Der Zehnte und das Brot


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Der Zehnte und das Brot

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Gott segnet nicht mehr,
wenn ich den Zehnten nicht gebe.


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Ist das wahr?

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Gott segnet mich finanziell nur, solange ich den Zehnten bezahle. - Dies ist eine These, wie wir sie heute immer wieder einmal hören. Und viele mühen sich auf dem Wege, sie zu befolgen. Manchmal mit mehr, manchmal mit weniger, oft aber auch ohne Erfolg.

    Ist das wahr?
So lautet die Frage, die leider nur wenige zu stellen wagen. Im Zuge der in unseren Tagen vielfach vorhandenen und zielgerichteten Entmündigung von Geschwistern, wie es gerade in diversen
freien Gruppierungen an der Tagesordnung zu sein scheint, ist selbstständiges Fragen und Denken nicht nur aus der Mode gekommen, sondern wird an vielen Orten auch als unerwünscht angesehen. So maßregelt man diejenigen, die sich noch allein an den klaren Aussagen der Schrift orientieren wollen und von daher etwas anderes zu denken wagen als das, was ihnen seitens einer vermeintlichen „Leiterschaft”, von nicht wenigen „Pastoren” und sogenannten „Gesalbten Gottes” vorgegeben wird. Wir würden nicht aus der Armut herauskommen, wenn wir nicht zehnteten, hören wir da. Oder wir würden in einem solchen Falle auch niemals schuldenfrei sein, wird uns gelehrt, und dergleichen mehr. So legt man mitunter sogar Sozialhilfeempfängern noch nahe, den Zehnten zu geben. Eine neuere, darüber noch hinausgehende Behauptung ist etwa, daß erst das Geben des Zehnten uns den vollen geistlichen Segen eröffnete. Hier wird es ganz gefährlich. Denn es ist Jesus, der uns den geistlichen Segen erkauft hat – Er allein, und niemand anders sonst. Und nichts, aber auch gar nichts kann, ja darf jemals den Platz des Opfers einnehmen, das Jesus für uns erbracht hat. (1) Darum folgen auch wir solchem Diktat nicht; wir wollen diese Frage stellen; wir wollen uns auf das Wagnis der Freiheit einlassen. Und darum wollen wir auch die Antwort gleich vorweg nehmen: Nein und abermals nein! Denn daß eine solche These nicht nur eine Irrlehre, sondern darüber hinaus auch eine glatte Lüge ist, das haben neben uns auch viele andere im persönlichen Leben erfahren dürfen – oder müssen.

    In kirchlichen wie in freikirchlichen Kreisen gibt es eine falsche, mißbräuchliche Verwendung des Begriffes
Verbindlichkeit”, deren Mangel immer wieder einmal gerne Brüdern nachgesagt wird, die eine verkehrte Anwendung des Gesetzes oder eine, den Regeln des Neuen Bundes zuwiderlaufende Verkündigung gesetzlicher Irrlehren und Maßregeln monieren. Vorliegende Sätze stellen sich nicht gegen den Gedanken, daß etwas, wie die Lehre der Heiligen Schrift, das Abendmahl oder die Teilhabe an der Gemeinschaft, selbstverständlich verbindlich ist. Wer das Neue Testament aufmerksam liest, der wird jedoch recht schnell feststellen, daß in demselben nicht nur Verbindlichkeiten, sondern durchaus auch falsche Lehren so genannter Verbindlichkeiten angesprochen werden, welche Jesus nicht nur deutlich tadelt, sondern auch ihre Protagonisten, die Leiterschaft Seiner Erdentage, nicht minder deutlich in die Schranken weist. Ausgerechnet in solchem Zusammenhang wird im Neuen Testament auch der Zehnte thematisiert, den demnach schon die Zeitgenossen Jesu ganz offensichtlich verkehrt lehrten und anwandten, und dies zu einer Zeit, als der Zehnte, die entsprechende Verwaltung Israels bezüglich des ihnen gegebenen Landes und des dazugehörigen Levitendienstes betreffend, noch Gültigkeit besaß. Daher sind zwei Dinge festzuhalten: erstens, daß nicht jede Verbindlichkeit eine gottgegebene ist, nur weil man sie eine Verbindlichkeit nennt, die etwa, so der gern erhobene Vorwurf, in Gegensatz zu einen unverbindlichen Christentum stünde, (2) und zweitens, daß nicht jede Verbindlichkeit oder Regel unreflektiert auf die Gemeinde des Neuen Bundes bezogen werden darf, nur weil sie irgendwo in der Bibel steht. In der christlichen Gemeinde besteht zwar durchaus eine Regel, die jedes Glied am Leibe Christi beherzigen sollte: Sie ist die Regel Christi schlechthin und besteht darin, einander zu lieben und die Lasten zu tragen. Dem ist alles andere unterzuordnen. Es gilt also anzuerkennen, daß es durchaus Verbindlichkeiten gibt, die von Menschen aufgestellt werden und nicht von Gott, und zwar gerade auch dann, wenn sie vor dem Auge des Betrachters biblisch begründet scheinen. Sie als etwas einzuhalten, was Gott gegeben habe, wäre letztlich Ungehorsam, wenigstens aber Ausdruck von Unwissenheit oder gar von Torheit.

    Auf solchen Irrwegen gedeiht ein weiteres
„giftiges Kraut”, das anhand eines häufig mißbräuchlichen Argumentierens dieser Kreise mit dem Begriff der Treue erkennbar wird. Es wird gesagt, daß Gott den belohne, der auch im Geringsten treu sei, und meist angeführt, daß der Herr das Finanzielle” dabei nicht ausgeklammert, sondern ausdrücklich erwähnt habe. Hier werden (vermittelst der Anwendung durchaus richtiger Aussagen) gleich drei verschiedene Dinge – Treue, Geld, Lohn – kurzgeschlossen und aneinandergeklittert, die in dieser platitudenhaften Form nicht nur nicht aneinander gehören, sondern in dieser Verbindung zugleich auch offensichtlich machen, daß wir es hier wiederum mit einem gesetzlichen, sprich Lohndenken, zu tun haben, das zudem – und das ist das zweite Problem – unserem Begehren entgegen komme. Das Evangelium geht jedoch mit Gnade um, mit unverdientem Geschenk, das Gesetz hingegen mit Lohn, der der erfüllten Pflicht folgt (opheilema, Rö 4. 4, 5). Es ist im Neuen Testament nirgends gesagt, daß Gott Treue im Hier und Jetzt belohnen müsse. Das kann sein, wird in vielen Fällen auch sein, muß aber nicht sein. Den, der „im Geringsten” treu ist, den wird Er „über vieles” setzen. Aber wann geschieht dieses „Setzen über Vieles? Lesen wir einmal den Zusammenhang, in dem dieser Passus erwähnt ist, erkennen wir, daß dies am Ende des Weges geschehen wird, wenn der Herr kommen und von Seinen Knechten Rechenschaft fordern wird, über den Umgang mit den Gaben und Befähigungen, die er ihnen anvertraut hat. Abgerechnet wird zum Schluß. So steht es da. Eindeutig. Begehren im Hier und Jetzt? Fehlanzeige – auch wenn sich da verschiedene Leute präsentieren und sich lauthals damit brüsten, „wie überreichlich” Gott sie doch gesegnet habe, im Hinblick darauf, daß sie „den Zehnten gäben”. Ein Bruder sagte mir einmal: Wenn Gott jemanden auf einen Weg nicht zieht, der partout auf diesem Weg bestehen will, dann hilft der Teufel schieben”. Das habe ich mir immer wieder vor die Augen geführt; es ist leider wahr - gerade auch im Hinblick auf diese Irreführung.

    Wir teilen somit denn dieser Gedanke ergibt sich daraus geradezu zwangsläufig – den Ansatz nicht, daß der Weg Gottes zwangsläufig etwas mit Erfolg zu tun habe oder ein zu erzielender Erfolg auch nur irgendeine Richtschnur für unser Handeln sein dürfe. Hier hat es in der Vergangenheit in vielen christlichen Richtungen erhebliche Schwerpunktverschiebungen gegeben, die ihrerseits zum Einfallstor zum Teil gravierender Irrlehren geworden sind. Auch darum geht es uns hier. Die Schrift spricht von Gehorsam, von Nachfolge, vom Aufnehmen des Kreuzes; vor allem aber spricht sie von Frucht, wenn es um den Maßstab geht, aber nie von Erfolg. Die Frucht, die das Neue Testament thematisiert, besteht demnach nicht in einzelnen Ergebnissen unseres Tuns, sondern stellt in erster Linie die Frucht des Geistes dar, die all die Eigenschaften der Jesusähnlichkeit enthält, die dieser Geist in unserem Leben auswirken will. (3) Diese Eigenschaften – oder sagen wir vielleicht noch genauer die Früchte des Geistes – sind in jener neunbeerigen Weinrebe als Gesamtfrucht zusammengefaßt, wie sie uns etwa im Galaterbrief beschrieben worden ist (Ga 5. 22). Hier geht es, um diese Früchte im einzelnen zu benennen, um Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Gutheit, Treue, Sanftmut und Selbstzucht. (4) Wo von diesen nichts vorhanden ist, diese auch nicht weiter betont werden, da ist es – bei allem augenscheinlichen Erfolg – vollkommen irreführend, von Frucht zu sprechen. In diesem Bilde sind wir die einzelnen Weinreben an dem einen Weinstock, der Jesus heißt; der himmlische Vater aber ist der Weingärtner, der uns entweder durch Sein Wort, durch andere Menschen oder aber durch die Umstände unseres Lebens so beschneidet, daß möglichst viel von dieser Frucht in uns wachsen und heranreifen kann (Jo 15. 1 - 8). Wie gilt es da in Jesus zu bleiben, damit wir solche Früchte bekommen, die andere genießen und von denen sie leben können! Die Früchte unseres Lebens sind immer für andere da. Der Herr hat wohl gesagt, daß Gott, der Vater, uns auf diesem Wege all das, was wir in unserem Lauf benötigen, hinzufügen werde; aber dies ist ein Nebeneffekt, es ist nicht das Ziel. Es darf auch niemals das Ziel sein. Unser Ziel ist und bleibt Jesus – Ihm gilt es immer ähnlicher zu werden, bis wir unsere Heimat erreichen und endlich zu Hause sind, dort, wo Er bereits ist und auf uns wartet. Unser Zuhause ist eben nicht diese Erde, sondern der Himmel, den Jesus uns mit Seinem Leiden und Sterben am Kreuz erkauft hat. Da heißt es immer nur: Ihm nach – dem Lamme nach!

    Was sagt die Bibel nun zu der eingangs gestellten Frage? Dem allein gilt es nachzugehen; allein daran können wir das prüfen, was wir hören oder lesen. Und prüfen dürfen wir nicht nur – niemand hat das Recht, uns dies zu verwehren – wir sollen es auch. Von diesem Gebot ist keiner ausgenommen. Dann aber gilt es, aus all dem auszugehen, was auch nur böse aussieht (1Thess 5. 21, 22). Wenn wir aber das Böse definieren wollen, dann müssen wir es immer als dasjenige bezeichnen, das mit dem erklärten Willen Gottes, Seinem Wort gemäß, nicht übereinstimmt. Sein Wort aber erklärt sich nie aus einzelnen herausgenommenen Bibelstellen, sondern immer nur aus dessen Zusammenhängen heraus. So erkennen wir, daß wohl Gottes Wille, nicht aber nicht jedes Wort der Schrift für jeden Menschen zu aller Zeit Gültigkeit besitzt. Zunächst ist zu sagen, daß das Neue Testament an keiner Stelle davon spricht, daß die Glieder des Leibes Christi einen wie auch immer gearteten „Zehnten” zu entrichten hätten. Auch die oft zitierte Stelle Mt 23. 23 „dies muß man beachten und jenes nicht unterlassen” – spricht nicht die Jünger an, sondern richtete sich an die Pharisäer, jene religiöse Oberschicht des Alten Bundes also, die zwar alles Mögliche und Unmögliche hochgenau verzehntete, dabei aber das Wichtigste, ja das Eigentliche dahinten ließ, worum es schon beim Gesetz gegangen war, nämlich „die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und den Glauben”. Damit ist also ganz klar der Weg des Gesetzes unter dem Alten Bund angesprochen - und damit stehen zugleich auch jene im Mittelpunkt der Aussage, die dieses Gesetz trotz all ihrer vermeintlichen „Buchstabentreue” eben gerade nicht zu halten vermocht und damit sein eigentliches Ziel, nämlich die Hingabe an Gott und den Nächsten verfehlt hatten (vgl. Mt 22. 37 – 40, Rö 13. 10). Genau dieselbe Erkenntnis bewog dann auch die Apostel dazu, diejenigen zurückzuweisen, die einzelne Vorschriften der Thora in die noch junge Gemeinde wieder einführen wollten, indem sie es ablehnten, ein Joch aufzunehmen, das weder sie noch ihre Väter zu tragen jemals in der Lage gewesen waren. So sind uns aus dem Apostelkonzil in Jerusalem die einzigen Stücke überliefert, die – nach Übereinstimmung aller, allerdings nur im Hinblick auf das Judentum und auf die unter dem Gesetz Israels Lebenden – für notwendig befunden waren, aus jener Zeit übernommen zu werden: Das sind das Vermeiden von Götzenopfer, Hurerei, Ersticktem und Blut (Apg 15. 19 - 21). Ein „Zehnter” ist ausdrücklich nicht dabei. (5)

    Damit also stellt die Zehntenlehre in der Form, daß man in der neutestamentlichen Gemeinde einen Zehnten entrichten müsse, um gesegnet zu sein, eine nicht statthafte Hinzufügung dar (vgl. Off 22. 18 - 19). Wie aber kommt diese Lehre dann in diese unsere Gemeinden hinein? Der Zehnte, wie er heute vielfach verwendet wird, stellt für jene, die ihn einfordern, zunächst einmal eine hervorragende und bequeme, weil relativ sichere und immer wiederkehrende Finanzierungsgrundlage sowohl des eigenen Lebensunterhaltes, als auch diverser Vorhaben dar. Gegen die Sicherung des Lebensunterhalts und anderer notwendiger Ausgaben wäre zunächst einmal nichts einzuwenden. (6) Hier scheint jedoch vor allem auch die Furcht vor mangelnder eigener Versorgung eine große Rolle zu spielen. Ich kann dies aus eigenem Erleben heraus gut verstehen. Aber ich habe auch erkennen müssen, daß diese Furcht eigentlich Unglaube ist; denn sie rechnet nicht wirklich damit, daß der Herr den, der Ihm folgt und Ihm dient, tatsächlich auch versorgen werde, und darum mißversteht sie auch die Ordnung, nach der der Herr dies tut. Sie weiß nichts davon, daß der Herr immer nur das Brot für den Tag gibt, wie wir ja auch im Vaterunser bitten, und daß jeder Tag seine eigene Sorge hat, und versucht statt dessen in Scheunen zu sammeln und sich entsprechend abzusichern, wovon der Zehnte mit dem Kornhaus Maleachis ja ein ganz zentraler Ausdruck ist (vgl. Mt 6. 11, Lk 11. 3 u. a.; Mt 16. 5 - 8, Lk 3. 10 - 14, 12. 16 - 28; Mal 3. 10 u. v. a.). Dieselbe Furcht, verbunden mit derselben Unkenntnis, erklärt dann auch die Vehemenz und den Einfallsreichtum, mit denen solche falschen Lehren immer wieder vorgetragen werden.

    Zu beobachten ist auch, daß die Zehnten- und anhängenden Lehren meistens dann, und dies in besonderer Weise, herausgestellt werden, wenn die entsprechende Gemeindestruktur sich größeren, durchaus an die Existenz gehenden finanziellen Problemen ausgesetzt sieht. Hier drängen sich erfahrungsgemäß entsprechende „Geldpredigten” immer mehr in den Vordergrund, und dies umso mehr, je mehr der Druck steigt. Die Lösung solcher Probleme bestand jedoch nie darin, von den Geschwistern für einen Weg, der von Gott offensichtlich nicht oder nicht mehr getragen wird, immer mehr Geld zu verlangen. Die Alten wissen alle noch etwas davon, daß man betete und glaubte, ohne explizit Geld einzutreiben. Und doch war Letzteres da, wenn man es wirklich brauchte; anderenfalls wußte man sich mit dem zu bescheiden, was vorhanden war. Der Weg wäre also auch heute noch der gewesen, sich unter Gottes Hand zu demütigen, zu beten und von den ehrgeizigen Bestrebungen abzulassen. Diese Leute müssen endlich anfangen, die Wahrheit über sich und ihr Werk zuzulassen. Nicht nur die Erfahrung, sondern Gottes Wort, aus dem diese Erfahrung sich speist, zeigen, daß Gott diese Werke – diesen Weg –  an ihr bzw. sein völliges Ende führen wird und auch führen muß. Gott wirkt nicht mit dem zusammen, was Menschen initiiert haben, und wenn dies in noch so „guter Absicht” geschehen sei. Diesen Zerbruch aber will man nicht haben, weswegen solche Lehren bemüht werden. Der Teufel wird alles tun, um Buße und Zerbruch nur ja nicht geschehen zu lassen. Dabei ist er durchaus erfinderisch. Auch er kennt die Bibel, und er weiß, wie man die Frommen verführt. Darum verdreht er sie so gut und verwirrt damit die Leute. Um nun in der Gemeinde des Neuen Bundes irgendwie doch noch einen Zehnten „unterbringen” zu können, damit dieser falsche Weg der Hoffahrt und Selbstüberhebung fortgesetzt werden kann, bedient er sich eines besonderen „theologischen Kunstgriffes”: Dabei wird zunächst von der durchaus richtigen Erkenntnis ausgegangen, daß Christus der „Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks” ist, nicht aber nach der Ordnung Aarons, der ja noch der Hohepriester des Alten Bundes war. Dann aber sagt man, mit Hinweis darauf, daß Abraham, der „Vater des Glaubens”, diesem Melchisedek lange noch vor dem Gesetz einen Zehnten dargebracht habe, daß dieser Zehnte immer noch gelte, da er ja noch vor dem Gesetz erbracht worden sei (siehe 1Mo 14. 17 - 21 und Hbr 7. 1 - 8).


    Hierbei werden jedoch gleich einige ganz entscheidende Tatsachen unterschlagen: Zunächst einmal steht Abrahams Zehnter in keiner Weise, wie immer einmal wieder behauptet wird, in einer „Tradition” eines sich ständig fortsetzenden Zehntengebens, als ob er im Verlaufe seines ganzen Lebens „treu” und „beständig” darin gewesen sei, „seinen Zehnten” zu entrichten. Wir lesen in der ganzen Bibel nichts davon; hier werden Dinge in sie hineininterpretiert, die sie in keiner Weise aussagt. Der an Melchisedek gerichtete Zehnte ist eine einmalige, freiwillige, im Leben Abrahams nicht mehr wiederkehrende Angelegenheit. Das ist eine ganz klare Aussage, die sich aus dem Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift ergibt. Zum anderen ist es aber auch notwendig zu verstehen, auf wen sich jener Zehnte bezieht, den Abraham darbrachte. In diesem Zehnten wurde nämlich – neben Abraham selber – nur noch Levi mitverzehntet, der Stamm, der später, unter dem Gesetz, den Priesterdienst zu vollführen hatte, weswegen dieser Stamm, dessen Glieder selbst kein Land besaßen, hernach auch von den Zehnten aus diesem Lande ausgenommen worden war (Hbr 7. 9 - 10). Damit zeigt dieser Zehnte wiederum auf das Gesetz; daß Melchisedek diesen Zehnten entgegen nahm, ist für uns insofern ohne weitere Bedeutung, da Melchisedek uns ja auf Gott Selber hinweist, der der Urheber von beiden, sowohl des Glaubens als auch des Gesetzes
ist. (7) So wurde der Zehnte Abrahams gewissermaßen in Voraussicht auf den diesbezüglichen Gesetzesbund mit der entsprechenden levitischen Verwaltung erbracht, da Levi damals noch „in der Lende Abrahams, d. h. noch nicht geboren, noch in der Erwartung war. Wie alle späteren Zehnten Israels, so kam auch schon der Zehnte Abrahams letztlich aus den Gütern des ihm verheißenen, hier jedoch noch nicht eingenommenen Landes. Interessant dabei ist, daß dieser Zehnte aus der Habe Lots stammte (1Mo 14. 12). Abraham hat seine eigene Habe niemals, zu keiner Zeit auf irgend eine Weise „verzehntet” – wir lesen in der ganzen Bibel nichts davon – und war doch steinreich!

    Die heute leider gängige Zehntenlehre führt dazu, daß der an den Pranger gestellt wird, der arm oder nicht so erfolgreich ist wie andere. Er sei für seine Armut selbst verantwortlich, da er nach solchem Diktus nicht ausreichend gezehntet habe. Damit aber findet eine geradezu dämonische Umkehrung der Tatsachen statt. Anstatt ihm nämlich ausreichend zu helfen, damit er aus seiner Not herauskommt, wie es nach dem Evangelium Pflicht wäre (8), baut man sich eine Burg gegen Gott - wähnt man sich doch von seiner Verantwortung frei; man dünkt sich als besonders „gesegnet”, hat man seiner „Verpflichtung” doch Genüge getan. Hier finden wir uns mitten im Pharisäismus wieder (Mt 23. 23, Mk 7. 5 - 13). Wir lesen im Neuen Testament jedoch nichts davon, daß Gott geboten habe, eine äußerliche Struktur zu finanzieren. Ihm geht es immer um den Menschen selbst, um den Nächsten, um den Bruder und die Schwester. Ja, auch Paulus sammelte Geld. Jedoch tat er dies nicht, um Gemeindestrukturen oder diverse „Projekte”, Gebäude und dergleichen zu errichten oder zu unterhalten (9) – man mag dies durchaus tun, solange niemand in Schwierigkeiten ist und Gott dies gestattet – sondern immer „für die Heiligen” selbst (vgl. Rö 15. 25 - 26, 2Kor 9. 1 u. v. a.). Von daher ist diese Lehre nicht nur äußerst lieblos, sie ist auch besonders perfide. Vor allem aber ist sie als eine gefährliche Irrlehre zu entlarven, da sie den, der sie befolgt, wieder unter das Gesetz und damit unter die Herrschaft dieses Gesetzes versklavt (siehe Ga 2. 4 - 5, 5. 1ff). Aber noch nicht einmal der Zehnte unter dem Gesetz entspricht auch nur annähernd dem, was man heute daraus gemacht hat! Das Geben der Zehnten bezog sich allein auf die Landbesitzer des Alten Bundes, alle andern – die Tagelöhner etwa, was den heutigen sog. „abhängig Beschäftigten”, den Arbeitern und Angestellten entsprechen würde – waren frei, ebenso die Witwen, die Mittellosen, die Armen, Verschuldeten usw. (3Mo 27. 30 - 33, 4Mo 18.21 - 32, 5Mo 14. 22ff und 26. 1 - 11; vgl. auch Neh 12. 44, 13. 10 und 12). Wie wir gesehen haben, stellte der Zehnte zudem vor allem die Versorgung der Priesterschaft (des Stammes Levi) unter demselben Bund dar; der Herr Jesus kommt aber nicht aus dem Stamm Levi, sondern aus Juda, „zu welchem Stamm Mose nichts die Priester Betreffendes gesprochen hat, Hbr 7. 11 - 19.


    Wie kaum etwas anderes weisen uns die Zehnten in ihren verschiedenen Ausformungen auf den Gesetzesdienst des Alten Bundes und damit auf Levi, den alttestamentlichen Priesterstamm hin, der diesen Dienst zu vollführen hatte. Im Neuen Bund haben wir jedoch nicht mehr eine besondere „Priesterkaste”, die von dem sogenannten „allgemeinen Volk” zu unterhalten wäre, sondern es stellt der gesamte Leib, der gesamte Organismus eine Priesterschaft dar, wie Petrus sagt (1Ptr 2. 5, 9 - 10). Über die diesem neuen Priestertum zugehörigen Ordnungen, vor allem, soweit sie dessen Versorgung betreffen, werden wir weiter unten noch zu reden haben. Daß das Aussehen unserer Gemeinden – im Widerspruch dazu – anders ist, nämlich wiederum nach dem Muster eines alttestamentlichen Priestertums, d. h. also dem eines Klerus” und eines Volkes, das diesem Priestertum gegenübersteht, zeugt von weithin gravierenden Mißverständnissen über den Leib Christi und somit wiederum über den Gemeinde- bzw. Leibesbegriff. All diese Dinge sind geradezu tödlich für den Leib des Christus (d. h. des Gesalbten, bestehend aus Haupt und Gliedern). Es gibt kaum eine andere Lehre, die sich so schädlich auf die Auferbauung, das Verständnis und den Zusammenhalt des Gesamtleibes auswirkt wie die heute gängige Leiterschafts- und die damit zusammenhängende Zehntenlehre.


    Der Zehnte ist also, wie oben angedeutet, eine gesetzliche Ordnung, die, anders als weithin behauptet wird, ganz klar aus dem mosaischen Gesetz entstammt, wie ja auch Maleachi sich bei dem vielzitierten Zehntgebot aus Mal 3. 7ff ganz klar auf die Befolgung eben dieses mosaischen Gesetzes, auf sein Priestertum und auch auf den Bund mit diesem Priestertum bezieht, was aber von den heutigen „Zehntenlehrern
wiederum unterschlagen wird (Mal 2. 1 - 9, 3. 7 und 22). Die Weisung aus Maleachi 3. 8ff, den „Zehnten in voller Höhe” zu entrichten, wird also von Hinweisen auf den Zusammenhang dieses Gesetzes, dem Gebot aus den „Tagen der Väter, geradezu „eingerahmt”, damit nun auch der Letzte zweifelsfrei wisse und erkenne, daß diese Zehntenforderung samt zugehöriger Verheißung aus dem durch Mose überlieferten Gesetz kommt und nichts mit dem Neuen Bund zu tun hat. (10) Man sollte sich von daher auch hier ganz unbedingt einmal die Mühe machen, nicht nur einzelne „Bibelverse” zu hören und nachzuschlagen, wie dies leider immer wieder geschieht, sondern auch einmal ihre näheren Zusammenhänge zu untersuchen, um zu erfahren, was wann für wen gilt und was nicht.

    Daß der Zehnte aus dem Gesetz kommt, ist eben dargelegt worden. Was aber sagt das Gesetz? Paulus führt dazu aus: „Wer alle Gebote (dieses Gesetzes) erfüllt, wird in ihnen (andere: durch sie) leben, Ga 3. 12. Das Gesetz lebt geradezu aus dem Tun dieses Gesetzes und dem aus diesem Tun – der Leistung – heraus erfolgenden Lohn (vgl. Rö 4. 4). Dem entspricht voll und ganz die Weisung Maleachis, daß der mit übervollen Scheunen gesegnet sei, der den Zehnten – als notwendige Vorleistung – ganz entrichte, Mal 3. 8f. Der Gerechte lebt aber durch Glauben, nicht durch Gesetzesbefolgung, und ist allein durch Glauben gerechtfertigt (Ga 3. 11). Der Glaube wiederum kommt daher nicht aus dem Gesetz und damit auch nicht aus dem Zehntengeben. Im Gegenteil. Wer mit Gesetzeswerken umgeht, der ist nicht unter einem Segen, wie vielfach unterstellt wird, sondern unter dem Fluch, weil der, der Anleihen vom Gesetz macht, das ganze Gesetz zu halten verpflichtet ist, was er jedoch nicht kann; somit ist er dazu verurteilt, sein ganzes Leben lang Schuldner des Gesetzes zu bleiben, der Sünde und dem Tode verfallen, Gal 3. 10. Christus aber hat uns von eben diesem Fluch gerade erlöst (Vers 13, 14). Und damit sind wir nicht mehr beim Lohn, sondern bei der Gnade, und damit beim Leben unter der Gnade. Ja, um unser Leben geht es hier, nicht erst im Himmel, sondern hier schon, auf der Erde, in unseren ganz alltäglichen, irdischen Zusammenhängen und Mühen. Leben aus dem Glauben – das meint eben nicht nur jene „frömmlerisch-ideelle Vorstellung”, die wir von der Rechtfertigung des Sünders oftmals haben, sondern schließt, da ja von einem Leben, d. h. vom täglichen und ganz praktischen Lebensvollzug gesprochen wird, gerade auch unsere Versorgung mit ein. Wenn die Bibel sagt, daß wir einen neuen und viel besseren Bund haben, als jener es war, der noch von dem levitischen Dienst und der Versorgung nach dem Muster dieses Dienstes gekennzeichnet war, dann spricht es sowohl von einem anderen, weit besseren Priesterum als auch von einer anderen, weit besseren Versorgung. Ich kann das hier nur kurz anreißen. Es lohnt sich jedoch, dem, was das Neue Testament, was Paulus, vor allem aber, was Jesus Selber darüber sagt, einmal nachzugehen.

   
 Wer von daher seine Versorgung meint aus dem Geben eines Zehnten (oder gar dem sog. „Gesetz von Saat und Ernte”) herleiten zu wollen oder zu können, der hat sich, wie der Beschnittene auch, unter das Gesetz und damit unter die Herrschaft eben dieses Gesetzes begeben; der lebt unter dem Fluch; darum kann auch Christus ihm nichts mehr nützen, ist er doch getrennt von Ihm (siehe Ga. 5. 2 - 6). Damit hat er aber auch die Versorgung, unter die Christus ihn stellen will, gerade aufgegeben – denn die Ordnung, unter die Christus ihn stellen will, ist nicht eine, die noch in Scheunen sammelt, die also – im Sinne von Opfern und Zehnten bildlich gesehen – selber säen und „ackern” muß, um für sich von Gott her einen Ertrag, eine „Ernte” zu sichern. Das unterscheidet die Ordnung des Alten von der des Neuen Bundes, die noch irdische von der nun himmlischen Ordnung grundlegend, wie wir ja auch nicht mit einem irdischen, vergänglichen, sondern einem himmlischen Segen und Losteil gesegnet sind (Eph 1. 3f, 1Ptr. 1. 3 - 4). Saat und Ernte für sich selbst auf dieser Erde (11) gehörte noch in den Alten Bund, währen im Neuen die Fürsorge für den Nächsten (d. h. die sich dem andern zuwendende Liebe) an die Stelle der Sorge für sich selbst, das Säen und das Ernten für die eigenen Belange, getreten ist (Ga 6. 8ff). Der Neue Bund bedeutet das Ende des Kornhauses! (12)

    Das Gesetz des Christus, der nach der Lehre des neuen Testamentes aus Haupt und Gliedern besteht, dagegen lautet: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi (o. des Christus) erfüllen, Gal 6. 2. Dies ist die Gesetzmäßigkeit, in der der Christus besteht und überhaupt erst Bestand haben kann! Hier, in der Liebe, hat das Gesetz seine Erfüllung, mit dieser Erfüllung aber zugleich auch sein Ende gefunden – seine Voll-Endung im Wortsinn (Ga 5. 13 - 14). Von da an gilt: „In Christus Jesus vermag weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit etwas, sondern nur der Glaube, der durch die Liebe wirksam (o. tätig) ist” (Vers 6). Ein an eine bestimmte Organisation oder an eine besondere Körperschaft zu leistender „Zehnter”, mit dessen Zuhilfenahme die eigene Versorgung sicherzustellen ist, wie dies u. a. in Maleachi noch gelehrt wird, hat hier weder Platz noch Berechtigung. Im Alten Bund galt ein bestimmtes Regelwerk, das einzuhalten war, wenn man gesegnet sein wollte; heute steht Christus Selbst vor mir und sagt ganz einfach nur: Folge Mir nach, und ich werde dich dabei mit allem versehen, was du brauchst. Kurzum, er sagt mir auch hier: Fürchte dich nicht. Kümmere dich – auf dem Weg der Christusnachfolge – getrost um den Bruder oder die Schwester, was dein Teil ist, und Gott wird Sich um dich kümmern und für dich sorgen, was Sein Teil ist, vgl. den Zusammenhang 1Ptr 5.5 - 7.

    Die Ordnung des Neuen Bundes, die eine Ordnung der Himmelsbürger ist, ist demnach nicht ein Zehnter, sondern entspricht dem Vorbild des Manna, des Himmelsbrotes in der Wüste, das die Israeliten sammeln sollten, wobei die, die viel sammelten, davon nicht reicher, und die, die weniger sammelten, davon nicht ärmer wurden, d. h. jeder bekam seinen Teil, wobei die, die überfließend waren, denen gaben, die Mangel hatten, damit ein Ausgleich geschah und damit der Not aller zu jeder Zeit begegnet werden konnte (2Mo 16. 4 - 5, 13 - 18). Es geht gerade beim Manna also nicht darum, daß wir unsere Lager füllen (im Neuen Testament Scheunen genannt) und einige dabei, als Erweis ihrer vorgeblichen Treue, möglichst reich werden, sondern darum, daß ein Ausgleich in der alltäglichen Versorgung aller geschieht, und zwar mit jedem notwendigen Gut. Daß Paulus dies als die generelle Ordnung des Neuen Bundes aufnimmt, soweit dies die Versorgung aller seiner Glieder betrifft, kommt nicht von ungefähr. Wir erkennen schon, wie sehr diese Ordnung dem vorhin genannten „Gesetz des Christus” entspricht, ja seine Ausführung überhaupt erst ermöglicht. Dieselbe Ordnung des Manna ist in 2Kor 8 (besonders die Verse 12 - 15) und 9 niedergelegt; daß sie ganz wunderbar „funktioniert”, und zwar im Gegensatz zu den immer wieder vorgetragenen Einwänden diverser „Zeitgenossen”, die es anscheinend „besser” wissen wollen als der Apostel, ja besser noch als Gott Selbst, sehen wir besonders auch an Apg 2. 44 - 47 und 4. 23 - 35, als die Gemeinde noch am Anfang, noch ganz in der ersten Liebe war, als alle noch beieinander waren und alles miteinander teilten. Lesen wir doch einmal wirklich nach, was da steht, damit uns die Zustände bewußt werden, in denen wir uns offensichtlich befinden und von denen wir umkehren müssen - Zustände freilich, deren Veränderung man nicht herbei-organisieren kann, die sich aber gewiß einstellen wird, wenn unser Verhältnis sowohl zu Jesus, unserem Haupt, als auch zueinander so wird wie das jener am Anfang!

    So heißt es: „Alle Gläubigen waren beieinander und hatten alles gemeinsam. Die erworbenen Güter und den Besitz veräußerten sie und verteilten den Erlös an alle, je nachdem jemand Bedarf hatte. Täglich verharrten sie in der Weihestätte und brachen Brot zu Hause. Ihre Nahrung nahmen sie mit Frohlocken und mit Herzenseinfalt zu sich und hatten Gnade für das ganze Volk...” (2. 44 - 47). Und wieder heißt es: „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und auch nicht einer sagte, daß etwas von seinem erworbenen Besitz sein eigen sei, sondern sie hatten alles gemeinsam. Dazu legten die Apostel mit großer Kraft das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus Christus ab, auch war große Gnade unter ihnen allen; denn es war kein Darbender unter ihnen. Alle nämlich, die Freiäcker oder Häuser erworben hatten, verkauften diese, brachten den Erlös des Veräußerten und legten ihn zu Füßen der Apostel. Davon wurde jedem zugeteilt, je nachdem einer Bedarf hatte” (Apg 4. 32 - 35).

    Es ist schon interessant, daß wir ausgerechnet hier, da es um die Form der Gemeinde geht und soweit dies die Apostelgeschichte selbst betrifft, das erste Mal das Wort ekklesía vorliegen haben; es ist das dritte Mal im ganzen Neuen Testament überhaupt (zum ersten in Mt 16. 18, dann in 18. 17, hier in Apg 2. 47, dann erst wieder in Apg 5. 11). In Matthäus spricht der Herr davon, daß Er der Christus, der Gesalbte, und damit der Felsen sei, auf dem er Seine ekklesía errichten wolle; die Pforten der Hölle würden sie, als die von Ihm Herausgerufene, nicht überwältigen. Die Apostelgeschichte spricht von der Gemeinschaft des einen Herzens und der einen Seele und und nennt diese Gemeinschaft ebenfalls ekklesía – vereint mit dem Haupt, und gerade darum auch vereint miteinander. In den Erdentagen Jesu hatten sie noch miteinander gestritten, wer der Größte sei. Nun aber waren sie alle auf dasselbe hin (epi to auto) ausgerichtet, wie es in Apg 2. 1 wörtlich heißt (13) – damit aber auf Denselben, auf Jesus, das Haupt in ihrer Mitte. Diese gemeinsame Ausrichtung allein auf das Haupt – nicht auf „Leiterschaft”, nicht auf eine Struktur, nicht auf einen bestimmten Ort, nicht auf ein Programm – aber ist nicht nur die Grundvoraussetzung der Einheit, sondern die Einheit besteht geradezu darin, daß jeder für sich und alle zusammen allein auf Jesus ausgerichtet sind (vgl. auch Mt 17. 1 - 8 par. Mk 9. 5 - 8 und Lk 9. 35 - 36).

    Das, was der Herr Sich erbeten hatte – daß sie alle eins seien, so wie Er mit dem Vater eins ist – hier, auf den ersten Seiten der Apostelgeschichte, war es in jeder Hinsicht Wirklichkeit geworden. Darum war auch der Herr so deutlich vernehmbar unter ihnen und konnte Seinen Namen in bis dahin ungeahnter Weise verherrlichen – war Seine Herrschaft doch ungebrochen, völlig ungeschmälert durch menschlichen Eigenwillen. Waren der Liebe zu Gott keine Schranken gesetzt, konnte es auch keine für die Liebe untereinander geben. Das ging solange, wie der Mensch in dieser Liebe blieb, wie er nicht selbst in das Geschehen eingriff und damit die Herrschaft wieder an sich riß. Daß es doch geschah, kann man die wohl größte Tragödie nennen, die der Christenheit widerfahren ist. Damit wird also deutlich, daß uns hier, nach dem Kommen des Heiligen Geistes, das Urbild der Gemeinde entgegentritt, und zwar genau in der Gestalt, in der Gott sie ins Dasein gerufen hat – nirgendwo anders sonst. (14) Darum mahnt auch die Offenbarung ausgerechnet in ihrem ersten Sendschreiben (!) dazu, zur ersten Liebe zurückzukehren, anderenfalls würde der Leuchter der Gemeinde umgestoßen werden – was bedeutete, daß das Öl des Heiligen Geistes, der in ihm brennt, auslaufen würde. Wenn aber das Öl aus dem Leuchter ausläuft, was bedeutet dies anderes, als daß das von diesem Öl unterhaltene Geistesfeuer, das bis dahin der Gemeinde so signifikant innewohnte, allmählich verlischt und das Licht und die Offenbarung Gottes aufhören? Und dies ist eine Entwicklung, die in der Gemeinde ganz unzweifelhaft eingetreten ist und immer wieder eintreten wird, solange solche Ermahnungen nicht beherzigt werden (Off 2. 4 - 5).

    Wir haben die Zeit der ersten Liebe thematisiert, weil niemand Geringeres als der Herr Selbst sie thematisiert; wir kommen also nicht umhin, uns mit der Frage auseinanderzusetzen, wie diese Zeit der ersten Liebe aussah und was sie von jener Zeit unterschied, die danach folgte. Wir können nur immer wiederholen, was Gottes Wort uns darüber sagt. Damals hatte man noch alles gemeinsam, und es war große Liebe auf allen, so daß man nicht nur das Wort, sondern auch das tägliche Brot miteinander teilte, wie wir dies aus den Berichten der Apostelgeschichte gesehen haben (s. o.). Damals kümmerte man sich eben nicht nur um das Wort; man kümmerte sich genauso um die Tische! Das „Wort” und das „Brot”, das „Geistliche” und das „Irdische” waren nach dem Willen des Herrn nicht voneinander geschieden. Dies hielt jedoch nicht sehr lange vor; bald vergaß man wieder einige, was sich, wie wir unschwer an dem Murren erkennen, das sich in Teilen der Gemeinde erhoben hatte, über eine ganze Zeitspanne hinweg eingeschlichen haben mußte. Die Apostelgeschichte nennt ausgerechnet die Witwen der Hellenisten, von Israeliten aus dem griechisch sprechenden Kulturkreis also, die nicht wohlhabend waren, weil sie eben keine Ländereien oder Häuser besessen hatten und von daher nichts oder vielleicht nur Weniges zu der Gemeinde beizusteuern hatten (Apg 6. 1). Offenbar hielt man sie für nicht wichtig, und so hatte man sie schlicht übersehen – wohl über dem Bestreben, daß man vor allem anderen doch erst einmal „das Wort” verbreiten und für das Wachstum der Gemeinde Sorge tragen müsse. Damit aber tritt die Hauptsache in den Hintergund und wird zur Nebensache. Es ist geradezu frappierend, welche „geistlichen” Begründungen man schon damals für sein Fehlverhalten anzuführen wußte! Wie auch heute so oft, so tritt bereits hier der Aufbau einer neuen Struktur, die Verfolgung eines Gemeindewachstums an die Stelle der Liebe, erst zögerlich, schleichend, dann aber immer weiter zunehmend und alsbald auch für alle offensichtlich werdend. Daß sich infolge dieser Entwicklung ein neuerlicher „Klerus(von kleronómos=Anteilseigner) nach der Art eines vom „gemeinen Volk” abgesonderten „Levitendienstes” zu erheben beginnt, ist dann nur folgerichtig (ab Apg 6. 2). Hier geschieht die Trennung des „Brotes” vom „Wort”, der „irdischen” von der „geistlichen” Nahrung. Bald wird sich der Bruder vom Bruder, die Schwester von der Schwester trennen. Die Trennung des „Geistlichen vom „bloß Irdischen” aber ist es, die für den „Anfang vom Ende” so charakteristisch ist. Und so ist es im Wesentlichen bis heute geblieben: während die einen für sich den „Dienst am Gebet” (Zugang zu Gott) und „am Wort” (die Lehre) reservieren, werden den andern „die Tische” zugewiesen (6. 2 - 6).

    Freilich hat sich dann der Einfluß des Wortes zunächst einmal vergrößert, und nicht wenige kamen zum Glauben. Wie verführerisch ist es doch, wenn man über dem ganzen „Gemeindewachstum”, über dem so nahe liegenden „Erfolg” – „was wollt ihr denn, die Gemeinde wächst doch” – die Liebe vergißt! Wir wollen dies nun zwar nicht durchweg schlechtreden. Daß Gott auch weiterhin, manchmal sogar noch zunehmend segnet, gerade etwa auch bei Evangelisationen, Großveranstaltungen, Konferenzen und ähnlichen Ereignissen, darf uns jedoch nicht die Augen davor verschließen lassen, daß sich bereits eine Fehlentwicklung eingeschlichen haben kann, die durchaus in der Lage ist, alles andere in ihren Sog zu ziehen und wieder zu verderben – schleichend, verborgen und gerade deshalb unerkannt. Es gibt eben auch hier „nichts Neues unter der Sonne”. Hier tappen wir in eine Falle, die sich jedesmal dann auftut, wenn wir statt den Weg des schlichten Gehorsams gegen Gott den des Erfolges wählen, und sähe dieser „Erfolg” auch noch so „geistlich” aus. Dieselbe Falle besteht, wenn wir gewisse Dinge, in denen Gott uns einmal gesegnet hat, für uns, quasi modellhaft, wiederholen wollen. Und so verfolgen wir gewisse Ziele, die wir entweder sehen oder auch uns selbst gesteckt haben, lassen uns von vermeintlichen oder auch tatsächlichen Notwendigkeiten” treiben, anstatt ganz schlicht von Ihm zu hören und zu tun, was Er uns sagt – oder auch das zu lassen, was Er uns nicht sagt. „Gott segnet doch” – so sagen wir, und verschließen die Augen davor, daß wir gerade dabei sind, eigene Wege zu gehen, Entscheidungen zu treffen, von denen Gott Selber nie gesprochen hat. Und auch hier, in der Apostelgeschichte, lesen wir nichts davon, daß Gott etwa angeordnet hätte, daß Er einen besonderen Dienst” einsetzen wolle! Nein, das ist nicht der Fall; Gott geht ganz offensichtlich einen völlig anderen Weg als den, den die Apostel sich ersonnen haben. Denn daß Er jene, die man nach ihrem Willen doch zum „Dienst an den Tischen” erwählen und beiseite stellen wollte, danach in einer ganz anderen Weise geführt hat, erfährt jeder, der offenen Auges weiterzulesen bereit ist (6. 8ff; Kapitel 7; 8. 1ff). Die Jerusalemer Gemeinde, für die man doch gerade erst einen besonderen „Tischdienst” organisiert hatte – und das sogar unter viel Handauflegen und Gebet durch die Apostel! – hatte danach zunächst einmal keinen Fortbestand mehr, sondern ist nach Judäa und Samaria zerstreut worden, wonach die Apostel in Jerusalem blieben und wieder für sich allein saßen! (15)


    In welch großem Gegensatz dazu stand Paulus, den Gott später berief, als wolle Er die Fehlentwicklungen, die sich bereits in der frühen Gemeinde eingeschlichen hatten, durch diesen Apostel wieder korrigieren helfen! Paulus war sich, im Gegensatz zu jenen am Anfang, jedenfalls nie zu schade, auch für die irdischen Bedürfnisse der Geschwister einzustehen, Gelder zu sammeln etc., und sah dies als notwendigen, ja unverzichtbaren Bestandteil seines Dienstes an (Apg 20. 33 - 36, Rö 15. 25 - 26, 2Kor 8. 16 - 24, Tit 3. 12 - 14, Phm 10, 18, 19). Ein Ausspruch eines längst heimgegangenen Bruders kommt mir nicht aus dem Sinn; er sagte, daß man, wenn man die Schilderungen am Anfang der Apostelgeschichte mit denen der späten Briefe des Apostels vergliche, man nicht umhinkomme zu empfinden, daß man über die Ruinen einer vergangenen Herrlichkeit ginge. Recht hat er. Aber auch der Herr Selbst hatte nicht geduldet, daß man wohl das geistliche, nicht aber das irdische Brot miteinander teilen wollte, was in den verschiedenen Speisungen der Vier- und der Fünftausend in den Evangelien eindrucksvoll bewiesen wird. Und doch waren es die selben Leute, denen der Herr damals noch eingeschärft hatte: „Gebt ihr ihnen zu essen!”, die jetzt den Dienst an den Tischen verweigerten, weil sie sich zu angeblich „Höherem” berufen sahen...


    Die frühe wie späte Kirchengeschichte belegt die hier beschriebene Fehlentwicklung an vielen Stellen. Die Weisungen des Meisters, zur ersten Liebe zurückzukehren, blieben ungehört; so wurde der Leuchter umgestoßen, und das Öl, das in ihm war, begann auszulaufen. Verfinsterung auf der einen und Verblendung auf der anderen Seite waren die Folge. Daß nach all diesem in der Christenheit ein geistlicher Niedergang erfolgte, bis hin zum offenen Einbruch heidnisch-okkulter Einflüsse, ergibt sich aus der Beschäftigung mit der Kirchengeschichte; er ist nur allzu offensichtlich. So erstarrte die ehemals im Geist brennende Gemeinde zu einem verweltlichten Christentum der Formen und Formeln; aus diesem verweltlichten Christentum aber erhob sich nach wenigen hundert Jahren eine „christliche” Welt, ein heidnisch-politisches Gemeinwesen mit „christlichem” Herrschaftsanspruch, angeführt von einer Kirche, deren Leitung durch Menschen vollzogen wurde. Wir begreifen diese Entwicklung nur, wenn wir verstehen, wo sie ihren Anfang nahm. Begann sie erst noch verhältnismäßig unscheinbar in der Trennung des Wortes vom Brot, so setzte sie sich alsbald fort in der Aufspaltung der Gemeinde in Laien (láos=Volk) und in Klerikale (kleronómos=Anteilseigner). Wenn man eine „Leiterschaft” aufrichtet (16) nach der Art und Weise eines besonderen, sich vom „gemeinen Volk” abhebenden „Levitendienstes”, dann ist es auch kein Wunder, daß damit zugleich auch ein neuerlicher „Abgaben- und Zehntendienst” entsteht, weil man diesen besonderen „Dienst” nun auch versorgen und unterhalten muß, daß die Unfreiheit der entpersönlichten „Volksmassen” dabei zunimmt, daß das Licht und damit die Erkenntnis der Menschen zunehmend verdunkelt wird – genau davor hatte die Offenbarung in 2. 4 - 5 noch gewarnt! – und dabei zugleich die Liebe in vielen immer weiter erkaltet. Diese Fehlentwicklung ist, bei allem Segen, der durch all die Jahrhunderte hindurch unstrittig da war, bis heute nie wirklich korrigiert worden. Hier erscheint nun die Wurzel offengelegt. Was werden wir mit dieser Wurzel tun? –

    Wir haben uns mit der unbiblischen Praxis des Zehnten beschäftigt und sind so zu den Hintergründen einer solchen verkehrten Praxis gelangt, die viel tiefer liegen, als so mancher Zeitgenosse vielleicht zu träumen wagte. Wir kamen darauf ganz zwangsläufig, als wir uns mit der Praxis des rechten Gebens und Mitteilens beschäftigt haben. Wir wollen nun aber auch nicht „auf der anderen Seite vom Pferd fallen”, indem wir etwa unberechtigte und von daher falsche Urteile über andere Geschwister fällen. Daher gilt es unbedingt mit anzufügen, daß es nicht wenige von ihnen gibt, die sich aus gutem Herzen, aus Liebe und aus freien Stücken dazu entschlossen haben oder auch geführt sehen, einen „Zehnten” oder irgend eine andere festgesetzte Summe einem christlichen Werk, einer Gemeinde oder einfach einem Bruder oder einer Schwester regelmäßig zukommen zu lassen. Besonders auch in vielen christlichen Kommunitäten, Bruder- und Schwesternschaften etc. ist das nicht unüblich. Ein solches Handeln hat nichts mit dem zu tun, was oben kritisiert wurde; es zeugt einfach nur von einem guten, liebenden Herzen, das etwas von den Gaben mitteilen will, die es von Gott empfangen hat, und sich dabei solcher Vorgaben bedient. Und das Herz ist es auch, das von Gott angesehen wird, nicht das, was vor Augen ist. Solche Geschwister werden gesegnet sein, denn „Gott ist nicht ungerecht, daß er eurer Arbeit und der Liebe vergesse, die ihr für Seinen Namen dadurch erzeigt habt, daß ihr den Heiligen dientet und noch dient” – in welcher Form und vor allem wann auch immer dies geschehen möge (s. Hbr 6. 10). Daraus darf man jedoch keine Regel oder ein Gesetz, ein „Zehntgebot” für alle aufstellen. Ebenso falsch und unnüchtern ist es, dies als „besonders geistlich” hervorzuheben, als sei der, der dies nicht kann oder sich nicht so geführt sieht, nun „weniger geistlich” als die, die dies in einer solchen Form tun. Das ist immer eine persönliche Angelegenheit (auch des persönlichen Vermögens) und immer auch eine Sache der Führung durch den Herrn.

Eine ausführliche Abhandlung zur Zehnten-Thematik findet Ihr hier.



Titel
Anmerkungen
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Anmerkungen und Erklärungen zum Thema


(1)
In dieselbe Rubrik gehört auch die unter Mißbrauch des Propheten Maleachi (Mal 3. 9ff) vorgebrachte Behauptung, daß der, der den Zehnten nicht erbringe, von Gott verflucht sei, wobei dieser Fluch sich vorgeblich – etwa nach 5Mo 28. 15ff – in eigener Armut und sonstigem Zukurzkommen niederschlage. Hier wird dem Armen allerdings nicht nur die Hilfeleistung verweigert, die ihm nach Gottes Willen zusteht – unter dem Vorwand der Pharisäer, daß das, was dem Nächsten zukommen soll, Korban, d. h. Opfergabe für Gott sei, die man in den äußerlichen Tempel zu bringen habe (Mk 7. 9 - 13). Hier werden die Glieder des Neuen Bundes auch ganz gezielt in Bedrängnis, unter das Gesetz und damit zugleich auch unter den Fluch desselben Gesetzes gebracht, von dem Christus sie doch ein für allemal erlöst hat (siehe Ga 3. 10 - 14). Das ist das eigentlich Gefährliche an dieser Lehre, und darum überschreiten solche Behauptungen auch bereits die Grenzen zur Zauberei (siehe Ga 1. 8. 9, 3. 1 - 4). Typische Vertreter dieser und ähnlicher gefährlicher Irrlehren waren oder sind etwa John Avanzini, Roberts Liardon, Kenneth Copeland, Ed Dufresene, Ulf Ekman und die wohl meisten anderen Wort-des-Glaubens-Prediger im In- und Ausland und deren Nachfolger. Man trenne sich von solchen so rasch wie irgend möglich, und halte sich und die Seinen von den Einflüssen ihrer Lehren unbedingt fern, solange solche nicht von dergleichen Lehren Abstand nehmen und darüber auch Buße tun. Hier besteht allergrößte Gefahr für die Unversehrtheit unseres geistlichen Lebens und damit unserer Beziehung zu Gott.

(2) Besonders in kirchlichen Kreisen wird oft eine (in der evangelischen Kirche) vorhandene Unverbindlichkeit beklagt, die einer in Freikirchen eher gelebten Verbindlichkeit gegenüber stünde. Eine liberale, relativistische und bibelkritische Theologie mit all ihren Folgen hat jedoch nicht zwangsläufig etwas mit einer „Unverbindlichkeit in Fragen der Gemeindepraxis zu tun, wie eine scheinbar bibeltreue Gesetzlichkeit mit einer „Verbindlichkeit, die etwa Gott geboten habe, wohl kaum in Einklang gebracht werden kann. Hier werden sehr häufig Scheindebatten geführt, die vom Thema ablenken; man lasse sich also nicht täuschen.
 
(3)
Dies wirft m. E. auch ein gewisses Licht auf eine ungesunde, alle anderen Themen ausschließende oder doch wenigstens zurückdrängende Betonung von Missionstätigkeit. Gerade in der Missions- und Evangelisationspraxis müssen wir uns fragen, ob wir das, was wir da tun, im schlichten Gehorsam tun gegen das, was wir tatsächlich von Gott gehört haben – oder ob wir einfach nur unsere Programme erfüllen wollen, um die Welt für Christus zu gewinnen. Eine besonders zerstörerische Rolle spielt auch der in vielen Gruppierungen vorherrschende Glaube an eine angebliche große Erweckung, die über die Erde kommen soll, die in der Schrift jedoch keineswegs verheißen ist. In der Folge versuchen wir dann, eine solche mit allen Mitteln hervorzubringen, da Gott – oft in vermeintlichen Visionen – angeblich zu uns gesprochen habe. Es ist jedoch offensichtlich, daß Gott hier nicht gesprochen haben kann, und wir es demnach mit falscher Prophetie zu tun haben. Die Bibel spricht ganz klar von weltweitem Abfall, bevor der Herr wiederkommt (s. 1Thes 5. 1ff, 2Thes 2. 1 - 12). Hier hat sich vieles in eigene Bereiche hinein verselbstständigt, was sich niemals hätte verselbstständigen dürfen. Ich wage darum die Behauptung, die in wohl nur wenigen erwecklichen Kreisen gern gehört werden wird, daß nicht Mission, sondern Gehorsam der erste Auftrag des Christen sei. Es ist an uns, in der Stille zu hören, was der Vater uns sagt; dann ist es an uns, zu gehorchen und vor allem auch die Liebe auszuwirken, die Gott durch Seinen Geist in unseren Herzen ausgegossen hat. Da mag dann alles andere Notwendige daraus erwachsen, wie der Herr es will.

(4)
Wiedergabe nach der Konkordanten Übersetzung.

(5)
Wie etwa auch das Halten von bestimmten Tagen, von Sabbaten usw. in diesen vier Stücken nicht enthalten ist. Ebenso ist auch das Befolgen von diversen Fasten- und Speisegeboten über das Angeführte hinaus nicht mit dabei. Paulus etwa hat diese Dinge durchweg als gesetzliche Auswüchse erkannt und immer auch entsprechend bekämpft (s. u. a. das Kapitel 1Kor 8; auch Ga 2. 11 - 14; Kol 2. 16 - 23).

(6)
Die Sicherstellung des Lebensunterhaltes derer, die vorangehen und deren Fürsorge wiederum der Auferbauung des Leibes Christi obliegt, soll und darf hierbei nicht in Frage gestellt werden. Hieran ist nichts Anrüchiges; es besteht vielmehr eine Notwendigkeit und von daher gebietet es die Liebe, solchen die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, da niemand von bloßen Bibelsprüchen existieren kann (vgl. Ja 2. 15 - 16, auch viele andere Stellen). Und darum halten auch wir es ganz klar mit dem Sprichwort, wonach dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbunden werden soll (5Mo 25. 4, 1Kor 9. 9 - 10, 1Tim 5. 18). Wir wir anhand der Lektüre des Neuen Testamentes unschwer erkennen können, hat dies jedoch nicht notwendigerweise etwas mit der Erhebung eines Zehnten zu tun, wie dies fälschlicherweise immer wieder geschieht, sondern einfach mit der Beisteuer (koinonía) und der Handreichung der Liebe, wie sie insbesondere auch der Apostel Paulus in dem Zusammenhang immer wieder angemahnt hat (Ga 6. 6 - 10 u. a., s. a. Hbr 13. 1 - 3, 16). Daß das Einfordern eines Zehnten oder anderer Leistungen nichts mit der Liebe zu tun hat, ergibt sich schon aus dem Zusammenhang, daß die Liebe gibt: sie fordert nichts ein – und schon gar nicht fordert sie etwas für sich (1Kor 13. 5).

(7) Es geht dem Hebräerbrief – man lese dazu einmal das ganze siebte Kapitel – eben gerade nicht darum, eine vorgebliche Zehntenpflicht in die Gemeinde des neuen Bundes zu implementieren. Anderenfalls hätte das ganze Kapitel keinen Sinn; es würde sich selbst ad absurdum führen, wenn es Bestandteile jener levitischen Ordnung, die es einerseits als greisenhaft und dem Verschwinden nahe, andererseits als fleischernes, schwaches und nutzloses Gebot bezeichnet, nun doch – gewissermaßen durch die theologische Hintertür – wieder einführen wollte, wie dies uns die einschlägigen Irrlehrer nahelegen wollen (Hbr 7. 16, 18). Es geht ihm in dem Zusammenhang lediglich darum, aufzuzeigen, daß das Geringere stets von dem Höheren gesegnet wird. Dies wird an dem Beispiel Abrahams verdeutlicht, indem geschildert wird, wie Melchisedek ihm entgegenkommt, mit Brot und Wein in den Händen – und damit schon mit den Hinweisen auf den Neuen Bund. In dem Zusammenhang geht es also darum, daß wir etwas bekommen – nicht darum, daß wir etwas geben. Der Segen Melchisedeks ist doch um so vieles größer als das, was Abraham ihm gab und ihm hätte jemals geben können! Darum ist auch das melchisedeksche Priestertum ein vollkommeneres, weitaus besseres als das alte, aaronitische mit seiner Gesetzgebung und damit auch seinen Zehnten es je war. Melchisedek, und damit Jesus, der Hohepriester nach dessen Ordnung, ist größer als Aaron mit seiner Ordnung und überragt sie bei weitem. Das ist die Aussage – es geht nicht um mehr, aber auch nicht um weniger (Hbr 7. 6, 7 u. a.; man sollte dazu auch die folgenden Kapitel des Briefes mit einbeziehen).

(8) Das ist eine klare und völlig unzweideutige Aussage der Heiligen Schrift, wie auch der Herr dies etwa in dem Gleichnis von dem barmherzigen Samariter thematisiert hat. Dieser half, da er dazu in der Lage war, dem auf seinem Wege verwundet und beraubt Darniederliegenden so, daß dieser eine völlige Wiederherstellung aus seiner Hilfe erwarten konnte (Lk 10. 25 - 37; vgl. Hbr 13. 16, Ja 2. 8, 14 - 19; s. a. 1Jo 3. 17 u. a.). Es ist dabei zu betonen, daß Gott von Nächstenliebe spricht, nicht von Fernstenliebe, wie dies heute so gerne praktiziert wird. Man gibt zugunsten von Projekten in Übersee” und profiliert sich noch damit; aber die himmelschreiende Not unseres Bruders oder unserer Schwester, die gleich bei uns um die Ecke wohnen, rührt uns nur wenig. Nein, sagt Gott uns hier; der ist zu lieben, der mein Nächster, der mir am Nächsten, der also in meinem ganz alltäglichen Gesichtsfeld, mir als mein Gegenüber nahe ist. Erst dann, wenn diese Not behoben ist, mögen wir unser Augenmerk auch auf weiter entfernt liegende Dinge richten, dann kann Gott auch diese Dinge segnen. Wie sagte der Herr Jesus noch? Nicht Wohlstand, wie diverse Zehntenprediger lehren, sondern Arme habt ihr allezeit bei euch (Mt 26. 11, Mk 14. 7, Jo 12. 8). In dem Zusammenhang fällt auf, daß Er dies im Hinblick vor allem auf die Zeit sagte, die nach seinem Tode anbrechen würde. Daß dies dreimal bezeugt wird, zweimal in den Synoptikern, einmal bei Johannes, kommt nicht von ungefähr, und wir sollten nicht meinen, daß dies etwa keine besondere Bedeutung habe. Eine jede Sache stehe vor zweier oder dreier Zeugen Mund, sagt die Schrift (2Kor 13. 1). Hier wird also von Gott her eine besondere Wichtigkeit unterstrichen. Gott schenke uns, daß wir an dieser Stelle nicht mit der Frage danach, wer mein Nächster sei, ausweichen oder dem Notleidenden auf unserem Wege vielleicht auch noch Moralpredigten halten!

(9) Wir halten es für eine grobe Verfehlung, Unsummen von Geldern für Gebäude, Säle, Technik, Mieten usw. auszugeben, solange der Not einzelner Glieder derselben Gemeinden nicht – vorher! – hinreichend begegnet worden ist. Der Maßstab hierfür ist in den Anfängen der Apostelgeschichte niedergelegt; hier heißt es, daß es unter den Gliedern der eben entstandenen Gemeinde keinen Darbenden gab; es mußte also niemand Mangel leiden (Apg 4. 34). Wenn wir Gebäude zu errichten oder zu unterhalten haben, dann muß sich dies immer den Erfordernissen des Bruders und der Schwester unterordnen, nicht der Bruder oder die Schwester dem Gebäude. Der Tempel des Herrn besteht aus lebendigen Steinen, aus all jenen Menschen also, die der Herr hinzugerufen hat und die er nun in Seinen Tempel einfügen will. Dieser Tempel ist es, dem alle Pflege gelten muß. Weder in der Apostelgeschichte, noch im ganzen übrigen Neuen Testament heißt es, daß man sein Augenmerk auf neue und große Bauten richtete. Statt dessen wird gesagt, daß man sich – neben dem bereits bestehenden Tempel – vor allem in den Häusern traf (2. 46; vgl. auch  5. 42 oder 20. 20). Es macht keinen Sinn, wenn wir über dem Errichten einer Gemeindestruktur so ausgelastet sind, daß wir für den Bruder und für die Schwester keine Zeit mehr haben und vor allem auch keine Mittel mehr für sie übrigbleiben. All unsere Fürsorge muß unseren Geschwistern gelten!

    Es ist dabei aber unbedingt notwendig zu beachten, daß man eine solche Zuwendung selbst nicht einfordern kann - und darf. Auch hier gilt, daß die Liebe nicht das Ihre sucht, wie wir dies in der ersten Anmerkung ausgeführt haben (1Kor 13. 5). Wir geraten anderenfalls in
eine schädliche Wurzel der Bitterkeit hinein, die geeignet ist, viele in ihren Sumpf mit hineinzuziehen und gleichermaßen zu verderben (Hbr 12. 14 - 16). Paulus konnte Beides – er konnte sowohl Überfluß haben als auch Hunger leiden; mit Beidem bin ich vertraut, schrieb er (Phil 4. 13). Weil er mit beidem richtig umzugehen wußte, murrte er auch nicht – hatte er doch gelernt, niemals gegen seine Lebensumstände aufzubegehren, und sich in allem mit der Gnade Gottes zu begnügen, wie sie ihm in der jeweiligen Situation gegeben wurde (2Kor 11. 26 - 12. 10). Murren und Aufbegehren führt immer in eine Beeinträchtigung durch den Teufel hinein, und Gott kann uns nicht helfen. Das weiß ich aus Erfahrung, die ich habe machen müssen. Murret auch nicht, wie etliche von ihnen murrten und vom Verderber umgebracht wurden (1Kor 10. 10). Umgebracht vom Verderber, d. h. also buchstäblich durch Verderben – und das alles wegen unseres Murrens! So wird die Hilfe gerade zurückgehalten! Wie kann das geschehen, mögen wir fragen. Wenn wir Dinge einfordern und nicht nur einfordern, sondern vielleicht sogar noch einklagen und fortwährend schlecht über andere Geschwister reden, weil diese uns ja nicht helfen wollten, werden jene abgestoßen, die Gott möglicherweise mit der Hilfe beauftragen könnte, und so wird Gottes Werk und Schule auch für andere zunichte gemacht; das Wachstum in der Liebe aber, in dem wir ja alle heranwachsen sollen, wird für alle Beteiligten zurückgehalten (vgl. Eph 4. 15). Somit stellt ein solches Verhalten eine schlimme Sünde dar, die viele und vieles verdirbt. Dasselbe gilt für unser Gebet; ihr habe nicht, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten (o. Begierden) zu verzehren, schreibt Jakobus einmal, nachdem er über Krieg, Neid und Mißgunst gesprochen hat, alles Dinge, die aus solchem Verhalten resultieren (Ja 4. 1 - 3). Und auch der folgende Satz stammt von ihm: Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber gibt er Gnade” (Ja 4. 6ff). Murrst auch Du über Deine Lebensumstände? Klagst auch Du andere darüber an und zeigst mit dem Finger? Dann wisse, daß vier Finger es sind, die auf dich zurückzeigen (siehe Jes 58. 2 - 10).  Gehe aus aus Deinem Stolz - Laß ab davon und tue Buße darüber!

(10) Sowohl der Vollständigkeit als auch der sachlichen Richtigkeit halber bleibt dazu anzumerken, daß Maleachi in seiner Forderung den Zehnten als Sammelbegriff verwendet. Es geht also nicht nur um einen einzelnen (wie einige sog. Glaubenslehrer u. a. behaupten), sondern um die Gesamtheit der verschiedenen Zehnten, die Israel – im Rahmen seiner ihm von Gott auferlegten Steuergesetzgebung – zu entrichten hatte. Daraus erklärt sich dann auch die Weisung, den ganzen Zehnten (Baader übersetzt: all den Zehnten) in das Kornhaus, in die Versorgungsstätte des Landes Israel zu geben.

    Diese Zehnten setzten sich zusammen aus:

zum ersten dem Zehnten, der sich aus der Gesamtheit der Jahreserträge des Landes ergab und als Bezahlung der landlosen Leviten und des Tempeldienstes zu entrichten war, den jene  – als Hebopfer – wiederum zu verzehnten hatten (3Mo 27. 30 - 34, 4Mo 18. 21 - 32),

zum zweiten dem Festzehnt, ein weiteres Zehntel der Jahreseinkünfte, das der Ausstattung und dem Unterhalt der Feste Israels gewidmet war (5Mo 14. 22 - 27)

und – aller drei Jahre, im sogenannten Zehntjahr – dem Armenzehnt, der – wie der Name sagt – besonders den Fremdlingen, Witwen, Waisen etc. zukommen sollte (5Mo 14. 28 - 29, 26. 12 - 13).

    Mit Einführung des Königsrechts zur Zeit Sauls kam der sog. Königszehnt dazu
(vgl. Sam 8. 4 - 20). Diesen besonderen Zehnten kann Maleachi aber kaum gemeint haben; wir erwähnen ihn lediglich der Vollständigkeit halber. Israel gab also keine 10, sondern – im Schnitt – etwas über 23,3 Prozent seiner Einkünfte an die Verwaltung, die Gott im Rahmen des Alten Bundes eingeführt hatte, und damit an Gott Selbst zurück. Daraus erklärt sich dann auch der Vorwurf Maleachis, nach dem Israel seinen Gott nicht nur betrogen, sondern auch beraubt habe (Mal 3. 8 - 9). Wir stehen heute jedoch nicht mehr unter aaronitisch-levitischer Verwaltung, sondern unter der unseres Herrn, der bekanntlich nicht aus Levi, dem Priesterstamm des Gesetzes, sondern aus Juda kommt (Hbr 7. 14). So ergibt sich sowohl aus der vorstehend erörterten Zusammensetzung als auch der neuen Verwaltung, unter der wir stehen, ein völlig anderer Zusammenhang als der, der heute durch jene weitverbreitete falsche Zehntenlehrefortwährend unterstellt wird.

(11) Das sind die gefüllten Scheunen nach Mal 3, 7ff, Mt 6. 19 - 26 – ausdrücklich im Zusammenhang mit Mammonsdienst genannt! –, siehe auch Lk 12. 16ff und andere.

(12) Damit sind aber dann zugleich auch all die Lehren hinfällig, nach denen man Maleachis Kornhaus mit einer am Ort organisierten Gemeindestruktur (dort, wo man die geistliche Nahrung empfängt, wie man sagt) gleichsetzt und sagt, daß der Zehnte ins Kornhaus, nach solcher Auslegung also in die eigene Gemeinde gehöre. Es ist natürlich besonders praktikabel, seine Gemeinde mit der Gemeinde eines Ortes gleichzusetzen. Da fließen all die erwarteten Gelder dann auch allein dort hin und füllen die jeweils eigene Scheune – respektive Bankkonto. Hier tritt uns jedoch nicht nur scheingeistlich verbrämte Eigensucht entgegen; das ist auch Hochmut, denn es klammert all jene Kinder Gottes aus, die im selben Gebiet sich in anderen Versammlungen zusammenfinden und sich in anderer Weise zusammengeführt sehen, als wir das für uns in Anspruch nehmen wollen. Wer sind diese dann, wenn wir für uns den angeblichen Status einer Ortsgemeinde schon reserviert haben? Ja, die eigene Gemeinde (im Wortsinn) mag so ein Gebilde wohl sein, das wir da errichten – aber ob es tatsächlich die Gemeinde Gottes ist, als die Gemeinschaft der von Ihm herausgerufenen und zusammengeführten Schar – sollte indes bezweifelt werden.

(13) Die heute oft verwendete Übersetzung alle an einem Ort ist unzutreffend. Die Fügung epi to auto ist wörtlich mit (hin)auf auf dasselbe hin oder auf dasselbe zu wiederzugeben. F. H. Baader übersetzt dies ebenfalls so und merkt dazu an mit derselben Absicht” (in: Die Geschriebene Teil II, Praktiken der Apostel, S. 782). Gemeinde bedeutet eben nicht die Konzentration auf einen Ort im Sinne einer Ortsgemeinde, wie man heute irrtümlich lehrt, sondern die Konzentration allein auf dasselbe, d. h. auf den die Versammlung sowohl rufenden (ekklesía) als auch zusammenführenden (synagoge) und darum (!) in ihrer Mitte gegenwärtigen Herrn.

(14) Man kann hier wohl mit Fug und Recht von dem göttlichen Urbild, ja geradezu von dem Modell der Gemeinde sprechen, als von dem Muster, in dem Gott sie Sich eigentlich gedacht hat. Dies sollten die, die doch immer so gerne von immer neuen Modellen und Methoden zur Gemeindebildung sprechen, sich durchaus einmal sagen lassen. Alle diese Methoden haben versagt und müssen auch weiterhin versagen; sie können nicht zum Ziele führen, weil sie letztlich an Gott vorbeigehen. Darum haben solche Gemeinschaften auch keinen wirklichen Bestand; sie zerbrechen nach gewisser Zeit oder leiden unter großer Fluktuation, wobei die notwendigen Beziehungen untereinander kaum zur Entfaltung kommen können, was der Liebe vollkommen abträglich ist. Darum erleben wir oft auch eine große Kälte innerhalb dieser nach Menschenwillkür strukturierten, machmal auch erst – etwa nach Gesichtspunkten missionarischer Effektivität künstlich umgebauten Gemeinden. Ich habe das durchaus miterlebt. Hier rächt sich alles eigene Bauen, weil man in solchem eigenen Bauen regelmäßig, schon vom System her den einen Stein verwirft, auf den es ankommt – Jesus, unser Haupt, Grund- und Eckstein der Gemeinde (1Ptr 2. 4 - 10).

(15) Damit erscheinen auch die Betonungen heutiger sog. Mega-Gemeinden in einem völlig unbiblischen Licht. Anhand der hier festgestellten Tatsachen müssen wir davon ausgehen, daß eine solche einseitige Ausrichtung auf ein zahlenmäßiges Gemeindewachstum schlicht falsch und irreführend ist. Hier sind vor allem in der jüngeren Vergangenheit biblische Maßstäbe ganz entscheidend verschoben worden – mit verheerenden Folgen: Denn hier wird die Tür ins Reich Gottes nicht geöffnet, wie man dies lauthals und an allen Orten proklamiert. Im Gegenteil – man schlägt sie gerade zu. War der Eingang ins Reich Gottes nicht die schmale Pforte? Und war es demnach nicht der schmale Weg, auf dem nur wenige gehen, der ins Leben führt, und führte dagegen nicht der breite, auf dem die vielen unterwegs sind, in die Verdammnis? Daß der Herr ausgerechnet in diesem Zusammenhang vor falschen Propheten warnt, kommt nicht von ungefähr (Mt 7. 13 - 20). Hatte der Herr zudem nicht der kleinen Herde verheißen, daß sie einst das Reich empfangen würde? (Lk 12. 32) Ihr seid das Salz der Erde, hatte Jesus den Jüngern gesagt; welchen Sinn aber macht Salz in großen Haufen? (Mt 5. 13) Entfaltet es seine Salzkraft nicht gerade in der Zerstreuung, in der Kraft seiner einzelnen Körner? Wir finden diesen Gedanken im Neuen Testament immer wieder vor; wir lesen etwa von Petrus, der an die auserwählten Auswanderer in der Zerstreuung schreibt, oder auch von Jakobus, der seinen Brief an die zwölf  Stämme in der Zerstreuung richtet (1Ptr 1. 21; Ja 1. 1).

    In all diesen Wahrheiten finden wir zumindest einen Teil des Grundes vor, weshalb die Gemeinde in Jerusalem zunächst einmal zerstreut wurde und nicht etwa – nach dem Diktat heutiger
Erfolgsprediger – als wohlstrukturierte, prosperierende Mega-Church am Ort verblieb. Zudem sollte das Evangelium zwar von Jerusalem ausgehen, um von dort aus die ganze Welt zu erreichen; doch sollte es dies ausdrücklich über Judäa und Samaria tun – den Landstrichen also, wohin die Gemeinde dann verschlagen und zerstreut wurde (Apg 1. 8). Auch hier liegt also nichts weniger als Gottes Plan und weise Voraussicht zugrunde. Noch fragwürdiger wird die hier initiierte, feststehende und damit langfristig einkalkulierte Diensteinteilung dann, wenn wir bedenken, daß das Gericht über Jerusalem beschlossene Sache war – im Jahre Siebzig blieb hier kein Stein auf dem anderen. Unter diesem Aspekt kommt auch den Veräußerungen der Grundstücke und Häuser, aus deren Erlösen man am Anfang die Not der Bedürftigen gestillt hatte, eine noch tiefere, vielleicht sogar ihre eigentliche Bedeutung zu. Hatte der Herr nicht gesagt, daß man jene Grundlage, die in dem Erwerb eigenem Gewinns lag, aufgeben sollte gib es den Armen, sagte Er – und dann komm und folge Mir nach? Hatte Er nicht immer wieder über die Vergänglichkeit und damit über den Trug irdischen Besitzes gesprochen? Welchen Sinn sollte es auch haben, jene Habe bewahren zu wollen, die nach jener Gerichtsankündigung Jesu, die wie ein Damoklesschwert über der Stadt lag, ohnehin ein Raub der Plünderungen und der Flammen werden würde?

    Man weite diesen Gedankengang nun einmal aus auf die Errichtung jener festgefügten Gemeindestrukturen und auf den Aufbau jener geldverschlingenden Paläste, die man heute so sehr liebt, daß sie in so mancher Verkündigung regelrecht schon zum
Ein und Alles geworden sind, hinter dem alles andere zurücktritt! – Wie der Herr Jesus in Mt 23. 37 - 24. 2 wortwörtlich angekündigt hatte – und das muß vielen der hier Angesprochenen bekannt gewesen sein –  wurde Jerusalem von den Römern zur Wüste gemacht, der Tempel – euer Haus, wie Jesus sagte – wurde geschändet und geschliffen. Über eine Million Juden fielen dem Gemetzel zum Opfer, das sich dabei erhob, oder wurden in die Gefangenschaft abgeführt. Der Titusbogen in Rom zeigt heute noch Darstellungen der aus dem Tempel geraubten und nach Rom mitgeführten Geräte. Das alte Israel hörte damals für eine geraume Zeit auf, als Land zu existieren, und man nannte das Land fortan syriae palaestinae – das Volk der Juden wurde vertrieben und erlebte eine Odyssee, die in der Welt ihresgleichen sucht. Dies sind Tatsachen, die erst im vorigen Jahrhundert – am 14. Mai 1948 – mit der Neugründung des Staates Israel wieder rückgängig gemacht werden konnten. Aber begonnen hatte all dies mit dem Wort des Herrn. Es scheint also nicht zuletzt Gottes Wille gewesen zu sein, die Seinen aus Jerusalem herauszubringen, bevor noch das angekündigte Gericht losbrach!

    Eine klare Vorschattung der hier angedeuteten Wahrheit, nach der es u. a. eben nicht um einen bestimmten Ort auf der Erde, sondern gerade um eine Auserwählung, um einen Herausruf aus solchen Orten (!) und damit auch um eine Ausrichtung geht –
auf dasselbe hin – , finden wir im Alten Bund vor, niedergeschrieben im elften Kapitel des Vierten Buches Mose. Hier, bei der Berufung und Geistbegabung jener siebzig Ältesten, sind wir wieder bei der Thematik, die oben in der Anmerkung 13 besprochen worden ist. Es lohnt sich, dem nachzugehen!

(16)
damals, in der frühen Kirche, vor allem über das Bischofsamt. Näheres dazu haben wir im vierten Kapitel der Zehntenlüge ausführlicher darzulegen versucht. Wir verweisen in dem Zusammenhang in aller Kürze auch auf das Königsrecht nach 1Sam 8. 6ff. Wohl hat Gott dieses Recht eingeführt, aber nicht, weil Er dies so wollte, sondern es geschah zum Gericht; man wollte in Israel einen König haben, um in der Welt akzeptiert zu sein – um zu sein wie alle anderen Völker auch. Gott allein – das genügte ihnen nicht mehr! Nun, Gott gab ihnen ihren König, den sie so heftig begehrten; aber er unterrichtete sie auch über das Recht, daß dieser König über sie ausüben würde. Königsrecht – König (Betonung von Leiterschaft), Hierarchie, Frondienst, Zehnter usw. – bedeutet nach der Schrift immer Abfall von dem lebendigen Gott!





Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
 Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969





Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Diese Schrift ist am 11. 05. 2013 zuletzt bearbeitet worden.

© 2003 ff.


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