daß wir verändert, in Sein Bild umgestaltet werden! Es sind manchmal ganz kleine Dinge, die Gott verlangt; ich selbst habe damit begonnen, für meine Geschwister zu beten und so für andere in den Riß zu treten. Später kamen dann auch andere, ganz praktische Dinge dazu. Wende Dich also ab von Dir selbst und wende Dich Gott und, soweit nur irgend möglich, auch dem Nächsten, dem Bruder und der Schwester zu. Lies vor allem Gottes Wort und studiere es; laß das Wort des Christus reichlich in Deinem Herzen wohnen, damit es Deinen Denksinn erneuern, die Reste gesetzlichem Denkens korrigieren und damit ganz gewiß auch die Heilung hervorbringen kann, die in Deinem wie auch in meinem Inneren vonnöten ist (Kol 3. 16). Das Haus, das gereinigt wurde, darf nicht leer und geschmückt bleiben; die alten Geister kämen sonst zurück; es bedarf also ganz unbedingt der Erfüllung mit dem Wort, dem Geist und damit der Gegenwart Gottes Selbst (Mt 12. 43 - 45, Lk 11. 24 – 28).

    Viertens natürlich: Aus Überschuldung herauszukommen, hat ab sofort vor allem anderen Vorrang; das aber wird kaum ohne Einschränkungen möglich sein. Bitte Gott um Hilfe, und sei nie zu stolz, auch Hilfe von Geschwistern anzunehmen; Du wirst jede Hilfe benötigen, die Du bekommen kannst, um frei zu werden und Gott wieder ganz zur Verfügung stehen zu können. Ein Wort zur so genannten „Umschuldung”: Die Umschuldung ist der Weg, einen Kredit durch einen anderen zu tilgen. Dieser Weg wird meist dann beschritten, wenn ein Überziehungskredit („Dispo”) bei einem parallel laufendem Ratenkredit so groß geworden ist, daß es zur völligen Überschuldung kommt, so daß laufende Rechnungen nicht mehr beglichen werden können. Mit der Zusammenfassung der Altschulden zu einem neuen Kredit versucht man sich dann etwas Luft zu verschaffen; erfahrungsgemäß dauert es jedoch nicht lange, bis der alte Zustand wieder eintritt, um die Neuverschuldung verstärkt, zuzüglich neuer Zinsen.

    Man sollte solche Hilfsangebote aus meiner Sicht sehr vorsichtig angehen. Ist der neue Zins nämlich zu hoch, führen sie erfahrungsgemäß nicht aus Schulden heraus, sondern immer nur weiter in sie hinein. Diese Praxis ist naturgemäß bei den Banken sehr gebräuchlich; allein ihnen nutzt sie auch, denn sie binden damit ihre Kunden als langfristig zahlende Schuldner an sich und lassen die Schuldensummen dabei häufig ins Unermeßliche steigen, da durch die längere Laufzeit der Tilgungstermin immer weiter hinausgeschoben wird, die Tilgungsraten immer kleiner, die sich aufsummierenden Zinsforderungen dafür aber immer höher werden. Und nicht wenige sind es, die auf diese Weise ein ganzes Leben lang zu zahlen und somit den Banken zu dienen haben, die ein glänzendes Geschäft aus den Nöten dieser Menschen machen, in die sie diese – freilich nicht ohne deren Mitwirkung – erst gebracht haben. Wie leicht hat man sich doch verschuldet, und wie schwer ist es oftmals, aus diesen Schulden wieder herauszukommen! Es muß also ein Weg gefunden werden, die Schulden wirklich abzutragen oder aber anderweitig aus dem Schuldverhältnis heraus zu gelangen, damit die Schuldsklaverei einmal beendet werden kann, und zwar je eher, desto besser.

    Einander gerade auch in geldlichen Dingen zu helfen, wie es – je nach Möglichkeit – eigentlich sein sollte, ist unter Christen leider kein weitverbreitetes Gut. Ich spreche hier von echter, problemlösender Hilfe, die dazu geeignet ist, die Not im Sinne von Notwendigkeit tatsächlich zu wenden; ich rede nicht über die Gewährung diverser Almosen, mit denen wir uns unseren Mitgeschwistern gegenüber nur allzu oft aus unserer Verantwortung ziehen wollen. Eine Hilfe, die andere Geschwister im Schlamassel sitzen läßt, ist es wohl kaum wert, Hilfe genannt zu werden. Auch Vorwürfe helfen nicht weiter; gute Ratschläge geben noch lange kein Brot, nicht wahr? Gar mancher, der vermögend ist, mogelt sich aus der Hilfe heraus, die er seinen Geschwistern gewähren sollte, indem er um das Sprichwort aus der Fabel zu bemühen – zwar selbst an die Trauben heranreicht, es aber dabei bewenden läßt, dem Hilfesuchenden erklären zu wollen, wie hoch diese für ihn hängen. Auf eine solche Hilfe kann man getrost verzichten, und so wird mancher hier also auch den Weg einer Privatinsolvenz zu gehen haben. Auch wenn es in der jüngeren Zeit in der deutschen Rechtsprechung einige Gesetzesänderungen gegeben hat, die dem Verschuldeten viele Dinge erleichtert haben, kann dies doch ein harter Weg sein, der auch Verluste mit einschließen kann, die nicht unerheblich sind, so daß sie oft den ganzen weiteren Lebensweg zu beeinflussen vermögen. Ich rede also Klartext und beschönige nichts. Warum sollte ich auch. Doch bleibe dabei; laß Dich nicht irre machen; denke stets daran und vergiß es nicht: Am Ende dieses Weges steht die Freiheit. Denn wir werden Gott nicht dienen können, solange wir noch dem Mammon versklavt sind; überbordender Schuldendienst ist Mammonsdienst; Gottesdienst und Mammonsdienst aber schließen einander aus (Mt 6. 24).

    Fünftens hängt sicherlich damit zusammen: Lebe nie, nie, niemals über Deine Verhältnisse; gib kein Geld aus, das Du selbst nicht hast, und achte auf Deine Augen, damit sie nicht begehren (Ja 4. 1 - 10; 1Jo 2. 15 - 17). Denn die Lust der Augen ist es, die zum Begehren verleitet; Habgier aber ist Götzendienst (Eph 5. 5 - 6, Ja 1. 14 - 16). Das Wort Habgier erschließt sich uns umso mehr, als wir begreifen, was es wörtlich bedeutet: Im Griechischen steht hier pleonexia, das mit mehr, d. h. über das gegebene Maß hinaus haben wollenzu übersetzen ist. Wir wollen ruhig einmal anführen, was Paulus in dem Zusammenhang schrieb.

    Denn dies wißt und erkennt ihr, daß kein Hurer, Unreiner oder Habgieriger (er ist ja ein Götzendiener) ein Losteil in der Königsherrschaft Christi und Gottes hat. Niemand täusche euch mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne der Widerspenstigkeit. Werdet daher nicht gemeinsame Teilhaber mit ihnen; denn einst wart ihr Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn!

Eph 5. 5 - 8

    Darum sollten wir gerade auf diesem Weg Gott immer wieder im Gebet suchen, weniger, um Ergebnisse zu bekommen, sondern vor allem darum, um wieder umso fester mit Ihm verbunden zu sein.

    Sechstens: verlasse einen jeglichen Weg des Mammonsdienstes, und zwar jetzt, gleich und sofort; höre vor allem auf zu geben, um aus Deiner Gabe etwas wiederzuerlangen. Statt dessen lerne, allein aus Liebe zu geben, und dann vertraue – unabhängig davondem Herrn, daß Er Dich Tag für Tag mit allem Nötigen versorgen wird. Werde also, das ist die Quintessenz des Gesagten, frei vom Gesetz, und komme gerade auch versorgungsmäßig ganz in die Gnade und in die Liebe Gottes hinein. An anderer Stelle mehr dazu.

    Und schließlich Siebtens: Du kannst und sollst nur geben aus dem, was Du über deinen Bedarf hinaus hast und worin es Dir besonders gut geht; dann allerdings solltest Du Deine Hand niemals verschließen (2Kor 8. 11 - 15). Wie oben angedeutet, werden wir noch ganz ausführlich auf die diesbezügliche Ordnung einzugehen haben. Wir leben im Zeitalter und unter der Ordnung der Gemeinde; Gott wird innerhalb dieser Ordnung niemals von jemandem verlangen, etwas zu geben, solange derselbe noch Schulden hat und demzufolge Mangel leidet. Von einem Solchen kann nichts erbeten werden, ihm ist vielmehr zu geben! Andererseits höre aber immer wieder auch darauf, was Gott Dir in Gebet und Wort deutlich zu machen sucht. Auf jeden Fall aber wirst Du, wenn überhaupt, nur sehr schwer aus Deinen Schulden herauskommen, während Du noch, wie oben angedeutet, den Weg gesetzlichem Gebens verfolgst. Darum mußt Du auch aus der Zehntenlehre herauskommen Du hast keine Wahl. Solange Du Dich wissentlich unter dem Einfluß dieser und ähnlicher Lehren befindest, kann Gott Dir nicht helfen, das ist die ganze Wahrheit, auf den Punkt gebracht. Wer gibt, um zu empfangen, ist auf dem Holzweg. Das hat mit Liebe nichts zu tun, und mit Liebe zu Gott noch weniger, und ist eine gesetzliche Verkehrung der Worte Jesu, die man zu einer Methode umfunktioniert hat, um aus ihnen Kapital zu schlagen.

    „Wißt ihr nicht, daß die Freundschaft dieser Welt Feindschaft Gott gegenüber bedeutet?”,

    fragt Jakobus seine Leser im Hinblick auf das Begehren des Irdischen, dem sie offensichtlich so sehr verfallen waren.

    „Wer nun beabsichtigt, der Welt Freund zu sein, der wird als Feind Gottes hingestellt”,

    fährt er fort. Wird ein solcher Gottes Hilfe empfangen können? Nein, niemals, sagt Jakobus! Denn...

    „Gott widersetzt Sich den Stolzen, den Demütigen aber gibt Er Gnade. Ordnet euch nun Gott unter, widersteht aber dem Widerwirker, und er wird von euch fliehen. Nahet euch Gott, und Er wird Sich euch nahen.

Ja 4. 7 - 8; siehe auch die Verse 1 - 3

    Damit ist dieser Weg als Weg des Widersachers Gottes entlarvt. Und darum kann auch nur der Weg richtig sein, allein aus Liebe heraus zu geben, und zwar dem, der solcher Zuwendung tatsächlich bedarf. Die durch diverse so genannte „Glaubenslehrer” weitverbreitete Behauptung, daß der nicht aus Schulden heraus kommen würde, der nicht zehntete, ist also eine waschechte Lüge und damit ein Betrug des Teufels. Sie bringt die versprochene Hilfe nicht; sie führt nicht aus der Not heraus, sondern, da auch sie wesensmäßig dem Mammonsdienst entspringt, immer nur weiter in die Verschuldung und damit in die Abhängigkeit hinein. Wer solche Dinge proklamiert, der zeigt, daß er im Wesen der Habgier sein Dasein hat, und diese Habgier ist es auch, die er bedient und deren Wesen er immer weiter verbreitet. Hier haben wir die täuschenden, leeren Worte vorliegen, vor denen Paulus die Epheser warnte!

    Wer zehntet, gleichzeitig aber verschuldet ist, und nun erwartet, daß Gott ihn, den treuen „Zehntengeber” endlich aus seinen Schulden befreien müsse, da er doch seinen „Obolus” entrichtet und damit seine notwendige Leistung erbracht habe, der gemäß Gott nun „handeln” müsse, der versucht und lästert Gott in höchstem Maße. Solche Dinge sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden, und führen die Hörenden gründlich in die Irre. Höre also auf, denen zu folgen, die solche Lehren unter die Menschen bringen, und zwar unbedingt und sofort, und glaube ihnen nicht weiter. Denn solche sind Irrlehrer; es sind falsche Apostel und Propheten, die meinen, daß Frömmigkeit ein Gewerbe, d. h. eine Methode zum Öffnen einer Geldquelle (grie. porísmos) sei (1Tim 6. 5). All diese Lehren entsprechen keineswegs der Wahrheit; ich selbst habe das Gegenteil erfahren; wer ihnen folgt, bringt sich in Gefahr. Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um. So sei auch Du gewarnt!

Treue oder Kapitalismus?

    Dies ist ein weiteres Zwischenthema, das vielerorts provozieren mag. Ein ganzes Kapitel haben wir dieser Thematik schon gewidmet und ihre Hintergründe ins Licht zu stellen versucht. So erzeigen sich die in dieser Abhandlung bereits beschriebenen oder noch zu beschreibenden Lehren in der Tat als Philosophien, die der Welt des Kapitals entlehnt sind und daher nichts anderes darstellen als die Einführung der kapitalistischen Ideologie des Handelns und Erwerbens und ihrer Denkmuster in die Gemeinde, freilich pseudo-biblisch verbrämt und entsprechend religiös umgedeutet. Die Zehntenlehre in ihrer heute dargebotenen und mitunter ausufernden Form ist nur eine davon. Dies alles verspricht uns, im irdischen Leben erfolgreich zu sein. Gott jedoch geht es nicht um Erfolg, sondern um Treue; es ist eben nicht richtig, was funktioniert oder zu funktionieren scheint, sondern allein das, was Gott gesagt hat, komme daraus, was kommen wolle. Punktum.

    Wie schon eingangs erwähnt, sprechen wir hier nicht von solchen Geschwistern, die einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einkünfte einer notleidenden Person oder einem Glaubenswerk allein aus Liebe heraus zur Verfügung stellen. Solches ist aller Ehren wert, und Gott wird diese Geschwister ganz gewiß segnen. Sondern wir sprechen von solchen Vorstellungen, die das Geben einer bestimmten Summe etc. zur Grundbedingung der Versorgung machen. Wenn wir die Lehrsätze der sogenannten Glaubensbewegung analysieren, dann merken wir recht schnell, daß hier ein ganzes, regelrecht ineinandergreifendes Lehrsystem um dieses Thema herum errichtet, man sollte vielleicht sagen, geradezu zielgerichtet aufgebaut worden ist. Dieses Ineinandergreifen, dieses scheinbare In-Sich-Schlüssig-Sein unterschiedlicher und doch so gleichartiger Dogmen macht einen großen Teil ihrer Verführungsmacht aus, der selbst die Gebildeten auf den Leim gehen. (Desselben Strickmusters bedient sich in etwa auch die sogenannte liberale Theologie.)

    Es ist nicht von ungefähr, daß gerade diese Lehren, die so sehr um Geld, Erfolg und Wohlstand kreisen, vor allem in Amerika zu Hause sind, dem Sinnbild des Kapitalismus schlechthin; von dort aus haben sie ihre Reise nach Europa und nach Deutschland angetreten und die christliche Gemeinde gründlich unterwandert. Sie wissen das Loblied des Kapitals allezeit gut zu singen, die Geld- und Wohlstandsprediger aus Amerika. Im Zuge der Entwicklung haben sich vor allem ihre Taschen gefüllt, sind ihreProjekte” gewachsen, derer sie sich nun rühmen. Paulus rühmte sich solcher Dinge nicht; es blieb ihm ausgeschlossen (Rö 3. 27). Sein Rühmen lag woanders; er rühmte sich der zukünftigen Erwartung der Herrlichkeit Gottes, die er in Christus hatte (Rö 5. 1 - 2); er rühmte sich der Drangsale, die ihm auf dem Weg dorthin begegneten und Ausharren bewirkten (5. 3), schließlich rühmte er sich „in Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir nun die Versöhnung erhielten” (5. 11). Einen anderen Ruhm kannte er nicht. Für ihn war Christus das Leben, und das Sterben war für ihn Gewinn (Phil 1. 22).

    „Mir aber möge nur das nicht geschehen, mich zu rühmen”,

    schrieb er schließlich,

    „außer im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.”

Ga 6. 14

    Freilich, die „überragenden Apostel”, die redegewandten Gesetzeslehrer, die den Galatern so viel Not machten und in deren Hinsicht Paulus dies schrieb, berührte das nicht. Auch die heutigen scheint es nicht zu berühren; sie wähnen sich schließlich „von Gott gesandt”. Und doch kommen sie aus dieser Welt, sie predigen die Maßstäbe dieser Welt, sie treiben die Dinge dieser Welt, und sie sind in dieser Welt Zuhause. Ihr Reich ist das Sichtbare, nicht das Unsichtbare; so befindet sich auch ihr Gott nicht im Unsichtbaren, sondern im Sichtbaren (2Kor 4. 3 - 4, 18). Viel, sehr viel Geld verschlingt ihr Reich, das sie für das Reich Gottes halten und das sie in der Welt zu installieren gedenken. Und so steigen sie in ihren natürlich standesgemäßen Cadillac, schließen die Türen hinter sich und fahren in die nächste Gemeinde, um die Geldbörsen der Geschwister dort zu leeren, nachdem sie es nicht unterlassen haben, auch diese eines reichen Geldsegens zu versichern. Ihre Lehren wurzeln in der Habgier, und ihre Geldliebe kennt kein Ende (vgl. Lk 16. 13 - 14). Alle Übel wachsen aus ihr (1Ti 6. 10). Dabei betrügen sie nicht nur die Gemeindeglieder; sie bringen sie auch unter den Einfluß eines fremden Geistes. Woher ihre vor allem in der sog. Glaubensbewegung weitverbreiteten Lehren wirklich kommen, haben wir ja bereits erwähnt. Sie kommen mitten aus dem Herzen der Finsternis. Es ist ja gerade die Vorstellung des Teufels, daß der sich von Gott lossagen würde, dem Wohlergehen und Unversehrtheit genommen werden würden (vgl. Hi 1. 6ff., 2. 1 - 10). Daß jemand umsonst gottesfürchtig” sei (1. 9, Schlachter), das kann der Teufel nicht begreifen. Er hat sich auch hier gründlich geirrt.

    So wollen wir gewissermaßen „mit Paulus und all den anderen” weiter darangehen, die oben beschriebenen Gedankengebäude, die Vernunftschlüsse und die Höhen niederzureißen (2Kor 10. 4), die Gott entgegenstehen. Wir wollen sie ins Licht stellen, damit das Finstere geoffenbart und die Dunkelheit endlich wieder licht werde (Eph 5. 11 - 14), damit ihre vielen Gefangenen wieder freigelassen und ihrer Ketten ledig werden. Die Decke muß uns von den Augen genommen, das Trennende muß aufgehoben werden; erst dann werden wir den Herrn sehen (2Kor 3. 12 - 18). Darum zurück zur Gnade, zurück ins Vaterhaus – das ist hier die Devise. „Räumt darum weg, kehrt aus, was Ihm im Wege steht!” Mit weniger wollen, mit weniger können wir uns nicht zufrieden geben. Und darum ist auch die eingangs genannte Provokation durchaus gewollt; sie liegt jedenfalls in der vollen Absicht des Schreibers.

    Hier wird nun allerdings nicht ausgesagt, daß man nicht einem Gewerbe nachgehen dürfe oder nicht mit Händen arbeiten solle. Dies ist eine ganz gefährliche Schwärmerei, der wir auch in heutigen Tagen immer wieder einmal begegnen. Wir benötigen auch keine besondere Weisung Gottes, auf die wir warten müßten, damit uns gesagt würde, daß wir einer ordentlichen Arbeit nachzugehen haben. Denn diesbezüglich spricht Gottes Wort bereits sehr klar und sehr unmißverständlich zu uns. Es gibt sie, die sagen, sie seien von Gott gesandt; sie sind heute hier und morgen dort, reden gern und viel, legen Hände auf, arbeiten nichts und liegen anderen Geschwistern auf der Tasche. Den Segen Gottes haben solche allerdings nicht. Gehe hin zur Ameise, du Fauler, siehe ihre Weise an und lerne”, wissen schon die Sprüche zu sagen (Spr 6. 6, Schlachter). Wer nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen”, hatte Paulus einst an die Thessalonicher geschrieben, und sie dazu angehalten, in aller Stille zu arbeiten, um ihr eigenes Brot zu essen (2Thes 3. 10 - 12). Schon er hatte sich also mit einigen seiner Zeitgenossen auseinanderzusetzen gehabt, die nichts Ordentliches arbeiteten, sondern vorwitzig” waren, wörtlich: die umherwirkten (periergazomai), die also umherzogen und, statt an einem Ort mit ihren Händen zu arbeiten, hier und da mit allerlei Kraftwirkungen und Gaukeleien beschäftigt waren (2Thes 3. 11, ähnlich auch 1Tim 5. 13).

    Diese kurze Definition mag hier genügen; andernorts, anhand der Skevasöhne aus Apostelgeschichte neunzehn, werden wir noch einmal, und zwar ausführlicher, auf diesen Begriff und die hinter ihm stehenden Wirklichkeiten zurückkommen. Ob zahlreiche der überall umher reisenden, sogenannten „Männer Gottes” nicht doch unter dieser Rubrik einzuordnen wären, das mag der Leser selbst beurteilen. Wir sollen uns jedenfalls anders verhalten, schrieb Paulus, der selbst allezeit ein Vorbild in diesen Dingen gewesen ist (vgl. auch 1Kor 7. 2, 1Thes 2. 5).

    „Von niemandem begehre ich Silber, Gold oder Kleidung”,

    hatte er denen gesagt, die auf seiner letzten Reise von ihm schieden.

    „Euch ist bekannt, daß diese Hände mir und denen, die bei mir sind, behilflich waren, den Bedarf zu decken. In allem habe ich euch ein Beispiel gegeben, daß man sich so mühend der Schwachen annehmen muß, eingedenk der Worte unseres Herrn Jesus; denn Er hat Selbst gesagt: Glückseliger ist es, zu geben als zu nehmen.”

Apg 20. 33 - 35

    Es macht freilich keinen Sinn, ein Vorbild zu geben für einen Weg, den man nicht für den Weg Gottes hält. Werdet meine Mit-Nachahmer” – so wörtlich das waren Paulus´ Worte (Phil 3. 17). Und dann machte er sich tatsächlich zum Vorbild, um damit auch für andere den Weg zu veranschaulichen und bildhaft zu machen, den er selbst ging und den er ganz eindeutig von den Worten Jesu herleitete. Und diese Worte legte er dar, auf diese Worte kam es an. Darauf hatte Paulus immer wieder den Finger gelegt, nicht ohne zuvor auf jene schweren Wölfe” hingewiesen zu haben, die unter euch eindringen” und das Herdlein nicht verschonen” würden. Männer würden aus eurer Mitte”, sagte er, aufstehen und verdrehte Dinge sprechen, um die Jünger an sich zu reißen” (29, 30). Wir sollten uns unbedingt an ihn halten, und danach tun, was er uns sagt, wenn wir vermeiden wollen, daß wir uns eines Tages als gerissenes Schaf im Maul eines solchen Wolfes wiederfinden. Freilich sind das solche, die immer als „Wolf im Schafspelz” einhergehen, denn sonst würde ja niemand auf sie hereinfallen – „durch wohlklingende Reden und schöne Worte verführen sie die Arglosen”, wie Paulus sagte (Rö 16. 18). [4] Man lese den Zusammenhang.

    Wir tasten dabei jene Geschwister, die der Herr wirklich gesandt hat, nicht an. Nichts liegt uns ferner als dies. Wer in Seinem Auftrag unterwegs ist, um Sein Wort auszubreiten, der braucht auch die notwendige Unterstützung, und der sündigt, der sie zu geben vermag und ihm doch vorenthält (Ja 2. 8ff, 4. 17; s. a. 1Jo 3. 17). Das ist allerdings eine Regel, die an allen Gliedern des Christusleibes anzuwenden ist und nicht bloß an solchen, die gerade einen besonderen Auftrag haben. Auch ist dabei zu bedenken, daß es hier um die Verkündigung des Wortes Gottes geht; weder steht das Kundtun sogenannter „Visionen” im Mittelpunkt, die erfahrungsgemäß alle mit irdischen und sichtbaren Dingen zu tun haben, noch ist das Unterbreiten irgendwelcher „Projekte” relevant, die man regelmäßig mit solchen Visionen zu rechtfertigen sucht, um für sie Geld einzusammeln (siehe Kol 2. 18 - 19). Uns ist sehr wohl bekannt, daß man dem, der gerade im Worte dient, jeweils Anteil an allem Gut” geben, das Vorhandene also mit ihm teilen soll (Ga 6. 6). Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, über die man nicht zu debattieren braucht. Denn daß man dem, der der Zuwendung bedarf, diese Zuwendung auch zukommen läßt, dafür braucht die Liebe kein besonderes Gebot. Und daß man dem dreschenden Rind keinen Maulkorb anlegen” soll, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis und sollte es auch nicht sein (1Kor 9. 9, 1Tim 5. 18).

    Man sollte diese Sätze allerdings auch in ihren Zusammenhängen lesen und vor allem belassen, und in sie nicht immer wieder einen „Zehnten” hineindeuten, von dem an keiner dieser Stellen die Rede ist. So setzen diese Dinge, die in der Vergangenheit unter uns zweifellos stark überbetont und damit sehr einseitig und oft sogar mißbräuchlich ausgelegt worden sind, keinesfalls außer Kraft, was Paulus hier gesagt hat. Neben dem vielzitierten „Es steht geschrieben” gilt immer auch das Wiederum steht auch geschrieben”, das Jesus dem Teufel entgegnete, als dieser Ihn mithilfe einzelner, aus dem Zusammenhang entrissener Schriftaussagen irreführen wollte (Mt 4. 6, 7). Zwar hat der, der im Wort dient, durchaus Vollmacht, zu essen und zu trinken und von der Milch der Herde zu leben, wie er eben auch eine Schwester (als Ehefrau) mit sich führen darf etc. (1Kor 4. 9ff). Es gilt aber eben auch, daß ein jeder in aller Stille arbeiten, mit seinen eigenen Händen das für seinen Lebensunterhalt Notwendige schaffen soll, um anderen nicht zur Last fallen zu müssen, wie Paulus dies beispielhaft vorlebte. Man kann das damit zusammenfassen, daß jeder das tun soll, was ihm tatsächlich auch möglich ist. Die Sicht, daß man sich darauf verlassen könne, daß zur Sicherung des eigenen Unterhalts andere da seien, teilt das Neue Testament jedenfalls nicht. Denn wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen, sagte das Wort Gottes ja unmißverständlich, wie wir oben gesehen haben, und bezeichnet alles dem Widersprechende als unordentlichen Wandel, der den Betreffenden in der Weise aus der Gemeinschaft der Heiligen ausschließt, daß man sich von ihm zurückziehen und den Umgang solange mit ihm meiden soll, bis er dieses Verhalten gründlich ändert (2Thes 3. 6 – 15, s. a. 1Thes 4. 10b - 12).

    Des Apostels erklärtes Anliegen ist es, jedermann in allem ein Vorbild  zu sein, indem er selbst nirgendwo einen Anstoß erregt. So geht es hier auch nicht darum, jeden Umgang mit irdischem Gut abzulehnen oder zu verteufeln, oder uns in Eigenregie auf eine einsame Insel zurückzuziehen und die Menschen in der Welt zu meiden, wie sündig sie sich in unseren Augen auch immer verhalten mögen. Dann müßten wir ja die Welt räumen, hatte Paulus einst an die Korinther geschrieben (1Kor 5. 10). Denn wir sind nach wie vor in diese Welt zum Zeugnis gesetzt, geradezu als ein Schauspiel für sie; so sollen wir in den uns hier begegnenden Leiden und Beschwernissen von den Verstrickungen und Begierden dieser Erde weg sehen, statt dessen in der uns verordneten Rennbahn laufen und dabei auf das Himmlische schauen: Ja, es gilt, nicht nur auf das Himmlische, sondern vielmehr auf Jesus, den Himmlischen zu schauen, den wir von dort, vom Himmel her erwarten, wenn wir das uns gesetzte Ziel, die Hinaufversammlung (episynagoge) und Vereinigung mit Ihm in der Himmelswelt nicht verlassen bzw. versäumen wollen (vgl. 1Kor 4. 9, Hbr 10. 19 - 25, 32 - 34 und 12. 1 – 2).

    Da gilt es, jeden Anker und jedes Gewicht loszuwerden, das uns noch auf dieser Erde gebunden hält. Dies gilt gerade auch für den materiellen und finanziellen Bereich; wollen wir in der rechten Weise mit Gut und Geld umgehen, dann dürfen wir diesem Gut und diesem Geld in keiner Weise versklavt sein, noch dürfen wir uns von ihm je versklaven lassen. Zu solchem Sklavendienst gehört auch der Bereich des Schuldenmachens, wie wir gesehen haben. Schuldendienst ist Mammonsdienst, der vom Dienst Gottes ausschließt; der Schreiber dieser Zeilen weiß, wovon und vor allem warum er dies schreibt und es auch zu wiederholen nicht müde wird. Denn – noch einmal – wer mit dem Irdischen in der rechten Weise umgehen will, der muß in der rechten Weise frei von diesem Irdischen sein. Und so haben wir – auch dies ist ein Bestandteil unseres Zeugnisses – ja gerade auch in unserem Irdischen treu zu sein, denn dem, der in dem Irdischem nicht treu ist, dem kann auch das Himmlische nicht anvertraut werden, sagte der Herr (Lk 16. 11 - 13, vgl. auch Jo 3. 12).

    Diese Treue aber bezieht sich – wir haben es oben schon angedeutet – auf den rechten Umgang mit dem, was der Herr uns anvertraut hat. In der mangelnden Treue auf diesem Gebiet dürfte einer der Gründe für den erschreckend unzureichenden geistlichen Erkenntnisstand unter vielen von uns liegen. Denn es ist Untreue, wenn unser Umgang mit Gut und Geld, wie oben beschrieben, nicht den Worten unseres Meisters entspricht, und so muß sich an uns erfüllen, daß uns das Himmlische verschlossen bleibt, solange wir im Irdischen nicht Treue erweisen und damit fortfahren, das Gegenteil dessen zu tun, was Er Seine Jünger gelehrt und wozu Er sie angewiesen hat. Wie oft sind wir doch in Vorstellungen gefangen, die sehr viel mehr an den Mammonsdienst erinnern als an den Dienst, der uns verordnet ist! Wie sehr orientiert sich gerade unser Geben weniger an der Liebe, sondern vielmehr an dem, was dabei „für uns herauskommt”! Und so lehren einige tatsächlich, daß der Herr zu geben befohlen habe, damit wir uns durch dieses Geben unseren „Wohlstand” sichern oder mehren könnten, als ob Er nie geboten habe, daß die Linke niemals wissen soll, was die Rechte gegeben hat!

    Wie anders und davon grundverschieden ist doch alles das, was Jesus uns über den Umgang mit materiellen Gütern gelehrt hat! Und doch scheinen wir meistens vergessen zu haben, daß unser Geben immer ein Geben im Verborgenen sein soll. Denn der Vater vergilt nur das, was er in diesem Verborgenen sieht. Über all dem, was wir in der Öffentlichkeit und damit vor Menschen tun, um vor ihnen etwa abzurechnen, um Beifall, Erstattung oder auch Gewinn heischen zu wollen, steht das Urteil, daß wir unseren Lohn dahin haben, ganz gleich, auf welche Art und Weise wir uns dabei gebärden mögen (vgl. Mt 6. 1 - 8). So weltlich, so weltförmig sind wir geworden, daß uns dies alles nicht mehr interessiert, da uns doch der Gewinn, das Ergebnis unseres Tuns wichtiger erscheint als Sein Wort. Was all das mit der Rückerstattung von Spenden durch die Finanzämter zu tun haben soll, vermag sich mir bis heute nicht zu erschließen. In Gottes Wort lesen wir jedenfalls nirgends, daß wir uns schadlos zu halten hätten, wenn es um die Nöte Anderer geht, weder bei der Welt noch anderswo. Jedermann spricht vom Geben, zu dem wir, zumeist zum Zwecke der Errichtung und des Erhalts irdisch-sichtbarer Gemeindestrukturen reichlichst angehalten werden sollen – aber wer spricht noch wirklich darüber?

    Und so ist es für Welt immer schwerer geworden zu erkennen, daß wir gerade auch auf diesem Gebiet schlicht anders sind als sie. Wir, die wir doch Salz und Wegweisung sein sollen, sind inzwischen so angepaßt, so kraftlos geworden, daß wir nicht mehr zu unterscheiden sind von ihr – wir, die wir den lebendigen Gott oft genug zu einer Bank zum Zwecke der Erhaltung und Vermehrung unserer Gelder degradiert haben! Wir haben uns tatsächlich gewagt, Ihn zum Knecht unseres irdischen Begehrens machen zu wollen, nachdem wir den Himmel zu einem Ort der Kapitalvermehrung, ja des Kapitalismus (so die wörtliche Bedeutung des Wortes porismos, Gewerbetreiben, eigentlich Auftun einer Erwerbsquelle, in 1Tim 6. 5 - 6) selbst umgedeutet haben. Und so ähnelt die Gemeinde, die doch der Ort des Himmlischen, der Sprachort Gottes inmitten Seiner Heiligen hier auf der Erde sein sollte, immer mehr einer weltlichen GmbH oder einem eingetragenen Verein, dem vor allem die Verwaltung und Mehrung seiner irdischen Güter und Bauten, der Erhalt von Posten und Positionen, die Repräsentation im Irdischen wichtig geworden sind.

    Wir haben keinen Unterschied zur Welt, keine Salzkraft mehr, und laufen darum Gefahr, in den Gerichten der Endzeit – auch gerade in diesem Bereich – als kraftloses Salz hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden (Mt 5. 13)! Und dann haben wir diese Dinge gar noch zur Lehre gemacht! Doch täuschen wir uns nicht: jene Kaufleute, die die Frömmigkeit ihrer Zeitgenossen zur Grundlage ihres Lebensunterhalts gemacht hatten, die hatte der Herr noch zur Zeit Seines Erdenlebens aus dem Tempel gepeitscht, indem Er ihnen bedeutete, das Haus Seines Vaters nicht zum Kaufhause zu machen (Jo 2. 13 - 17). Nun, Er ist auch heute noch Derselbe, und Er hat Seine Meinung nicht geändert, was auch in Zukunft nicht erwartet werden kann (Hbr 13. 8, vgl. Ja 1. 17). Wehe uns, wenn wir bei Seinem Kommen noch immer in derselben Verfassung vorgefunden werden sollten wie jene, die Er damals aus dem Tempel wies!

    Mögen wir aufwachen und uns dessen erinnern, was wir vergessen zu haben scheinen: daß wir hier auf der Erde nämlich Fremdkörper sind und bleiben, und zwar in jeder Hinsicht; daß wir uns in Feindesland bewegen; daß wir als wirkliche Fremdlinge (wörtlich: xenoi, Ausländer) und Auswanderer unter den Bewohnern dieser Erde wandeln (vgl. 1Ptr 1. 1 und 2.11). Erinnern wir uns: Jene Heimat hatten wir einst aufgegeben, um, aus ihr ausgehend, die andere, die bessere, die himmlische zu erlangen! Denn mit unserer Hinwendung zu Christus, mit unserer Einwilligung in Seinen Tod und damit auch in Sein Leben haben wir diese Welt mitsamt ihrem Fürsten, Satan, ihrer Art und ihrem Wesen nach hinter uns gelassen und sind zu Mitgekreuzigten dieses Christus geworden. Es ist ja ebenso unumstößliche wie einheitliche Aussage des Neuen Testaments, daß eben dieses Kreuz, mit dem wir ganz real verbunden worden sind, die Auswirkung hat, daß sowohl wir für die Welt gekreuzigt wurden als auch die Welt für uns gekreuzigt worden ist (Ga 6. 14). So sind wir in diesem Sinne tot, verloren für die Welt, die wir ja hinter uns gelassen hatten; die Welt aber ist tot für uns: Haben wir sie wirklich hinter uns gelassen?


Das Todesurteil des Kreuzes

    Denn Christus starb ja nicht nur für uns, um unsere Sünde zu sühnen; er starb vielmehr unseren Tod, in den wir nun mit hineingenommen wurden. Sein Tod geschah ja nicht nur als Stellvertretung für den Sünder, sondern als das Gericht über den Sünder, das da an der Person Jesu vollzogen wurde, und damit auch an mir und an dir, so daß wir, die Sünder, nun mit Ihm Mitgekreuzigte sind. Der Lohn der Sünde ist der Tod (Rö 6. 23). Und dieses Todesurteil muß aus Gottes Sicht vollstreckt werden. So wird denn das Todesurteil in Ihm, da wir durch das Kreuz mit Ihm verbunden sind, unbedingt auch an uns vollzogen; und so sind wir demnach Mitgestorbene mit Ihm, damit wir, als mit Ihm Auferstandene, nun auch mit Ihm leben dürfen (Rö 6. 3 - 4). Dieses Leben ist nun aber nicht mehr unser eigenes, denn unser Eigenes ist gestorben, abgeurteilt und in Christus zum Tode gebracht; es ist vielmehr das Leben des Gottessohnes, das in uns nun zum Ausdruck kommen will – selbst der Glaube ist nicht unser, sondern der „des Sohnes Gottes(Ga 2. 20). Denn wenn unser Eigenleben gekreuzigt wurde, dann ist ihm fortan jedes Lebensrecht, ja jede Lebensmöglichkeit vor Gott entzogen; es ist daher täglich im Tode zu halten, damit das Auferstehungsleben Christi in uns ebenso täglich zum Tragen käme.

    Dies zu vollziehen aber ist unsere Aufgabe. Und das ist im Übrigen keineswegs eine „paulinische Sonderlehre”, wie einige unterstellen, sondern entspricht den klaren Worten unseres Herrn:

    „Wenn jemand Mir nachfolgen will, so verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge Mir!”

Lk 9. 23

    Das Kreuz ist nicht schön, und oftmals gefällt es uns nicht; es ist ein Marter- und Hinrichtungswerkzeug, das den, der es trägt, unweigerlich zu Tode bringen wird, ja bringen muß. Denn dazu allein ist es da. Und gerade deshalb, weil es dies bewirken muß, ist es für unser Leben so notwendig. Denn hier gilt, daß ein Jünger nicht über seinem Lehrer steht, wie der Herr sagte,

    „...noch ein Sklave über seinem Herrn. Dem Jünger genügt es, daß er wie sein Lehrer werde, und dem Sklaven – wie sein Herr zu sein.”

Mt 10. 24 - 25

    Und so führt auch unser Weg auf der Erde, dem Meister nach, über das Kreuz zum Tode und erst dann in den Himmel und in die Auferstehung des Lebens hinein. Dieser Weg allein ist es, der tatsächlich auch in den Himmel führt – der andere Weg, der unser Irdisches zum Inhalt hat, verweist uns statt dessen immer wieder nur auf diese Erde. Und so läßt er uns auf dieser Erde leben, im Irdisch-Sichtbaren, bis wir schließlich sterben – so bleiben wir im Diesseits und damit im Tode. Der Weg des Kreuzes aber läßt uns hier schon sterben, heute, gemeinsam auf dem Weg, zusammen mit dem Meister. Nur so führt er uns durch den Tod hindurch ins Leben hinein: Sünder, was forderst du da noch, der du doch in den Tod gehörst?

    Paulus wollte jedenfalls in seiner Verkündigung nichts anderes wissen als Jesus Christus allein – und diesen als gekreuzigt (1Kor 2. 2). Und so verwarf er eindeutig eine jede Frömmigkeitsform und Lehre, die das Streben nach irdischem Gewinn auch nur irgendwie zum Inhalt hatte, und verwies die Hörenden auf die „gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus”, indem er eindringlich vor jenen warnte, deren Verkündigung diese Worte nicht zum Inhalt hatten, sondern dem Gewinn im Irdischen, in Raum und Zeit nachhingen (1Tim 6. 3 - 11). Zwischen den Worten des Meisters und der Verkündigung des Paulus gibt es demnach keinen Unterschied: diesen Dingen gegenüber haben wir uns für gestorben zu betrachten:

    Also auch ihr: Rechnet damit, daß ihr selbst der Sünde tot seid, lebend aber Gott in Christus Jesus, unserem Herrn.

Rö 6. 11 wörtlich

    Hier steht eben nicht jenes „für Gott leben”, das die meisten Übersetzer an dieser Stelle eingefügt haben. Wenn wir gestorben sind, dann können wir nämlich weder für uns selbst, noch für jemand anderen leben. Wäre es doch so, dann feierte unser eigenes Ich seine tägliche Auferstehung; zwar fromm scheinend, doch bliebe es immer noch unser Ich. Nein – dieses Ich, dieses Selbstleben, das uns immer wieder so gerne einen Streich spielt, gilt es gerade zu verleugnen und damit täglich im Tode zu halten! Wir haben nämlich, seit Jesus Christus unseren Tod starb, kein Anrecht an uns, keine Verfügungsgewalt mehr über uns selbst. Denn in unserer Hinwendung zu Ihm haben wir ja, wenn sie denn echt war, alles aufgegeben, was wir einst besaßen; seitdem gehören wir nicht mehr uns selbst, sondern dem, der uns um den Preis Seines Lebens und Blutes erkauft hat. So ist dann auch das Leben, das wir empfangen haben, nicht mehr unseres:

    Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus.

Ga 3. 20

    Das ist der ganz zentrale Kern paulinischer Theologie. Folgerichtig spricht Paulus in Römer 6. 11 dann auch von einem „Gott-leben, d. h. davon, daß Sein Leben sich in uns ausdrücken und sich in uns darstellen will – und soll.

    Dieses Wort vom Kreuz, dessen Konsequenzen wir gerade ein wenig beleuchtet haben, ist freilich den Frommen aller Schattierungen ein Ärgernis, den Weltmenschen, den Weisen nach der Art dieses Äons aber ist es eine Torheit. Denen aber, die aus dieser Wurzel heraus leben, wird es zur Gotteskraft (vgl. 1Kor 1. 18 - 25). Leben erschließt sich hier nur dem Gestorbenen, dem, der sich in diesem Tode zu halten und sich damit unter dem Herrschaftsbereich Christi, nach dem „Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus” (Rö 8. 2), zu bewahren weiß. Denn das Leben, das uns zuteil werden soll, ist ein Auferstehungsleben – ein Leben aus dem Tode (vgl. Phil 3. 7 - 11). Die Ichbezogenheit des alten Menschen wird hier klar zu Tode gebracht und damit unwirksam gemacht. So kann ein Gestorbener demnach auch nichts mehr für sich begehren, hat er doch kein Leben in sich selbst; ebensowenig kann von einer Gestorbenen – der Welt – etwas begehrt werden. Bleiben wir doch dabei: diese Dinge haben für uns tot zu sein – deshalb ja auch die Taufe, die diesen Tod besiegelt und den zu Recht am Kreuz zu Tode gebrachten Sünder in der Wasserflut begräbt, damit dann der neue Mensch aus dem Grab dieser Taufe aufersteht (Rö 6. 3 - 14).

    Fortan sollen wir alles in dem Sinne „haben, als hätten wir nicht” (1Kor 7. 29 - 31). Hier gilt zwar, daß all das unser sein darf, womit Gott uns auch im Irdischen segnet. Doch soll uns nichts gefangen, wörtlich: unter seine Vollmacht nehmen dürfen (1Kor 6. 12). Gefangen aber hat uns etwas bereits dann genommen, wenn wir danach begehren, um es zu erlangen, es also zur Zielsetzung unseres Lebens gemacht haben. Der Herr wies uns nicht an, danach zu begehren, also uns zu sorgen und für diese Sorge diverse Vorkehrungen zu treffen, wie geistlich diese sich auch immer gebärden mögen, sondern verhieß, daß uns Seine Versorgung umsonst zufallen würde, wenn wir allein Ihm folgen, statt in die Scheunen dieser Erde, in das Irdisch-Sichtbare hinein zu sammeln (vgl. Mt 6. 24 - 33). Später wird dazu noch mehr zu sagen sein. Merke auf: die Nachfolge gilt der Person des Herrn, und nicht einem Gesetz oder einer Regel. Wer aber begehrt, und sei dies unter fleißigem „Gebrauch” von Schriftstellen und dem Befolgen einzelner Vorschriften, der hat den Weg der Nachfolge und damit des Kreuzes, den Weg also, der nur durch den Tod zur Auferstehung und damit zum Leben führt, klar verlassen und läuft nun, statt dem Himmlischen nachzujagen (Phil 3. 10 - 16), den Dingen dieser Welt nach – dem Untergang entgegen.



Verschlossene Himmelsfenster

    In solchen Zusammenhängen liegt letztlich auch der Tatbestand begründet, weshalb so unvorstellbar viele Gotteskinder in vergeblicher Erwartung geöffneter „Himmelsfenster” unaufhörlich zehnten und opfern, wobei einige sich damit inzwischen selbst in völlige Verarmung gebracht haben – manche sogar darüber hinaus in Verschuldung bis hin zum Ruin. Denn jene Himmelsfenster, von denen Maleachi einst sprach, haben mit dem Segen, der sich in den überhimmlischen Örtern befindet, in die hinein die Gemeinde des Neuen Bundes berufen ist (vgl. Eph 1. 3), nichts mehr gemein. Die Erwartung, unter der das Israel des Alten Bundes noch stand, [5] war ja noch eine von dieser Erde, die unsere aber ist die aus dem Himmel Gottes. Uns, den Gläubigen des neuen Bundes, wurde der himmlische, der geistliche Segen verheißen; jene Fenster aber, die sich öffnen sollten, wenn das damalige Israel den Zehnten entrichtete, öffneten noch den Lufthimmel, um es daraus regnen zu lassen, damit das Land, diese Erde also, von der sie lebten, neue Fruchtbarkeit empfangen konnte – eine Gesetzmäßigkeit, die für die Teilhaber des Neuen Bundes klar aufgehoben ist, da jene, wie wir oben sahen, dem Gleichnis des Meisters entsprechend, den Vögeln des Himmels gleichen und damit nicht mehr in irdische Scheunen sammeln. 

    Wer die Zehntenlehre hochhält, der zeigt damit, daß er im Wesen des Alten Bundes verankert ist; im Grunde hat er den Neuen Bund  besonders das Wesen dieses Bundes nicht verstanden. Zwar kommen beide Bündnisse von Gott: sowohl der Alte als auch der Neue Bund sind göttlich gewirkt. Es gilt jedoch zu begreifen, daß jeder Bund seine eigene Zeit und seine ihm eigene und unverwechselbare Bedeutung hat. Die beiden Bündnisse haben jeweils unterschiedliche Wesensarten, die man weder vermengen noch miteinander verwechseln darf; war der erste noch irdischer und vergänglicher Natur, so ist der zweite Bund himmlisch und unvergänglich. Wir leben klar im Zweiten, dem Neuen Bund, der um so vieles besser als der erste ist, wie dieser nur ein Schattenbild dessen sein konnte, was in Christus geoffenbart werden sollte. Ich empfehle hierzu besonders die Lektüre des Hebräerbriefes, in dem diese Dinge ausführlich behandelt werden.

    Der Lufthimmel, der zu dieser Erde, noch in die diesseitige, gefallene Schöpfung gehört, in jenem „Kosmosalso, der „in dem Bösen liegt(1Jo 5. 19 wörtlich) ist jedenfalls nicht mehr der Ort, der uns noch besonders interessieren sollte. Es handelt sich dabei im Besonderen um jene Stätte, in der Satan, der Fürst „des Vollmachtsgebietes der Luft(Eph 2. 2) sein Dasein hat; sie ist auch der Aufenthaltsort der bösen Geister in der Himmelswelt (Eph 6. 12). Wer daher Dinge begehrt, die es für ihn, von Gott her gesehen, nicht oder nicht mehr zu begehren gibt, der öffnet sich für deren Einflüsse. Wir sehen also, daß zwischen dem Wandel nach unserem Begehren im irdischen Bereich, den wir vielleicht noch mit diversen Schriftstellen zu untermauern suchen, und den verführerischen Einflüssen der Dämonenwelt Zusammenhänge bestehen, das Eine uns demnach in das Andere hineinführt, wie das Sichtbare und das Unsichtbare zusammenwirken. Jakobus etwa hat genau diesen Zusammenhang deutlich gemacht, indem er sagte, daß die Freundschaft dieser Welt, die mit dem irdischen Begehren einher geht, gleichbedeutend ist mit der Feindschaft gegen Gott, und kommt im Zuge dieser Erläuterungen zu dem Schluß, daß wir, indem wir von diesem Begehren ablassen, uns wieder Gott nahen, damit Gott Sich uns wieder nahen könne, und gleichzeitig dem Widerwirker widerstehen sollen, damit dieser von uns fliehe und also ablasse (Ja 4. 1 - 10). Unser irdisches Begehren wird uns immer in die Nähe des Teufels führen. Daher gilt es, den Wandel mit all seinem Begehren, der mit dieser Welt – und damit mit diesem ihrem Fürsten – noch in Verbindung steht, gerade aufzugeben, um in die Gemeinschaft Gottes und damit in die himmlische Wirksamkeit hineinzugelangen (Eph 2. 1 - 7). All diese Dinge sind in den Tod zu geben!

    So mußte dann auch der auf gesetzliche Weise angekündigte und oftmals so dringlich erwartete irdische Segen für jene ausbleiben, die, ohne in die betreffende Ordnung berufen worden zu sein, Maleachis Gebot heute für sich anzuwenden trachten; statt dessen nahm der Mangel an Versorgung immer weiter zu, was nach den klaren Worten unseres Herrn, wie weiter oben skizziert, auch gar nicht anders möglich sein kann. Der solchen Geschwistern nach Maleachi 3. 9 mißbräuchlich angedrohte Fluch – unter völliger Mißachtung von Galater 3. 13, wonach Christus uns von eben demselben Fluch des Gesetzes erlöst hat – , dessen Auswirkungen sie mit dem Werk ihrer Zehnt - und Opfergaben auf Geheiß sogenannter „Glaubenslehrer” ja gerade zu umgehen gedachten, war an ihnen nur allzu sichtbar geworden. Diese Auswirkung aber offenbart nichts anderes als das Inkrafttreten des Fluches des Gesetzes schlechthin, in den sich all jene hineinbegeben haben, die mit Gesetzeswerken umgehen und demnach auf Werke vertrauen (Ga 3. 10; vgl. 3Mo 18. 5, auch 5Mo 27. 26). Denn jener Gesetzesfluch trifft unabdingbar bei all denen ein, die dieses Gesetz für sich anwenden wollen, aber seine Bestimmungen zu halten nicht in der Lage sind (Rö 3. 10 - 23, Ga 2. 16 - 21). Das Gesetz fragt jedenfalls nicht danach, ob der, der es für sich in Anspruch nimmt, auch seine Bestimmungen halten kann – es verlangt die unwiderrufliche Befolgung aller seiner Gebote, die Segen zum Lohn hat, während der, der seine Gebote nicht hält, aus welchen Gründen auch immer, dem Fluch verfällt.

    Hier ist klar zu sagen, daß vielen Kindern Gottes solche Probleme nicht widerfahren sind und noch widerfahren, weil sie etwa in der Anwendung diverser „Glaubenslehren” nicht treu seien. Nein, gerade weil sie sie anwenden, und dies teilweise recht exzessiv, geschehen ihnen solche Dinge. Die ganz offensichtlichen Nöte, in die solche Geschwister zwangsläufig hineingeraten, ja geradezu hineingeraten müssen – das Gesetz gewährt hier keinen Ausweg – werden nun von gewissenlosen „Pastoren” und „Predigern” vielfach zum Beweis der vermeintlichen Richtigkeit ihrer Irrlehren mißbraucht. Sie hätten nicht, weil sie nicht gäben, heißt es dann, der Wirksamkeit des von ihnen verkündigten Gesetzes folgend und mit eben dieser Gesetzlichkeit auf ihre Opfer einschlagend. Statt mit den notleidenden Geschwistern jene Güter in Liebe zu teilen, derer sie bedürfen, wie das Wort Gottes es klar gebietet (vgl. Hbr 13. 16, Ja 2. 14 - 19 u. a.), werden sie obendrein ausgegrenzt, abgeurteilt und noch dazu als Anschauungsmaterial des vermeintlich Bösen dargestellt. Dies ist eine Sünde, die allerdings an denen, die sie ausüben, nicht folgenlos bleiben kann – und wird (vgl. Ga 6. 7 - 8; siehe auch Mt 25. 41 - 46). Eine solche Anwendung des Gesetzes läuft übrigens den Weisungen des Wortes Gottes völlig zuwider (1Tim 1. 5 – 11). Sie entbehrt jeglicher Gnade; damit aber richtet sie jeden Ansatz zur Liebe immer mehr zugrunde und macht Herzen hart wie Stein. Das Lieblose und Gewissenlose, ja das geradezu Verbrecherische der hier beschriebenen, sogenannten „Zehntenlehre” wird somit nur allzu offensichtlich; gleichzeitig bietet es jeglichem Pharisäismus Tor und Tür (vgl. Mt 23. 23).

    Alle diese Lehren, die von finanzieller Freiheit schwafeln, bringen in Wahrheit nicht nur geistliche, sondern häufig auch finanzielle Gebundenheit und Not hervor. Ich erinnere mich etwa an das Beispiel eines Bruders aus dem Ruhrgebiet – und das ist eines unter vielen –, der fünftausend Mark angespart hatte, um mit diesem Geld dringende Reparaturen an dem Dach seines kleinen Hauses vorzunehmen. In jener Versammlung, in der er sich befand, war ihm (wie so oft) jedoch nahegelegt worden, daß er sein Geld als „Saatopfer” in diverse Gemeindeprojekte geben solle, wonach Gott seine „Saat” aufgehen lassen und sie ihm demnach mehrfach erstatten, seinen Besitz auf seine Gabe hin also für ihn „mehren” würde. Solche Opferpredigten gab es viele; stets wurden sie mit Nachdruck abgehalten, und immer waren es Predigten vor der Predigt. Ich erinnere mich jedenfalls nicht daran, dort von einer Versammlung ohne solche Aufforderungen gehört zu haben. Und immer wurde ein Eimer herumgereicht, den die wenigen füllen sollten. Gegebenenfalls wurde das Ganze in derselben Versammlung auch wiederholt. (!) Daß man damit auch der Geldgier Vorschub leistete, war diesen Leuten offensichtlich nicht bewußt.

    So gab auch der unwissende Bruder all sein Geld hin, wollte er doch nicht zu denen gehören, die „arm” blieben, weil sie es an ihrem Geben fehlen ließen, wie die Redner verlauten ließen. Nur kam die „große Vision” des sogenannten „Mannes Gottes” nie zustande, für deren Verwirklichung der Bruder sein Bankkonto gelehrt hatte. Und auch die Versammlung des eingetragenen Vereins (ich mag diesen nicht als „Gemeinde” bezeichnen), die jener falsche Hirte um sich geschart und die lange nach seinen Weggang noch die infolge seiner ehrgeizigen Politik aufgelaufenen Bankschulden in vierstelliger Höhe zu begleichen hatte (!) besteht längst nicht mehr. Die vorgeblich „Abertausenden”, die in nicht ferner Zeit – im Zuge der durch solchen „Fleiß” ausgelösten künftigen „Erweckungen” – herzuströmen sollten, wie man erwartet und den Mitgliedern unaufhörlich eingetrichtert hatte, waren nie gekommen. Wie denn auch. So gingen die Jahre ins Land. Während jene noch zahlten, kam der so genannte „Mann Gottes” in einer anderen großen und renommierten „Glaubensgemeinde” unter, und wurde als „Jugendpastor” eingesetzt. –

    Und so wartete der Bruder mit seinem reparaturbedürftigen Haus denn auch auf die wunderbar angekündigte Geldvermehrung vergeblich, unterdessen tatsächlich in Mangel geraten und in Räumen sitzend, in die es hineinzuregnen drohte. Nichts kam, und niemand kümmerte sich. Jahre nach diesem Geschehen hat er, inzwischen völlig verbittert, den Herrn verlassen und ist wieder in die Welt gegangen. Es war kaum mehr möglich, ihn auf geistliche Dinge hin anzusprechen. Und dies ist eine Frucht, die der Hebräerbrief ganz klar für solche Geschwister in Aussicht stellt, bei denen ein Auswachsen einer bitteren Wurzel nicht vermieden wurde, da man es sträflich unterlassen hatte, darauf zu achten, daß es ihnen an keiner Gnade mangele (Hbr 12. 14 – 17). Es gibt eine Verantwortung vor Gott!

    Solche, zu Opfern gewordenen Geschwister kamen in der „Erfolgsstatistik” des angestrebten „Gemeindewachstums” freilich nicht vor; wenn sie in den Fokus gerieten, dann höchstens in der Weise, daß man auch weiterhin streng darauf hielt, daß diese ja nicht damit aufhörten, vorgeblich „ihren Zehnten” abzuliefern und darüber hinaus zu den reichlich eingeforderten „Saatopfern” der „Gemeinde” beizutragen, um am Ende dann doch noch den „Lohn all ihrer Mühen” zu kassieren. Wer davon sprach, daß er kein Geld besaß, der wurde meist mit dem Hinweis auf sein „falsches Bekenntnis” abgekanzelt, durch das er sich vorgeblich gebunden habe. Das ist eine der anderen großen Irrlehren der Glaubensbewegung, die letztlich in diversen spiritistischen Neugeist-Vorstellungen („New Thought”) ihr Zuhause haben, wie sie ähnlich auch in der sog. „Christlichen Wissenschaft” („Christian Science”) beheimatet sind.

    Gerade von solchen Gruppierungen, die den „Zehnten” und die so genannten „Saatopfer” so hochhalten, ist immer wieder bekannt geworden, daß sie selber bis an die Oberkante des (aus Bankensicht) noch Möglichen verschuldet sind. Ich kenne ein paar davon. Sie alle sind so hoch verschuldet, daß es ihren Mitgliedern wohl kaum möglich sein würde, diese Schulden jemals abzutragen. Andere (wie die Geschwister aus obenstehendem Beispiel) zahlen heute noch für den Stolz und den Ehrgeiz ihrer ehemaligen Leiterschaft, obwohl es das betreffende „Glaubenswerk”, das diese aus der Taufe gehoben haben, längst nicht mehr gibt. Alles das straft all die Lehren, die durch sie verbreitet worden sind, Lügen. Besonders ‚findige’ so genannte Pastoren freilich machen die Gemeinde verantwortlich, wenn das, was Gott angeblich gesagt haben soll (wie sie sagen) nicht zustande kommt, weil es den oftmals verhältnismäßig kleinen Gruppierungen einfach nicht möglich sein kann, die meist exorbitant hohen Summen aufzubringen für jene Schäume, die sie sich erträumt haben. Von Gott kommen solche Dinge jedenfalls nicht. Was Gott will, das geschieht auch; an Mitteln fehlt es Ihm nicht. Wenn ich zurückblicke, kann ich sagen, daß wir ohne Glaubensbewegung jedenfalls nie wirkliche Geldprobleme hatten. Und das, obwohl Geld unter uns überhaupt kein Thema war. Oder sollten wir nicht besser sagen: Weil Geld unter uns kein Thema war?

    Wie deutlich diesem System die Liebe abhanden gekommen ist, zeigt das Beispiel, von dem jüngst ein anderer Bruder berichtete. Da faselte tatsächlich einer der vollzeitlichen Ältesten einer solchen Gruppierung davon, wie sehr er doch gesegnet werde, weil er zehnte und opfere  beim Kauf einer Jacke habe man ihm doch tatsächlich einen Rabatt von hundert Euro eingeräumt. Fortan trug er diese hochwertige und überaus teure Jacke, die seine vorgebliche Exzellenz als die eines Gottesmannes herausheben sollte, wie man dort immer wieder lehren hörte. Nun kann sich jeder, der noch bei klarem Verstand ist, eindeutig ausrechnen, welchen Preis diese Jacke hatte. Und der, der um die Gepflogenheiten und Lehren weiß, wie sie in solchen Gruppen vorgetragen werden, der weiß auch, von welchem Geld diese so genannten Diener Gottes leben und wer es demnach ist, der ihre Exzellenz bezahlt. Gott ist es jedenfalls nicht. Es sind die Gaben derer, von denen sie diese Gelder erhalten  und das waren auch hier zum größten Teil solche, die von einer Summe von tausend Euro nur träumen können, weil sie meistens in Armut leben und Familie haben. Ich gönne meinem Ältesten eine Tausend-Euro-Jacke, schrieb ein Vertreter dieser Gilde in einem Forum, in dem diese Dinge zur Sprache kamen. Damit unterstellte er denen Neid, die solche Dinge zu benennen und  gar schlimmer noch  offen zu kritisieren wagten. Hier geht es jedoch nicht um Neid, sondern wenigstens um Verhältnismäßigkeit. Sollte eine Jacke für Tausend Euro, die den Geschwistern abgenommen worden waren, die doch selbst kaum das zum Leben Notwendige besaßen, noch etwas mit Liebe zu tun haben!? 

    Von einer anderen einschlägigen Sekte ist mir bekannt, daß deren „Pastor” ihre Mitglieder (ein Großteil von ihnen sind wiederum Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger) nicht nur dazu angehalten hatte, exzessiv Geld zu geben; darüber hinaus sollten sie in „Gebet” und so genannter  „Kampfführung” auch noch „bekennen”, daß sie alle „Geldmagneten” seien, um „Geld anzuziehen”. So hoffte man schließlich die Menge an Geld doch noch hereinzubekommen, um die man sich wegen des Erwerbs einer größeren Immobilie verschuldet hatte – und zwar aus Prestigegründen, um sich einen Namen zu machen und um bekannt zu werden in der ganzen Region. Natürlich ist so etwas ein hanebüchener Unsinn, und jeder halbwegs normale Mensch würde sich ob solcher (man verzeihe mir) Spinnereien an den Kopf fassen und sich fragen, ob er denn recht gehört hat. Aber es ist eben nicht nur Unsinn oder Wahnsinn – wie immer wir solche Dinge nennen wollen. Alle diese Lehren und Praktiken haben immer auch etwas mit Zauberei zu tun, aber nichts mit dem Willen Gottes. Erstaunlich ist auch immer wieder dieser exorbitante Hochmut, der denen innewohnt, die solche Lehren verbreiten. Ich selbst hatte in all diesen Jahren über solche Zusammenhänge leider keine Erkenntnis. Hätte ich doch nur ein wenig davon besessen – in solchen Versammlungen wäre ich wohl kaum zu finden gewesen.


Die Liebe sucht nicht das Ihre

    Deshalb kann und darf die Lüge, die doch soviel Verhärtung und Verletzung in den durch sie verführten Geschwistern hervorgebracht hat, auch nicht weiter verborgen bleiben. Hier sind Roß und Reiter einmal beim Namen zu nennen; die Verführung der Lüge, die uns versprach, durch Gesetzeserfüllung zu irdischem Wohlstand zu gelangen, und damit gleichzeitig den schuldig spricht, der diesen Wohlstand nicht aufzuweisen hat, da er nicht über ausreichende Mittel verfügt, die er jenen, die solches lehren, geben könne, ist als solche aufzudecken. Freilich, geben sollen wir nach unserem Vermögen allezeit – niemals aber, um aus dieser Gabe etwas wiederzuerwarten. Denn Mitempfinden und Liebe, niemals aber unsere eigenen Begehrlichkeiten sollen die Triebfeder unseres Gebens sein (Lk 6. 32 - 38). Dem, in dem solches Erbarmen zu Hause ist, gilt freilich:

    Wer über den Geringen sich erbarmt, leiht dem HERRN, und seine Wohltat wird er ihm vergelten.

Spr 19. 17, rev. Elberfelder,

    und im Neuen Testament:

    ...Gott ist nicht ungerecht, daß Er eurer Arbeit und der Liebe vergesse, die ihr für Seinen Namen dadurch erzeigt habt, daß ihr den Heiligen dientet und noch dient.

Hbr 6. 10

    Merken wir auf: Hier steht allerdings der Dienst an den Heiligen selbst im Mittelpunkt und nicht der Dienst an einer Gemeindestruktur. Gott ist treu, und so dürfen wir in allem gewiß sein, daß Er uns in keiner Angelegenheit verlassen wird. Geben wir aber nicht aus Erbarmen und Liebe, sondern aus der bestehenden Aussicht heraus, etwas wiederzuerhalten, dann muß uns gerade dies zum Mangel werden.Wer dem Reichen gibt, das gereicht nur zum Mangel”, wissen die Sprüche ebenfalls zu sagen (Spr 22. 16, rev. Elberfelder). Warum wohl wird man einem Reichen geben wollen, wo dieser doch schon mehr als ausreichend besitzt? Nicht doch, weil wir um sein Vermögen wissen, uns unsere Gabe wieder erstatten zu können und uns Vorteile unserer Zuwendung wegen genießen zu lassen?

    Ich erinnere mich gut an die Aussage eines Bruders, der in eine Versammlung hineingeraten war, in der wieder einmal „zum reichlichen Säen” (wie immer von Geld) aufgefordert wurde. Natürlich geschah dies auch hier unter dem Versprechen, daß Gott dem „Säenden” seine „Saat” bis hin zu „hundertfältig” mehren würde. ‚Warum nur geschieht ein solches Säen immer nur in eine Richtung hinein’, fragte der Bruder sich. Der „große Mann Gottes” könnte doch einmal selbst „säen” – nämlich in die Bedürftigen hinein, die vor ihm saßen und denen er gerade ihr letztes Geld aus den Taschen zog. Wie wäre es denn, wenn er seinen Eimer (natürlich, ein Eimer mußte es schon sein!) herumziehen ließe, und jeder, der bedürftig wäre, könne diesem Eimer das entnehmen, was er gerade bräuchte? Nach seiner eigenen Lehre müßte der, der solche Dinge verkündete, doch dann selbst hundertfältig ernten. Das wäre dann ein schönes Zeugnis für alle, die da sitzen. Da merkte der Bruder schnell, daß das Ganze ein riesiger Betrug war, den jene, die ihn vortragen, für sich selbst kaum glauben. (Offensichtlich glauben sie es nur, solange sie es sind, die die Gelder einsammeln und das Geld zu ihnen kommt.) Später nannte er das Ganze ein gigantisches Schneeballsystem, in das alle zwar einzahlen, von dem aber wenige profitieren, und traf damit den Nagel ziemlich genau auf den Kopf.

    Wie grundverschieden ist davon doch das Geben und Nehmen nach dem Neuen Testament! Paulus hatte nicht umsonst an die Korinther geschrieben, daß die Liebe gerade nicht das Ihre sucht (1Kor 13. 5). Ja, er schrieb von solchen, die wohl in der Lage wären, ihren ganzen Besitz, ja gar ihren Körper dahinzugeben – nichts, aber auch gar nichts würde es ihnen nützen, besäßen sie diese Liebe nicht (Vers 3). Nein, nicht das Unsere – nicht unser Begehren, sondern zuerst Gott und damit unser Nächster, der Bruder und die Schwester, die nämlich, die gerade nicht haben, um uns unsere Gabe zu lohnen, sollen im Fokus unseres Daseins und Gebens stehen. Hier aber geht es nicht um Lohn, sondern um die Beziehung, sowohl zu unserem Gott, als auch zu dem Nächsten, den Gott uns an die Seite gestellt hat. Denn die Liebe sorgt sich nicht um sich; sie sorgt sich immer zuerst um das des Anderen, da sie nicht anders kann, als ihn höher als sich selbst zu achten und ihn daher an die erste Stelle zu setzen. Sich selbst zu verleugnen, das ist ihr ganz großes Thema. Deshalb kann sie auch nichts für sich begehren, sondern muß, als ihr innerstes Anliegen, sich vielmehr für die Belange des Anderen interessieren, ohne daß sie jemals dabei drängend oder gar beherrschend auftreten könnte. Hierin, in der Wiederherstellung der verlorenen Beziehung zu Gott und dem Nächsten, die sich in dieser Liebe ausdrückt, verwirklicht sich letztlich Gottes Reich. Schon das Gesetz, von dem bekanntlich kein Jota vergehen wird, solange Himmel und Erde Bestand haben (Mt 5. 18), hat diese beiden Aspekte zum Endziel und ist demnach in diesen beiden zusammengefaßt, wie der Herr lehrte (Mt 22. 34 – 40; vgl. Mt 7. 12, auch Rö 13. 8 – 10).

    Und so ist es demnach auch unumstößliches Zeugnis der Wahrheit, daß Irdisches uns nur dann hinzugefügt werden kann, wenn unser Blick, wie vorstehend beschrieben, ausschließlich auf Ihn und Sein Königreich, auf Seine Herrschaft also ausgerichtet ist und bleibt, unter Beachtung der Regel, daß jeder Tag nur für das Seine sorgt (Mt 6. 31 - 34). Wenn aber jeder Tag für das Seine sorgt, dann bedeutet das auch, daß wir damit vom Sorgen, das im Sammeln und Speichern für uns selbst besteht, ausgeschlossen sind (vgl. 2Mo 16. 3 - 20). Das Königreich Gottes selbst aber besteht, wie wir sahen, nicht in irdischen, sichtbaren Dingen; es ist...

    ...nicht Speise und Trank, sondern Friede, Freude und Gerechtigkeit im Heiligen Geist.

Rö 14. 17

    Daher sollten wir dieses Reich auch nicht, wie vielerorts geschehen, mit dem Begehren des Irdischen verwechseln, das uns seit mehreren Jahren durch diverse Gesetzeslehrer immer wieder eingeredet wird. Denn das Auferstehungsleben Jesu Christi, jenes Wesen der Liebe, das in uns Gestalt annehmen will und soll, hat mit solchem Begehren, das regelmäßig im Diesseits mündet, nichts gemein. Waren es doch gerade unsere Begierden, die wir nicht pflegen oder einfordern, sondern verleugnen sollen, wie wir weiter oben gesehen haben.

    Denn erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zur Rettung, sie erzieht uns, die Unfrömmigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen, damit wir vernünftig, gerecht und fromm in dem jetzigen Äon leben mögen, ausschauend nach der glückseligen Erwartung und dem Erscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters, Jesus Christus...

Ti 2. 12 - 13

    Diese Sätze sind wohl das völlige Gegenteil dessen, was die Glaubensbewegung lehrt, und es steht tatsächlich die Frage im Raum, ob wir nun unser Begehren wirklich verleugnen, wie Paulus uns anweist, oder ob wir zu Leugnern der Auferstehung werden, indem wir diese herrliche Erwartung zugunsten des Hier und Jetzt beiseite setzen. Hier besteht ein ganz enger Zusammenhang! „Wenn wir nur für dieses Leben unsere Erwartung auf Christus gesetzt haben, sind wir die erbarmungswürdigsten unter allen Menschen”, hatte der Apostel den Auferstehungsleugnern in Korinth zu schreiben (1Kor 15. 19). An anderer Stelle wird freilich noch ausführlicher auf die hier bestehenden Zusammenhänge und Ordnungen einzugehen sein.


Begehren? Entfliehe!

    So ist es das Begehren, das wir gerade nicht haben sollen, sondern wir sollen uns an dem genügen lassen, was vorhanden ist” (Hbr 13. 5). Denn die, die Christus angehören, „kreuzigen das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden” (Ga 5. 24), was es unmöglich macht, sie weiterhin auszuleben, wollen wir Ihm wirklich nachfolgen. Demgemäß rühmt Paulus sich allein im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt(Ga 6. 14). Denn das Gesetz, das dazu verwandt werden soll, sein Begehren nach den Dingen dieser Welt zu stillen, versklavte ja gerade unter die Elemente dieser Welt (Ga 4. 9, vgl. auch Kol 2. 8). Auch hier wird also ein anderes Evangelium offenbar, das die deutlichen Mahnungen des Apostels großzügig übersieht, der vor einem solchen vermeintlichen „Glauben” warnt, wie er oben beschrieben worden ist, da er die, die ihn ausüben, zu Fall bringen wird. Und weil dies in dieser Frage ohnehin selten genug geschieht, wollen wir ihn an dieser Stelle doch noch einmal ausführlich zu Wort kommen lassen:

    Dieses lehre und sprich zu:

    Wenn jemand etwas anderes lehrt und nicht mit den gesunden Worten unseres Herrn Jesus Christus herzukommt und der Lehre, die der Frömmigkeit entspricht, der ist dünkelhaft und meistert nichts, sondern krankt am Aufbringen von Fragen und Wortgezänk, aus welchen Neid, Hader, Lästerung, böse Verdächtigungen, Reden und Gegenreden von Menschen entstehen, die einen durch und durch verderbten Denksinn haben und um die Wahrheit geprellt worden sind und meinen, die Frömmigkeit sei ein Kapital (grie. porismos, Gewerbetreiben).

    Wohl ist die Frömmigkeit ein großes Kapital, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden ist; denn nichts haben wir in die Welt hineingebracht, daher ist es offenkundig, daß wir auch nichts hinausbringen können. Haben wir aber genug Nahrung und Wetterschutz, so sollen uns diese genügen. Die aber beabsichtigen, reich zu werden, fallen (!) in Versuchung und eine Falle und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Ruin und Untergang (!) versumpfen.

    Denn eine Wurzel aller Übel ist die Geldgier (grie. philarguria, Silber-Freundschaft, wörtlich Silbergeld gern haben); nach der etliche streben, dadurch vom Glauben abgeirrt sind und sich unter vielen Schmerzen von allen Seiten versuchen lassen.

    Paulus beendete diese klare und eindringliche Mahnung, mit der er seinen Schüler Timotheus versah, mit den folgenden Worten:

    Du aber, o Mensch Gottes, entfliehe diesem allen, jage vielmehr der Gerechtigkeit nach, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Beharrlichkeit, der Sanftmut im Leiden. Ringe den edlen Ringkampf des Glaubens; ergreife das äonische (und nicht das irdische!) Leben, zu dem du berufen wurdest, und für das du das treffliche Bekenntnis vor den Augen vieler Zeugen bekannt hast.

1Tim 6. 3 - 12

    „Entfliehe diesem allen” – „Lauf davon, nimm die Beine in die Hand, wo immer du solches antriffst!”das ist die Botschaft des Paulus an Timotheus, und mit ihm an all jene, die eine solche sogenannte Frömmigkeit vorfinden, die sich an Reichtum, Handel, Erfolg und Gewinn orientiert: Fliehe jetzt mit aller Kraft, mach dich los, renne weg davon! – Und dann ergreife, nimm und halte fest das wahre Leben; jage diesem nach!”

    Das für entfliehen verwendete griechische Wort lautet pheugo. Im zweiten Timotheusbrief etwa verwendet Paulus dieses Wort abermals, um den Timotheus dazu anzuhalten, die „jugendlichen Begierden” zu fliehen, d. h. also auch, sie mit Vehemenz zu meiden (2Tim 2. 22). Dasselbe Wort finden wir bei Matthäus vor, als er darüber berichtet, daß der Herr jenen zwei dämonisch Besessenen aus Gergesa begegnete, worauf die in ihnen hausenden Dämonen in eine in der Nähe weidende Schweineherde fuhren – die Hirten, die sie bewacht hatten, flohen mit Entsetzen (Mt 8. 28 - 34). Und genau dasselbe Wort pheugo verwendet auch Paulus nun, um dem Timotheus deutlich zu machen, daß er einer so gearteten Glaubensmentalität mit Entsetzen entfliehen soll.

    Die Notwendigkeit solchen Entfliehens macht deutlich, daß die oben angedeutete Form einer vermeintlichen Frömmigkeit sofort in Gefangenschaft führt: sie wirkt unmittelbar besitzergreifend, und wer sich auch immer in sie hinein begibt und nicht rechtzeitig entflieht, wird von ihr unweigerlich festgehalten, umstrickt und zugedeckt werden. Entfliehen beinhaltet daher immer auch ein Sich-losreißen mit aller Kraft, das unverzüglich zu geschehen hat, da das Verhängnis bereits im Anzug ist – die Falle schnappt sogleich zu. Es ist dies die Gefangenschaft eines anderen, eines falschen Evangeliums, das das Bedienen jenes Begehrens zum Inhalt hat, dessen Gefangene zuletzt unausweichlich inRuin und Untergang versumpfen”. Das Dramatische an den hierin enthaltenen Warnungen besteht nicht zuletzt darin, daß Paulus nicht sagt, daß der, der sich in solches hinein begibt, nur in die Möglichkeit einer solchen Schädigung gerät, nein – er sagt uns klipp und klar, daß der, der in diesen Dingen lebt, in die beschriebenen Dinge hineinfallen wirder ist zum Gefangenen eines Fälschers geworden, und sein Schaden gereicht ihm zu Ruin und Untergang.



Das andersartige Evangelium und das Gebannte Gottes

    Mit diesem Hinweis auf die Gefangenschaft eines anderen Evangeliums wenden wir uns nun wiederum dem Galaterbrief, von dem wir ja ausgegangen sind, und den sich aus ihm heraus ergebenden diesbezüglichen Klarstellungen zu. Darin hieß es schon in den ersten Versen:

    Ich staune, daß ihr euch so schnell umstellt, hinweg von dem Evangelium, das euch in Christi Gnade berufen hat, zu einem andersartigen Evangelium ...

Ga 1. 6

    Paulus hatte den Galatern klargemacht, daß das Evangelium Gottes in die Gnade Christi beruft. Gnade ist immer ein unverdientes Geschenk. Wie wir weiter vorn gesehen haben, ist sie damit das Gegenteil von Verdienst, der sich auf Pflicht gründet, d. h. sich aus einer Tat einen Lohn für diese Tat verspricht. Gnade ist demnach stets frei, sonst wäre es keine Gnade – denn ein anderer, Christus hat sie für uns erworben. Paulus wirft schon in seiner Einleitung den Galatern vor, diese Gnade verlassen zu haben – nämlich, indem sie sich allzu schnell von dem Evangelium der Gnade entfernt und sich auf ein andersartiges Evangelium umgestellt und ausgerichtet haben. Das hier für andersartig verwendete Wort ist heteros, und meint nicht etwa nur eine andere (griechisch allo) Abart des einen, sondern ein völlig anderes Evangelium, das inhaltlich ein anderes ist, sowohl von seiner Wurzel, als auch von seiner Zielführung her. Es stellt nämlich die völlige Umkehrung des echten dar; damit aber wird es zu seinem ganzen Gegenteil, zu einer Entsprechung und damit zu einem „Anstatt”, das nun das echte ersetzen soll.

    Paulus wird dies im siebten Vers wie folgt schildern: „... wenn da nicht etliche wären, die euch beunruhigen und das Evangelium des Christus verkehren wollen”. Das griechische Wort hierfür ist metastrepho und bedeutet wörtlich umdrehen, eigentlich aber, wie die Vorsilbe meta anzeigt, mitdrehen. Das Evangelium des Christus wird dabei von denen, die die Jünger beunruhigen (wörtlich: aus-erregen, ektarasso) und die so Ausgewurzelten hinter sich her ziehen, mit sich nehmen wollen, also gewissermaßen völlig „auf den Kopf” gestellt; es nennt sich zwar noch immer ein Evangelium, eine Freuden- oder Wohlkunde; und doch ist es das ganze Gegenteil dessen, was Paulus lehrte. Denn das, was Gott groß nennt, das nennen jene klein und gering; was Gott für nichts hält, das ist ihnen sehr wertvoll; das, was oben ist, wird zuunterst gekehrt und das, was unten ist, gerät nach oben – eine Umkehrung oder, wie unser Wort es eben ausdrückt, eine Umdrehung.

    Hier wird schon das Begehren Satans und vor allem die Taktik dessen deutlich, über den der Herr Jesus aussagte, daß er die Jünger für sich fordern und sieben wolle, ganz so, wie man das Getreide siebt; „Ich aber, so der Herr an Petrus, „habe aber für dich gefleht, damit dir dein dein Glaube nicht ausgehe; und wenn du dich einst umwendest, dann festige deine Brüder(Lk 22. 31 – 32). Daß dies schon bald genau so eintraf, sehen wir gegen Ende des zweiten Berichts des Lukas, der Apostelgeschichte (Apg 20. 28 - 32). Ein damit zusammenhängendes, ganz entscheidendes Merkmal der Fälschung ist die Weltförmigkeit; Paulus wies nicht umsonst im Eingangsgruß seines Briefes an die Galater darauf hin, was sein Thema sei:

    Gnade, und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, der Sich Selbst für unsere Sünden dahingegeben hat, damit Er uns aus dem gegenwärtigen bösen Äon herausnehme, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters...

Ga 1. 3 – 4

    Bei Paulus kommt erst die Gnade, dann der Friede; bei jenen aber kommt erst die Gesetzeserfüllung, dann der Friede – nur, daß dieser „Friede” kein Friede ist, sondern zuletzt in der Befriedigung unseres menschlichen Begehrens mündet, und zwar des Begehrens nach den Dingen dieser Welt. Der Friede Gottes stillt unsere Unruhe; die Befriedigung des Fleisches jedoch schreit nach immer mehr Befriedigung.

    Alles, was dieses so genannte „Evangelium” zu bieten hat, wurzelt also im Diesseits, im Sichtbaren und führt damit ganz klar und eindeutig zurück in die Welt, dem „gegenwärtigen bösen Äon”, aus dem Gott uns doch herausnehmen wollte. Ein weiteres Kennzeichen des anderen, falschen Evangeliums ist, daß es neben dem Echten eingeführt wird, die Gelegenheit ausforscht und sich nebenher einschleicht...

    ...neben dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben.

Ga 1. 8, siehe auch 2. 4 - 5

    Bereits hier kündigt sich eine Verführung an, die in ihrem Wesen nichts Anderes als eine Neben- oder Wegsetzung (apate) darstellt; setzt man erst die Fälschung neben das Echte, wird man dann die Jünger auf die Seite der Fälschung zu ziehen, neben das Echte zu setzen suchen. Also wird, wer auch immer auf eine solche Verkündigung eingeht, damit zugleich auch den Bereich Gottes verlassen, hinein in einen anderen, der nun nicht mehr der Bereich des vormals Verkündigten und damit nicht mehr der Bereich Gottes ist. Im Nachfolgenden spricht Paulus dann ganz folgerichtig davon, daß derjenige, der ein solches andersartiges Evangelium vorlegt, in den Bann getan sei (Ga 1. 8, 9).

    Dieser Bannbegriff, der sich aus dem hier zugrundeliegenden griechischen Wort allerdings nicht sogleich ergibt, hat sich auch in unserer Umgangssprache fest eingebürgert; wir sprechen etwa davon, daß etwas aus unserem Umfeld „verbannt” sei, wenn es sich nicht mehr in diesem befindet, weit weg von unserem Gesichtsfeld. Das an das Reichstagsgebäude in Berlin unmittelbar angrenzende Gebiet beispielsweise gilt als „Bannmeile”, d. h., es dürfen dort keinerlei Kundgebungen o. ä. stattfinden. Im Alten Rußland wurden unliebsame Zeitgenossen nach Sibirien verbannt, weit weg aus der Mitte des Landes, um ihnen jede Möglichkeit einer wie immer auch gearteten Tätigkeit zu entziehen oder ihren Einfluß weitestgehend zu erschweren. Oder kleine Kinder sind „ganz gebannt”, wenn man ihnen eine spannende Geschichte vorliest u.a.m. Der, der gebannt ist, der ist immer ganz entfernt von dem, worin er vorher war; er ist nun für nichts anderes mehr zugänglich, da er von dem, was ihn gerade beschäftigt, völlig abgelenkt wird. Es geht bei diesem Begriff also immer auch um eine Wegführung, um ein Entferntsein von dem, worin man sich zuvor noch befunden hat, sei dies auf der räumlich-zeitlichen, sei dies auf der inhaltlich-geistigen oder, wie hier, auf der geistlichen Ebene. Interessanterweise finden wir denselben Begriff an einer ganz anderen Stelle vor, als Paulus nämlich den Römern schreibt:

    ...Große Betrübtheit ist in mir und unablässiger Schmerz in meinem Herzen, denn ich wünschte, selbst von Christus hinweg verbannt (anáthema einai autós égo apo tou christóu) zu sein – für (d. h. also anstelle) meine Brüder, meine Stammverwandten dem Fleische nach, die Israeliten sind, denen der Sohnesstand und die Herrlichkeit gehören, die Bündnisse und die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen...

Rö 9. 1 – 5

    Diesem Aspekt des Gebanntseins, der freilich nicht der einzige ist, den es hier zu beleuchten gilt, hat man in der Vergangenheit allerdings nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Und doch ist er ein ganz zentraler, entscheidender, wenn wir das volle Ausmaß dessen begreifen wollen, was Paulus da eigentlich schrieb. Diesen Begriff nur aus der Zeit heraus definieren zu wollen, in der Paulus lebte, wird nämlich nicht ausreichen, um seinen Wortsinn und damit seinen ganzen Inhalt auch nur ansatzweise zu klären. Das in den wohl meisten Übersetzungen übliche „sei verflucht” entspricht gleichermaßen nicht dem Grundtext, wenn es auch einen inhaltlichen Teil desselben beleuchten mag. Das Griechische hat hier ein „anáthema”, wörtlich „Hinaufgesetztes”, das gewissermaßen auch ein „Hinauf- oder Weggebanntes” darstellt. Denn das, was man hinaufsetzt, setzt man damit auch weg von dem, wo es vorher war. Und gerade das kommt in dem Begriff ganz klar zum Ausdruck: anáthema – das heißt eigentlich neben dem Thema” zu sein, aus der Mitte gerückt; neben dem also, was uns gesetzt ist.

    Wir wollen nun den Begriff des Gebannten in der ganzen Heiligen Schrift betrachten. Der kundige Leser mag wohl einwerfen, daß der betreffende Ausdruck des Alten Testaments nicht identisch sei mit dem anáthema des Neuen; doch stimmt dies nur zum Teil. Bei beiden Begriffen, die auch durchaus ihre Verschiedenheiten haben, geht es nämlich in der Tat um ein Aussondern, um eine Trennung. Oben haben wir ja über den Begriff der Wegsetzung gesprochen. Im Neuen Testament kommt jedoch der Brauch eines öffentlich zu machenden Banngelübdes hinzu, in dem der Schwörende kundtat, daß ihm dieses oder jenes zustoßen solle – der so genannte Bannfluch – , wenn er diesen seinen öffentlichen Schwur nicht einhielte, was, für jedermann lesbar, an erhöhter Stelle angebracht wurde. Wer auch immer dies las, der wußte also sogleich, da der Name genannt war, mit wem er es zu tun hatte, und war demnach „gewarnt, wenn das Gelöbnis nicht gehalten worden oder das mit dem Eid oder der Zusage dessen, der dies hier veröffentlicht hatte, verbundene Geschehen nicht eingetroffen war. Wenn Paulus dies nun auf die Verkündiger eines andersartigen Evangeliums anwendet, tut er damit kund, daß er diese öffentlich und mit Namensnennung anprangert, sie also „hinaufsetzt”, da ihr Anspruch, das wahre Evangelium zu verkünden, nicht eingehalten wird und ins Leere geht. Mit dieser Hinaufsetzung zeigt Paulus also etwas an, was bereits geschehen ist. Der Leser dieses anáthema, der sonst betrogen würde, ist nun gewarnt.

    Betrachten wir jedoch zunächst das Geschehen im Alten Bund, um eine ganz wesentliche, ja entscheidende Seite des Begriffes kennenzulernen. Der Ausdruck „Gebanntes” bezeichnete im Alten Testament ein Aussondern von Dingen entweder für Gott, oder von Gott weg. Dementsprechend galt dasjenige als Gebanntes oder Bannendes (hbr. cheräm), was entweder nur für Gott geheiligt war, und damit jeglichen Gebrauch für Anderes ausschloß, oder das, was für den Dienst Gottes unbrauchbar und darum mit Nachdruck zu verwerfen war. Letzteres betraf in der Regel insbesondere Kultgegenstände aus Götzentempeln, die zur Ausübung von Zauberei dienten u. a. m. Diese brachten diejenigen, die sich daran vergriffen und sie mitnahmen, in den Bann. Cheräm, Bannendes, waren auch Dinge, vermittelst derer ein Bann verhängt wurde, oder heilige Gegenstände, die bei einer unheiligen oder einer nicht der göttlichen Anordnung gemäßen Verwendung unter einen Bann brachten, der durchaus zum Tode führen konnte (vgl. 2Sam 6. 1 - 11). Mit welcher Radikalität und mit welchem Ernst dies in der Tat verbunden war, zeigen uns etwa auch die Geschehnisse im Buch Josua mit beeindruckender Deutlichkeit. Alle Israeliten, die mit Gebanntem umgingen, verfielen dem Gericht und starben, und wurden so aus dem Volk Gottes ausgetilgt, nachdem dieses aufgrund solcher Verunreinigungen vom Feind ohnehin geschlagen worden war. Man lese hierzu das siebte Kapitel des Buches Josua.


Warnende Vorbilder: Gott allein

    Diese bereits im Alten Testament beschriebene Regel des Gebannten hat auch unter dem Neuen Bund keineswegs seine Gültigkeit verloren. Denn auch hier gilt, daß Gott Sich niemals ändert. Er war, ist und bleibt Derselbe. Es gibt unter zahllosen Gläubigen eine gewissermaßen unausgesprochene Ansicht, daß der Gott des Alten Testament ein anderer sei als der des Neuen. Sie irren sich überaus gründlich. Unser Gott hat Sich Selbst, Seinen Charakter und Seine Person niemals geändert. Bei Ihm gibt es nämlich „keine Veränderung... , noch einen Wechsel zu Beschattung” (Ja 1. 17). Und dies ist Sein Name, unter dem Er Sich uns vorgestellt hat: „Ich bin”. So erschien Gott dem Mose im Dornbusch (2Mo 3. 14), und so nannte auch Jesus Sich gegenüber den Kriegsknechten im Garten Gethsemane, als sie Ihm sagten, daß sie Jesus, den Nazarener suchten - wörtlich „Ich bin” (ego emi, in Jo 18. 4 - 6). Auch hier zeigt und offenbart Er uns den Vater (Jo 14. 9). Dasselbe geschieht in allen Ich-Bin-Worten Jesu, die uns nicht umsonst in der Siebenzahl, der Vollzahl Gottes, offenbart worden sind. Dieses durch alle Zeiten hindurch gültige „Ich bin” beinhaltet auch das „Ich war” wie das „Ich werde sein. Er ist ja „gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit” (Hbr 13. 8, Schlachter).

    Was Gott damals haßte, haßt Er daher auch noch immer und wird es auch in Zukunft hassen. Der Gedanke, daß Gott etwas haßt (siehe 2Mo 20. 5, 5Mo 12. 31, Ps 26. 5, Jo 3. 17, Hbr 1. 9, Off 2. 6 u. a.), und daß auch wir zu hassen haben, was Er ablehnt (vgl. Ps 97. 10 und 119. 4, Rö 12. 9, Ju 23 u. a.), mag bei vielen unserer heutigen, durch vom humanistischen Zeitgeist beeinflußten Irrlehren geprägten Zeitgenossen sauer aufstoßen; aber dennoch ist es die Wahrheit. Wir müssen auch hier unser Denken umgewöhnen; Gott ist nicht der „liebe Papi”, mit dem wir machen können, was wir wollen, und der uns alle Wünsche erfüllt, wie dies in der Vergangenheit nicht zuletzt oftmals auch durch eine falsche Verkündigung diverser „Glaubenslehrer” unterstellt worden ist. Mit der gleichen Intensität, mit der Er uns liebt, haßt Er das Böse, und wird Er nicht dulden, daß wir an diesem Bösen teilhaben.

    Denn es ist nicht möglich, mit Ihm Gemeinschaft zu haben – und zugleich mit der Finsternis dieser Welt. Gerade auch im Zusammenhang mit dem immer bedrohlicher werdenden Geschehnissen und der in ihnen enthaltenen Auseinandersetzungen mit anderen Religionen in unserer Zeit gilt es, genau Kurs zu halten – mit unserem Gott allein. Die Mahnungen der Schrift sind ernst, bitter ernst, und niemand übergeht sie ungestraft. Im Hinblick auf Israel und seine Wüstenwanderung, welches uns zur Lehre geschrieben ist (1Kor 10. 11), schreibt Paulus den Korinthern von dem Götzendienst, dem das alttestamentliche Bundesvolk immer wieder erlag, daß die Israeliten – als unser warnendes Vorbild – zwar alle...

    ...unter der Wolke waren (dem Bild der Führung Gottes durch Seinen Geist) und alle durch das Meer hindurchgezogen sind (dem Bild der Taufe) und alle in Mose in der Wolke und im Meer getauft wurden (wiederum die Vorbilder des Getauftseins in Wasser und Geist - in Christus, als dessen alttestamentlicher Typus Mose gilt); auch aßen alle dieselbe geistliche Speise, und alle tranken dasselbe geistliche Getränk; denn sie tranken aus dem geistlichen Felsen, der folgte. Der Felsen aber war der Christus.

1Kor 10. 1 - 4.

    Doch all dies nützte ihnen nichts; hörten sie doch weder auf Gott, noch vertrauten sie Ihm, geschweige denn folgten sie Seiner Stimme. Das Befolgen des funktionierenden Prinzips, um zu kurzfristigen Resultaten, zur Änderung der vorgefundenen Umstände zu kommen, war eine allzu große Versuchung, der Israel – und nicht nur dieses – immer wieder erlegen war.

    Und so mußte selbst Mose, der unter dem Befehl Gottes aufgebrochen war, dieses Volk ins verheißene Land zu führen, wie auch, unter zwei Ausnahmen, seine ganze Generation, seine Bestimmung verfehlen, dies Land auch einzunehmen. Hatte Mose nicht erneut auf den Felsen geschlagen, nachdem Gott zu ihm gesagt hatte, daß er zu ihm sprechen sollte? (4Mo 20. 2 – 12) Wohl gab der Felsen nach; auch dann kam Wasser heraus, sogar sehr viel; „es funktionierte” also, wie wir heute immer wieder sagen hören. Und doch war dies nicht der Weg, auf dem Gott Sein Volk versorgen wollte. Nein, keinesfalls, denn Sein Weg, auf dem Er nicht nur Israel, sondern auch uns durch unsere „Wüstenwanderung” hindurchbringen wird, war und ist – das Hören Seiner Stimme, und das Tun dessen, was ER unmittelbar und in die Situation hinein zu sagen hat. Denn der Felsen, der das Wasser gab, war der Christus, wie wir oben gesehen haben; mit diesem Mose sollte zuletzt reden, ihn aber keineswegs von neuem schlagen. Reden, Gemeinschaft mit Gott also, das ist das ganz große Thema, wie in der ganzen Heiligen Schrift, so gerade auch hier. Wer immer Ihn, den Felsen, schlägt, wo Gott doch eindeutig gesagt hatte, daß fortan mit Ihm zu reden sei – wer also Prinzipien anwendet, um etwas zu erlangen, der begibt sich in der Bereich der Zauberei und kreuzigt unseren Herrn erneut. Da nützt es dann gar nichts, dasjenige „wegbeten” oder „wegbekennen”, dessentwillen also, wie Mose tat, „auf den Felsen schlagen” zu wollen, was uns doch – als unser tägliches Kreuz – zum Heil dienen soll, um gerade auch durch solche Widrigkeiten in das Bild des Sohnes Gottes hineingestaltet zu werden (Rö 8. 28 – 29).



„Mir ist wohl...Was ist Wohlstand?

    Bewährte Geschwister wußten schon immer um die Tatsache, daß, wenn unser Leben allzu „glatt” verläuft, etwas mit unserer Nachfolge nicht stimmt. Über John Wesley wird erzählt, daß er sich gewundert habe, daß eines Tages keine Steine mehr auf ihn geworfen wurden, als er den Menschen Gottes Wort verkündigte und sie so zur Umkehr rief. Doch er „beschwerte” sich nicht lange, denn schon bald kamen die Steine wieder angeflogen, um nur so auf ihn niederzuprasseln. Schon Paulus mußte dies lernen; er hatte einst den Herrn bestürmt, den Boten Satans wegzunehmen, der ihn mit zahlreichen Widrigkeiten aufzuhalten suchte, ihn mit Fäusten schlug, wie der Apostel dies nannte (2Kor 12. 7 – 10, vgl. auch Kap 11. 23 - 28). Kannte Paulus eigene, durchaus auch körperliche Schwachheit? Ja, im Gegensatz zu den kühnen Behauptungen heutiger so genannter „Apostel”: er kannte sie sehr wohl (vgl. Ga 4. 12 – 14, 1Kor 2. 3)! Litt Paulus Mangel? Ja, er litt ihn durchaus! Hob Gott diesen Mangel immer auf? In keiner Weise! Erleichterte er ihm stets Mühe und Anstrengung? Davon lesen wir nichts! Was aber war die Erwiderung Gottes auf all sein Fragen? Hier ist die Antwort, die Paulus erhielt:

    Dir genügt Meine Gnade, denn Meine Kraft wird in Schwachheit [6] zur Vollendung gebracht.

2Kor 12. 9

    Gnade und Kraft gehören zusammen, ebenso wie Seine Stärke unsere eigene Schwäche zwingend voraussetzt. Das ist ja die Gnade, daß sie uns gerade jenseits unserer eigenen Stärke und unseres eigenen Vermögens segnen möchte! Diese Gnade selbst ist freilich niemals schwach, sondern stark; sie ist so stark, daß wir selbst schwach sein müssen, um ihrer teilhaftig werden zu können. Nein, Gott änderte Seinem Diener nicht immer die Umstände; was Er aber tat, war, den Apostel zu lehren, sich mit der Gnade zu begnügen, die Gott ihm, Seiner Führung gemäß, in die jeweilige Situation hinein zukommen ließ. Und daß der Apostel diese nicht einfache Lektion begriffen hatte, das zeigen seine Sätze, die er an die Römer schrieb:

    Wir aber wissen, daß Gott denen, die Gott lieben, alles zum Guten zusammenwirkt – denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind...

Rö 8. 28ff

    Es empfiehlt sich, dieses Kapitel einmal ganz zu Ende zu lesen.

    Diese Gnade Gottes war es, die genügte; ihr war Paulus ganz und gar ausgeliefert, so ausgeliefert, daß es neben dieser Gnade es nichts anderes gab – jeder andere Weg war auszuschließen. Jede Möglichkeit, sich selbst zu helfen, auch jeder Anlaß, aufgrund einer erbrachten Leistung bei Gott etwa Dinge einzufordern, entfiel damit ab sofort. Denn das war ja genau der Weg des Gesetzes, den Paulus bislang gegangen war und den er trotz seiner selbst erworbenen Untadeligkeit vollständig zu verwerfen, ja für Auskehricht zu halten hatte, um Christus Selbst zu gewinnen (Phil 3. 4ff). Und so ist das auch die Lektion, die wir mit Paulus zu lernen haben: daß Gott nämlich nicht aus den Umständen, sondern in den Umständen errettet, um es schließlich Selbst, ohne unser Zutun, herrlich hinauszuführen. Da bekommt Er allein die Ehre. Da gibt es kein Rühmen mehr für unser „Fleisch”, weil Sein Name allein verherrlicht wird. Haben wir es denn schon vergessen, was Paulus über unsere Berufung schrieb?

    Seht doch nur eure Berufung an, Brüder, da sind nicht viele Weise dem Fleische nach, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme; sondern das Törichte der Welt erwählt Gott, damit Er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache erwählt Gott, damit Er das Starke zuschanden mache. Das Niedriggeborene der Welt und das von ihr Verschmähte erwählt Gott, ja das, was bei ihr als nichts gilt, um das abzutun, was bei ihr etwas gilt, damit sich überhaupt kein Fleisch vor den Augen Gottes rühmen könne.

1Kor 1. 26 - 29

    Dann aber fährt Paulus fort, indem er auf Christus Jesus hinweist, der allein...

    ...uns von Gott her zur Weisheit gemacht worden ist, wie auch zur Gerechtigkeit, Heiligung und Freilösung, damit es so sei, wie geschrieben steht: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.

1Kor 1. 30 – 31, vgl. Jer 9. 24

    Berufung und Erwählung sind nicht dasselbe; viele sind berufen, doch nur wenige sind auserwählt, sagte der Herr (Mt 22. 14). Und so unterscheidet auch Paulus: Berufen sind nicht viele Weise, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme. Unter den Berufenen mag es noch solche geben, die angelernte Weisheit, weltliche Macht und Vornehmheit mitbringen, wenn es auch nur einige wenige sind; wollen sie aber zu den Erwählten gehören, müssen sie diesen selbst erworbenen Reichtum fahren lassen. Wir wollen ins Reich der Himmel gelangen? Gut! Dann aber gehen wir ein allein ...

    ...durch die enge Pforte, denn breit ist die Pforte und geräumig der Weg, der zum Untergang hinführt, und viele sind es, die durch sie hineingehen. Wie eng aber ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben hinführt! Doch wenige sind es, die ihn finden.

Mt 7. 13 – 14, vgl. Lk 13. 24

    Da bleibt jeder Reichtum, sei es solcher von rein materieller, oder sei es solcher von geistiger, ja gar für geistlich gehaltener Natur, „draußen”. Da gilt es, all den angesammelten Reichtum, auf den wir uns verließen, aufzugeben, um nun das Kreuz aufzunehmen und allein Ihm nachzufolgen, und auf niemand anderen mehr zu setzen als auf Jesus allein (vgl. Mk 10. 17 - 22). Da muß der, der etwas ist, erst zuschanden, ja zu gar nichts werden, damit Gott aus diesem zu Nichts Gewordenen endlich etwas machen kann – ein auserwähltes Werkzeug zu Seiner Ehre. Dieses Zuschandenwerden geht tatsächlich so lange, bis wir endlich nichts mehr haben aus uns selbst. Und wir haben ja auch nichts, wenn wir es recht betrachten. Kurzum – es gilt also, auf die trügerische Sicherheit des Anwendens von Formeln und Ritualen zu verzichten und zurückzukehren in die völlige Abhängigkeit von Ihm!

    Jesus Selbst war, obwohl er reich war, um unsertwillen arm geworden, aber nicht, damit wir durch Ihn reich würden, wie die sog. Glaubensbewegung unzulässigerweise und verkürzt lehrt, indem sie Teile des Bibelwortes einfach unterschlägt und entsprechend umformuliert, sondern, indem wir durch Seine Armut reich würden, wie die Bibel lehrt (2Kor 8. 9). Da gilt es, Ihm auch in diesem Bereich nachzufolgen, Ihm, der uns „eine Musterschrift” hinterlassen hat, damit wir „seinen Fußtapfen” nachfolgen sollen (1Ptr 2. 21). Denn nur in Seiner Armut, d. h. also, wenn wir all unseren Reichtum, all unser Vermögen abzulegen und dieselbe Armut anzuziehen bereit sind wie Er, steht uns Sein Reichtum, der von dem Thron des Vaters fließt, auch offen – ein Reichtum, der für Ihn, den Gottessohn, allein in der völligen Abhängigkeit vom Vater bestand. Diese Abhängigkeit von Gott, dem Vater – das war die Stärke Jesu, als Er hier auf Erden wandelte, und dieselbe Abhängigkeit, in der der Sohn lebte, ermöglicht es uns nun, wiederum Ihm nachzufolgen, Seine Stimme zu hören und Seinen Willen zu tun. Allein in dieser Weise wird auch der Wille des Vaters in uns zum Tragen kommen können.

    Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus ist: der, als Er in der Gestalt Gottes war, es nicht für ein Rauben erachtete, ebenso wie Gott zu sein, sondern Er entäußerte Sich Selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleichgestaltet und in der Art und Weise wie ein Mensch erfunden; Er erniedrigte Sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Kreuzestod.

Phil 2. 5 – 8

    Und so sind die „Könner”, die noch ihre eigene Stärke pflegen, bei Gott nicht gefragt; sondern allein die, die sich, dem Sohn Gottes gleich, ihrer eigenen Gestalt, ihrer eigenen Herrlichkeit und ihres Vermögens völlig „entäußern”; es sind jene, die sich selbst für nichts mehr halten: jene, die auch die Welt verschmäht, die schwach, die in ihren Augen unzureichend sind, die, die bei ihr nichts gelten – jene, die schließlich verlernt haben, auf sich selbst zu bauen, die allein kann der Herr wirklich gebrauchen.



Vom Halten des Gesetzes: Leben für sich selbst

    Das Verständnis der weitverbreiteten, fälschlich so genannten Lehre vom „biblischen Wohlstand” aber, das uns durch diverse „Glaubenslehrer” immer wieder schmackhaft gemacht werden soll, und den wir durch Wohlverhalten, wie unserem Geben oder durch das „Bekennen” von Bibelstellen uns selbst erwerben sollen, ist um Welten von dem des Paulus entfernt. Es kommt nämlich, wie wir bereits erörtert haben, aus der Anwendung, ja der vermeintlichen Dienstbarmachung des Gesetzes, um aus dieser Anwendung heraus den Bedarf für uns selbst, für unser Fleisch also zu stillen. Denn wer immer das Gesetz anwendet, der verwendet es für sich, um aus dem Halten der Gebote heraus gesegnet, oder sagen wir richtiger, dem Wort entsprechender: belohnt zu werden. Es geht ihm also immer um das Ergebnis seines Tuns; die Frage, die ihn umtreibt, ist vor allem die, was für ihn selbst dabei herauskommt. Die Beschäftigung mit uns selbst ist also für das Gesetz sehr maßgeblich, während die uns im Evangelium dargebotene Gnade uns gerade aus der Hinwendung zu uns selbst herausführt, indem sie genau dieses Selbst, unser „Ego”, ans Kreuz bringt und aus diesem Tode ein neues Wesen, das der Gott und den Menschen zugewandten Liebe, auferstehen läßt.

    Erinnern wir uns noch?Wer alle Gebote erfüllt, wird in ihnen (oder durch sie) leben”, sagte das Gesetz, wie Paulus in Galater 3. 12 angeführt hatte. Aber dieses Verhalten kommt eben nicht nur aus dem Gesetz: hier begegnet uns vor allem, da der Dienst für uns selbst, für unser Fleisch, für unser Eigenes angesprochen wird, nichts anderes als die raffinierte Verführung der Schlange. Denn der Teufel war es, der schon dem Sohn Gottes riet, da Ihn hungerte, sich selbst zu dienen und seinem Hunger abzuhelfen – indem Er zu den Steinen sprechen und ihnen befehlen sollte, zu Brot zu werden, da er doch Gottes Sohn sei (Mt 4. 2 – 4). Was hatte Jesus ihm erwidert? Kam jetzt die Belehrung des „großen Gottesmannes”, wie diese „Broterzeugung” wohl zu bewerkstelligen sei, da uns, als den Kindern Gottes, solches alles „zustünde”? Was lesen wir?

    Er aber antwortete: Es steht geschrieben: „Nicht vom Brot allein wird der Mensch leben, sondern von einem jeden Wort, das durch Gottes Mund ausgeht”.

    Und so überließ Sich Jesus auch in Seinem Hunger Gott und lehnte den Weg, sich durch das Anwenden gewisser Prinzipien selbst etwas zu nehmen, für sich zu erzeugen oder „herbeizubekennen”, solange Gott es Ihm nicht geben würde, kategorisch ab;

    ...dann (!) verließ ihn der Widerwirker. Und siehe, Boten kamen herzu und dienten Ihm.

Mt 4. 4 - 11

    Und so ist nicht nur die Irrlehre, nach der „Dinge ins Dasein gesprochen” werden sollen, sondern auch die oben beschriebene Wohlstandslehre meilenweit von Seinem Wort, und damit auch von Paulus entfernt – sie ist ihm geradezu diametral entgegengesetzt. Ja mehr noch: Sie ist ganz eindeutig eine Verführung Satans, die dazu dienen soll, uns durch den Gebrauch von Formeln und „Bekenntnissen” in die Unabhängigkeit zu begeben und uns damit von Gott zu lösen. Das ist eindeutig Zauberei, wenn auch in scheinbiblischem Gewande, was das Ganze auch so gefährlich macht. Das Umgehen mit Gesetzen und Kräften bleibt Gott vorbehalten; Er ruft das Nicht Seiende, daß es sei; durch Ihn bestehen alle Dinge (1Kor 1. 6, Jo 1. 1ff, Kol 1. 16 u. a.). Noch nicht einmal Gottes erstgeborener Sohn maßte Sich an, die Dinge an sich zu reißen, außer der Vater gäbe sie Ihm. Indem all diese Lehren dies negieren, setzen sie den Menschen an Gottes Stelle, indem dieser sich fortan anmaßen darf, wie Gott zu sein (1Mo 3. 4 - 5). Das alles entlarvt diese Lehre als eine satanische Anmaßung und Irreführung, und macht damit für alle sichtbar, woher sie kommt. Was aber soll auch anderes herauskommen als eine solche Irreführung, wenn wir den eigenen Wohlstand zum Maß der Dinge machen! Welches „Wohl” meinen wir, wenn wir davon reden? Und was verstand der Apostel vom Wohl? Was kam für ihn selbst dabei heraus? Zwischen diesen Fragen stehen Welten. Hier die Antwort:

    Darum ist mir wohl... in Schwachheiten, unter Mißhandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, unter Druck um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, bin ich kraftvoll.

2Kor 12. 10



Das Wort vom Kreuz: Verordneter Stachel

    Der Apostel ließ uns nicht im Unklaren darüber, weshalb ihm diese Dinge, von denen wir hier sprechen, begegnet sind, ja geradezu begegnen mußten: Sie waren ihm gegeben, verordnet also, damit er sich nicht der hohen Offenbarungen überhebe, die ihm vierzehn Jahre zuvor zuteil geworden waren (2Kor 12. 2 und 7). Wenn der Apostel auch ungewöhnlich große und umfangreiche Kämpfe zu bestehen hatte, was seiner besonderen, grundlegenden Aufgabe geschuldet war, so haben wir doch anzuerkennen, daß uns eine jede Offenbarung, ein jeder Segen und eine jede uns weiterbringende Erkenntnis Gottes in jene Anfechtungen, von denen der Apostel einst sprach, hineingegeben werden, und zwar von Gott her. Denn diese durchaus vorhandenen Anfechtungen sind, wie Paulus lehrte...

    „ein Splitter (grie. skolops) für das Fleisch”,

    Bestandteile des unserem Fleisch zugeordneten Kreuzes also, wie der griechische Ausdruck, der in der Tat an einzelne Holzsplitter erinnert, uns nahelegt (2Kor 12. 7). [7] Und so dürfen wir gewiß sein, daß überall dort, wo diese aufgrund unseres Fleisches notwendigen Gegengewichte fehlen, wir es demnach nicht mit einer Offenbarung Gottes zu tun gehabt haben, sondern mit einer Verführung durch jene, die sich, wie Satan auch, als „Boten des Lichtes” verstellen (2Kor 11. 14). Dieses – das Vorhandensein oder das Fehlen des Kreuzes in den uns begegnenden Umständen also – wird uns unterscheiden lassen, ob das, was uns vorgestellt wurde, eine echte Offenbarung, oder ob es nicht doch eine Fälschung war. Hieran erkennen wir also ganz genau, wohin uns eine Lehre führt, die diese Dinge für unser Leben auf der Erde ausklammern will.

    Versuchen wir nun immer noch, um solcher Umstände willen, um die es hier geht, „auf den Felsen zu schlagen, obwohl wir doch mit Ihm reden, Seine Gemeinschaft suchen sollen? Verachten wir etwa jenes Wort, das einst an Paulus erging, nach dem es für ihn hart sein werde, gegen Stacheln auszuschlagen? (Apg 26. 14) Wollen wir auch weiterhin den Splitter für das Fleisch – der, wie wir eben sahen, eine Darstellung des Kreuzes in unserem Leben ist, das wir in der Jesusnachfolge täglich aufnehmen sollen (Lk 9. 23) – nach den Lehren der Glaubensbewegung „wegbeten” oder ihn „wegbekennen”, obwohl er uns doch ganz klar und eindeutig verordnet ist? Wer das tut, der betreibt, da er Gott widersteht und Mutwillen treibt, allerdings Zauberei, wie wir gesehen haben und noch sehen werden (vgl. 1Sam 15. 22 – 23). Denn Christus war uns als der Gekreuzigte vor die Augen gemalt worden (Ga 3. 1). Und das Kreuz ist der einzige Ort, an dem wir mit Christus verbunden werden – deshalb auch die Aussage des Römerbriefes, daß wir in der Taufe mit Ihm in denselben, nämlich in Seinen Tod hinein verbunden worden sind, um damit auch in der Auferstehung mit Ihm in derselben „Neuheit des Lebens” verbunden zu sein (Rö 6. 1 - 7).

    Es ist also unbedingt festzuhalten, daß das Verlassen dieses Kreuzes, das wir zu tragen haben, zugleich auch ein Verlassen des Christus Selbst beinhaltet und uns, als unausweichliche Folge, unter die Knechtschaft eines Anderen bringen wirdeines anderen Jesus, eines anderen Geistes und eines anderen Evangeliums (2Kor 11. 4). Und nicht nur das; wer immer dies tut, der verliert auch sein geistliches Leben dabei; denn wir haben gerade gelernt, daß das Kreuz der einzige Ort ist, der uns mit diesem Leben verbindet! Hierin dürfte dann auch der Hauptgrund für unsere so große geistliche Schwäche, Erkenntnisarmut und Vollmachtslosigkeit liegen; da nützt es gar nichts, daß wir unsere Sprüche und Vokabeln gut gelernt haben und anzuwenden wissen. Es bleibt dabei: „wer nicht sein Kreuz aufnimmt und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht wert”, sagte der Herr Jesus (Mt 10. 38), und schloß damit kategorisch aus, daß auch nur irgend jemand Ihm nachfolgen und gleichzeitig Sein Kreuz nicht tragen könne. Wenn ein solcher auch die ganze Welt gewinnt, so lehrte Er, ist er doch gerade dabei, seine eigene Seele zu verwirken – und so wird er sie an dieselbe Welt verlieren, die er doch zu gewinnen suchte (siehe Mt 16. 24 - 26).



Weg des Lebens – way of life?

    Es gibt im Neuen Bund kein Leben ohne den Tod; sehr wohl gibt es aber ein Leben aus dem Tode. Und dieses Leben aus dem Tode entspringt täglich dem Kreuz, als der praktischen Auswirkung des Mitgekreuzigtseins mit Jesus, unserem Herrn. Nur dort allein ist Leben und Friede; deshalb rühmt sich auch der Apostel so sehr des Kreuzes, durch das ihm die Welt gekreuzigt ist und er der Welt (Ga 4. 14 - 16). Willst du hier den Frieden, dann nimm also auch das Kreuz; du kommst nicht um dieses Kreuz herum. Und genau dieses Kreuz ist es, das im täglichen Leben seine Auswirkungen hat; Auswirkungen, die uns zwar nicht immer gefallen, die aber unbedingt notwendig sind, wenn wir unbeschadet (vgl. 1Thes 5. 23) zu dem uns gesetzten Ziel, dem Kampfpreis der Berufung Gottes droben in Christus Jesus” gelangen wollen (vgl. Phil 3. 7 – 15). Wer dieses Kreuz, das der Herr uns verordnet hat, nicht will, wer statt dessen seine Lebensumstände in die eigene Hand nehmen und durch das Befolgen von Prinzip und Methode selbst verändern will, der geißelt Ihn, unseren Herrn, erneut, der schlägt Ihm in Sein Angesicht, da ihm die eigenen Umstände nicht zu passen scheinen: wiederum treibt er die Nägel durch Seine Glieder, um nun seinen eigenen Willen durchzusetzen, mit „Bibelstellen” schön geschmückt und gut begründet. Meinen wir aber, nachdem wir das himmlische Geschenk” – das ist die Gnade – geschmeckt haben und so Mitteilnehmer des Heiligen Geistes wurden, die sowohl das köstliche Wort Gottes wie auch die Kräfte des zukünftigen Äons schmeckten”, nachdem wir, da wir dieselbe Gnade ablehnten, um uns nun unseren Weg selbst zu ebnen, „den Sohn Gottes für sich selbst aufs neue” kreuzigen und Ihn anprangern (Hbr 6. 4 - 6), an dem göttlichen Gericht des Feuers (Hbr 6. 8, 10. 26) vorbei zu kommen? Keineswegs!

    Hier soll, ja darf ganz gewiß nicht der schuldig gesprochen werden, der sich in seiner Not voller Vertrauen an Gott als seinen Vater wendet, um Hilfe zu bekommen, etwa Heilung für seinen Leib oder eine Aushilfe in sonstigen Nöten. Das dürfen wir, dazu werden wir sogar aufgefordert und – in zahlreichen Schriftstellen und Verheißungen – immer wieder ermutigt. Es geht überhaupt nicht darum, jemanden in Krankheits- oder anderen Nöten zu belassen, während ihm doch geholfen werden kann. Es geht schlicht und einfach darum, in der Abhängigkeit Gottes zu bleiben. Gott aber bedarf unserer angelernten „Sprüche” und „Weisheiten” nicht, um uns zu helfen und um unserer Not zu begegnen. Auch kennt Er Sein eigenes Wort zu gut, als daß Er von uns fortwährend auf diverse Bibelstellen hingewiesen werden müßte, um nun endlich einmal unseren Willen zu tun und „Sein Wort zu halten”, wie wir meinen mögen. Haben wir doch so eifrig unsere „Hausaufgaben gemacht” und „unseren Teil” doch so reichlich getan, um – nach den Vorgaben unserer „Glaubenslehrer”, denen wir irrtümlicherweise zu folgen gedenken – „Gottes Verheißungen einzulösen”, damit wir nun endlich den uns angeblich verordneten „Wohlstand”, ja den „Reichtum der Nationen” erlangen könnten, den wir doch so sehr erstreben sollen, wie diese lehren. Hier muß einmal die Frage gestellt werden, ob wir uns mit solchem Gebaren, was unseren Lebensweg betrifft, nicht nur über die neutestamentliche Lehre schlechthin erhoben, sondern uns an Gottes Stelle selbst gesetzt haben. Wer sind wir eigentlich, die wir uns solches anmaßen?

    Und so sind es solche Lehren, die uns suggerieren, daß die Führung unsere Lebens von uns ausginge, da wir fälschlicherweise gelehrt worden sind, daß wir „unseres eigenen Glückes Schmied” sein müßten. Damit aber haben wir unsere Stellung des Aushaltens am Kreuz verlassen, ja wir sind – dem falschen Rat, ja der Lästerung der Welt folgend – „vom Kreuz herab” gestiegen, um uns selbst zu helfen (Mt 27. 40, Mk 15. 30, 32) und so von dem uns verordneten Mitgekreuzigtsein, welches uns den wahren Weg des Lebens eröffnet, abgewichen. Damit aber haben wir diesen Weg des Lebens eingetauscht mit dem gewinn- und erfolgsorientierten, berühmt-berüchtigten „Way of life” der amerikanisch-westlichen Welt. So haben wir unser Leben – unter frommen Floskeln zwar – wieder in die eigene Hand genommen! Wir wollten eher, daß Gott uns unseren Weg ebnet, uns zum Erfolg führt, als daß Gott uns Seine Wege führen kann. Das aber ist Unglaube, wenn man auf die Mitwirkung, ja Grundvoraussetzung der eigenen Leistung setzen muß und somit Gott nicht vertraut, daß Er allein es mit uns recht hinausführen kann und – wird. Damit offenbart sich die Glaubensbewegung als gewaltiger Etikettenschwindel – sie ist im Grunde nichts als Unglaube und damit ein einziger Mißtrauensantrag gegen Gott. Jesus hatte noch ein Kind in die Mitte der Jünger gestellt und gesagt, daß einem solchen allein, der geartet ist wie dieses Kind das Reich Gottes offen steht (vgl. Mt 18. 1 – 6)? Alles andere aber, was an diesem einfachen und kindlichen Vertrauen vorbeigeht, ist Sünde; es entspringt dem Hang des natürlichen, fleischlichen Menschen zur Selbsterlösung, fordert Gott heraus und versucht Ihn. Sollte das Gebilde wirklich zum Bildner sagen dürfen: „Warum hast du mich so gemacht? (Rö 9. 20 – 21)



Söhne der Widerspenstigkeit

    Das Murren, das Nicht Abfinden Wollen mit den gegebenen Umständen, war auf Israels Wegen ein ständiger Begleiter. Nicht Gottes Manna, die himmlische Speise, ein Bild für Jesus, das aus dem Himmel herabgestiegene „Brot des Lebens” (Jh 6. 31 - 33, 47 – 66), sondern die „Fleischtöpfe Ägyptens”, die zweifelhaften „Segnungen” des Fleisches also waren es, denen man wiederum anhing. Die Regel war „immer weiter, immer besser, immer höher”. Aufzusteigen wurde zum Programm und ersetzte zunehmend den Gehorsam. Die „Nahrungsfrage”, die Frage nach der „besserenVersorgung, nach „gehaltvolleremEssen und Trinken, kurzum nach der „Speise Ägyptens” war es, die Israel auf seinem Weg allezeit beschäftigte und immer wieder Gottes Zorn hervorrief (vgl. 4Mo 11. 4 – 6, 18 – 20, 31 – 35). Schließlich suchte man gar Gemeinschaft mit anderen Mächten, um sein Begehren zu stillen. Ja, es sind andere Mächte, mit denen wir uns eins machen, wenn wir mehr begehren, als das, was uns von Gott zugeeignet ist.

    Der Hebräerbrief ermahnt uns nicht umsonst, daß „Geldgier nicht unsere Weise” sein soll, und wir uns statt dessen mit dem begnügen sollen, „was vorhanden ist” (Hbr 13. 5 - 6). Denn Habgier (grie. pleonexia, „mehr, im Sinne von über das Gegebene hinaus haben wollen) ist Götzendienst, sagt die Schrift ganz eindeutig, weswegen der Zorn Gottes über die Söhne der Widerspenstigkeit kommt (Kol 3. 5). Wir wollen all diese Dinge an dieser Stelle ruhig noch einmal rekapitulieren. Mit den Söhnen der Widerspenstigkeit ist ja nicht die Welt gemeint, sondern jene Söhne Gottes, die in der hier beschriebenen Weise ungehorsam sind und Gott widerstehen – wie dies an dem oben angeführten Beispiel Israels, das vielfaches Gericht zur Folge hatte, vorbildhaft deutlich geworden war. Denn Israel ist ja nicht irgend ein Volk. Es ist Gottes Volk auf seinem Weg in das ihm verheißene Land, von dem hier die Rede ist!

    Erinnern wir uns etwa noch an das Beispiel Sauls, der Gott widerstanden hatte, indem er sich weigerte, an der Kriegsbeute, wie von Gott durch Seinen Propheten angeordnet, den Bann zu vollstrecken? Hatte er sie doch statt dessen an sich genommen, um sie für sich zu behalten und ihre Vorteile zu genießen, und anschließend gemeint, Gott mit der Zusage eines Opfers zufriedenstellen zu können – ein Verhalten, das Samuel schließlich als Zauberei gebrandmarkt hatte (1Sam 15. 9 - 23). Hier finden wir Gedankengänge vor, die sich einheitlich durch die ganze Schrift hindurch ziehen. Denn die Götzen, denen der Habgierige dient – der also, der über das Vorhandene hinaus begehrt – ihnen also opfert, haben sehr wohl etwas mit der Dämonenwelt zu tun: sie bringen ihn geradezu in sie hinein. Denn Paulus sagt ohne Umschweife, als er sich auf das Mahl des Herrn bezieht und dabei auf „das Israel nach dem Fleische” hinweist:

    „Stehen nicht die, welche die Opfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? Was behaupte ich nun damit? Daß Götzenopfer etwas sei? Oder daß ein Götze etwas sei? Nein, denn was die Nationen opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft mit Dämonen aufnehmt.”

1Kor 10. 18 – 21

    Wird ein solcher, der so aus dem Willen Gottes herausfällt, in das von Ihm Verheißene hineinkommen? Werden wir, denen dies vorbildhaft zur Warnung geschrieben wurde, in das uns verheißene himmlische Kanaan hineingelangen? Sollte uns, die wir in unsere himmlische Berufung unterwegs sind, auf demselben Wege das gelingen, was jenen schon im Irdischen nicht gelang? Nimmermehr! Lassen wir uns nicht täuschen: der hier beschriebene, falsche Weg hat, wie schon für Israel, so auch für uns – als Söhnen der Widerspenstigkeit” – Gottes Gericht zur Folge:

    Doch an der Mehrzahl von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie wurden in der Wildnis niedergestreckt.

1Kor 10. 5

    Die Begründung dazu folgte auf dem Fuße:

    Diese sind für uns warnende Vorbilder geworden, damit wir uns nicht nach Üblem gelüsten lassen, wie es jene gelüstete (Begehren!). Werdet auch nicht Götzendiener, wie es ja einige von ihnen wurden; ebenso wie geschrieben steht: Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken (die Ausrichtung allein auf die irdischen Bedürfnisse!), und stand auf, um zu spielen („Action”, „Events”, „Spaßgesellschaft”!). Auch laßt uns nicht huren, so wie einige von ihnen hurten; deshalb fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend. Auch laßt uns den Herrn nicht auf die Probe stellen, so wie Ihn einige von ihnen auf die Probe stellten (!) und dann von den Schlangen umgebracht wurden. Murret auch nicht, gleichwie einige von ihnen murrten und dann vom Vertilger umgebracht wurden.

1Kor 10. 5 - 10

    An dem hier beschriebenen, tragischen Geschehen erkennen wir, wie das Begehren des Irdischen, das immer wieder zum Ausgangspunkt von Leben und Frömmigkeit erkoren worden war, zum Fallstrick wurde. Ja, es führte Israel auf direktem Wege in Ungehorsam, in Murren und Widerstreben und damit in Abgötterei hinein – und schließlich ins Gericht. Und genau dieses Geschehen ist es, das Paulus nun aufgreift und den Korinthern, und mit ihnen auch uns zur Warnung in den Raum stellt: Auch wir, so sagt er damit, werden in dieselbe Falle geraten wie schon jene, aus der es dann kein Entrinnen mehr gibt, wenn wir uns auf diesen Wegen befinden und nicht bereit sind, uns von ihnen ganz radikal abzukehren, um uns wieder Gott allein zuzuwenden. Denn es bleibt dabei: Es ist nicht möglich, mit Gott Gemeinschaft zu haben – und gleichzeitig auch mit anderen Göttern, und auf etwas anderes hin Ausschau zu halten als auf Ihn allein. Rekapitulieren wir also ruhig noch einmal, was Paulus an die Korinther schrieb:

    Was behaupte ich nun ... ? Daß Götzenopfer etwas sei? Oder daß ein Götze etwas sei? Nein, denn was die Nationen opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott. Ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft mit Dämonen aufnehmt. Ihr könnt nicht den Becher des Herrn trinken und auch den Becher der Dämonen. Ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilhaben und auch am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Wir sind doch nicht stärker als Er!

1Kor 10. 19 - 22

    Ganz klar und unzweideutig lehrt uns Gottes Wort, daß wir auszugehen haben aus jeglicher Gemeinschaft und Verquickung mit der Finsternis, wie wir dies in 2Kor 6. 14 – 7. 1 schon betrachtet haben. „Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von jeder Besudelung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes vollenden(7. 1). Auch hier also besteht die klare Anweisung, uns rigoros von dem zu trennen, was nicht mit unserem Gott konform geht – gleich den an Israel ergangenen Anweisungen des Buches Josua, kein Gebanntes anzurühren (Jos 6. 18) – als Grundvoraussetzung dafür, daß Gott uns als unser Vater als solchen begegnen kann, die Er als Seine Söhne und Töchter betrachtet – damit wir bei Ihm Einlaß und Hilfe erhalten, und unsere Gebete also erhört werden (2Kor 6. 18).



Die Beschwörungen der Skevasöhne

    Wie wichtig es ist, nichts zu tun zu haben mit dem, was uns auch nur in die Nähe der Finsternis – von Gebanntem – bringt, zeigen uns jene denkwürdigen Geschehnisse, die uns in Apostelgeschichte neunzehn überliefert worden sind. Hier betraten die Söhne des Hohenpriesters Skeva die Bühne des Geschehens, nachdem sie die Kraftwirkungen beobachtet hatten, die der Herr durch den Apostel Paulus gewirkt hatte. Als dieser in Korinth war, sprach er in der dortigen Synagoge „vom Königreich Gottes”. Nachdem einige sich verhärtet hatten und „über den Weg Gottes vor den Augen der Menge Übles redeten”, zog er in die „Schule des Tyrannus” und lehrte für zwei ganze Jahre dort weiter. Ganz außergewöhnliche Machttaten wirkte der Herr dort durch ihn; selbst aufgefundene Schweißtücher des Paulus legte man auf die Kranken; diese genasen, und böse Geister fuhren aus. (Apg 19. 1 - 12).

    Aber auch einige der umherziehenden jüdischen Beschwörer nahmen es (selbst!) in die Hand, den Namen des Herrn Jesus über denen zu nennen, die böse Geister hatten, indem sie sagten: „Ich beschwöre euch bei Jesus, den Paulus heroldet!” Es waren besonders sieben Söhne des Skeva, eines hohepriesterlichen Juden, die dies taten. Der böse Geist antwortete ihnen jedoch: „Jesus zwar kenne ich, und über Paulus weiß ich Bescheid, ihr aber, wer seid ihr?” Da schnellte der Mensch, in welchem der böse Geist war, auf sie los, zwang beide nieder und erwies sich so stark gegen sie, daß sie unbekleidet und verwundet aus jenem Haus entflohen.

Apg 19. 13 - 16

    Eingangs wollen wir ein Wort an jene richten, die diese Sätze zurückweisen wollen unter der Begründung, daß die Skevasöhne nicht wiedergeboren gewesen und von daher nicht bevollmächtigt worden seien, solche Dinge zu tun. Geschwister, auch hier – seid nicht töricht. Worum geht es denn bei der neuen Geburt? Gottes Geist kommt in unseren Geist, verbindet sich mit ihm und macht ihn damit lebendig  wie am Anfang, als die Verbindung des Menschen mit seinem Schöpfer noch ungebrochen war (1Mo 2. 7). Die Beziehung wird hergestellt, die durch die Sünde brachlag; der Sündenfall wird aufgehoben. Durch Ungehorsam können wir durchaus diese Beziehung wieder verlieren; es ist möglich, Dinge in die eigene Hand zu nehmen, ohne daß wir Gott gefragt hätten, und wie jene, so stehen auch wir in der Gefahr, daß essen könnten von jenem Baum, von dem Gott gesagt hat, daß wir von ihm nicht essen sollen (1Mo 2. 16 - 17). Das Weggeführtwerden von dem Christus durch die Verführung der Schlange, uns essen zu lassen von dem Baum, der klug macht und damit unabhängig, ist eine reale Gefahr, in der gerade die Korinther in all ihrer Gabenfülle standen (1Kor 1. 4 - 7!) und vor der der Apostel die Gemeinde erklärtermaßen bewahren wollte (2Kor 11. 3). Und genau darum geht es hier um das Nehmen geistlicher Dinge und Gesetzmäßigkeiten in die eigene Hand. Und das ist nicht zuletzt darum so gefährlich, weil wir es hier mit dem Umgehen von Kräften zu tun haben, die wir selber nicht beherrschen können. So gerät uns das Ganze zu einem Einfallstor des Okkultismus und damit zu einer Gefangenschaft, aus der wir allein nicht mehr herauskommen.

    Nicht wir sind stark, sondern Jesus ist es, Der durch Seinen Geist in uns wohnt. Auch hier wird die Hybris der Glaubensbewegung offenbar, die uns suggeriert, daß wir die Dinge in die eigene Hand nehmen und die von uns erhoffte Erweckung selbst erzeugen könnten, wenn wir nur ausreichend daran glaubten, daß das, was wir da zu bewerkstelligen suchen, tatsächlich auch funktioniert. Aber ebensowenig wie bei den Skevasöhnen die Formel „wir gebieten in dem Namen des Jesus, den Paulus heroldet” etwas Rechtes bewirkte, so wenig Gutes kommt dabei heraus, wenn wir etwa Schriftstellen in die eigene Hand nehmen, um sie mantra-artig herzusagen, in der Erwartung, sie würden wirken. Diese Dinge wirken wohl – aber sie wirken eben völlig anders, als wir uns das ausgemalt haben.

    Wie wir leicht erkennen können, ist in diesem Geschehen also eine ernste Warnung enthalten. Sie richtet sich an all jene, die bei anderen gesehen haben, wie der Herr durch sie wirkt, und die nun gewisse Dinge in die eigene Hand nehmen wollen, um genauso erfolgreich sein zu können wie sie. Während Gott durch Paulus wirken konnte, weil dieser Ihn kannte, also eine persönliche Beziehung zu Ihm hatte und Jesus durch Paulus leben konnte, sind solche der Ansicht, daß sie selbst – wenn auch mit der Hilfe Gottes unter Ausrufen des Namens Jesu – die Dinge hervorbringen könnten. Die Skevasöhne waren solche, die keine Beziehung zum Herrn Jesus als dem Gegenwärtigen und Lebendigen hatten – sie sahen ja nicht, was Jesus, und mit Ihm der Vater tat (Jo 5. 19 - 20 und 20. 21) – und deshalb an deren Stelle den Gebrauch von Formeln setzen mußten. Denn das, was durch sie verübt wurde, geschah ja nicht durch den Jesus, der etwa in ihnen hätte Selbst leben und wirken können, nein – es sollte ihrer Ansicht nach geschehen durch das bloße Anwenden Seines Namens, nämlich des Namens des Jesus, den Paulus heroldet”. Hier stehen nicht nur die heute vielfach vertriebenen „Glaubenslehren” um das „Bekennen von Bibelstellen”auf dem Prüfstand, sondern auch all die fragwürdigen Praktiken, die sich aus solchen Lehren ergeben und die oftmals verbunden sind mit dem als eine Art Mantra mißbrauchten Namen Jesu und damit Gottes.

    Um für solche Dinge nur ein Beispiel zu nennen: damals nahm man gewisse „Schweißtücher” auf, die Paulus offensichtlich vergessen oder liegen gelassen hatte, und legte sie, in seiner Abwesenheit, auf die Kranken, so daß diese genasen oder böse Geister ausfuhren (Apg 19. 12). In der Tat hatte dies mit der Salbung, der Kraft und vor allem der unvermittelten Gegenwart des Heiligen Geistes zu tun, unter der Paulus, der Besitzer dieser Tücher, lebte und wandelte. Gott ließ das zu, um ein Zeichen zu wirken. Diese Dinge hat man heute in vielen „Glaubensgemeinden” jedoch zum „funktionierenden Prinzip” erhoben, indem man von den Gläubigen Tücher einsammelt, über diesen Tüchern (natürlich unter fleißigem Gebrauch des Namens Jesu) betet, und diese danach wieder verteilt – manchmal sogar stapelweise, wie dies in gewissen showmäßig gestalteten Fernsehsendungen auch aus Übersee oftmals zu sehen ist, wobei einige sich dabei sogar so weit verstiegen haben, dies für Geld zu tun.

    Gegen das Auflegen solcher Tücher ist solange nichts zu sagen, wie dies durch Gottes Führung geschieht und nicht durch Menschen willkürlich forciert wird. Es wurde sogar einmal von einem Kranken berichtet, der durch das zufällige Berühren eines Pantoffels eines Heiligen (nicht in katholischem Sinn) geheilt worden sei. Gott ist souverän; er vermag dieses oder jenes zu gebrauchen. Hier jedoch finden wir genau dasselbe „in die eigene Hand Nehmen” wieder, mit dem schon die Skevasöhne beschäftigt waren. Und damit begeben wir uns ganz klar in den Bereich religiös getarnter Zauberei und damit gefährlicher Magie. Denn an keiner Stelle des Neuen Testamentes ist die Rede davon, daß „über Tüchern gebetet” wurde; und so könnte man viele andere Beispiele mehr anführen. Die in unseren Tagen dementsprechend reichlich kolportierten Anweisungen in der Form u. a. von Büchern, Vorträgen und Predigten darüber, wie man” etwas tut, um dieses oder jenes Ergebnis hervorzubringen, wie man Kranke heilt”; „wie man prophetisch redet” u. v. a. m. gehören in genau dieselbe Rubrik der Unabhängigkeit von Gott und des damit verbundenen Nehmens in die eigene Hand. Denn es entspricht allgemeinbiblischer Erkenntnis, daß all jene, die Gott berief, von sich aus nicht dazu in der Lage waren, diese Berufung auch nur ansatzweise auszufüllen. Es genügt hierzu ein nicht einmal allzu tiefgehendes Bibelstudium, um dies – und zwar bei ausnahmslos allen, die Gott zu Seinen Werkzeugen machte – festzustellen. Eine weitergehende Beschäftigung mit diesem Seitenthema muß hier jedoch unterbleiben, um die Hauptaussagen nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Mose war beispielsweise nicht einmal in der Lage, selbst zu reden (2Mo 4. 10 - 12). 

    Schon die ägyptischen Zauberer Jannes und Jambres (2Tim 3. 8) machten – wie unsere oben angeführten Skevasöhne – die Zeichen nach, die sie bei Mose gesehen hatten, widerstanden somit Gott, und brachten die Dinge Gottes dadurch in Verruf (2Mo 7. 11, 22). Paulus spricht ja davon, daß diese Dinge vor allem in der Endzeit kursieren werden. In der Glaubensbewegung wurden solche Vorstellungen regelrecht hoffähig gemacht, weshalb ich diese Bewegung auch wenigstens für einen großen Teil dieser Endzeitverführung halte. Das Wort Gottes spricht jedenfalls davon, daß diese beiden Zauberer „dasselbe” vollbrachten wie Mose – und zwar „durch ihre Geheimwissenschaften, d. h. durch Wissen von vor anderen Menschen verborgenen Dingen. Im Gegensatz zu Mose, der von Gott hörte, was er tun sollte, hatten sie diese Dinge also erlernt und wußten daher, wie sie anzuwenden waren, daß sie auch funktionierten. Aber im Gegensatz dazu sprach auch Paulus davon, daß er das Evangelium Gottes nicht gelernt habe (Ga 1. 12, s. a. 1Kor 1. 18ff, bis 2. 16). Das Evangelium wird geoffenbart; es ist nicht erlernbar.

    Zauberei aber wird immer erlernt. So erweist sich letztlich alles das, was nicht geoffenbart, sondern durch eigenes Lernen angenommen und daher in die eigenen Hände genommen worden ist, als „Vorwitz” und damit als Zauberei. Dieses erlernte Wissen spricht auch davon, daß ihre Träger es innerhalb einer gewissen Exklusivität, d. h. in der Abschottung und Hervorhebung gegenüber anderen, „Nichteingeweihten” erworben haben. In dieser Gefahr stehen gerade auch jene, die als scheinbare geistliche Eliten sich von anderen abgrenzen und ihnen gegenüber hervorheben wollen – in der Ausübung von Macht. Deshalb ist das von ihnen erworbene Wissen vor anderen verborgen, geheim, oder, um das betreffende Fremdwort zu benutzen, okkult. Aus diesem Grunde spricht das Wort Gottes von solcher Praxis auch als einer solchen von „Geheimwissenschaften” (s.o.), als von einem Wissen, das man sich insgeheim (vor anderen verschlossen und von ihnen abgetrennt) erworben hat, und zu welchem anderen – als den sog. „Laien” der Zutritt verwehrt bleibt. Diese Dinge, die u. a. in den sog. „Jüngerschaftsschulen” gelehrt worden sind und bis heute in diversen „Prophetenschulen”, den einschlägigen „Bibelschulen” etc. gelehrt werden, sind dann auch einige der größten Gefahren der Glaubensbewegung und ihrer Ableger.

    Wir kommen noch einmal auf Jannes und Jambres zu sprechen. Paulus spricht in dem Zusammenhang von solchen, die in den letzten Tagen leben werden (vgl. 2Tim 3. 1); von solchen,

    ...die von mancherlei Begierden und Genüssen getrieben werden, die allezeit lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. In derselben Weise wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese der Wahrheit, Menschen mit verkommenem Denksinn, unbewährt im Glaubensleben.

2Tim 3. 6 - 8

    Diese Zeit ist gekommen, und so sehen wir heute viele herumlaufen, die man Jannes und Jambres nennen könnte und die das nachzumachen suchen, was sie bei anderen gesehen oder über sie gelesen haben. Ich selbst habe vieler solcher Bücher regelrecht verschlungen, die die entsprechenden Anleitungen geliefert haben, „wie man etwas macht”, um dieses oder jenes zu erzielen, was vorgeblich „im Willen Gottes sei”. Denn schließlich galt es ja, jene Erweckung hervorzubringen, die der Gemeinde Macht, und durch den Gebrauch dieser Macht noch paradiesische Zustände hier auf Erden eröffnen würde. Was gab es da nicht alles zu lesen – T. L. Osborn etwa, „Krankenheilung”, oder den Zweibänder „Wie man Kranke heilt” von Charles und Francis Hunter und vieles andere mehr. Das eigene Begehren von mehr Vollmacht, das mich selber umtrieb, ist ein ebensolcher Irrweg gewesen, wie er oben beschrieben worden ist – mein eigener Irrweg, mit dem ich hart und schonungslos ins Gericht zu gehen hatte und darum bis heute auch gegangen bin und weiterhin gehe. Am Anfang einer solchen Praxis steht also nie der Gehorsam gegen Gott, sondern immer das eigene Begehren. Dabei muß ein solches Begehren noch nicht einmal allzu selbstsüchtig aussehen. Es reicht vollständig, daß es ein eigenes Begehren ist. Es geht dabei also weniger um den schlichten Gehorsam Gott gegenüber als vielmehr dem Erzielen eines Erfolges. Das ist eine überaus gefährliche Falle, die uns auf einen Weg führt, der dem der Skevasöhne nicht unähnlich ist.

    Eine solche Praxis, die durch das Befolgen von Prinzip und Methode zu Ergebnissen gelangen will, und sich durch solch elitäres Wissen von anderen abzugrenzen gedenkt, stimmt weder mit der Lehre des Alten, noch mit der des Neuen Testamentes überein; sie ist Zauberei (wie wir gesehen haben) und entspricht sehr stark dem Wesen der sogenannten „Weißen” Magie. Auch hier werden wir eines Tages das Resultat dafür vorfinden, daß Kinder Gottes, die in dieser Weise mit solchen Dingen umgehen, sich – wenn auch längerfristig – in der Niederlage und in gewaltigen Problemen wiederfinden werden, falls sie diese Verführung des Teufels nicht doch noch rechtzeitig als eine solche erkennen. Darum sollten sie von solchen Werken lassen, sich von ihnen durch das Blut Jesu reinigen, indem sie diese Sünde auch als eine solche bekennen und zu Gott umkehren – hinein in die persönliche Beziehung und Gemeinschaft mit und in die völlige Abhängigkeit von Ihm. Von Ihm abhängig zu sein, bedeutet immer den völligen Verzicht auf den eigenen Gebrauch von Macht. Denn ein Christentum, das in solche Dinge abgleitet, wie sie oben beschrieben worden sind, wird sich, ganz wie die Skevasöhne auch, alsbald vom Feind überwältigt vorfinden – als solche, die...

    ...nackt und verwundet und aus jenem Hause flohen.

Apg 19. 16

    Die vielen, die solchen Dingen entronnen sind, nicht ohne die entsprechenden Verwundungen an Geist und Seele erfahren zu haben, sprechen eine überaus deutliche Sprache, und nicht wenige von ihnen bevölkern heute die Psychiatrien. Sie sind die, von denen die Kolporteure der Glaubensbewegung lieber nicht reden. Und doch sind solche Ergebnisse nur folgerichtig, wenn wir Gottes Wort ernst nehmen und wirklich einmal lesen, was geschrieben steht, und uns nicht nur die Dinge heraussuchen, nach denen unsere Ohren jucken. Denn auch hier finden wir letztendlich wieder den Umgang mit Okkultem vor – mit in illustren Zirkeln oder Schulen, d. h. in vor anderen, „gewöhnlichen” Menschen verborgenen und in der Abschottung und Abhebung von ihnen erlernten Dingen, die Gott nicht angewiesen hat – als Form eines anderen Evangeliums, deren Verkünder sich unter dem Bann befinden (Ga 1. 8 - 9). Wir treffen hier also ebenso auf eine Form jenes Gebannten, von der schon vorhin die Rede war, mit dem wir keinen Umgang haben sollen, und das rigoros aus unserer Mitte zu entfernen ist (vgl. Jos 7. 10 - 13). Denn eine jegliche Praxis, die Gottes Wort uns nicht weistnicht: uns über ein solches Geschehen berichtet, sondern: uns für die Ausübung eines solchen Geschehens keinen Auftrag gibt ist nicht aus Gott kommend, sondern aus der Welt, und hat daher ihre Quellen in der Finsternis. Nicht umsonst schließt sich, unmittelbar nachdem die Skevasöhne von den Dämonen überwältigt worden waren, das folgende Geschehen an:

    Dieses wurde nun den Bewohnern von Ephesus bekannt, allen Juden wie auch Griechen, und Furcht befiel sie alle, aber der Name des Herrn Jesus wurde hoch erhoben. Auch kamen viele, die gläubig geworden waren, bekannten offen ihre Handlungen und taten sie kund. Eine beträchtliche Zahl von denen, die vorwitzig Zaubereisünden verübt hatten, brachten ihre Rollen zusammen und verbrannten sie vor aller Augen. Als man ihren Wert zusammenrechnete, fand es sich, daß er fünfzigtausend Silberstücke betrug. So gewaltig wuchs das Wort des Herrn und erwies sich als stark.

Apg 19. 17 - 20

    Hier nun geschah genau das, was vorhin angesprochen worden ist und was auch wir gerne möchten: Gottes Kinder trennen sich von Gebanntem. So trennten sich die an Jesus gläubig Gewordenen von Ephesus von den Schriftrollen, in denen die Anleitungen standen, wie und auf welche Weise dies oder jenes zu erwerben sei; sie trennten sich damit auch von jener Haltung, die davon ausgeht, durch Wissen zu Ergebnissen zu gelangen, und ordneten sich somit Gott Selbst unter, in dessen völlige Gnade und Abhängigkeit sie nun traten. Man erkannte und bekannte das zuvor Getane als Sünde; man brachte die Rollen, auf denen jenes Wissen verzeichnet war, und verbrannte sie vor aller Augen – zu jeglicher weiteren Nutzung für alle Zeiten unbrauchbar gemacht. Dies entspricht voll und ganz der biblischen Anweisung an das Volk Gottes, wie mit Gebanntem umzugehen sei  es war und ist vollständig zu vernichten, aus dem persönlichen Leben also zu verbannen. An etwas „den Bann zu vollstrecken, hatte bereits im Alten Testament bedeutet, davon nichts mehr übrig zu lassen (Jos 6. 17 - 18, 21). Dabei war es völlig gleichgültig, wie wertvoll diese Dinge in den eigenen Augen schienen, die aufzugeben waren. Schon bei Josua ging es um Gold und Silber, und auch den Ephesern erging es im Grunde nicht anders.

    Der auch zu damaliger Zeit bestehende gewaltige Wert der in Ephesus zusammengetragenen und verbrannten Schriftrollen spricht auf jeden Fall für sich; jene fünfzigtausend Silberstücke, die damals ermittelt worden sind und die auch Lukas für wert befand, schriftlich festgehalten zu werden (Apg 19. 19), dürften im Wert nach heutiger Rechnung gewiß einen Millionenbetrag überschreiten. Denn Lesen und Schreiben war eine seltene Kunst, die nicht vielen vorbehalten war. Schriftrollen waren ebenso rar und vor allem teuer, so daß sie als geradezu unbezahlbar galten, und ebenso verhielt es sich mit deren Schreibern, die sie in akribischer, mühsamer Fleißarbeit zu erstellen und handschriftlich immer wieder zu vervielfältigen hatten. So wichtig war es jedoch den Ephesern, aus diesen Dingen herauszukommen, daß sie darauf nun keine Rücksicht mehr nahmen. Im Zuge dieses Geschehens aber ...

    ...wuchs das Wort des Herrn mächtig und gewann die Oberhand.

Apg 19. 20, Schlachter

    Im Zuge der Abrechnung mit meinen eigenen Irrwegen in der Glaubensbewegung fand sich solches auch in meinem Leben, und ich leerte ganze Regale an Büchern, für die ich einst viel Geld verschwendet hatte, um damit die Abfallcontainer meiner Umgebung zu füttern. Und auch ich bemerkte, wie das Wort Gottes einen neuen und ganz anderen Raum in meinem Leben gewann – nicht nur anhand der Zunahme an anderen Büchern, die gute, biblische und theologische Kost enthielten, sondern auch anhand der neuen Freudigkeit, in und mit der Bibel zu arbeiten und das Wort reichlich in mir wohnen zu lassen, wie geschrieben steht (Kol 3. 15).

    Und genau dies ist und bleibt auch der einzige Weg, auf dem Gott Seinem Volk Sieg und Überwindung gibt über alle seine Feinde (Jos 7. 12 - 13) – nämlich für uns über die Mächte und Gewalten in der Himmelswelt (vgl. Eph 6. 10 - 18), jener Mächte also, die auch hinter dem gerade aktuellen Geschehen in der Welt stehen, und die nicht wollen, daß Jesus über sie herrsche (Lk 19. 14). Diese Aussage dürfte gerade in den heutigen sich immer deutlicher anbahnenden Auseinandersetzungen mit anderen Religionen, in die die Gemeinde hineinkommen wird und teilweise auch schon hineingekommen ist, wie etwa der des Islam, noch einigen Zündstoff in sich bergen. Dennoch aber ist sie ebenso wahr, wie sie zwingend notwendig ist. Denn wer umgeht mit Gebanntem, dem ist die Niederlage gewiß. Also, liebes Kind Gottes, trenne dich davon!

    Gegen Ende unseres Abschnittes über die diversen Zaubereien im Zusammenhang mit den Skevasöhnen wollen wir uns noch ein wenig mit Wortkunde befassen. Die von mir zumeist verwendete Konkordante Übersetzung bezeichnet die Dinge, mit denen man sich in Ephesus so sehr beschäftigt hatte, als Vorwitziges. Diese Übersetzung ist zwar nicht falsch, aber doch ein wenig ungenau. Hier ist es hilfreich, wenn wir das dem zugrunde liegende Wort periergos näher untersuchen. Das dazugehörige Verb periergazomai war schon weiter vorn kurz erklärt worden. Der Wortteil ergos bezeichnet eigentlich das Wirken (vgl. energeia, Energie) während die Vorsilben peri (um-) das Umgehen mit solchen Wirkungen beschreiben. Die zutreffende Übersetzung, die freilich in unserem Deutsch nicht vorkommt, lautet demnach umwirken oder umherwirken. Es ist in der Tat vom eigenen Umgehen mit Kräften und Wirkungen (Energien im Wortsinn) die Rede. Der Hinweis auf Zaubereisünde ist deshalb zwar nicht wörtlich, aber durchaus sachlich richtig. Denn es geht bei diesem bewußten Umgehen mit den vor anderen verborgenen Kräften und Wirkungen ohne Auftrag des Herrn tatsächlich um Okkultismus, um Magie. Mit einem solchen Handeln fällt man freilich aus der Gnade heraus; man verläßt den lebendigen Gott und die Beziehung mit Ihm – und damit auch das Licht Seiner Offenbarung – und sucht nun, da man blind geworden ist, durch eigenes Tun und das Anwenden von speziellen, den anderen verborgenen Methoden, selbst, in eigener Vorwegnahme („Vorwitz”) das zu tun, was nur Gott durch uns tun will. So ist man im paulinischen Sinne gebannt – als Preis, den man für das andere Evangelium zu zahlen hat – und ist am Ende nicht mehr in der Lage, geistlich zu sehen.

    Hier schließt sich der Kreis. Waren es in der Apostelgeschichte jüdische Beschwörer – die Söhne des Hohenpriesters Skeva als den abgesonderten Vertretern des Gesetzes – so sind es im Galaterbrief genau dieselben Einflüsse gesetzlicher Lehren eigenen Tuns, gegen deren Einflüsse Paulus zu Felde zieht. Hier wie dort geht es ja darum, daß man meint, durch eigenes Wirken – namentlich durch Erfüllen gesetzlicher Anweisungen und Befolgen einzelner Vorschriften und Prinzipien – an einen Segen und einen Erfolg, und damit letztlich an die göttliche Gerechtigkeit und an die im Gesetz vorgegebenen Maßstäbe heran zu gelangen. Zu sein wie Gott, „wissend” zu sein durch die Anwendung jener Frucht, die vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen stammte und die eine Verlockung für die physischen Augen war – das war schon seit jeher die Verführung der Schlange, die bereits im Paradies ihren Ausgang nahm und vor der Paulus auch die neutestamentliche Gemeinde, die er in derselben Gefahr sah, zu warnen nicht müde wurde (1Mo 3. 5, 2Kor 11. 3).

    Jenen, die den „hervorragenden Aposteln” so bereitwillig ihr Gehör geschenkt hatten und, statt bei der von Paulus verkündigten schlichten Wahrheit zu bleiben, diesen nun diesen nachliefen, denen wurde in der Tat ein anderer Jesus verkündigt, die erhielten einen anderen Geist, die empfingen ein andersartiges Evangelium (2Kor 3. 4). Ja, genau so kennzeichnet Paulus dies auch im Galaterbrief: als ein andersartiges, also völlig anderes Evangelium, und so sagt der Apostel denen, die es verkündigen, daß sie in den Bann getan seien – weg von dem wirklichen, echten, und damit weg von Gott. Und damit wollen wir uns im nächsten Kapitel auseinandersetzen.



Die Galater: gebannt, bezaubert, weggeführt

    Dabei haben wir nicht nur einen Begriff zu klären, der ein sehr komplexer und vielschichtiger ist. Es gilt auch die Wirkungsweise zu erkennen und offenzulegen, die hinter diesem Begriff steckt. Zunächst bestand das im Galaterbrief (1. 8 - 9) bezeugte anáthema ja in einem abgelegten Gelübde, das erfüllt werden sollte, und bei Nichterfüllung einen Bannfluch nach sich zog. Dies wurde nun, wie schon erwähnt, – zur Anzeige wie auch zur Anprangerung, sollte das Versprechen nicht erfüllt worden sein – in Schriftform, mit dem Namen dessen versehen, der das Gelübde geleistet hatte, an die äußere Tür des Tempels geheftet, hinaufgesetzt”; derjenige, den dies betraf, galt also, da sein Tun öffentlich, für alle lesbar und an erhobener Stelle angezeigt worden war, als anáthema”. Weiter vorn hatten wir uns bereits mit diesem Zusammenhang auseinandergesetzt. Der in Apg 23. 12 - 14 enthaltene Vorgang war etwa ein solches Banngelübde, das nach diesem Regelwerk ablief. Hier aber wird derjenige, der – nach Ga 1. 6 - 9 – mit dem Anspruch auftrat, das Evangelium des Christus zu verkünden, in Wirklichkeit aber dabei ein andersartiges neben dem echten vorlegte, da er seinen Anspruch nicht erfüllt, nach der eben beschriebenen Regel öffentlich angeprangert. Wer immer dies liest, der wird somit – ganz nach der Tradition des öffentlich herausgehängten Banngelübdes – deutlich gewarnt. [8] 

    Aber eben noch ein Zweites geschieht hier, das wir nicht übersehen dürfen: es wird ganz klar ausgesondert, es wird abgetrennt, und dies gewissermaßen „von höchster Stelle” aus. Denn das von einem solchen Vorgelegte war, ähnlich, schon wie das Gebannte des Alten Bundes, für den Gebrauch Gottes ebenso auszuschließen, wie derjenige selbst, der ein solches falsches Evangelium vorlegte und dessen Tun nun „anáthema”, „hinaufgesetzt”, also öffentlich angezeigt worden war. Bei Paulus ist der so Gebannte (mit dem Bann belegte) damit auch von dem eigentlichen, den Evangelium der Wahrheit, sozusagen weggebannt worden, und ist somit nicht mehr in der Lage, dessen Wahrheit zu erkennen. Und genau diese Aussage beleuchtet einen Hintergrund der hier beschriebenen Wirklichkeiten, der bis in die Welt des Okkulten, der Zauberei nämlich hineinreicht. Deshalb macht Paulus dies ja gerade öffentlich und „setzt es hinauf – damit das Okkulte, das dahinter stehende Verborgene nämlich, nicht verborgen bleibe und vielmehr entlarvt würde.

    Und so fragt Paulus die Galater dann auch an anderer Stelle, wer sie denn bezaubert hätte, „vor deren Augen Jesus Christus als Gekreuzigter gezeichnet wurde, und fährt anschließend damit fort:

    Nur dies eine will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist aus euren Gesetzeswerken erhalten oder beim Hören von Seinem Glauben? So unvernünftig seid ihr?

Ga 3. 1 - 3

    Damit sagt der Apostel klipp und klar, daß der, der aufgrund eines anderen Evangeliums in den Bann getan worden ist, und der dieses Evangelium nun anderen vorlegt, seine Zuhörer bezaubert. Die Vorlage eines Evangeliums, das uns nicht in die unverdiente Gnade, zu der wir nichts, aber auch gar nichts tun können, als sie nur zu erwidern, sondern in ein Lohndenken aufgrund unserer Schrifterfüllung (Gesetz) führt, ist also ein klarer Akt der Zauberei. (Bereits vorhin war ja schon vom Okkultismus die Rede.) Das für bezaubern” verwendete Wort, baskaino, hat eine ebenso vielschichtige Bedeutung wie unser anáthema. Es erschließt sich hier besonders in seinem Zusammenhang, den Paulus damit kennzeichnet, daß die Galater „unvernünftig” (anoêton, d. h. nicht mehr dem Verstand entsprechend, verständnislos) geworden sind, nachdem sie das Wort vom Kreuz verlassen und sich nun einer anders gearteten Verkündigung zugewandt haben (Vers 3). Hier hat demnach eine gravierende Veränderung stattgefunden; eine Veränderung, die im Denksinn ihren Anfang nahm; diese Veränderung aber wurde ausgelöst durch jenen sich stetig wiederholenden Vorgang, den Paulus mit dem Wort baskaino beschreibt. Wörtlich ist dies zunächst mit regieren durch Neues” zu übersetzen, einer Fügung, die von basiléo, regieren, und kainós, Neues, also abgeleitet und aus diesen zusammengesetzt worden ist. [9] Hier wird demnach eine Regentschaft dessen, was da verkündigt wurde, und damit zugleich ein Wechsel angezeigt: ein Wegführen durch jenes Neue, das die Galater so sehr fasziniert hatte – weg von der Gnade, dem Leben aus Glauben, hin zum Leben aus Gesetz, von der Wahrheit hin zur Lüge. Ein Anderer regierte sie nun, sie, die sich durch falsche Apostel dazu verleiten ließen, aufs Gesetz, auf das Befolgen von Regeln und Prinzipien zu vertrauen.

    Die Faszination solcher Dinge war auch für mich eine wesentlicher Beweggrund meines Entschlusses, mich der Glaubensbewegung anzuschließen, und Faszination ist eines besonderen ihrer Wesenszüge. Damit kommen wir zur Wirkungsweise des hier beschriebenen Vorganges. Unser Wort baskaino kennzeichnet, da der Hörende durch die fremde, neuartige und darum so faszinierende Rede anderer, falscher Apostel von der bisher gewohnten Wahrheit des Paulus regelrecht weggetragen wird, nicht nur einen Regierungs- bzw. Herrschaftswechsel, der hier in der Tat stattfindet, sondern wird zum einen auch für die Handlung, jemanden durch lautes Schreien zu behexen (beschreien), und zum anderen, ihn mit den Augen zu töten, verwendet. Diese Handlungen haben dann jene Wegführung zur Folge, die in dem Wort ausgedrückt wird. „Laßt euch nicht von mancherlei und fremden Lehren wegtragen, sagt dann etwa auch der Hebräerbrief, indem er sich auf Speisegebote, Lehren des Gesetzes also bezieht (Hbr 13. 8). Das Schreien, das in ein solches Wegtragen hineinmündet, bezieht sich nun auf die Kundgebung des andersartigen Evangeliums, das jene mit sich führten, die viel redegewandter als Paulus waren (vgl. 2Kor 10. 10), und die von den nichtsahnenden Gläubigen, die sich dazu verleiten ließen, auf „Fleisch”, aufs Äußerliche also zu sehen, nur allzu schnell aufgenommen worden sind (Ga 4. 12 - 18). Eben dasselbe Schreien finden wir wieder in dem Gebaren Satans, jenes Widerwirkers, von dem Petrus sagt, daß er umherwandelt...

    „...wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.” (1Ptr 5. 8)

    Und genau diesem sollen wir, fest im Glauben, widerstehen (Vers 9).

    Denn mit dieser, absolute Aufmerksamkeit heischenden Lautstärke haben wir es mit handfester Verführung zu tun. Dahinter steckt also eine ganz zielgerichtete Strategie. Dem, der so angeschrien wird, ist es nämlich kaum noch möglich, einen klaren Gedanken zu fassen, wenn diesem Schreien erst einmal Raum gegeben worden ist. Richtet es sich, da unser Verstand dadurch völlig überrumpelt wird, doch zuerst auf unser Gehör: wir werden völlig überfordert; denn es wird nicht nur eine Tür geöffnet, die wir vielleicht ohne diese Einwirkung hätten geschlossen halten können, sondern es wird regelrecht eine Bresche geschlagen, so daß unser Verstand wehrlos ist gegen das Wortgeschrei, das sich nun über uns ergießt. Daß diese Art der Verkündigung in keiner Weise mit dem Wesen unseres Gottes übereinstimmt, wird schnell deutlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß dieser Gott ein Gott der Stille ist; der aber, der umherläuft und es nötig hat, wie ein Löwe zu brüllen, ist der Teufel, wie wir oben gesehen haben. Er ist der Dieb und Wegelagerer, der nicht durch die Tür kommt; er ist der, der unerkannt in unser Leben einbrechen will, um...

    ...zu stehlen, zu schächten und umzubringen. (Jo 10. 1 - 10).

    Und worauf richtet sich dieser Einbruch, was ist das Ziel dieser ganz offensichtlichen Verletzung? Es richtet sich zuerst auf unser Gehör, denn es soll ja verhindert werden, daß wir auch weiterhin die Stimme Jesu, des Guten Hirten, hören! Hat unser Gehör aber erst einmal eine solche regelrechte Vergewaltigung erfahren, wie wir sie eben beschrieben haben, und ist unser Denken erst einmal verwirrt genug, dann wird auch unser innerer Blick weggezogen; der hier geführte Anschlag richtet sich also zuletzt immer auf die geistlichen Augen, deren Blickrichtung durch die eben erfolgte Einwirkung gewaltsam geändert worden ist. Hier haben wir dieselbe Taktik vorliegen, die auch durch weltliche Despoten aller Couleur und zu allen Zeiten angewandt worden ist, um standhaft gebliebene Kinder Gottes doch noch vom Glauben abzubringen und umzukehren. Der im Februar 2001 heimgegangene rumänische Pfarrer Richard Wurmbrandt, der unter dem Regime Nicolae Cheauseskus jahrzehntelang inhaftiert und furchtbar gefoltert worden war, schilderte aus seiner Haftzeit, daß man unter anderem auch Lautsprecher aufgestellt hatte, aus denen dann Tag und Nacht Sätze quollen wie: „Niemand glaubt jetzt mehr an Christus, niemand glaubt jetzt mehr an Christus, niemand glaubt jetzt mehr an Christus. Keiner geht mehr in die Kirche, keiner geht mehr in die Kirche, keiner geht mehr in die Kirche. Gib auf, gib auf, gib auf. Keiner glaubt jetzt mehr an Christus. Kommunismus ist gut, Kommunismus ist gut, und so weiter, und so weiter...

    Nicht wenige der Inhaftierten, die zuvor monatelang Hunger, Folter und Zermürbung überstanden hatten, so der Bruder, brachen damals innerlich zusammen, wurden regelrecht umgedreht und nun zu Propagandazwecken gegen ihre eigenen Kameraden mißbraucht. Viele wurden dabei auch ganz verrückt. Es braucht schon in besonderer Weise die Gnade, den Schutz und die Bewahrung Gottes, um von einer solchen Gehirnwäsche frei zu bleiben, zumal dann, wenn sie Tag und Nacht mit einiger Lautstärke vollzogen wird, die Menschen sehr geschwächt sind und ihre Nerven längst am Boden liegen. Bei denen, die freiwillig einer Verkündigung nachhängen, die nicht das Evangelium Gottes, sondern ein andersartiges Evangelium zum Inhalt haben, verhält sich dies jedoch ganz anders. Es sind zwar dieselben Kräfte, die hier wirken; [10] doch können solche Geschwister nicht erwarten, daß Gott sie bewahrt, da sie sich diesen ebenso lauthals wie langandauernd verkündigten Lehren doch aus freien Stücken ausgesetzt haben! Denn sie selbst sind es ja, die sich regelrecht dem geistlichen Tod ausgesetzt, sich Mächten übereignet und damit den Wirkungen derer überlassen haben, die vom Leben wegführen und demzufolge töten können – und genau dies wollen sie auch.

    Gehör und Augen  das sind die Dinge, gegen die sich die Anschläge des Feindes richten. Dies sind Dinge des Angesichts und damit der Beziehung und Verbindung zu Gott. So sind wir nun also auch an die andere Seite unseres eingangs erwähnten Begriffes baskaino angelangt, dem Töten mit den Augen. Jemanden mit den Augen zu töten, setzt einen Augenkontakt voraus. Der Blick, der durch das unablässig Gehörte aus seiner Ausrichtung gebracht und damit von der eigentlichen Bestimmung weggelenkt wurde, wird nun auf die Augen dessen fixiert, der töten will. Er sieht nun also etwas anderes als das, was er eigentlich sehen sollte. Hier hat demnach eine Trübung der Sehfähigkeit eingesetzt, die so lange fortschreitet, bis der Bezauberte schließlich völlig in den Bann einer solchen Verkündigung gezogen worden ist, und am Ende gar nichts mehr sieht von dem, was er einst sah oder sehen sollte. Dies ist der tiefere Grund dafür, weshalb so viele Gläubige sich mit dem Evangelium der Gnade so schwer tun, und sie irgendwann selbst einfachste Zusammenhänge nicht mehr verstehen können. Sie sind bezaubert, weil sie ein andersartiges Evangelium angenommen haben, und benötigen Befreiung von der Kraft der Lüge.

    Denn Zauberei ist immer verbunden mit der Einwirkung eines fremden, eines dämonischen Geistes. Und dieser andere Geist bewirkt, daß unsere geistlichen Augen verdunkelt werden.

    Wenn aber unser Evangelium auch verhüllt ist, so ist es in denen verhüllt, die umkommen, in welchen der Gott dieses Äons die Gedanken der Ungläubigen blendet, damit ihnen der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus nicht erstrahle, der das Abbild des unsichtbaren Gottes ist.

2Kor 4. 3 – 4

    Somit entlarvt sich das Annehmen des anderen Evangeliums sowohl als ein Begeben unter den Fluch des Gesetzes einerseits, als auch als ein Einswerden mit einem anderen, einem dämonischen Geist andererseits. Und die bei dem Ganzen durchaus enthaltene okkulte Komponente besteht darin, das all dies – wie das Wort ja schon sagt, und wir auch weiter vorn bereits gesehen haben – dem Arglosen verborgen (okkult) bleibt.


Das Fenster des Eutychus

    Geistlich gesehen kann das Phänomen eines solchen Bezauberns durchaus mit Hypnose verglichen werden. Wer in diese Augen blickt, dessen Leben wird ausgeschaltet, und er wird willfähriges Werkzeug dessen, der ihn hypnotisiert. (In der Tat erinnern viele der Praktiken der Glaubensbewegung an Hypnosetechniken und sind es auch.) Der so Hypnotisierte ist vor allem nicht mehr Herr seiner selbst; was mit ihm geschieht, ist ihm vielfach unbewußt; ein anderer lenkt und steuert ihn nun, ohne daß er selbst noch Einfluß darauf nehmen könnte. Es gibt ja im Griechischen den Ausdruck hypnos für unnatürlichen, tiefen, durchaus auch von geistlichen Mächten ausgelösten Schlaf, im Unterschied für das sonst hierfür verwendete Wort liegend schlafen oder auch entschlafen (koimao). Hypnos – das war auch der Name jener heidnischen Gottheit, die in der griechischen Antike als der Gott des Schlafes bekannt war. Wir finden nun dasselbe Wort wieder in dem Bericht über den Eutychus, der während einer bis über Mitternacht hinaus gehenden Versammlung – man war zunächst zusammengekommen, um Brot zu brechen, also das Mahl des Herrn zu feiern – nicht mehr auf das Wort achtete, das Paulus den Versammelten unterbreitete, sondern sich nach außen hin ans Fenster gesetzt hatte und so durch die Außenwelt vom Wort abgelenkt worden war (Apg 20. 7 – 10).

    Daß dieser Eutychus nun nicht etwa deshalb so ermüdet war, weil das Wort des Paulus so überaus lange anhielt, wie in der traditionellen Auslegung bis in diverse Übersetzungen hinein vielfach unterstellt wird, erkennen wir allein schon daran, daß nichts davon berichtet wird, daß dieselbe Ermüdung auch nur irgend einen anderen der dort Versammelten berührt habe. Wir lesen auch nichts davon, daß auch andere am Fenster gesessen hätten, dort, wo Eutychus war. Es ist schon etwas Besonderes, Anderes an dem gewesen, von dem dieser Abschnitt der Apostelgeschichte so herausgehoben berichtet, was diesen von den übrigen Versammelten unterschied: Während jene nämlich, die im Raum saßen, den Ausführungen des Paulus konzentriert zuhörten, saß jener an einer Öffnung, die den Blick nach außen führte. Er war noch jung, unreif, ein Knabe (Apg 20. 12); und so ließ er sich ablenken – und blieb es, bis er fiel.

    Wir wollen einmal das hier verwendete Wort für sitzen, kathezomai, betrachten. Es zeigt, da es wörtlich mit herabsein zu übersetzen ist, nämlich weniger eine zufällig ausgeführte Tat, als vielmehr eine feststehende Gewohnheit an. Wer hier sitzt, der sitzt immer hier, der hat hier gewissermaßen „seine Zelte aufgeschlagen. Irgendwo zu sitzen hatte im Orient schon immer eine besondere, dem Sinn des Flüchtigen entgegenstehende Bedeutung, den es etwa im Abendland angenommen hat. Auch die meisten anderen Vorkommen des Wortes werden in demselben Sinn verwendet. Hier wird also eine seit längerem bestehende Grundhaltung angezeigt: Eutychus pflegte regelmäßig, und das nicht nur in jenem Gebäude, im übertragenen Sinne noch „am Fenster” zu sitzen, am Fenster dieser Welt, während andere aufs Wort achteten. Er war also nicht wirklich „mit Ernst dabei”. Und nicht nur dies: die hier Versammelten saßen unter dem Licht zahlreicher Fackeln, die in dem Obergemach brannten, wie berichtet wird; jener aber saß an dem Fenster, das den Blick in die Dunkelheit der fortschreitenden Nacht, in die Finsternis also eröffnete.

    Es ist ein tatsächliches Geschehen, womit wir es hier zu tun haben; und doch ist dieses Geschehen voller Bilder, die der Heilige Geist uns hier mitteilt. Die Außenwelt, die Öffnung zur immer dunkler werdenden Nacht, der zugewandt jener Eutychus saß, spricht sie nicht auch von dem Betonen von Erfahrungen unser physischen Sinne, von Sichtbarem – es war ja ein Fenster, an dem der junge Mann sich befand – von Spürbarem, von äußerlich Faßbarem, wenngleich es aufgrund der fortschreitenden Dunkelheit immer schwieriger werden würde, diese zu erkennen? Denn Sehen auf das Sichtbare, das ist dem geradezu ein Muß, dessen Leben in dem Irdischen gegründet ist. Das aber, „was erblickt wird, ist kurz befristet, wie Paulus lehrte, während allein das Unsichtbare Bestand hat (2Kor 4. 18). Denn Gottes Wort macht, ganz unabhängig von der Eigenart und Vielfalt all seiner Schreiber, in gerader Linie unmißverständlich klar, daß... 

    ...alles in der Welt, die Begierde des Fleisches, die Hoffahrt der Lebensweise und die Begierde der Augen nicht vom Vater, sondern von der Welt ist. Und die Welt mit ihrer Begierde geht vorüber. 

1Jo 2. 16 - 17

    Jenes Sitzen am Fenster, erhöht und abseits von den Übrigen, spricht ganz gewiß auch von Überhebung oder, wie Johannes es ausdrückt, von der Hoffahrt der Lebensweise. Stolz, im Griechischen hyper-êphania (wörtlich Über-Erscheinung) genannt, und hypnos gehören schon von der Wortwurzel hyp her zusammen - eine Wortwurzel, die sich bis in das lateinische Wort hybris hinein erhalten hat - und zeigen in die gleiche Richtung, bringen dieselbe Frucht hervor. Jenes hyp oder auch das daraus abgeleitete hyper, das vom Überheben oder auch vom Überragend Sein spricht, zeugt darin gleichermaßen auch vom Herunterkommen, vom Fall. Denn...

    ...vor dem Zusammenbruch wird man stolz, und Hochmut kommt vor dem Fall,

    wußte schon Salomo zu sagen, der noch unter dem Alten Bund lebte, und weiter:

    Besser, demütig sein mit dem Geringen, als Beute teilen mit dem Stolzen. Wer auf das Wort achtet, findet Glück; und wohl dem, der auf den Herrn vertraut!

Spr 16. 18 - 20, Schlachter

    Wir finden in diesem Wort eigentlich zweierlei Art von Gemeinschaft vor, nämlich zuerst die Gemeinschaft mit dem Geringen, die mit ihm zusammen auf das Wort achtet, und dann auch die Gemeinschaft mit dem Stolzen, die auf Beute, also auf Gewinn, eigentlich auf Raub aus ist, wie das Wort Beute ja implementiert. Beute ist immer das Ergebnis eines Raubes; wer raubt, der will Beute erlangen, die er auf andere Weise nicht erlangen würde. Und so tut er, da ihn sein Begehren antreibt, Gewalt, und sei es auch nur in gedanklicher oder in mit Worten ausgedrückter Form; der, der raubt, reißt als Beute das an sich, was in seinen Augen zwar begehrenswert erschien, was er auf andere Art aber nicht erlangen kann und was ihm daher nicht zusteht. Erinnern wir uns doch dessen, was der Herr in vielfältiger Weise gebot:

    „Nicht begehren sollst du!” (vgl. 2Mo 19. 17).

Denn Begehren hat immer etwas mit unseren Augen zu tun, mit dem, was man sieht. Mit dem Hinweis auf die Frucht, die den Augen begehrenswert erschien, begann die Verführung des Menschen durch die Schlange – weg von dem Wort, mit dem Gott ihn zuvor unterwiesen hatte. Sollte Gott gesagt haben?” das war seit jeher ihre Stimme, die nun dem Menschen einredete, daß durch das Einnehmen einer besonderen Frucht, durch Methode also, doch noch etwas zu erlangen sei, was Gott zuvor eindeutig ausgeschlossen hatte (1Mo 3. 1 – 6). Von Gott zur Rede gestellt, war die Antwort der Betrogenen:

    „Die Schlange bewahnte mich, so daß ich aß.” (1Mo 3. 13) 

    Wiedergegeben nach: Die Geschriebene des Alten Bundes, Übersetzung nach F. H. Baader, Schömberg 1998.

    Bereits hier wird der Mensch also in eine Traumvorstellung gesetzt, in einen Wahn, Gott gleich sein zu können durch das Essen einer Frucht, die vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen stammte und den Augen begehrenswert erschien, die ihn also in das Sichtbare hinein führte. [11] Demut aber, was dem Sinn nach bedeutet, sich für niedrig zu halten, führt in das Unsichtbare; sie lenkt uns immer zum unsichtbaren Gott hin. Denn sie ist es, die immer mit der Haltung zusammengeht, auf das Wort zu achten – und führt damit in die Gemeinschaft all derer, die in gleicher Weise gesonnen sind, nämlich mit dem Geringen.

    Demütig zu sein mit dem Geringen, mit ihm gemeinsam auf das Wort zu achten, das war die Verhaltensweise, die zu allen Zeiten der des Beutemachens – der Befriedigung der Begierde der Augen, nach dem, was man sieht also – vorzuziehen war. Denn auch das Beute Machen verbindet – allerdings mit dem Stolzen, um so mit ihm dessen Schicksal, nämlich dessen Fall mit erleiden zu müssen. Eutychus nun saß für sich allein - und sah, während die Anderen miteinander hörten. Und so ging es auch am Fenster des Eutychus nicht mehr um das Wort vom unsichtbaren Gott, das er, der doch abseits von den um Paulus Versammelten saß, im Hintergrund hörte; es ging nicht mehr um die Erleuchtung und Offenbarung durch das Licht der himmlischen Welt, wie jene Fackeln anzeigten, die die Zuhörer im Innern des Raums erhellt hatten, sondern um die Eindrücke der visuellen, der sinnlichen, der begreifbaren Außenwelt, wenn diese auch immer dunkler wurde – um das also, was der Begierde der Augen diente, um das, „was man sieht”. Jene, die sich um Paulus geschart hatten, waren nach innen gerichtet und schauten ins Licht, das Licht der Offenbarung des Wortes; Eutychus aber war nach außen gerichtet und sah in die Dunkelheit. Und je mehr die Dunkelheit der Nacht zunahm, desto angestrengter mußte er hinsehen und desto weniger sah er, bis er schließlich so ermüdet war, daß er in jenem Gebäude seinen Halt verlor.

    Nein, nicht die Mitte der unter dem Wort Versammelten war es ja, in die hinein sich Eutychus gesetzt hatte, nahe bei dem das Wort unterbreitenden Paulus etwa; nein, er hatte einen Platz am Rande, nahe an jenem Fenster gewählt, das ihm den Ausblick zur sichtbaren, äußeren Welt auch weiterhin ermöglichen würde, wie er, ein sicherlich gelangweilter und noch verspielter Knabe, vielleicht gehofft hatte. All dies war für sein Alter und die damit verbundene Unreife ja auch nur allzu verständlich, und in einer gewissen Weise, ob uns das nun paßt oder nicht, völlig normal. So geht es auch hier also nicht darum, über ihn etwa einen „Stab zu brechen”, was völlig ungerechtfertigt wäre, sondern allein darum, die Zusammenhänge aufzuzeigen, die zu seinem Fall geführt hatten. So war er, während er Paulus reden hörte, also ganz gewiß zweigeteilt; sein Herz war nicht allein dem Herrn und der Gemeinschaft unter Seinem Wort zugewandt, sondern auch der Außenwelt, aus der er einst gekommen war, bevor er mit den Anderen dieses Gebäude betreten hatte. Doch auch ihm war es nicht möglich, zwei Herren zugleich zu dienen (vgl. Mt 6. 24). Und so, von vornherein nicht voll bei der Sache, von dem dargebrachten Wort abgelenkt, unaufmerksam gemacht, ermüdet und schließlich ganz weggezogen von dem Äußeren, wurde er um Mitternacht von tiefem Schlaf – hypnos – überwältigt, und fiel daraufhin drei Stockwerke tief herunter (Apg 20. 9).

    Jemanden überwältigen kann nur eine andere Person; eine Macht, wenn es ihr gelingt, über diesen zu kommen und ihn niederzuringen. Die Konkordante Übersetzung spricht in ihrer Worterklärung von einem Übermanntwerden (Konkordantes Neues Testament, 5. Auflage 1980, Stichwortkonkordanz, Seite 598, Stichwort übermannen, und Seite 599, Stichwort überwältigen). Der griechische Text gebraucht hier allerdings die Fügung kataphéroo, die dem Wortsinn nach zwingend mit herabbringen oder auch herabtragen zu übersetzen ist. Hier wird also mit der Vorsilbe kata ein Herab verdeutlicht, das in der Verbindung mit dem Verb phéroo zudem eine aktive Handlung anzeigt. Freilich hatte hier ein Anderer das Heft des Handelns an sich gerissen; Eutychus war schließlich nicht mehr Herr seiner Sinne; etwas von außen geschah mit ihm – ein Anderer hatte ihn in der Gewalt, und so unterlag er. Hier hatte Eutychus jemandem Raum gegeben, der stärker war als er, einem geistlichen Einfluß, der hypnos genannt wird und der auf die Einwirkung einer fremden Macht hinweist, wie wir bereits weiter oben erörtert haben. Und so führte sein Abgelenktsein zur hypnoseartigen Übermüdung, und diese wiederum führte zu einem tiefen Fall „aus der Höhe”, die mit dem Tode endete, wonach Paulus sich jedoch über ihn warf und ihn umfing, damit seine Seele wieder zurückkehre (Vers 10). Wie gut ist es doch, solche Brüder zu haben, die in der Lage sind, uns aufzuheben und geistlich zu umfangen, nachdem wir selbst einen Fehltritt getan haben!

    Der aufmerksame Bibelleser wird anhand der drei Etagen, von denen Eutychus fiel, schnell an jene drei Himmel erinnert, von denen Paulus später sprach (2Kor 12. 1 – 5). Es ist ja nicht die irdische, sondern die himmlische Welt, in die hinein die Gemeinde berufen worden ist (Ga 4. 26, Eph 1. 3 – 23, Hbr 12. 22 – 24). Hier laufen viele Linien der Heiligen Schrift zusammen, ist demnach in der Tat, wie auch die baldige Auferweckung des durch seinen Fall um Mitternacht zu Tode Gekommenen sowie seine Mitnahme nach Anbruch des neuen Tages durch die Jünger anzeigt (Apg 20. 11 – 12), ein prophetisches Geschehen verborgen, das vor allem in diesen letzten Tagen seine Auswirkungen entfaltet. Denn die Welt wird immer dunkler um uns herum, Mitternacht ist nicht mehr weit, und schon viele der nur allzu weltlich Gesinnten schlafen einen Schlaf, der in den Tod führt, in den baldigen Absturz aus der Höhe. Aber je mehr die uns umgebenden, immer bedrohlicher werdenden Umstände voranschreiten: es naht eben auch der Tag Seines Kommens, der das Licht mit sich bringt für all jene, die sich doch noch rechtzeitig erwecken lassen, für all jene, die den Ruf doch noch hören, der den Kommenden ankündigt: Geht aus, Ihm entgegen! (Mt 25. 7). Und so hat alles, aber auch alles, was uns hier überliefert wird, seine unverzichtbare Bedeutung, aber auch all das, was – im Kontext dieses Wortes – um uns herum geschieht. „Erinnere dich nun, woher du gefallen bist, sinne um und tue die ersten Werke, sagt der auferstandene Christus in dem ersten Seiner Sendschreiben (Off 2. 5). So ist in unserem Bericht vom gefallenen Eutychus – übersetzt: wohl-zugetroffen – also nicht nur ein reichlicher Trost, sondern vor allem eine ernste Warnung enthalten. Denn dies alles stellt ja nicht nur eine schöne Geschichte dar, die uns ein wenig unterhalten soll; hier begegnen uns sehr viel tiefere Inhalte, die uns auch einmal zum Nachdenken bewegen sollten.

    Die Schrift spricht sehr deutlich über die Auswirkungen solchen Schlafes, der naturgemäß in geistliche Ermüdung, ja Trunkenheit („schlaftrunken”) mündet, wie das Wort hypnos anzeigt. Wir haben im Griechischen Neuen Testament allerdings noch ein anderes Wort vorliegen, das für einen solchen Schlafzustand gebraucht wird, nämlich das Wort katheudo, das wörtlich, wie die Vorsilbe kat- anzeigt, mit herab-schlummern zu übersetzen ist. Auch mit dem Wort katheudo ist ein gewisser Rauschzustand sowie eine zunehmende Unklarheit der Gedanken verbunden. Denn dort, wo man schlummert, geht unser Denken bestenfalls nur noch wie durch einen Nebel, da „fallen unsere Augen zu”, sind wir nicht mehr ganz „bei uns selbst”, wie der Volksmund sagt. Derselbe Schlaf und die mit ihm verbundenen Rauschzustände aber sprechen, wie auch das oben verwendete hypnos vom Wandel in der Finsternis, vom Aufenthalt im Bereich der Nacht [12] – und, da man in der Nacht nicht zu stehen, sondern zu liegen pflegt, auch von dem vorhin beschriebenen Fall herab aus der Himmelswelt, wie er mit dem Fall jenes Eutychus, von dem die Apostelgeschichte berichtet, dargestellt worden war.

    Paulus verwendet nun das Wort katheudo, herabschlummern, und sagt, indem er die einzige Erwartung beschreibt, die die Christenheit haben soll, nämlich die des Kommens des Tages des Herrn, ihres Entgegen-Gerücktwerdens zu Ihm hin und ihrer Vereinigung mit Ihm:

    „Wir aber gehören weder der Nacht noch der Finsternis an. Demnach sollten wir nicht schlummern wie die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein! Denn die Schlummernden schlummern des Nachts, und die sich berauschen, sind des Nachts berauscht.”

1Thes 5. 5 – 7; vgl. Kap. 4. 13 – 5. 4

    Demnach ist es nüchtern, zu wachen; es ist nüchtern, den Herrn zu erwarten, den Herrn allein. Wer aber nicht in dieser Weise wacht, der ist nach diesem Wort nicht nüchtern, sondern berauscht. Und so lebt er in einer Schein- und Traumwelt; seine Wege sind vom Verlust geistlicher Realität und damit von Erkenntnislosigkeit geprägt, mit welchem pseudo-geistlichen Ersatz falscher und trügerischer Hoffnungen er sich auch immer berauschen mag. Denn wer von der hier angezeigten, alleinigen Erwartung abweicht, indem seine Augen auf Anderes als auf diese gerichtet sind, der zeigt damit deutlich an, daß er schläft und sich also in der Nacht befindet. Und diese Sichtweise der Bibel ist durchweg einheitlich, wie wir etwa auch in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen erkennen, welche eingeschlafen waren, als es darum ging, auf den himmlischen Bräutigam zu warten, der um Mitternacht kommen sollte (vgl. Mt 25. 1 – 13). Schläfst und träumst auch Du von Dingen, die es nicht zu träumen gilt? Dann ist es an der Zeit, aufzuwachen, um Ihm entgegenzugehen!



Vom Wein benebelt? Ich kann nicht lesen!

    Erinnern wir uns: Mitternacht war es auch, als jener Eutychus fiel, von dem weiter oben die Rede war (Apg 20. 7 – 9). So ermahnt uns, die wir doch am Tage wandeln sollen, auch der Apostel Petrus in gleicher Weise, indem er seine Leser nicht etwa auf den vermeintlichen Wohlstand dieser Welt, dessen Erwerb wir angeblich anstreben sollen, wie etliche lehren, sondern – im völligen Gegensatz dazu – auf die Leiden des Christen in derselben Welt hinweist, die der zu erwartenden Herrlichkeit in Christus vorausgehen werden, ja müssen, da gerade diese Leiden uns nämlich für jene Herrlichkeit „zubereiten, festigen, stählen und gründen” sollen:

    Seid nüchtern! Wachet; denn euer Gerichtsgegner, der Widerwirker, wandelt wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben, wissend, daß sich dieselben Leiden bei euren Brüdern in der ganzen Welt vollenden.

1Ptr 5. 8 - 10

    „Seid nüchtern! Wachet!” Dieser Aufruf, verbunden mit der zu erwartenden himmlischen Herrlichkeit fehlt auch hier nicht. Denn nicht Wohlstand nach weltlichen Maßstäben, nicht die irdische Herrlichkeit, sondern Leiden sind uns in dieser Welt verheißen. Genau wie die ersten Christen werden auch wir ermahnt...

    ...im Glauben zu bleiben, weil wir durch viele Drangsale in das Reich der Himmel eingehen müssen.

Apg 14. 22

    Und wer diese übersieht, weil er nicht mehr in der Erwartung des wiederkommenden Herrn, sondern in der irdischer Güter und auf diese Welt bezogener Hoffnungen lebt – wer nach diesem Wort also den Glauben verläßt, der ist nicht nur unnüchtern, da er sich mit Anderem berauscht, sondern der schläft fürwahr einen Schlaf, der ihn in den geistlichen Tod hineinführt.

    Und so ist die erste und maßgeblichste Folge der oben beschriebenen Ermüdung, die doch so sehr mit dem Sitzen am ‚Fenster’ dieser Welt, mit dem Schauen der irdischen Dinge einher ging, die, daß die Sinne vernebelt werden, die Erkenntnis verdunkelt wird. Solchen Geschwistern fällt es zuerst nur schwer, Schriftzusammenhänge zu begreifen. In fortgeschrittenem Stadium aber ist es ihnen dann nicht mehr möglich, überhaupt noch einen Zugang zum geschriebenen Wort Gottes zu finden. Schwärmerei, Menschenlehren und andere Einflüsse sind an die Stelle des Wortes getreten – deutliche Anzeichen geistlicher Trunkenheit und damit auch Anzeichen gefährlichen, geistlichen Schlafes.

    Das ist nicht nur biblische Erkenntnis; ich selbst habe dies auch genau so erlebt. Und das, liebe Geschwister, ist bereits Gericht. – Bevor wir mit unserer Abhandlung fortfahren, lassen wir, da dieser Abschnitt sich dem Ende nähert, den Propheten Jesaja zu Wort kommen. Ja, auch Jesaja hat uns hierzu etwas zu sagen. Denn das hier beschriebene Phänomen geistlicher Berauschung, ja von regelrechter Trance, von damit verbundener Benebelung und Umnachtung gab es auch schon zu seiner Zeit. Es ist nicht nötig, dies weiter zu kommentieren – seine Worte, die er damals an die Israeliten seiner Zeit zu richten hatte, die er als „Trunkenbolde Ephraims” bezeichnete, sprechen für sich. Der Leser sollte diese Worte betend in sich aufnehmen – verbunden mit der Bereitschaft, von dem in diesem Kapitel beschriebenen „anderen Evangelium” abzulassen, sich vor Gott zu demütigen und umzukehren. Der eine oder andere wird in der „Trunkenheit”, um die es hier geht, sicherlich so manches Erlebte wiederfinden. Denn in so manche Unreinheit und Verirrung ist der schon hineingeraten, der in diese Dinge verquickt war – oder es noch ist. Wir werden also erkennen, wie dramatisch aktuell die hier besprochenen Vorgänge wirklich sind:

... diese taumeln vom Wein und schwanken von starkem Getränk,

Priester und Prophet sind von starkem Getränk berauscht, vom Wein benebelt,

verleitet durch berauschende Getränke;

sie sehen nicht mehr klar, urteilen unsicher.

Ja, alle Tische sind besudelt mit unflätigem Gespei,

so daß kein Platz mehr ist.

Wem soll man Erkenntnis beibringen, wem die Botschaft erläutern?

Denen, die von der Milch entwöhnt, von den Brüsten abgesetzt sind?


Weil sie sagen:

„Vorschrift auf Vorschrift, Satzung auf Satzung, hier ein wenig, da ein wenig,

so wird auch er zu diesem Volk mit stammelnden Lippen und in fremder Sprache reden,

er, der zu ihnen gesagt hatte:

„Das ist die Ruhe! Erquicket die Müden! Und das ist die Erholung”,

aber sie haben es nicht hören wollen.

Und so soll auch ihnen das Wort des HERRN werden:

„Vorschrift auf Vorschrift, Satzung auf Satzung, hier ein wenig, da ein wenig” -

damit sie hingehen, rücklings fallen, zerbrochen, verstrickt und gefangen werden ...


Und so kommt Jesaja zu dem Schluß:


Stutzet und staunet, lasset euch verblenden und erblindet!

Sie sind trunken, aber nicht vom Wein;

sie schwanken, aber nicht von starkem Getränk,

sondern weil der Herr über euch

einen Geist tiefen Schlafes (wörtlich: Betäubung) ausgegossen

und eure Augen, die Propheten, verschlossen,

und eure Häupter, die Seher, verhüllt hat.

Darum ist alle Offenbarung für euch geworden

wie die Worte eines versiegelten Buches.

Wenn man dieses einem gibt, der lesen kann,

und zu ihm sagt: Lies das!

so antwortet er: Ich kann nicht, weil es versiegelt ist!

Wenn man aber das Buch einem gibt, der nicht lesen kann,

und zu ihm sagt: Lies das!

so spricht er: Ich kann nicht lesen!

Weiter spricht der Herr:

Weil sich dieses Volk mit seinem Munde mir naht

und mich mit seinen Lippen ehrt, während doch ihr Herz ferne von mir ist

und ihre Furcht vor mir nur angelernte Menschensatzung;

siehe, so will auch ich forthin mit diesem Volk wunderlich,

ja sehr wunderlich und seltsam umgehen;

die Weisheit ihrer Weisen soll sich verirren

und der Verstand ihrer Verständigen nicht zu finden sein.

(Jes 28. 7 – 13 und 29. 9 – 14, Schlachter)

*


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Anmerkungen und Erläuterungen zum ersten Teil.

[1] Das hier verwendete Wort ist telos; es bedeutet Vollendung, Abschluß, Aufhören; Zoll als Abschluß der Unterwerfung eines Volkes (vgl. Mt 17. 25); endgültig, auch Zielsetzung, Endziel; wörtlich: bis Vollendung. – Hilfreich bei dieser Erklärung ist es, wenn wir uns ein gefülltes, d. h. also ein buchstäblich in seiner Er-füllung zum Abschluß gekommenes Gefäß vergegenwärtigen: Ein Gefäß, das voll gefüllt ist, ist ganz voll; man kann seinem Inhalt nichts mehr hinzufügen!

[2] Das ist die bereits dort erwähnte Machpela-Höhle im heutigen Hebron, zu der Juden und Moslems separate Zugänge haben.

[3] Diesen Weg zur Apathie als Weg des (geistlichen) Todes haben wir bereits vor geraumer Zeit in der Studienfolge „Von Angesicht zu Angesicht – Verlust und Wiederherstellung der Unmittelbarkeit im fünften Kapitel „Gott hat Wege aus dem Tod” ausführlicher darzulegen versucht. Daß hier tatsächlich geistliche Prozesse ablaufen, die sich  für unser geistliches Leben als tödlich erweisen, kann ich sowohl aus biblischer Sicht als auch aus Erfahrung nur bezeugen. Aber ich kann eben auch sagen, daß Gott Wege aus dem Tode hat –  wobei zu sagen ist, daß es tatsächlich Wege sind, die es dann zurückzulegen und damit selbst auch zu gehen gilt.

[4] Die Auseinandersetzung mit diesen „Wölfen im Schafspelz” freilich offenbart, wer sie wirklich sind. Wie beweisen wir nun, daß da ein Wolf im Lammfell steckt? Ganz einfach: Man nehme ihnen das Lammfell, indem man ihnen nachweist, daß sie es zu Unrecht tragen. Wer auch immer ihnen zu widersprechen wagt, der wird nämlich schnell das Gebrüll (und manchmal auch die Zähne) des Wolfes erfahren, der da im Schafspelz steckt. Sie werden sehr schnell die Hüllen fahren lassen! So wird verschrien, verleumdet und verlästert, wer die Wahrheit sagt. Auch das Ziehen vor weltliche Gerichte ist wieder sehr modern geworden. Bei dem aber, in dem Gottes Lamm regiert, offenbart sich auch im Widerspruch immer die Lammesnatur. Ein solcher wird sich eher in die Verborgenheit zurückziehen, als sich in lauten Zankereien, Lügen und Intrigen zu ergeben. Über Jesus ist gesagt: „Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen” (Jes 42. 2, s. a. Mt 12. 19). Und: „Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut” (Jes 53. 7). Bei Ihm ist dort, wo Lamm „draufsteht”, immer auch „Lamm drin”

[5] Diese Verheißung gilt, da sie an das Land gebunden ist, freilich noch immer für das heutige Eretz Israel, das, in Erfüllung der Verheißungen Gottes, im Jahre 1948 wiedererstanden ist, und damit für all die Menschen, die in ihm wohnen und nun wieder aus diesem Land leben. Hier gilt die Ordnung Gottes, die Er für das Land Israel bestimmt hat; wir aber, die wir nicht Teilhaber dieses Landes, wohl aber des Himmels sind, wurden in eine andere, nämlich in die Ordnung des Königreichs der Himmel berufen! Man sollte daher die verschiedenen Aussagen der Heiligen Schrift bezüglich der verschiedenen Ordnungen Gottes nicht durcheinandermischen, wie dies leider immer wieder geschieht. Man lese hierzu die Erörterungen besonders im dritten Teil dieser Abhandlung.

[6] Das hier verwendete Wort Schwachheit” ist dasselbe, das in dem von Matthäus zitierten Jesaja-Wort gebraucht wird, nach dem Christus unsere Gebrechen auf Sich genommen hat (Mt 8. 7), nämlich astheneia (vgl. „Astheniker, Gebrechlicher), das im eigentlichen Sinne weniger eine Krankheit an sich, sondern vielmehr den durch Einwirkung von Krankheit (so in Lk 5. 15, 8. 12, Jo 5. 5, Apg 28. 9 usw., aber auch in 1Tim 5. 23, 2Tim 4. 20) oder sonstigen Unvermögens (vgl. Rö 6. 19 u. a..) hervorgerufenen Schwächezustand in bezug auf das Fleisch beschreibt, also durchaus, je nach Zusammenhang, auch mit Gebrechlichkeit oder Hinfälligkeit übersetzt werden kann. Das Wort kommt, gemeinsam mit dem zugehörigen Adjektiv schwach oder hinfällig (asthenes) bzw. dem Verbum schwach oder hinfällig sein (astheneo) im NT sehr häufig vor. Es ergibt sich also, daß die Lehre der Glaubensbewegung, daß Gott ausschließlich jenseits von Krankheit führe, einem gefährlichen Irrtum erlegen ist.

[7] Das Konkordante NT merkt hierzu an: Splitter, skolops. Die Septuaginta gebraucht dies Wort für einen Dorn oder Teil einer Hecke, das klassische Griechisch für spitze Zaunpfähle. Bildlich was im Fleische schwärt wie ein Fremdkörper” (Konkordantes Neues Testament, 5. Auflage 1980, Stichwortkonkordanz, Seite 578, Stichwort „Splitter. Die rev. Elberfelder (1985) verwendet ebenfalls völlig korrekt den Begriff „Dorn”. Luther übersetzte das Wort zwar nicht wörtlich, aber durchaus sinnvoll mit Pfahl”. Der Begriff erinnert also durchaus an das Kreuz (den eigentlichen „Pfahl, grie. stauros), vielmehr aber noch sowohl an die Dornenkrone unseres Herrn als auch an jenen Dornbusch, aus dem Gott einst zu Mose gesprochen hatte, Dinge also, die (neutestamentlich gedeutet) alle etwas mit der Kreuzeserfahrung zu tun haben. Das Reden Gottes zu den Seinen auf dieser Erde ist also mit der Erfahrung des Dornbusches, spitzer Stacheln und Widrigkeiten also, untrennbar und eng verbunden. Dies wird um so deutlicher, wie wir erkennen, daß Gottes Gegenwart, die sich im Feuer zeigte, den Dornbusch nicht verzehrt hatte. Gott ändert Sich nicht: Er ruft auch heute noch, bildlich gesprochen, mitten aus dem Dornbusch heraus: Seine Stimme, Seine Führung und Seine Gegenwart in unserem Leben sind, solange wir auf dieser Erde sind, ohne Dornen nicht zu haben (vgl. 2Mo 3. 2, siehe 1Mo 3. 17 - 18).

[8] Die sog. „Bannbullen” der mittelalterlichen Päpste etwa liefen, wenn gewiß auch nicht immer berechtigt, im wesentlichen nach einem ganz ähnlichen Schema ab.

[9] Kittel schreibt zur Bedeutung des Wortes kainós: „Von den beiden seit der klassischen Zeit gebräuchlichsten Adjektiven für neu, néos und kainós, bezeichnet néos eigentlich das, was noch nicht da war, was erst vor kurzem entstanden war oder in die Erscheinung getreten ist, dagegen kainós das, was im Vergleich zu Anderem neu und eigenartig ist. Néos ist neu der Zeit, dem Ursprung nach, jung, u.U. mit der Nebenbedeutung jugendlich unreif, ohne Pietät gegen das Alte. Kainós ist neu der Art nach, verschieden von dem Gewohnten, daher Eindruck machend, wohl auch besser als das Alte, ihm an Wert und Anziehungskraft überlegen (!)... .” 

    Aus: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, hrsg. von Gerhard Kittel, Verlag W. Kohlhammer 1938, Bd. III, Seite 450, Stichwort kainós.

    Zur Zusammensetzung baskaino heißt es in demselben Werk:

    „Denominative Bildung von baskanós, verleumderisch, behexend, das zusammengehört mit (basko und) basso. [Anmerkung zu basko:] Hinweis D. Brunners. – Nach Pass. sv. findet sich basko = „ich rede” „nur bei Gramm(atikern), um baskaino davon abzuleiten”... Der ursprünglichere Wortsinn ist wohl (...): jmd. schädigen durch mißgünstige Worte. Bei der Bedeutung, die der antike Mensch dem ausgesprochenen Wort zumißt, kann diese Schädigung schon durch neidisches Lob oder durch Beschimpfung erfolgen. Diese können also dem direkten Schadenzauber in der Wirkung gleichkommen. Daran sind die drei Wörterbuchbedeutungen a. bezaubern, b. schmähen, verleumden, c. beneiden zusammengefaßt. – Für a kam dann zu der angegebenen ursprünglicheren Bedeutung bald die der Schädigung durch den (mißgünstigen) Blick, so daß a „speziell den kunstlosen, aber darum um so unheimlicheren” Zauber „durch den bösen Blick oder böse Worte, den jeder ausüben kann”, „auch ohne Absicht”, bezeichnet, also uU sogar von subjektiven Wollen unabhängigen Schadenzauber... In LXX [d.i. die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments] nur = mißgünstig sein (auch Dt 28, 54. 56; sonst nur noch Sir 14,6.8). Im NT nur Gl 3,1: (durch Worte) bezaubern. Nach dem Gesagten handelt es sich nicht nur um eine rein bildliche Redeweise (wenn auch um eine übertragene): Hinter dem Zauber steckt immer eine Macht der Lüge (!), und durch diese hat der tis [d.i. der „Wer?”, die dahinterstehende Person oder auch Gottheit] (oder die Gruppe, die hinter diesem tis steht), eine ganz reale Schadenwirkung auf den nous [d.i. der Verstand oder Denksinn] der Galater ausgeübt. Dies ist gewiß nicht naiv-realistisch als mechanischer Zauber zu verstehen; das Gefährliche daran ist vielmehr gerade, daß die Galater sich freiwillig (!) diesen Zauberern und ihrem Einfluß ausgeliefert haben, ohne zu wissen, welchen Mächten der Lüge sie sich damit preisgaben. Das Eigentümliche der baskania ist ja, daß sie ohne außergewöhnliche Mittel ihren Zwang übt.”

    Siehe denselben, Stuttgart 1933, Bd. I, S. 596, Stichwort baskaino. Eigene Anmerkungen wurden der besseren Verständlichkeit wegen in [eckigen Klammern] hinzugefügt, Hervorhebungen (fett) durch Abschreiber.

[10] In die Rubrik der hier angewandten Praktiken gehört demnach eine jegliche Handlung, mit deren Hilfe unser Bewußtsein übergangen und unser Denken demzufolge vergewaltigt, ihm also ohne eigene Mitwirkung etwas eingeflößt bzw. von außen „übergestülpt” werden soll, dasselbe zu „erweitern” und daraus Ergebnisse (beispielsweise eine körperliche Heilung) zu erzielen. Wenn etwa heutige so genannte „Diener Gottes” Tonträger mit besonders ausgesuchten Bibelstellen besprechen und diese dann veräußern, mit der Maßgabe, daß man diese Dinge dann etwa auch im Schlaf immer wieder und unaufhörlich laufen lassen solle, um so seine Gedankenwelt in die gewünschte Richtung zu beeinflussen, dann haben wir auch hier Praktiken vorliegen, die ihre Anwender direkt in Finsternisbereiche hineinführen. Nicht umsonst sind solche Dinge desweilen auch mit dem Begriff einer „geistlichen Notzucht” umschrieben worden. Auch hier geht man nicht durch die Tür, sondern bricht gewissermaßen durch Wände ein. Mit dem bewußten Hören, Annehmen und Bewegen, dem notwendigen gedanklichen Verarbeiten des Wortes Gottes also, wie es die Bibel lehrt (vgl. Lk 2. 19), hat all dies nichts zu tun! Hier handelt es sich klar um dämonische Praktiken der Gehirnwäsche, die uns im religiösen Gewand vorgetragen worden sind.

[11] Die Worte für Traum und dem hier beschriebenen Schlaf sind im Griechischen eng miteinander verwandt, wie die Übersetzung für Schlaf, hypnos und für Traum, en-hypnion (wörtlich: in Schlaf) beweisen. Das eine hängt mit dem anderen unlösbar zusammen. Der Träumende schläft; Träume bzw. Traumvorstellungen gehören also in den Schlaf (en-hypnion), und damit in den Bereich der Nacht, in die Herrschaft der Finsternis hinein. Dazu ist also auch, da wir von der Form des hypnos sprechen, jenes Bewahnen (hebr. nascha´ch) zu rechnen, mit der die wörtliche Übersetzung aus 1Mo 3. 13 die Verführung der Schlange beschreibt. Wir sehen also immer wieder, wie diese Begrifflichkeiten und Zusammenhänge sich völlig einheitlich durch die ganze Schrift – des Alten und des Neuen Bundes – ziehen.

[12] Die inhaltliche Verbindung zwischen hypnos und katheudo ist im griechischen Sprachgebrauch der Antike allerdings recht gut bezeugt. Kittel schreibt u. a. unter dem Stichwort katheudo: „Vergil (A. en. IX 224f.) schildert aus allgemeinmenschlichem Empfinden heraus den Schlaf als erquickenden Sorgenbrecher (...) Gleiche Hochschätzung bezeugt die schon altgriechische, inschriftlich bezeugte (...) Verehrung des Gottes Hypnos. (!) Auch der übertragene Gebrauch weist teilweise in dieselbe Richtung... Der Schlafzustand gilt im menschlichem Leben als die Einbruchstelle des Übersinnlichen... .” 

Aus: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, hrsg. von Gerhard Kittel, Verlag W. Kohlhammer 1938, Bd. III, Seite 435, Stichwort katheudo.


Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus
, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 1985” sowie

Die Bibel / Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen / Version 2000 / Neue revidierte Fassung / GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969




Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Dieser Teil ist am 23. 08. 2013 zuletzt bearbeitet worden.

© 2003 ff.


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Die Zügel Gottes

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