Die Taufe nach der Schrift


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Die Taufe nach der Schrift

Volkskirchliche Tauflehren im Licht des Neuen Testaments

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Inhaltsverzeichnis

Quo Vadis? * Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe * Die Taufbundlehre – ein anderer Bund? *
Die Magd des Herrn: Mir geschehe nach Deinem Wort * Taufe und Unmündigkeit * Stellvertretender Glaube? *
Wer gibt wann wen in den Tod? * Durch den einen Geist zu einem Leib... getauft * Drei Kennzeichen der Anwesenheit des Geistes Gottes *
Nicht ihr habt mich erwählt... * Anhang: Die so genannten „Haustaufen” des Neuen Testaments




Inhalt
Einführung Anmerkungen Download
< Die Gabe und der Raub Die Versammlung Gottes >



Quo Vadis?


Epilog: Es werde Licht!

    Als ich vor über fünfundzwanzig Jahren als Glied der Evangelisch-Lutherischen Kirche innerhalb der damals noch bestehenden DDR zum Glauben kam, ahnte ich noch nicht, in welche Auseinandersetzungen ich dabei hineingeraten würde. Mehr als alles andere haben mich diese Differenzen geprägt, bis ich mich nach vielen Jahren von der lutherischen Kirche trennte und auf das Abenteuer
freier Gemeinden einließ, in der vergeblichen Hoffnung allerdings, hier Frieden und geistliche Erfüllung zu finden. [1] Es waren eigentlich drei Dinge, von denen ich alsbald merkte, daß etwas mit ihnen faul war, und dieser Eindruck wuchs alsbald zu einer tiefinnersten Überzeugung heran, die ich aufgrund nächtelangen Grabens in der Bibel zu diesen Themen gewonnen hatte. Das erste war die von der Pfarrerschaft unermüdlich aufgestellte Behauptung, daß wir „durch die Taufe zu Kindern Gottes gemacht worden seien, wobei überhaupt alles das, was mit dem Heil zu tun hatte, auf das entsprechende kirchliche Ritual verlegt worden war, bei dem vorgeblich Gott gehandelt habe. Das zweite war die damit zusammenhängende Praxis, Säuglinge zu taufen, indem man sie mehr oder weniger mit Wasser besprengte, obwohl dieselbe nirgends im Neuen Testament zu finden war; und das dritte war die überall grassierende Bibelkritik, die nur das gelten lassen wollte, was den Beschränkungen menschlichen Denkens genehm und unter den Befolgern der damals vielfach noch hochgelobten Bultmannschen Schule, einschließlich ihrer Nachfolgekonstrukte, zugelassen war. Seltsamerweise war diese selbe Verstandeshörigkeit in der kirchlichen Tauflehre wieder aufgehoben  indem man die Taufe (oder das, was man dafür hielt) kurzerhand zu einem Geheimnis erklärte, das sich dem Verstande vorgeblich nicht erschließen könne, entzog man die diesem zugrundeliegende Lehre zugleich jeglicher Möglichkeit, sie im Licht der Heiligen Schrift zu prüfen, wie es nach deren Vorbild sein sollte (Apg 17. 10 - 11, Eph 5. 9 - 10, Phil 1. 9 - 11, s. a. 1Thes 5. 20 - 21).

    Gott übergeht unseren Verstand nirgends. Wer immer auch verlangt, man solle den Verstand an der Garderobe abgeben, der treibt ein übles Spiel in dem Versuch, unliebsamen Ansichten den Boden zu entziehen und teilt diese Methode mit vielen Sekten, die eine durchaus vergleichbare Vorgehensweise an den Tag legen. Gott will jedoch nicht, daß wir aufhören zu denken, weil dies uns ein Talarträger möglicherweise so nahelegt, sondern, daß wir unser Denken Seinem Wort unterordnen und in den Bahnen dieses Wortes zu denken lernen, was mit derartigen, auf Unkenntnis des Gegenübers setzenden Winkelzügen jedoch unterbunden wird. Wohl nicht nur ich habe, lange unter solchem Einfluß stehend, Jahre gebraucht, um aus diesem Dunkel eigener Unsicherheit herauszukommen. Heute weiß ich, daß man damit jedes Nachfragen zur kirchlichen Taufhandlung von vornherein tabuisierte und quasi unmöglich machte, wovon jeder eine lebhafte Vorstellung hat, der eine solche Nachfrage in entsprechenden Gremien zu stellen wagte. Man sprach von Vorsicht und meinte damit lediglich, daß ich zu derlei Fragen zu schweigen hätte. Es gab keinerlei Freiheit, sich zu diesem Thema jenseits kirchlichem Diktats von Säuglingstaufe und Bibelkritik in der Kirche zu äußern, und so bestand am Ende keine wirkliche Kommunikation mehr in dieser Frage. Damit sah sich auch der Schreiber dieser Sätze mit seinen Fragen allein gelassen.

    U
mso mehr erwuchs daraus jedoch der Ansporn, Antworten auf diese Fragen in der Heiligen Schrift zu finden, die einer kritischen Diskussion würden stand halten können. Daraus ergab sich bald das weitere Dilemma, das im wesentlichen darin bestand, daß eben dieselben Pfarrer, mit denen ich über diese Dinge zu sprechen versuchte, sich von vorn herein extrem ablehnend und ausgrenzend gegen alles verhielten, was auch nur im Ansatz nach einer wörtlichen Inspiration der Heiligen Schrift roch, was bedeutete, daß eben diese Heilige Schrift als das, was sie ist, zu akzeptieren war: nicht nur als ein menschliches und von Menschen treu überliefertes, sondern als Gottes Wort. [2] Das war also kein einfacher Weg, galt es angesichts solcher Übermacht akademisch gebildeter Berufstheologen (damals war ich noch sehr jung im Glauben) doch zu erkennen, daß man sich mit diesem Tabu eindeutig gegen das Wort Jesu gerichtet hatte und damit zugleich zu verstehen gab, daß man das eigene Dunkel dem Licht der Offenbarung Gottes vorzog – ja man wurde sogar höchst unwillig und ungehalten, wenn jemand einen Satz zu sagen wagte, der auch nur ansatzweise andeutete, daß man an diesem Zustand etwas abändern sollte. Auch wenn ich mir selbst dies lange nicht einzugestehen vermochte, war ganz offensichtlich, daß man nicht wollte, daß Licht auf diese Dinge fiel. Wie sehr man sich damit gegen Gottes Wort und Weisung stellte, mag folgende Betrachtung erhellen, die genau dieses Licht zum Inhalt hat:

    Weiter sagte Er zu ihnen: »Die Leuchte kommt doch nicht herein, damit man sie unter den Scheffel oder unter die Liege setze? Nein, vielmehr damit man sie auf den Leuchter setze. Denn nichts ist verborgen, es sei denn, damit es offenbar werde; noch geschieht etwas verhohlen, außer damit es an die Öffentlichkeit komme. Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!«
Mk 4. 21 - 23

   
Die lichtspendende Leuchte ist ohne Zweifel etwas, was „von außen” in das das Haus des Lebens herein kommt. Ohne sie bliebe das Haus dunkel, da zu dessen Ausstattung wohl ein Leuchter, aber nicht die Leuchte und von daher auch nicht das Licht gehören: obwohl „von Haus aus” dazu angelegt, Träger des Lichts und damit sehend zu sein, muß der natürliche Mensch zunächst einmal selber dieses Lichtes entbehren. Licht und Leuchte kommen beide von Gott; damit sind sie Geschenk, und es ist entscheidend, wie der Bewohner des Hauses mit diesem Geschenk umgeht. Das Licht soll im Hause leuchten, soll Leitung und Orientierung geben. Diese Sätze sind insofern bedeutungsvoll, als daß sie der Herr im Zuge der Auslegung des Gleichnisses vom vierfältigen Ackerfeld anführt, die Er ausschließlich Seinen Jüngern zukommen läßt, welche Er ausdrücklich mit den folgenden Worten einleitet:

    Als Er allein war, befragten Ihn die, die mit den Zwölf um Ihn waren, wegen der Gleichnisse. Da sagte Er zu ihnen: »Euch ist das Geheimnis des Königreichs Gottes gegeben, jenen draußen aber wird alles in Gleichnissen gesagt, damit sie sehend sehen und doch nicht wahrnehmen, und hörend hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht umwenden und ihnen die Versündigungen erlassen werden
Mk 4. 10 - 12

    So ist ständiges Hören bei gleichzeitigem Nichtverstehen nichts weniger als ein klares Anzeichen von Gericht, von Draußen- und damit von Verlorensein. Damit beginnt der Herr Seine Erörterungen über die Gleichnisse, die jedoch Bildreden über die Geheimnisse des Reiches Gottes sind, und setzt diese Belehrung mit dem Gleichnis vom Leuchter fort, das wir oben angeführt haben. Ein weiteres Gleichnis vom Saatkorn, das ein Mensch sät, in Erwartung der Frucht, hinsichtlich der Ernte, schließt sich daran unmittelbar an, unmittelbar gefolgt vom Gleichnis vom Senfkorn, wobei Jesus alle diese Gleichnisse ausschließlich den Jüngern auslegte (V. 26 - 29 und 30 - 34). Alle diese Gleichnisse, in deren Mitte diese Rede steht, werden auch als Säemann-Gleichnisse bezeichnet. So steht die oben angezeigte Belehrung nicht für sich. Sie ist eindeutig in den thematischen Zusammenhang des Aufnehmens der Offenbarung (des Lichtes) des Wortes Gottes gestellt, und nicht umsonst beendet Jesus sie mit der dringenden Ermahnung:

    Dann sagte Er zu ihnen: »Gebt Obacht auf das, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch messen, und man wird euch noch etwas hinzufügen. Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von ihm wird auch das, was er zu haben meint, genommen werden.«
Mk 4. 24 - 25

    Auch bei Lukas sehen wir diese Ermahnungen in den Zusammenhang des Gleichnisses vom vierfältigen Ackerfeld gestellt, das die sehr verschiedenartige Art und Weise des Hörens des Wortes Gottes zum Gegenstand hat, mit der diesem jeweils begegnet wird, so daß der Same dieses Wortes in den Herzen entweder gedeiht oder auch verderben kann (Lk 8. 1 - 18). Wie Markus, so begründet auch Lukas dies mit dem Satz:

    Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was was nicht kundwerden und ans Licht kommen soll.
Lk 8. 17, unrev. Elberfelder

    Bei beiden geht es also um das Offenbarwerden des Lichtes des Wortes Gottes nicht nur in, sondern auch durch uns, das anderenfalls im Verborgenen, Geheimen Gottes bliebe: Es soll offenbar werden! Diese Warnungen
als solche sollten wir sie hören haben sich mir in dem Zusammenhang, in dem sie eindeutig stehen, zwar erst sehr spät erschlossen. Sie sind jedoch gerade darum höchst bedeutsam, denn hier wird nicht weniger ausgesagt, als daß der, der in weiten Bereichen nicht zuläßt, daß das Licht der Offenbarung Gottes in seinem Leben leuchte, das verlieren wird, was er bis dahin zu haben glaubte, während der, der dieses Licht scheinen läßt, zu dem Seinen in der Erkenntnis des Wortes Gottes noch viele Dinge hinzufügen wird, und zwar exakt nach der Maßgabe, die er dem Licht des Wortes Gottes zugebilligt hat. Es geht dabei weniger um die Fülle als vielmehr um die Art des Maßes, um den Gebrauch des Scheffels und der Liege, oder um den des Leuchters, wobei Letztgenannter dringend anzuraten ist. Wer also nie zu geistlicher Erkenntnis gelangt, der sollte sich fragen, in welchen Bereichen seines Lebens in Wort und Erkenntnis er das Licht der Offenbarung unter seinen „Scheffel” (die Sorge des Sammelns und des Zusammentragens) oder seine „Liege” (den Schlaf und damit die Finsternis der Nacht) gestellt hat. Es geht hier eben nicht darum, daß man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen solle, wie dies der Volksmund daraus gemacht hat. Umgekehrt ist es richtig: das „Licht” und der „Leuchter” sind ausschließlich Begriffe, die dem Wort und dem Geiste Gottes zuzuordnen sind, während die „Liege” und der „Scheffel” das darstellen, was „des Menschen” ist. Liege und Scheffel sind in der ihnen zustehenden Ordnung ohne Zweifel notwendig und gute Versorgung ist ein Segen; es ist aber nirgends gesagt, daß diese Dinge das Licht darstellten, das uns leuchten sollte. Das Licht Gottes gehört auf den Leuchter. Wer dieses Licht nicht zuläßt, muß im Finstern bleiben. Mit diesem Maße müssen wir messen und mit keinem anderen!

    Auch Paulus spricht davon, daß er ein Verwalter der Geheimnisse Gottes sei, der nicht wolle, daß seinen Lesern diese Geheimnisse verschlossen blieben, weil Gott Selbst es ja ist, der uns Seine Geheimnisse bekannt machen läßt (Eph 1. 9, 1Kor 4. 1f, Kol 2. 1f). Darum ist uns auch der Geist Gottes gegeben, der uns selbst die Tiefen Gottes erschließt (1Kor 1. 18). Auf diesen Geist mehr vertrauend als auf das Reden der Menschen, sollten Kinder Gottes sich stets ermutigt sehen, Erkenntnis in der von Ihm eingegebenen Heiligen Schrift (2Tim 3. 16)
selbst zu suchen und schließlich auch zu finden. Wer immer auch verkündet, daß man die Bibel nicht recht verstünde, ohne ein akademisches Studium der Theologie oder ähnliches absolviert zu haben, der redet die Lüge und nicht die Wahrheit, denn Gott hat einen anderen Weg der Wahrheitsfindung eröffnet, und dieser Weg erschließt sich uns nur durch den Heiligen Geist, der uns in der Wiedergeburt geschenkt wird: Ohne diese neue Geburt aus Wasser und Geist werden wir die Dinge des Reiches Gottes nicht gewahren, wie Jesus dies dem Pharisäer namens Nikodemus zu nächtlich dunkler Stunde eröffnet hat (Jo 3. 1 - 8). Wer also immer behauptet, daß ein wiedergeborenes Kind Gottes die (oder auch nur bestimmte) Dinge Gottes niemals erkennen könne, und zu diesen Dingen gehört zweifelsfrei die Taufe, der verdunkelt die Wahrheit und arbeitet damit gegen Gott Selbst. Gottes Geheimnisse bleiben dem, der Ihn fürchtet, nicht verborgen; dem aber, dem sie verborgen bleiben, ist dies ein Zeichen der Verfinsterung und damit, wie wir oben gesehen haben, des Gerichts. Dieses Gericht läßt sich allerdings nicht dadurch umgehen, daß man sie schulmäßig zu „erlernen” sucht, denn sie werden ausnahmslos von oben her geoffenbart bzw. enthüllt. Daraus ergibt sich das eine große und grundlegende Problem rationalistischer Theologie, daß sie mit ihrer als Wissenschaft bezeichneten Bibelkritik an der neuen Geburt vorbeigeht, die nämlich infolge des an den Glaubenden ergehenden Geschenks des Heiligen Geistes zu diesem Offenbarwerden der Dinge des Reiches Gottes führt (Jo 3. 3ff).

Der Fragensteller dieses Äons: Sollte Gott gesagt haben?

    Denn gerade diese fundamentale Bibelkritik ist es, mit der Satan als Fragensteller dieses Äons (1Kor 1. 8 wörtlich) das Wort Gottes grundsätzlich in Frage stellt und damit eben dieses Wort, das der Same zur Wiedergeburt ist (1Ptr 1. 23), für den Hörenden in seiner ganzen Substanz verdirbt, damit dieser es nicht aufnehmen kann, so daß diese neue Geburt nicht stattfinden kann oder, falls sich ein entsprechendes Wirken nicht mehr ganz verhindern läßt, dieselbe wenigstens im seelischen Bereich stecken bleibt, damit die Amtskirche in ihren Grundfesten nur ja nicht erschüttert werde. Es gibt für diese Irrlehrer keine absolute Wahrheit; Wahrheit ist in ihren Augen etwas, was es im Auge des Betrachters zu relativieren und damit seiner Unumstößlichkeit zu entheben gilt. So setzt sich menschliche Hybris über Gottes Wort, damit aber über Gott Selbst. In der Folge wird Sein Wort seiner Autorität beraubt, und was bleibt, sind einige eindrucksvolle Geschichten zwischen zwei Buchdeckeln, meinethalben auch Weltliteratur, an die man glauben kann oder auch nicht. Dasselbe Sollte Gott gesagt haben...?, das die alte Schlange schon dem ersten Menschenpaar entgegengeworfen hatte, wirkt auch hier denselben Betrug und zeitigt daher auch dasselbe Ergebnis (s. 1Mo 3. 1ff). Dazu gesellt sich die Irreführung durch die Taufwiedergeburtslehre, die den Menschen vorgaukelt, daß ebendiese Wiedergeburt in der Taufe geschehen und aufgrund derselben, wie man sagt, auch der Heilige Geist schon verliehen sei. Und auch die paulinische Gnadenlehre wird bemüht, um die vorgebliche Unumstößlichkeit des in der Säuglingstaufe vermuteten, vermeintlich göttlichen Handelns als etwas zu zementieren, das ganz jenseits menschlicher Einwilligung bestünde, weswegen diese Irrlehre auch so schwer als eine solche zu erkennen ist. Hier hat der Diabolos, der Durcheinanderwerfer, ganze Arbeit geleistet. Denn diese Lehre, die an die Stelle des Echten einen höchst fragwürdigen, weil nur scheinbaren Ersatz feilbietet, ist gerade in dieser Konstellation, da das eine mit dem anderen direkt zusammenwirkt, eine diabolische Irreführung par excellence, ist sie doch geradezu ein Schulbeispiel dafür, wie der Teufel arbeitet.

    So wird mit dem aus Taufwiedergeburtslehre und Bibelkritik bestehenden Gespann nachhaltig dafür gesorgt, daß geistliches Leben beeinträchtigt wird, oder, im schlimmsten Fall, je nachdem, wie hoch der Grad der Durchsetzung mit dieser Irrlehre gerade ist, nicht mehr stattfinden kann, und das unter der irreführenden Behauptung, daß man eben dasselbe geistliche Leben doch erhalten habe. Man tut also so, als habe man etwas, was man nach biblischer Aussage nicht haben kann. Die Entwicklung, die sich anschließt, ist geradezu fatal: Da man nach kirchlichem Dogma den Geist und mit ihm das neue Leben aus Gott in der Taufe schon empfangen haben will, dabei aber durchaus weiß, daß die Wirkungen des Geistes Gottes sich an den Früchten erzeigt, sucht man die Anwesenheit des Geistes nun unter Aufbietung aller eigenen Kräfte „unter Beweis” zu stellen, indem man nach Möglichkeit viele eigene Werke tut und diese Werke in der Lehre, aber auch in der kirchlichen Selbstdarstellung – als vermeintliche Folge dieses Lebens – entsprechend in den Vordergrund rückt. Echte Geistesfrucht wird in diesem Etikettenschwindel jedoch mit eigenen, ergo Fleischeswerken verwechselt, ein Umstand, den man fatalerweise damit ungeschehen zu machen glaubt, daß man diese eigenen Werke zu solchen des Geistes erklärt. Das Resultat ist eine gefährliche Irreführung durch ein in Werkgerechtigkeit verharrendes Christentum, das ebenso stolz wie vehement das vermeintliche Recht verteidigt, sich mit dem Namen schmücken zu dürfen, nach dem es lebe, während es nach dem Urteil des Herrn doch tot ist (Off 3. 2 - 3) – weil es in Seinen Augen ganz offensichtlich das nicht ist, was es vorgibt zu sein.

    Im Ergebnis ist ein solches Christentum zu nichts anderem mehr fähig als zu einem zwar wohlmeinenden, dennoch aber toten, kirchlich verbrämten Heidentum, das dem Irrglauben nachhängt, daß seine eigenen Anstrengungen schon Beweis empfangener Gnade seien, da es dem Trugschluß erlegen ist, nach dem es genügen müsse, wenn es sich in seinem Tun formal auf diese Gnade berufe, indem es vorgibt, daß sie an ihm auch ohne sich dem Thema Buße und Bekehrung jemals gestellt zu haben schon geschehen sei. Der Weg in die Gesetzlichkeit und der immer damit verbundenen vermeintlichen Selbstheiligung durch eigene Werke ist hier vorgezeichnet. Bei solchem Betrug nützt es dann auch herzlich wenig, daß dasselbe vorgibt, unter Christus zu stehen, wenn es dies wegen seines alten, gefallenen Wesens und seiner Natur zwar mit vielen menschlichen Aktivitäten, jedoch nicht mit wirklichem Leben zu erfüllen vermag, da es Letzteres nicht besitzt und aus eigener Kraft auch nicht aufbringen kann. Dieses Schicksal teilt es allerdings mit dem Weihnachtsbaum, der zum Fest wohl fein geschmückt worden ist, was ihm aber nichts nützt, da ihm die Wurzel fehlt; so muß er am Ende doch verdorren, um schließlich in den Abfall geworfen zu werden und mitsamt seinem ganzen traurigen Schmuck der Vernichtung anheimzufallen. Gewiß, mühen muß man sich, und nur allzu oft ist dieses Bemühen in gläubigen protestantischen Kreisen vernachlässigt worden. Aber alles Bemühen ist vor Gott nichts, wo Christus Selbst nicht gegenwärtig ist.

    Mitmenschlichkeit zu üben ist notwendig und löblich; wer sie aber losgelöst von Christus ausüben will, der entzieht ihr das notwendige Fundament, und dies darum, weil wir Menschen Sünder sind und ob unserer sündigen Natur der Herrlichkeit (des Ruhmes, der Ehre) ermangeln, die wir bei Gott haben sollten (Rö 3. 23) ein Mangel, den wir auch mit den allergrößten Bemühungen nicht wettmachen können, mußte doch Jesus am Kreuz hierfür Sein Leben lassen. Wer dies außer acht läßt, der mißachtet Gott und macht den Menschen allein zum Maß der Dinge; er setzt die eigene Gerechtigkeit an die Stelle der von Jesus erworbenen und schlägt dem Erlöser damit mitten ins Gesicht, was umso schwerer wiegt, da er seine eigenen Bemühungen als die Gerechtigkeit ausgibt, die vor Gott gelte, und somit zum Irreführer seiner Mitmenschen wird, denen er doch dienen zu wollen vorgibt. Ohne Gott wird Mitmenschlichkeit jedoch zur Beweihräucherung in Selbstgerechtigkeit, ein Bunker des Stolzes gegen Gott und somit nicht nur zur Farce, sondern auch zum Werkzeug des Bösen. So wird sie zum größten „Ablaßhandel” unserer Zeit, so daß derjenige, der sie an die Stelle des Evangeliums der Schrift setzt, und sei es, indem er sie mit diesem verwechselt oder ihm gleichsetzt, dann auch nicht darüber wundern darf, wenn er von Bibelkundigeren an der Stelle derer verortet wird, über die Paulus nach Galater 1. 6 - 10 sein großes Anáthema gesetzt hat, weil sie ein anderes Evangelium eingeführt haben neben dem, was durch den Heiligen Geist für alle Zeiten überliefert worden ist. Dieser Hang zur lediglich noch als „christlich” verbrämten Menschengefälligkeit [3] ist auch der maßgebliche Grund dafür, daß die Kirche, allen voran die evangelische, bis heute nicht aus ihrer geistlichen Lethargie entrinnen konnte und die Mitgliederzahlen weithin schwinden. Dazu gesellt sich die Aufgabe zentraler biblischer Lehrinhalte, und so ist es kaum verwunderlich, daß selbst Teile ihrer Oberen (erklärtermaßen!) [4] nicht mehr an den Kreuzestod Jesu als stellvertretendem Sühnopfer für die Sünde der Welt glauben, sondern daraus lediglich eine diffuse Solidarität Gottes mit menschlicher Armut, Krankheit und Tod gemacht haben, auf die man vertrauen solle.

    Den Grund solchen Sterbens zu sterben wirst du sterben (1Mo 2. 17) aber will man nicht kennen. Über die Notwendigkeit von Buße und Bekehrung wird kaum mehr gesprochen; Sündenerkenntnis, die vor dem heiligen Gott erzittern ließe, ist ein seltenes Gut. Wenig Erkenntnis besteht darüber, daß das Leben dessen, der zu Gott kommen will, nach dem Gesetz, Römer sechs und sieben gemäß, sterben muß, damit in ihm ein neues Leben aus Gott erstehe. Häufig werden diese Dinge relativiert und verharmlost, die sie Vertretenden belächelt, nicht selten auch bekämpft. So hat die Kirche ihre Konturen verloren und bietet keine Alternative mehr zu der sie umgebenden Welt, weil sie längst ein Teil derselben geworden ist. Eine solche Kirche kann niemand mehr ernst nehmen. Im Ergebnis des von ihr weithin vertretenen, ebenso seltsamen wie gefährlichen Konglomerates aus magisch verstandener Säuglingstaufe, Bibelkritik, Werkgerechtigkeit und dem Hang, Menschen zu gefallen, sehen wir die Grenzen zwischen dem Reich Gottes und der Welt zuerst verwischt, dann zunehmend aufgegeben. Das Evangelium ist dabei langsam, aber stetig zu einem bloßen Appell an ein gutmenschlich-soziales Engagement verkommen, das zwischen „Gut” und „Böse” kaum mehr zu unterscheiden vermag. Damit ist die Kirche, die Christsein immer mehr allein an einem äußerlichen Befolgen der Bergpredigt festmacht, häufig anfällig geworden für einschlägig „sozialistische” Ideologien. So sind Breschen gerade inmitten der Großkirchen geschlagen worden, durch die weitere zumeist kulturrelativistische Irrlehren eingebrochen sind, und so hat man dem Feind eine ganze offene Breitseite dargeboten, auf die er fortan seine Giftpfeile abschießen, sich auf derselben nach Lust und Laune austoben und das Ganze für seine bösen Zwecke instrumentalisieren kann. Zugleich aber sind damit zentrale biblische Lehren den Sekten preisgegeben worden, die sich an den Rändern in- und außerhalb der Kirche ausgebreitet haben. Die Folge ist eine ebenso geistliche wie zahlenmäßige Erosion, die am Ende bestandsgefährdend wirkt. Das im wesentlichen der Zustand, wie er sich heute darbietet.

Von der Toleranz: böse und gute Fundamente

    Für diese Entwicklung geradezu charakteristisch ist die stete, mitunter von dem Anmahnen von „Demut verbundene Einforderung, daß man derlei Meinungen zu „tolerieren” habe, während man dieselbe „Toleranz” gegenüber Andersdenkenden naturgemäß nicht zu gewähren bereit ist. [5] Diese Vorgänge stellen unter anderem wohl auch die Ursache dafür, weshalb es in den Kirchen allem Anschein nach – oft bis in die Besetzungen der Pfarrämter und sogar bis in höchste Gremien hinein – eine Unterwanderung durch so viele seltsame politische Gruppierungen gegeben hat, die meist dem linksgrünen, marxistisch indoktrinierten 68er „Ungeist” frönen, während sie naturgemäß mit einem Evangelium, das der Heiligen Schrift gemäß wäre, nun wirklich gar nichts am Hut haben und aus ihren Reihen sogar oft – und zuweilen sehr aggressiv – gegen Menschen vorgegangen wird, die ein solches vertreten. Der Marsch durch die Institutionen ist also auch hier für sie erfolgreich gewesen und verdrängt alles andere. Tatsächlich sehen sich gerade schriftgläubige Christen heute zunehmend einer Feindschaft ausgesetzt, deren Ausmaß und Militanz, die mittlerweile auch vor körperlichen Angriffen, Kirchenschändungen und Brandanschlägen nicht haltmacht, selbst im DDR-Alltag noch undenkbar gewesen wäre. Hier ist längst eine Saat des Hasses aufgegangen, deren Herkunft in der Demagogie sicher nicht aller, aber doch vieler solcher Gruppierungen durchaus zu verorten ist. Ein Blick auf die Kirchentage der evangelischen Kirche mit ihren „Märkten der Möglichkeiten”, auf denen biblisch fundierte Angebote eher ein Schattendasein frönen, während vorrangig sozial-politischen Erwägungen gefrönt und außerbiblische Lebensentwürfe bis hin zu Esoterik, Götzendienst und Okkultismus präferiert oder gar gefeiert werden, läßt uns dieses Bild recht schnell bestätigt finden. Tatsächlich präsentieren sich diese Ereignisse in weiten Bereichen eher wie Parteitage der „Grünen”, als daß sie eine Ermutigung zu schriftgemäßem Glauben wären.

    Auch die Vertreter der Schöpfungslehre sehen sich vermehrt Anfeindungen, Ausgrenzungen und Stigmatisierungen ausgesetzt. Wer immer auch die vorherrschende darwinistische Doktrin zu kritisieren wagt, wird schnell in die Ecke bösartiger und aggressiver Radikalisten gestellt, die ihrerseits, so der Tenor, gegen die Evolutionisten vorgingen. Hier scheint allerdings wieder einmal der sprichwörtliche Dieb nach dem Dieb zu schreien, während er selber die Diebesbeute noch in der Hand behält: Ein aggressives, gegen die Person gerichtetes Vorgehen gegen Andersdenkende ist jedem Christen, der sein Christsein wirklich leben will, nämlich fremd; es ist nicht bei ihnen, sondern regelmäßig auf der Seite derer vorzufinden, die ihnen dies vollmundig und vor allem medienwirksam zu unterstellen suchen; daß ausschließlich diesen in den Medien eine Stimme eingeräumt wird, während dieselben Medien höchst einseitig gegen die Kreationistenagitieren, vermag indes eindrucksvoll darauf hinzuweisen, wem in diesem Lande Macht gegeben worden ist und wem nicht. Dasselbe betrifft auch alle die, die angesichts einer überbordenden Homosexualisierung schon im Kindesalter, Genderismus und Abtreibung ein kritisches Wort zu sagen wagen. Gegen solche hat es, neben verbalen Entgleisungen und Verleumdungen mittlerweile auch bereits gewalttätige Übergriffe gegeben, die dem zumeist linksgrünen, feministischen und z. T. auch dem radikal-militanten Homosexuellen-Lager zuzuordnen sind, mit dem ich aber ausdrücklich nicht alle homosexuell empfindenden Menschen in einen Topf geworfen wissen will. Der Ton im Umgang mit Andersdenkenden ist rüde geworden in diesen Tagen; eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Gegenüber findet so gut wie nicht mehr statt; emotionale und unterstellende Polemik hat vielfach ihren Platz eingenommen. Wir erleben ein neues und doch schon so altes Phänomen auf unseren Straßen, und dies Phänomen trägt das Wort Haß im Namen.

    Daß Menschen, die etwa gegen die Sünde der Abtreibung demonstrieren und sich damit, gegen das vermeintliche Recht auf Tötung unwillkommenen Lebens im Mutterleib stellend, für das Lebensrecht Ungeborener einsetzen, in Sprechchören der gegen sie vorgehenden (wie wir meinen fälschlich so genannten) Antifa und einschlägigen Kreise gar als Nazis (!) diffamiert und niedergeschrien worden sind, wobei es seitens dieser Gruppierungen bereits zu Tätlichkeiten gegen friedlich Demonstrierende und zu Sachbeschädigungen gekommen ist, hat sein eigenes übles Geschmäckle; man könnte ob des absurden Theaters lachen, wenn es in seiner Verblendung nicht so traurig wäre: hier beschimpfen Menschen aus sozialistischen Gruppierungen, die sich allerdings selbst wie die von ihnen vorgeblich bekämpften Nationalsozialisten aufführen, andere Menschen, die eben diese ihre Haltungen und Ideologien in der Tat kritisieren, als solche, die sich verhalten wie sie selbst es de facto gerade tun. Dabei stört es sie nicht, daß sie selbst faktisch denselben Ideen anhängen, in deren Verwirklichung unerwünschtes Leben ganz legal und wie selbstverständlich getötet werden darf, während sie ihre Kritiker gerade niederschreien, und ganz wie damals, so soll ein pervertierter Biologismus auch heute dafür herhalten, wenn es daran geht zu begründen, weshalb gerade dieses Leben, Zellhaufen genannt, denn nun vernichtet werden dürfe.

    Endet damit diese Heuchelei? Weit gefehlt! Wieder sind es dieselben Propagandisten vor allem aus „linken” und „grünen” Kreisen, die etwa, wegen beklagenswerten Einzelfällen, die Katholische Kirche als einen vorgeblichen Hort von Kinderschändern diffamieren, während gerade aus ihren Reihen Stimmen erhoben wurden und werden, die in großem Stil darauf auslaufen, Inzest und Päderastie zu legalisieren, mit allen den Begleiterscheinungen, die unter anderem aus solchen Einrichtungen wie der einstmals als einschlägiges Reformprojekt erschaffenen Odenwaldschule stammten; Dinge, wie sie auch von Leuten berichtet worden sind, die in der Zeit der so genannten Achtundsechziger von ihren „Erfahrungen” im sexuellem Umgang mit Kindern, vorrangig Knaben, geschwärmt hatten und heute in höchsten politischen, teilweise sogar supranationalen Gremien sitzen. Dieselben Leute, die sich in den Medien ebenso seiten- wie monatelang höchst empört darüber geben können, wenn ein paar selbsternannte Eiferer etwa den islamischen Glauben karikieren, finden auch nichts daran, wenn aus ihren Reihen die schlimmsten und abscheulichsten Blasphemien gegen unseren Gott und den christlichen Glauben geschleudert werden: Dasselbe, was ihnen gerade noch verurteilenswert erschien, gilt ihnen, so es sich nur gegen Christus und die Christen richtet, als Ausdruck legitimer Kulturfreiheit, in der jeder Dreck und jede Perversion zur „Kunst” erklärt werden darf – und wehe dem, der daran öffentlich zu rühren wagt. Gläubigen Christen aller Denominationen weht auch hierzulande mittlerweile ein scharfer Wind ins Gesicht. Alles das wird, neben den Christenverfolgungen vor allem in der islamischen Welt, von den entsprechend eingefärbten Mainstream-Medien naturgemäß seit Jahren verharmlost, relativiert oder gleich ganz verschwiegen; manchmal wird es sogar noch verherrlicht, so daß solchen Leute eine Bühne gegeben wird.

    Wir erleben gegenwärtig, daß gerade Linksradikale, wie auch diverse Islamisten, in einem in der Zeit nach dem Kriege nicht gekanntem Maße salonfähig gemacht werden. Wohlfeile Studien werden veröffentlicht, die belegen sollen, wie böse und intolerant das Volk doch sei, das solche Dinge ablehnt. Ich fühle mich an die Weimarer Republik erinnert, als in deren Verlaufe aus den diversen linken, sozialistischen Strömungen heraus der Nationalsozialismus entstand, der sich am Ende gegen sein rotes Original mit derselben Brutalität durchsetzte, mit der bereits dieses angetreten war, um das sich in der Mehrheit als christlich verstehende, teils aber auch aus Juden bestehende Bürgertum auszumerzen oder doch, im Falle der Erstgenannten, wenigstens im Sinne eigener Propaganda umzukehren. Andererseits sind dieselben Medien sehr schnell dabei, wenn es gilt, mit zweifelhaften, aber durchaus geschickt gemachten, nur dem Anschein nach seriös gefertigten Reportagen bibelgläubige Christen zu diffamieren, wobei man sehr bemüht zu sein scheint, jede Unterstellung, die im Schwange ist, und auch jeden nur möglichen Fehler aufzunehmen, entsprechend auszunutzen und dabei ja nichts auszulassen. Dasselbe Geschick wird angewandt, wenn in diversen Spielfilmen etwa die Fiktion eines intoleranten, böswilligen, verbohrten und beziehungsunfähigen „christlichen” Monsters kreiert wird, das sich in den absurdesten Situationen darin gefällt, Bibelverse vor sich hin zu rezitieren, am besten noch mit einem von Blut triefenden Messer in der Hand. Dieselbe Kunst war bei den Nationalsozialisten bereits gebräuchlich, als sie solche Machwerke wie Jud Süß produzierten, und dies entspricht auch der Art der Demagogie, die auch heute wieder über Jahre geht; sie ist für gewöhnlich die Saat, die Haß gebiert und aus der überall auf der Welt Christenverfolgungen geboren werden, wie damals jene Judenverfolgung geradezu unerhörten Ausmaßes durch Propaganda nahezu derselben Qualität hervorgebracht wurde, die zuletzt in 6 Millionen Ermordeten gipfelte – eine Propaganda, die heute heute freilich im Gewand des vorgeblich „Nazis (austauschweise Rechtspopulisten) bekämpfen” wollenden, häufig pseudo-christlichen Biedermannes daherkommt, weswegen sie in ihrer Gefährlichkeit von so wenigen erkannt wird und statt dessen so viele Mitläufer findet wie weiland die Nationalsozialisten selbst.

    Einen Gipfelpunkt hatten diese Auseinandersetzungen mit der Forderung einiger evangelischer „Kirchenleiter” aus dem linken bis linksradikalen sowie dem liberal-theologischen Spektrum in 2011 erreicht, nach der es an der Zeit sei, nun auch offen gegen so genannte „christliche Fundamentalisten vorzugehen, deren Gedankengut man als „rassistisch” und „menschenverachtend” verunglimpfte. Anlaß waren die Mord- und Terroranschläge des zwar für zurechnungsfähig erklärten, offensichtlich jedoch verhaltensgestörten Norwegers Anders Behring Breivik vom 22. Juli desselben Jahres, nachdem dieser in den Medien wahrheitswidrig als ein solcher bezeichnet worden war. Als „Fundamentalisten wurden dabei ausgerechnet jene benannt, die an Inhalte wie Jungfrauengeburt, Sühnopfer und die Irrtumslosigkeit der Bibel glauben. Mit Recht ist dies durch seriöse Theologen jedoch zurückgewiesen worden. [6] Damit aber wurden wiedergeborene Kinder Gottes mit einem Prädikat versehen, wie es sonst nur islamischen Selbstmordattentätern und Bombenlegern zugeeignet wird, und somit entsprechend stigmatisiert. Daß Letztgenannten jedoch das eine Hauptmerkmal so genannter „christlicher Fundamentalisten” fehlt, nämlich der persönliche Glaube an Gott, der Sich uns in Jesus Christus offenbart, sowie an die Heilige Schrift als überliefertem Gotteswort an sich, schien diesen Leuten „versehentlich” entgangen zu sein. Ebenso entgangen zu sein schien ihnen auch, daß die Lehrgrundlagen christlicher so genannter Fundamentalisten” nicht nur jeglicher Gewaltanwendung widersprechen, sondern sogar solche Dinge wie die Feindesliebe betonen, so daß sie denen des radikalen Islam diametral entgegengesetzt sind: für dessen Befolger sind solche Vorstellungen lediglich ein Ausdruck von Schwäche, was sie mit Breivik und anderen desselben Schlages allerdings gemeinsam haben. Breivik bezeichnete sich übrigens selbst als einen Kulturchristen, der nichts anderes als ein sich auf eine „christliche Kultur” berufender Atheist oder Agnostiker” sei. Er dürfte einen Großteil seiner Vorstellungen eher aus der Freimaurerei bezogen haben, die sich in Norwegen recht christlich gibt. Hierzu dürfte, wenigstens in Teilen, auch der Templermythos gehört haben, dessen Breivik sich bedient hat. Freimaurerei und Christsein im Sinne der Lehre schließen einander jedoch genauso aus, wie die Bibel auch keine Kulturchristen kennt. [7]

    In offenkundiger Unkenntnis dieser Dinge verstieg sich denn auch die evangelische Pastorin Adelheid Ruck-Schröder in der ARD-Sendung Wort zum Sonntag” vom 24. 07. 2011, den Attentäter, der allerdings selbst erklärt hatte, keine Beziehung zu Jesus und Gott zu haben, mit solchen Menschen in einen Topf zu werfen: Wer fundamentalistisch denke, schätze „den Tod leicht höher als das Leben”. In dieselbe Kerbe schlug sogleich das ZDF in Gestalt seines damals schon einschlägig bekannten Terrorexperten Theveßen. Auch solche Printmedien wie der Spiegel, der Breivik als Christ und Massenmörder zugleich bezeichnete, stimmten in diesen ebenso absurden wie hetzerischen Chor mit ein. In der Politik wurden Stimmen laut, nach denen bereits der sich verdächtig mache, der sich von den Großkirchen abspalte. [8] Hier ist im Stil einer scheinbar sachlich-biedermännisch daherkommenden so genannten „Berichterstattung eine ganze Lawine an Falschaussagen, Unterstellungen und böswilligen Haßtiraden losgetreten worden, so daß man mit Fug und Recht von einer ebenso irreführenden wie zielgerichteten Kampagne gegen ernsthafte Christen sprechen kann, mit der ein Geist bedient worden ist, aus dem es weltweit zu Übergriffen, aber auch hierzulande bereits zu Anschlägen gegen vor allem katholische Kirchen und kirchliche Einrichtungen gekommen sein dürfte. [9] Mit solcher Hetze, die nur vordergründig aus den „eigenen Reihen” zu kommen scheint, kulminiert im Grunde jedoch nur ein Werdegang, der in den weiter oben beschriebenen Zusammenhängen begründet ist. Dieselben Entwicklungen haben sich allerdings schon in den evangelischen Landeskirchen in der ehemaligen DDR recht gut nachverfolgen lassen, wenngleich sie (systembedingt) nicht dieses hohe Maß der Ausprägung oder gar Radikalisierung erreicht haben dürften. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, speist sich doch diese Entwicklung, die freilich wegen kommunistischer Restriktionen gebremst verlief, letztlich aus denselben Wurzeln. Sie fand im Westen auch reichliche Unterstützung durch artverwandte Kreise. So hatten die diversen Bürgerrechts- und Umweltbewegungen in der DDR zu einem guten Teil im Raum der evangelischen Kirche ein Dach gefunden, obwohl sie mit dem Evangelium nach der Schrift (dem sie zumeist ablehnend gegenüberstanden) nichts zu tun hatten, zumal nach dessen Lehre weltliche Politik und Gottesreich strikt voneinander zu trennen sind (Mt 22. 15 - 21, Rö 13. 1 - 7). Die Unterwanderung dieser Kirche gerade auch mit Spitzeln der DDR-Staatssicherheit dürfte von hier aus, gerade wegen der politischen Ausrichtung dieser Gruppen, noch zusätzlichen Auftrieb erhalten haben.

Von Sadduzäern, Pharisäern und anderen Besserwissern

    Daß wir es vor allem in den Volkskirchen mit zwei einander feindlichen, grundlegend jedoch beiderseits problematischen Strömungen zu tun haben, ist eingangs schon ein wenig angedeutet worden: Wie zu den Zeiten des Erdenlebens Jesu, finden auch wir heute die Linie der „Sadduzäer” (der Liberalen und Auferstehungsleugner) auf der einen Seite und die der „Pharisäer” (der vom Volk Abgesonderten und Gesetzesstolzen) auf der anderen vor, deren jeweilige Lehren und Intentionen dem Anspruch Gottes nicht genügen können. Insofern gibt es auch hier nichts Neues unter der Sonne (Pr 1. 9). Zu den „Sadduzäern” (um in diesem Bilde zu bleiben) haben wir uns oben bereits geäußert; dem Schreiber sind die Zustände vor allem in der evangelischen Kirche soweit bekannt, daß er sich das Recht herausnehmen zu dürfen glaubt, von einer innerkirchlichen Diktatur vor allem linksgerichteter Liberaltheologen sprechen zu dürfen, die jeder Art von Werterelativismus Tür und Tor geöffnet hat, sich dafür zumeist aber sehr unduldsam und ungehalten artikuliert, falls einmal Andersdenkende, Bibeltreue gar, die Bühne des Geschehens betreten sollten. Wenden wir uns nun jedoch den „Pharisäern” zu, die unsere Reihen bevölkern. So ist an die Stelle des Lichtes wirklicher Offenbarung, die nur der Geist geben kann, gerade in konservativen, sich streng lutherisch gebenden Kreisen sehr häufig eine enge (gesetzliche), starre und tote Orthodoxie getreten, in der nur der, der Theologie studiert oder wenigstens entsprechende Kurse belegt hat, dann auch das Wort verkündigen darf im Gegensatz zum Neuen Testament, in dem nicht nur Jesus Selbst, sondern auch Seine Zeugen keinerlei Bildungsweg absolviert hatten als nur den, von Gott, dem Vater, gemeinsam erzogen und von Seinem Geist geführt worden zu sein (Jo 7. 15, Apg 4. 13, Ga 1. 12, Hbr 5. 8). [10]

    Dies gilt für alle anderen Denominationen, ihren jeweiligen Ausprägungen gemäß, freilich in gleicher Weise, und davon sind gerade auch die nicht ausgenommen, die ihre eigene Gruppe, in Abgrenzung zu den anderen, als „denominationslos” bezeichnet und damit, wie jene Korinther, die sich einst „christlich” nannten, doch wieder eine eigene Denomination begründet haben (1Kor 1. 11 - 12). Das ist besonders fatal und irreführend, wird hier doch der Name Christi als Name einer sich besonders christlich gebenden Parteiung mißbraucht. Und doch macht man dort nur allzu häufig genau das, was alle anderen, die man darum mit Fleiß verurteilt, auch machen: Die neutestamentliche Regel, nach der in den Versammlungen „ein jeder etwas habe”, ist klar aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt. Das kann auch kaum anders sein, wenn doch der Geist aus solchen Treffen durch menschlichen Eigenwillen und anhaltende Untreue entweder vertrieben worden ist oder noch nie Einzug halten durfte, welcher ein solches Miteinander in Lehre und geistlichen Gaben überhaupt erst ermöglicht (Apg 2. 1ff, 1Kor 12. 4 - 13ff, 14. 26 -33; 40). Daß die Gegenwart Gottes, wie in den Tagen des alten Israel, aus solchen Versammlungen, die das Prädikat „Gottesdienst” zu Unrecht tragen, auch entweichen kann, daran müssen wir uns in unserem Stolz freilich erst noch gewöhnen. Denn auch hier ist es nicht der Mensch, sondern Gott, der das Urteil spricht, und Er spricht es zuletzt durch den Entzug Seiner Gegenwart. Wenn das Gottesurteil Ikabod” („die Herrlichkeit ist gewichen”, 1Sam 4. 21) erst einmal gefallen ist, nützt es herzlich wenig, daß man zuvor das Lied „Gott ist gegenwärtig” in oberflächlicher Weise angestimmt haben mag. Ob unsere Gottesdienste einen liturgischen Bezug haben oder eher frei gestaltet werden, ist dabei nicht von Belang: Ist Gottes Gegenwart nicht oder nicht mehr vorhanden, ist alles das ein trauriger Schein und Selbstbetrug.

    Daß auch die wohl meisten der so genannten „neuen respektive freien Gemeinden” mittlerweile faktisch dieselbe Entwicklung genommen und einen mitunter recht etablierten Klerus hervorgebracht haben, der sich der entsprechenden Vorrechte rühmt, die geistlichen Anteile zu besitzen [11], während es allen anderen mehr oder weniger ausschließlich obliegt, die Stühle zu stellen, den Saal zu ordnen, den Sanitärbereich zu putzen, die Predigt der Leiterschaft zu bestätigen und die ganze Angelegenheit zu finanzieren, zeigt überdeutlich, daß sie vor Jahrzehnten wohl aus einer in eigenen Augen abtrünnigen Kirche, nicht aber dem Wesen der dieser so gerne unterstellten Abtrünnigkeit wirklich ausgegangen sind und sich somit in demselben Widerspruch zur Heiligen Schrift befinden, den sie in der Volkskirche generell vorgefunden zu haben glauben (1Ptr 5. 1 - 4). Bei dem Übermaß des in solchen Kreisen vorherrschenden „fremden Feuers”, das man mit gesetzlichem Eifer zu verbreiten sucht, sollte man sich allerdings nicht wundern, wenn es gerade dort so viele ausgebrannte Christen gibt, während Gottes Feuer wohl brennt, reinigt und heiligt, seinen Träger selbst aber nicht aufzehrt (vgl. 2Mo 3. 2 im Gegensatz zur Rotte Korah in 3Mo 10. 1 - 3). Daß man diesem De-Facto-Klerus biblische oder scheinbiblische Bezeichnungen – Apostel, Prophet, Lehrer, Pastor etc. pp. – untergeschoben hat, macht es allerdings nicht richtiger, sondern schlimmer – denn auch, wenn man dies hinter der Wahl der „richtigen” Begriffe verborgen haben und sich damit selbst belügen mag, bleibt es doch ein eigener (und damit sektiererischer) Weg, der nichts anderes zeigt, als daß man in seinem Bestreben, selbst zu bauen, den göttlichen Eckstein genauso verworfen hat wie jene, die man (in eigenen Augen) selber dieser Sünde anklagt (1Ptr 2. 4 - 8). Auch dieses zeigt, daß das „richtige Etikett”, wiewohl man sich damit „auf seine untrügliche Bibel” beruft, noch lange kein Erweis dafür ist, daß das, was darauf geschrieben steht, darunter auch zu finden ist. Insofern haben wir es auch hier mit einer waschechten Irreführung zu tun, die noch gravierender ist als die erste, da sie sich mit biblischen Begriffen tarnt.

Dualismus von Bildung und geistlicher Offenbarung

    Wir polemisieren nicht gegen Bildung, auch nicht gegen theologische, und so agieren wir natürlich auch nicht gegen eine Berufung, dem Herrn in diesem Feld zu dienen. Wir sind zwar nicht von der Welt, leben aber in der Welt, und menschliche Bildung ist in der Welt nicht nur segensreich, sondern auch unabdingbar. In Bezug auf geistliche Dinge aber ist sie dem Wesen nach Fleisch; sie kann keine geistliche Offenbarung hervorbringen, da Fleisch den Willen Gottes weder zu erkennen noch auszuführen vermag (Jo 3. 6, 6. 63 - 64); Fleisch und Blut haben keinen Anteil am Reiche Gottes (1Kor 15. 50). Doktoren- und Professorentitel mögen in der Welt einen guten Klang haben; dort sollen sie auch ihre Ehre finden; im Reiche Gottes sind sie jedoch nicht nur nichts wert, sondern die Berufung auf sie ist geradezu schädlich, da Gott die Weltweisheit erklärtermaßen zunichte machen will und ausschließlich das beruft, was in der Welt nichts gilt (1Kor 1. 18ff). Nichtsdestotrotz hält man diese Dinge für das Licht der Offenbarung, und so bewahrheitet sich aufs Neue das Wort des Herrn: Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wieviel dichter ist dann die Finsternis! (Mt 6. 23). Im Grunde hat man damit den selben alten Irrtum konserviert, dem die römische Kirche erlegen ist. Wenn der Papst im Zuge seiner Begegnungen im Rahmen der Ökumene etwa den hoffnungsfrohen Evangelischen erklärt, daß der Glaube nicht verhandelbar sei, dann wird etwas davon sichtbar. Solche Sätze wären richtig, wenn das Umfeld stimmte. An dieser Stelle aber berücksichtigen sie nicht die gewichtigen menschlichen und außerbiblischen Einflüsse, die dem römischen Glauben zu eigen sind. So vermögen sie auch nicht zu denen zu dringen, denen sie gegolten haben, und das völlig zu Recht, weil sie im theologischen Liberalismus befangen sind.

    So bleibt Richtiges oft ungehört. Das ist auch eine Frage geistlicher Vollmacht, die gewiß an die Erkenntnis, aber sehr viel enger noch an unseren Gehorsam gegenüber diesem Erkannten gekoppelt ist. Damit will der Schreiber dieser Sätze sich gewiß nicht über seine Mitchristen erheben. Es bleibt festzustellen, daß alle von uns, die wir geistliche Aussagen machen wollen, immer auch unser Eigenes hinzufügen, anderes aber übersehen werden, da wir als Menschen fehlbar sind. Berücksichtigen wir diese unsere Fehlbarkeit nicht, dann geschieht an uns jedoch genau dasselbe Gericht, dem die Pharisäer der Zeit Jesu erlagen, da sie in stolzem Hochmut verkündeten, daß sie sehend seien, während aus genau demselben Grunde ihre Sünde blieb (Jo 9. 41). Gleichzeitig stießen sie den im Wunder Jesu sehend Gewordenen hinaus, womit sie auch das Licht, das Jesus ihm geschenkt hatte, von sich stießen (V. 34) und somit Jesus, der das Licht ist, Selbst verwarfen (s. Jo 1. 5, 10f). [12] Sie alle zeigen, daß die Welt, und sei sie noch so belesen, den Geist Gottes, der der Geist der Wahrheit ist, nicht empfangen kann (Jo 14. 17). Dem Wiedergeborenen aber, sei er nun akademisch gebildet oder nicht, bleiben Seine Geheimnisse nicht verschlossen, denn Gott enthüllt sie ihm durch Seinen Geist, während der Weltweise sie nicht zu entschlüsseln vermag (1Kor 1. 18ff, 2. 6 - 13 s. u.; vgl. Mt 13. 10 - 17). Dazu bedarf es in ganz erheblichen Maße geistlicher Demut. Ein hochmütiger Mensch, der immer nur andere kritisiert, wird nichts erkennen oder seine Erkenntnis verlieren. Jemand, der noch viel von sich hält, kann Gott nicht gebrauchen. Nichts ist Gott so zuwider wie ein hoffärtiges Wesen, das wohl alle anderen, sich selbst aber niemals in Frage stellen würde.

    Wir reden allerdings Weisheit, unter den Gereiften; aber keine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Obersten dieser Welt, welche vergehen. Sondern wir reden Gottes Weisheit im Geheimnis, die verborgene, welche Gott vor den Weltzeiten zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat, welche keiner der Obersten dieser Welt erkannt hat; denn hätten sie sie erkannt, so würden sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben. Sondern, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben”, hat Gott aber uns geoffenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes. Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott gegeben ist; und davon reden wir auch, nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches geistlich beurteilen. Der seelische Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geiste Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht verstehen, weil es geistlich beurteilt werden muß. Der geistliche Mensch aber erforscht alles, er selbst jedoch wird von niemand erforscht; denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, daß er ihn belehre? Wir aber haben Christi Sinn.
(1Kor 2. 6 - 16, Schlachter)

    Paulus hat diese Geheimnisse alle gelehrt und damit ans Licht gebracht, so daß ein jeder, der von neuem geboren war und damit den Geist Gottes hatte, diese auch verstehen und im Glauben ergreifen konnte. Die Taufe ist wohl ein geistliches Geheimnis; nichtsdestotrotz hat sie nichts Mystisches an sich. Einen solchen Mystizismus, der von verschlossen bleiben müssenden Geheimnissen lebt, kennt das Neue Testament nirgendwo; es gibt ihn nur im Okkultismus (lat. occultus = das den Augen Verborgene, Verdeckte, Geheime, verschlossen Seiende), wobei anzumerken ist, daß Gott Seine Geheimnisse dem Ungläubigen ganz bewußt verschließt, weswegen Jesus zu den Jüngern in Gleichnissen sprach, die die anderen nicht verstehen konnten, während sie nur den Jüngern eigens ausgelegt wurden, eine Arbeit, die nach Seinem Weggang der Geist Gottes übernommen hat, welchen die Jünger damals jedoch noch nicht haben endgültig empfangen können. Wer an dieser Erkenntnis vorbei Licht gewinnen will, der kann es nur auf verbotenem Wege; es ist allerdings ein Trugschluß zu glauben, daß daraus etwas anderes als Irreführung und im Wortsinn Verblendung zustande käme. Der Verweis auf okkulte Zusammenhänge sollte uns also entsprechend hellhörig machen, da die kirchlichen Taufhandlungen in jenen Kreisen (ich halte es für verfehlt, von jenen Handlungen als von Taufen im neutestamentlichen Sinne zu sprechen) in erster Linie als Initiationsriten gehandhabt werden, die nicht nur – so die Behauptung – das Himmelreich erschließen sollen, sondern deren Absolventen auch die Teilhabe an den so genannten „kirchlichen Rechten” (Beistand zu Trauungen, Beerdigungen u.a.) überhaupt erst ermöglichen. Daß diese Riten eben keine Einsetzung Gottes sind, sondern fast durchweg aus dem Heidentum kommen, das man lediglich „verchristlicht” hat, wird uns auch hier noch zu beschäftigen haben. [13]

Lutherische Bekenntnisschriften im Widerstreit mit der Schrift

    Es hatte lange gedauert, bis ich dahinter kam, länger aber noch, als ich mir endlich selbst einzugestehen wagte, woher alle diese Unstimmigkeiten kamen: Verantwortlich für all diese falschen Lehren zeichnen letztlich große Teile der Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche, die an entscheidenden Punkten von der Lehre der Heiligen Schrift abweichen, wiewohl sie sich doch vehement darauf berufen, indem sie sich selbst als „norma normata, (genormte Norm), die Heilige Schrift aber als „norma normans” (normierende Norm) benennen. Das will sagen, daß die Bekenntnisschriften der Kirche vorgeben, Norm” sein zu wollen für alles kirchliche Handeln, die sich dann aber aus der Norm der Heiligen Schrift herleite, die diese so der Anspruch prägen und bestimmen soll. Nun ist zwar unbestritten, daß die Bekenntnisschriften, und das betrifft nicht nur die der augsburgischen Prägung, durchaus Brauchbares, Richtiges, ja Wertvolles und Bewahrendes enthalten. Wie jedes menschliche Reden und Handeln, so enthalten sie aber eben auch Dinge, die im Lichte der Heiligen Schrift und damit Gottes nicht werden bestehen können. Vermischung, die nur schwer durchschaut werden kann, weil sie als Sauerteig alles das, was an Gutem da ist, durchsäuert und damit unbrauchbar macht, ist also die Folge. Daraus aber erwachsen gleich mehrere und überaus vielschichtige Probleme, wobei das eine aus dem jeweils anderen resultiert. Man kann dies hier nur sehr grob und vereinfacht ansprechen. Das erste besteht darin, daß Menschenlehren sich an die Stelle des Wortes setzen, indem sie den Anspruch erheben, daß ohne ihre Erklärung eine geistliche, von Irrtümern freie Auslegung nicht möglich sei, und somit sehen wir in ihnen den bibeltheologischen Grundsatz aufgehoben, daß das Schriftwort keiner menschlichen Auslegung bedarf, weil es sich, seinen eigenen Zusammenhängen gemäß, selbst auslegt (vgl. 2Ptr 1. 19 - 21).

    Damit aber kehrt das Luthertum faktisch selbst zu dem Schema der römischen Kirche zurück, das nicht etwa nur besagt, daß die Lehre der Kirche und das Wort Gottes gleichberechtigt nebeneinander stünden, sondern behauptet, daß dieses Wort der Auslegung der Kirche, d. h. des Klerus, erst noch bedürfe und es damit in der Konsequenz wieder unter die von der Kirchenlehre beanspruchte Autorität stellt. Dies wird ein überzeugter Lutheraner natürlich sofort und energisch von sich weisen. Die lutherische „Reform” beinhaltet im Endergebnis jedoch tatsächlich nur eine Änderung der Form, nicht des Wesens, bei der sich die Rolle des Klerus in der römischen Kirche auf die Bekenntnisschriften in der lutherischen lediglich verlagert hat, die freilich wiederum vom Klerus, diesmal von dem der lutherischen Provinienz, verwaltet werden. Sie ist also keine Erneuerung, sondern tatsächlich eine Rückformierung, eine Re-Formation in begrifflichem Sinn, deren Ergebnis häufig noch finsterer ausfällt als der Zustand, in dem sie einmal begonnen hat, da sie sich, unter dem Anspruch, zu neutestamentlicher Lehre zurückzukehren, lediglich wieder auf die Kirche zurückbezieht. Mithin werden die alten Praktiken nicht geändert, sondern nur neu erklärt und in der Folge in etwas vermeintlich Neues, das sich vor allem auf Paulus beriefe, hinein verklärt.

    Da die sich in dieser Kirche neu bildende Geistlichkeit [14] die Bekenntnisschriften nicht nur verwaltet, sondern vor allem auf deren strikte Einhaltung zu achten hat, bleibt die Herrschaft des ordinierten Klerus über das Wort der Schrift auch bei den Lutheranern ungebrochen; sie nennt sich nur anders als ihr römisches Pendant, aus dem sie einst erwachsen war. Insbesondere aber stellt das Augsburger Bekenntnis nach biblischer Definition eines jener Sonderbekenntnisse neben Christus dar, die Paulus in seinen ersten Brief an die Korinther energisch bekämpft, weil alle diese Namenssetzungen Zertrennungen bewirken (1Kor 1. 10ff). So entlarven diese Normen infolge ihres häretischen auch ihren ganz eigenen spalterischen (schismatischen) Charakter, und seither ist es geradezu sprichwörtlich geworden, daß der „Spaltpilz” derselben Kirche innewohnt, die diesen doch so vehement bekämpfen will. Damit aber konnte Luthers eigentliches Anliegen, die Kirche vom Wesen her zu erneuern, statt eine neue zu gründen, nicht mehr gelingen, und so kam es statt zur Erneuerung der bestehenden Kirche im Sinne ihres Herrn zur Spaltung in zwei Kirchen desselben alten Wesens, die Luther nie wollte und die auch wir eher beklagen sollten, als sie noch zu feiern.

    Im Grunde hat Luther Paulus nie wirklich verstanden, weshalb vor allem die lutherische Rechtfertigungslehre in halbgarem, will sagen unausgereiftem Zustande stecken geblieben ist wie so vieles andere auch. Nur so ist zu erklären, weshalb der Reformator sich diesbezüglich einem Kampf gegenübergestellt sah, der geradezu ein Kampf mit Windmühlenflügeln gewesen ist, die er um in diesem Bilde zu bleiben zuvor allerdings selbst nie hat aus dem Wind herausnehmen können, mit dem sie angetrieben worden sind. Hinzu kamen, den Unruhen und nicht zuletzt auch den Ungerechtigkeiten der Zeit geschuldet, allerlei neue Winde an Lehren, die an dem Neuen, das im Grunde in Vielem doch nur eine Neuauflage des Alten war, teilhaben wollten.. Alle, von den müntzerschen Schwärmern und Gewalttätern angefangen bis hin zu den Bilderstürmern, wähnten sich mit Luther in einer Linie und beriefen sich auf ihn. Ihre Gedanken fanden darum auch kein wirkliches Korrektiv und keine vernünftigen Bahnen, in denen sie hätten sich bewegen können. Sie alle sollten sich geirrt haben, und so kam es immer wieder auch zu Entgleisungen der übelsten Art. Und dennoch sind gerade sie die Geister gewesen, die Luther rief und nie wieder losgeworden ist, weil ihm nicht zuletzt die Kraft und auch die Erkenntnis dazu fehlten, wie wir dies aus heutiger Sicht werden sagen müssen.

    Mit solcherart verirrten Gemütern plagt sich die nach ihm benannte Kirche aus denselben Gründen bis heute. Auch dieser aussichtslose Kampf, der selbst vor Gewalt und Mord nicht halt machte und am Ende auch die tangierte, die nie hätten bekämpft werden dürfen, gehört zur Tragik der Reformationsgeschichte. Dies erklärt zumindest einen Teil der Furcht, mit der die lutherische Orthodoxie bis heute mit allem umgegangen ist, was in ihren Augen neu, ungewohnt erschien, und damit stets auch die verfolgte, die in echter geistlicher Erkenntnis weiter gingen, als Luther selbst gehen wollte oder zu gehen in der Lage war. Aus dieser Furcht speiste sich im Grunde auch das Bedürfnis, allen diesen Umtrieben durch ein zu schaffendes Bekenntnis Grenzen zu setzen. Dieses Bekenntnis barg jedoch weitere Risiken und Gefahren in sich (wie wir sie weiter oben kurz angesprochen haben), denen die Kirche Luthers bis heute erliegen mußte, wozu erschwerend noch hinzukam, daß dieses Bekenntnis alsbald zu einem die Christenheit spaltenden Sonderbekenntnis geworden war, das Grenzen abbrach, die hätten bestehen bleiben, und zugleich neue Grenzen schuf, die hätten vermieden werden müssen.

    Im Rückblick auf die Geschichte lutherischer Bekenntnisse muß man daher sagen, daß Luther aus Rom wohl aufgebrochen war, ohne aber mit der Vermischung dieser römischen Lehren wirklich gebrochen zu haben. So sind gerade die Bekenntnisschriften zu Zeitzeugen geworden, die dies eindrucksvoll belegen, und es ist eine verheerende Annahme zu glauben, daß man diese Zeitdokumente auch heute noch in ihrer Gesamtheit unreflektiert in die kirchliche Praxis und Schriftauslegung (!) übernehmen könne, ohne daß dies die geistliche Wahrnehmung verfälschende Folgen nach sich ziehen würde. Es ist also lange schon an der Zeit zu erkennen, daß die Reformation das nicht war, was sie bis heute in den Augen vieler zu sein scheint. Es ging Luther vor allem um die eine Frage, nämlich die, ob der Christ einen freien Willen habe oder nicht; Kritik an der Vorgehensweise innerhalb des römischen Ablaßwesens jener Zeit beispielsweise kam hinzu, ohne dieses an sich jemals in Frage gestellt zu haben: auch wenn Luther sich an Papsttum, Anrufung der Heiligen und dergleichen rieb, ist er im Grunde dem Wesen nach zeitlebens römisch geblieben, und dies mußte geradezu zwangsläufig sich auch in den entsprechenden Bekenntnissen niederschlagen, was naturgemäß auch zu derselben Tauflehre führen mußte, von den übrigen Vermischungen gerade auch bis in die Rechtfertigungslehre hinein einmal ganz abgesehen. So führt schon die erste seiner nach der Überlieferung an die Wittenberger Schloßkirchentür gehefteten 95 Thesen ungewollt in die Irre, denn sie setzt an die Stelle des neutestamentlichen griechischen „metanoiete!” (sinnt um, kehrt um; entspricht sinngemäß dem aramäischen schubu, bekehrt euch) nach Luthers offenkundiger Gewohnheit das lateinische „poenitentiam agite!” und bringt damit den auch in der lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata, enthaltenen römischen Bußbegriff der poenitentia, der tatsächlich ein eigenes Abbüßen hinsichtlich der Schuld implementiert, wiederum an die Stelle, an der der neutestamentliche Begriff der metanoia stehen müßte, was sich insofern noch problematischer auswirken muß, da der römische für den neutestamentlichen gehalten wird. [15]

    Seither hat es viele weitere ernste Bestrebungen gegeben, nun auch die evangelische bzw. die lutherische Kirche im Sinne einer geistlichen Erneuerung zu reformieren; die Krux aber, die all diese Bemühungen (oft nach hoffnungsvollen Anfängen) stets zunichte machte, bestand jedes Mal darin, daß man sich den Bekenntnissen der lutherischen Kirche gegenüber verpflichtet hatte. und sich daher stets gehalten sah, jede neugewonnene geistliche Erkenntnis an derselben auszurichten. Denn auf diese Bekenntnisschriften hin, allen voran die vorstehend genannte „Confessio Augustana” Melanchthons aus dem Jahre 1530, ist jeder Pfarrer bis heute mit seiner Ordination gebunden, was in gleicher Weise für jedes Mitglied dieser Kirche gilt, weil es durch seinen Eintritt respektive „Taufe”, sofern es ihnen nicht widerspricht, diesen Dogmen mitunter quasi von Geburt an untergeordnet ist. Da man in der Annahme, daß erst die in den Bekenntnisschriften vorgegebene Lehrtradition das Wort Gottes recht erkläre, beide Elemente, das Wort und die kirchliche Lehrtradition gleichermaßen aufrechterhalten und in Übereinstimmung bringen will, gerät jeder Versuch, bei fortschreitender Erkenntnis des Wortes Gottes aus den alten, ausgefahrenen Gleisen auszubrechen, zwangsläufig zum Bumerang. Die Glorifizierung und teilweise sogar Vergottung des Luthertums mit seinen Lehren (die man denen des Wortes Gottes gleich setzte) auf der einen Seite und die erbarmungslose Dämonisierung jeglichen Widerspruchs auf der anderen, die wenigstens bis dahin geht, daß man Widersprechende zu Häretikern stempelt und sie damit zu ewig Verlorenen erklärt, wie dies auch dem Schreiber dieser Zeilen widerfuhr, sorgt bis heute leider mit Erfolg dafür, daß sich deren Glieder kaum kritisch mit den Lehren auseinanderzusetzen wagen, unter deren Joch sie sich befinden. Die große Problematik, die Freunde wie Gegner kirchlicher Lehren selten verstehen, ist dabei die, daß durchaus tiefgläubige Vertreter all dieser Lehren die biblischen Schritte alle gegangen sind, klar erkennbar Gottes Geist haben und somit geistlich wiedergeboren sind, dieselben Zusammenhänge aber stets mithilfe der überkommenen Tradition zu erklären versucht haben. Damit aber wird die Wahrheit nicht erhellt, sondern verdeckt; zugleich aber wird die Spaltung, die man mit solchen faulen Kompromissen gerade zu verhindern glaubte, vorangetrieben. Da man diese Dinge nicht ans Licht bringt, bleiben sie im Dunkeln; so entfaltet die Finsternis weiter ihre zerstörerische Macht.

Römische Elemente im „Talar evangelischer Rechtgläubigkeit”

    Die Kraft, die all diesen Dingen innewohnt, macht es ihnen dann auch so schwer zu erkennen, daß – neben den oben beschriebenen spalterischen Tendenzen – diese Bekenntnisschriften einer eingehenden Prüfung anhand der diesen unterstellten biblischen Zusammenhängen nicht standhalten können und letztlich nur die lutherischen Unsicherheiten, Ungewißheiten und inneren Widersprüche in Rechtfertigungs- und Tauflehre konservieren, die die evangelische Theologie seit den Tagen Luthers so sehr geprägt haben. Damit stehen sie für die traurige Tatsache, daß das Luthertum sich nie hat wirklich von den alten römischen Elementen lösen können, wiewohl es nach Kräften gegen dieselben polemisiert hatte; statt dessen war es ins selbe alte Wesen zurückgefallen, und so ist es auch kein Wunder, daß man sich aus ihren Reihen bald wieder gegen jene erhob, die weiter gehen wollten, als man selbst zu gehen bereit war, wobei die Schüler ihren Meister in ihrer Verfolgungswut bald noch übertrafen und mit den Widersachern von einst z. T. sogar gemeinsame Sache machten. [16] Mit diesem Erbe aber, das einige als das „Flucherbe der Reformation” bezeichnet haben, muß sich der herumschlagen, der sich auf die Lehren dieser Kirche einläßt; ihm bleibt keine andere Wahl. Zu einem Ergebnis kommen, das alle diese Widersprüche auflösen könnte, kann er dabei freilich nicht: am Ende besteht nur noch der Weg, die allzu offenkundigen Widersprüche für nicht existent zu erklären. Damit aber begibt er sich mit dem Vater der Lüge auf ein und dieselbe Ebene, und ich behaupte, nicht immer, aber doch sehr häufig wider besseres Wissen, wie jener Pfarrer es ausdrückte, als er, wie man mir berichtete, auf solches Nachfragen erwiderte: Ja, alles das sei richtig, aber sein Brötchengeber sei die Kirche...

    Mit solchen Erkenntnissen, die sich im Laufe der Jahre freilich nur bruchstückhaft aneinanderfügten, entlarvten sich für mich viele dieser Dinge vom Wesen her als ein ganzes Gewirr scheintheologischer Lügengebäude, womit die oben bezeichnete geistliche Gebundenheit, eine (wenn den meisten auch unbewußte) Schuldknechtschaft [17] und damit Gefangenschaft jener offenbar wurde, die auf all diese Lehren eingeschworen worden waren; der vermeintliche Felsen, für den sich die lutherische Theologie hielt, entpuppte sich als ein in langen Jahrhunderten festgetretener Sand; der wird der Flut und den Stürmen der bereits herannahenden Gerichte, die aus dem Völkermeer gegen uns herangetragen werden, allerdings nicht mehr standhalten können, wie Jesus dies in Matthäus 7. 24ff prophetisch vorhergesagt hat. Tatsächlich aber hat es unter eingefleischten und fanatischen Lutheranern solche Sprüche wie: Gottes Wort und Luthers Lehr’, die wanken nie und nimmermehr! gegeben! Und so erschien auch hier wieder dasselbe verhängnisvolle Spiel, wie wir es oben schon gesehen haben: Man hielt den Sand für den Felsen, und die Finsternis für das Licht. Aus dieser höchst einseitig-lutherischen so genannten Orthodoxie, die man für die reine Lehre hielt, wiewohl sie der des Paulus in ganz zentralen Aussagen widersprach, ergab sich ein allezeit bewährtes Mittel, das geeignet schien, alle die auszuschalten und beiseitezudrängen, die es besser wußten, wobei die ur-lutherische, geradezu panische Angst vor allem Ungewohnten, neu Erscheinenden, oft nur vermeintlichem Schwärmertum und sonstigen einschlägigen „Ketzereien eine nicht geringe Rolle gespielt haben dürfte. [18]

    Was war es da noch ein Wunder, daß man diejenigen wenigstens für sehr suspekt hielt und mit Argusaugen zu überwachen suchte, die dem Widerstand der Oberen zum Trotz ein gutes Maß an geistlicher Freiheit in die kirchliche Erstarrung hinein zu bringen vermochten. Eine ganze Reihe von wiedergeborenen, geistlich empfindenden, mutigen Pfarrern befand sich darunter, die ihre Kirchen für geistliche Aufbrüche offen gehalten haben. Aber auch sie vermochten tragischerweise nicht, die Decke ganz zur Seite zu tun, unter die sie sich selbst mit ihrer Ordination begeben hatten (vgl. 2Kor 3. 1 - 18, 4. 3 - 6). Und die, die mit dieser Decke brachen, wurden aus dem Dienst entlassen und verloren damit ihre Existenz. So ist es bis heute geblieben, und es gehört zur Tragik eben dieser geradezu pathologischen Angst dazu, daß sie wirklicher Schwärmerei, wie sie heute etwa im Gewande sozialistisch anmutender Lehren immer wieder auftaucht, nie wirklich hat widerstehen können.

    Jene aber, die bleiben, die Kirche jedoch geistlich erneuern wollten, sahen sich zuweilen dem Vorwurf ganz besonderer Bösartigkeit” ausgesetzt. Wer auch immer es wagte, alle diese Kirchenlehren von ihrer Grundsubstanz her in Frage zu stellen und dies auch öffentlich zu machen versuchte, der wurde meist nicht nur „betont nicht verstanden”. Recht schnell, oft mit geradezu pawlowschem Reflex, und unnachgiebig wurden solche in die Ecke „böser Sektierer” gestellt, wurden mit stetem Fleiß gemobbt und gemieden, und es wurde eigentlich alles unternommen, was sie als unmöglich erscheinen lassen und für diese Gemeinschaft untragbar darstellen könnte, um sie endlich loszuwerden. Waren sie gegangen, konnte man wiederum gegen sie vorgehen und behaupten, daß sie gegen die Einheit der Kirche, was immer man darunter verstehen mochte, gesündigt hätten, ja vom rechten Glauben abgefallen seien. Jedes Mal lieferten die lutherischen Bekenntnisschriften dazu die lehrmäßige Grundlage und entlarvten sich damit als die Satzungen der Ältesten und Schriftgelehrten, die Jesus so sehr verurteilt hatte, weil sie das Wort Gottes regelmäßig an die Seite drängten, zugleich aber den Anspruch erhoben, Ausdruck dieses Wortes zu sein. Damit wiederholte sich dieselbe Verfolgung, der schon der Sohn Gottes ausgesetzt war, ein weiteres Mal, und zeitigte dieselben Ergebnisse. Daß sich zuweilen auch wiedergeborene Kinder Gottes innerhalb der Kirche an dieser Hatz beteiligt haben, macht die Sache umso tragischer, weil dies etwas von der Bindekraft aufzeigt, die all diesen Menschenlehren innewohnt, unter die sie sich selbst begeben haben. Nicht wenige sind durch den Druck, dem sie ausgesetzt waren, auch verleitet worden, ihre Erkenntnis wieder zu verleugnen und die Geschwister, die ihr treu geblieben waren, zu bekämpfen. Als man diese endlich dahin getrieben hatte, daß sie die Kirche (manchmal sehr widerstrebend) verließen und in der Konsequenz eigene Gemeinden gründeten, war es zu spät. Das Kind war in den Brunnen gefallen und die Spaltung vollzogen. Nun aber wetterten jene, die zu großen Teilen die Ursachen dieser Spaltungen erst gesetzt hatten, erst recht gegen sie. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Spaltungen entpuppen sich als Irrweg

    Im Laufe einer Odyssee langer Jahre, nachdem ich viel Zeit in freikirchlichen oder ganz unabhängigen Gemeinschaften zugebracht habe, ist in mir aufgrund des Suchens in der Heiligen Schrift, in den vielerlei kirchlichen Bekenntnissen, des Gebets wie auch eigener Erfahrung die Erkenntnis gereift, daß es im Himmel und auf Erden nur eine Kirche im Sinne des Wortes (kyriaké=das dem Herrn Gehörende) gibt. Dem aufmerksamen Betrachter erschließen sich viele Dinge, die er durchaus als Zeichen werten kann, daß Gott zwar nicht unsere Irrwege, aber doch diese Kirche, auch in den vielerlei Ausprägungen, haben will. Gott steht zu den Seinen. Er ist treu; wir Menschen sind es leider nicht immer, und es ist eine wohl kaum zu übertreffende Torheit anzunehmen, daß ein Mensch die eine, reine Gemeinde bauen könnte, die doch erst am Ende des Weges, in der Vollendung, vorhanden sein kann.

    Ist der Weg des Gründens eigener Gemeinden daher grundsätzlich falsch gewesen? Trotz der oben angesprochenen Umtriebe meine ich ja, und ebenso gewiß erscheint es mir, daß wir, die wir diesen Weg gegangen sind, viele der eigenen Fehlhaltungen und Vernachlässigungen lediglich „vergeistigt” und „den anderen” angelastet haben. Der Weg, die Fehler der jeweils anderen Seite zum Verbergen der eigenen Unzulänglichkeiten zu benutzen, um sich vermittelst dieser selbst zu profilieren und somit seine eigene „Geistlichkeit” herauszustellen, ist bis heute auf beiden Seiten ersichtlich. Anhand dieser bis heute offen zutage tretenden Unreife erkennen wir nur zu deutlich, was aus diesen Gründungen jener Zeit entstanden ist an Entzweiungen unter Brüdern, Verwerfen der Väter, Sektenbildungen, zweifelhaften Praktiken, falschen Geldlehren, unbiblischem Leiterschaftsgebaren, mitunter ausuferndem Hochmut und entsprechenden vielfältigen geistlichen Mißbräuchen, um die wohl wesentlichsten zusammenzufassen. Man sieht in diesen Strukturen förmlich, wie sehr ihre Urheber geistliche Dinge an sich gerissen haben ohne jegliches eigene geistliche Fundament. Dieses Fundament aber besaßen viele der Väter, die in der Kirche geblieben waren, durchaus.

    Heute ergibt sich für mich die Frage, was anderes dabei herauskommen soll, wenn der Mensch das Zepter in die eigene Hand nimmt, statt auf den Herrn zu warten, und die Warnungen der Alten dabei in den Wind schlägt. In der Frage liegt bereits die Antwort. Es bleibt im Rückblick aber auch die ebenso wichtige Frage, ob jenen Geschwistern damals überhaupt eine andere Option übrig geblieben wäre. Wir sagen eben nicht, daß dieser Weg richtig gewesen sei. Aber manchmal kann auf falsche Vorgaben nicht anders als nur falsch reagiert werden. Leider hat man in der Kirche bis heute aus diesen Dingen kaum etwas gelernt. Wohl ist man nicht mehr ganz so schnell dabei, solche Brüder aus der Kirche zu entfernen. Das gilt dann aber auch nur so lange, wie sie für die von ihnen erkannte Wahrheit nicht auch einstehen und sie offen bezeugen. Und so lasten viele dieselbe Spaltung heute wieder einseitig nur jenen an, die schon damals nach der Wahrheit fragten, und stellen sich selbst mit „weißer Weste” dar. Den Herrn der Wahrheit, dessen Augen tiefer sehen, als wir Menschen je werden erahnen können, vermag dies allerdings nicht zu beeindrucken.

    Hinsichtlich der vorstehend gemachten Aussagen gilt es jedoch Wesentliches zu beachten, das von uns, die wir einst diesen Weg gegangen sind, aus meiner Sicht völlig aus den Augen verloren worden ist: Es besteht zunächst einmal nur die eine allgemeine heilige und christliche Kirche; Christus hat nur diesen einen Leib, der sich nicht nur auf die Glieder hier auf der Erde, sondern auch auf die im Himmel erstreckt. Der, der den Tempel dieses Leibes baut, ist immer noch Gott; die Kirche das Wort steht, anders als die Gegner desselben behaupten, drei Mal im Neuen Testament, und allein die Dreizahl der Erwähnung sollte geistlich empfindenden Menschen etwas zu sagen haben ist eine göttliche Einrichtung und keine menschliche; wer selber baut, der hat diese Erkenntnis jedoch verlassen und ist dabei, eine Sekte (w. hairésis=Neben- oder Seiten-Setzung) zu errichten, so rechtgläubig und biblisch korrekt sie sich auch darstellen möge; er verwirft damit den himmlischen Baumeister, Jesus, der zugleich auch der Haupt-Eckstein dieses Baues ist. Es sollte dabei auf der Hand liegen, daß hier nicht von der äußeren Denomination gesprochen wird; genau solche Denominationen aber werden immer dann errichtet, wenn jemand einen Namen nimmt (und wenn es gleich der Name christlich wäre) und sich vermittels dieses Namens von den anderen Geschwistern abgrenzt, die er gerade zurückgelassen hat.

    Ich sehe also nicht, daß das Grundproblem der Entzweiung, das sich ja ganz wesentlich auch an der Tauflehre entzündet hatte, gelöst wäre. Im Gegenteil – man hat dem damals bestehenden noch viele andere hinzugefügt, und dies geschah durchaus auf beiden Seiten. So hat man dafür gesorgt, daß man selber nicht geistlich weiter kommt. Nun ist es gut, wenn man endlich wieder miteinander redet und auch das geschwisterliche Miteinander entsprechend pflegt. Überhaupt ist die gegenseitige Anerkennung als Geschwister, die etwas von Gott empfangen haben, die wesentlichste Grundvoraussetzung dafür, daß wir als solche auch wieder zusammenfinden. Allerdings kann die Problematik nicht gelöst werden, indem man die Unklarheiten, die auf beiden Seiten bestehen, dabei einfach nur unter den Teppich kehrt. Ich selbst bin nach Irrwegen, die ich hierbei gegangen bin, und nach langem und schmerzlichem Zerbruch zu der Erkenntnis gekommen, daß die Gründung „eigener” so genannter „Gemeinden” verworfen werden muß, weil diese Gründungen lediglich scheingeistliche Sekten hervorgebracht haben, die das Fleisch bedient und die Trennung gefördert haben (1Kor 1. 10ff, 3. 1 - 4), während sie mit dem Begriff der ekklesia (w. Herausgerufenen) des Neuen Testaments nichts zu tun haben, da es sich dabei durchweg um eigene, weltliche Gründungen handelt, zu denen wohl Menschen riefen, aber nicht der Herr Selbst gerufen hat. Wiewohl man sich dabei mit Fleiß auf die Bibel berief, und wiewohl man die in ihr erwähnten (überdies noch nicht einmal überall einheitlichen) gemeindlichen Strukturen nachzubauen suchte, ist mit solchen Gründungen doch ein falsches Fundament errichtet worden, da einen anderen Grund niemand mehr legen kann, denn dieser Grund ist längst gelegt und der ist Christus allein. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß ein bloßes „Anwenden” von Bibelversen genüge, um das vermeintlich Rechte zu tun, und das umso weniger, wie diese dem Zusammenhang entrissen und auf das eigene menschliche Maß unserer gewiß unvollkommenen Erkenntnis heruntergezogen worden sind.

    Im Nachhinein erkenne ich, daß diese Entzweiung hätte nicht nur vermieden werden können, wie ich an dieser Stelle ursprünglich geschrieben habe, sondern auch hätte vermieden werden müssen. Welcher Zacken wäre wohl aus der Krone der Kirchenfürstengefallen, wenn sie Täufer und Befolger der kirchlich überkommenen Tauflehre in ihrer Kirche nicht voneinander getrennt, sondern beieinander gelassen hätten? War es denn wirklich so schwer, einander die Rechtschaffenheit einmal nicht abzusprechen, sondern einander so zu akzeptieren, wie man war? Hätte man denn nicht warten können, bis der Herr das Rechte würde Selbst offenbaren? Konnten wir – um es mit den Worten des Herrn zu sagen – wieder einmal nicht warten bis zur Ernte”? Diese Fragen treffen beide Seiten. Sie zeigen aber auch, daß die alte pharisäische Tradition, durch Menschenlehren das Wort Gottes außer Kraft zu setzen, nach wie vor ungebrochen ist. Damit aber wird deutlich, daß dieselben nicht geklärt werden können, indem die ach so bösen Wiedertäufer reumütig einfach in den Schoß der Mutter Kirche zurückkehren, das Erkannte (soweit es richtig war) verleugnen und alles für richtig erklären, was diese tut. In der Tat hat es solche Bestrebungen eines Wiedereintritts gegeben. Auch der Schreiber dieser Sätze hat lange an diesem Gedanken getragen. Ein Wiedereintritt ist bis zur Stunde jedoch häufig noch an die Anerkenntnis der Ausschließlichkeit kirchlicher Tauflehren gebunden, womit ein solcher denen, die ihre Erkenntnis aus Gewissensgründen nicht verleugnen wollen und können, zumindest erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wird. [19] Jeder muß hier seinen eigenen Weg finden. Generell können diese Wunden jedoch nur durch beiderseitige, demnach allen gemeinsame Umkehr und Rückkehr zur Wahrheit des Wortes Gottes geschlossen werden. Ich bin mir freilich bewußt, daß dies in der großen Masse nicht geschehen kann. Weder die Kirche, noch die Ausgetretenen werden gruppenmäßig umkehren (die Wahrheit ist, daß alle diese Strukturen abgetan werden); es betrifft einzelne, die Gottes Ruf hören werden, so schmerzlich dies auch ist; mit der Frage eines Ein- oder eines Austritts, bezüglich welcher Kirche oder Gruppierung auch immer, hat dies nichts zu tun, sondern mit einem hörenden Herzen Gott gegenüber.

    So kann ich hier mit Patent-Rezepten nicht aufwarten, und muß daher den Leser in einer gewissen Unsicherheit stehen lassen. Er nehme dies zum Anlaß, sich in ernstem Gebet an Gott zu wenden; Gott wird sich nicht versagen, wenn es um Antworten geht; es braucht aber seine Zeit, sich über die Dinge selbst klar zu werden, und so wappne man sich mit Geduld. Solche Antworten kommen nicht über Nacht, nicht etwa, weil Gott nicht sofort eine Antwort geben könnte, sondern um der Schwerfälligkeit unserer Auffassungsmöglichkeiten wegen. Manche Fragen werden erst im Himmel geklärt werden können. Angesichts der sonst üblichen relativistischen Tendenzen, die immer dann sichtbar werden, wenn es um die Wahrheit geht, wäre es jedoch endlich an der Zeit, daß auch die Amtskirche ihre starre und und unnachgiebige Haltung in dieser Frage überdenkt und auch im Taufverständnis, auch wenn es der (vermeintlich) reinen lutherischen Lehre widerspricht, zumindest einen gewissen Pluralismus, in biblischen Bahnen freilich, zuläßt. Hierzu gehört auch die Akzeptanz solcher Geschwister, die man als Wiedertäufer bislang noch diffamiert und ausgegrenzt hat. Diese Diffamierung ist ein ganz zentrales Teil jenes unrühmlichen Erbes, das ich weiter oben als Flucherbe der Reformation bezeichnet habe. Kleine Anfänge, die auf eine Öffnung hinzielen, gibt es bereits. Dafür bin ich Gott sehr dankbar. Wir müssen noch mehr über diese Dinge reden und auch einmal Widersprüche aushalten, statt einander auszuschließen!

Laodizäa

    Hier haben wir nämlich die Situation vorliegen, daß der Herr vor der Tür steht und anklopft, damit der, der Seine Stimme hört, diese Tür zu Ihm öffnet, damit der Herr zu ihm eingehen und das Mahl mit ihm halten könne (Off 3. 20). Es ist die Situation Laodozäas, das den Schatten und das Vermischte so sehr liebt, daß es weder heiß noch kalt zu sein vermag (V. 15). Laodizäa (grie. laodikeia=volksgerecht) ist geistlich gesehen der Ort, an dem die Mehrheit darüber befindet, was Recht und was Unrecht ist. Man befragt also nicht mehr den Herrn, sondern das Volk, und sucht dessen Meinungsbildungen höchstens noch im Nachhinein, wie man sagt, biblisch zu begründen. Schon Paulus hat den Galatern jedoch unmißverständlich klar gemacht, daß das von ihm verkündete Evangelium nicht den Menschen gemäß ist, und verwahrte sich gründlich gegen die Idee, daß er, falls er ein solches dem Menschen entsprechendes predigte, noch Christi Knecht wäre (Ga 1. 10). Es ist die große Krux Laodizäas, und damit unserer Zeit, daß man nicht mehr ein gottgemäßes, sondern ein menschengemäßes Evangelium verkündigt; waren die Christen lange Jahrhunderte noch theozentrisch (von Gott ausgehend) ausgerichtet, wie es sein sollte, lehrt und handelt man heute fast nur noch anthropozentrisch (vom Menschen ausgehend). Einige mögen diese Volksgerechtigkeit noch als „Demokratie” begrüßt haben. Eine solche aber gibt es im Reiche Gottes nirgendwo, und die Wahrheit ist, daß dies nicht einmal in eine solche mündet, sondern  konsequenterweise in einer Ochlokratie, einer Herrschaft des Pöbels enden muß, in der jeweils diejenigen Recht bekommen, die am lautesten und durchschlagendsten ihre Ansichten kund zu tun vermögen. Dem Herrn ist diese Situation zuwider, und so droht Er Laodizäa mit Seinem Munde auszuspeien (Off 3. 16). Denen, die Gott lieben, aber noch in dieser Vermischung gefangen sind, kann nur noch mit göttlicher Züchtigung geholfen werden (V. 19).

    Hier geht es eben nicht mehr darum, den Herrn anzunehmen, ist Laodozäa doch eine Gemeinde (grie. ekklesía=Herausgerufene), die einst den Herrn angenommen hatte, was ja auch die entsprechende Abkehr von der Welt beinhaltet haben mußte. Es geht auch nicht darum, immer wieder noch eine neue Gemeinde zu gründen, die vorgeblich alles richtig macht. Denn damit wird das Problem eigenen Tuns nicht gelöst (wie wir gesehen haben), sondern unter anderem Vorzeichen lediglich fortgesetzt und verschleppt, und viele weitere, die durchweg mit Sektenbildung zu tun haben, werden geschaffen. Der Inhalt des Anklopfens unseres Herrn besteht vielmehr in dem Ruf, aus Vermischung auszugehen, die Laodizäa angenommen und dann auch von ihrem ganzen Wesen her so sehr gekennzeichnet hat. Wenn wir nun analog zu Laodizäa auch bezüglich der Auseinandersetzung mit den kirchlichen Tauflehren davon sprechen, daß nur einige davon ausgehen werden, dann hat das zwar etwas mit dem entsprechenden Sendschreiben zu tun. Es ist nun aber nicht so, daß wir uns darauf ausruhen dürften, als ob uns diese Angelegenheit gerade nichts anginge. 

    Denn wenn auch nicht alle hören werden, so ist doch klar, daß der Herr alle ruft; wer Seine Stimme hört, der hat Seine Verheißung gewonnen, so daß er mit Ihm dann auch das Mahl (d. i. im Endresultat das Hochzeitsmahl des Lammes) feiern darf; wer aber in Laodizäa bleibt, der bleibt zu seinem eigenen Schaden, weil er unter Gericht kommt, wie sich dies aus dem neunzehnten Vers ergibt. Tatsächlich wird dieser Starrsinn viel Leiden ergeben, weil nur so diese Dinge, den Schlacken im Silber des Schmelzers gleich, geläutert werden können (vgl. Ja 5. 1 - 6). Solche Schlacken gibt es unter uns deren viele. Wir müssen einfach realisieren, daß die entsprechenden Irrlehren gottwidrige Vermengungen von Gutem mit Bösem darstellen (vgl. 1Mo 2. 9, 16 - 17) und daher wesensmäßig als Sauerteig zu bezeichnen sind. Es ist die Krux vieler gewiß ehrlich gesonnener Geschwister, daß sie diese Dinge irgendwie doch noch mit dem Wort zu vereinbaren suchen, um die Einheit mit ihrer Kirche unter allen Umständen aufrechtzuerhalten. Dies geschieht jedoch auf Kosten der Wahrheit, und da das Fleisch immer gegen den Geist streitet und der Geist gegen das Fleisch, bleiben diese gewiß gut gemeinten Bemühungen eine Illusion (Ga 5. 16, 17). Sauerteig kann man nicht reformieren; er durchsäuert vielmehr auch all das Gute, das noch vorhanden ist (Ga 5. 9). Damit aber wird das einstmals Wertvolle unbrauchbar, weil es selbst zu Sauerteig geworden ist. Darum war Sauerteig etwas, was in dieser Frage unbedingt zu meiden war  von Anfang an, und zwar als ewige Ordnung für alle Generationen, was damit nicht nur für das Israel des Alten Bundes gilt (vgl. 2Mo 12. 1 - 20). 

    Auch bei Paulus stehen die Einsetzungsworte zum Herrnmahl, das auf obiger Ordnung fußt, direkt im Zusammenhang mit dem Ausgehen aus Vermischung mit Heidnischem (1Kor 10. 14 - 22). Denn das mit dem Mahl in direktem Zusammenhang stehende Passahfest soll ja begangen werden durch Auskehren des alten Sauerteigs, „wie ihr ja als Heilige ungesäuert seid” (s. 1Kor 5. 6 - 8). Bis heute sagt die Schrift klipp und klar, daß aus Sauerteig auszugehen ist (Mt 16. 6ff, Mk 8. 15, Lk 12. 1 usw., 1Kor 5. 6 - 8; siehe auch 2Kor 6. 14 - 7. 1). Die Verbindung des Herrnmahls sowohl mit dem Feiern des Passah (s. o.) als auch der Einheit des Leibes (1Kor 10. 16 - 17, 11. 17 - 34) zeigen, daß neben der geschwisterlichen Liebe und Fürsorge füreinander auch das Ausgehen aus allem Sauerteig eine Grundvoraussetzung für die Einheit des Leibes Jesu ist. Nicht umsonst ist ja die Einheit des Glaubens erklärtes Ziel; darum gibt Gott diesem Leib auch die entsprechenden Gaben mit, ohne deren Mitwirkung der Irrtum planmäßig gemacht würde und der Leib, in solchem Irrtum befangen, nicht vollendet werden kann (Eph 4. 13 - 16). Wohlbemerkt, sind die hier besprochenen Lehren Sauerteig und nicht die Geschwister, die vielleicht noch in diesen Lehren hängen. Wir müssen die falschen Lehren hinauswerfen und zugleich einander gewinnen und herzlich lieben. Ganz gewiß ist auch die eine oder andere gewachsene Tradition geistlich, hilfreich und gut, und wir sollten das achten, was uns die Väter des Glaubens mitgegeben haben. Und doch werden wir nicht darum herumkommen, auch diese Arbeit des Trennens von Lüge und Wahrheit, von Schein und Sein zu vollbringen, gerade auch bezüglich der Taufe. Sie muß getan werden; es gibt für uns keine andere Möglichkeit. Dazu beizutragen, sei die vorliegende Schrift, in der wir kirchliche Auffassungen dem Wort der Schrift jeweils gegenüberstellen wollen, ein Versuch.

    „Quo Vadis, so haben wir dieses Kapitel genannt. Diese Frage gilt nicht nur dem Bereich der äußerlich verfaßten Kirche oder denen, die in ihr geblieben sind. Sie gilt gleichermaßen auch allen denen, die sich von ihr getrennt haben und seither eigene Wege gegangen sind. Insofern stehen wir alle an einem Scheideweg, auf dem die Spreu von dem Weizen getrennt werden wird, und wir wären die größten Toren, wenn wir glauben wollten, daß diese Trennlinien auch nur ansatzweise etwas mit den von uns oft so fleißig gehüteten Denominationsgrenzen zu tun hätten.

    Nachfolgend wenden wir uns dem Thema der Taufe zu.


Inhalt
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< Die Gabe und der Raub Die Versammlung Gottes >


Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe

    Ein väterlicher Freund, mit dem ich geistlich durchaus verbunden bin, obwohl er der Säuglingstaufe anhängt, bedeutete mir einmal, daß wir über die Taufe nicht diskutieren müßten, da es „nur eine Taufe” gäbe. Wer sich also „ein weiteres Mal” (so seine Auffassung) taufen ließe, gebe damit diese eine Taufe des Neuen Bundes auf; eine zweite Taufe aber „mache der Herr nicht mit”, so daß wir durch diese irregeführt und damit ein Raub der Dämonen würden. Diese Worte suchte er noch damit zu untermauern, indem er mir von diversen geistlichen Bildern und Visionen in Gnadengaben berichtete, die der Herr ihm dazu mitgeteilt habe. Freilich kann der Herr immer nur das durch Geistesgaben illustrieren, was Er Selbst auch geoffenbart hat, so daß wir es anderenfalls mit einem Irrtum zu tun haben, der durchaus nicht ungefährlich ist. Das Ganze ist mir also sehr nachgegangen, so daß ich mich veranlaßt sah, gründlicher nachzusehen, ob dies einer Überprüfung anhand der Heiligen Schrift würde stand halten können. Grundsätzlich wäre die Aussage zunächst einmal voll und ganz zu bejahen. Doch vor dem Hintergrund der von ihm vertretenen Säuglingstaufe kam ich zu keinem anderen Schluß als dem, daß sie in der Form, in der er sie vortrug, eine Mischung aus Wahrem und Unwahrem enthalten mußte. Gerade darum, weil sie nicht differenzieren wollten, was Taufe ist und was nicht, erwiesen sich diese Worte nicht nur als irreführend, sondern auch als ein sich selbst gesprochenes Gericht. Wahr sind sie unzweifelhaft dann, wenn wir tatsächlich mit der Taufe des Neuen Testamentes getauft worden sind; unwahr aber sind sie dann, wenn die als Taufe benannte erste Handlung keine wirkliche Taufe nach dem Willen Jesu Christi, gemäß Gottes Ordnung, gewesen ist. Es besteht also ein signifikanter Unterschied zwischen einer Taufe bzw. einer Taufberichtigung auf der einen Seite, wie sie auch das Neue Testament kennt (vgl. Apg 19. 1 - 7) und einer Wiedertaufe (nochmaligen Taufe) auf der anderen Seite.

    Wenn wir also die unbiblischen Taufgebaren und entsprechenden Irrlehren der Kirche in diesem Sektor kritisieren, dann geht es darum, diese Dinge in Lehre und Praxis zu berichtigen, aber gewiß nicht darum, Menschen, die schon getauft sind, nochmals zu taufen. Eine solche Handlung, die die neutestamentliche Taufe (wir sprechen nicht von der Johannestaufe) ersetzen oder ihr etwas hinzufügen wollte, wäre tatsächlich ein Werk der Finsternis, weil sie zu etwas anderem führte als zu dem, was der Herr gesagt hat. Insofern wird diese Unterstellung dem Unterstellenden tatsächlich selbst zum Gericht. Hier tritt das Wort in Kraft, nach dem der, der die Erkenntnis der Wahrheit ablehnt, ein Opfer von Verführung wird, die in sich selbst wirkt (2Thes 2. 10 - 12). Denn es ist eine grobe Anmaßung und ein Kennzeichen entsprechender Verblendung, nicht nur von einer solchen Pseudo-Ersatzhandlung als von einer Taufe zu sprechen, sondern dieselbe obendrein auch noch zur Basis geistlicher Einheit zu erklären. Hier bauen gleich mehrere Lehrgebäude aufeinander auf, wird Richtiges mit Falschem verwoben. So entsteht ein unter dem Etikett biblischer Rechtgläubigkeit agierendes Schaustück geradezu teuflischer Irreführung, mit dem zugleich all jene wirksam ausgegrenzt werden, die anhand der Bibel zu anderer Erkenntnis gelangt sind. Natürlich bestand auf Seiten des Bruders hierzu keinerlei Absicht, und die soll ihm auch nirgendwo unterstellt werden. Es geht jedoch darum, den geistlichen Hintergrund zu beschreiben und die Finsterniswelt zu entlarven, die diese Irreführung bewirkt. Wir wollen aber doch einmal die Stelle lesen, die der Bruder zur Grundlage seiner Erklärungen gemacht hatte:

    Ich spreche euch nun zu – ich, der Gebundene im Herrn, würdig der Berufung zu wandeln, zu der ihr berufen wurdet, mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld einander ertragend. Befleißigt euch, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu halten: Ein Körper und ein Geist, so wie ihr auch zu einem Erwartungsgut eurer Berufung berufen wurdet; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der über allen ist und durch alle und in allen wirkt.

Eph 4. 1 - 6

    Die hier beschriebene Reihenfolge – ganz offenkundig ist es eine – kommt nicht von ungefähr. Sie bedeutet im Grunde nichts anderes, als daß wir nur über den Weg des einen Herrn auch zu dem einen Glauben und damit schließlich zu der einen Taufe werden finden können, die das Neue Testament lehrt. Wir kommen also nicht zu dem einen Herrn „über den Glauben an die eine Taufe”, wie der Bruder behauptete, sondern nur von dem einen Herrn über den einen Glauben auch zur einen Taufe. Wer immer einen Glauben an eine Taufe verkündigt, auch wenn er dies explizit nicht so ausdrücken mag, der steht wenigstens in der Gefahr, den Glauben an den Herrn in einen Glauben an die Taufe zu verkehren. Bei Paulus steht die Taufe auf dem Grund der Rechtfertigungslehre; Luther jedoch dreht die ganze Sache um und begründet die Rechtfertigung mit der Kindertaufe und damit mit kirchlichem Handeln. Genau hierin liegt auch der große und überaus gefährliche Pferdefuß lutherischer Verkündigung, der zeigt, daß Luther sich nie wirklich vom römischen Sakramentsglauben, dessen Wurzeln freilich schon bei Augustinus zu finden sind, hat lösen können, sondern ihn unter eigenem Vorzeichen freilich lediglich fortgeführt hat. [20] Damit aber wird ein solcher „Glaube” zu einem Götzendienst in christlichem Gewand, der den Herrn aus der Mitte drängt und den Weg für allerlei magische Vorstellungen ebnet, von denen die, nach der die Taufe uns vorgeblich zu Kindern Gottes mache, die wohl signifikanteste sein dürfte. Nein erst kommt der Herr, der Sein Wort ergehen läßt; dann kommt der Glaube an diesen Herrn aufgrund Seines Wortes; und diesem Glauben folgt schließlich die Taufe, die der Herr angeordnet hat und deren Ausübung somit letztlich ein Ausdruck dieses Glaubens ist. Dies betrifft sowohl die Stellung der Taufe an sich als auch die Einheit in dieser selben Frage. Denn wir sehen ja im folgenden Vers, daß genau diese Angelegenheit, so sie bei allen Gliedern des Leibes stimmig ist, zu der Anschauung des einen Gottes und Vaters führt, der dann nicht nur gleichermaßen über allen ist, sondern zugleich auch durch alle und in allen wirken kann, nach dem Reichtum Seiner Gnade. Die Frucht dieser Einheit, die eine organische Einheit ist nicht nur des einzelnen Gliedes zum Haupt, sondern auch den Gliedern untereinander, ist die Auferbauung aller durch alle, die zur Vollendung des Christusleibes führt, wie Paulus dies in der Fortsetzung desselben Themas zeigt (Eph 4. 13 - 16).

    Wenn es also nur diese eine Taufe gibt und die Akzeptanz dieser einen Taufe als Bestandteil des Bandes des Friedens, das den Leib zusammenhält, für die Einheit so wichtig ist, wie wir sahen, dann kommen wir nicht umhin, genau diese Arbeit zu tun, die der oben beschriebene Bruder nicht tun wollte. Wir können den Weg nicht abkürzen; daher müssen wir eindeutig klären, was diese eine Taufe des Neuen Testamentes ist, was sie auszeichnet und was sie bedeutet. Aus solcher Klärung ergibt sich dann, was Taufe nicht ist, was sie nicht auszeichnet und was sie demnach auch nicht bedeutet. Darum müssen wir uns mit den entsprechenden Lehren beschäftigen, denn wir sahen ja, daß wir von dem einen Glauben an den einen Herrn her kommen müssen, wenn wir zu der einen Taufe – d. h. nicht nur zur Taufe selbst, sondern damit auch zu der Einheit in Tauffragen – gelangen wollen. Nur so können wir diese eine Taufe von allen anderen Lehren und Handlungen, die der Einheit des Leibes im Wege stehen, trennen. Denn daß wir eine Einheit bekämen, ohne diese Dinge aus dem Mittelpunkt herauszurücken, in den nicht zuletzt die lutherische Lehre sie immer wieder hineingestellt hat, wäre gerade aufgrund des oben angeführten Wortes eine Illusion.

    Ist Jesus, der Herr, aber die Mitte, dürfen wir uns tatsächlich mit allen jenen eins wissen, die Ihn lieben und durch Seine Gnade zum Glauben durchgebrochen sind, auf welchen, manchmal verschlungenen, Lebenswegen dies auch immer geschehen sein möge. Dabei ist es völlig belanglos, wie diese Geschwister nun benannt werden oder sich selbst benannt haben, und ebenso unwichtig in dieser Frage ist es, welche Lehre diese vorziehen mögen und welche nicht, solange diese eine große Frage unseres Einganges ins Gottesreich geklärt ist. Bei allen Unterschieden in der Art und Weise, in der Gott uns geführt haben mag, wissen wir doch um den einen Weg zum Heil, neben dem es keinen anderen gibt. Wer wiedergeboren ist, der ist uns zum Bruder und zur Schwester gesetzt, und wir haben dies anzuerkennen, weil es das Werk Gottes ist, und dabei ist es ganz gleich, aus welcher Kirche, Denomination oder Gruppierung dieser Bruder oder diese Schwester nun kommen mag. Jeder Teil hat seine Vorzüge, aber jeder Teil hat eben auch seine Meriten, und das gilt, solange wir noch auf Erden sind. Anzunehmen haben wir demnach auch all das Richtige und Gute, was Gott den Geschwistern in den verschiedenen Denominationen gegeben hat, und das umso mehr, als wir bei uns selbst einen Mangel darin erkennen. An Mängeln gibt es bei uns deren viele. Wer wirklich von Gott ergriffen ist, der wird nur danken können angesichts eines Bruders, der etwas von Gott zu überbringen hat. Dabei ist es herzlich gleichgültig, aus welchem Stall dieser Bruder kommt.

    Ich freue mich wie ein Kind, wenn ein Bruder aus der Kirche ein biblisches Kapitel vollmächtig auslegt. Ebenso genieße ich die Stille in den zur Tageszeit meist offenen katholischen Kirchen, in der ich, wie sonst kaum woanders, beten kann. Wer kennt etwa nicht die Gesänge von Taizé, mit denen ich erste frühe Schritte zum Glauben hin gehen durfte. Als besonders erhebend und zu Gott hinziehend erfahre ich die Anbetung in den orthodoxen Kirchen. Wir alle, die wir Gott lieben, haben etwas von Ihm, jeder auf seine Weise, und wir gehören alle zusammen. Die Einheit mit allen wahren Gläubigen ist nicht nur möglich, sondern auch geboten, wie es auch geboten ist, Geistgewirktes als Geistgewirktes anzuerkennen und darum auch anzunehmen. Denn auch die großen Kirchen bekennen sich zu dem einen Herrn, dem einen Glauben und zu der einen Taufe, auch wenn sie, wie wir meinen, gerade in der Deutung und Praxis Letztgenannter erhebliche Defizite erkennen lassen. Freilich steht alles das, was Menschen sagen oder schreiben, und damit auch diese Sätze, unter dem Verdikt der Fehlbarkeit. Gerade darum aber kommen wir nicht umhin, zu den Wahrheiten zu stehen, die wir erkannt zu haben glauben. Das eine nennt die Bibel Bruderliebe, das andere Treue, beides aber hat etwas mit Demut und Wahrheitsliebe zu tun, und ein göttliches Wehe träfe uns, wenn wir alle diese Tugenden gegeneinander auszuspielen gedächten. Diese Spannung aushalten zu können – und es gilt sie auszuhalten – dürfen wir mit Fug und Recht als ein Merkmal gereiften Christseins bezeichnen.

    Daraus ergibt sich noch ein Zweites. Bislang ist allen denen der Wille zur Spaltung unterstellt worden, die die Wahrheit in der Tauffrage gesucht und in der Taufe selbst auch gefunden haben. Unser obenstehendes Wort aus Epheser 4 zeigt, daß dieser Anwurf nicht nur keinerlei Substanz hat, sondern in sich selbst Spaltungen hervorruft und zementiert, indem sie denen, die bestimmte Entwicklungen anhand der Bibel kritisieren, den Willen zur Spaltung darum unterstellen, weil sie diese Kritik üben, und sie damit als geistliche Parias, mit denen man besser keinen Umgang zu pflegen hat, geschickt zur Seite setzen. Man spaltet also, indem man Spaltungen unterstellt. Anhand der Perfidität solcher Anwürfe wird spätestens jetzt deutlich, woher die Spaltungen in dieser Frage kommen. Sie rühren eben nicht daher, daß man die biblische Wahrheit von der Taufe wieder herauszuarbeiten und entsprechend umzusetzen sucht, sondern eindeutig daher, daß man andere Lehren darüber in die Welt setzt oder diese Lehren und auch die entsprechenden Praktiken befördert und damit Dinge – um jeden Preis, also auch den der Einheit – verteidigt, die nicht in der Bibel stehen. Dabei ist es völlig unwesentlich, wie lange diese Dinge schon Bestand haben und welche namhaften Kleriker sie einst für richtig befunden haben. Nicht umsonst erwähnt Paulus unbiblische Lehren als spalterisch, wenn er eindringlich vor denen warnt, die neben der Lehre, welche ihr lerntet, Zwistigkeiten und Fallstricke verursachen, und überdies gebietet, solche zu meiden (Rö 16. 17; s. a. Kol 2. 8, 2Thes 2. 15). Die Lehre, welche ihr lerntet wobei das Wort ihr ganz offensichtlich für die hier angesprochenen Römer steht aber ist eine signifikant andere als die, die man uns heute aufgetischt hat. Insofern ist die einfache Übernahme dieses Wörtchens, als gelte es allein darum schon uns, weil wir es lesen, Betrug. Es geht nämlich um die Einheit in der Lehre der Apostel und nicht um eine solche, die in der Aufrechterhaltung von Kirchenlehren bestünde, wie alt diese auch immer sein und wie sehr sie sich auch durchgesetzt haben mögen.

    Ein anderer Bruder beklagte sich mir gegenüber denn auch angesichts der vielen Sonderlehren, die jenseits der Kirche entstanden seien, und bezog sich dabei auch auf die biblische Tauflehre. Damit aber verwechselte auch er Licht und Schatten. Für gewöhnlich hält man in der Volkskirche alle die Lehren für sonderbar, die dem in der Kirche verkündeten Mainstream nicht entsprechen. Hier wird ganz offensichtlich der Maßstab falsch gesetzt. Maßstab kann nie die Kirche, und schon gar nicht die universitäre liberale Theologie, sondern immer nur Gott selbst sein; dieser aber hat Seine Willensbekundungen auch bezüglich der Taufe ganz eindeutig in Seinem Wort geoffenbart. Sonderlehren sind also zweifellos all jene, die in der Bibel nicht zu finden sind. Wenn wir mit Paulus sagen, daß es bezüglich der Taufe im Wasser nur eine Taufe gibt, dann ist es auch notwendig, an dieser einen Taufe festzuhalten, damit die Einheit und Unversehrtheit des Leibes Christi gewährleistet werden kann (Eph 4. 1 - 5). Daß dieses Festhalten in der Majorität nicht geschehen ist, sondern ein Abweichen von dieser einen Taufe zu anderen so genannten Taufen oder Taufformen hin stattgefunden hat, die in der Schrift nirgendwo bezeugt sind, ist eine der Hauptwurzeln der Spaltung des Leibes Jesu in Denominationen. Die Rückkehr zur Einheit wird also niemals geschehen können durch eine falsch verstandene Toleranz (technisch gesehen: Abweichen von der Norm), nach der alles gleich angesehen werden könne, sondern einzig und allein durch eine Umkehr zu der Offenbarung (der Norm) des Neuen Testamentes gerade auch in dieser Frage. Nicht jene betreiben also Spaltung, die diese Umkehr befördern wollen, indem sie die Dinge richtigzustellen suchen, sondern jene betreiben Spaltung und das oft genug unter ökumenischem Deckmäntelchen die diese Rückkehr verweigern und durch allerlei wohlfeile theologische Winkelzüge und Vermischungen unterbinden wollen. Dazu gehören auch die Ausgrenzungen solcher Brüder, die diese Dinge auszusprechen wagen, weil sie an ihr Gewissen gebunden sind. So tut man alles, nur damit die Decke erhalten bleibt und das Licht der Offenbarung nur ja nicht durchkommt, womit man sich zu einem Werkzeug des Teufels hat machen lassen (2Kor 3. 12 - 16 und 4. 3 - 4).

    Ich denke, mich hier nicht ausführlicher gegen den Vorwurf absichern zu müssen, daß ich hier Bestrebungen zur Einheit der Christen an sich in ein entsprechendes Licht gerückt hätte. Der Mißbrauch einer Sache ist jedoch noch kein Erweis einer Falschheit derselben Sache. Vielleicht bemerkt der Leser etwas von dem inneren Schmerz, der in all diesen Auseinandersetzungen mitschwingt, weil es darin nie darum gehen durfte, sich von den Brüdern zu trennen, sondern immer nur darum, die falschen Lehren endlich hinauszutun, wenigstens aber sanktionsfrei sagen zu dürfen, daß sie falsch sind. Die Säuglingstaufe ist nirgends überliefert als allein in den Arsenalen der Kirchengeschichte. Anders als deren Vertreter behaupten, sind die Spaltungen, die sich an ihr festmachen lassen, nämlich nicht neu, sondern Jahrhunderte alt. Sie sind bereits entstanden, als man sich von der Wahrheit des Wortes Gottes immer mehr abwandte und zu Zwecken politisch-religiösen Machterhalts und Einflusses eigene Wege beschritt. Was lag da näher, als  in den christianisierten Gebieten schon die Kinder zu taufen, sie somit gleich nach der Geburt zu Kindern Gottes zu deklarieren und damit möglichst große Menschenmassen von vornherein der Kirche einzuverleiben? Das ist eine eindeutig diabolische, niemals aber göttliche Vorgehensweise, denn Gott übergeht den Menschen nicht und respektiert immer seine eigene Entscheidung – selbst dann, wenn sie ihn zunächst einmal ins Verderben führen würde.

    Wenn man freilich der Irrlehre verfallen ist, daß ein an Säuglingen geübtes Taufritual dieselben an sich schon zu Kindern Gottes mache, dann ist es freilich kein Wunder, wenn man denen, die dem widersprechen, einen Spaltungswillen unterstellen – wäre doch nach solchem Denken die Kindschaft ohne eine solche Taufhandlung undenkbar. Damit aber läuft jeder, der den Vertretern der Taufwiedergeburtslehre genau diese streitig macht, Gefahr, als Spalter angesehen zu werden, weil er, so der Vorwurf, ihnen ihr Christsein und ihren Glauben abspräche und sie damit ausgrenze. Nun aber wird nach neutestamentlicher Lehre niemand Kind (Kind kann nur sein, der das Leben des Vaters in sich trägt) durch die Taufe, noch wäre die Taufe an sich schon die Wiedergeburt selber. Die Beschneidung, die  „nicht mit Händen” geschieht (Kolosserbrief) ist nicht die Taufe – wer etwa hat schon einmal einen Menschen getauft, ohne dabei nicht in irgend einer Weise auch seine Hände zu gebrauchen? –, sondern der mit der Bekehrung eingegangene Verlust (das  „Abschneiden”) des eigenen, alten Lebens ohne Gott, das mit einem neuen Leben aus Gott, welches allein Gott gibt, eingetauscht wird. Wer der alten Irrlehre der Taufwiedergeburt noch anhängt, der hat letztlich die zentralen Inhalte der Rechtfertigungslehre nicht wirklich verstanden, die einerseits aus dem Tod des Sünders durch das ihn hinrichtende und zu Tode bringende Gesetz (Römer 7) und das daraus erst folgende Leben der Gnade und der Kindschaft (Römer 8) besteht, Dinge, die nicht umsonst sich unmittelbar an das Taufkapitel Römer 6 anschließen und deren eines man nicht haben kann, wenn man nicht auch deren anderes haben will.

    Es ist die Krux heutigen modernen Christentums, daß man sich abgewöhnt hat, aus Gottes Sicht zu denken; das Evangelium jedoch, so schreibt Paulus an die Galater, ist nicht menschengemäß", sondern es ist Gott gemäß. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege, sagt Gott einmal. Wir möchten oft so gerne weitermachen dort, wo Gott einen Halt, einen klaren Bruch, eine Trennung vorgesehen hat, um andererseits zu trennen, was Gott zusammenfügte. Nicht anders ist es hier. Gott hat mit Sünde, die nicht ausgekehrt wurde, keine Gemeinschaft. Der Tod ist der Sünde Sold, und dieser Tod muß vollzogen werden, komme, was da wolle; der Sünder muß mit Christus also sterben und ins Grab gelegt werden, denn ohne diesen Tod gibt es keine Auferstehung und damit kein neues Leben. Das Leben kommt bei Gott niemals anders als aus dem Kreuz selber, das Kreuz aber ist ein Instrument, das allein der unerbittlichen Hinrichtung des Delinquenten dient, und es ist eines der großen und überaus gefährlichen Trugschlüsse „humanistischen” so genannten Christentums, daß man das Leben haben könnte, ohne nicht zuvor in diesen Tod eingewilligt zu haben, den Jesus stellvertretend nicht nur für uns, sondern vorausschauend auch mit uns erlitt, was wesentlich für eine jede echte Bekehrung ist und sein muß, mit welchen Worten auch immer man dem Ausdruck verleihen und wie wachstümlich dies im Einzelfall auch erfahren werden mag. Wer dies nicht will, der bleibt im Tode, und das kann er auch nicht damit ungeschehen machen, indem er den Tod zum Leben erklärt; ohne dies gibt es mit Gott keine Gemeinschaft und damit auch keine Geistesgemeinschaft mit denen, die in dieser Verbindung mit Gott stehen, nachdem sie durch diesen Tod gegangen sind und das Leben aus Ihm erhalten haben. Nur dieses Leben, das aus dem Tode kommt, und zwar dem gerechterweise verdienten Tod des Sünders am Kreuz, verbindet mit Gott, und eint darum auch alle die, die mit Gott in Verbindung stehen, zu Gottes Gemeinde!

    Das erste, was Gott tat, als er die Schöpfung ordnete, bestand darin, das Licht von der Finsternis zu scheiden. Es muß darum, wie auch das Neue Testamt es tut, unterschieden werden zwischen einer Spaltung um der Wahrheit willen (die, wie jede andere, gerade darum nie anders als schmerzlich empfunden werden kann) und einer solchen, die von Menschen angerichtet wurde etwa darum, weil sie sich einen besonderen Namen machten (1Kor 3) und Menschen nun unter diesem Namen hinter sich herzogen, häufig dabei von Irrlehren getragen, oder darum, weil das, was einst so hoffnungsvoll begann, sich selbst entfernt hat von dem, was Gott wollte, das es sei. Wenn die Lüge so weit verbreitet ist, dann muß es nicht wundern, daß die Wahrheit zunächst einmal Spaltungen hervorrufen muß zwischen denen, die Wahrheit anerkennen und Gott folgen, und denen, die ihm nicht folgen wollen. Das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes, muß trennen zwischen dem, was Stroh und was Weizen, was Fleisch und was Geist, was Licht und Finsternis ist. Das ist seine Aufgabe, und das Schwert würde stumpf, wollte man es ihm diese seine Aufgabe absprechen. Und doch ist es nie die Wahrheit, die von Christus trennt, sondern die Irrlehre, und darum ist es die Irrlehre und nicht die Wahrheit, die Menschen, die doch Christen sein wollen, voneinander trennt darum, weil sie sie abhält von Christus selber, von Seinem Einfluß und Seinem erklärten Willen, ohne den jede Einheitsbestrebung zur Farce werden muß, und das umso mehr, je nachdrücklicher man sie halten zu wollen in diesem Zustand beteuert.

    Sowohl das Alter als auch die Verbreitung dieser Irrlehren tut der Tatsache, das es sich dabei um eine durch Sonderlehren angerichtete Spaltung (eigentlich einen Riß, ein Schisma) handelt, keinen Abbruch. Die neutestamentliche Lehre ist die ältere, ursprüngliche, vom Geist Gottes eingegebene, an die wir uns zu halten haben. Die Wahrheit wird weder durch Mehrheitsentschluß entschieden, noch kann sie auf menschlichem Wege, durch theologische Gremien etwa, verfügt werden. Sie kann nämlich nicht mehr entschieden werden, da sie längst besteht und anhand des Wortes Gottes sowohl erkannt als auch anerkannt wird. Wir sind also entweder auf der Seite der Wahrheit oder auf der Seite der Lüge, demnach auf Seiten des Herrn Jesus, der Sich Selbst als „die Wahrheit” bezeichnete, oder auf Seiten dessen, den derselbe Herr als den „Vater der Lüge” bloßgestellt hat (Jo 14. 6 und 8. 44). Beides ist nicht nur unvereinbar, sondern einander feind bis auf den Tod. Wie bei jeder Wahrheit, so gilt also auch hier, daß der Druck in dem Maße zunehmen wird, je mehr man den Deckel über dieser ganzen Sache geschlossen hält. Die Wahrheit und das Leben Gottes, das im Neuen Testament aus gutem Grunde nicht nur schlechthin als ewig, sondern auch als unvergänglich, wörtlich: „unertötlich” (athanasion) beschrieben wird, werden sich stets einen Weg zu bahnen wissen. Das Wort bedeutet durchaus mehr als ein Bestehen über den körperlichen Tod hinaus. Es hat immer treue Seelen gegeben, die trotz der sich alsbald erhebenden kirchlichen Verfolgung, die über lange Zeiten hinweg eine schwere und blutige war, an der Taufe des Neuen Testamentes festgehalten und die entsprechenden Irrlehrer, der Weisung des Apostels gemäß, verworfen haben. So sind es also nicht diese, die die Spaltungen angerichtet haben, sondern jene sind es, die weiterhin an Dingen festhalten, die nicht in der Schrift stehen und darüber nicht gewillt sind, Buße zu tun. Mit dieser Haltung geben sie letztlich auch den Ketzergerichten recht, die im Verlaufe der Kirchengeschichte über jene Treuen verhängt worden sind, und kreuzigen damit den Herrn ein weiteres Mal. Dadurch stehen sie dem Wachstum und der Vollendung des ganzen Leibes Jesu nicht nur im Wege, sondern versuchen ihn nach Kräften zu unterbinden. Damit aber haben sie sich zu Werkzeugen des Bösen machen lassen.


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Die Taufbundlehre – ein anderer Bund?

    Dieses Thema mag als herausfordernd formuliert empfunden werden. Wenn ja, dann ist das auch beabsichtigt. Denn in der Tat finden wir eine solche Lehre, wenngleich man sie mit Schriftstellen zu untermauern versucht hat, nirgends in der Bibel. Die Taufbundlehre ist jedoch wie geschaffen für die volkskirchliche Tradition der Säuglingstaufe, mit der sie sich ihren Bestand über Jahrhunderte hinweg gesichert hat. Abgesehen davon, daß nach biblischer Lehre zumindest zu bezweifeln ist, ob es sich bei diesen Handlungen überhaupt um Taufen im originären Sinne handelt, besagt sie im Grunde nichts anderes, als daß Gott Sich mir „in der Taufe” zugewandt habe und ich diese Taufe darum nur noch als gültig”, d. h. als eine Handlung, die mich bereits ins Reich Gottes hineingebracht habe, anzunehmen bräuchte. In diese Wortwahl hinein gehört auch die hinsichtlich der Säuglingstaufe vielfach geäußerte Floskel, ich müsse „meine” Taufe annehmen. Wir sprechen hier jedoch nicht von der Taufe des Bruders Lehmann oder der Schwester Annemarie, sondern von der Taufe Gottes. Wenn wir also sagen, daß mit der lutherischen Formulierung eines Taufbundes ein anderer Bund formuliert und ins Dasein gebracht wird als der Neue Bund, dann hat dies triftige Gründe.

    Wir lesen nämlich nirgendwo, daß der Neue Bund „durch Wasser” geschlossen worden sei. Es gibt, von den Opfern Noahs (1Mo 8. 20 - 9. 17) angefangen, bei Gott nicht einen Bund, der ohne Blut geschlossen worden wäre. So besteht folgerichtig auch der Neue Bund nicht ohne Blut; nämlich in der – die vormaligen Opfer ablösenden – Kraft des Blutes Christi, denn ohne Blutvergießen gibt es bei Gott keine Vergebung (Hbr 9. 22). Die Grundlage dieses Bundes ist daher Sein am Kreuz vergossenes Blut und nicht die Taufe. Wer demnach einen „Taufbund” formuliert, der begründet einen anderen Bund als den Bund, der im Blut besteht, und hält menschliches Handeln für das Heilshandeln Gottes. Dieser so genannte Taufbund als ein in der Konsequenz von Menschen initiierter Bund – und ein jeder Bund bewirkt, was der Name sagt – verbindet mich demnach nicht mit Jesus Christus, sondern mit der Kirche, auf deren Lehren ich in diesem Falle eingehen muß und unter deren (gemäß 2Kor 3. 4 - 4. 6 die Offenbarung Gottes im Angesicht Jesu Christi verhüllende!) Decke ich mich damit begebe. Der Bund Jesu verbindet mich jedoch mit Ihm selbst, was natürlich auch alle die mit einschließt, die – als meine Schwestern und Brüder – in demselben Bund eingeschlossen sind, und dieser Bund besteht nicht durch eine Taufe, sondern nur durch das Blut der Besprengung, das Jesus als der „Mittler eines neuen Bundes” vergoß, welches „besser redet als das Abels” (Hbr 12. 24). Die Befolger der kirchlichen Lehre befinden sich hier in einem unauflöslichen Dilemma: Auf der einen Seite sind sie, so sie gläubig sind, klar in den Bund mit dem Herrn eingetreten; auf der anderen Seite aber versuchen sie mit aller Kraft einen Bund aufrechtzuerhalten, der dem ersten widerspricht und den Gott nicht ausgerufen hat, den sie aus Unkenntnis aber für denselben halten, und so sind sie ein ganzes Leben lang und in den meisten Fällen sicher aufrichtig bemüht, Kirche und Gott, Menschen- und Gotteslehre – dazu natürlich auch die jeweiligen Praktiken – auf einen Nenner zu bringen.

    Daraus ergibt sich ein unglaubliches, schier unauftrennbares Amalgam aus einander widersprechenden Lehrgebäuden, von Richtigem und Falschem, von Gnade und Gesetzlichkeit, wie es gerade in der lutherischen Tradition so überreich vorhanden ist. Es gibt bei Gott jedoch keinen Automatismus, kein Überstülpen von Dingen und Dogmen, von denen der Mensch nichts weiß noch wissen will. Wenngleich jeder Bund Gottes in jedem Falle von Gott Selbst ausgegangen ist, hat jedes dieser Bündnisse doch zwei Seiten. Der Neue Bund besagt, daß Gott Sich mir, dem Sünder, in Christus am Kreuz zugeneigt hat; dies gilt es nun im Glauben zu ergreifen, indem ich dem Ja Gottes mein eigenes Ja folgen und mein altes Leben in Sünde und Eigenregie fahren lasse, für das Christus, der unseren Tod starb, am Kreuz hat furchtbar leiden und sterben müssen. Der Schreiber dieser Zeilen bezeugt nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrung aufs Gewisseste, daß dieses Ja Gottes steht; Gott hält Seinen Bund und wird dieses Seine Ja niemals zurück nehmen. Dieses selbe „Ja” Gottes ist jedoch – wiederum, wie wir sehen – am Kreuz erfolgt und nicht erst in der Taufe. Die Taufe ist nicht das Ja Gottes zum Menschen, sondern gehört zu des Menschen Ja zu Gott; sie ist eben nicht Grundlage des Heils, wie diverse kirchlichen Herrschaften lehren, sondern eine Antwort darauf, die allerdings eine willentliche Entscheidung eines insoweit geistlich mündigen Menschen voraussetzt, wie dieser auf Gottes Ja am Kreuz sein eigenes Ja in Glauben und Taufbegehren selbst zu erwidern vermag, das ihn mit Gottes „Ja” verbindet.

    Damit ist die Taufe, obschon sie ein in die Hände von Menschen gelegtes Geschenk ist, dessen richtige Verwendung (allerdings!) wiederum geistliche Dinge auslöst, die in weitere Bereiche der Gnade und der Überwindung des Bösen hineinführen, immer nur Folgehandeln und nie Ursache des Glaubens. Die volkskirchliche Tauflehre dreht diese Zusammenhänge jedoch nicht nur um, sondern klammert sie regelrecht aus, indem sie die eigene Taufhandlung an die Stelle des rettenden Glaubens setzt und damit die Notwendigkeit der Bekehrung umgeht. Ja mehr noch – sie setzt die Taufe an die Stelle des Erlösungshandelns Christi und behauptet hernach, sie sei die Erlösung selber. Und so deutet sie die Taufe, die doch nur Bad der Wiedergeburt sein kann, schließlich frech um und unterstellt, sie sei die Wiedergeburt an sich, in deren Kraft dem Täufling der Geist verliehen worden sei, wobei erschwerend hinzu kommt, daß unter Taufe zumeist die an Säuglingen vollzogene Kindertaufe verstanden wird. Das ist Magie im Reinstformat, deren Gefährlichkeit umso sichtbarer wird, wie wir bedenken, daß sie in der Konsequenz Christus selbst aus der Mitte drängt und eine kirchliche Handlung als etwas, was Gott vorgeblich getan habe, an Seine Stelle setzt. [21]

    Diese magische und vollkommen schriftwidrige Lehre, die das Heil in eine kirchliche Taufhandlung verlegt, lebt nämlich wie keine andere davon, daß man diese Handlung als ein Handeln Gottes deklariert hat. Dies ist, angesichts der Tatsache, daß Menschen es sind, die ihr eigenes Handeln als ein göttliches Werk bezeichnen, geradezu Blasphemie. Solche Lehren übergehen nämlich regelmäßig die Tatsache, daß Jesus Selbst nirgendwo mit Wasser tauft, sondern ausschließlich mit dem Geist. Zwar schreibt der Evangelist Johannes, daß man Jesus nachsagte, daß er taufe, nicht aber, ohne dies sogleich durch Erwähnung dessen zu konkretisieren, daß die Jünger getauft haben und nicht Er selbst (Jo 3. 22, 4. 41 - 3). Wir kennen solche Formulierungen etwa aus dem Weltlichen; wenn etwa einem großen Architekten nachgesagt hat, das er einen bedeutenden Bau errichtet habe, meint man selbstverständlich nicht, daß er ihn selbst gebaut, sondern nur, daß er die Vorlagen und Pläne dazu geliefert hat; den Bau errichteten andere. Das, was die Jünger taten, das vollzogen sie demnach im Auftrage, woraus folgt, daß die Taufe im Wasser den Menschen übertragen wurde, während Jesus allein es ist, der allein mit dem Geist und mit Feuer tauft. Wenn wir also darauf hinweisen, daß die Wassertaufe kein göttliches, sondern ein menschliches Handeln ist, dann hat das seinen guten Grund, der allerdings nirgends die Taufe entwertet, weil eben diese Taufe zwar von Gott eingesetzt (angeordnet) worden ist, derselbe Gott sie aber in die Hände und damit in die Verantwortung der Menschen gelegt hat. Denselben Vorgang haben wir schon bei Johannes dem Täufer vorliegen, der stets darauf hinwies, daß er zwar in Wasser taufte, aber ein Stärkerer nach ihm kommen werde, welcher es sei, der mit Geist und mit Feuer taufe – während er, Johannes, nicht wert sei, Ihm die Schuhriemen aufzulösen (Mt 3. 11ff., Mk 1. 2 - 8, Lk 3. 15 - 17, Jo 1. 24 - 44). Wie schon die Johannestaufe, so waren auch die von Jesu Jüngern vollzogenen Taufen jedoch Vorläufer der christlichen, da Jesus noch leibhaftig auf Erden, der Geist noch nicht verliehen und die Gemeinde (ekklesia) noch nicht geboren war. Damit eignet sich diese Stelle nur schwer für eine Verwendung in dieser Auseinandersetzung. Geblieben ist dabei aber die Erkenntnis, daß Christus zwar die Taufe der Gemeinde anvertraut, die Verleihung des Geistes aber Sich Selbst vorbehalten hat.

    Der Gedanke, daß der Geist in einer bloßen Taufhandlung verliehen würde, zumal in einer solchen, in der der Täufling gar nicht willentlich beteiligt wäre, wäre auch unter diesem Gesichtspunkt völlig absurd. Wäre es an dem, würde dies die Lehre von der ausschließlichen Heilsmittlerschaft des Menschen Christus Jesus, wie Paulus sie später formuliert hat, nämlich vollständig konterkarieren (1 Tim 2. 5). Die Wahrheit ist, daß zu einer Wiedergeburt die Taufe im Wasser nicht einmal vonnöten ist, und so sind auch die Berichte der Apostelgeschichte erklärlich, in denen einige Gläubige den Geist Gottes empfangen hatten, ohne zuvor getauft worden zu sein (Apg 10. 44 - 48). Das ist abermals ein Erweis dessen, daß das Bild des Wassers in der Heiligen Schrift nicht in jedem Falle für die Taufe steht und daher auch nicht in jedem Falle für die Taufe verwendet werden darf, wie auch das Wort „Taufe” nicht in jedem Falle mit der Taufe im Wasser in Verbindung zu bringen ist, da es im Neuen Testament verschiedene Taufen mit entsprechend unterschiedlichen Bedeutungen gibt. Die Wiedergeburt aber geschieht nach einhelligem Zeugnis der heiligen Schrift aus Wasser und Geist, was bedeutet, daß Wasser und Geist zusammenkommen und miteinander verschmelzen müssen, wie bei jeder Zeugung menschlichen Lebens Samen und Eizelle zusammenkommen und zu neuem Leben verschmelzen müssen, damit ein neuer Mensch geboren werden kann. Obschon entsprechende Zusammenhänge bestehen, steht das Bild des Wassers, das Jesus in der nächtlichen Unterredung mit Nikodemus (Jo 3. 3ff) gebraucht, weniger für die Taufe, als vielmehr für das verkündigte Gotteswort, das ich aufzunehmen und dem ich zu antworten habe. Dieses Gotteswort, das nach Jo 1. 14 in Jesus Fleisch geworden ist, ist nach 1Ptr 1. 3, 32 der Same der Wiedergeburt, der sich mit dem in der Verkündigung gegenwärtigen Geiste Gottes verbindet und so im Herzen des Empfangenden ein neues Leben wirkt, ihn demnach zu reinigen und zu heiligen vermag (vgl. Eph 5. 25 - 27). Ohne eine eigene Bekehrung und Abkehr von den Sünden ist es demnach nicht möglich, den Geist Gottes zu erhalten und damit von neuem geboren zu werden, denn Gott gibt in dem Zusammenhang Seinen Geist denen, die sich Ihm fügen (Apg 2. 37 - 40, 5. 32).

    Gemäß volkskirchlicher Lehre sei die Taufe „das Ja Gottes” zum Menschen, das Er nicht zurück nehme. Diese Lehre ist nicht nur verkürzt, sondern verkehrt auch die Wirkung zur Ursache, und darum ist sie falsch. Wir können sie daher mit Fug und Recht – im Wortsinn – als Verdrehung oder, um das fremdsprachliche Pendant zu benutzen, Pervertierung der Wahrheit bezeichnen. Das „Ja Gottes” zum Menschen hat Gott in Jesus Christus gesprochen (Johannes 3. 16), und dieses Ja gilt allen Menschen, ob sie nun getauft sind oder nicht. Daß diese Menschen dieses „Ja” nun erwidern müssen, um in die Gemeinschaft mit Gott einzutreten, ist wohl wahr; es ändert aber nichts daran, daß Gott dieses Ja bereits gesprochen hat, und zwar in Christus und nicht erst in einer Taufe, die nur darum geschehen kann, weil Gott zu uns längst Ja gesagt hat in Ihm.



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Die Magd des Herrn: Mir geschehe nach Deinem Wort

    Wohl in kaum einem anderen biblischen Kapitel ist uns dieser Vorgang so umfassend und tiefgehend dargestellt worden wie auf den ersten Seiten des Lukasevangeliums., da die Geburt unseres Herrn und Erlösers beschrieben worden ist. Diese Seiten sind für unsere Wiedergeburt darum so hilfreich, da Christus der Erstgeborene unter vielen Brüdern genannt wird; insofern gilt Seine Geburt und Menschwerdung als Typus der neuen Geburt des Gottessohnes und damit Seines Lebens in einem jeden von uns, wie Maria gleichnishaft als neue Eva den Typus der Gemeinde darstellt, die Jesus gläubig empfangen hat.

    Wir möchten so gerne „aktiv” sein; Maria, als Typus der hörenden und empfangenden Gemeinde, aber zeigt uns, daß wir rezeptiv werden müssen, damit Gott in unser Leben kommen kann. Rezeptiv, empfangend sein, hat allerdings nichts zu tun mit jener von der Kirche gelehrten, geradezu fatalistischen Passivität, die etwa eine Taufhandlung über sich ergehen ließe, ohne sie jemals gewollt zu haben. Das Empfängliche der Maria drückt sich gerade dadurch aus, daß sie sich dem, was Gott sagt, völlig ergibt, indem sie dem zusagt und sich zur Magd des Herrn erklärt: Mir geschehe, wie Du gesagt hast”. Also, im Ergebnis desselben, geschieht es auch. Gott übergeht, auch in Seiner freien Gnadenwahl, den Willen und damit die Persönlichkeit eines Menschen niemals. Jedes Übergehen menschlicher Entscheidungsfreiheit wäre von nicht göttlicher, sondern dämonischer Natur, wie auch die verschiedenen Berichte von dämonisierten (umgangssprachlich besessenen) Menschen im Neuen Testament zeigen. So handelt Gott niemals. Gott fragt immer; Er wartet stets auf eine Antwort.

    Diesen Zusammenhang finden wir in dem Bericht von der Maria, die eifrig auf das hörte, was Jesus zu sagen hatte, im Gegensatz zu deren Schwester Martha, die unaufhörlich dienen wollte, so daß sie sich über ihr Tun vom Hören abziehen ließ, anschaulich erklärt (Lk 10. 38 - 41). Es geht nicht darum, nichts zu tun, sondern zu hören und aus solchem Hören heraus sich auf das einzustellen, was Gott zu sagen hat. Hören und Tun stehen nicht im Gegensatz zueinander, sondern müssen zusammenwirken, wenn unser Leben mit Gott Frucht bringen soll. So hebt die Bekehrung den biblischen Grundsatz der freien Gnadenwahl Gottes nicht auf, sondern bestätigt ihn.

    Maria, die Mutter Jesu, ist ohne jeden Zweifel von Gott erwählt worden; sie hat sich nicht selbst erwählt. Ebenso zweifellos steht die Erwählung stets am Beginn des Geschehens und damit auch des Weges, den Gott mit dem Menschen gehen will. Bei Gott erwählt sich niemand selbst, wie sich auch niemand selbst erlösen kann. Und dennoch kann jene Befruchtung des Menschseins nicht stattfinden, wenn dieser von Gott erwählte Mensch sich nicht auch in diese Erwählung dreinschickt, indem er Ja sagt zu solchem Plan, wie Maria Ja sagte zu dem Werk, zu dem Gott sie berufen hatte. So kommen Wort und Geist, dem Samen eines Mannes und der weiblichen Eizelle vergleichbar, zusammen; überall dort, wo diese Vereinigung des Wortes und des den dieses Wort Annehmenden überschattenden Heiligen Geistes (Lk 1. 35) stattfindet, geschieht in ihm die Neuzeugung göttlichen Lebens ein weiteres Mal:

    Da sagte Maria (Mirjam) zu dem Boten: »Wie soll dies möglich sein, weil ich doch keinen Mann kenne?« Darauf antwortete ihr der Bote: »Heiliger Geist wird auf dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich beschatten; darum wird auch das Heilig-Gezeugte ›Sohn Gottes‹ heißen.«
Lk 1. 34, 35

     Der das Wort Gottes überschattende Gottesgeist kommt in unseren Geist und macht ihn, der tot war in Sünden, durch das Wort wieder lebendig; der Sündenfall ist aufgehoben, das Werk der Schlange vernichtet – die Verbindung mit Gott ist da, ein neues Leben ist geboren. Diesen Vorgang, der einhergeht mit dem Empfangen des Geistes Gottes, dem Getauftwerden im Geist”, nennt die Bibel Wiedergeburt. Ein solcher Mensch ist daher geistlich wiedergeboren; ihm ist nun der Stand eines Kindes Gottes verliehen worden. Es gibt jedoch keine neue Geburt ohne vorherige freiwillige, wissentliche Auslieferung des eigenen Willens und damit Lebens: Ich bin des Herrn Magd, mir geschehe nach Deinem Wort” (V. 38). Maria ist dafür ein leuchtendes Beispiel, das umso heller strahlt darum, daß Gott sie für die Menschwerdung des Erlösers erwählte: In ihr wurde das Wort Fleisch, wurde Gott zu einem realen Menschen. Das hat sie allen anderen voraus, [22] und darum werden sie „glückselig preisen alle Geschlechter (Luk 1. 48).


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Taufe und Unmündigkeit

    Nun werfen uns die Verkünder der Säuglingstaufe vor, wir wollten nicht zulassen, daß es
neben dem Weg der Glaubenstaufe auch den Weg über die Kindstaufe zum Jünger gäbe, bei dem man sich „diesen Kleinen, Schwachen annehme, ihnen damit das Heil nicht vorenthalte, sie somit in die Gemeinschaft trage und vor Jesus lege, damit er sie anrühren könne, wie mir jemand schrieb. Dazu werden solche Stellen wie Mt 19. 13 - 14 u. a. angeführt, die besagen, daß verschiedene Eltern Kinder zu Jesus brachten, damit Er sie anrühre.

    Diese Argumentationskette ist recht bekannt. Sie ist besonders perfide, weil sie dem, der hier berechtigte Fragen hat, eine Unwilligkeit unterstellt und ihm vorwirft, er versperre damit den Kindern den Weg zu Gott. Die Wahrheit ist jedoch nicht, daß damit der Weg der Kinder zu Gott versperrt wird, sondern die, daß dem Weg der Kirche, Kinderseelen für sich selbst einzuvernehmen, ein Riegel vorgeschoben wird, weswegen man aus ihren Reihen oft auch so heftig dagegen polemisiert. Hier wird, quasi durch die „theologische Hintertür”, nichts anderes als magisches Denken eingeführt, was irreführenderweise noch verschleiert wird, da solche Sätze zunächst eine für viele bestechende, weil in einem wesentlichen Punkt richtige Aussage enthalten, die besagt, daß man auf dem Weg mit Gott sich der Kinder besonders anzunehmen habe, eine Wahrheit, die von Jesus Selbst mit größter Verantwortung verbunden worden ist (s. Mt 18. 4 - 7). Nur kann man dies schwerlich auf die Taufe beziehen, zumal im Text nichts davon steht, daß man die Kinder vor Jesus gelegt habe. Diese Kinder konnten nämlich laufen; sie waren von Ihm angezogen und drängten geradezu in Seine Gegenwart. Und so steht in allen diesen Texten von einer Taufe kein einziges Wort, und dies aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie mit der Taufe nichts zu tun haben.

    Üblicherweise befinden sich solche Aufstellungen in dem Irrtum, anzunehmen, daß „Taufe” und „ewiges Heil” identisch wären. Weder sind sie das, noch wäre die Taufe an sich zur Errettung notwendig, soweit der Terminus der Errettung die Vergebung der Sünden und den Zugang ins Reich Gottes beschreibt, wie Jesus dies u. a. dem reuigen Schächer am Kreuz bedeutete, dem Er verhieß, „heute noch” werde er mit Ihm „im Paradiese sein” (Lk 23. 43). Alle diese Lehren begehen den einen Kardinalfehler, daß sie Taufe und ewiges Heil nicht nur miteinander vermengen, sondern auch das Heil von der Taufe, was immer man darunter verstehen mag, abhängig machen und damit den alten römischen Sakramentalismus erneut bedienen. Nun kann man schlecht behaupten, daß eine andere als die Säuglingstaufe ungültig sei, und verfällt so auf einen Schachzug: Unter der Vorgabe, daß sowohl Säuglings- als auch Glaubenstaufe gültig seien, sucht man der Glaubenstaufe zumindest indirekt (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder das Wasser abzugraben, denn wenn auch die Säuglingstaufe gültig wäre, machte die im Neuen Testament gelehrte Gläubigentaufe im Grunde keinen Sinn, und jene würden irren, die sie vollzögen oder an sich vollziehen ließen.

    Um ein unmündiges Kind zu Jesus zu bringen, damit Er es anrühre und es so auch an dem Segen der ganzen Gemeinde teilhaben könne, bedarf es nach obiger Erkenntnis weder einer Taufe, noch bringt eine solche es ins Himmelreich. Die Taufe hat einen anderen Zweck, der zwar aus den Kräften der Himmelswelt – aus Jesu Tod und Auferstehung – sich speist, jedoch mit dem Wandel des Christen in der Welt zu tun hat (Römer 6). Auch daraus wird ersichtlich, daß die Taufe nur an solchen vollzogen werden kann, die bereits wiedergeboren, mithin also Christen geworden sind. Für die himmlische Ewigkeit brauchen wir die Taufe nicht, und dafür wurde sie auch nicht gegeben. Der neutestamentliche Begriff der Errettung ist dualistisch; er bezieht sich nicht nur auf den Himmel, sondern auch auf den Wandel hier. Im Gericht verurteilt werden wird der, der Gottes Botschaft nicht geglaubt hat, aber nicht der, der etwa nicht getauft worden ist (Mk 16. 16). Es ist in dem Zusammenhang überdies einhelliges Zeugnis der Heiligen Schrift, daß Kinder gläubiger Elternteile, indem sie zu ihrem Hausstand gehören, über eben diese Eltern bereits durch deren Glauben für Gott mitgeheiligt sind (1Kor 7. 14).  Selbst im Alten Testament war dies vom Grundsatz her nie anders. Indem ein Kind zu einem gläubigen Hause gehört, wobei zur Definition eines „gläubigen Hauses” ganz offensichtlich bereits ein gläubiges Elternteil ausreichend ist, gehört es demnach auch zur Gemeinde und somit zu Gott. Dieses „Mitgeheiligtsein” gilt in der Folge so lange, bis das Kind eigene Entscheidungen fällen und artikulieren kann, bis es also nicht mehr völlig unmündig ist, wie dies auch einige Brüder beschrieben haben (d. i. die so genannte Religionsmündigkeit). Alles andere hieße wahrlich „Eulen nach Athen zu tragen”, wie dies wohl nicht nur viele Vertreter der Kirche, sondern wir alle so oft und auch so gerne tun.

    Darum stellen wir die Frage: Wozu will man dann noch Säuglinge taufen als nur dazu, der jeweiligen Kirche Mitglieder einzuverleiben und so, auf möglichst bequeme Weise, sozusagen „automatisch” deren Bestand zu sichern? Denn hier geschieht nichts anderes als das Aufrichten einer solchen Satzung, wie sie andernorts mit Recht kritisiert worden ist: Das Kind könne nicht am Heil teilhaben und auch kein Teil der Gemeinde sein, wenn man es nicht zuvor „taufte”. Wie wir oben gesehen haben, beruht dieser „Glaube” jedoch auf einer Irrlehre. Warum wohl, denken wir, hat Jesus die Kinder ohne jede weitere Bedingung angenommen und in die Arme geschlossen, wenn ihre Eltern dafür erst hätten die Vorbedingung einer an ihm zu vollziehenden Säuglingstaufe erfüllen müssen? Diese ganze Vorstellung wäre doch dem Grundgedanken des Evangeliums – allein aus Gnade, nicht aus Werken – völlig zuwider und von daher geradezu absurd. Demnach hätte Jesus das Kind nicht annehmen können, sondern hätte es zuvor den Jüngern übergeben müssen mit dem Hinweis, daß diese es erst noch zu taufen hätten? Dann hätten die Jünger mit ihren Einwänden also doch recht gehabt? Niemals! Jesus sagt nichts anderes, als daß den Kindern das Reich der Himmel ohne jede Vorbedingung offen steht, ja Er erwartet von den Jüngern, daß sie selber werden wie dieses kleine Kind, das Er da vor ihnen in ihre Mitte stellt. Von einer Taufe, einer Säuglingstaufe gar, steht dort kein einziges Wort. Die ist nämlich ein Relikt der Kirche des Mittelalters, ihrer Furcht vor dem Tode, ihres magischen Denkens und ihrer Werkgerechtigkeit, weswegen es dort bis weit in unsere Zeit – für besondere Fälle angesichts eines möglicherweise nahenden Todes und dergleichen – auch die Form der so genannten „Nottaufe” gegeben hat, mit der allerhand Unfug und Aberglauben getrieben worden ist. Dies wiederum zeigt, welchen Vorschub man mit derlei Lehren und Praktiken dem Teufel geleistet hat.

    Hier wird genau das getan, was man denen, die die neutestamentliche Taufe lehren, die allerdings nur aufgrund des Glaubens vollzogen werden kann, so gerne nachgesagt hat: Dem allen unmündigen Kindern zustehenden, freien Zugang zu ihrem Heiland hat man Schranken gesetzt, nach denen nur jenes unmündige Kind zu Gott kommen könne, das – über den Umweg der Eltern freilich – erst noch das Kennzeichen eines an ihm zu vollziehenden kirchlichen Rituals, Taufe genannt, vorzuweisen habe. Dies „riecht” geradezu nach religiöser Vorleistung, aber nicht nach Gnade. Daß man hier nach der Methode des sprichwörtlichen Diebes vorgeht, der seinen Verfolgern zuruft, man solle den Dieb halten, während der Erstgenannte die Diebesbeute selber noch in der Hand behält, ist die eine Sache. Daß man diese Schranke zur Tür erklärt hat, die allen offen stehe, während dies die Tatsache nicht ungeschehen macht, daß dies eine Schranke bleibt, die erst nach dem Erfüllen von Vorbedingungen seitens klerikaler, „besonders Eingeweihter” geöffnet wird, allerdings die andere. Mit kindlichem Glauben hat dies nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Hier geschieht wahrlich Böses, da man Satzungen errichtet, die das Wort Gottes bereits in seiner Grundsubstanz aufheben. Dies ist allerdings auch ein Erweis dessen, daß man Begriffe wie „Kirche” oder „Gemeinde” hier auf Erden mit dem Reiche Gottes verwechselt hat, und diese Krankheit ist beileibe nicht nur in den Großkirchen zu finden.

    Die Grundproblematik all dieser Praktiken besteht darin, daß man nicht in Demut zu warten bereit ist, und sich vor der Zeit und für alle Zeiten sichern will, was nur durch Gnade und nur zu Gottes Zeit im Herzen eines Menschen heranreifen kann. Einen solchen Raub und Gewalt an Menschenseelen, die schon den Säuglingen das Heil überstülpen will, bevor sie auch nur einen Laut artikulieren können, aber macht Gott nicht mit, was sich daran erzeigt, daß all diesen „Getauften”, so sie nicht glauben, jegliches geistliche Leben fehlt, weil die Zusage einer Gotteskindschaft nun einmal über eine Taufhandlung nicht zu haben ist. Dabei sagen wir nirgends, daß ein Problem darin bestünde, ein Kind zur Taufe zu führen. Nur kann dies nach biblischer Lehre nur dann stattfinden, wenn dieses Kind bereits auf Jesu Wort und Werben eingegangen ist. Das kann auch in einem sehr jungen Alter geschehen, und dann darf es das nicht nur, dann sollte es dies auch. Wie viele wundervolle Berichte hat es gegeben, in denen Jesus Sich über jedes Bitten und Verstehen hinaus gerade in Kindern und durch Kinder verherrlicht hat! Es geht im Neuen Testament, soweit es diesen Zusammenhang betrifft, nirgendwo ums Lebensalter, sondern um den Glauben. Das Evangelium ist so einfach, daß ein Kind es verstehen kann, wie wir gesehen haben. Immer wieder spricht Jesus gerade von dem Glauben der Kinder, weswegen es wahrlich hanebüchen ist, diesen für sie ausklammern zu wollen. Ja wir brauchen diesen einfachen und kindlichen Glauben, um ins Reich Gottes einzugehen, wie Jesus sagte – aber diesen Glauben brauchen wir dann auch. Es ist nicht möglich, ohne Glauben zu Gott zu kommen, wie geschrieben steht:

    Ohne Glauben ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen; wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß Er ist, und denen, die Ihn ernstlich suchen, ein Belohner ist.
Hbr 11. 6

    Der immer wieder zu hörende Hinweis jedoch, daß z. B. die Kolosser nur darum „als erwachsene Christen getauft worden seien”, weil ihnen „Christus verkündigt wurde”, ist zur Rechtfertigung der Säuglingstaufe völlig ungeeignet. Denn wie wir sahen, hat die Taufe mit dem physischen Alter nichts zu tun, wohl aber mit dem geistlichen. Daß jemand also aufgrund des verkündigten und gehörten Wortes zum Glauben kommt, wonach er sich dementsprechend taufen läßt, ist nicht etwa ein „Sonderfall”, sondern die biblische Norm, wie wir dies etwa anhand der in Römer 10. 8 - 13 erörterten Zusammenhänge sehen können. Nie geht es dabei um die Frage eines Erwachsenseins, sondern ausschließlich um eine solche des Glaubens, weshalb ich den Ausdruck der „Erwachsenentaufe” grundsätzlich ablehne, da ich ihn für falsch und irreführend halte. Tatsächlich ist in bestimmten freikirchlichen Kreisen oft auch die Gläubigentaufe zur Erwachsenentaufe verkommen, die im Jugendalter mehr oder weniger traditionsgemäß stattfindet, ohne daß das Herz wirklich bei Gott wäre. Die Kinder sind als Bestandteil der Versammlung jedoch zunächst einmal solche, die das Evangelium hören und selbst annehmen können, wenn die Zeit für sie reif ist. Unmündige aber, wie Säuglinge es nun einmal sind, gehören auch ohne Taufe dazu, denn wir haben ja gesehen, daß diese durch den Glauben der Eltern Mitgeheiligte sind, wenn dies auch nur temporär, für die Zeit ihrer Unmündigkeit gilt (1Kor 7. 14). „Für Gott geheiligt sein” bedeutet nichts anderes, als ganz Ihm zu gehören, von Ihm mit Beschlag genommen zu sein.

    Insofern greift hier auch die kirchliche Lehre von der Erbsünde nicht, denn wir sehen ja, daß diese Kinder – wegen des Glaubens ihrer gläubigen Eltern oder Elternteile – für die Zeit ihrer Unmündigkeit bereits Gott gehören und Ihm zugerechnet werden, und zwar ohne auch nur irgendeine Taufhandlung (oder sonstige Handlung) erfahren zu haben oder zu müssen. Solchen steht das Reich der Himmel allezeit und ohne jede Vorbedingung offen. Nirgends ist in der Schrift geboten, solche zu taufen, und nirgends wäre eine solche Handlung an ihnen notwendig. Diese Fragen stellen sich ihnen erst dann, wenn sie nicht mehr völlig unmündig sind. Wenn solche Kinder ihr Leben Jesus Christus übereignet haben, ist wohl kaum eine Schwierigkeit darin zu sehen, sie taufen zu lassen, wenn sie darüber belehrt worden sind und das selbst wünschen, da Bekehrung und Taufe zusammengehören. Es geht überhaupt nicht ums Erwachsen- oder Nichterwachsensein, auch nicht schon ums Erfassen der „ganzen Wahrheit” (das ist uns unmöglich, solange wir auf Erden sind), sondern um Glauben oder Nichtglauben. Glaube ist keine Leistung, sondern der Weg, auf dem die Segnungen Gottes für uns wirksam werden. Gott vertrauen – genau das meint das griechische Wort „pistis” nämlich – aber kann jedes Kind, das dem Säuglingsstadium entwachsen ist. Der Glaube kommt im Neuen Testament jedoch nirgends aus der Taufe, sondern immer nur aus dem Hören des verkündigten Wortes (Rö 10. 8 - 13). Damit führt Glaube wohl zur Taufe hin, nie aber Taufe zum Glauben. Der Fels, auf den unser Glaube sich gründet, ist Christus und nicht die Taufe, und wer anderes verkündet, der sollte sich fragen lassen, ob er damit nicht einem Götzendienst Vorschub leistet, der sich christlich nennt, während er vom Wesen her nie etwas anderes als heidnisch gewesen ist.

    Man hat auf solche Stellen wie Mt 18. 5 - 14 verwiesen und richtigerweise gesagt, daß diese das Gericht anzeigten, das jemanden erwarte, der Schwache und Geringe daran hindere, in Sein Reich zu kommen. Geflissentlich „vergessen” aber hat man dabei, daß es in dieser Auseinandersetzung (18. 3) darum geht, daß diese Schwachen und Geringen in dasselbe Reich hineingehen und damit zu Ihm kommen sollen, was ihnen die Jünger an anderer Stelle verwehrt hatten. Insofern ist das Bringen der Kinder zu Gott nur vorläufiger Natur. Wer diesen selbst das Kommen verbaut, und sei es dadurch, daß er ihnen suggeriert, daß sie nicht zu Ihm zu kommen bräuchten oder sollten, der schlägt ihnen gegenüber die Tür gerade wieder zu. Dasselbe tut der, der einem solchen Kommen Schranken auferlegt, was solche Protagonisten der Säuglingstaufe aber insofern tun, indem sie suggerieren, daß diese „zuvor zu erbringende Säuglingstaufe” der Eingang ins Reich Gottes sei. Der Eingang ins Himmelreich ist jedoch nicht die Taufe, sondern die geistliche Armut, und nicht ohne Grund ist dies die erste aller Seligpreisungen (Mt 5. 3). Diese Armut besagt, daß alles von Gott zu erwarten ist, aber nichts mehr von sich selber; sie hat nichts mehr, was sie selbst noch erbringen könnte; insofern geht sie mit Glauben einher. Wer da noch allerhand Ausflüchte hat, um nur nicht zu Jesus kommen zu müssen, und zu tun, was Er sagt, der zeigt, daß er noch viel zu reich und auch zu groß ist in sich selber. Wer von neuem geboren werden will, der muß sich selbst ganz klein, arm und gering machen – dessen Leben endet am Kreuz von Golgatha.

    Ein ganz Findiger hat einmal die Frage aufgeworfen, wie man in dieser Frage etwa mit „Schwerstkranken, Behinderten und Komapatienten verfahren solle, die einen eigenen Glauben nicht würden ausdrücken können. Nur kann man von Behinderten und Komapatienten gar schwerlich auf „alle Menschen” schließen. Das wird auch nicht davon besser, wenn man solche Gruppen als Extrembeispiel hervorholt und dieselben dann – quasi im Nachhinein – zur „Norm” erklärt, anhand derer biblische Zusammenhänge zu erklären seien. Solche Fragen gehen völlig an der biblischen Botschaft vorbei. Tatsache ist nämlich, daß derjenige, der selbst nicht in der Lage ist zur Taufe zu gehen, von der Notwendigkeit einer Taufe ausgenommen ist. Man sollte ihm darum, auch im Nachhinein, keine solche überstülpen wollen. Der reumütige Schächer am Kreuz brauchte gewiß keine Taufe, um mit Christus im Paradies zu sein. Eine Taufe ist zur Teilhabe an der Erlösung nicht notwendig; sie ist uns nämlich nicht zur Erlangung der Gotteskindschaft, sondern bezüglich des Wandels innerhalb der Gotteskindschaft hier auf der Erde gegeben, wie Paulus dies eindrucksvoll in Römer 6 ausgeführt hat. Es geht in der Taufe nicht darum, uns in den Himmel zu bringen, sondern darum, uns in ein Leben auf der Erde einzuführen, das aus Jesu Tod und Auferstehung sich nährt. Damit aber wird deutlich, daß die Taufe nur solche erfahren können, die bereits Gotteskinder sind. Solche Gedanken zeigen wiederum, daß die oben angeführten Fragesteller, wiewohl sie dies mit Fleiß leugnen mögen, nahezu ausschließlich in magischen Vorstellungen verhaftet sind und die Taufe nie wirklich verstanden haben.

    Eine ganz ähnliche magische Schriftklitterung nehmen die vor, die sagen, wer Vergebung der Sünden erlangen wolle, der müsse nur am Abendmahl teilnehmen, weil dieses Mahl „zur Vergebung der Sünden” gegeben werde. Aber Vergebung der Sünden erlangen wir nicht anders als durch Bekennen derselben vor Gott und Menschen. Wer seine eigene Sünde nicht bekennen und von ihr lassen will, der wird an diesem Mahl keine Freude haben; genauso ist es auch bei der Taufe, die immer nur das besiegeln kann, was zuvor geglaubt worden ist. Nicht das Mahl an sich ist es, das Vergebung der Sünden bewirkt, sondern allein das Blut Jesu, das beidem – sowohl dem Mahl als auch der Sündenvergebung – zugrunde liegt. Anteil an beiden Segnungen aber haben wir nie anders als durch den Glauben.



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Stellvertretender Glaube?

    „In Jesu Tod sind stellvertretend alle Sünden der Menschheit vor Gott gesühnt worden. Wen wir heute taufen, gründen wir uns damit auf ein Geschehen, welches nahezu zweitausend Jahre zurückliegt. Es gibt keinen Menschen, für den Christus am Kreuz nicht gestorben wäre, sei er gläubig oder ungläubig, sei er getauft oder ungetauft. Stellvertretend hat er für uns dieses Opfer gebracht, damit für uns der Weg zum Leben frei würde. So hat er nicht nur für Sich, sondern auch für uns die Zweifel, ob dies Gottes Wille sei, im Garten Gethsemane im Gebet überwunden (Hbr 4. 14ff, 5. 7 - 10). Und ebenso stellvertretend hat Er uns, als unser großer Hohepriester, in sein Fürbittgebet eingeschlossen (Joh 17. 17ff., damit sie alle eins seien), als noch kein Gedanke eines Menschen an uns verschwendet worden war. Stellvertretend für uns alle, die wir heute leben, sind all diese Dinge geschehen, und dies ist zunächst ganz unabhängig davon, ob wir darauf nun eingehen wollen oder nicht. Damit beruft die sich Taufe, wie auch das Abendmahl, auf gültige Tatsachen.“

    Diese Gedanken, die mir in ähnlicher Form ein Bruder schrieb und denen wir einige Schriftstellen beigefügt haben, werde ich mit Gottes Gnade zu jeder Zeit meines Lebens von ganzem Herzen unterschreiben können – mit einer Ausnahme. Die in ihnen beschriebene Stellvertretung Jesu hat nämlich nichts mit dem falschen „Stellvertreterglauben“ zu tun, der in diesen Worten bereits ein wenig anklingt und den die Kirche zur Rechtfertigung ihrer eigenen „Taufgebaren“ lehrt. Insofern zeigt oben angeführte Passus einen „Hinkefuß“, als daß er die Fürbitte und den Glauben Jesu mit unserem Beten und Glauben gleichsetzt. Das ist in der Form aber nicht möglich, weil Jesus unser Stellvertreter ist, aber nicht wir die eines anderen sein können. Fürbitte ist zwar ein Einsetzen für einen anderen vor Gott, hat aber mit einer Stellvertretung, in der wir an Stelle eines anderen agieren würden, nichts zu tun. Weiterhin ist Fürbitte, als echter Ausdruck priesterlichen Dienstes, immer ausgehend von Gott und nie von uns selbst, weswegen Gottes Geist Sich für uns verwendet, wobei diesem Geist dann auch wieder Stellvertreterfunktionen zukommen (vgl. Rö 8. 26 - 27; s. a. Hbr 5. 4). Nicht umsonst hat Jesus den Jüngern, als diese ihn baten, sie zu lehren, was sie beten sollten, zuerst das Grundmuster des Vaterunsers nahegelegt, bevor Er ihnen – nach der in solchem Beten erfolgten Hingabe unseres Willens – weitere Anweisungen gegeben hat, die in die Bitte um den Geist Gottes münden (Lk 11. 1 - 13; vgl. auch Mt 6. 5ff).

    Gerade der Hinweis auf das Hohepriesterliche Gebet zeigt aber eben auch, daß der Herr Jesus von solchen spricht, die bereits an Ihn glauben. Allein der Umstand, daß Jesus als Hohepriester handelt, indem er nicht nur für uns Fürbitte leistet, sondern uns durch Seinen Opferweg (Sein Opfer ist nach Hebräer 10. 19 - 22 eben nicht nur ein Akt, sondern auch ein Weg) auch zu Gott führt, beweist nichts anderes, als daß es vor Gott keine Möglichkeit gibt, durch den Glauben oder eine „stellvertretende Buße“ eines anderen sündigen Menschen zu Ihm zu kommen, denn sonst hätte Jesus nicht zu sterben brauchen. Die Lehre, nach der ein anstelle eines anderen vollzogener Glaube jemanden ins Reich Gottes brächte, ist gotteslästerlich zu nennen und schlägt dem Sohn Gottes ins Angesicht, weil es damit Seiner Stellvertretung als sünd- und tadelloses Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trug, Hohn spricht. Es gibt kein Opfer eines Menschen, der dem des Lammes Gottes gleich käme, und zwar allein schon darum, weil ein solcher Mensch nicht ohne eigene Sünde ist; „der Lohn der Sünde ist Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Rö 6. 23). Ein zum Tode Verurteilter kann vor Gott jedoch nicht für einen anderen zum Tode Verurteilten Sühne leisten, weder, indem er sein Leben für ihn gäbe, noch, indem er irgend etwas anderes, als zu dessen Gunsten, leistete. Ein Mensch mit unvergebener Sünde hat mit Gott keinerlei Gemeinschaft; der Zugang ist verbaut; er bleibt im Tode (1Jo 1. 5 - 7). Wer durch die Gnade wiedergeboren ist, vermag dagegen wohl erhörlich zu beten und „geistliche Opfer“ der Fürbitte zu bringen; auch sollte er nach Kräften ein Vorbild sein; einen anderen ins Reich Gottes hineinzubringen aber vermag er nicht. Der Welt die Augen zu öffnen, ist ausschließliche Aufgabe des Heiligen Geistes; der aber wird von dem gesandt, der den Preis für unsere Sünde bezahlt hat, und das ist niemand als Jesus allein.

    Tatsächlich ist der, der sündigt, mit dem Eintritt in die Reife für diese seine Sünde immer auch selbst verantwortlich (Hes 18. 1 - 32). Die Gerechtigkeit, in der etwa sein Vater wandelte, wird ihm selbst nichts nützen, es sei denn, daß er sich von der Sünde ab-, und Gott zuwendete, indem er in Seinem Lichte seine eigene Sünde nicht nur erkennt, sondern sie auch bekennt und so Vergebung findet am Stamm von Golgatha. Der Glaube der Eltern kann ein gutes Vorbild sein; es ist jedoch ein Trugschluß zu glauben, daß dieser deren Kindern den Himmel eröffnete. Solch verqueren Gedanken aber folgen letztlich jene, die an dem Gedanken eines stellvertretenden Glaubens oder gar einer stellvertretenden Buße festhalten, wie dies in einschlägigen Kreisen häufig üblich ist. Als ich jenen Bruder bat, mir doch bitte einen Schriftstellenbeleg dazu anzuführen, der nachweisen würde, daß es einen stellvertretenden Glauben gäbe, der Menschen zu Jüngern mache, kamen Ausflüchte. Auf eine Antwort warte ich allerdings bis heute. Wie sollte es denn auch anders sein. Ein Jünger kann nur ein solcher sein, der Jesu Ruf gehört und sich selber aufgemacht hat, diesem Ruf zu folgen. Ob dies nun mit vielem oder wenigem Versagen einhergeht und ob dieser nun sieben oder siebzig Jahre alt ist, ist für die Beantwortung dieser Frage nicht von Belang. Nicht wir haben uns erwählt, sondern Jesus hat uns erwählt. Diese Erwählung aber wird uns nichts nützen, wenn wir uns nicht auch auf sie einlassen, weswegen Paulus von der Notwendigkeit spricht, diese Erwählung auch festzumachen.

    So ist es auch mit der Gotteskindschaft. Es gibt nur einen Mittler zu Gott – und das ist der Mensch Jesus Christus (1Tim 2. 5). Wem etwa diese Stelle nicht ausreicht, weil im Grundtext derselben der das Wort „Mittler“ bestimmende Artikel „der“ nicht explizit erwähnt ist, dem seien die Stellen Hebräer 8. 6 oder auch 12. 24 empfohlen, in der uns Christus als der Mittler des Neuen Bundes nahe gelegt wird. Es gibt, was diesen Bund betrifft, eben nicht mehrere, sondern nur den einen, klar benannten, weil ja auch nur Er es ist, der für unsere Sünden Sein eigenes Blut vergossen und vermittelst diese Blutes für dieselben Sühne erwirkt hat vor dem himmlischen Vater. Immer haben wir es also mit Ihm zu tun, wenn wir zum Vater kommen wollen, nicht aber mit der „Vermittlung“ anderer Christen. Aus demselben Grunde ist auch eine so genannte „stellvertretende Buße“ nicht möglich. Wer eine solche lehrt oder zu praktizieren sucht, der setzt sich damit in der Konsequenz an die Stelle dessen, der allein unsere Sünde trug und auch als einziger nur hat tragen können. Wie ein bekannter Evangelist bemerkte, hat Gott keine Enkelkinder. Daran merken wir, wie „römisch“ solche Lehren in Wahrheit noch sind. Nichtsdestotrotz werden bis zur Stunde gerade von denen, deren Kirche am meisten und häufig auch am unsachlichsten gegen die katholische Kirche polemisiert hat, dieselben Lehren geradezu mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wie glücklich scheint man zu sein, wenn man endlich dazu auch eine Schriftstelle gefunden zu haben meint, die in eigenen Augen zu diesen Vorstellungen kompatibel wäre. So behauptete ein „lutherischer“ Zeitgenosse in einem Schriftwechsel allen Erstes, eine solche vermeintlich „passende Stelle“ gefunden zu haben, und verwies dabei ausgerechnet auf 1Kor.15. 29, die er in der Weise auslegte, daß es Christen gegeben habe, die sich stellvertretend für ihre verstorbenen Verwandten hätten taufen lassen, damit diese dann auch mit auferstehen würden. Dann fügte er noch hinzu, daß ein Toter als ein Unmündiger gelte, da er weder Glauben bekennen, noch sich sonstwie äußern könne.

    Mit solch hanebüchenen Lehren, die auf ein großes Maß an Unkenntnis über die geistliche Welt schließen lassen, ließe sich allerdings trefflich und über den Tod hinaus noch Christen machen. Es ist jedoch ein Trugschluß zu glauben, daß wir Menschen Zugriff auf die unsichtbare Welt Gottes hätten.
Wer immer dies versucht, der landet nicht bei Gott, sondern bei den Dämonen. Abgesehen davon, daß solche an den Haaren herbeigezogenen Vorstellungen in der Schrift nirgends anzutreffen sind, finden wir hier dieselbe Sonderlehre vor, wie sie unter anderem von den Mormonen, einer m. E. gefährlichen spiritistisch-freimaurerischen Sekte, verbreitet wird, und es hat schon ein übles Geschmäckle an sich, daß ausgerechnet innerhalb der Kirche, die diverse „Sektenbeauftragte“ stellt, solche Lehren offensichtlich nicht nur geduldet, sondern zuweilen offen kolportiert werden, wenn sie nur den eigenen Vorstellungen willfährig erscheinen. Die hier unterstellte Wiedergabe, wie sie ganz ähnlich auch in den diversen Luther-Revisionen zu finden ist, ist allerdings äußerst fragwürdig und mit Recht zu kritisieren; sie ergibt sich nämlich nicht zwingend aus dem griechischen Text heraus, der in seinem Urzustand bekanntlich keine Interpunktion, Satzzeichen und Pausen kennt. Folgt man dem Gesamtzusammenhang dessen, was Paulus hier sagt, bleibt eigentlich kaum eine andere Wahl, als (mit der Konkordanten Übersetzung übrigens) zu übersetzen:

    „Sonst, was werden die tun, die sich taufen lassen? Es wäre ja für die Toten, wenn Tote allgemein nicht auferweckt würden? Was soll man sich für sie noch taufen lassen?“

    Der Zusammenhang ist die Auferstehung, da einige von den Korinthern behaupteten, daß Christus nicht auferstanden sei. Wenn nun Christus nicht auferstanden wäre, wie diese behaupten (sagt Paulus damit) dann wäre ihre Taufe nicht für die Lebenden (Auferstehung), sondern „für die Toten“, d. h. sie wäre unnütz, und das aus dem schlichten Grunde, weil Taufe nicht nur unseren Tod, sondern auch unsere Auferstehung verkündet. Dies ist nämlich die einzige mögliche Aussage, weil sie sich auch aus dem Kontext ergibt. Eine Taufe „für die Toten“ (d. h. an deren Stelle und damit zu ihren Gunsten) gibt es im Neuen Testament nirgendwo. In solchen Vorstellungen, die es leider bis in die meisten Übersetzungen hinein geschafft haben, kommt die ganze Magie wieder zum Tragen, der man mit derlei ritualistischen Vorstellungen auf den Leim gegangen ist. Die Wassertaufe ist immer eine in Christi Tod hinein, weil sie den Täufling mit demselben Tode verbindet; dies aber geschieht nicht, ohne zugleich im Glauben auf die Auferstehung des Täuflings zu vertrauen, der – im Bilde dieser Auferstehung – aus dem Wasser, nachdem seine Wogen über ihm zusammengeschlagen sind, als neuer Mensch wieder herauskommt (vgl. Rö 6. 7ff). Diese Darstellung eines Grabes und der Auferstehung aus diesem Grab, das nicht nur für die irdische, sondern gerade für die geistliche Welt (1Kor 4. 9, Hbr 10. 32 - 33) unabdingbar ist, aber sehen wir in der kirchlichen Taufpraxis zerstört; damit kommt es nicht mehr zum Tragen.

    Eine andere Bedeutung, die mit dem Begriff „Taufe“ verbunden wird, kann die des Märtyrertums und des Leidens sein (bei Paulus der nächste Satz, 1Kor 15. 30ff) denn auch Jesus hat Sein Leiden und Sterben als eine „Taufe“ bezeichnet (Mt 20. 22, Lk 12. 50). Auch die frühe Kirche kannte noch den Begriff der „Bluttaufe“ für die Märtyrer, die ihr Leben um Jesu willen gelassen haben. Ebenso bekannt ist der Begriff der Taufe mit dem Heiligen Geist, die wir auch hier mehrfach angeführt haben, wobei das Neue Testament diesen Begriff als Substantiv nicht kennt, sondern davon spricht, daß wir mit demselben Geist getauft, d. h. getränkt worden seien, wobei sie ganz klar den Empfang des Geistes Gottes in der Wiedergeburt meint, durch welchen wir auch zu einem Leibe gefügt worden sind, nachdem wir gläubig geworden waren (1Kor 12. 13). Damit zusammen hängt auch die Taufe mit Feuer, die nicht nur vom Heiligen Geist, sondern zugleich auch von uns widerfahrendem Leid und von Gericht spricht, in welchem ungöttliche Dinge und „Schlacken“ ausgebrannt werden sollen (Mt 3. 11, Mk 1. 8, Lk 3. 16 - 17, Jo 1. 26 - 34). Zwischen allen diese Taufen (auch der Hebräerbrief spricht in Kap. 6. 2 von der Lehre von den Taufen“ in der Mehrzahl) und der Wassertaufe, mit der wir in den Tod Jesu versenkt werden, bestehen zwar Zusammenhänge, sie sind aber keine „Unterart“ derselben und sind mit ihr auch nicht identisch. Wie es im Neuen Testament keinen stellvertretenden Glauben gibt, gibt es dort auch nirgendwo eine stellvertretende Taufe, geschweige denn eine „Taufe für Verstorbene“. Mit solchen (äußerst gefährlichen) Vorstellungen, die üblicherweise auch die einzige Mittlerschaft Jesu Christi in Frage stellen, weil sie menschlich-ritualistisches Handeln an ihre Stelle setzen, gerät man unvermeidlich in magisch-okkulte, spiritistische Phänomene hinein, wie dies auch oben bereits kurz angeführt worden ist. Die hier vorliegende Argumentation ist ein typisches Merkmal einer Sonderlehre, wie sie i. d. Regel auch die Sekten vollführen, indem sie bestimmte Aussagen, die sich u. a. an ungenauen Übersetzungen (zudem einer einzigen Schriftstelle) festmachen und die daraus resultierenden Mißverständnisse zum Dogma erheben wollen. Daß wir uns hier längst auf dem Boden pseudo-christlicher Zauberei bewegen, braucht dazu nicht weiter ausgeführt zu werden.



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Wer gibt wann wen in den Tod?

    Das ist eine seltsame Überschrift, nicht wahr? Nun, seltsame Vorstellungen erfordern manchmal auch seltsam erscheinende Ausdrucksweisen. Wie mir nämlich ein sehr junger Zeitgenosse einmal hinsichtlich zukünftiger Erwartungen schrieb, sei ihm
„die Frage aufgekommen, was er denn mit seinen Kindern machen würde. Er sei sich unsicher gewesen, habe gedacht, sie sollten schon etwas mitbekommen von diesem entscheidenden persönlichen Moment“. Dann aber habe er für sich eine Antwort gefunden. Er würde sie als Säuglinge taufen lassen, nicht weil er Angst hätte, sie würden verlorengehen, sondern, weil er die, die ihm anvertraut worden seien, in diesen Tod schicken würde in der festen Hoffnung und dem Glauben, das Gott sie eines Tages auferstehen lassen“ werde. Seinen Teil der Erziehung werde er „dann nach bestem Wissen und Gewissen durch Vorleben und Lehre“ beitragen, „den entscheidenden Rest aber dem überlassen, der wirklich lebendigmachen kann“.

    Nachfolgend erkennen wir, daß eben dieser Vorsatz des jungen Mannes, er wolle „das Entscheidende Gott“ überlassen, in solchem Ansinnen schon vom Grundsatz her nicht durchgehalten werden kann. Das Gegenteil ist der Fall, was solche Vorstellungen als schwärmerisch
entlarvt. Die Wahrheit zunächst ist, daß wir es uns nicht aussuchen können, ob und vor allem wie wir Gott auch in der Tauffrage gehorchen wollen, und daher nicht einfach etwas tun können, was Jesus Christus nirgendwo geboten hat, indem wir selbsterdachten Vorstellungen und den entsprechenden Überlieferungen folgen. Was unsere Kinder einmal geistlich auferstehen lassen wird, ist nicht unser Glaube oder (vermeintliche) Stellvertretung, sondern ihr Glaube aufgrund der Stellvertretung Jesu Christi, und zwar darum, weil Christus allein unser Mittler ist (1Tim 2. 5). Das aber geschieht immer nur und in dem Maße, wie Gott Gnade schenkt. Wir haben es selbst nämlich nicht in der Hand, ob auch nur eines unserer Familienmitglieder zum Glauben kommt oder nicht (vgl. 1Kor 7. 16). Demnach können wir dies auch nicht selbst bewirken – weder durch eine Säuglingstaufe (die der Herr noch dazu nirgendwo geboten hat) noch durch irgend etwas anderes sonst. Das Einzige, was wir tun können und zu tun uns auch aufgetragen ist, besteht in priesterlichem Eintreten für diese Kleinen, mit dem wir sie im Gebet immer wieder dem Herrn vorzubringen haben, wozu natürlich auch eine entsprechende Erziehung gehört, in der wir unsere Kinder in die Gemeinschaft mit Ihm mit hinein nehmen, soweit dies immer auch nur möglich ist. Den Eingang ins Himmelreich aber vermitteln vermag weder dies, noch eine Taufhandlung an sich, weil – wie wir gesehen haben – die Taufe dazu schlicht nicht gegeben worden ist.

    Der oben erwähnte junge Mann schrieb nun an anderer Stelle, ihm
sei „gerade Abrahams Opfergang nach Morija (1Mo 22) durch den Kopf“ gegangen. Er werde „genauso handeln wie Abraham“ und seine Kinder „in den Tod“ geben, den die Taufe darstelle. Abraham habe „genau das gleiche“ getan, und sei „mit Isaak als vorgesehenes Opfer dahin“ gegangen, „um ihn zu opfern, weil Gott ihn versucht“ (!) habe. Nun ist dieser Bericht zwar ein schönes Gleichnis für diejenigen, die Kinder haben (und nicht nur für diese), läßt sich aber überhaupt nicht auf die Kindertaufe deuten. Es geht bei dem Bericht nämlich nicht um Isaaks, sondern um Abrahams Beziehung zum Herrn. Während Abraham ein entsprechendes und persönliches Gebot Gottes vorausging, er solle den Sohn, den er lieb hatte, darbringen, gibt es im Neuen Testament ein Gebot, Säuglinge zu taufen (d. h. in den Tod Christi zu geben), nirgendwo, weder auf der persönlichen, noch auf der allgemeingültigen Ebene. Jesus sagte, daß wir die Kinder zu Ihm kommen lassen, d. h. Seiner Segnung und Seiner Fürbitte übergeben (Mt 19. 13 - 15), nicht aber, daß wir sie in den Tod geben sollen. Dieses „Zu-Ihm-Kommen-Lassen“ ist nicht möglich außer durchs eigene Gebet, das Belehren und das Hineinnehmen der Kinder in die eigene Gemeinschaft mit Ihm. Es geht hier eben nicht um ein vorwitziges „in den Tod geben“ der Kinder, sondern um einen geistlichen Priesterdienst, der darin besteht, daß wir sie segnen, ihnen soviel wie möglich mitteilen und für sie, aber auch schon mit ihnen beten. Es kann überhaupt niemand einen anderen Menschen, außer nur sich selbst, sinnbildlich in den Tod geben. Hier wird nicht zuletzt auch geistlicher Hochmut sichtbar, da man durch den äußerlichen Gebrauch mißverstandener „Sakramente“ Dinge vor der Zeit an sich reißen will, die Gott zu der Zeit nicht geben will und auch nicht geben kann, weil Er niemandes Herz einfach übergehen wird.

     In solchen Vergewaltigungsversuchen zeigt sich wiederum eine verkürzte Sichtweise, die den viel mühevolleren Weg priesterlichen Dienens, wie wir ihn oben kurz beschrieben haben, mit dem scheinbar leichteren, äußerlichen Gebrauch von Dingen umschiffen will: Man will den schmalen Weg, und das Kreuz, den solcher Weg beinhaltet, nicht für sich selbst, und zieht statt dessen den breiten, bequemeren Weg des „Anwendens“ diverser „Mittel“ vor. Es geht jedoch darum, die Kinder zu gewinnen, und nicht darum, sie „sterben“ zu lassen. Niemand darf eine andere Person „in den Tod geben“, da man dadurch (in der Konsequenz biblischer Zusammenhänge) über sie Gericht ausspricht, geistlich gesehen also eine Verurteilung zum Tode herbeiführt. Wir haben niemanden zu richten außer uns selbst (1Kor 11. 31). Paulus macht eigentlich sogar deutlich, daß er nicht einmal sich selbst richtet, sondern sich sich ganz dem Urteil Gottes
überläßt, indem er diesem Urteil in jedem Falle recht gibt (1Kor 4. 3 - 5). Damit wird deutlich, wie unsere Hingabe nur aussehen kann: Wir bestätigen das Urteil Gottes als ein für unser Leben gültiges und tun alles das, was das Neue Testament uns in Konsequenz dieses Urteils zu tun aufgibt, was zunächst bedeutet, daß wir, nachdem wir uns zu Gott bekehrt haben, nun auch den Anordnungen der Taufe und der Christusnachfolge zu gehorchen haben. Wir sind weder Richter, noch Vollstrecker von Urteilen, da wir weder retten noch verderben können (Ja 4. 12, 5. 9, Mt 7, 1ff usw.). Wollten wir die Kinder „dem Tode übergeben“, wäre dies dasselbe, als wollte man diese Kinder dem „Moloch“ opfern. Ein solcher Götzendienst, dem auch Teile des alten Israel zeitweise verfallen waren, wird auch nicht davon besser, wenn man ihn „nur symbolisch“ verstanden wissen will. Solche Vorstellungen kommen eben nicht von unserem Gott, sondern vom Teufel, und mit Recht erhebt sich die Frage nach dem Gottesbild von Leuten, die ihre Kinder „dem Tode übergeben“ wollen.

    Der Hinweis auf Götzendienst (Idolatrie, da man eigenen Vorstellungen, Ideen und somit Idolen folgt) ist also nicht aus der Luft gegriffen.
Von unserem Gott her gesehen besteht zu solchen Absurditäten weder Weisung noch Vollmacht. Man kann solche Dinge nicht einfach auf die Taufe anderer beziehen (und damit das Todesurteil, das diese Taufe in der Konsequenz beinhaltet, über sie vollstrecken wollen) wenn man geistliche Dinge nicht vollends pervertieren will. Zu nichts anderem aber gelangt der, der dabei ist, geistliche Dinge einfach in eigene Hände zu nehmen. Es sind genau dieselben,
auf Schriftklitterungen beruhenden Lehren, die im Verlaufe der „Christianisierung“ zu den Zwangstaufen ganzer Volksstämme geführt haben, die verantwortlich sind nicht nur für die entsprechenden Vermischungen, die bis heute andauern, sondern auch für Tod, Ausrottung und sonstige Gewalttaten, die im Verlaufe der Kirchengeschichte vorgeblich im Namen Christi begangen worden sein sollen. Das mag starker „Tobak“ sein, aber es ist schlicht die Konsequenz dessen, was es heißt, sich anzumaßen, Gottes Todesurteil an anderen ausüben (lassen) zu wollen. Wer dies tut, folgt damit Lehren, die vom Wesen her nicht besser sind als die der „Taliban“ (übersetzt: Koranschüler), die überall auf der Welt ihr grausames Unwesen treiben, und macht sich damit zum Mörder an unschuldigem Leben, auch wenn dieser Mord „nur“ geistlicher Natur ist. Mit der Bibel, geschweige denn den Lehren Jesu, hat eine solche Vergewaltigung von Menschenseelen nichts zu tun.

    Unsere Kinder haben wir von Gott lebendig bekommen, und lebendig vertrauen wir sie Gottes Fürsorge an. Alles andere überschreitet weit unsere Vollmacht und ist damit Bestandteil eigener Anmaßung. In den Tod geben, auch wenn dies geistlich zu sehen ist, kann ein Mensch niemanden geben, es sei denn, er wird zum Mörder. „Du sollst nicht morden“, ist Gottes Gebot. Wer solche Vorstellungen hegt, der weiß nicht, was er redet; denn damit mißachtet er das Leben, das Gott den Seinen gab, und läuft in der Konsequenz Gefahr, die Seelen seiner eigenen Kinder zugrunde zu richten und damit abzutöten. Das alles zeigt, wie sehr solche Vorstellungen noch im Heidentum, ja im Okkultismus verwurzelt sind. Nach der Schrift (Rö 12. 1ff) sollen wir uns selbst Christus zum geistlichen Opfer weihen, indem wir unsere Glieder Ihm zu guten Werken zur Verfügung stellen; niemand aber ist berechtigt, andere zu opfern, weil der Gedanke des Menschenopfers Gott von je her ein Greuel ist, der Seinen Zorn zur Folge haben muß. Auch die Hingabe Isaaks durch Abraham war kein Menschenopfer; hier ging es um ein Loslassen des eigenen Sohnes hinein in Gottes Plan; denn Gott zeigte den Widder, den Abraham an Isaaks Statt opfern sollte, der wiederum ein Zeichen für Christus ist. Somit ist das gesamte Geschehen um Abraham und Isaak ein Gleichnis auf Gott, den Vater, und die Opferung Seines Sohnes, die (im Gegensatz zur Darbringung Isaaks) tatsächlich stattgefunden hat. Taufe ist kein Opfer. Das Opfer brachte Jesus allein – am Kreuz und nicht in der Taufe, auch wenn seine eigene Taufe, die für ihn Selbst nicht notwendig gewesen wäre, auf dieses Opfer Seines Lebens, als Konsequenz Seiner Menschwerdung, verweist.

    Wenn wir dennoch von der Taufe in den Tod sprechen, ist zu klären, um welchen Tod es hier geht. Es ist der „Fluchtod“, den der Sünder verdient und den Christus für uns am Kreuz auf Sich genommen hat; in diesen Tod hinein gibt der sich, der sich taufen läßt. Damit gibt er dem Urteil Gottes über sein altes Leben recht, nach dem der Tod der Sünde Lohn ist, und es ist ein Trugschluß annehmen zu wollen, daß der Mensch diesem Urteil entrinnen könnte. Dabei ist es ein besonders perfider Schachzug der Gegner dieser Wahrheit, zu behaupten, daß dies allein am Kreuz, aber nicht in der Taufe geschähe. Perfide ist er darum, weil sich damit den Taufgesinnten recht praktisch unterstellen läßt, daß sie ihr biblisches Taufverständnis an die Stelle des Kreuzes gesetzt hätten. Dies hat direkt etwas mit Irreführung zu tun. Nichts davon ist wahr. Denn gerade Paulus ist es, der in Römer 6. 4 sehr unmißverständlich klar macht, daß unser Begrabenwerden in den Tod Jesu eine Hineinfügung in denselben darstellt, die durch, daher also vermittelst und damit mit und in der Taufe, und nirgendwo anders geschieht. Die aus Glauben vollzogene Taufe ist es daher, die uns (V. 3 - 5) geistlich und real mit dem Tode Christi verbindet, und genau aus diesem Grunde ist die Taufe auch so notwendig, da dem Sünder erst mit ihr nicht nur de jure, sondern auch de facto jedes Lebensrecht entzogen, er damit von seinem vormaligen „Lebenselixier“ (sozusagen) „abgeschnitten“ wird, damit also alles das, was am Kreuz für und mit ihm – in Christus – schon geschehen ist, für ihn und seinen täglichen Wandel nun endlich auch wirksam wird.

    Das Wasser habe doch nur Symbolcharakter, gleichwie der Wein des Abendmahls das Blut Jesu nur symbolisiere, meinte ein Kritiker, als ich ihm diese Dinge zu erklären suchte. Nein, mein Freund: Alles in der Heiligen Schrift hat seine Bewandtnis, und wenn Jesus schon dem Jota aus dem Gesetz unterstellt, daß es nicht vergehen werde, wie wollen wir dann glauben, daß solche wirklich wichtigen Dinge unwesentlicher seien als dieser kleinste Strich im Gesetz? Wenn der Herr als himmlischer Hohepriester diese Dinge Selbst einsetzt, indem Er sagt, daß das gereichte Brot Sein Leib und der Wein des Kelches Sein Blut sei und nicht nur ein Zeichen davon, dann ist das tatsächlich so und dann ist Er auch in besonderer Weise im Abendmahl gegenwärtig und wirksam. Weder dem Wasser der Taufe, noch dem Wein des Herrnmahles liegen bloß Symbole zugrunde, wiewohl beide natürlich auch Symbole sind. Als diese Symbole aber sind sie vor allem Verkündigung in die sichtbare und unsichtbare Welt hinein, indem sie sowohl den Tod Christi als auch (im Falle der Taufe) den Tod des Sünders in Ihm – ihr gegenüber ausrufen (vgl. 1Kor 11. 26). Die Taufe verkündet: Dieser Mensch ist in Christus gestorben; in Christi Namen ist er nun auch begraben; auferstanden ist er in Ihm zu neuem Leben: Darum ist er für dich tot; weiche, Satan – du hast kein Anrecht mehr an diesem Menschen und daher auf ihn auch keinen Zugriff mehr. Man lese hierzu nach dem sechsten Kapitel des Römerbriefes auch das nachfolgende siebte; wer diese nicht will, wird kaum eine Freude am achten haben.

    An dieses mit Blut erkaufte Recht muß die Finsternis sich halten; respektierte sie es nicht, bekäme sie es mit Gott Selbst zu tun. Aus diesem Grunde bekämpft sie auch so sehr diese Dinge, indem sie die Menschen soweit immer nur möglich in Unwissenheit darüber hält, und die Brüder, die solches bekunden, auf allerlei Weise und unter vielerlei Widerstand und Ausgrenzungen zurückzuhalten sucht. Sind diese Segnungen doch, so sie nach den neutestamentlichen Regeln gelehrt und praktiziert werden, durchaus kräftig und wirksam, und so hat auch die Kirche, wenngleich sie danach in den Sakramentalismus abgewichen ist, zunächst nicht falsch gehandelt, als sie diese Elemente als Gnadenmittel bezeichnet hat. Wir teilen insofern nicht den Glauben reformierter und anderer freikirchlicher Kreise, die diese Dinge (oberflächlich, wie wir meinen) nur als äußerliche Symbole lehren. Zwar sprach Jesus von einem Gedächtnismahl. Er bezeichnete dabei aber den Kelch des Mahles als den Neuen Bund in Seinem Blut; Er sagte nirgendwo, daß dieser Kelch nur ein Zeichen Seines Blutsbundes sei.
So ist auch die Taufe ein geistliches Begräbnis, das sich auf den alten Menschen zugunsten des neuen tatsächlich auch entsprechend auswirkt, und nicht nur ein Zeichen desselben. Demnach müssen diese Symbole auch als solche gehandhabt werden, ohne daß sie dabei so entstellt werden, daß sie als solche nicht mehr zu erkennen sind, wie dies ohne Zweifel auf die Praxis, Menschen und insbesondere Säuglinge mit Wasser zu benetzen, zu beziehen ist.

    Aus der Schrift ergibt sich sehr klar, daß diese Praxis nicht standhalten kann; überall dort, wo getauft wurde, war so viel Wasser vorhanden, daß ein Mensch davon vollständig bedeckt und so
– bildlich dargestellt von dem Unflat des alten Lebens ganz abgewaschen werden konnte, nachdem er denselben als Sünde bekannt hatte (Mt 3. 5ff, Mk 1. 8 usw; Jo 3. 20; Apg 8. 36 - 40; s. a. die Formulierung des Paulus in 1Kor 6. 11 oder Hbr 10. 22). Wie die christliche war auch schon die Johannestaufe stets eine Taufe in Wasser hinein und keine Besprengung mit demselben. Selbst Jesus, der einer Taufe nicht bedurft hätte, stieg so aus dem Wasser herauf (Mt 3. 14, Mk 1. 10 etc). Besprengung und Taufe sind zwei unterschiedliche neutestamentliche Begriffe, die schon vom griechischen Wortstamm her nichts miteinander zu tun haben und auch für unterschiedliche Zusammenhänge verwendet werden: Das Besprengen (rhantizo) bezieht sich vorrangig auf das im Alten Bund verwendete Blut, mit dem die Herzukommenden bespritzt wurden, das Ein- oder Untertauchen (baptizo) aber auf die Taufe und artverwandte Handlungen, wie das Waschen der Hände oder Füße im Wasser. Die Taufe ist ein Grab für den alten Menschen. Wollte ein Friedhofsmeister die Toten so bestatten, wie die Kirche heute die Menschen „tauft“, wäre ihm die Entlassung sicher, und das wäre wohl noch das geringste Übel, das ihm widerführe.

    Wir kennen natürlich auch jenes Luther untergeschobene und in betreffender Argumentation oft schon reflexartige hervorgeholte Zitat, nach dem
das Biest (gemeint ist der alte Mensch) schwimmen könne. Daß die oben beschriebene Wirksamkeit durch eigenen Unglauben und Ungehorsam hernach auch wieder aufgehoben werden kann, weil wir es allzuoft versäumt haben, in dieser Wahrheit zu leben, ist jedoch eine andere Sache und hebt diese selbe Wahrheit an sich nicht auf. Wenn Paulus davon spricht, daß unser alter Mensch (d. i. der vor seiner Wiedergeburt bestehende Mensch der Sünde) mit Christus nicht nur gekreuzigt, sondern in der Taufe mit Ihm auch begraben wird, dann nimmt er damit durchaus eine geistliche Standortbestimmung vor: Das Mitgekreuzigtwerden geschieht am Kreuz selber und ist die Tat Jesu Christi allein; das Begrabenwerden aber geschieht in der Taufe, die nicht ein göttliches, sondern menschliches Handeln darstellt, wenngleich diese Taufe auch von Gott eingesetzt und verordnet worden ist. Die Taufe ist allerdings nicht nur darstellerisch, sondern auch in der Realität ein Grab, und hat nichts anderes zum Inhalt, als daß unser zu Tode verurteilter und am Kreuz mit Christus hingerichteter alter Mensch eine Tatsache, auf die wir nicht anders als mit unserer Bekehrung eingehen konnten – in ihr tatsächlich nun auch begraben wird, um durch den Glauben als neuer Mensch aus diesem Grabe wiederaufzuerstehen, womit nach Römer 6. 11 täglich zu rechnen ist (wörtlich), so daß wir unsere Glieder nicht mehr der Sünde, sondern fortan der Gerechtigkeit zur Verfügung zu stellen haben. Wer allerdings in völligem Gegensatz zu den Aussagen des Paulus täglich „damit rechnet“, daß das Biest schwimmen könne und damit zeigt, daß er dem Wort Gottes nicht glaubt, der wird sich wohl schwerlich zu dieser Wahrheit durchringen können. Wie wir also sehen, hat dies viel mit Wahrheit, nichts aber mit einem vorgeblichen Anspruch auf Sündlosigkeit zu tun, wie die Gegner derselben behauptet haben.


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Durch den einen Geist zu einem Leib... getauft

    Nur zu gern führt man in lutherischen Kreisen an, daß „die heilsame Gnade Gottes
allen Menschen“ erschienen sei; Christus ...reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.“ (Tit 2. 11 - 15). Ja, die Gnade ist erschienen, und zwar allen Menschen und nicht bloß den Getauften. Nichts anderes ist hier behauptet worden, und nirgendwo sagen wir, daß man sich die Gnade „verdienen“ müßte; sie ist da. Und doch müssen wir auf diese Gnade eingehen und unser Leben auf sie ausrichten, da sie uns sonst nichts nützt. Das sagen uns diese Worte – und übrigens auch der Gesamtzusammenhang dieser Worte – nämlich auch. Denn es ist ja ganz offensichtlich, daß Paulus zwar sagt, daß die Gnade Gottes allen Menschen erschienen ist; im selben Satz aber sagt er eben auch, daß Gott Sich aus diesen Menschen ein Volk reinigte. Es ist offenkundig, daß „alle Menschen“ und „ein Volk“ nicht miteinander identisch sind. Zwischen allen Menschen und dem hier genannten Volk steht die Reinigung. Und die Schrift zeigt uns auch, wie diese Reinigung und Heiligung geschieht, die demnach eine klare Trennung von „allen Menschen“ zur Folge hat, nämlich durch das Verkündigen, Hören und Annehmen Seines Wortes, wie Paulus dies im Epheserbrief beschreibt, indem er anführt, daß der Christus Seine Frau, die Gemeinde, in dem Wasserbad im Wort” geheiligt habe,

    „damit Er für Sich Selbst die herausgerufene Gemeinde herrlich darstelle, so daß sie keinerlei Flecken, Runzeln oder irgend etwas solcher Art habe, sondern heilig und makellos sei.”
Eph 5. 26, 27

    Dies wird a
uch davon nicht anders, wenn die Kirche dieses Wasserbad in einer ihrer meistfavorisierten, nichtsdestotrotz ungenauen und den Schrifttext verfälschenden, weil im Sinne überkommener Kirchenlehren abändernden Übertragungen, der sog. „Guten Nachricht”, gleich mehrfach und geradezu dreist auf die Taufe deuten läßt, obwohl im Grundtext in allen diesbezüglich relevanten Vorkommen von Taufe nicht ein einziges Mal die Rede ist. [23] Solches zeugt lediglich davon, daß man zutiefst in denselben alten magischen Vorstellungen verhaftet geblieben ist, unter denen die mittelalterliche Kirche noch stand, welche man mit dem Wort der Schrift nun nachträglich in Verbindung zu bringen sucht, was sich unter anderem daran erzeigt, daß die lutherische der römischen Tauflehre nahezu gleicht wie ein Ei dem anderen. Aber hier steht eben nichts von einer kirchlichen Taufhandlung, die man nur noch in ein schmückendes Beiwerk wohlzitierter Schriftworte „einzubetten” bräuchte, um jenes „Wasserbad im Wort” zu erzeugen, kraft dessen man „Christen” hervorbringen könne, womit wir allerdings nicht nur von einem Menschenwerk an sich, sondern schon von regelrechter Magie sprechen müssen, die uns als Gotteswerk „verkauft” werden soll. Zwischen solcher Magie, die göttliche Dinge und Kräfte (und seien es die des Wortes selbst) an sich zu reißen und selbst ausüben zu wollen anmaßt, und dem Werk Gottes selbst aber besteht ein gravierender Unterschied. Alles das zeigt, daß man von der Wirksamkeit des Wortes keinerlei wirkliche Erkenntnis besitzt und sich – aufgrund seines eigenen Unverständnisses – vom Prinzip her derselben Magie und im Grunde desselben Animalismus bedient, der sich auch heidnische Völker seit Urzeiten schon bedient haben.

     Hier ist allerdings nicht die Rede davon, daß wir dieses „Wasserbad im Wort” selbst zu bereiten hätten, indem wir einer Taufhandlung (was immer wir darunter verstehen mögen) noch einige Bibelverse, passenderweise aus Matthäus 28, hinzufügten, damit das „Wasser der Taufe” mit diesen von uns gesprochenen Worten „auf wundersame Art zusammenwirken” könne und die so vollzogene „Taufe” ein „gültiges Werk Gottes” sei, um sich nur ja nicht dem Verdacht auszusetzen, daß man mit solchem „christlichen”, mit Bibelworten garnierten Hokuspukus nichts anderes als Magie betreibe, in der Erwartung, daß der dreimal heilige Gott diesen blasphemischen Unsinn auch noch mitmache. Wenn Jesus im Bilde des Weinstocks und der Reben davon spricht, daß die Seinen allein durch das von Ihm gesprochene Wort grundsätzlich rein seien, dann heißt dies nichts anderes, als daß Sein Wort allein es ist, das diese Reinigung vollbringt; somit erzeigt sich überall dort, wo wir Sein Wort in Vollmacht und unter Leitung des Heiligen Geistes verkündigt und von den Menschen angenommen sehen, diese Reinigung als gegenwärtig und in Kraft (Jo 15. 3). Schon in Johannes 13 sehen wir diese Wahrheit, im Zusammenhang der Fußwaschung, erwähnt, ohne welche die Jünger keinen Anteil an Ihm haben (V. 8). Von der Wassertaufe hören wir in allen diesen Zusammenhängen nicht ein einziges Wort. Das Wort Gottes selbst ist nämlich dieses Wasserbad, da es den Sünder, der dieses Wort hört und annimmt, reinigt und heiligt, weswegen Paulus in Epheser 5. 26 davon spricht, daß der Christus die Gemeinde durch eben dieses Wasserbad gereinigt habe, indem er hinzufügt, daß dieses reinigende Bad das des Wortes selber sei.

    Im Zentrum der Erwähnung steht das „Wasser des Lebens” und nicht irdisches Taufwasser, was sich auch nicht ändert, wenn in römischen Kreisen das Wasser, das aus der Erde kommt, zu Taufzwecken eigens geweiht wird. Insofern wäre es ein Trugschluß zu glauben, daß „Taufwasser” uns von derselben Sünde reinigen könnte, zu deren Vergebung nichts weniger als das kostbare Blut desselben Herrn und Retters Jesus vergossen werden mußte, der nun Sein Wort an uns ergehen läßt. Luther hatte dies anfangs erkannt, ohne daß er darum von dem mittelalterlichen Hang zum römischen Sakramentalismus im Verständnis des „ex opere operato” – „durch bloßen Vollzug” am Ende abgekommen wäre, und diese inneren Widersprüche, die er im oben kritisierten Sinne geradezu verzweifelt miteinander zu vereinigen suchte, haben dann auch überaus reichlichen Eingang in die lutherischen Bekenntnisschriften gefunden. Sie zeigen, daß „Bruder Martin”, dessen Verdienste wir mit solcher Beurteilung (die ja keine Verurteilung ist und auch zu keiner solchen werden darf) [24] keineswegs schmälern wollen, in dieser einen, nichtsdestotrotz fundamentalen Sache nie wirklich durchgebrochen ist; dies schmerzt umso mehr, wenn wir bedenken, daß Luther sich stets gegen den Gedanken, nach dem durch bloßen Vollzug eines Rituals etwas wirke, verbal stets mit Vehemenz zur Wehr zu setzen versucht hat. Die Reinigung durch Gottes Wort, die heilsnotwendig ist, weil wir ohne sie nicht in der Gemeinschaft Gottes leben können, jedoch ist ohne persönlichen Glauben und Umkehr, die sich unter anderem im Bekenntnis der eigenen Sünde mit der Bitte um Vergebung zeigt, gänzlich unmöglich (1Jo 1. 5 - 10, s. a. Hbr 11. .1 - 6). Ein Wort aber, das sich nicht mit dem Glauben verbindet, ist zu nichts nütze, da es in dem Fall seine Kraft nicht entfalten kann (Hbr 4. 2). Ein Same, der nicht auf einen empfangsbereiten Boden fällt, kann nicht aufgehen und geht zugrunde (Mt 13. 3 - 9, 18 - 23). Sicher will Gott, daß alle errettet werden. Mit Gewißheit liebt Gott alle Menschen, und für alle hat Er Seinen Sohn hingegeben. Derselbe Jesus, der dies sagte, sagte aber auch, daß diese Errettung nicht anders als durch den Glauben an Ihn geschieht (Jo 3. 16, vgl. 8. 32). Werden also alle auf der Erde errettet werden? Nein. Denn es ist offenkundig, daß nicht aller Teil der Glaube ist (2Thes 3. 2).

    Oft wurde behauptet, im neuen Bund sei „die Taufe” Zeichen dafür, daß man zu Gottes Volk gehöre, wie im Alten Bund „die Beschneidung“ Zeichen dafür gewesen sei, daß man Teil des Gottesvolkes geworden wäre; somit werde man „mit der Taufe“ in die Gemeinschaft dieses Volkes eingefügt. Hier begegnet uns allerdings dieselbe „christliche“ Magie wieder, von der wir oben gesprochen haben. Schon der Gedanke, daß durch die Beschneidung jemand ein Teil des Gottesvolkes geworden sei, ist irreführend und falsch, und spätestens bei den weiblichem Gliedern desselben muß dies auch dem Dümmsten auffallen. Teil eines Volkes wird man nicht anders als durch Geburt; bis heute gilt im orthodoxen Judentum der als Jude, der eine jüdische Mutter hat. Wer zum jüdischen Glauben übertritt und sich beschneiden läßt, der ist wohl ein Konvertit, wird damit aber nicht zu einem Juden. [25] Genau so, wie man Glied des jüdischen Volkes nur durch Berufung und Geburt werden kann, so kann man auch Glied am Leibe des Herrn nur durch Berufung und Wiedergeburt werden. Als vollends unsinnig entpuppen sich solche Behauptungen dann, wenn auf jene verwiesen wird, die aus medizinischen Gründen beschnitten worden sind. Beschnittene gibt es deren viele; dies aber macht sie nicht zu Teilhabern der göttlichen Verheißung, wie Ismael zwar beschnitten war und trotzdem keinen Anteil an diesen Verheißungen, nämlich des Gottesbundes, besaß und damit, wiewohl gesegnet, auch nicht zum Volke Gottes zugehörig zählte. Dasselbe ist beispielsweise zu den Söhnen Moses zu sagen, die von einer midianitischen Frau geboren worden sind und – unter dem Eindruck drohenden Zorns – eilends beschnitten worden waren; dennoch werden sie in Moses Genealogie, innerhalb des jüdischen Volkes, nie wieder erwähnt; die Linie Moses endet traurigerweise mit Mose selbst, während die Linie der Söhne Aarons, des Bruders Moses, alleine weitergeht; aus ihnen entstand letztlich der Priesterstamm. Daß Moses Grab nicht nur verborgen wurde, sondern auch der Teufel mit dem Erzengel Michael um seinen Leichnam stritt (Judas 9), hat auch mit solchen Zusammenhängen etwas zu tun.

    Darum bedarf der, der heute zu einem Gliede des Gottesvolkes werden will, nicht eines Rituals, auch nicht dem der Taufe, sondern der neuen Geburt „aus Wasser und Geist”, die ausschließlich nur „von oben her” vollzogen werden kann (Joh 3. 3ff). Die Taufe ist wohl von Gott verordnet; sie ist aber kein „göttliches” Geschehen, für das der Mensch „nichts könnte”, sondern ist klar in die Hände und damit die Verantwortung der Menschen gelegt, da anderenfalls die neutestamentlichen Anweisungen, zu taufen oder sich taufen zu lassen, ihres Sinnes entleert würden. Bis heute ist es die Frage aller Fragen: Haben wir den Heiligen Geist empfangen, da wir gläubig wurden? (Apg 19. 2). Dies ist eine eindeutige Frage, auf die eine ebenso eindeutige Antwort möglich ist, denn der Geist Gottes bezeugt unserem menschlichen Geist aufs Gewisseste, daß wir Gottes Kinder sind, wenn Er in unseren Herzen wohnt (Rö 8. 15 - 17). Wir haben in diesem Falle also ein inneres und unabänderbares Wissen, eine feste Überzeugung darüber, welche uns niemand streitig machen kann, weshalb dieses innere Wissen auch als „Heilsgewißheit“ bezeichnet wird. Diese Frage ist heilsentscheidend, denn wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht Sein“, Rö 8. 9. „Glaube“ heißt eben nicht, einfach nur so „zu tun“, „es für wahr zu halten“ oder „es sich einzureden“, als „hätten“ wir die Dinge Gottes schon in unserem Besitz, nur weil Gott einmal davon gesprochen habe, daß die Seinen sie in ihrem Besitz gehabt hätten. Sogar Luther soll in der ihm eigenen drastischen Sprache davon gesprochen haben, daß Gott Sich „aus Seinem Wort herausschälen“ könne, „so daß ihr nur noch die Hülsen nachbehaltet“. An deren Wirksamkeit zu glauben, wäre vergeblich und nichts als Magie. „Leere Hülsen“, in denen nicht zu finden ist, was darauf geschrieben steht, finden wir heute allerdings viele, den „Glauben“ an sie auch. Die Bibel spricht jedoch von einem Glauben, der in sich tot ist, weil er keine Werke hat. Ein solcher Glaube ist ein gefährlicher Trugschluß, der niemanden erretten kann, denn auch die Dämonen glauben und zittern“ (Ja 2. 18 - 26).

    Glaube kann nicht sein, wenn er sich nicht auch in der Tat erzeigt. Ein Glaube ohne Tat ist kein Glaube, sondern entweder menschliche Phantasie oder Philosophie, wobei – nach Kol 2. 8 – die Grenzen zwischen beiden fließend sind. Einen solchen „Glauben“ meinte Paulus nie, und nichts von einem solchen finden wir bei den ersten Christen. Insofern sind Paulus und Jakobus sich sehr viel näher, als vielen Christen lieb sein dürfte, und bekanntermaßen liegt hierin auch ein Grund verborgen, weshalb Luther mit dem Jakobusbrief nicht viel anzufangen wußte, so daß er ihn als „stroherne Epistel“ bezeichnete und fast ans Ende des neutestamentlichen Kanons platzierte, weil er ihn nicht für „apostolisch“ hielt. So war auch die Taufe in der frühen Gemeinde eine höchst öffentliche und für alle ebenso sichtbare wie nachvollziehbare Angelegenheit. Wer durch die Verkündigung hinzugerufen war, der bekannte öffentlich seine Sünden und ließ sich ebenso öffentlich taufen, um allen anzuzeigen, daß er mit seinem früheren Leben restlos gebrochen hatte, indem er es im Wasser ertränken ließ, womit es in den Tod Christi versenkt wurde; der aus dem Wasser heraus kam, war ein neuer Mensch geworden, und dies nicht nur ideell, indem er daran „glaubte“, sondern – durch die neue Geburt – in der Realität eigener Lebenserfahrung. Von einer solchen Taufe kann man dann auch sagen, daß sie im Zusammenhang der Sündenvergebung stehe, und genau auf diese Dinge bezieht Paulus sich, wenn er bei jenen, zu denen er in seinen Briefen spricht, diese Dinge bei ihnen als geschehen voraussetzt. Er sagt also gewiß nicht, daß man an diese einfach nur zu „glauben“ habe, indem man sie als „für sich geltend“ betrachte. Der, bei dem dies nie geschehen ist, der hat auch kein Recht, davon zu sprechen, daß sie bei ihm „geschehen“ seien, nur „weil Gott dies in Seinem Wort schließlich so gesagt habe“. Vollmacht, Kinder Gottes zu werden, haben nur die, die Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, selbst angenommen haben (Jo 1. 14).

    „Das ist das Evangelium“, schrieb mir einer jener Kirchenvertreter, Jesus ist der Christus, der uns befreit hat – das ist eine Tatsache, auf die ich mich berufen kann. Auch bei der Beichte oder der Buße habe ich nur diese Tatsache“. Gewiß, wir bekennen unsere Sünden aufgrund der bereits vollzogenen Tatsache der Erlösung durch Jesu Opfer am Kreuz, weil wir aufgrund des Wortes Gottes wissen, daß, so wir unsere Sünde bekennen, Jesus treu und gerecht ist, daß Er uns die Sünden vergibt und uns von jeder Ungerechtigkeit reinigt (1Jo 1. 9). Was also muß geschehen, damit wir unserer Sünden tatsächlich ledig werden? Wir müssen sie vor Gott und Menschen reumütig bekennen (homo-logeo, gleich-sprechen, d. h. mit der Beurteilung Gottes übereinstimmend, vor Gott und mit einem Menschen als Zeugen, als Sünde aussprechen). Wir erlösen uns damit nicht selbst, wie zu glauben uns jene theologischen Hasardeure unterstellt haben, sondern gehen auf die vollbrachte Erlösung ein, weil sie uns sonst nichts nützt. Es ist also durchaus ein „Preis“ zu zahlen, und dieser Preis besteht in der Aufgabe unseres alten, sündigen Lebens. Die Befreiung, die Jesus vollbracht hat, wird uns eben nicht zuteil, indem wir einfach daran „glauben“, daß sie quasi „per Zuspruch“ unser sei, sondern indem wir – im Gehorsam und im Vertrauen auf die diesbezüglichen Verheißungen – die Schritte gehen, von denen uns die Heilige Schrift sagt, daß diese uns diese Befreiung auch zuteil werden lassen. Wie viele Kirchenchristen schleppen sich sündengebeugt Sonntag für Sonntag in immer denselben Gottesdienst und hören davon, daß ihnen „in Christus“ Vergebung zuteil geworden sei, ohne daß sie ihnen in der eigenen Lebensrealität tatsächlich auch zuteil geworden wäre! Was ist das nur für ein religiöser Selbstbetrug!

    Mit solch oberflächlicher Predigt und den vorstehend beschriebenen kirchlichen Praktiken geschieht nichts anderes, als daß die göttlichen Verheißungen auf den eigenen, zutiefst menschlichen Standpunkt heruntergezogen werden; im Ergebnis sehen wir sie verdreht und ihres Sinns entleert, womit wir wieder bei den oben besprochenen „leeren Hülsen“ angelangt wären. Die Grundproblematik dieser Verirrung besteht jedesmal darin, daß man sich – ohne jemals nach „ihrem Preis“ zu fragen, von dem wir oben gesprochen haben – Dinge aus der Bibel zusammenklaubt, die so erzeugten Zusammenklitterungen nach eigenem Empfinden deutet und diese seine Deutung danach sowohl als für sich als auch für den „Rest der Welt“ als „gültig“ erachtet, womit sie Letzterem mit geradezu „missionarischem Eifer“ übergestülpt werden sollen. Die politischen Herrschaftsgelüste, die die Kirche spätestens seit Konstantin geprägt haben und die mit der religiösen Vergewaltigung ganzer Völkerscharen einhergegangen sind, haben genau hier ihren Grund und damit ihren Ursprung. Zwischen solcher „Christianisierung“ und dem Glauben, von dem im Neuen Testament geschrieben worden ist, bestehen allerdings Welten, gekennzeichnet durch den Unterschied zwischen Tod und Leben.

    Denn niemand bekommt jemals Anteil an der göttlichen Verheißung, indem er einfach nur „glaubt“, sprich: es nach eigenem Duktus „für wahr“ hält, daß dieselbe sich – allein durch ihr Bestehen – schon in seinem Besitz befände, und ebensowenig gilt der Satz, daß jemand über einen solchen „Glauben“ auch andere Menschen ins Reich Gottes hinein bringen könne. Dennoch bildet diese Anmaßung einen so großen Teil kirchlich geprägter Theologie, daß sie auf derselben sogar aufbaut und dieselbe – in falschem und darum anmaßendem Rückgriff auf die Theologie des Apostels Paulus – für die „Rechtfertigung des Sünders“ hält. Der von mir sehr geschätzte, längst aber heimgegangene Autor Eugen Edel (+ 1951) schrieb einmal davon, daß ein ihm befreundeter Prediger auf einer seiner Bahnreisen in einem Abteil einem jungen Mann begegnet sei, der sich den dort mitreisenden Mädchen gegenüber sehr schamlos benommen habe. Von dem Prediger zur Rede gestellt, erwiderte dieser ihm, was er denn wolle, er sei doch auch „gut christlich“ – „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid“, das wäre auch sein Wahlspruch. „Ja“, sagte der Mann ihm. Aber haben Sie dieses Kleid, von dem Sie da deklamieren, auch an?“ Da wurde der junge Mann sehr nachdenklich und sagte, er habe bislang gedacht, es genüge, wenn man das „fest glaubt.“ – Unwirklichkeit pur. [26]

    Genau diese selbe Anmaßung religiösen Scheins, mit deren Hilfe man den Fortbestand der Kirche nicht nur zu sichern hoffte, sondern über lange Jahrhunderte hinweg tatsächlich auch sicherte, hat auch zur kirchlichen Tauflehre geführt, nach der man sich durch den bloßen Vollzug einer sakralen Handlung schon im Reiche Gottes wähnt, was man hernach „für sich“ nur noch „lebendig machen“ müsse, indem man „fest daran glaube“. Zur Bekräftigung dieser ebenso blasphemischen wie magischen Irrlehre wird zumeist angeführt, daß Paulus sage, daß wir doch durch den einen Geist zu einem Leibe getauft worden seien (1Kor 12. 13). So begegnet uns hier dieselbe Anmaßung erneut, die so falsch ist, wie etwas nur falsch sein kann. Die oben angeführte Unsitte, Dinge aus der Bibel als für sich gültig zu erachten, ohne daß sie dem Betrachter darum auch wirklich gehören, stellt demselben hier ein Bein, und so entpuppt sich auch an dieser Stelle (wie an so vielen anderem auch) dieselbe als Kern der dahinter liegenden Irreführung. Wer immer dies nämlich auf die Wassertaufe bezieht, der „verballhornt“ diese Stelle und vergewaltigt sie, da das Getauftwerden im Heiligen Geist, von dem sie (in der Verbform) spricht, nicht mit der Taufe im Wasser identisch ist. Hier steht eben nichts vom Wasser, durch das wir „in den Leib“ getauft würden. Es ist nicht die Taufe im Wasser, die uns zu Gliedern des einen Leibes macht, sondern die Taufe im und durch den Geist, und von der spricht Paulus hier; anderenfalls hätte er dies nicht gerade in Verbindung mit den Geistesgaben erwähnt, die im selben Kapitel, und zwar durchgehend, thematisiert werden. Es gibt keinerlei Grund, weshalb dieser Satz anders zu sehen wäre, es sei denn, man legte ihn hinein.

    Die im vorigen Absatz zitierte Aussage des Paulus kann sich, wie wir sahen, allein deshalb nicht auf die Taufe im Wasser beziehen, weil von derselben weder hier noch irgendwo anders im selben Zusammenhang auch nicht ein einziges Wort fällt. Die Taufe, mit der wir in den einen Leib hineingetauft werden, ist daher nachweislich die Taufe im bzw. mit dem Geist, wie dies unter anderem auch in dem Bericht des Petrus (Apg 11. 11 - 18) zur Sprache kommt, in dem er sich auf das Geschenk des Heiligen Geistes bezieht, das alle die erhielten, die (Kapitel 10) im Hause des Kornelius beisammen waren und gläubig wurden, während sie das Wort hörten. Erst im Anschluß erwähnt Petrus, daß sie in der Folge dieses Ereignisses den so gläubig Gewordenen das Wasser nicht hätten verwehren können, was darüber hinaus ganz klar darauf hinweist, daß Menschen, die nicht glauben und die darum auch den heiligen Geist nicht erhalten haben, die Taufe im Wasser verwehrt werden muß; alles andere wäre daher unverantwortlich vor Gott und Menschen, eine Irrlehre also, die mit magischem Denken einhergeht und sich darum auch mit den entsprechenden magischen Praktiken verbindet. Denn allein vom Geiste Gottes ist hier die Rede, und dieser selbe Geist, der die Glaubenden zu einem Leibe zusammenfügt, ist es in dem Kontext des ganzen o. a. Kapitels 12 des ersten Korintherbriefes auch, der ihnen – als den verschiedenen Gliedern dieses Leibes – jeweils unterschiedliche Geistesgaben schenkt, damit durch sie der Leib auferbaut werde. Und das ist auch derselbe Geist, den Jesus als Seinen Sachwalter und Fürsprecher zu senden verhieß, indem Er Seinen Jüngern zusagte, daß sie mit ebendiesem Geist getauft würden nicht lange nach diesen Tagen“ (Apg 1. 5). Von Taufe steht hier nichts!

    Diese Zusage finden wir in dem daran unmittelbar anschließenden Geschehen in der Apostelgeschichte erfüllt. Von einer Wassertaufe steht jedoch auch hier kein einziges Wort; sie ist zwar ein an die Gemeinde gerichtetes Gebot, an sich aber keine Verheißung. Die Verleihung des Geistes hat Sich Gott Selbst vorbehalten: kein Mensch kann über Ihn verfügen. Jesus allein ist es, der mit dem Geist tauft (Mt 3. 11 ff, Mk 1. 8 usw.; Jo 1. 26 - 33; 14. 16 - 25; Apg 4. 4 - 5). Eine Gemeinde kann hier noch nicht taufen, da eine solche gerade erst vor ihrer Gründung stand, und diese Gründung geschah nicht anders als durch den verheißenen Geist, der die einzelnen Glieder, indem sie alle diesen Geist empfangen, zu einem Leib zusammenschloß. Wer immer dieses Geschehen also auf die Taufe im Wasser deutet, der muß sich daher wenigstens die Frage gefallen lassen, weshalb er Dinge in den Text hineinlegt, die sich – nachgewiesenermaßen – weder aus dem Text selbst noch aus dem Zusammenhang dieses Textes ergeben. Die Taufe mit dem Geist, auf die Pauls sich in der o. a. Korinther-Stelle ganz eindeutig bezieht, sehen wir erstmalig in der Apostelgeschichte sich ereignen, Kap. 2. 1 - 18, und wer immer betont, daß dies doch „nur ein einmaliges, den Juden bestimmtes“ Ereignis gewesen sei, der lasse sich darüber belehren, daß in derselben Schrift dieses selbe Ereignis sich in Kap. 10. 44 - 48 wiederholt, und zwar diesmal für die gläubig Gewordenen aus den Nationen, die noch beim gläubigen Hören des Wortes Gottes, für alle deutlich erkennbar, den Geist Gottes erhalten, „wie auch wir“ – womit Petrus sich ganz eindeutig auf den Anfang der Ereignisse in Apg 2 . 1ff bezieht – , weswegen man übereinkommt, daß diesen nun auch „das Wasser“ nicht vorenthalten werden dürfe (V. 47, 48; Kap. 11. 15 - 18). Die Taufe im Wasser folgt hier der Taufe im Geist; an anderen Stellen geht sie, nach erfolgter Bekehrung, ihr auch voran; nur identisch ist sie mit derselben nicht (s. a. Apg 2. 38). Diese Wahrheit läßt sich selbst anhand der Taufe Jesu noch nachvollziehen, da der Geist auf Ihn kommt, nachdem er getauft worden ist (Mt 3. 16, Mk 1. 9 - 11) und betet (Lk 3. 21).

    Die Verheißung Jesu, nach der er seine Jünger so senden würde, wie der Vater Ihn gesandt hatte, erhält von hier aus eine tiefere Bedeutung, bezieht sie sich doch nicht nur auf den Weg der Leiden, des Spottes und der Verfolgung, die Seine Jünger erleiden würden, sondern auch auf den Dienst, den sie – in Jesu Namen – auf der Welt würden auszuüben haben, weswegen diese Zusage u. a. bei Johannes auch direkt mit der Anhauchung der Jünger, damit sie den Heiligen Geist erhalten sollten, im Zusammenhang steht (Jo 20. 19 - 22). Wiewohl Jesus Gott von Gott war, kam Er doch nicht in der Gestalt Gottes, sondern in der eines Menschen auf diese Erde. In Ihm wurde das Wort Fleisch; Gott wurde Mensch. Darum konnte Er auch nichts aus Sich Selbst, weswegen die Ausrüstung mit dem Geist aus der Höhe notwendig war, die Ihn nicht nur zum Dienst befähigte, sondern Ihn vor allem abhängig vom Vater machte, indem er nur das tat, was Er den Vater auch tun sah und was der Vater Ihm sagte. Es ist ein ebenso hochmütiger wie gefährlicher Trugschluß zu glauben, daß wir solcher Ausrüstung nicht bedürften. Der Jünger ist auch hier nie über dem Meister. Wenn schon der Sohn Gottes Sich erniedrigte, so daß er sich dieser Ausrüstung bedürftig erzeigte, wieviel mehr gebührt es uns, uns demütig vor Gott zu beugen und zu bekennen, daß wir ohne Ihn – und damit ohne den Geist aus der Höhe, den uns zu senden Er diesbezüglich verhieß – nichts tun können! (Joh 14. 12 - 20).

    Die in der Kirche sehr häufig anzutreffende Unwilligkeit, diese Zusammenhänge (an-)zu erkennen, ist nicht nur ein Hinweis auf die Irrlehre der Taufwiedergeburt, nach der mit der Taufe vorgeblich auch der Geist verliehen werde. Sie zeigt darüber hinaus, daß man die Wahrheit von der Menschwerdung Christi zwar in der Dogmatik, nicht aber in der Konsequenz wirklich ergriffen hat. Genau so, wie Jesus am Beginn Seiner irdischen Wirksamkeit Sich Selbst entäußerte und ganz Mensch wurde, sollen nämlich auch wir gesonnen sein (Phil 2. 5 - 11). Jesus kam und wirkte auf der Erde nicht in der Gestalt Gottes, sondern in der eines von Gott gesandten, von Ihm abhängigen und begnadeten, allerdings in allem gehorsamen und sündlosen Menschen. Die Abhängigkeit, in die der Sohn Gottes Sich begab, ging so weit, daß die Schrift sagt, daß sogar Er den Gehorsam lernte durch das, was Er litt“, wobei offensichtlich ist, daß sie sich dabei besonders auf die Ereignisse in Gethsemane bezieht (Hbr 5. 7 - 8). Diese Selbstentäußerung sehen wir vorausblickend dargestellt in der Taufe, der Jesus, wiewohl Er keiner Taufe bedurft hätte, Sich Selbst unterzog. Mit dieser Taufe zeigte Er an, daß Er Sein eigenes Leben – und damit das Recht auf dieses Leben – in den Tod gab, da jede Taufe, in der die Wasser über dem Täufling zusammenschlagen, den Tod desselben Täuflings bedeutet, während das Herausschreiten aus dem Wasser das Leben aus diesem Tode anzeigt. Diese Entäußerung des Gottessohnes von Sich Selbst, in der er es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein“, machte eine göttliche Ausrüstung und Leitung notwendig, und diese Ausrüstung wurde Ihm verliehen durch den Heiligen Geist, Der in Gestalt einer Taube auf Ihn herniederkam, während der Himmel sich öffnete und die Stimme Gottes sagte: Dies ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe“, dieselbe Stimme, die später, am Berge der Verklärung, den bis ins Innerste erschütterten Jüngern gegenüber hinzufügte: Den sollt ihr hören!“ (Mt 3. 16 - 17, 17. 1 - 8).

    Es ist dasselbe Geschenk des Heiligen Geistes, das nun auch die Jünger, den Worten Jesu gemäß, erfahren (s. Apg 2. 1ff). Diese allen gemeinsame Geisterfahrung, in der derselbe Heilige Geist Sich in denselben Feuerflammen auf einen jeden Einzelnen von Ihnen niedersetzt und sie alle Worte der Verherrlichung Gottes aussprechen läßt, ein jeder in seiner Sprache und in seiner Eigenart, schweißt sie zusammen zu einem Leib. Dies ist die Taufe mit Geist und mit Feuer; davon, daß dazu eine Taufe im Wasser stattgefunden haben müsse, lesen wir hier nichts. Von einer solchen wird im ganzen Zusammenhang nicht ein Wort erwähnt. Dabei sind wir nicht der (uns gerne unterstellten) Meinung, daß sich diese Erlebnisse in jeder Einzelheit so zu vollziehen hätten, wie dies in der Apostelgeschichte punktuell geschah. Wir glauben auch nicht an einen „zweiten Segen“, in der eine gesonderte „Geistestaufe“ sich der neuen Geburt noch anzuschließen habe, wie einige Pfingstler lehren. Es geht bei diesem Thema weder um die Pflege schwärmerischer „Bekehrungsklischees“, in denen wir „Tag und Stunde“ derselben aufzusagen wissen, noch darum, daß wir alle „Feuerflammen sehen“ und „in Zungen reden“ sollten, sondern einzig darum, ob wir den Heiligen Geist erhalten haben, da wir gläubig wurden, da wir ohne diesen Geist, den die Welt nicht empfangen kann, keine neue Geburt erfahren und damit auch keinen Anteil am Reiche Gottes haben können (s. Jo 14. 16 - 17). Wie wir oben sahen, ist dies eine einfache Frage, bei deren Beantwortung es keine Unsicherheiten geben kann; wenn Gottes Geist in uns wohnt, dann bezeugt Er nämlich unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind, als inneres und untrügliches Zeichen (Rö 8. 14 - 17). So finden wir auch hier dasselbe Bild vor, das sich den Worten Jesu entsprechend zeigt: Jesus ist es, Der mit dem Geist und mit Feuer tauft; die Taufe im Wasser aber hat Er in die Verantwortung des Menschen gestellt. Nie erscheint die Taufe anders als in Verbindung mit dem Glauben und damit mit der Bekehrung, wie wir dies u. a. auch im Missionsbefehl nach Markus nachlesen können (Mk 16. 15 - 16). Daß eine Taufhandlung ohne einen persönlichen Glauben des Täuflings Gottes Gericht von ihm abwenden könnte, ist demnach eine ebenso traurige wie gefährliche Illusion, die darüber hinaus (wie wir sahen) von Vorstellungen zeugt, die viel mit Zaubereisünde, aber nichts mit dem Glauben zu tun haben, von dem die Bibel spricht.

     Wenn nun ein anderer aus der Gilde lutherischer Theologen schreibt, daß „weder Jesus noch die Apostel ein ausdrückliches Gebot oder Verbot im Blick auf die ‚Kindertaufe’ gegeben“ hätten, „aber auch kein ausdrückliches Gebot für die ‚Gläubigentaufe’“, dann muß man diesem ganz offensichtlich bescheinigen, daß er seine Bibel nicht wirklich gelesen hat, denn sonst wüßte er, daß die Taufe immer mit dem Glauben zusammenhängt und in der Schrift nie anders als mit dem Glauben zusammenhängend genannt wird. Zu behaupten, Christus oder die Apostel hätten ein Gebot einer Glaubenstaufe nicht ausgegeben, ist anhand des geradezu erschlagenden biblischen Materials völlig absurd, denn ganz klar haben die Apostel gesagt: „Tut Buße (metanoiete: sinnt um, bekehrt euch), und lasse ein jeder sich taufen auf den Namen Jesu Christi, und ihr werdet empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apg 2. 38). Buße und Bekehrung sind die ersten Schritte des Glaubens. Was also haben wir hier anderes vorliegen als das eindeutige Gebot, erstens zu glauben und zweitens sich auf diesen Glauben hin taufen zu lassen? Und auch der Herr Selbst ordnet die Taufe nicht anders als zusammenhängend mit dem Glauben an, da er anderenfalls, wie wir vorstehend gesehen haben, nicht davon gesprochen hätte, daß der, der nicht glaube, im Gericht verurteilt werden würde.

    Kurz zusammmengefaßt, lehrt die Schrift (im wesentlichen) zwei Dinge: Erstens, daß die Taufe uns mit dem Tod Jesu Christi verbindet, wie der Glaube mit Seiner Auferstehung; zweitens, daß die Einfügung in den Leib des Herrn – das ist die Gemeinschaft des Neuen Bundes – vollzogen wird durch den Heiligen Geist, den Gott denen gibt, die sich Seinem Ruf fügen (Apg 5. 32). Die Taufe im Wasser (die Taufe in den Tod, Rö 6. 3 - 4) ist demnach nicht dasselbe wie das Getauftwordensein (Getränktsein) mit dem Heiligen Geist (1Kor 12. 13). Das neutestamentliche Gegenbild für die Beschneidung des Alten Bundes, die mit Händen am Körper geschieht, ist die Beschneidung des Herzens, als die des inneren Menschen, welche nicht mit Händen, sondern durch die Wiedergeburt geschieht, nicht aber die Taufe, denn die geschieht mit Händen (Rö 2. 28 - 29, Phil 3. 3, Kol 2. 11). Daß eine äußerliche Taufhandlung noch keinen neuen Menschen hervorbringt, erkennen wir u. a. daran, daß die vielen, die nach solchem Verständnis doch „getauft“ sind und sich als aufgrund dieser im Stadium eigener Unmündigkeit und Unwissenheit „empfangenen Taufe“ nun als „Christen“ bezeichnen sollen, mit Gott i. d. Regel nichts am Hut haben und ihre eigenen Wege gehen; schon der Kirchgang wäre solchen lästig oder höchstens, je nach Situation, eine nicht zu umgehende Pflicht. Wer wiedergeboren ist, dessen Herz brennt dagegen für Jesus und ist erfüllt von Ihm; der liebt nicht nur Sein Wort, sondern auch die Gemeinschaft all derer, die in gleicher Weise an Ihn glauben. Ein Christ ist nach der Definition des Wortes ein Gesalbter des Herrn; wer diese Salbung (das chrísma) des Heiligen Geistes nicht hat, der „ist nicht Sein“ (Rö 8. 9) und hat demnach auch nicht das Recht, sich als Christ (christianos, Gesalbter) zu bezeichnen (vgl. 1Jo 2. 26ff). Taufe und Wiedergeburt hängen begrifflich zwar zusammen, sind aber keineswegs dasselbe; durch den Geist und das Wort Gottes werden wir von neuem geboren, und durch die Taufe wird diese Wiedergeburt – vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt – angezeigt und damit bezeugt. Hier werden, wie in der kirchlichen Lehre im allgemeinen, ganz entscheidende neutestamentliche Sachverhalte durcheinander gebracht und auf eine falsche, ungöttliche Weise regelrecht miteinander „verwurstet“.

    Glaube ist kein Erbringen einer Leistung, sondern nichts als ein kindliches Vertrauen darauf, daß die Erlösung vollbracht, der Preis für meine Sünde bezahlt wurde und der Weg ins Reich Gottes mir offen steht. Nun muß ich diese geöffnete Tür nur noch als eine bestehende anerkennen und durch sie hindurchschreiten, indem ich mich Jesus (und mit Ihm dem Vater) zuwende. Und genau das nennt man Glauben (vgl. Hbr 11. 1 - 3, 6). Auch hierzu brauchen wir die Taufe nicht, noch öffnete sie mir diese Tür. Die Tür, von der wir reden, ist nämlich bereits offen, und die ist Jesus Selbst, der mit weit offenen Armen vor mir steht und fragt: „Willst Du nicht zu Mir kommen?“ – „Willst Du nicht durch Mich mit dem Vater versöhnt sein?“ Die geöffnete Tür bedeutet freilich nicht, daß wir durch sie bereits hindurchgegangen wären, nur weil sie offen ist, auch wenn diverse Theologen uns dies glauben machen wollen. Die offene Tür ist das Werk Gottes in Christus Selbst, das Gebot, hindurchzugehen, jedoch bleibt für uns bestehen. Es gibt hierzu keine weiteren Bedingungen. Wir müssen nur im Glauben zu Ihm hinlaufen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Aber zu Ihm kommen müssen wir. Gott stülpt uns das Heil nicht über; eine solche Vergewaltigung, die darum eine Vergewaltigung ist, weil sie ohne unsere Einwilligung auskäme, hätte mit Liebe nichts zu tun. Die Väter hatten recht, wenn sie von solchen Praktiken als von denen einer geistlichen Notzucht sprachen, und es ist Kennzeichen einer solchen pervertierten Gnadenlehre, daß sie am Ende derselben Werkgerechtigkeit anheimfallen muß, vor der sie sonst doch so gerne zu warnen pflegt, weil der Grund, auf dem sie zu stehen vorgibt, ein sumpfiger ist.

    Gott gebot einst Noah, er solle die Arche bauen; Er sagte aber auch, das Noah die Seinen mitnehmen sollte. Das war der damalige Rettungsplan Gottes. Die Leute, die mitgingen, glaubten Noah, und es sollte sich erst in der Flut erzeigen, das dieser Ruf richtig gewesen war. Die Arche steht für die Rettung Gottes; sie steht aber auch für die Gemeinde der Erretteten. Es wäre nun fatal zu glauben, daß der Ruf, der an Noah ergangen war, ausgereicht hätte, um diejenigen zu retten, denen er gegolten hatte. Genauso wenig hätte allein die Tatsache, daß die Arche gebaut war, sie alle retten können. Erst als alles das zusammenkam, sowohl das, was Gott gegeben hatte, als auch das Eingehen des Menschen auf diese Dinge, konnte die Errettung geschehen. Wir behaupten also nicht, daß menschliches Handeln an sich retten würde, wenn die rettende Arche nicht vorhanden wäre. Glaube schafft keine neuen Dinge, sondern geht immer nur auf vorhandene Dinge ein. Insofern ist er auch nicht die Tür, wohl aber der Antrieb, der den Sünder durch die geöffnete Tür gehen läßt, eingedenk der Tatsache, daß sie anderenfalls niemandem nützen würde. Alle die, der Stimme Gottes nicht gehorcht haben, sind in der Flut umgekommen. Und so ist es entscheidend, daß nicht nur Noah, sondern auch alle Glieder seines Hauses selbst in das rettende Schiff hineingegangen sind. Da steht eben nichts davon, daß Noah sie – zu der Zeit handelte es sich ausnahmslos um erwachsene Leute – getragen hätte (1Mo 7. 1, 7). Daß Noah sie entsprechend unterrichtet haben muß, sagt der Kontext, denn es wäre wohl unmöglich anzunehmen, daß Noah sich angesichts solcher „Verrücktheiten“ wie der des Baues eines Schiffes auf dem Trockenen nicht hätte entsprechend erklären müssen. Wir hören das Wort i. d. Regel nicht durch Gott Selbst, wohl aber durch die, denen Er das Wort zuerst gegeben und die Er dann auch dazu beauftragt hat, es weiterzugeben. Das ist der biblisch normale und überdies auch logische Werdegang. Genau derselbe Werdegang besteht auch bezüglich der Taufe, deren alttestamentliches „Schattenbild“ die Sintflut ist. Wer so glaubt und sich taufen läßt, der sieht damit auf die „rettende Arche“, und folgt in schlichtem Vertrauen dem verkündeten Wort, um das zu tun, was darin gemäß der Anweisung Gottes gesagt worden ist. Nur so entfaltet die Taufe ihre errettende Kraft. Nicht umsonst verwendet Petrus gerade dieses Bild, wenn er auf die Taufe verweist (1Ptr 3. 17 - 22).

    Die „Arche“ Gottes ist da. Niemand muß sie, niemand soll sie erst „bauen“ müssen. Aber hineingehen muß man selbst in sie, wie auch Noah und die Seinen, das sind acht Seelen, in die Arche hineingingen nach dem Wort des Herrn und durch die Wasser hindurch gerettet wurden. Niemand wird gerettet durch ein bloßes „Zusprechen“ der bestehenden Heilstatsachen, als ob sie allein damit schon sein eigen wären. [27] Keiner kann ins Reich Gottes kommen, ohne daß er nicht auch selber hineingehen wollte. Und auch hier gibt es ein „Zu spät“, so daß der Schaden erleiden muß, der dem Ziehen und Locken des Geistes Gottes nicht „zur angenehmen Zeit“ Folge leistet. Taube und Ölzweig sind ja beides Synonyme für den Heiligen Geist, und so trifft sich Noah mit dem Neuen Bund auf einzigartige Weise. Wie die mit einem Ölzweig im Schnabel wiederkehrende Taube bei Noah das Ende des Gerichtes anzeigte, so zeigte dieselbe Taube des Heiligen Geistes nach Jesu Taufe an, daß der Wille Gottes vollzogen und der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan worden war.


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Drei Kennzeichen der Anwesenheit des Geistes Gottes

    Für das Vorhandensein des Geistes Gottes besäßen wir wenig äußere Zeichen,
schrieb mir ein Mensch, sie geschähen im Inneren eines jeden Menschen, und das sei auch gut so“. Aber weder hatte dieser Bruder zu dem, was er so vollmundig zu wissen vorgab, seine Bibel gelesen, noch hatte er sich mit Luther befaßt, den in solchen Kreisen sonst so fleißig angeführt wird; denn sogar der ist der Frage wesentlich klarer als er, indem er die Ansicht zurückweist, daß man die Anwesenheit des lebendigen Gottes – der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit – nicht auch erfahren könne.

    Damit sind wir bei den Kennzeichen angelangt, die im Leben eines jeden Menschen zu finden sind, der den Geist Gottes empfangen hat. Wir unterscheiden dabei ein inneres Zeugnis und zwei äußere, die miteinander übereinstimmen und zusammenwirken, so daß einige auch von dem „dreifachen Zeugnis des Heiligen Geistes“ gesprochen haben. Das erste und innerste Zeichen besteht in der Bezeugung unseres (wiedergeborenen) Geistes zusammen mit dem Heiligen Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Wir haben ja nicht einen „knechtischen Geist“ empfangen, daß wir uns abermals fürchten müßten, sondern den Geist der Sohnschaft, der in uns ruft: Abba, Vater“ (Rö 8. 8 - 9 und 14 - 16, Ga 4. 6). Dieser Geist schenkt uns also, wenn er in uns wohnt, eine ganz klare innere und unerschütterliche Überzeugung (wir nennen sie „Heilsgewißheit“), daß wir Kinder und damit angenommen worden sind. Dieses Zeichen, vermittelst dessen wir in eine Kindschaftsbeziehung zu Gott versetzt werden, ist das allererste und an uns selbst gerichtet; es ist das für das Leben eines Gläubigen wichtigste Zeugnis, weil dessen Fehlen darauf verweist, daß die neue Geburt und Verleihung des Heiligen Geistes noch nicht stattgefunden hat, so daß der, der sich in dieser Frage unsicher ist, aufgrund seines Zweifelns wisse, daß er diese Bekundung des Geistes Gottes nicht aufzuweisen hat und sich daher zu Gott bekehren muß, um den Heiligen Geist zu erhalten.

    Das zweite Zeichen, das sich recht bald kundtut, ist nicht an das Innere des eigenen Herzens, sondern an das der anderen Gläubigen gerichtet; es besteht im Zeugnis des Vorhandenseins der Gnadengaben und Bekundungen des Geistes und richtet sich damit vornehmlich an die schon bestehende Gemeinde. Wo Gottes Geist ist, da sind immer auch Seine Gaben. Man kann Gott, den Heiligen Geist, nicht von Seinen Gaben trennen. Anhand des Vorhandenseins der Gnadengaben in einem Menschen erkennen wir darum das Vorhandensein des Geistes Gottes in seinem Herzen (Rö 5. 5). Dieses Zeichen kann durchaus unterschiedlich ausfallen und ist an die Gemeinde gerichtet; somit ist es vor allem eines für diejenigen, die schon etwas gereifter sind und diese Dinge zu erkennen vermögen (Apg 8. 14 - 18, 10. 44 - 46, 19. 6; s. a. Eph 4. 7 - 8 u. a.). In der Frühzeit der entstehenden Gemeinde etwa erkannten die Apostel die Gegenwart des Heiligen Geistes im Leben der soeben Gläubiggewordenen daran, daß sie „in anderen Sprachen“ redeten, die der Geist ihnen eingab, und prophetische Dinge zum Ausdruck brachten, weswegen sie überein kamen, daß diesen nun auch die Taufe nicht verwehrt werden dürfe. Im vorhergehenden Kapitel haben wir diese Dinge bereits angesprochen.

    Das dritte Zeugnis aber ist das Zeugnis der Frucht des Geistes (wobei neun Früchte unterschieden werden) und richtet sich damit „ganz nach außen“ an die Welt, damit sie an der Liebe der Gotteskinder untereinander erkennen kann, „wes Geistes Kinder“ wir geworden sind. Die Menschen merken einfach, woher wir kommen, daran, daß wir „anders“ sind als sie. Dieses „Anders sein“ hat mit irgendwelchen frömmlerischen, komischen und abstoßenden „Schrullen“ nichts zu tun. An der Liebe untereinander werden Jesu Jünger erkannt; der Friede, in dem diejenigen leben dürfen, die nicht nur Gott auch in den widrigen Umständen des Alltagslebens, sondern auch einander ergeben sind, ist vielen schon zum Zeugnis geworden. Dieses Zeichen der Liebe, in das die neunbeerige Frucht des Geistes mündet, ist das Zeichen für die Welt (vgl. Jo 13. 35, 1Jo 5. 2). Im Unterschied zu den ersten beiden ist es mehr wachstümlicher Natur, wie ja auch Früchte wachsen und nicht sofort ausgebildet sind. Doch auch äußere Erfolge wie Wachstum und Prosperität können nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir dort, wo alle diese drei Zeichen fehlen, wohl kaum von der Anwesenheit des Geistes Gottes sprechen können.


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Nicht ihr habt mich erwählt...

    Viele, die den lutherischen und artverwandten Lehren noch anhängen, verstehen die Rolle des Glaubens nicht. Schreiben sie schon der Taufe magische Wirkungen zu, nach denen sie den Menschen ins Himmelreich befördere, so unterstellen sie allen denen, die auf die Notwendigkeit von Glauben und Bekehrung hinweisen, dieselben magischen Vorstellungen im Hinblick auf den Glauben. Sie denken, daß mit der Bekehrung lediglich die eigene Willensentscheidung ausgedrückt werde, quasi das feierliche Versprechen, nun „entschlossen” den Weg mit Jesus zu gehen. Und sicherlich, so folgern sie richtigerweise, können solche Versprechungen der Entschlossenheit nur durch mündige Menschen getroffen werden. „Was wir im allgemeinen davon zu halten haben”, schrieb ein Bruder aus dieser Szene, „zeigt uns Petrus gegenüber Jesus bei der Verleumdung. Tief traurig, enttäuscht über sein Scheitern war er. Im Johannesevangelium formuliert Jesus: (Joh 15. 16) Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, das ihr Frucht bringt und eure Frucht bleibt.”

    Wie richtig ist dieser Satz – und wie falsch zugleich der Kontext, in der er hineingedeutet werden soll. Denn wer den Begriff der Bekehrung lediglich als Ausdruck einer eigenen Motivation versteht, unter Aufbietung seiner eigenen Kräfte „entschieden” mit Jesus zu gehen, der wird, ja der muß geradezu kläglich scheitern. Aber das meint Bekehrung und insbesondere der damit verbundene neutestamentliche Begriff der Umsinnung (metanoia) gerade nicht. Insofern werden mit solchen Sätzen Dinge unterstellt, die so nie gesagt und noch weniger so gemeint worden sind. Eine echte Bekehrung führt immer zum Kreuz. Nicht die vermeintliche Stärke der eigenen Antriebskraft, sondern die Erkenntnis des eigenen Versagens ist die Diagnose, zu der wir notwendigerweise kommen müssen; mit der Bekehrung dagegen erst beginnt die „Krisis zur Genesung”. Erst wenn wir mit uns ans Ende kommen, kann Gott mit uns anfangen. Insofern ist der Hinweis auf das Versagen des Petrus zwar richtig und notwendig; aber ebenso ist er unvollständig, denn er will übersehen machen, daß sich Petrus durch eben dieses Versagen ans eigene Ende geführt sehen mußte, so daß Jesus ihm gerade in diesem Zusammenhang klar machen mußte, daß er sich einst bekehren würde, wonach er seine Brüder zu stärken habe (Lk 22. 32). Die Bekehrung stand Petrus also erst noch bevor – und das, obwohl er schon über drei Jahre mit Jesus unterwegs gewesen war. Gott urteilt nie nach dem, was vor Augen ist!

    Solche Unterstellungen wie die oben angedeuteten, die üblicherweise aufgrund der Zusammenmengung von Wahrheit und Fiktion existieren, leben (wie wir gesehen haben) von Unterschlagungen geistlicher Zusammenhänge und sind Früchte eines
unbiblischen und entsprechend fehlgeleiteten Taufverständnisses, wie es gerade in Kirchenkreisen (erfahrungsgemäß) weitverbreitet ist. Taufe ist immer Antwort, aber nie Erwählung. Wohl mögen wir in Christus „das bessere Teil erwählt” haben, wie es im Liede heißt, aber nicht, ohne zuvor von Christus angesprochen, demnach von Ihm berufen und erwählt worden zu sein. Es geht bei einer Taufe also gerade nicht um ein Versprechen eines möglichst tadellosen Wandels mit Gott, sondern um das Eingeständnis unserer vollständigen Unzulänglichkeit vor Ihm; das aber ist das völlige Gegenteil dessen, was uns hier gerne unterstellt wird, daß wir es glauben würden. Weil wir der Herrlichkeit (doxa, Ehre) ermangeln, die wir bei Gott haben sollten, sind wir von Natur aus „Kinder des Zorns” und gehören darum rechtmäßig ans Kreuz. Dies ist das Urteil Gottes über uns, das in Jesus, stellvertretend für uns, vollzogen wurde. „Stellvertretend für uns” bedeutet jedoch nicht „ohne uns”, und darum wird Paulus nicht müde zu betonen, daß alles das, was in Christus am Kreuz geschehen ist, in Ihm nicht nur für uns, sondern auch mit uns geschehen ist. Jesus starb nicht nur für unsere Sünden, sondern Er, der „für uns zur Sünde gemacht” wurde, obwohl Er „Sünde nicht kannte”, starb auch unseren Tod, auf daß wir „würden die Gerechtigkeit Gottes in Ihm” (2Kor 5. 21). Der Kreuzestod ist Gericht über die Sünde wie über den Sünder gleichermaßen. Der Tod, den Jesus starb, ist also unser Tod, während wir Anteil bekommen an der Gerechtigkeit Gottes in Ihm. Jesus identifizierte Sich mit uns, wie man sich nur mit einem anderen Menschen identifizieren kann – das ist wahre Stellvertretung!

    Dies ist ein Tausch, und so, wie er Sich mit uns identifizierte, haben wir uns nun auch mit Ihm, als dem Gekreuzigten und Auferstandenen, zu identifizieren. Taufe ist demnach Ausdruck der eigenen Einwilligung in den Tod Jesu – und damit des eigenen, denn wir sind ja „zusammen gekreuzigt mit Ihm” (Rö 6. 2ff). Ich begreife: Der Mensch, der da hängt, das bin eigentlich ich. Darum muß ich nun auch begraben werden, so wie Christus begraben wurde, so daß von Ihm nichts mehr sichtbar war, bevor er nicht zu neuem Leben auferstand. Die Taufe ist daher die erste Konsequenz dieses Geschehens: Ich sage uneingeschränkt Ja zum Gericht Gottes über mich, dem Sünder. Ich sage und bestätige: Ja, Gott, Du hast recht – dieses Kreuz ist meine Strafe, und darum ist dieses Grab nun auch mein Grab. Denn dieses Ende ist es, was ich, der Sünder, verdient habe. Gekreuzigt mit Jesus – und darum auch begraben mit Ihm. Wo begraben? In der Taufe. – Taufe bedeutet: ich bin tot, und darum werde ich nun auch begraben für mich selber, für die Welt; darum aber ist auch die Welt „perdu”, obsolet, vergangen für mich. Denn der, der aus der Taufe herauskommt, ist ein neuer Mensch geworden, auferstanden durch den Glauben, die Welt hat an ihm kein Anrecht mehr, und nichts anderes zeigt die Taufe an. Nur ein Toter kann wiederauferstehen und von Neuem geboren werden. Darum stehen Bekehrung und Taufe nicht nur zusammen, sondern stets gleichermaßen und nie anders als zusammenhängend an der Schwelle der Errettung und Wiedergeburt und damit des Eintritts ins Reich Gottes (Mt 28. 18 - 20, Mk 16. 15 - 16, Apg 2. 37 - 41; 5. 29 - 32 u. a.). Wer den Tod nicht will, der durch diese ausgedrückt wird, der bekommt daher auch keinen Anteil am Leben. Was Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht scheiden!

    Damit wir uns recht verstehen: Das Urteil trug Jesus, und niemand anders sonst; der Ort, an dem dies geschah, ist weder die Bekehrung, noch die Taufe, sondern das Kreuz. Doch gar viele der vermeintlich „Toten”, die sich fleißig darauf berufen, wandeln noch im alten Wesen umher; bildlich gesehen, „stinken” sie, da sie noch immer den alten
Kadaver der überkommenen Sündenknechtschaft mit sich herumschleppen, während sowohl sie als auch ihre Umgebung unter dessen Auswirkungen zu leiden haben. Denn der Ort, an dem wir mit Christus zu gleichem Tode verbunden, indem wir in diesen hineingesenkt werden, ist nach Römer 6. 3 - 6 eben nicht allein das Kreuz, sondern die Taufe, und dies geschieht nicht anders als vermittelst des Glaubens. Es ist die Krux der einschlägigen Kirchenlehren, daß sie da von Leben sprechen wollen, wo Gott vom Tode spricht, und da vom Tode, wo das Leben hervorbrechen soll. Im Neuen Testament geschieht nichts ohne unsere entsprechende Beteiligung, und es gibt nichts, was mit uns ohne unsere Einwilligung zustande käme. Das Gericht über den Sünder wurde zwar an Christus vollzogen; gerade darum aber geht es am Sünder nicht vorbei; anderenfalls wäre die Aussage des Paulus, daß wir mit Christus mitgekreuzigt worden seien, gegenstandslos; wir wären noch immer unter der Macht der Sünde versklavt; das Opfer Jesu wäre damit zunichte. Der „Skandal des Kreuzes” (1Kor 1. 23) besteht eben gerade nicht darin, daß Gott den Sünder „veredelt” und zu seiner „Besserung Seines Geistes Kraft verleiht” (wie letzteres sich im „allgemeinen Beichtgebet der lutherischen Gottesdienstagenda bis heute erhalten hat), sondern darin, daß Er ihn durch das Kreuz zum Tode bringt. Wir müssen nämlich ans Ende kommen mit uns selbst, bevor Gott aus uns Gefäße Seiner Ehre machen kann. Wer sich immer nur mit sich selber beschäftigt, und sei es im Hinblick auf die eigenen Sündhaftigkeit, kann nicht mit Gott vorwärts schreiten. Wer immer nur die Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist nicht tauglich für das Reich Gottes (Lk 9. 62). Kaum irgendwo gilt dieser Satz mehr als hier. Ein jegliches Weizenkorn muß sterben und in die Erde fallen; anders gelangt es nicht zu neuem Leben und bringt daher auch keine Frucht (Jo 12. 24 - 26).

    Gerade den Satz vom Weizenkorn prägte Jesus nicht nur hinsichtlich seines eigenen Leidens und Sterbens am Kreuz, sondern auch hinsichtlich des Weges, den Seine Jünger zu gehen haben, und es gilt nirgendwo mehr als hier, daß der Jünger nicht über dem Meister steht (Mt 10. 24). Es ist ein gefährlicher Trugschluß zu glauben, daß sich dies nicht auch auf die Taufe bezöge. Wer immer auch diese Zusammenhänge Sterben, in die Erde fallen leugnet, der verharmlost nicht nur, sondern der kultiviert letztlich die Sünde, indem er sie noch ins Reich Gottes hinein zu retten versucht, eine Sünde, die besonders unter den Anhängern des Luthertums weitreichende Wurzeln geschlagen hat. Die unter ihnen vertriebene Tauflehre ist letztlich nicht anderes als die Frucht einer unvollständigen, im Alten „hängen“ gebliebenen und damit nie wirklich zum Durchbruch gekommenen Rechtfertigungslehre. So kreist man in aussichtslosem Ringen mit der eigenen Sünde stetig um sich selbst, statt endlich los zu werden von sich selbst. Selbst namhafte lutherische Theologen haben eben dieselbe Theologie nie unkritisch gesehen und auf den Unterschied zwischen neutestamentlicher und lutherischer Theologie entsprechend hingewiesen. Über den deutlich erkennbaren Gegensatz der Theologie Luthers zu der des Apostels Paulus etwa konnten wir schon bei Prof. Althaus (1888-1966) lesen:

    Des Apostels Wort vom Christenstande trägt die Züge einer Missions- oder Bekehrungstheologie. Nicht nur seine Seelsorge, sondern auch seine Theologie ist durch die Lage von ... Bekehrten bestimmt. Luthers Theologie dagegen ist auf das innerchristliche Problem der Sünde gerichtet. Sie hat es nicht mit Bekehrung und Bekehrten zu tun. Hier fehlt die große Entscheidungsstunde, der Wendepunkt, der Gegensatz von Einst und Jetzt... An Stelle der Sukzession von Einst und jetzt steht das Simultaneum, das simul von Sünde und Gerechtigkeit... Die Sünde liegt nicht im Schatten der großen Wendung, sondern im Lichte der immer neuen Erfahrung eines Lebens, das von Anfang an Christenleben ist (?!) und jene Wendung als einmaliges, grundlegendes Geschehen nicht kennt... Der entscheidende Kairos in Bezug auf die Sünde liegt für Paulus hinter ihm, in der Bekehrung und Taufe, für Luther vor ihm, in Tod und Auferstehung. – Den Unterschied zwischen der missionarischen und volkskirchlichen Lage der Erfahrung, zwischen einer Theologie der Missionstaufe und einer Theologie der Kindertaufe kann man sich nicht gründlich genug klarmachen. Wo man ihn vergißt, drohen verhängnisvolle Fehler des theologischen Denkens und des kirchlichen Handelns...”

Aus: Althaus, Paulus und Luther, S. 75, zitiert bei O. S. v. Bibra, Die Bevollmächtigten des Auferstandenen, Otto Bauer Verlag Stuttgart, 11. Aufl. 1989, S. 90.

    Solche Gedanken haben unter gewissen „Frommen” stets Empörung ausgelöst. Entscheidend ist jedoch Gottes Sicht und nicht die unsere, und so bedarf es eines Schnittes, der im Wortsinn als radikal zu verstehen ist, denn er geht tatsächlich an die Wurzel (radix) unseres alten Wesens. Gerade weil es um uns als Sünder so ernst steht, daß der Schaden irreparabel zu nennen ist, wurde die Taufe uns nicht zum Leben gegeben, sondern zum Tode, während der Glaube es ist, der vom Leben kündet, das allerdings ein anderes, neues Leben ist (2Kor 5. 17). Wie kaum etwas anderes spricht die Taufe von Endgültigkeit: sie besiegelt nämlich das Ende des alten Lebens, das wir vor unserer Bekehrung geführt haben, und damit unseres bis dahin erhobenen Anspruches an uns selbst. Taufe bedeutet hinsichtlich des oben angesprochenen Gleichnisses vom Weizenkorn nichts weniger als die Feststellung, ein Gestorbener zu sein, da die Wellen des Wassergrabes über dem Täufling zusammenschlagen; nur der bei der Taufe vorhandene Glaube, daß Gott diesen Gestorbenen wieder aufzuerwecken vermag, führt zum Leben, da nur er an Gottes Gnade anzuknüpfen vermag. Darum werden wir auch nicht anders als durch diesen Glauben auferweckt, weswegen Paulus ihn in Römer 6 auch als Auferstehungsglauben definiert. Wie das neue Leben nun aber nicht mehr meines, sondern aus Christus ist, so ist auch dieser Glaube nicht der meine, sondern „der des Sohnes Gottes, der Sich Selbst für mich dahingegeben hat” (Ga 2. 20). Dennoch nützt er mir nichts, solange ich ihn, wie Paulus, mir nicht selbst auch zu eigen mache und in ihm nicht zu leben bereit bin. Niemand kann Christus den Glauben verwehren wollen und doch bei ihm daheim sein, und ebenso kann niemand für einen anderen glauben, da er über das Herz eines anderen nicht verfügen kann. Ich kann mich immer nur selbst dem Tode überantworten, niemals aber einem anderen Menschen. Auch darum sind Taufen Ungläubiger nicht möglich, ganz gleich, wie alt sie sind. Aus denselben Gründen kann auch niemand sich selber taufen.

    Es gilt übrigens gerade auch in diesem Zusammenhang, daß das Heilige nicht den Hunden zu geben ist, noch die Perlen vor die Schweine geworfen werden dürfen (vgl. Mt 7. 6). „Schweine” und „Hunde” sind in in der Schrift Synonyme für „Ungläubige” und „Unreine”, solche also, die in Gottes Augen noch in der Unreinheit ihres alten Lebens wandeln und daher keine Vergebung dieser ihrer Sünden erfahren haben. Wir sind uns als Christen sicherlich darin einig, daß die Taufe, wiewohl sie von Menschen ausgeführt wird, von Gott eingesetzt wurde und somit zu jenem Heiligen gehört, was diesen nicht zum Fraße vorgeworfen werden darf. Damit aber ist deutlich geworden, daß die Taufe nicht solchen gegeben werden kann, die nicht glauben, da sie sonst profaniert, ihres Inhalts entleert und somit entwertet würde, wie wir dies in der Geschichte der
christlichen Welt immer wieder gesehen haben.


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Anhang: Die so genannten Haustaufen des Neuen Testamentes

    Die Praxis der Säuglingstaufe ist eindeutig nach dem Ableben der ersten Apostel entstanden; sie ist also nicht apostolisch, sondern nachapostolisch und von daher biblisch nicht legitimiert. Immer wieder wird jedoch gerade auch von Brüdern aus der evangelischen Pfarrerschaft behauptet, daß man „schon immer Kinder getauft” habe. So finden wir denn auch im Neuen Testament fünf Berichte vor, in denen mehr oder weniger Taufen eines ganzen Hauses” (d. h. der anwesenden Mitglieder eines ganzen Haushaltes) bezeugt werden, die von den Verfechtern der „Säuglingstaufe” reichlich Verwendung finden. In Anlehnung an diese Beispiele wird die Behauptung in den Raum gestellt, daß in diesen Haushalten unmündige Kleinkinder und Sklaven quasi „zwangsweise” – also ohne auf eine entsprechende Verkündigung, Umkehr und Glauben selbst reagiert zu haben – mit dem gläubig gewordenen Haupt dieses Hauses jeweils „mitgetauft” worden seien, was der Aussage, daß es im Neuen Testament keine Taufe ohne Glauben gibt, entgegenstünde. Die hier angesprochenen fünf Haushalte sind das Haus des Kornelius (Apg 10. 17 - 48), der Lydia (Apg 16. 11 - 15), des Kerkermeisters in Philippi (Apg 16. 30 - 33), des Krispus (Apg 18. 8, 1Kor 1. 16) sowie das des Stephanas (1Kor 1. 16, 16. 15f). Wir halten es, neben der nachfolgend nachzuweisenden  Unhaltbarkeit solcher Behauptungen, zunächst einmal für eine gravierende Irreführung, daß viele kirchliche Stellen diese Dinge anführen, um ihre Praxis der Säuglingsbesprengung zu rechtfertigen und immer weiter zu verbreiten, die damit noch zusätzlich genährt wird, daß diese Dinge von vielen Kindern Gottes kritiklos übernommen werden nach dem Muster: „Man hat Schriftstellen angeführt. Dann muß es richtig sein, denn es ist ja das Wort Gottes”.

    Es gibt jedoch durchaus einen ungesunden Biblizismus, der mit der Heiligen Schrift nicht in Übereinstimmung zu bringen ist, weil er sich auf einzelne Schriftworte beruft, ohne ihre Zusammenhänge zu kennen oder zu beachten. Diese Form der Schriftklitterung ist die Art und Weise der Verführung des Widersachers zu allen Zeiten gewesen. Schon dem ersten Menschenpaar zitierte er in Gestalt der Schlange einige Passagen der Aussprüche Gottes, nicht aber ohne sie vorher entstellt und verdreht zu haben, indem er einige, nur scheinbar kleine Dinge wegließ, andere Dinge hinzufügte, das Ganze durcheinanderwarf und und so schließlich neue Betonungen setzte (1Mo 2. 16, 17; vgl. dazu 3. 1 - 5). Exakt dieselbe  Vorgehensweise, mittels Zitieren aus dem Zusammenhang gerissener göttlicher Aussagen, bei deren gleichzeitiger Entstellung, ihr Gegenteil bewirken zu wollen, finden wir bei der Versuchung Jesu durch ihn wieder vor, doch Jesus hielt stand, indem er dessen Verdrehungen sein berühmtes Wiederum steht auch geschrieben entgegensetzte (Mt 4. 1ff). Satan (w. Ankläger, Gegenredner) ist ein gefallener Engel (eig. Angelos, Bote), der sich als Überbringer des Lichts geriert, wobei das vorstehend beschriebene Muster, das durch seine Werkzeuge vorgetragen wird, stets dasselbe ist (s. 2Kor 11. 14). Nicht umsonst wird er auch als Diabolos, Durcheinanderwerfer bezeichnet.

    Dasselbe Grundmuster finden wir auch hier wieder vor. Eine eingehende Prüfung jedes der oben genannten Beispiele anhand der Schrift ergibt nämlich, daß ein jeder dieser fünf Haushalte für sich aus Gläubigen bestand, die zuvor die Verkündigung des Wortes Gottes gehört und diese auch angenommen hatten. Daraus ergibt sich, daß es keine „Pauschaltaufen” ganzer Häuser geben kann, sondern immer nur Taufen von Einzelpersonen, die sich zuvor jeweils persönlich dem alten Leben ab- und dem Herrn zugewandt haben, auch wenn sich diese idealerweise gemeinsam in einem Hausstand befinden sollten, deren Glieder nacheinander die Taufe erfahren, was zu dem Eindruck geführt haben mag, daß man „ein ganzes Haus” getauft habe. Nachfolgend wollen wir diese so genannten Haustaufen der Reihe nach untersuchen und beginnen mit der Taufe derer, die sich im Hause des Kornelius befunden haben, wobei wir den gesamten Kontext beachten sollten:

    17 Als Petrus bei sich selbst noch betroffen war, was das Gesicht, das er gewahrt hatte, wohl zu bedeuten habe, siehe, da standen die Männer am Tor, die von Kornelius geschickt worden waren und das Haus des Simon erfragt hatten. 18 Sie riefen und erkundigten sich, ob Simon mit dem Beinamen Petrus hier zu Gast sei. 19 Während Petrus über das Gesicht nachsann, sagte der Geist zu ihm: »Siehe, drei Männer suchen dich! 20 Steh nun auf, steig hinab und geh mit ihnen, habe keine Bedenken, denn Ich habe sie geschickt.«

    21 Da stieg Petrus zu den Männern hinunter und sagte: »Siehe, ich bin es, den ihr sucht. Was ist die Ursache für euer Hiersein?« 22 Da antworteten sie: »Hauptmann Kornelius, ein gerechter und Gott fürchtender Mann, dem auch von der ganzen Nation der Juden Gutes bezeugt wird, erhielt von einem heiligen Boten Weisung, dich in sein Haus holen zu lassen, um Aussprüche von dir zu hören.«

    23 Nun rief er sie herein und bewirtete sie. Am folgenden Morgen machte er sich auf und zog mit ihnen hinaus; auch einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Tags darauf kam er nach Cäsarea hinein. Kornelius wartete schon auf sie und hatte seine Verwandten und nahestehenden Freunde zusammengerufen. 25 Als nun Petrus eintreten wollte, kam ihm Kornelius entgegen und warf sich kniefällig zu seinen Füßen hin. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sagte: »Steh auf, ich selbst bin auch nur ein Mensch.«

    27 Während er sich mit ihm unterhielt, trat er ein und fand dort viele zusammengekommen. 28 Da sagte er mit Nachdruck zu ihnen: »Ihr wisst Bescheid, wie unerlaubt es für einen jüdischen Mann ist, sich Andersstämmigen anzuschließen oder zu ihnen zu gehen; doch mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen als gemein oder unrein zu bezeichnen. 29 Darum kam ich auch ohne Widerrede, als nach mir gesandt wurde. Ich möchte mich nun erkundigen, aus welchem Anlass ihr mich habt herbeiholen lassen

    30 Da entgegnete Kornelius: »Vor vier Tagen fastete ich bis zu dieser Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Haus. Und siehe, da stand ein Mann in glänzender Kleidung vor meinen Augen 31 und erklärte: »Kornelius, dein Gebet ist erhört worden, und deiner Almosen ist vor Gottes Augen gedacht worden. 32 Sende daher nach Joppe und lass einen gewissen Simon herbeirufen, der den Beinamen Petrus hat. Dieser ist zu Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. 33 Folglich sandte ich unverzüglich zu dir. Du hast nun trefflich gehandelt, gleich zu kommen. Daher sind wir nun alle hier vor Gottes Augen, um alles zu hören, was dir vom Herrn angeordnet worden ist.«

    34 Da tat Petrus seinen Mund auf und sagte: »In Wahrheit erfasse ich es nun, dass Gott nicht die Person ansieht, 35 sondern daß Ihm in jeder Nation der annehmbar ist, der Ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt. 36 Ihr kennt das Wort, das Er den Söhnen Israels gesandt hat: den Frieden als Evangelium durch Jesus Christus zu verkündigen (dieser ist der Herr über alle). 37 Ihr wisst auch um die Dinge, die sich in ganz Judäa zugetragen haben, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes geheroldet hatte, 38 wie Gott Jesus von Nazareth mit heiligem Geist und mit Kraft salbte, Ihn, der umherzog, Wohltaten erwies und alle heilte, die vom Widerwirker unterdrückt waren; denn Gott war mit Ihm. 39 Wir sind Zeugen von allem, was Er im Land der Juden wie auch in Jerusalem tat; den hat man ans Holz gehängt und hingerichtet. 40 Diesen Jesus hat Gott am dritten Tag auferweckt, und Er hat Ihm gegeben, offenbar zu werden, 41 nicht dem gesamten Volk, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir nach Seiner Auferstehung aus den Toten mit Ihm gegessen und getrunken haben. 42 Er hat uns nun angewiesen, dem Volk zu herolden und zu bezeugen, daß dieser Jesus der von Gott ausersehene Richter über Lebende und Tote ist. 43 Diesem bezeugen alle Propheten: Durch Seinen Namen erhält jeder, der an Ihn glaubt, Erlassung der Sünden.« 44 Noch während Petrus diese Worte sprach, fiel der Geist, der heilige, auf alle, die das Wort hörten. 45 Da waren alle Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, außer sich vor Verwunderung, daß auch auf die Nationen das Geschenk des heiligen Geistes ausgegossen wurde; 46 denn sie hörten sie mit Zungen sprechen und Gott hoch erheben. 47 Dann antwortete Petrus: »Diesen kann man doch nicht das Wasser verwehren, damit sie nicht getauft würden –- diesen, die den Geist, den heiligen, ebenso erhalten haben wie wir.« 48 Darauf ordnete er an, dass sie im Namen Jesu Christi getauft würden. Dann ersuchten sie ihn, noch einige Tage bei ihnen zu bleiben.
Apg 10. 17 - 48

    Von Säuglingen oder Kleinkindern findet sich in dem gesamten Text nicht ein einziges Wort.  Wir lesen noch nicht einmal etwas davon, daß Kornelius Frau und Kinder mit sich geführt habe. Allein vom Begriff „Haus auf diese zu schließen, ist zu dürftig, vor allem dann, wenn man darauf ein ganzes Lehrsystem zu stützen gedenkt. Wir werden uns nachfolgend ausführlicher mit diesem Begriff zu beschäftigen haben. Insofern müssen sich die Verfechter der Behauptung, in dem Geschehen seien Kleinkinder involviert gewesen, die Frage gefallen lassen, weshalb sie Dinge in diesen Text hineinlesen, die dort nicht stehen, statt das zu lesen, was dort steht. Denn schon bei oberflächlicher Lektüre erschließt sich, daß die Möglichkeit einer Taufe, ohne selbst Glauben zu haben, aus dem Bericht nicht hergeleitet werden kann; sie würde nicht nur die Verkündigung des Petrus, sondern auch das Wort der von ihm angeführten Propheten (V. 43) Lügen strafen. Letztlich führt alles zu diesem einen Satz hin, nach dessen Erwähnung, denselben bestätigend, sogleich der Geist auf die ihn Hörenden fällt. Auch sonst ist dieser Bericht ist ein wunderbares Zeugnis des in allen Einzelheiten übereinstimmenden und die Dinge zu diesem Kulminationspunkt hin zusammenführenden Handelns Gottes durch Seinen Geist. So ist alles vorbereitet: Wir haben es mit einem Hauptmann zu tun, der sich Gott bereits zugewandt hat, wenn ihm auch die eine wichtige und entscheidende Erkenntnis noch fehlt. Dazu wird Petrus, einstmals jüdischer Fischer aus Galiläa, zu ihm gesandt, nicht aber, ohne ihn zuvor durch eine Vision anzuweisen, die Gläubiggewordenen aus den Nationen anzunehmen, da Gott es ist, der sie gereinigt hat, denn Kornelius ist Römer und nicht Jude (V. 15 davor).

    Als Petrus das Haus des Hauptmannes betritt, findet er eine ganze Schar zubereiteter Menschen vor, die sich angesichts Gottes zusammengefunden haben. Es gibt sogar bereits ein allen gemeinsames Wissen über verschiedene geistliche Dinge („ihr wißt Bescheid...”, „ihr kennt...”, „ihr wißt um die Dinge...”, V. 27, 36, 37). Es stellt sich heraus, daß alle diese den Petrus haben rufen lassen („ihr habt mich herbeiholen lassen”, V. 29). Von Säuglingen ließe sich solches nicht behaupten. Diese alle, sagt Kornelius, sind vor den Augen Gottes zusammengekommen, weil sie alle hören wollen, was der Herr durch Petrus zu sagen hat (V. 33). Für sie alle hat Petrus dieselbe Botschaft Jesu: „Durch Seinen Namen erhält jeder, der an Ihn glaubt, Erlassung der Sünden” (V. 43). Das schließt alle die, die nicht glauben, aus. Hier empfangen die Versammelten den Geist jedoch schon, während sie Petrus noch reden hören. Wir haben nach diesem Wort also auf bereite, schon glaubende Herzen zu schließen. Sollte man tatsächlich unterstellen können, daß Teile derer, die Petrus hatten rufen lassen, die bereits Kenntnis über verschiedene geistliche Aussagen besaßen, die sich vor Gottes Angesicht versammelt hatten um Sein Wort zu hören, die schließlich glaubten und so die Erlassung der Sünden erhielten, hätten Säuglinge sein können? Eine solche Unterstellung wäre geradezu grotesk. Und so kann allen diesen auch das Wasser der Taufe nicht verwehrt werden, nachdem sie den Geist Gottes schon empfangen hatten, welches nicht anders als durch Umkehr und Glauben geschieht (Apg 2. 38 - 40 und 5. 32, Ga 3. 2 - 5 und 14, Eph 1. 13 - 14).


    Darum heißt es später auch, als Petrus diese Gegebenheit den Aposteln und Juden in Jerusalem erklärt hat:

    Als sie dies hörten, wurden sie still, verherrlichten Gott und sagten: »Demnach hat Gott auch den Nationen die Umsinnung (Umkehr) zum Leben gegeben.«
Apg 11. 18

    Hier ist das Mittel genannt, das uns das Leben erschließt. Es ist noch nicht einmal die Taufe. Es ist die Umkehr, die Bekehrung, die Annahme Jesu im Glauben, die die Juden denen, die mit Kornelius versammelt waren, attestieren. Damit ist zugleich gesagt, wem die Taufe zu geben ist: ausschließlich solchen, die durch die Umkehr zum Leben gefunden haben, die also ihr altes Leben bereits in den Tod gegeben haben und durch die neue Geburt wieder lebendig geworden sind. Dieser allen Hausgenossen gemeinsame Glaube wird nur bei dem Haus der Lydia nicht ausdrücklich betont, woraus man jedoch wiederum keine Lehre begründen kann. Und so taugt auch die „Haustaufe” bei Lydia (Apg 16. 11 - 15), die wir als Nächstes untersuchen wollen, nicht zur Rechtfertigung einer wie auch immer gearteten glaubenslosen Taufhandlung, geschweige denn einer solchen von Kleinkindern oder Säuglingen. Wir wollen nun auch diesen Passus lesen, um dessen Situation recht zu verstehen:

    11 Als wir von Troas ausfuhren, kamen wir geradewegs nach Samothrace, am folgenden Tag nach Neapolis und von dort nach Philippi, 12 das die erste Stadt in diesem Teil von Mazedonien ist, eine römische Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf. 13 Am Tag der Sabbate gingen wir zum Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir meinten, daß eine Gebetsstätte sei; wir setzten uns dort und sprachen zu den zusammengekommenen Frauen. 14 Auch eine Frau namens Lydia hörte zu, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, die Gott verehrte; ihr tat der Herr das Herz auf, auf die von Paulus gesprochenen Worte zu achten.

    15 Als nun sie und ihr Haus getauft waren, sprach sie uns zu und sagte: »Wenn ich nach eurer Beurteilung an den Herrn gläubig bin, so kommt in mein Haus und bleibt dort!« Und sie drang in uns.

Apg 16. 11 - 15

    Die Apostel gelangen nach Philippi und bleiben dort für mehrere Tage. Dort suchen sie nach ihrer Gewohnheit die Stätte auf, an der ihrer Meinung nach die Juden zu beten pflegen, und finden ihn richtigerweise am Fluß, dem einzigen Ort, der das für die Reinigung nach dem Gesetz benötigte Wasser darzubieten vermag (vgl. Ps 137. 1). Verschiedentlich ist behauptet worden, daß es an den Orten, in die der Christenglaube hineingelangte, keine Möglichkeit gegeben habe, im Wasser zu taufen. Dies aber geht aus keinem der Tauf- und Bekehrungsberichte hervor, die im Neuen Testament überliefert worden sind, und es zeigt überdies, daß man die jüdische Tradition mißachtet hat, aus der das Christentum erwachsen ist. Die Praxis, zu taufen, um sich rituell von den gerade bekannten Sünden zu waschen, kommt nämlich gerade erst aus dem Judentum, wie auch die Johannestaufe noch in dasselbe einzuordnen ist. Der erste Ort, an den die Apostel gingen, war für gewöhnlich die Synagoge oder gemeinhin der Ort, an dem die Juden sich trafen. Das war immer auch ein Ort, an dem Wasser verfügbar war. So war an allen den Orten, an denen getauft wurde, stets auch
ausreichendes Wasser vorhanden. Vielfach baute man Baptisterien, wie dies schon vor der Zeit Johannes des Täufers bekannt gewesen ist, in der die o. g. jüdischen Taufriten und Waschungen eine Rolle gespielt haben. Die Kindertaufe hingegen hingegen ist deutlich nachapostolisch überliefert; sie geht vor allem auf Origenes zurück (185/186 - 254). Tertullian (150/155 - 222/223) dagegen hatte in seiner Abhandlung „Über die Taufe” diese Sitte noch mit Vehemenz bekämpft. Erst im dritten Jahrhundert bürgerte sie sich immer mehr ein, im fünften wurde sie zur Pflicht für jedermann, deren Zuwiderhandlung man mit Ketzergerichten ahndete; unter anderem wurden die „Delinquenten”, Täufer an Täufling gefesselt, ertränkt oder auf anderen Wegen hingerichtet. Erst im dreizehnten Jahrhundert (!) wurde dann auch die „Taufe” durch „Benetzen” generell üblich. Zeitgleich wurde von da an auch das Abendmahl nicht mehr in beiderlei Gestalt gereicht. Bis dahin hatte man auch in den großen Kirchen noch Baptisterien oder übergroße Taufsteine errichtet, und tauchte die Kinder darin unter, wie dies bis heute noch in der Orthodoxen Kirche üblich ist. Was solche Leute in vollen Zügen behaupten, ist kirchengeschichtlich gesehen völlig unhaltbar.

    Zurück zu den Aposteln. Am Fluß angekommen, begegnet ihnen unter vielen anderen Frauen auch Lydia, die aus der Stadt Thyatira, Provinz Lydien, kommt und mit Purpurstoffen handelt. Das Färbereigewerbe war für Thyatira charakteristisch, was zeigt, daß Lydia mit ihren Throß ihre Stoffe aus Thyatira mitgebracht haben dürfte.
[28] Damit aber ist Lydia zur Zeit ihrer Bekehrung etwa fünfhundert Kilometer weit von ihrer Heimatstadt entfernt, einer Wegstrecke, die in der Antike einer Reise von mehreren Monaten entsprach. Kleinkinder auf einer solchen Reise mitzunehmen, wird also kaum möglich gewesen sein, und so ergibt sich daraus nicht gerade das Bild einer Mutter mit Kleinkindern. Wir sehen also, daß die Annahme eines Vorhandenseins eines oder mehrerer Kleinkinder in ihrem Hause (es ist noch nicht einmal von ihrer Familie die Rede) nicht haltbar sein kann. Zudem befindet sich eine solche Unterstellung, jemand könne ohne eigenen Glauben getauft worden sein, in unmittelbarer Gegnerschaft zu anderen Taufstellen, von denen die Taufe des Kämmerers der äthiopischen Königin durch Philippus die signifikanteste sein dürfte (Apg 8. 26 - 40); das gilt auch dann, wenn man, wie zahllose Theologen, deren Abschluß nicht als echt anerkennen mag. Bereits aus Lydias Worten geht hervor, daß sie glaubt, sonst hätte sie die Boten des Herrn nämlich nicht hereingebeten, ja sogar genötigt, in ihr Haus zu kommen. Noch so ein Passus, der ständig überlesen wird: Was wohl bedeutet der Passus „in ihr Haus” in diesem Fall, und warum nötigt sie die Boten so sehr, in dasselbe hinein zu kommen? Nur weil sie nun so sehr lieben kann? Weil sie Vertrauen zu ihnen gefaßt hat und diese nun auch versorgen will, wie einige Ausleger vermutet haben? Das mag sein. Doch galt es nicht schon damals für anrüchig, wenn Männer in das Haus einer alleinstehenden Frau gelangen wollten? Liegt es – neben dem Überwinden einer solchen Schwelle – nicht vielmehr wenigstens auch auf der Hand, daß sie unbedingt möchte, daß nicht nur sie, sondern auch die anderen Glieder ihres Haushaltes mehr von Jesus erfahren, um im neuen Glauben unterwiesen zu werden?

    Es bestehen in der Schrift bezüglich des Begriffes „Haus eines Menschen” weitere Besonderheiten, wie wir sie heute kaum noch kennen, nichtsdestotrotz aber zu beachten haben. So wurden die sich in der Regel in der Obhut der Mutter befindenden Kleinkinder
im Altertum, einschließlich der Mutter, nicht zum Haushalt hinzugerechnet, sehr wohl aber z. B. die dort angestellten Tagelöhner oder Sklaven. Es gibt weiterhin Unterschiede zwischen Söhnen und Töchtern. Der von der Muttermilch entwöhnte Knabe jedoch kam, sobald er einfache Dinge auffassen konnte, in die Obhut (das Haus) und damit Erziehung des Vaters, ein Vorgang, der etwa in Hbr 12. 5- 10 ff. sich widerspiegelt, fälschlicherweise aber immer wieder als Adoption verstanden worden ist. Wie der Textzusammenhang deutlich zeigt, wird hier jedoch nichts anderes als ein Reifestadium beschrieben, in dem das vordem noch ungelehrte Kind zum Sohn heranwachsen soll; es markiert also die Schwelle vom Kindes- zum Sohnesstand. Erst von diesem Zeitpunkt an gelten die Kinder daher als Söhne und, da der Vater sie als Söhne angenommen hat, mithin auch als „zum Haus des Vaters” zugehörig. Es besteht grundsätzlich keine Schwierigkeit darin, solche zu taufen, da sie zu glauben vermögen. Die Benennung eines Hausstandes nach dem Namen des Vaters („Vaterhaus”) oder Ehemannes ist damit die Regel. Daß ein Hausstand als „Haus einer Frau” bezeichnet wird, ist demnach die Ausnahme, kommt in der Schrift jedoch mehrere Male vor (vgl. 2Mo 2. 21 wörtlich; im NT siehe auch das Haus der Marta, der Schwester des gerade verstorbenen Lazarus, Lk 10. 38 und Jo 11. 31, oder das der Maria, der Mutter des noch sehr jungen Johannes Markus, die wahrscheinlich ebenfalls Witwe war, Apg 12. 12, um nur einige zu nennen). Alle diese Haushalte waren zur Zeit der Abfassung der jeweiligen Schriften Haushalte ohne lebende Ehemänner, Väter oder mündige Söhne, was deren Benennung nach der Frau dieses Hauses erklärt.

    Nachfolgend gebe ich einen kurzen Auszug aus der Arbeit eines Bruders wieder, deren Lektüre ich in diesem Zusammenhang durchaus empfehlen kann:

    „Aus Belegen der altchristlichen Literatur geht hervor, daß der Begriff ‚Haushalt’ (bzw. ‚Haus’) alle die umfaßt, ‚die zur Hausgenossenschaft gehörten’. Da waren unter Umständen die Haussklaven mit einbezogen, die im Falle des Kornelius ausdrücklich als ‚fromm’ bezeichnet werden, während die Frauen und Kinder in einem erweiterten Sinne des Begriffes ‚Haus’ nicht einmal unbedingt mit dazugehört haben müssen. So erwähnt z.B. Ignatius in seinem Brief an die Gemeinde zu Smyrna (Ign. ad Smyrn. 13,1) die Frauen und Kinder für sich neben dem ‚Haushalt’: ‚Ich grüße die Häuser meiner Brüder einschließlich der Frauen und Kinder’, und in seinem Brief an Polykarp, den Schüler des Apostels Johannes, (Ing. ad Pol. 8,2) schreibt er: ‚Ich grüße . . . auch die (Witwe) des Epitropos mit ihrem ganzen Hause und ihren Kindern.’ Damit benutzt er eine Formulierung, die sich fast wörtlich mit denen in Apg. 18,8; 10,2; 11,14 deckt.”

    Zitiert aus: Rolf Wiesenhütter: „Die schriftgemäße Taufe”, bei: http://forum.rolfwiesenhuetter.ch/ftopic2485.html


    Aus diesem Exkurs erklärt sich der entsprechende Begriff auch bezüglich der Lydia. Auch von ihr
 lesen wir nirgendwo, daß sie verheiratet gewesen sei. [29] Vielmehr ergibt sich keine andere Möglichkeit als nur die, daß sie eine ledige, dennoch wohlhabende Frau gewesen sein muß, die in ihrem Hause mehrere Angestellte hatte. Allein hätte sie diese Arbeit, die eine körperlich sehr schwere und umfangreiche war, wohl kaum ausführen können; vor allem aber wäre ihr Haus dann niemals als das ihre, sondern als das ihres Mannes, ihres Vaters oder ihres Bruders (eventuell auch das eines mündig gewordenen Sohnes oder, wenn keine Söhne vorhanden waren, des ältesten Knechtes, vgl. 1Mo 15. 2) bezeichnet worden, wie wir oben gesehen haben! Eine andere Lösung ist schlicht undenkbar, wenn wir berücksichtigen wollen, daß nach der Schrift als Haupt eines Hauses, so ein geeigneter Mann vorhanden ist, dann auch immer dieser Mann gilt. Die Schrift verläßt diese Ordnung nirgends (vgl. das Erbrecht der Töchter in 4Mo 27. 1 - 11). Wenn von dem „Haus einer Frau” die Rede ist, kann damit also immer nur eine ledige Frau ohne nächste männliche Blutsverwandte angesprochen sein, was das Nichtvorhandensein von eigenen Kindern geradezu erzwingt. So kann die kirchliche „Kleinkindkonstruktion” also auch hier nicht überzeugen; sie entspricht weder den historischen, noch den Textzusammenhängen, noch nicht einmal ansatzweise.

    Vom Haus des Kerkermeisters in Philippi steht geschrieben:

    Dann führte er [der Kerkermeister] sie hinaus und fragte mit Nachdruck: »Ihr Herren, was muß ich tun, um gerettet zu werden?« Sie antworteten: »Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus!« Dann verkündigten sie [die Apostel] ihm und allen in seinem Haus das Wort des Herrn. Darauf nahm er sie in jener Stunde der Nacht zu sich, wusch ihnen das Blut von den Schlägen ab und ließ sich auf der Stelle taufen, er und alle Glieder der Familie seines Hauses. Dann führte er sie hinauf in sein Haus, setzte ihnen einen gedeckten Tisch vor und frohlockte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Hause.
Apg  16. 30 - 33

    Wir sehen frei von jeglichem Zweifel, daß alle Mitglieder aus des Kerkermeisters Hause die frohe Botschaft hörten, glaubten und sich demgemäß taufen ließen. Wohl können auch Säuglinge akustisch mitbekommen, daß da irgend welche Laute artikuliert werden. Gewiß ist auch, daß sie Laute schon bestimmten Personen, vor allem der Mutter, zuordnen können. Aber daß ein Säugling Worte hören kann, was impliziert, daß diese Worte als solche auch inhaltlich vernommen werden, ist doch mehr als fraglich. Glauben und sich taufen lassen sind dementsprechend beides eindeutige Handlungen, die einen klar gefaßten Willen zugrundelegen, der dann auch zu der genannten Entscheidung geführt hat. Es kann also nicht die Rede von Säuglingen oder anderen Personen gewesen sein, die diese Worte nicht hätten verstehen oder diese Schritte nicht auch hätten gehen können. Hier hat durch das verkündigte Wort in den Herzen der Hörenden tatsächlich etwas stattgefunden, was auf die Annahme dieses Wortes und ein neues Leben schließen ließ. Jemand, der sich taufen läßt, der hat diese Taufe begehrt, der ist auch zu ihr hingekommen. Zwar handelt er nicht anders als aufgrund der in dem Wort dargebotenen Gnade; zugleich aber faßt er auch seinen eigenen Entschluß, der ihn diese Gnade beantworten läßt. 

    Damit erklärt sich auch der Sinn des Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. Man hat traditionell darunter verstehen wollen, daß der Glaube des Kerkermeisters als Haupt seines Hauses ausreiche, damit auch die anderen Glieder errettet würden, und daraus – unter Verweis auf den Gelähmten in Mk 2. 3 - 5 etwa – einen „stellvertretenden Glauben” konstruiert, der jemandes Errettung wirke. Dabei ist jedoch regelmäßig die Tatsache übergangen worden, daß es sich bei dem Hintragen des Gelähmten zu Jesus zwar um einen Glauben der ihn Tragenden handelte, jedoch um einen solchen, der von vorläufiger, zu einem eigenen Glauben hinführender Natur war, ohne den ihm alles das nichts genützt hätte, und dies binnen kürzester Frist, da diesem der eigene Glaube des zu Heilenden, auf Jesu Wort hin, mit den entsprechenden Taten folgen mußte (Mk 2. 10 - 12). Dazu gesellt sich eine falsche, katholisierende Stellvertreterlehre: hinsichtlich der Erlösung gibt es nämlich keinen anderen Mittler als nur den Menschen Christus Jesus, nie einen anderen, also auch keine Helfer, Eltern, Geschwister oder dergleichen (1Tim 2. 5, Hbr 12. 24). Darum ist auch nur Er es, der Sünden vergeben kann, wie Sündenvergebung und Heilung auch als in einem Zusammenhang stehend benannt werden (Mk 2. 6 - 9ff).

    Nun sind – um zu unserem Kerkermeister zurückzukehren – gläubige Elternhäuser ganz gewiß der wohl größte Segen, den ein Sohn oder eine Tochter je haben könnte. Und so stellt auch das Gläubigwerden des Kerkermeisters sicherlich auch für sein ganzes Haus gewissermaßen ein Öffnen einer Tür dar, so daß auch für die Seinen ein Weg gebahnt wird, zu Jesus zu kommen. Im Altertum hatte dies einen viel größeren Stellenwert als heute, da wir in einer individualisierten Gesellschaft leben. Aber durch diese Tür müssen heute wie damals  dann auch alle diejenigen selber gehen, die zu dem Hause gehören, das nach seinem Haupt benannt ist. Das Du und dein Haus bezieht sich also ebenso auf den Glauben, wie auch auf die Errettung, die diesem Glauben folgt. Genau so, wie Du und dein Haus glaubst, so wirst auch Du und dein Haus errettet werden. Daß der Kerkermeister dann auch mit seinem ganzen Hause frohlockte, was ja dieselbe Fügung darstellt, wird wohl kaum eine andere Bedeutung haben können als die, daß sowohl bei ihm als auch bei den anderen Mitgliedern dieses Hauses große Freude herrschte, nachdem sie alle gläubig geworden waren. Welchen Grund sollte es wohl bei einem Weltmenschen geben, sich wegen einer Bekehrung eines anderen zu freuen?

    Wenden wir uns nun dem Haus des Krispus zu, von dem die Apostelgeschichte berichtet:

    Auch Krispus, der Synagogenvorsteher, wurde mit seinem ganzen Haus an den Herrn gläubig.
Apg 18. 8

    Später schreibt Paulus den Korinthern:


    „Ich danke Gott, daß ich niemanden von euch getauft habe außer Krispus und Gajus ... ich habe auch die Hausgenossen des Stephanas getauft.”
1Kor 1. 14, 16

    Das Geschehen ist ebenso kurz wie klar zusammenzufassen. Paulus taufte Krispus, steht hier. Es wird noch nicht einmal von einer „Taufe seines ganzen Hauses” berichtet, da Paulus nur diesen getauft hat. Natürlich liegt es nahe, daß auch die anderen Glieder seiner Familie die Taufe erfuhren, nachdem sie alle mit Krispus zusammen an den Herrn gläubig geworden waren, wie Lukas berichtet. Wir wissen auch nichts darüber, ob eine, und wenn ja, welche Zeitspanne zwischen ihrem Gläubigwerden und ihrer Taufe gelegen haben könnte. Mehr davon lesen wir hier einfach nicht; wir müßten es hineindeuten; vor allem aber steht hier nichts von Säuglingen. Wie könnte auch von Säuglingen die Rede sein, wenn doch gesagt wird, daß das ganze Haus des Krispus glaubte? So löst sich die Mär von dem getauften Hause” des Krispus, nachdem „nur” Krispus geglaubt habe, von ganz alleine auf, da von einer solchen Taufe nirgends berichtet wird.

    Damit sind wir nun endlich auch bei dem Haus oder, wie Paulus oben richtiger schreibt, den Hausgenossen des Stefanas angelangt, die Paulus ebenfalls taufte. Die Fügung „Hausgenossen des Stefanas” spricht für sich, denn sie sagt ja nichts anderes aus, daß auch nicht etwa „ein ganzes Haus” quasi „pauschal” getauft wurde, sondern ein jedes Mitglied der Familie (oder sonstiger Unterstellter) des Stefanas für sich. Übrigens spricht Paulus hier noch nicht einmal von Stefanas selbst, sondern nur von seinen Hausgenossen! Über das Haus des Stefanas und des Fortunatus, die zusammen die Erstlingsfrucht in der Provinz Achaja darstellten, schreibt Paulus noch in demselben Brief, wobei ganz offensichtlich ist, daß er sich auf deren Häuser insgesamt bezieht, daß diese beiden sich selbst zum Dienst an den Heiligen verordnet hätten (1Kor 16. 15 - 16). Dies ließe sich wohl kaum von Kleinkindern berichten. Es gibt also auch hier keinerlei Rechtfertigung für die Unterstellung eines Vorhandenseins unmündiger Kleinkinder. Damit ist die Taufe ausschließlich Gläubiggewordener in allen diesen Fällen nachgewiesen, so daß die Säuglingstaufe in keinem einzigen von ihnen auch nur irgendeine Substanz vorfindet; die Unterstellung angeblicher Säuglingstaufen hat sich damit als unwahr erwiesen.



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Anmerkungen und Erläuterungen zum Thema.

[1] Diese Bemerkung, die eher persönlicher Natur ist, möchte ich keinesfalls als eine Einladung zu einem Verlassen einer Gemeinde oder zum Übertritt in eine andere Denomination verstanden wissen, gerade auch dann nicht, wenn diese sich als besonders „frei” artikuliert. Jeder wisse sich in allem, was er tut oder läßt, von Gott geführt; er lasse sich allein im Frieden leiten (Kol 3. 15). Die „einzig wahre Gemeinde”, nach der offensichtlich so viele suchen, gibt es auf Erden nirgends; was uns leiten soll, ist also nicht der – vergebliche – Wunsch, eine solche zu finden, sondern allein Gottes Führung, nach der wir uns ausstrecken sollten; ohne die Geschwister, die Gott uns gibt, ist eine solche nicht möglich.

[2] Siehe auch 2Tim 3. 16: alle Schrift ist von Gott eingegeben (wörtlich: theo-pneustos, gott-gehaucht). Es ist von je her einer der allergefährlichsten Trugschlüsse gewesen, Gottes Wort von Dem, der das Wort ist (Joh 1. 1 - 15) und als dieses Wort Mensch wurde – und das ist niemand anders als Jesus Selbst – zu trennen. So wie Gott in Seinem Sohne als dem Wort, das Fleisch wurde, so kommt Er uns auch in Seinem geschriebenen Wort nicht anders als in menschlicher, in Knechtsgestalt entgegen (Phil 2. 5ff). Jesus ist in Seiner ganzen Person, ohne Abstriche, wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich; und so ist auch Sein uns im anerkannten Schriftkanon vorliegendes Wort im Grundtext ebenso vollumfänglich, und zwar bis ins Jota hinein (vgl. Mt 5. 18), ebenso wahres Menschen- wie wahres Gotteswort – eine Tatsache, welcher in den jeweiligen Übersetzungen und in Forschung, Studium und Exegese so genau und gleichzeitig so verständlich wie wie möglich, ohne dabei die Aussage des Textes zu beschädigen, Rechnung zu tragen ist. Alles andere, demnach also auch die Lehre, nach der die Bibel Gottes Wort zwar (als so genanntes Kerygma) enthalte, aber nicht sei, ist eine gefährliche und glaubenszersetzende Häresie, welche darüber hinaus Anleihen aus der so genannten Gnosis sowie aus dem Arianismus macht, beides Irrlehren, welche im ersten Falle die Fleischwerdung, im zweiten die Gottheit Jesu Christi leugnen.

  
... die historisch-kritische Betrachtung der Bibel ... geht zurück auf Jean Astuc, einem französischen Arzt und Freidenker, der im Jahre 1753 ein Buch veröffentlichte mit dem Titel: 'Vermutungen über die ursprünglichen Aufzeichnungen im Buch Genesis'. Die Gedanken aus diesem Buch griff der deutsche Professor Johann Gottfried Eichhorn auf. Er formulierte die Leugnung der Inspiration der Bibel und brachte sie in ein System. Er war es auch, der den Begriff 'Historisch-kritische Methode' prägte. Ein Weltanschauungsgenosse Eichhorns sagte über ihn: 'Wir kommen nicht umhin zu erkennen, daß die Bibel vom religiösen Standpunkt aus für ihn ein verschlossenes Buch war.' Diese heute weithin akzeptierte Methode hat also ihre Urheberschaft in einem ungläubigen französischen Arzt und einem unbekehrten deutschen Professor.

    Zitiert aus: Peter Haase, Sündenfall, Weltgeschichte, Hoffnung und Erlösung, in Bibel und Gemeinde 4/2005 (Bibelbund).

    Solche Aussagen vermögen so recht aufzuzeigen, auf welches Glatteis sich alles das, was unter
gelehrter Theologie heute weithin leider verstanden wird, damit letztlich begeben hat – nämlich aufs heidnische und damit des willentlich erklärten Unglaubens als willkürliche, wissenschaftlich nicht belegbare Vorgabe dessen, wie die Bibel auszulegen sei.

[3] Anáthema: Herauf-, wörtlich: Nebengesetztsein, zumeist traditionell, aber nicht ganz zutreffend mit Verfluchtsein übersetzt. Die Konkordante Übersetzung gibt den Ausdruck eher richtig wieder mit dem Passus: in den Bann getan. Wer ein anderes Evangelium neben dem des Christus einführt, der wird namentlich angezeigt, indem man ihn an öffentlicher Stelle hinaufsetzt und damit als Irrlehrer für alle ersichtlich kenntlich macht, womit seine Wirksamkeit quasi gebannt ist, siehe Gal 1. 6 - 9. –

    Wir richten uns mit unserer Kritik überdies in keinster Weise gegen karitative (diakonische) Werke an sich, die von ihrem Grundverständnis her Ausdruck der Liebe sein wollen, die Gott zu den Menschen hat. Sie dürfen jedoch nicht zu einer Art eines
Ersatzes geistlichen Lebens umfunktioniert werden, als seinen sie bereits der Inbegriff des Evangeliums selbst. Genau das sind sie nämlich nicht. Wohl sind solche Werke tätiger Liebe Ausdruck rechten Glaubens. Sie sind aber nicht die Essenz des Glaubens selber. Man sollte darum das Pferd nicht von hinten aufzäumen. In welchem Kontrast die Theologie des Paulus nämlich zu solchen Auffassungen steht, zeigt sich dabei schon anhand des von ihm niedergeschriebenen Satzes, daß das von ihm verkündigte Evangelium Gottes nicht den Menschen gemäß ist (Gal 2. 1 wörtlich), und nicht von ungefähr steht diese Feststellung unter dem Paradigma, nach dem Paulus, wollte er den Menschen gefallen, Christi Knecht nicht wäre (1. 10).

[4] So u. a. der damalige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und jetzige EKD-Vorsitzende (!) laut Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd) vom 23.03.2009. Darin wurden die Behauptungen Schneiders wie folgt wiedergegeben:

(epd) – Der Tod Jesu am Kreuz war nach Auffassung des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, kein Sühneopfer für die Sünden der Menschheit. Jesus sei «nicht im Sinne einer stellvertretenden Übernahme von Strafe» für die Menschen gestorben, sagte der 61-jährige Theologe dem in Düsseldorf erscheinenden evangelischen Magazin «chrismon plus rheinland» (April-Ausgabe).

Gott brauche kein Sühneopfer, «denn es muss ja nicht sein Zorn durch unschuldiges Leiden besänftigt werden». Jesus sei den Weg ans Kreuz freiwillig gegangen: «Das war ein Selbstopfer.» Schneider versteht den Tod Jesu als «Ausdruck dafür, dass Gott in Jesus Christus bis zum bitteren Ende des Lebens ganz Mensch blieb, damit wir Menschen uns auch in unseren Todeserfahrungen von Gott begleitet wissen können».

Die Menschen bräuchten die Botschaft vom Kreuz «als Zeichen für Gottes Liebe und Solidarität...» usw.


    Gerade um den stellvertretenden Kreuzestod Jesu, wie die Schrift ihn lehrt, werden in der Kirche heftige Debatten geführt. Die Liste solcher Lehrverwerfungen und handfester Irrlehren ist also lang und ließe sich entsprechend fortsetzen. Es liegt wohl nicht nur für den Schreiber dieser Sätze auf der Hand, daß dergleichen Irrlehrer weder von der Dramatik der Sünde, die dieselbe in Gottes Augen darstellt, noch von Seiner im stellvertretenden Sühnetod Seines eigenen Sohnes, den Er um unsertwillen nicht verschonte, offenbar werdenden abgrundtiefen Liebe wirklich etwas begriffen haben. Zudem widerspricht diese Leugnung einer ganzen Fülle von Schriftstellen alt- und neutestamentlichen Zeugnisses, und im Letztgenannten dem Zeugnis der Evangelisten wie der Apostel gleichermaßen, von den einschlägigen Worten Jesu ganz zu schweigen. Damit aber leugnen sie zentrale Elemente der Wurzeln des Christentums, das ohne diese keines wäre, und stellen sich damit selbst außerhalb desselben.

[5]  Die hier geforderte „Demut” wäre jedoch eher ein Nachgeben unter eigene, zumeist linkslastige Meinungen, als daß sie wirkliche Demut wäre; echte Demut ist wohl zum Dienen bereit, unterordnet sich dabei aber immer zuerst Gott und Seinem Wort. „Ein gedemütigtes Herz und einen gebrochenen Geist wirst Du, mein Gott, nicht verachten”.  So ist das, wovon wir hier reden, nicht Demut, sondern Hochmut. Gott gibt Seinen Geist in irdene Gefäße; diese Gefäße müssen etwas davon abbekommen, was es heißt, zerschlagen zu werden, damit des Meisters Herrlichkeit aus ihnen heraus leuchten kann: Ein solcher Mensch hat nichts mehr aus sich selbst. Einen stolzen Menschen kann Gott nicht gebrauchen; das Beharren auf Seinem Wort, solange es in demütigem Geiste vorgetragen wird, hat mit Hochmut nichts zu tun, sondern ist Ausdruck seines Gegenteils. Das aber zeigt etwas von dem Werteverfall auf, dem große Teile vor allem der evangelischen Kirchen bis heute erlegen sind.

[6] Idea” vom 25.07.2011: Kirchenleiter warnen vor christlichem Fundamentalismus”  Bildschirmkopie siehe hier
       „Idea” vom 27.07.2011: „Theologen: Breivik ist kein christlicher Fundamentalist Bildschirmkopie siehe hier

[7] Breivik ist vor seiner Tat seit zehn Jahren Freimaurer dritten Grades gewesen; ihm wird nachgesagt, den Titel eines Meisters vom Stuhl innegehabt zu haben. Offenkundig stand er gerade vor der Verleihung des vierten Grades, der mit dem fünften kombiniert ist. Als sicher gilt, daß die Freimaurerei, soweit ihm bekannt, ihm nicht „weit genug” gegangen ist; sie war ihm zu „unpolitisch”. Seine Heimatloge (Johannes-Loge St. Olav der Drei Säulen in Oslo) hat ihn wegen seiner Gewalttaten dann auch umgehend ausgeschlossen. Dennoch dankt” Breivik in seinem so genannten „Manifest” seinen „Brüdern und Schwestern” in verschiedenen Ländern, darunter auch in Deutschland, womit er sich ganz offensichtlich auf die aus der Freimaurerei oder auf solche der Freimaurerei Nahestehende bezieht. Christen im biblischen Sinn kann er nicht gemeint haben, da er nach eigenem Bekunden nicht an „Gott und Jesus Christus glaubt. Religion, die er, immerhin noch korrekt, als Gottesbeziehung definiert, ist für ihn eine „Krücke für Schwache”. Nachzulesen ist dies ebenfalls in oben genanntem „Manifest”, das dem Schreiber nach dessen eigener Recherche als Datei vorliegt.

[8] So das Nachrichtenblatt Topic im August 2011.

[9] So ist vor Jahren schon vor allem in Provinzblättern bereits von mehreren Brandanschlägen gegen verschiedene evangelische und katholische Kirchen und Einrichtungen, einige davon Kindergärten, berichtet geworden. Die Zahl der Fälle ist m. E. zu hoch, als daß man nicht von einer Tendenz sprechen könnte. Die Täter werden in der Regel aus dem islamistischen und vor allem linksradikalen Milieu vermutet; einige sind auch bereits bekannt. Mittlerweile hat es weitere als entweder islamische oder linksextremistische Übergriffe deutlich erkennbare Anschläge und Fälle von Zerstörungen wertvoller Kulturgüter sowie sonstigen Vandalismus sowohl in Österreich als auch in Deutschland gegeben, so im Mai 2014 in der Wiener Karlskirche, dem Stephansdom und anderen sowie an der Heldendankkirche in Bregenz, sowie am (deutschen) Augsburger Dom, der dortigen Moritzkirche und der evangelischen Ullrichskirche, ebenfalls im Frühjahr 2014, welche mit dem Schriftzug „allahu akbar” besprüht wurden. In Südbaden (Eimeldingen und Ühlingen-Birkendorf) hatte es mehrere Brandanschläge gegeben, in denen u. a. die Orgel zweier Kirchen in dem einen Fall völlig zerstört und im andern schwer beschädigt wurden. Im mittelbayerischen Beilngries wurden in der Stadtpfarrkirche St. Walburga  ein Beichtstuhl und ebenfalls die Orgel schwer beschädigt. Auch in der Herz-Jesu-Kirche in Aschaffenburg hatte es kurz vor Weihnachten 2013 gebrannt, nachdem bereits zuvor der Opferstock in der Kirche angezündet worden war, während die linksextremistische, so genannte Antifa in diversen Netzauftritten diese Anschläge bejubelte.

    Alles das geschieht, während
faktisch zeitgleich in lästerlicher Weise synkretistische Bestrebungen diverser Kirchenleitungen immer wieder sichtbar geworden sind, den Islam in die Kirchen einzulassen, zugleich aber Kritiker in der heute allgemein üblichen Weise zu diffamieren. Genützt hat ihnen das alles nichts. In Hannover-Garbsen wurde 2013 eine evangelische Kirche augenscheinlich von einer mohammedanischen Jugendbande vollständig niedergebrannt, welche laut Augenzeugen am Folgetag laut johlend, vermutlich aber denselben islamischen Ruf  s. o. ausstoßend, an der Brandruine vorbeigezogen sein soll. Im Duisburger Norden hat es mehrfache Fälle von teils erheblichen Beschädigungen an verschiedenen Kirchen durch Steine und Knallkörper gegeben u. v. a. m. Das sind nur einige der einschlägigen Geschehnisse, über die hier und dort berichtet worden ist. Die wichtigsten Medien, die sich im Falle fingierter oder auch tatsächlicher Anschläge auf Moscheen, die sich meistens auf diverse Schmierereien oder Ausbreiten von Schweineblut und ähnlichen Geschmacklosigkeiten beschränken, schier zu überschlagen scheinen, berichten jedoch so gut wie nie oder verharmlosend und beschwichtigend darüber, und auch der Staatsschutz, sonst, nebst Medienpräsenz, eilfertig bei der Sache, wenn es sich im mohammedanische Befindlichkeiten geht, macht sich überaus rar in solchen Fällen. Es dürften auch mehrere Brandschläge gegen Synagogen auf mehrheitlich dieselbe Urheberschaft zurückzuführen sein.

[10] Wenn wir dies besonders betonen, halten wir dennoch kein Plädoyer gegen eine geistliche und biblische Theologie, die auch wissenschaftliche Erwägungen mit einbezieht, wie sie sich u. a. aus dem Arbeiten mit den Grundtexten und einem entsprechendem Forschen ergibt. Theologie ist jedoch immer Magd, nie Herrin der Offenbarung. Sie will Offenbarung deutlich machen, will sie erklären helfen, wird sich aber stets ihres demütigen Standes vor Gott bewußt sein, nach dem sie selbst diese Offenbarung niemals zu erbringen vermag, sondern ihrer bedarf und daher unter ihr steht, weil sie ohne diese weder Bestand noch Berechtigung hätte. Natürlich sind geistliche Dinge auch annehmbar, und demzufolge gibt es auch eine geistliche Übung, die zu vielem nütze ist. Unser Lernen nimmt demnach auch in den apostolischen Briefen einen wichtigen Platz ein. Es ist jedoch ein gefährlicher Trugschluß zu glauben, daß wir durch ein ständiges Lernen an sich schon zur Offenbarung der Wahrheit kommen würden (siehe 2Tim 3. 7f).

    Zugleich wird auch das allgemeine Priestertum aller Gläubigen (das freilich nur geistlich, in Abhängigkeit von Gott verstanden werden kann und darf, s. 1Ptr 2. 9 - 10) fortwährend ausgehöhlt und schließlich ad absurdum geführt. Während im Neuen Testament 
ein jeder etwas” hat, da er den Geist empfangen hat und durch diesen Geist begabt worden ist, so daß durch alle die Offenbarung des Geistes zum Nutzen aller” geschehen kann, tritt in der Kirche ein Klerus auf, der sich durch Ausbildung und Ordination zur Lehre befugt wähnt, so daß er eine verhältnismäßig kleine, aber umso mächtigere Elite bildet, die (kraft ihrer Ausbildung) aus lauter „Eingeweihten” besteht, die den vorgeblich Nichteingeweihten die geistliche Nahrung zuzuteilen gedenken, weil ihnen, wie sie meinen, allein der Dienst am Wort und dem Gebet (Apg 6. 2f) zustünde. Damit tritt wiederum eine falsche Stellvertreterlehre auf den Plan; der Leib wird entmündigt und zum Volk” – grie. laos, die „Laien” – degradiert, das vorgeblich nichts weiß und darum der Belehrung und Bevormundung (und damit Regierung) dieses Klerusses bedarf. Das Einer ist euer Meister; ihr alle aber seid Brüder” Jesu wird dabei mehr und mehr zur Seite gesetzt und seines Inhalts entleert; die Korrektur, die einer dem anderen angedeihen lassen soll, wird in ein pseudo-geistliches Machtgefüge hinein pervertiert.

[11] Das aus dem Lateinischen übernommene Wort Klerus ist seinerseits von dem griechischen Begriff kleronómos (w. gesetzlich festgelegter Besitzer eines Losteils, Anteilsinhaber) entlehnt und kennzeichnet im landläufigen Sinn Menschen, die berufsmäßig an geistlichen Dingen teilhaben, um diese denen, die in ihren Augen an diesen Dingen keinen Anteil haben, zuzuteilen. Diese sind im Gegenzug, vereinfacht ausgedrückt, für ihren Unterhalt sowie für den ihrer Unternehmungen zuständig. Wie wir unter [8] sahen, hat diese Auffassung im Neuen Testament keinerlei Bestand; sie entspricht vielmehr dem Muster des Levitendienstes nach dem Vorbild des Alten Bundes und steht dem Neuen, in dem es einen solchen Dienst nicht mehr gibt (alle Gläubigen sind Priester) damit konträr entgegen.

[12] Nicht umsonst schließt sich unmittelbar an dieses Geschehen der Warnruf Jesu an, nach dem der, der nicht durch die Tür zu den Schafen eingeht, ein Dieb und ein Räuber ist, Jo 10. 1ff. Jesus ist diese Tür. Seit Golgatha steht die Tür allen offen. Wir müssen sie nicht öffnen, müssen uns den Zugang zu Gott nicht erst verdienen. Dieselbe geöffnete Tür jedoch nützt niemandem, solange er nicht durch dieselbe auch zu gehen bereit ist, was nur durch Umkehr, Reinigung von den Sünden und Glauben geschehen kann. Es ist jedoch die Grundproblematik jener Irrlehre, daß sie dieses Hindurchgehen als in der Taufe bereits geschehen verkaufen will. So wird die Gnade pervertiert; das Heilige wird den Hunden und Schweinen vorgeworfen und damit profaniert. Mit solchem Gebaren gehen sie nicht mehr durch die Tür, sondern reißen die Dinge an sich und brechen durch die Wände ein.

[13] Daß die bis heute fortbestehende römische wie (die in weiten Bereichen daraus abgeleitete und damit weithin identische) evangelische Tauflehre und -praxis ihre Wurzeln im Heidentum hat, ist bereits im Jahre 1858 durch Alexander Hislop (1807 – 1865) in seinem bis heute kaum übertroffenen Standardwerk „Von Babylon nach Rom (Originaltitel „The Two Babylons) eindrucksvoll nachgewiesen worden. Diese Wurzeln lassen sich direkt in den Bereich der gefallenen Engel hin zurückverfolgen, welche in vielerlei Gestalt auftreten und in der heidnischen Mythologie und ihrer Götterwelt entsprechend auch wiederzufinden sind. Hislop schrieb u. a. folgendes darüber: „Die heidnischen Vorfahren der Engländer, die Anbeter Odins, praktizierten bekannterweise Taufriten, und der Zweck, zu dem sie diese praktizierten, zeigt, daß sie zumindest ursprünglich geglaubt haben müssen, daß die natürliche Schuld und Verdorbenheit ihrer neugeborenen Kinder dadurch abgewaschen werden konnte, daß man sie mit Wasser besprengte oder sie in Seen oder Flüsse tauchte, sobald sie geboren waren. Dieser selbe Taufkult, inclusive der Lehre von der durch solche Magie vorgeblich abwendendbaren Erbsünde, ist weltweit verbreitet; wir finden solches in Europa, auf dem indischen Subkontinent wie unter den Stämmen Afrikas und Amerikas gleichermaßen. Hislop präsentiert eine Begebenheit, die sich vor den staunenden Eroberern Mexikos abspielte:

    „Ja, als Cortez und seine Krieger auf der anderen Seite des Atlantik an der Küste Mexikos landeten, sahen sie dieselbe Lehre der Taufwiedergeburt in voller Gültigkeit unter den Eingeborenen... Die Zeremonie der mexikanischen Taufe, wie sie mit Erstaunen von den spanischen römisch-katholischen Missionaren wahrgenommen wurde, wird sehr eindrucksvoll von Prescott in »Conquest of Mexico« beschrieben: »Als alles für die Taufe Notwendige vorbereitet war, wurden alle Verwandten des Kindes versammelt und die Hebamme gerufen, die den Ritus der Taufe durchführte... Bei Beginn der Morgendämmerung trafen sie sich im Hof des Hauses. Als die Sonne aufgegangen war, nahm die Hebamme das Kind auf die Arme und bat um ein kleines irdenes Gefäß mit Wasser, während die, welche bei ihr waren, die Geräte in der Mitte des Hofes aufstellten, die für die Taufe vorbereitet worden waren. Um den Ritus der Taufe durchzuführen, stellte sie sich mit ihrem Gesicht nach Westen auf und begann sofort mit bestimmten Zeremonien… ›O mein Kind, nimm und empfange das Wasser des Herrn der Welt, welches unser Leben ist, welches zum Wachstum und zur Erneuerung unseres Leibes gegeben ist. Es dient dazu zu waschen und zu reinigen. Ich bete, daß diese himmlischen Tropfen in deinen Leib eindringen und dort bleiben mögen, daß sie all das Böse und all die Sünde zerstören und von dir entfernen mögen, welche dir vor Beginn der Welt gegeben wurden, denn wir alle stehen unter ihrer Macht.‹

… Dann wusch sie den Leib des Kindes mit Wasser und sprach: ›Wann immer du kommst, der du dies Kind verletzen willst, verlasse es und weiche von ihm, denn jetzt lebt es von neuem und ist von neuem geboren; jetzt ist es gereinigt und frisch gesäubert, und unsere Mutter Chalchivitlycue [die Göttin des Wassers] bringt es in die Welt.‹ Nachdem die Hebamme so gebetet hatte, nahm sie das Kind in beide Hände, hob es gen Himmel und sagte: ›O Herr, du siehst hier dein Geschöpf, das du in die Welt gesandt hast, an diesen Ort der Sorge, des Leides und der Buße. Verleihe ihm, o Herr, deine Gaben und deine Eingebung, denn du bist der große Gott, und bei dir ist die große Göttin.‹« (...) Unmißverständlich liegt hier das Opus operatum vor. Hier haben wir Wiedergeburt durch die Taufe und auch den Exorzismus vorliegen..., und zwar so gründlich und vollständig, wie es sich ein römischer Priester... nur wünschen kann. Man könnte fragen, welchen Beweis es dafür gibt, daß Mexiko seine Lehre von Chaldäa abgeleitet hatte. Der Beweis ist ganz eindeutig. Aus den Nachforschungen Humboldts geht hervor, daß die Mexikaner genau wie auch unsere Vorfahren Wotan als den Begründer ihres Geschlechts feierten. Der Wotan oder Odin Skandinaviens ist nachweislich der Adon Babylons...


    Aus: Alexander Hislop, Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion, CLV 1997, 2. Aufl. 2002, S. 120 -121.

    Bis heute wird dieses selbe magische, mit Elementen ritualistischer Zauberei durchsetzte Verständnis in den Kirchen gelehrt, die entsprechende Praxis ausgeübt und, wie ehedem, geradezu fanatisch verteidigt. Im katholischen Bibellexikon von 1968 etwa ließ sich unter dem Strichwort „Taufe folgendes nachlesen:

    „Die Taufe Jesu im Jordan. [...] Die Überlieferung (!) hat in der Taufe Jesu das Moment festgehalten, daß durch Berührung mit Jesu Menschheit dem Wasser die im christlichen Taufsakrament wirksame heiligende Kraft mitgeteilt (!) wurde, d. h. die Einsetzung der christlichen Taufe, obwohl diese erst nach Jesu Tod und Auferstehung gespendet wurde. Auch kann man in der Taufe Jesu den Prototyp des Sakramentes sehen, insoweit der Gläubige durch die Taufe Gotteskind wird (!) und so im gleichen Verhältnis zu Gott steht wie Jesus bei seiner Taufe im Jordan


    Aus: Bibel-Lexikon, Benziger Verlag / St. Benno 1968, Seite 1712, Stichwort „Taufe
zu „Die christliche Taufe).

    Auch wenn diese Lehre in den evangelischen Kreisen eine gewisse Abwandlung erfahren hat, ist sie vom Wesen her in ihnen doch weitverbreitet. Das zeigt, daß die evangelische Kirche sich aus der römischen Umklammerung nie ganz hat befreien können, da sie mit den lutherischen Unsicherheiten auf diesem Gebiet nach wie vor zu kämpfen hat und somit mit dieser Kirche eines Wesens geblieben ist. Damit aber ist auch der entsprechende heidnische Einfluß noch vorhanden, was auch die
vielen Ungereimtheiten und Unschlüssigkeiten lutherischer Theologie und vor allem auch die große Vermischung, die dieser anhaftet, zu erklären vermag.

[14] Bezeichnenderweise firmiert diese „Geistlichkeit” bis heute vielerorts unter dem Namen „Pfarrerschaft”, was vom katholischen Begriff des „Pfarrherren”, d. i. des Herren über eine „Pfarre” (kath. Pfarrei), d. h. einen geistlichen Verwaltungsbezirk, abgeleitet ist; im Neuen Testament werden solche hierarchisch-herrschaftlichen Strukturen jedoch strikt untersagt; alle sind Brüder, die zwar nicht gleich, im Leib aber gleichberechtigt sind; hier ist einer dem anderen in gleicher Weise ebenso dienend wie empfangend untertan (Mt 20. 25 - 28, Mk 10. 42 - 45).

[15] Bis ins 19. Jahrhundert hinein und vereinzelt bis heute feierte man noch die evangelische Messe, die entscheidende Elemente der bis dahin geltenden nach römischem Ritus fast unverändert übernommen hat, was (nicht zuletzt anhand liturgischer Elemente) zeigt, wie nahe die lutherische Kirche ihrer Vorgängerin steht (siehe auch die hier verlinkte Bildschirmkopie eines Beispiels aus Werningshausen). Noch deutlicher wird dies bei den Anglikanern oder etwa auch in der schwedischen lutherischen Staatskirche. Dabei muß freilich immer auch beachtet werden, daß es eine römische Kirche in dem Sinne zu der Zeit nicht gab; es bestand nur die eine Kirche, aber die war im Laufe der Jahrhunderte römisch geworden. Wenn wir überdies bestimmte Lehren oder Praktiken kritisieren und diese als römisch bezeichnen, soll damit nicht gesagt werden, daß alles, was Rom lehrt oder tut, darum falsch sein müsse. Wer das behauptet, der kippt das Kind mit dem Bade aus und redet hinsichtlich katholischer Geschwister, um es mit Luther zu sagen, falsch Zeugnis wider seinen Nächsten. Hinsichtlich der Rechtfertigungslehre ist „Rom” heute wesentlich weiter, als es zur Zeit Luthers jemals gewesen sein könnte. Dasselbe gilt von allem, was über das Thema Messe aus der Richtung in verallgemeinernder Weise vielfach gesagt oder geschrieben worden ist. Nicht alles, was unter „Messe” firmiert, ist falsch; vieles ist in geistlicher Hinsicht sogar gut und wertvoll; vor allem in der Messeliturgie finden wir viele urchristliche und altkirchliche Elemente wahrer Anbetung vor; es gibt Licht, aber es gibt auch Schatten – die Wahrheit ist so einfach nicht!

[16] Ein typisches Vorgehen aus jener Zeit war das gegen die Gemeinschaften, die um den schlesischen Adligen Schwenckfeld entstanden waren und die unter eingefleischten Lutheranern mitunter noch bis heute als Schwärmer diffamiert werden. Besonders hervorzuheben sind auch Taufgesinnte, die die Confessio Augustana im neunten Artikel verwirft; gegen solche hatten selbst Luther und Melanchthon noch eigenhändig Todesurteile (!) unterschrieben. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, daß in deren Reihen tatsächlich ein hohes Maß an Schwärmerei anzutreffen gewesen ist. Zu  nennen sind  hier Sozialromatiker wie der (in der ehm. DDR sehr verherrlichte) Thomas Mützer, die zwar viele Nöte klar benannt haben, diese aber mit Gewalt zu bekämpfen suchten, in der Vorstellung, nach der ihnen geboten worden sei, ein Reich Gottes schon auf Erden zu errichten. Dazu ist auch auf die aus geistlicher Sicht katastrophalen Zustände im westfälischen Münster dieser Zeit zu verweisen. Solche meinen wir nicht, wenngleich das Vorgehen Luthers, der die Fürsten zu blutiger Gewalt gegen solche Leute ermutigte, ganz klar abzulehnen war. Licht und Schatten sind in jener Zeit sehr nahe beieinander, so daß es nicht immer leicht ist, beides auseinander zu halten.

[17] Wir sprechen darum von einer Schuldknechtschaft, weil jeder, der unwidersprochen teilhat an den Lehren dieser Kirche, soweit sie falsch sind, damit auch ihre Verfehlungen und übrigens auch die z. T. blutigen Verfolgungen noch im Nachhinein wenigstens unausgesprochen rechtfertigt, die diese Kirche unter Berufung auf dieselben Lehren den Bibelgläubigen angedeihen ließ.

[18] Wir reden hier allerdings nicht tatsächlicher ungeistlicher Schwärmerei (s. Anm. 16) das Wort, sondern verweisen darauf, daß beileibe nicht alles, was das Luthertum für Schwärmerei hielt und (in seinen Nachfolgern z. T. bis in unsere Zeiten hinein) noch hält, darum auch eine solche sein muß.

[19] Solange man Kirchenrecht in der Weise über das Wort Gottes stellt, daß man anderes nicht duldet, werden leider die draußen bleiben müssen, die ihre eigene Trennung überwinden wollen, in der Frage jedoch Gottes Wort übers Kirchenrecht stellen. Aus Sicht der nicht nur in in dieser Frage extrem restriktiven Sächsischen Landeskirche etwa (aber auch der SELK) ist eine Taufe, die sie als Wiedertaufe ansieht, nach wie vor gleichbedeutend mit einem Kirchenaustritt, der nur durch Verleugnung eigener geistlicher Erkenntnis und Taufe wieder rückgängig gemacht werden kann.

   
Wer sich wiedertaufen lässt, bezweifelt die Geltung der als Kind oder Erwachsener empfangenen Taufe und widerspricht der Lehre und Praxis der Taufe in der evangelisch-lutherischen Kirche. (...) Mit einer Wiedertaufe geschieht die Trennung von der Landeskirche, solange die Betreffenden sich nicht von der Wiedertaufe distanzieren und ihr Einverständnis mit Lehre und Praxis der Taufe in der evangelisch-lutherischen Kirche bekunden. In § 13 dazu heißt es: Kommt es im seelsorgerlichen Gespräch zu einer Distanzierung von der Wiedertaufe, ist eine Niederschrift anzufertigen. Wurde eine Urkunde über eine erneute Taufe (Wiedertaufe) ausgestellt, ist sie dem Pfarramt auszuhändigen. War ein förmlicher Kirchenaustritt oder die Feststellung der Trennung von der Landeskirche vollzogen, ist eine Wiederaufnahme erforderlich.

(Aus: Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens: Taufordnung vom 11. April 2005, Art. 10 Abs. 3 (Amtsblatt der Ev. Landeskirche Sachsens, Heft 9 von 2005, Sn. 452 und 454).

[20] Der in solchen Lehren enthaltene und überaus gefährliche Betrug besteht darin, daß paulinischen Aussagen regelmäßig römische Deutungen untergeschoben werden. So schreibt Luther, indem er korrekt beginnt, dann aber sich nicht mehr auf die Bibel, sondern auf die Kirchenlehrer gründet:

    „Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glaube denn für sich selbst, und ohn eigenen Glauben ist niemand zu taufen, wie auch S. Augustin selbst spricht: «Non sacramentum justificat, sed fides sacramenti», das Sakrament macht nicht gerecht, sondern der Glaube des Sakraments. (1525 in: Von dem fremden Glauben und seiner Macht). Interessant ist, daß dieser Passus, wie einige andere auch, von verschiedenen Taufgesinnten oft selbst zitiert wurde, von ihnen offensichtlich aber nicht zu Ende gelesen worden ist, anderenfalls wüßten sie, daß man Luther schwerlich dazu verwenden kann, ihn zur Widerlegung lutherischer Lehren heranzuziehen; ein Irrtum, dem auch der Schreiber dieser Zeilen einige Zeit erlegen gewesen ist. Immer wieder fängt Luther „richtig” an, um dann erneut auf die Straße des römischen Sakramentalismus abzubiegen, wie er durch Augustinus, auf den er sich dabei stets beruft (!), formuliert worden ist.  In dieser steten Unterlegung an sich richtiger Aussagen mit außerbiblischen Deutungen (Kirchenlehren) liegt auch die Irreführung dieser Dogmen begründet. Im Wesentlichen kann man dies als ein Hauptmerkmal der gesamten Vorgehensweise sehen, die aufzeigt, wie befangen Luther im römischen Sakramentsglauben zeitlebens geblieben ist.

   
„Ja ketzerisch ist es, daß . . . ohne Glauben die Gnade durch die Sakramente gegeben werde, auf daß es mit Wahrheit bestehe, was man sagt aus der Lehre S. Augustini: Nicht das Sakrament, sondern der Glaub an das Sakrament macht fromm und selig’”,

    schreibt er in „Deutsch Catechismus” von 1538, und fährt fort, indem er die Taufe zu einem
in sich selbst wirkenden Sakrament erklärt, so ihr nur Worte der Schrift beigefügt würden und man an die Wirksamkeit dieser Taufhandlung glaube, daß sie den Menschen in den Himmel bringe:

   
Was die Taufe sei: nämlich also, daß sie nicht ein bloß schlecht Wasser ist, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefaßt und dadurch geheiligt. Das nichts anders ist denn ein Gotteswasser; nicht daß das Wasser an ihm selbst edler sei denn an der Wasser, sondern daß Gottes Wort und Gebot dazu kommt. . . Darum ist es nicht allein ein natürliches Wasser, sondern ein göttliches, himmlisches, heiliges und seliges Wasser und wie mans mehr loben kann als um des Worts willen, welches ist ein himmlisches, heiliges Wort, das niemand genug preisen kann; denn es hat und vermag alles, was Gottes ist. Daher hat es auch sein Wesen, daß es ein Sacrament heißt wie auch S. Augustinus gelehrt hat. Accedat verbumad elementum et fit sacramentum. Das ist wenn das Wort zum Element oder natürlichen Wesen kommt, so wird ein Sacrament daraus, das ist ein heiliges, göttliches Ding und Zeichen . . . Also hängt nun der Glaube am Wasser (!) und glaubt, daß die Taufe sei, darinnen eitel Seligkeit und Leben ist . . .“

    „Kommt das Wort zum Element, wird daraus ein Sakrament“. An dieser Regel, die
das Wort als eine  in römischen Zeiten noch in Latein erfolgende Formel begreift, die das Element Wasser zum Taufwasser mache, wird das alte magische Verständnis geradezu plastisch veranschaulicht. Wie wir an solchen Beispielen recht unschwer erkennen, ist die alte kirchliche Auffassung „ex opere operato“ (durch bloßen Vollzug) von Luther zwar stets geleugnet, mit ebenso stetem Fleiß aber durchgehalten worden, und auch der Kunstgriff ist beibehalten worden, mit man die Taufe (er bezog sich dabei stets auf die Säuglingstaufe) nur noch in vorzutragende Schriftworte (verstanden wird darunter zumeist der Missionsbefehl nach Mt 28. 18ff) „einfassen“ müsse, damit sie, indem man – wegen des so verwendeten Schriftworts – nur fest genug an sie glaube, durch die Verwendung dieses Wortes und den Glauben daran, daß wir es dabei mit einem wirksamen Handeln Gottes zu tun hätten, in sich „wirksam sei“.  Hier haben wir exakt dieselbe Vorgehensweise vorliegen, nach der den unbiblischen Handlungen biblische Schriftworte unterlegt werden, nur daß sie heute nicht mehr in Latein, sondern in der jeweiligen Nationalsprache erfolgt.

    Damit aber ist das Wesen magischer Vorstellungen nie aufgegeben worden; man hat lediglich noch Schriftworte in eben dieselbe Zauberei, denn um eine solche handelt es sich, mit einbezogen, in der Erwartung, daß diese, im Zusammenhang mit dem, der an sie glaube, die
Taufhandlung gültig machten, so daß dieselbe durch solchen Glauben wirksam“ sei. Am Wesen derselben ändert sich damit nichts: dieselbe Art zu glauben praktizieren die Okkultisten jeglicher Couleur nämlich auch. Man kann sicherlich sagen, daß dieser Sakramentalismus der größte Fallstrick gewesen ist, an dem die Reformatoren, wiewohl sie Glaube und Bibel (siehe die vier reformatorischen Grundsätze sola scriptura, sola fide, sola gratia, solus christus) wieder auf den Leuchter brachten und wir ihnen daher Entscheidendes zu verdanken haben, letztlich haben scheitern müssen. Dieser Fallstrick, der darauf beruht, daß man Erkanntes stets mit Althergekommenem aus kirchlicher Überlieferung zu erklären versucht hat, existiert in der Kirche bis auf den heutigen Tag, und hat sie letztlich zu dem gemacht, was sie bis heute geblieben ist.

[21] Wird erst Christus aus der Mitte verdrängt, was geschieht dann anderes, als daß gleichermaßen auch die Beziehung zu Ihm, die nie eine andere als eine lebendige sein kann, aus der Mitte gedrängt und in der Folge der persönliche Glaube als Weg, der die Erlösung erschließt, zu etwas Obsoletem erklärt wird? Sehen wir nun, wie höchstgefährlich all diese Irrlehren sind?

[22] Wir halten daher die vor allem in evangelischen und evangelikalen Kreisen vorherrschende Auffassung, nach der Maria lediglich als ein Mensch unter vielen anderen verortet wird, für falsch und der biblischen Situation für nicht angemessen. Lukas selbst bezeugt die zweifelsfrei geistgewirkte Aussage, daß Maria ob ihrer besonderen Erwählung von den Menschen gepriesen (wörtlich: benedeit, gesegnet) werden wird (Luk 1. 42 sowie 48 - 49). Mithin hat Maria, die Mutter Jesu, in der Himmelswelt auch einen besonderen Stand; eine notwendige Abgrenzung zu römischen Sonderlehren besteht allein darin, daß eine persönliche Anrufung derselben, etwa in Bittgebeten, nicht statthaft ist. Gott hat solches nirgends geboten. Wir bitten darum unsere geschätzten katholischen Geschwister: Ruft allein Gott an! Jesus ist unser Mittler und vertritt uns vor dem Vater; alle anderen Personen in der Himmelswelt, insbesondere Engel, sind nach Hebräer 1. 14 dienstbare Geister, die allein von Gott ausgesandt werden, wie und wann es Ihm gefällt!

[23]
Die sog. Gute Nachricht (GN) unterstellt Epheser 5. 25 - 26 folgenden Wortlaut: „Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat! Er hat sein Leben für sie gegeben, um sie rein und heilig zu machen im Wasser der Taufe und durch das dabei gesprochene Wort.” Dies ist ein recht eindrucksvoller Hinweis auf das magische Taufverständnis, wie es im Kontext beschrieben worden ist und wie es die kirchlichen Übersetzungen natürlich auch entsprechend auslegerisch eingefärbt hat. Der Grundtext spricht in V. 26 tatsächlich von dem Wasserbad des Wortes bzw. im Wort; damit ist klar, daß das reinigende Wasserbad das des Wortes ist und damit auch die entsprechende Einwirkung desselben Wortes beschreibt; die Taufe wird an der Stelle mit keiner Silbe erwähnt, so daß wir es hier ganz offensichtlich mit einer Verfälschung göttlicher Aussagen – im Sinne der kirchlichen Bekenntnisschriften – zu tun haben. Ein ähnliches „Bibelsurrogat”, die so genannte „Hoffnung für alle” (HfA), unterschiebt in 1Kor 12 in mit größter Wahrscheinlichkeit ebenfalls vorliegender Absicht die Wassertaufe dort, wo Paulus, dem griechischen Text entsprechend, ausschließlich von dem In-den-Leib-Hineingetauftsein durch den Geist Gottes spricht, woraus die verschiedenerlei Gaben und Dienste des Christusleibes resultieren, womit augenscheinlich die magische Irrlehre der Taufwiedergeburt und Zugehörigkeit zur Gemeinde Gottes allein durch die von der jeweiligen Kirche vollzogene Taufe gerechtfertigt werden soll. Dies sind zwei der wohl markantesten Fälle einschlägiger Textfälschung, mit denen eigene Lehre den biblischen Aussagen mehr oder minder geschickt untergeschoben wurde. Siehe hierzu auch die weiter oben stehende Anmerkung unter [20].

[24] Es geht in der Tat nicht um eine Verurteilung der Person Martin Luthers, aber wir müssen eben auch der über viele Generationen hinweg erfolgten Quasi-Vergottung des Lebens und Wirkens dieses Mannes in den evangelischen Kreisen klar entgegentreten, welche im Grunde ein Götzendienst ist, den er niemals gewollt hätte, wie ihm auch die Idee zuwider war, daß Christen sich nach ihm benannten. Wer sich mit Luther beschäftigt, der muß immer auch die Wirren der Zeit und vor allem auch die vielen widrigen Umstände, in denen Luther lebte, im Blick behalten. Luther war vor allem ein Mann seiner Zeit: Er stand relativ allein; wer immer ihn unterstützte, der tat es aus eher selbstsüchtigen und machterhaltenden Gründen, und auch der tief in der Astrologie steckende Freund Melanchthon (Ph. Schwarzerdt) ist ihm in weiten Bereichen ein eher schlechter Ratgeber gewesen. Ein übriges tat der damals an der Tagesordung gewesene Antisemitismus, der er gegen Ende seines Lebens verfiel, und vieles andere mehr. Licht und Schatten liegen auch hier nahe beieinander. Und doch ist er ein Bruder, der uns bis heute vieles zu sagen hat.

[25] Auch das Neue Testament bezeichnet zum Judentum Übergetretene (Konvertiten) nirgendwo als Juden, sondern stets als Proselyten, und Luther hat durchaus recht getan, wenn er diesen Begriff mit Judengenossen wiedergegeben hat. Eine Umdeutung hat dies erst in neuerer Zeit, vor allem durch das liberalere Reformjudentum, erfahren.

[26] Nach: Eugen Edel: Das Symbol der Stiftshütte und die Kirche Jesu Christi, 7. Auflage, Verlag R. F. Edel.

[27] In dem Zusammenhang wäre es geradezu absurd zu behaupten, daß man die Gotteskindschaft jemandem „zusprechen” könne. Dennoch hört man diesen Unsinn auch von schriftgläubigen Leuten immer wieder. Wie man Kind jedoch nur durch die eigene Geburt werden kann, wird man Gotteskind nur durch die eigene Wiedergeburt. Eine Geburt kann nicht „zugesprochen” werden; da ist eine tatsächliche Geburt geschehen, die nicht etwa darum, weil sie eine geistliche ist, weniger real wäre als die natürliche!

[28]  Thyatira befand sich in der Provinz Lydien, die für ihre zahlreichen Färbereien und den Purpurhandel berühmt war. Es liegt also wenigstens die Vermutung nahe, daß die einstmals zum jüdischen Glauben übergetretene Gottesfürchtige (Proselytin) Lydia auch als die Lydierin gelesen werden kann.

[29] Auch Werner de Boor kommt in der „Wuppertaler Studienbibel” zu keinem anderen Schluß, wenn er schreibt: „Lydia wird unverheiratet gewesen sein.” (WStb. zu Apostelgeschichte 16. 16 - 40, Seite 296).


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Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus
, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 1985” sowie

Die Bibel / Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen / Version 2000 / Neue revidierte Fassung / GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969




Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Die vorliegende Schrift ist am 10. 06. 2014 zuletzt bearbeitet worden.


© 2003 - 2011



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