Von Angesicht zu Angesicht (1)


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VON ANGESICHT
ZU ANGESICHT

Verlust und Wiederherstellung

der Unmittelbarkeit

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Eine Abhandlung

über heutige Gemeindestrukturen

und ihre Beurteilung aus

biblischer Sicht.



Verschiedene Studien.
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1. Moses Wege


Inhalt

Jethro, der Priester Midians * Jethros Rat: verhängnisvolle Umkehrung * Jethros Opfer und die Elohim: Woher, Wohin? *
Rückblick I: Trennung und Wiedersehen * Der Blutsbräutigam * Mose inmitten Israels - Wiedersehen am Horeb *
Das Opfer, Mittler eines Bundes * Jethro bewundert Jahwe, den Stärkeren, und bleibt doch Midians Priester *
Exkurs: Der Eine Gott Jahwe und die vielen Elohim * Heilige Seinen Namen * Nach dem Opfer: Jethros Ordnung *
Rückblick II: Moses Flucht und Sitzhabe am Brunnen Midians * Erinnerung an Abraham: Keine Vermischung *
Midians Fleisch und Blut oder Vom Übertreten der Gebote Gottes * Jethros Einfluß – Sauerteig der Vermischung: Wirst Du unbrauchbar? *
Von Midians Hinterlist, Moses Zorn und einem verborgenen Grab * Das Anrecht Midians und der Herausruf in die Ordnung Gottes *
Von Unnützem und Stolpersteinen: Achte auf Deine Nachkommen * Die siebzig Ältesten - eine prophetische Darstellung des Neuen Bundes *
Vom Hören der Stimme Gottes zur Vermittlung unter dem Gesetz * Das goldene Kalb mit dem Namen Gottes: Baust Du selbst?



Titel
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Jethro, der Priester Midians

    In der vorliegenden Abhandlung wird uns die heute meistenteils anzutreffende hierarchisch anmutende Struktur als Bestandteil der meisten uns bekannten Kirchen, Freikirchen und diversen Denominationen beschäftigen. Diese Führungsstruktur versteht sich regelmäßig als eine geistliche Oberschicht, d.h. eine dem vermeintlichen „Volk” vorstehende Führerschaft, unter die unterzuordnen sich dieses „Volk” gerufen fühlen soll. Um diese Vorstellung zu untermauern, wird vielfach ein Geschehen des Alten Bundes bemüht, das in bestimmten Kreisen auch als „Ordnung Jethros” bezeichnet und als solche als Modell gemeindlicher Strukturen angesehen wird, dem es nachzueifern gelte. Diese Ordnung war dem Wesen nach jedoch eine unzweideutig von Menschen eingerichtete Struktur, nach der das sich im Alten Bund befindliche Volk Gottes unter Mose zeitweise angeführt und in ihm Recht gesprochen wurde. Unser vorliegendes Schriftwort aus 2Mo 18. 13 - 27 beschreibt diese Vorgänge recht plastisch. Der biblische Zusammenhang ergibt allerdings, daß dieselben nie etwas mit dem Bund Gottes zu tun gehabt haben; Gott hatte dies nicht angeordnet.

    Im Nachfolgenden soll diese Ordnung daher eingehend untersucht und ihre Anwendung nicht nur in Bezug auf das alte Bundesvolk, sondern vor allem auf die Gemeinde des Neuen Bundes kritisch, d.h. aus der Sicht des Wortes Gottes, hinterfragt werden, und das sollte sie auch. Wenn wir die Schrift unvoreingenommen und ohne die vielen sowohl kirchlichen als auch auch freikirchlich implementierten Dogmen und menschlichen Vorgaben studieren, werden und müssen sich sowohl die Nutzlosigkeit dieser Ordnung als auch ihr Überholtsein, ihre innere Widersprüchlichkeit, ja mehr noch, die in ihrer Anwendung verborgenen immensen Gefahren für den Weg der neutestamentlichen Gemeinde deutlich werden, die allerdings auch schon auf dem Weg Israels sichtbar wurden. Wir werden auch zu untersuchen haben, wie es zu dieser Ordnung und ihrer bereitwilligen Aufnahme in Israel kam, und welche inneren Beweggründe und Verhaltensweisen Moses zu diesem Weg führten. Ebenso werden uns ihre tatsächlichen Ergebnisse und Früchte
als weitere Begleitumstände auf dem Weg des Gottesvolkes in das verheißene Land – zu interessieren haben. Lesen wir nun:

    13 Am nächsten Morgen saß Mose, um das Volk zu richten. Und das Volk stand vor Mose vom morgen bis zum Abend. 14 Als der Schwiegervater des Mose sah, was er alles für das Volk tat, sagte er: Was ist das für eine Sache, die du für das Volk tust? Weshalb sitzt du für dich allein, während sich das gesamte Volk vor dir vom Morgen bis zum Abend aufgestellt hat? 15 Da sagte Mose zu seinem Schwiegervater: Weil das Volk zu mir kommt, um Elohim zu befragen. 16 Wenn es bei ihnen eine Rechtssache gibt, kommen sie zu mir, und ich richte zwischen einem Mann und seinem Nächsten, und ich mache ihnen die Satzungen des Einen, Elohim, bekannt, samt Elohim und seinen Gesetzen.

    17 Da sagte der Schwiegervater des Mose zu ihm: Die Sache, die du tust, ist nicht gut; 18 du wirst dich aufreiben, dich selbst wie auch dieses Volk, das bei dir ist; denn diese Sache ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein ausführen. 19 Nun höre auf meine Stimme, ich will dich beraten, und möge Elohim mit dir sein. Sei du da für das Volk gegenüber dem Einen, Elohim, und bringe du alle Frage vor den Einen, Elohim. 20 Warne sie betreffs der Satzungen und der Gesetze und mache ihnen den Weg bekannt, in welchem sie wandeln und die Werke, welche sie vollbringen sollen. 21 Dazu ersieh du dir aus dem ganzen Volk fähige Männer, die Elohim fürchten, Männer der treue, die Gewinn hassen. Setze diese über sie als Oberste über tausend, Oberste über hundert, Oberste über hundert, Oberste über fünfzig und Oberste über zehn. 22 Sie sollen das Volk zu jeder Zeit richten. Doch jede große Rechtssache sollen sie vor dich bringen, aber jede kleine Sache sollen sie selbst richten. Damit erleichtere dich von dem, was auf dir liegt, und laß sie es mit dir tragen. 23 Wenn du diese Frage so lösen wirst, dann wird Elohim auch weiterhin gebieten, damit du in allem bestehen kannst. Auch wird dieses Volk in Frieden an seine Stätte zurückgehen.

    24 Und Mose hörte auf die Stimme seines Schwiegervaters und verfuhr in allem, wie er gesagt hatte. 25 Mose erwählte fähige Männer aus ganz Israel und setzte sie als Oberhäupter über das Volk ein: Oberste über tausend, Oberste über hundert, Oberste über fünfzig, Oberste über zehn. 26 Diese richteten das Volk zu jeder Zeit: die schwierige Rechtssache brachten sie vor Mose, aber jeder kleine Sache richteten sie selbst. 27 Dann entließ Mose seinen Schwiegervater, und er ging für sich in sein Land zurück.

2Mo 18. 13 - 27

    Kommen wir also zu dem Geschehen selbst. Es beschreibt einen Rat, den Mose empfing, nachdem er das Volk Israel aus Ägypten geführt hatte und sich nun der Aufgabe gegenübergestellt sah, in ihm Recht zu sprechen und ihm den Willen Jahwes kundzutun. Das Volk hörte also nicht selbst von Gott, sondern stand vom Morgen bis zum Abend vor Mose, um von ihm Weisung zu erhalten (2Mo 18. 13). Nachdem in den Augen Jethros, seines heidnischen Schwiegervaters, nicht aber in den Augen Moses selbst, für diesen seine Arbeit zu umfangreich zu sein schien und vorgeblich nicht mehr allein zu tragen gewesen wäre, wurden nun auf den Ratschlag Jethros hin Leiter unter ihm erwählt, unter denen nun – gewissermaßen einer hierarchischen Struktur entsprechend – wiederum untergeordnete Leiter waren, „Oberste über Tausend, Oberste über Hundert, Oberste über Fünfzig, Oberste über Zehn”, unter denen dann eine Leitung und Ausrichtung des Volkes bis in die Volksgruppen (Stämme) und Sippen hinein ausgeübt werden sollte. Mit Recht ist diese Anordnung immer wieder in Frage gestellt worden, ist doch offensichtlich, daß diese nicht von Gott ausgegangen war. Von Jahwe ist darin keine Rede. Wir erkennen darin also eine pragmatische, menschliche Ordnung, da es sich es sich bei dieser Vorstellung um den Rat eines Menschen, nicht aber um eine Weisung Gottes handelte. Diese Ordnung gehört ganz klar noch in die Zeit des Alten Bundes. Damit hat sie schon aus diesem Grunde für den Neuen Bund keinen Bestand. –

    Dieser Rat Jethros, nach dem eine in sich gestaffelte Leiterschaftshierarchie in das Volk hinein zu implementieren war, war dem Mose jedoch so hilfreich erschienen, daß dieser ihn sogleich übernommen hatte. Auch in späteren Tagen wird sich Mose wieder darauf beziehen, als er zum Volk spricht, ohne allerdings Jethro dabei zu erwähnen (5Mo 11. 9 - 18). Der aufmerksamere Leser wird jedoch bald erkennen, daß diese Ordnung an keiner Stelle von Gott angewiesen worden war. Nichts davon wird uns überliefert. Wohl spricht Jethro von Elohim, einem Gott, aber er redet nicht von Jahwe, dem Gott der Israeliten. Selbst wenn Jethro der festen Überzeugung ist, daß dieser El der Eine, Wahre, beiden gemeinsame ist, so ist es doch nicht dieser eine, wahre Gott, der hier spricht, sondern Jethro, ein heidnischer Priester, mithin also Vermittler eines anderen. Daher werden wir uns mit dieser Vorstellung viel eher als von der einer Falle zu beschäftigen haben, die der Feind ganz offensichtlich aufgerichtet hatte, und in die Israel nur allzu bereitwillig hineingetappt war. Diese Falle vermag der Umstand deutlich zu machen, daß Gott sie angewiesen hatte, unbedingt und allein Seine Stimme zu hören, um Gelingen zu haben. Mose sollte von Gott hören, und sein Bruder Aaron sollte die Worte von Mose empfangen und dann an das Volk weitergeben, eine klare Anordnung, die Gott für den Auszug aus Ägypten bis in das verheißene Land hinein erlassen hatte (2Mo 4. 10 - 16). Gott hatte die Beiden somit zum Dienst zusammengestellt. Diese Art der Führung war lange Zeit in Treue durchgehalten worden (vgl. 2Mo 16. 2). Hier aber saß Mose allein und sprach zu dem Volk. Bereits hier erkennen wir ein Übertreten der Weisung Gottes, ein Umstand, den wir im Folgenden immer wieder begegnen werden. Aufgrund dieser Übertretung findet nun ein anderer Raum, und drängt geradezu hinein, um ihn auszufüllen. So spricht nun ein anderer, ein Mensch, und kommt Gott zuvor.


Jethros Rat: verhängnisvolle Umkehrung

    Nicht Gott, sondern Jethro tritt jetzt zuerst auf und sagt dem Mose: „Nun höre auf meine Stimme, ich will dich beraten, und möge Elohim mit dir sein.” (Vers 19a). Gott wird hier also ganz klar an die zweite Stelle gesetzt, erst nachdem die Stimme Jethros zu hören war. Aber nicht nur das, sondern Gottes Anweisung wird dazu noch in ihr Gegenteil verkehrt: „Sei du da für das Volk gegenüber dem Einen, Elohim, und bringe du alle Fragen vor den Einen, Elohim” (19b). So sollen nicht mehr die Wege Gottes zum Volk, wie Gott gesagt hatte, sondern die Wege und Fragen des Volkes zu Gott gebracht werden, damit dieser aus den Anliegen des Volkes Antworten „machen” soll, die dem Volk nun als Weisungen und Gesetze zu verkünden seien (Vers 20). Der Wille Gottes wird hier ganz geschickt in sein Gegenteil verkehrt; es wird nicht mehr von Seiner Weisung ausgegangen, sondern von den vorgeblichen Bedürfnissen des Volkes. Bereits hier also wird eine Frömmigkeitsform dargestellt, deren Mittelpunkt nicht mehr die Willensbekundungen Gottes, sondern das Wohlergehen des Menschen darstellt eine Art der Frömmigkeit, die aus unseren Tagen leider nicht ganz unbekannt sein dürfte. Und weiter sagt Jethro: Wenn du diese Frage so (d. h. diesem Vorschlag gemäß) lösen wirst, dann wird Elohim auch weiterhin gebieten, damit du in allem bestehen kannst. Auch wird dieses Volk in Frieden an seine Stätte zurückgehen” (Vers 23). Das Handeln Gottes wird damit endgültig aus dem Kontext Seines Willens herausgelöst und von dem Befolgen menschlicher Vorgaben abhängig gemacht. Vermittlung tritt damit an die Stelle Gottes und will Sein Reden ersetzen, ja erklärt sich zur Vorausbedingung, um Gott zu hören. Spätestens dann jedoch, wenn wir erkennen, daß Israel auf diesem Weg nicht in das ihm verheißene Land gelangt war, wie Jethro versprochen hatte, bemerken wir, daß Mose hier einer Lüge aufgesessen war, so daß wir ihn nach all den nicht aufgegangenen Versprechungen Jethros klagen hören:

    „Warum tust du so übel an deinem Knecht? Und warum finde ich nicht Gnade vor deinen Augen, daß du die Last deines ganzen Volkes auf mich legst?... Ich kann dieses Volk nicht allein tragen; denn es ist mir zu schwer.”
4Mo 11. 11, 14 (Schlachter)

    Diese Angelegenheit ist eine der tragischsten der Heiligen Schrift überhaupt – lehrt sie uns doch, nicht auf Vermittlung zu hoffen, sondern in allem unserem Gott zu folgen – allein und so, wie Gott gesagt hatte.
Wer anders handelt, wird, oft allem Anschein zu Trotz, am Ende dennoch scheitern müssen.

    Jethro hatte die Taten Gottes verbal zwar durchaus gutgeheißen, ja schien Ihm später sogar ein Opfer darzubringen (2Mo 18. 8 - 12). Und doch war er keineswegs ein Priester Gottes, sondern der Priester der Midianiter (2Mo 3. 1), also der Vertreter des heidnischen Götzendienstes seines Volkes schlechthin, ein Götzenanbeter, der nach diesem Geschehen schließlich doch wieder Gottes Volk verlassen hatte und zu dem Seinen zurückgekehrt war (2Mo 18. 27). Dieses Heidentum erzeigt sich auch anhand der Bezeichnung für den Gott, den er meinte; er spricht, was seine Gottesbeziehung angeht, einfach nur von Elohim, dem Gott oder den Göttern, obwohl der Name des Gottes Israels, Jahwe, längst bekannt war. Hier wird also etwas ganz offensichtlich verschleiert; wird die Dunkelheit zum Licht erklärt. Damit wollen wir uns nun beschäftigen.


Jethros Opfer und die Elohim: Woher, Wohin?

    Wer also war der Gott, dem Jethro geopfert hatte, in Wirklichkeit? Was war dem vorausgegangen? Dies herauszufinden ist nicht ganz einfach; hier müssen wir ein wenig graben und vor allem das Wort selbst sprechen lassen. Wir werden die hier benötigten Informationen nicht mit Hilfe zweier oder dreier Schriftstellen gewissermaßen „auf dem Silbertablett serviert” bekommen. Das Verständnis dieser doch sehr komplexen Sachverhalte erfordert eine etwas weitreichendere Schriftkenntnis und vor allem auch eine Kenntnis der entsprechenden Hintergründe. Beachten wir dabei auch, daß kein Schriftwort Sache eigener Auslegung ist (2Ptr 1. 20). Eine gewisse Tradition mag an anderer Stelle eine Hilfe sein; gerade hier ist sie es nicht. Das Wort Gottes legt sich anhand seiner Zusammenhänge und gedanklichen Querverbindungen stets selbst aus; diese zu erforschen, ist unsere Aufgabe, nicht aber eine willkürliche Beschreibung einzufügen, die vielleicht in eine vorhandene Lehrmeinung oder Gedankenstruktur passen könnte. Hier aber haben wir auch die Schwierigkeit vorliegen, daß nahezu alle gängigen Übersetzungen nicht frei von gewissen Eigeninterpretationen zu sein scheinen. Sehr hilfreich für unsere Erkenntnis ist es jedoch, wenn wir jede biblische Gestalt, die es einzuordnen gilt, immer daraufhin untersuchen, woher sie kommt und wohin sie geht. Kommt sie von Gott, geht sie zu Ihm? Oder kommt sie von woanders her, geht sie woanders hin? Lesen wir zunächst folgendes:

    1 Jethro, der Priester von Midian, der Schwiegervater des Mose, hatte alles gehört, was Elohim für Mose und für Israel, Sein Volk, getan hatte, als Jahwe Israel aus Ägypten herausgebracht hatte... 5 Da kam Jethro, der Schwiegervater des Mose, mit dessen Söhnen und dessen Frau zu Mose in die Wildnis, wo er dort am Berg des Einen*, Elohim, lagerte, 6 und er ließ Mose sagen: Ich, dein Schwiegervater Jethro, komme zu dir, samt deiner Frau und ihren beiden Söhnen mit ihr. 7 Da ging Mose hinaus, um seinem Schwiegervater zu begegnen, und er beugte sich nieder und küßte ihn. Nachdem jeder seinen Nächsten nach seinem Wohl gefragt hatte, kamen sie zum Zelt, 8 und Mose erzählte seinem Schwiegervater alles, was Jahwe an dem Pharao und an Ägypten betreffs Israels getan hatte, von all dem Ungemach, das sie auf dem Weg erreicht hatte, und wie Jahwe sie geborgen hatte. 9 Da war Jethro erfreut über all das Gute, was Jahwe für Israel getan hatte, welches Er aus der Hand Ägyptens geborgen hatte. 10 So sagte Jethro: Gesegnet sei Jahwe, der euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand des Pharao geborgen hat, der das Volk aus der Hand Ägyptens geborgen hat. 11 Nun weiß ich, daß Jahwe größer als alle Götter (wörtlich: Elohim) ist, wegen der Sache, worin sie gegen sie vermessen waren. 12 Dann nahm Jethro, der Schwiegervater des Mose, Aufsteig- und Schlachtopfer für Elohim, und Aaron und alle Ältesten Israels kamen, um mit dem Schwiegervater des Mose vor dem Einen, [1] Elohim, Brot zu essen.
2Mo 18. 1, 5 - 12

    Auch hier wird unsere Frage nach der Herkunft Jethros beantwortet, und zwar schon im ersten Vers: er ist der Priester Midians. Bereits am Anfang haben wir uns ja mit der Frage beschäftigt, und den Zusammenhang Midians mit dem anderer Götter beleuchtet. Aus unserem Text geht nun hervor, daß Jethro zwar den Gott Israels lobt und seine Taten anerkennt, dabei aber seinen Gott zu keiner Zeit aus den Augen zu verlieren scheint. Dies läßt sich leider bei keiner der sonst üblichen Übersetzungen nachvollziehen, da die im Grundtext enthaltenen Namen Gottes in ihnen nicht oder kaum angeführt werden; man umschreibt sie lediglich mit den völlig unzureichenden Bezeichnungen „Gott”, „Herr” oder auch „HERR”, womit die verschiedenen Namen oder Bezeichnungen lediglich angedeutet und unterschieden werden. Auch scheint dabei häufig die jeweilige Lehrtradition, sei sie nun kirchlicher oder freikirchlicher Art, übernommen und in die Übertragungen hineininterpretiert worden zu sein. Hier aber erkennen wir alsbald, wenn wir genau lesen, daß verschiedene Indizien dafür sprechen, daß Jethro nicht dem Gott Israels, sondern seinem Gott geopfert hatte, und die Ältesten Israels samt Aaron dazu verleitet hatte, gemeinsam mit ihm an diesem Opfer teilzuhaben und angesichts seines Gottes, seines Elohim, mit ihm zu essen.

    Lesen wir nun nochmals die Rede Jethros, in der er zunächst seiner Anerkennung über die Taten Jahwes Ausdruck verliehen hatte: „Gesegnet sei Jawe, der euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand des Pharao geborgen hat, der das Volk aus der Hand Ägyptens geborgen hat. Nun weiß ich, daß Jahwe größer als alle Götter (wörtlich: Elohim) ist, wegen der Sache, worin sie gegen sie vermessen waren” (Verse 10 - 11). Nachdem er dies gesagt hat, vollführt Jethro, Midians Priester, nicht aber ein Glied des Volkes Gottes ein Opfer; man sitzt und ißt dann angesichts des Gottes, dem Jethro geopfert hat. Hier ist zu beachten, daß Jethro zwar davon spricht, daß Jahwe größer als alle anderen Götter sei. Es wird uns aber nicht gesagt, daß Jethro diesem Jahwe nun auch geopfert habe [2]; die Rede ist von Elohim, einem Gott, oder Göttern. Die traditionelle Auslegung, daß Jethro dem Gott Israels, und damit unserem Gott ein Opfer dargebracht habe, läßt sich aus diesen Sätzen gerade nicht entnehmen. Noch erscheint uns jedoch die ganze Angelegenheit in einem gewissen Dunkel, so daß wir auf das zuvorige Geschehen eingehen müssen.


Rückblick I: Trennung und Wiedersehen

    Mose hatte das Volk Israel, nachdem er für vierzig Jahre bei den Midianitern gelebt hatte, gerade aus der Sklaverei Ägyptens durch das Rote Meer geführt. Anfangs noch war er vor Pharao geflohen, nachdem ruchbar geworden war, daß er einen Ägypter erschlagen hatte, weil dieser einen Hebräer mißhandelt hatte. Die Flucht führt ihn nach Midian – in die Arme Jethros, des Priesters Midians. Er wird dann eine seiner Töchter heiraten und mit ihr zwei Söhne haben. Diese Beziehung macht ihn zu einem Mitglied der Familie Jethros und unterwirft ihn damit deren Einflüssen, ja Herrschaft. Dazu müssen wir bedenken, daß der Bräutigam sich dem Vater der Braut zu unterwerfen hatte – er galt gewissermaßen als dessen Besitz, ebenso dessen Kinder (vgl. die Geschehnisse um Jakob, Rahel und Lea in 1Mo 29 - 31; ähnlich auch die Gesetzgebung für die Knechte in 2Mo 21. 4). Der Schwiegersohn hatte also um seine Braut zu dienen. Indem Jethro Mose seine Tochter zur Frau gibt, macht er ihn zu einem, zu seinem Schafhirten. So muß Mose die Schafe seines Schwiegervaters Jethro hüten, und zwar für ganze vierzig Jahre.  Gott läßt dies zu!

    Als die vierzig Jahre um sind, erscheint ihm Jahwe, der Gott Israels, in einem brennenden Dornbusch, der sich dabei nicht verzehrt (2Mo 2 - 3). Er weist ihn an, zurück nach Ägypten zu gehen, um sein Volk aus seiner Hand zu fordern, und es schließlich in die Freiheit zu führen. Mose verläßt daraufhin Jethro, und geht aus Midian heraus. Hierbei verschweigt er Jethro die wahre Ursache seiner Reise. Von Gottes Auftrag sagt er ihm kein einziges Wort. Statt dessen ist zu lesen:

    „Laß mich doch gehen, damit ich zu meinen Brüdern zurückkehren möge, die in Ägypten sind, um zu sehen, ob sie noch unter den Lebenden sind. Da antwortete Jethro zu Mose: Geh hin im Frieden!”
2Mo 4. 18 - 19a

Mose spricht nicht einmal die Existenz eines anderen Volkes an, aus dem er kommt; er spricht lediglich von seinen Brüdern, die in Ägypten sind. Für die Midianiter selbst galt er, solange sich dies aufrechterhalten ließ, als ägyptischer Mann [3]
(2Mo 2. 19). Innerlich befindet sich Mose noch immer auf der Flucht. Nur Jahwe selbst kennt die Ursache auch seines Zögerns und, als Moses Verfolger nicht mehr am Leben sind, drängt er Mose geradezu:

    „Geh! Kehre nach Ägypten zurück, alle die Männer, die nach deinem Leben trachteten, sind gestorben” (Vers 19b).

    Mose gehorcht. Zunächst nimmt er Zippora, seine Frau, und ihre beiden Söhne mit. In der Wüste Ägyptens aber trennt er sich von ihnen, und sendet sie zu ihrem Vater zurück.


    Hierzu lesen wir:

    „So nahm Mose seine Frau und seine Söhne, ließ sie (Plural!) auf Eseln reiten und kehrte (Singular!) in das Land Ägypten zurück” (Vers 20a).

    Man beachte hier die Zeitformen der Verben: Sie, die Frau und die Söhne, reiten davon; er selbst aber kehrt für sich allein nach Ägypten zurück, aus dem er einst, vor nun mehr als vierzig Jahren, geflohen war. Das verwendete Wort reiten (hbr. raka´bh) bezeichnet eigentlich ein schnelles Dahinfahren, ein Davoneilen. Es wird für ein schnell dahinfahrendes Wesen, Gefährt oder Reittier verwendet. Hier dient der Esel als Reittier. So also trennt Mose sich von seiner Familie; er läßt sie davoneilen, rasch von ihm weg. Nun erst wird gesagt, daß er – endlich – den Stab Gottes in seine Hand nimmt (Vers 20b), und nun erst kann Gott zu ihm auch ein weiteres Mal sprechen und ihm Seine Pläne mitteilen (Verse 21 - 22). Hier, in der Entsendung seiner Frau, finden wir alle Gegebenheiten einer nach damaliger Sitte rechtsverbindlichen Scheidung vor. Die Frau, von der der jeweilige Mann sich trennte, wurde dabei, einschließlich ihrer Kinder, stets wieder zu ihrem Vater zurückgeschickt; eine Praxis, die später auch in das Gesetz Israels Eingang gefunden hat. Sie unterstand, wenn sie nicht erneut geheiratet wurde, immer ihrer Sippe. Ein weiteres Indiz für eine solche Scheidung finden wir auch in dem Umstand vor, daß vor dieser Trennung die Söhne Beider als die Söhne Moses, danach aber nur noch als die Söhne Zipporas angesprochen werden (2Mo 4. 20 und 24).


Der Blutsbräutigam

    Schließlich, Mose ist schon nicht mehr dabei, wird Jahwe den Ältesten der beiden Söhne angreifen, um ihn zu töten (2Mo 4. 24). Hier geht es nicht um Mose; diverse Bibelübersetzungen, so z. B. die ansonsten hervorragende Menge-Übersetzung, geben hier falsch wieder. Mose selbst war ja beschnitten, da dies bei Hebräern seit Abraham gültige Praxis war. Jeder Knabe im Alter von acht Tagen war demnach zum Zeichen des Gottesbundes zu beschneiden (1Mo 17. 9 - 13). Auch würde die Tochter Pharaos ihn anderenfalls wohl kaum als einen hebräischen Knaben identifiziert haben, als sie ihn, drei Monate alt, aus dem Wasser gezogen hatte (2Mo 2. 6). Gott will hier offenbar den Erstgeborenen Moses treffen, den, der aus Vermischung mit fremdem Blut hervorgegangen ist (vgl. Off 2. 20 - 23). Er wird damit, Seiner Verheißung gemäß, den ausrotten, der zu den Fremdlingen gehört und unbeschnitten ist (1Mo 17. 14). Seine Linie wird damit abgebrochen, ähnlich wie dies später auch bei den Erstgeborenen Ägyptens geschehen wird, als das Volk Israel aus ihrer Mitte ausziehen soll. Mose hatte ja eine midianitische Familie; die Söhne waren deshalb offensichtlich nicht beschnitten worden. Zippora beschneidet nun den Erstgeborenen mit einem dort vorgefundenen scharfen Stein und kann damit dem Angriff Jahwes gerade noch entgehen. Von der Praxis der Beschneidung dürfte sie von Mose erfahren haben; auch dürfte sie gewußt haben, daß es sich bei dem Angreifenden um Jahwe, den Gott der Hebräer gehandelt hatte. Andererseits war bzw. ist aber eine Beschneidungspraxis auch bei Anhängern heidnischer Gottheiten nicht unbekannt. Dieser Gedanke kann hier jedoch vernachlässigt werden. –

     Allerdings liegt hier auch eine Besonderheit vor. Zippora beschneidet ihren Sohn selbst, was äußerst unüblich war. Dies erklärt sich jedoch rasch – es war ja kein Mann zugegen. Sie berührt mit der Vorhaut des Sohnes dessen Füße und sagt zu ihm: „Blutsverwandt bist du mir” (2Mo 4. 25). Die meisten gängigen Übersetzungen geben die Fügung jedoch mit „Blutsbräutigam” wieder. Hier geht es also um Verwandtschaft, um Zugehörigkeit, die erneut zu definieren ist; jedoch ist vor allem zu bedenken, daß der älteste Sohn stets die Vaterrolle innehatte, solange es in der Familie keinen Mann gab. Der Vater ist Haupt der Familie und damit ihr Schutz; deshalb erklärt Zippora ihren Sohn nun zu ihrem Blutsbräutigam – zu ihrem Haupt, unter dem sie sich nun zu bergen sucht. Diesen Vorgang versinnbildlicht sie mit dem Berühren seiner Füße. Die, die die Füße berührt, sitzt zu den Füßen, unter einem Haupt (vgl. Rt 3. 1 - 10, 4. 7 - 13). Dieser Zusammenhang von Verwandtschaft, ja Hauptschaft mit der Beschneidung wird im nachfolgenden Satz kurz erklärt:

    „Damals sagten sie ‘blutsverwandt’ (oder Blutsbräutigam) auf die Beschneidungen hin” (2Mo 4. 26).
 
    Dieses Vorgehen war also damals allgemein übliche Praxis und hat in diesem Falle nichts mit dem Bund Jahwes zu Seinem Volk zu tun. [4]


    Daß es nicht Mose gewesen sein kann, der hier angegriffen wurde, ist auch klar, wenn wir bedenken, daß Gott ihn vorher noch nach Ägypten gerufen hatte, um Sein Volk aus der Sklaverei zu führen. Mose war ja gerade seinen Weg weitergezogen, und hatte seine Familie davonreiten lassen. Auch kann Gott nicht erst jetzt aufgefallen sein, daß Moses Söhne nicht beschnitten gewesen sind; es gibt ja nichts, was Ihm auch nur zu irgend einer Zeit entgehen könnte. Darum geht es hier nicht. Vielmehr ist anzunehmen, daß Gott Moses Söhne verschont hatte, solange er selbst noch bei ihnen war – also um Moses, seines Fleisches und Blutes willen. Mose, der als ihr Vater auch ihr Haupt war, stellte damit auch einen Schutz für sie dar. Nun aber, da er sich von ihnen getrennt hat, ist auch ihr Schutz von ihnen gewichen. Die Annahme, daß Gott habe Mose töten wollen, entpuppt sich daher weder als stichhaltig, noch ist sie in sich logisch. Hier wird jedoch deutlich, daß Jahwe diese Verbindung nicht wollte; sie ist für Ihn auch nicht in irgend einer Weise relevant. In dem nachfolgenden Geschlechtsregister werden zwar die Söhne Aarons, nicht aber die Söhne Moses aufgeführt; sie tauchen in der Geschichtsschreibung nicht wieder auf und spielen im Volk Gottes keinerlei Rolle. Die Linie Moses innerhalb des Volkes Gottes versiegt mit seinem Tode; er hat darin keine Nachkommen mehr – die Söhne, die Mose in Midian hatte, gehören nicht zu Israel und werden daher nicht mitgerechnet (2Mo 6. 14 - 26). [5]


Mose inmitten Israels - Wiedersehen am Horeb

    Schließlich erreicht Mose Ägypten und fordert von Pharao die Freilassung Israels. Mit überragenden Wundern und Zeichen, Plagen und Gerichten auf Seiten der Ägypter wird Gott sie aus Ägypten herausführen. Er teilt ihnen das Rote Meer und läßt es über den nachjagenden Ägyptern wieder zusammenschlagen. Über alle Maßen erfahren sie ihre wunderbare Errettung und die nachfolgende Versorgung Jahwes, ihres Gottes. Sie erleben auch, wie Jahwe ihnen Sieg über Amalek gibt, der sich ihnen in den Weg gestellt hat. Schließlich lagert Israel in der Wüste, um zu rasten. Bezeichnend ist dabei, daß Mose an keiner Stelle diesen Rastplatz verlassen hat, obwohl dies naheliegen müßte. Er geht also aus sich heraus nicht zu den Midianitern zurück. Nichts davon wird berichtet. Hieran erkennen wir, daß er seine Trennung von seiner midianitischen Familie keineswegs als nur vorübergehend angesehen hat. Für ihn war diese Trennung eine endgültige Scheidung.

    Und doch wird Mose nach diesen Ereignissen seine Familie wiedersehen, und mit ihr auch seinen heidnischen Schwiegervater. Wie gesagt: es ist bezeichnend, wie die Umstände dieses Wiedersehens ablaufen. Mose ist mit seinem Volk aus Ägypten gekommen; sie lagern in der Wüste am Berg Horeb, nicht weit von den Midianitern, aber, da sie am Horeb waren, doch von ihnen entfernt (vgl. 2Mo 3. 1). Gott also hat sie zu genau der Stelle geführt, wo Er dem Mose einst im brennenden Dornbusch begegnet war und sich ihm als Jahwe zu erkennen gegeben hat. Dort lagern sie, nicht bei den Midianitern. Ganz sicher soll diese frühere Verbindung auch vor dem eigenen Volk nicht kund werden. Nicht Mose geht nun zu Jethro, sondern Jethro kommt zu ihm heraus, und bringt Zippora und ihre beiden Söhne mit. Hier wird nun das bekräftigt, was vorstehend gesagt worden ist:

    „Und Jethro, der Schwiegervater des Mose, nahm Zippora, die Frau des Mose, nach ihrer Entlassung zu sich, samt ihren beiden Söhnen.”
2Mo 18. 2

    Auch hier ist wieder die Rede von den Söhnen Zipporas. Nachdem dieselben uns beschrieben werden, heißt es jedoch:

    „Da kam Jethro, der Schwiegervater des Mose, mit dessen Söhnen und dessen Frau in die Wildnis, wo er dort am Berg des Einen, Elohim, lagerte.”
2Mo 18. 5

    Dabei aber begegnet er ihm doch nicht selbst, sondern entsendet einen Boten:

    „...und er ließ Mose sagen: Ich, dein Schwiegervater Jethro komme zu dir, samt deiner Frau und ihren beiden Söhnen mit ihr” (Vers 6).

    Jethro ist sich also ganz offensichtlich nicht sicher, ob Mose ihm empfangen würde, und hat daher einen Vermittler eingeschaltet. Anschließend macht er sich selbst auf den Weg. Dann erst geht Mose zu ihm heraus, um ihm auf halbem Weg zu treffen. So kommen sie aufeinander zu und begegnen sich; wobei Mose sich ihm erneut unterwirft – er fällt vor ihm nieder, wirft sich vor ihm hin (Vers 7 wörtlich). Schließlich erreichen beide gemeinsam Moses Zelt, in dem Mose seinem Schwiegervater alles berichtet, was sich bis dahin ereignet hat (Vers 8).



Das Opfer, Mittler eines Bundes

    Die Berichte Moses über die großen Taten Jahwes geben in den Augen Jethros jedoch nur scheinbar Anlaß zur Freude. Die gängigen Übersetzungen legen dies zwar nahe. Baader übersetzt hier jedoch exakt nach dem Grundtext:

    „Und Jitro´ wurde einig aufgrund all des Guten, welches JHWH dem Israel getan, daß Er es überschattete, weg von der Hand Mizrajims.” [6] (V. 9)

    Nach: Die Geschriebene des Alten Bundes, Übersetzung nach F. H. Baader.

    Einig werden lautet im Hebräischen chada´h; sich freuen jedoch ssama´ch. „Chag sameach!” – das ist der Gruß, mit sich die Juden noch immer an hohen Festtagen grüßen und Einander Gutes – einen Freudentag – wünschen. Hier aber steht nichts davon, daß man sich freuen solle. Das Wort einig werden – auch im Sinne von schlüssig geworden sein – steht zudem in der Vergangenheitsform, nicht aber sich freuen in der Gegenwart. Offensichtlich hat man hier, da man den Text inhaltlich nicht verstanden hat, chada´h fälschlicherweise mit sich freuen übersetzt, da dies nach landläufiger Meinung eher in den Zusammenhang zu passen schien. Demnach wird eine Einigung angezeigt; eine Vereinbarung wurde getroffen, ganz gleich der eines Handels, mit der etwa Kaufleute sich einig werden, was hernach per Handschlag besiegelt wird, was durchaus heute noch üblich ist. Jethro wurde einig, steht also da; mit wem, das erweist sich aus dem Zusammenhang, da er mit Mose sprach. Weiteres ergibt sich aus der Aussage: Jethro war nicht, sondern wurde mit Mose einig – es hatte also einige Zeit und Überredungskunst gebraucht, eine zumindest vordergründige Übereinstimmung mit Mose zu erzielen. Hier ist daher nicht die Rede von Freude, sondern von einem Weg zu einer Übereinkunft, zu der beide erst nach einigem Hin und Her gelangt waren, was bildlich einem Zusammenschluß entspricht. Mit diesem Zusammenschluß aber wird bereits ein sich anbahnender Bund angezeigt. Diesen Bund nun galt es, mit einem Opfer zu besiegeln. Warum? Hier nun müssen wir uns mit den Modalitäten eines zu biblischen Zeiten rechtskräftigen Bundes auseinandersetzen.


    Ein Bund ist ein Abkommen zweier eine Übereinkunft treffender Parteien, welches mit einem Opfer bestätigt wird; ein Bund wird nicht abgeschlossen, sondern „geschnitten”, d. h. ein Tier wird geschlachtet, zerlegt und dem – gewissermaßen als „Zeuge” anwesenden – Gott dargebracht, wer dieser Gott auch gewesen sein mochte. Damit binden beide Parteien sich nicht nur an den Gegenstand der Übereinkunft, sondern auch an den Gott, dem das Opfer galt. Das Opfer ist somit der Mittler dieses Bundes, was daher auch bedeutet, daß immer, wenn ein Opfer dargebracht wird, auch ein Bund zustande kommt, sowohl zwischen den beteiligten Menschen, als auch mit dem Gott, vor dem man opfert. Erst das getötete und dargebrachte Opfer stellt also einen Bund her und macht ihn somit rechtsgültig. Ohne einen solchen Mittler kommt daher kein Bund zustande – nicht ohne Blut (Hbr 9. 16 - 18). Die Teilhabe am Opfer bewirkt demnach auch die Teilhabe an dem Bund, für den das Opfer dargebracht wurde. Damit sind auch die das Opfer Essenden einbezogen; sie sind damit zu Gemeinschaftern des Altars geworden – und damit des Gottes, für den das Opfer bestimmt und vor dem es gegessen worden war (vgl. 1Kor 10. 18 - 22). Mit Aaron, dem Bruder Moses, und den Ältesten Israels, die sich angesichts ihres Gottes zu essen wähnen, wird nun das ganze Volk Israel mit hineingezogen (2Mo 18. 12).

    Was aber war der Inhalt des Bundes? Angesichts der Erzählungen Moses hatte Jethro Zustimmung über die Taten Jahwes gezeigt. Gleichzeitig aber hatte er Mose zu überreden versucht, um ihn ganz offensichtlich für immer in seinen Weg, und damit in den seines Volkes mit hineinzunehmen. Deshalb bringt er eingangs auch Moses entlassene Frau mit den beiden Söhnen mit, und appelliert gewissermaßen an Familienpflichten (2Mo 18. 6). Mose soll also wieder an Midian gebunden werden; deshalb ein Bund, weil er das tut, was sein Name sagt er bindet. Jetros Übereinstimmung mit dem Handeln des Gottes Jahwe an Israel ist demnach nur eine vordergründige, da es ihn, den Midianiter, nicht selbst betrifft. Die Vermischung aber, die mit Moses Ankunft bei den Midianitern begonnen hatte, sollte nun wiederhergestellt und unbedingt weiter aufrecht erhalten werden; diesmal galt dies aber nicht nur Mose, sondern dem ganzen Volk, mit dem Mose aus Ägypten erschienen war. Denn eines hatte Jethro begriffen: von diesem Volk, das zu holen Mose einst aus Midian ausgegangen war, für das er so viel riskiert und seine Familie, Frau und Kinder verlassen hatte, wäre er nun, da sie sich auf dem Weg in das von Gott verheißene Land befanden, nicht mehr zu trennen gewesen.

    Die oben beschriebenen Eigenschaften galten für einen jeden Bund, der damals abgeschlossen wurde; sie waren Bestandteil von Recht und Gesetz, unabhängig davon, um welche Parteien es sich dabei handelte und vor welchem Gott auch immer das Bundesopfer dargebracht worden war. Jedoch gibt es ein ganz entscheidendes Kriterium, welches einen Bund Jahwes, unseres Gottes, von den Bündnissen anderer unterschied: Gottes Bündnisse waren stets von Ihm ausgegangen; Er hatte sie in jedem Falle vorher angeordnet und – auch bezüglich des Opfers genaue Weisung erteilt, wie dabei zu verfahren war. Eine geradezu vorbildliche Darstellung eines von Jahwe angeordneten Bundes ist der Bundesschluß mit Abraham am Sinai (1Mo 15. 7 - 21). Fehlt dieses Merkmal, dürfen wir sicher sein, daß der abgeschlossene Bund nicht ein Bund Gottes, sondern ein Bund anderer Götter war bzw. zu diesen hinführte. Der Leser entscheide nun selbst, von welcher Konsistenz Bund und Opfer waren, die Jethro im Sinn gehabt hatte!


Jethro bewundert Jahwe, den Stärkeren, und bleibt doch Midians Priester

     Doch kommen wir nun wieder zurück zum Geschehen, dem Zusammentreffen und der Übereinkunft zwischen Mose und Jethro, der das Opfer folgen sollte. Nachdem Jethro Moses Bericht gehört hat, sagt er:

     „Gesegnet sei Jahwe, der euch aus der Hand des Pharao und der Hand Ägyptens geborgen hat” (Vers 10).

   
Hier nennt Midians Priester Israels Gott mit Namen: mithin betont er das, was Jahwe an Israel getan hat, „der euch... geborgen hat”. Er, Jahwe, ist wohl Israels, „Euer” Gott. Doch bedeutet das, daß dieser Gott nun auch zu seinem, Jethros Gott werden kann? Bricht er dazu durch, nicht nur über Ihn zu sagen „Euer Gott”, sondern zu Ihm zu sagen „Mein Gott”? Das ist nirgendwo der Fall! Welchem Gott wird Jethro nun opfern, da Jahwe, der Gott Israels, nicht auch sein Gott geworden ist? Und – hätte Jethro noch Priester Midians bleiben können, wenn Jahwe, der Gott Israels, zu seinem Gott geworden wäre? Hätte er dann sich nicht von den anderen Göttern, den Göttern Midians, denen er bis dahin priesterlich diente, trennen und ihnen abschwören müssen? Denn Jethro war kein Priester Gottes, wie viele meinen, sondern er war immer noch ein Heidenpriester – und als solcher hatte er an dem Bund Gottes, den dieser mit Abraham geschlossen hatte, keinerlei Anteil!

    Jethro erkennt in der Fortsetzung sehr wohl an, daß Jahwe größer, mächtiger ist als all die anderen Götter. Dann aber vermengt er wiederum etwas, was weder von den ihn umgebenden Israeliten, noch von vielen heutigen Auslegern erkannt wird. Er segnet Jahwe, und sagt, daß Er größer ist als alle anderen Götter, die Elohim, und fügt in einem Nebensatz, ganz unverfänglich, wie beiläufig, an:

    „wegen der Sache, mit der sie gegen sie vermessen waren” (Vers 11).

    Die meisten Übersetzungen haben hier statt des zweiten „sie” „die Israeliten” eingefügt, und unterstellen damit, Jethro habe gemeint, daß die Ägypter gegen die Israeliten vermessen gewesen seien. Dies scheint, oberflächlich gesehen, folgerichtig und in die Handlung passend zu sein; doch geht es, beachten wir den Redezusammenhang, weder aus dem Redetext hervor, noch steht es in irgend einer Weise im Grundtext selbst. Wir wollen den vorliegenden Vers daher nochmals lesen, diesmal aber nach der sehr viel eindeutigeren Baader-Übersetzung:

    „Nun erkenne ich, daß JHWH größer ist als all die Älohi´m, denn in der Sache, in der sie vermessen waren, kam´s wider sie”.

    Jethro erwähnt in dem Satz die Ägypter nämlich mit keinem Wort, auch nicht die Israeliten. Hier meint er klar und eindeutig „die Götter”, jene Elohim, von denen er gerade sagte, daß Jahwe, Israels Gott, größer ist als sie. Sie, die Götter waren vermessen, deshalb „kam´s wider sie”, worin Jahwe erzeigt hatte, daß Er größer ist. Dieses Unterlegensein der ägyptischen Götter war es letztlich, das sich in dem Auszug aus Ägypten erzeigte. Dem Jethro waren die Götter bekannt, darin war er zu Hause; doch nun hat er bemerkt, daß es noch einen Größeren, Stärkeren gibt als sie. Wird er nun von seinen Göttern lassen und sich statt dessen dem Gott Jahwe zuwenden? Es hat den Anschein, erkennt er doch die überragende Kraft Jahwes als den Gott Israels an – doch läßt er, der er ein Priester Midians ist, und nicht Israels, und daher mit den Stammesgöttern Midians verbunden ist, nun diesen ab? Nein!


    Wir müssen hierzu etwas über die damals vorherrschende Denkweise wissen. Jeder der damals umherziehenden Stämme hatte seinen eigenen Stammesgott oder auch die nur zu ihm gehörenden, verschiedenen Stammesgötter. So galt eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen einzelnen Volksstämmen immer auch als eine Auseinandersetzung zwischen ihren Göttern. War ein Stamm besiegt, galt damit auch der Gott dieses Stammes als dem Gott des Siegers unterworfen. Diese Sichtweise hat sich bis heute erhalten, wenn wir an die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen verschiedener Religionen und der damit verbundenen Volksgruppen denken (Islam, Hinduismus etc.). Jethro offenbart hier nichts anderes als dieselbe Sichtweise. Er sagt damit, daß der Gott der Hebräer, dem er aber als Priester Midians nicht angehört, größer ist als die Götter der Ägypter, und bewundert Ihn – aber er ist Ihm nicht untergeordnet, und er bleibt der Priester Midians. Und in dieser Eigenschaft – als Priester Midians – opfert er den Göttern, den Elohim. Hier steht Elohim ohne bestimmten Artikel in der Mehrzahl, was zeigt, daß kein einzelner, bestimmter gemeint ist. Dazu sei wiederum die Baader-Übersetzung zitiert:

    „Und Jitro´, der Schwäher Moschä´hs, nahm Hinaufzuweihendes und Opfer für Älohi´m” (Vers 12a).

    Nun aber, da das Opfer dargebracht worden ist, kommt Aaron, kommen die Ältesten Israels hinzu. Wir wollen abermals die wortgenauere Baader-Übersetzung anführen:

    „Und Aharo´n und alle Alten Jissrae´ls kamen, um Brot zu essen mit dem Schwäher Moschä´hs angesichts des Älohi´m” (Vers 12b).

    Hier steht nicht, daß sie gemeinsam mit Mose essen wollten; es wird nur Moses Schwiegervater genannt. Es wird auch nicht ausgesagt, daß sie vor ihrem Elohim gegessen hätten. Wohl haben sie gegessen; die Frage ist aber, vor welchem Gott. Der Gott, um den es hier gehen soll, wird uns nicht näher beschrieben; es ist aber der Gott gemeint, dem Jethro geopfert hatte. Wohl meinten sie ganz gewiß, vor Jahwe zu sitzen und zu essen. Hier steht Elohim ja auch zusammen mit dem bestimmten Artikel. So waren sie gekommen, um angesichts des Elohim zu essen – vor dem Gott also, dem das diesbezügliche Opfer gegolten hatte, vor dem jedenfalls, in dessen Gemeinschaft sie sich wähnten. Hier wird eine Absicht angezeigt, nicht aber eine zu Ende geführte Tat, die in einem solchen Kontext stünde. Indiz hierfür ist das Brot, das Jethro, Midians Priester, ihnen gab und in dessen Gemeinschaft sie nun aßen. Denn das Brot war bekannt, das ihnen ihr Gott Jahwe zu der Zeit zu geben hatte: es war das Manna aus dem Himmel, das sie damals aßen und das allein – bis zur Landnahme Kanaans – ihre Nahrung darstellen sollte (2Mo 16. 35). Wer das Manna gegeben hatte und bis dato der einzige Brotgeber sein wollte, war also klar und mit Namen genannt: Es war Jahwe selbst (16. 15b). Hier aber ist es das Brot eines heidnischen Priesters, das, diesen Anweisungen des Gottes Jahwe klar widersprechend, vor irgendeinem Elohim gegessen wird, dessen Name uns hier jedoch verhüllt wird. Auch von Mose ist nun nicht mehr die Rede. Es wird nicht ausgesagt, ob nun – während und nach der Ausführung des Opfers – Mose noch dabei ist. Man hatte ja auch nicht beabsichtigt, mit Mose, sondern mit Jethro zu essen. So aßen sie fremdes Brot, das nicht ihr Gott, sondern Jethro, der heidnische Priester Midians ihnen gab. [7]


    Noch etwas darf nicht unerwähnt bleiben: hier essen jene, die Jahwe nur von einzelnen Weisungen her kennen – Aaron – und jene, die von Ihm nur durch Vermittlung Moses wissen – die Ältesten. Mose dagegen ist der einzige, der Jahwe von Angesicht kennt. Später wird Jahwe, der Gott Israels, Aaron und Mirjam, seine Schwester, beiseite nehmen und zu ihnen sagen:

    „Höret doch meine Worte: Ist jemand ein Prophet, dem will ich, der HERR, mich in einem Gesicht offenbaren, oder ich will in einem Traum mit ihm reden. Aber nicht also mein Knecht Mose: er ist treu in meinem ganzen Hause. Mündlich rede ich mit ihm und von Angesicht und nicht rätselhaft, und er schaut die Gestalt des Herrn.”
4Mo 12. 6 - 8, Schlachter

    Doch gerade er, der als einziger den Gott Jahwe von Angesicht kennt und zu dem dieser wahre Gott redet, „wie einer mit seinem Nächsten spricht” (2Mo 33.11), ist nun nicht mehr dabei. Hier werden Unwissenheit und mangelnde Beziehung derer, die da herzu kamen, ganz klar ausgenutzt. Jethro, der Priester Midians, wußte ganz offensichtlich, was er da tat – und mit wem: Die Falle schnappte zu, und die Verbindung war vollzogen.



Exkurs: Der Eine Gott Jahwe und die vielen Elohim

    An dieser Stelle sollen uns ein paar kurze Erklärungen über den Götterbegriff der Bibel beschäftigen. Ein Gott ist per definitionem ein Unterordner, Platzanweiser und Richter, sowohl im Hebräischen, als auch im Griechischen (theos). Das Wort Götter oder Gott ist die Übersetzung des hebräischen Wortes Älohi´m oder Elohim, das in der Einzahl steht, dabei gleichzeitig aber eine Mehrheit anzeigt. Es findet in besonderer Weise für unseren Gott Verwendung, der Einer ist, aber in drei Personen erscheint und handelt, was uns hier aber nicht näher beschäftigen soll. Seltener werden die Begriffe Eloah, Elah oder El für einen besonderen oder irgendeinen Gott verwendet. Elohim selbst aber steht immer für Götterwelt, Gottheiten, Herrschaften oder Mächte. Es ist ein zusammenfassender, übergeordneter Begriff, der demnach immer eine Mehrzahl umfaßt. Dies kann etwa mit dem Begriff Eltern verglichen werden. Eltern gibt es nicht in der Einzahl, aber es gibt einzelne Elternteile. Ebenso gibt es einzelne Menschen, aber einzelne Menschen sind Teile der einen Menschheit. Ähnlich der Götterbegriff: Wird ein Elohim genannt, ist er immer einer, der zu den Göttern, den Elohim als Sammelbegriff gehört. Anderenfalls werden einzelne Gottheiten immer mit Namen genannt, wie beispielsweise Baal, Astarte, Moloch etc. Wird von dieser Regel abgewichen, so bestimmen im Hebräischen zusätzlich Plural oder Singular des damit zusammenhängenden Verbs auch Plural oder Singular des Hauptwortes.

    Eine der wenigen Ausnahmen ist etwa der Schöpfungsbericht 1Mo 1. Hier aber gilt es zu bedenken, daß von anderen Gottheiten in dem Sinne noch nicht die Rede sein konnte. Erst nach dem Abschluß der Himmel und der Erde mit dem Ruhen Gottes im siebten Tag (1Mo 2. 1 - 2) wird eine genaue Unterteilung erforderlich und geschieht bereits mit der Benennung Jahwe Elohim in 1Mo 2. 4. Der neu erschaffene Mensch (1Mo 2. 7) wird nun in diesem Namen Jahwe Elohim seinen persönlichen und damit, da ein Name genannt wurde, ansprechbaren Gott finden; so wird Beziehung erst ermöglicht, ja mit der Vorstellung eines Namens eröffnet. Vor diesem war eine besondere Namensgebung nicht nötig, da kein Gott ebenbildlicher Partner vorhanden war, und es keinen anderen Gott gab, der von einem Menschen hätte angesprochen werden können. Hier finden wir also den eigentlichen Grund dafür vor, weshalb unser Gott Sich mit einem Namen bekannt gemacht hat (vgl. Ps 91. 14). Der Name Jahwe als der Name unseres besonders herausgehobenen Gottes – im nun entstandenen Gegensatz zu den anderen Elohim – ist also sehr früh schon bezeugt. – Das Wort Elohim selbst kommt in der Bibel über zweitausend Mal vor. Es wird sehr wohl, wie oben angemerkt, auch für den Gott Israels verwendet und ist dann, wenn alleinstehend, aber nur mit bestimmtem Artikel zu übersetzen. F. H. Baader schreibt unter anderem:

    „Eine Bezeichnung für Gott, aber auch für Götter, d. h. Engelfürsten. Von Ala´h beeiden und Lawa´h sich verpflichten abzuleiten.”

    Aus: F. H. Baader: Die Geschriebene I., Begriffserklärungen, S. 977, Stichwort Älohi´m.


    Ein geradezu typisches Beispiel für die Vermischung des Gottesbegriffes mit heidnischen Göttern können wir in Daniel 3 vorfinden. Hier lesen wir von den drei Freunden Daniels, die in den Feuerofen geworfen werden, da sie sich nicht an das Gebot Nebukadnezars gehalten haben, wonach ein goldenes, von ihm errichtetes Standbild angebetet werden sollte. Als Nebukadnezar, der babylonische König, den Ofen öffnen läßt und nach ihnen sieht, erblickt er nicht drei, sondern vier Männer in dem Ofen – das Aussehen des vierten, so sagt er, „gleicht einem Sohn der Götter” (Da 3. 25). Wörtlich übersetzt lautet dies „gleicht einem Sohn der Elahin”. Elahin ist die aramäische Entsprechung für das hebräische Wort Elohim. Hier finden wir also den oben beschriebenen Begriff für Gottheiten wieder, und ganz sicher dürfen wir in diesem Gebrauch an dieser Stelle schon an den dreieinigen Gott der Bibel denken, der hier in Gestalt des Sohnes erscheint. Nicht so Nebukadnezar: Der sieht zwar die Herrlichkeit des Gottessohnes – doch kann er diese nicht richtig einordnen, da er, wie Jethro lange vor ihm, den einen wahren Gott, Jahwe, selbst nicht kennt. Doch die vielen Götter, die Elohim, die kennt er; ist er doch in ihren Götzendienst zutiefst verstrickt. So wird in seinen Augen der Sohn des einen Gottes zu einem Sohn der vielen Götter.

    Haben wir nun etwas bemerkt? Scheint die Frage immer noch offen, welchem Gott Jethro opferte? Ist es aber nicht der Gott Israels, den Jethro zu seinem Gott erklärt hat, welcher Gott ist es dann? Wenn im Folgenden – beispielhaft – ein ganz bestimmter Gott, diesmal der des Islam, angeführt wird, soll damit nun nicht zwingend ausgesagt werden, daß Jethro etwa diesem Gott geopfert habe. Jedoch sollte nun klarer werden, daß die Deutung, sein Opfer habe Jahwe, dem Gott Israels gegolten, auf äußerst wackeligen Füßen steht und somit nicht weiter aufrecht erhalten werden kann. Wenn hier die Rede von einem Elohim, von irgend einem Gott ist, so kann daraus bei weitem nicht bestimmt werden, welcher denn nun gemeint ist. Auch der Textzusammenhang gibt dies nicht ohne weiteres her. Hier einfach nur von „Gott” zu sprechen, wird nicht ausreichen, die Frage zu beantworten, welchem Gott Jethro nun geopfert habe, geschweige denn auf den Gott Jahwe zu schließen, wie dies oberflächlicherweise leider fast durchweg geschieht. Auch in unseren Tagen wird sich desselben Tricks bedient, was wir anhand der Auseinandersetzung zwischen christlichem Glauben und der Religion des Islam leicht feststellen können. Nur Menschen, die keine oder nur sehr wenig geistliche Erkenntnis besitzen und sich mit Oberflächlichkeiten begnügen, werden in dieselbe Falle tappen und behaupten, daß der Gott der Muslime mit unserem Gott, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, identisch sei – einfach nur deshalb, weil auch er sich einen Gott nennt. Daß dieser derselbe sei wie der Gott Jahwe, dem Gott der Juden wie Christen gleichermaßen, ist keineswegs der Fall.

    Ja freilich, auch der Gott des Islam wird uns als „Gott” dargestellt; auch er nennt sich einen Elohim. Wir haben oben sicherlich schon bemerkt, woher der Name Elohim sich ableitet: unter anderem aus dem Wort „Ala´h”. Die arabische Entsprechung – das Arabische ist mit dem Aramäischen bzw. dem Hebräischen eng verwandt – lautet Al-ilah, das auch unter dem Namen Allah bekannt ist, als Bezeichnung wie als Eigenname für den im Islam verehrten Gott. In der Tatsache, daß das Arabische ein anderes Wort für „Gott” nicht kennt, liegt eine gewisse Schwierigkeit; die arabischen Christen etwa verwenden das Wort Allah auch für den unseren. In Malaysia ist den Christen ein solcher Gebrauch von den Moslems jedoch verboten worden. Zwar liegt nichts Schlechtes oder Verkehrtes darin, Gott einfach als „Gott” anzusprechen oder von Ihm als „von Gott” zu sprechen. Was wir bis jetzt allerdings vielfach übersehen haben, ist die Tatsache, daß unser Gott nun nicht einfach „Gott” heißt wie viele andere auch, sondern Sich mit einem Namen geoffenbart hat und auf diesen Namen einen ganz besonderen Wert legt. Das bedeutet auf der einen Seite nicht, daß über diesen Namen nicht gesprochen, wie er andererseits seiner besondern Bestimmung auch nicht entrissen, d. h. profaniert werden darf. Der Name Gottes ist vielmehr allein seiner Bestimmung gemäß, d. h. allein in Bezug auf den Gott, den er meint, zu gebrauchen.

    Nicht umsonst besteht das erste Gebot darin, keine anderen Götter neben Ihm zu haben und – damit zusammenhängend – Seinen Namen zu heiligen. Diese Heiligung – im Sinne des Begriffes das Besondershalten dieses Namens – schließt einen jeglichen Mißbrauch kategorisch aus. Und es ist wiederum die erste Bitte im Vaterunser, dem Gebet, das Jesus die Jünger lehrte – die Bitte nämlich, daß wiederum Sein Name geheiligt werde! Wie wichtig, ja entscheidend das ist, damit werden wir uns im nächsten Absatz weiter zu befassen haben. Al-ilah, woraus das Wort „Allah” gebildet wurde, ist jedenfalls ein Kompositum und heißt zunächst nichts anderes als „der Gott”, also „Gott” mit bestimmtem Artikel; hier ist es aber nicht der Gott der Bibel, sondern ein heidnischer Götze. Und auch dieser heidnische, dämonische Götze hat einen Namen, den er gerne vor uns verschleiern möchte: er ist – mit vollem Namen – der Allah-al-ilahu, der sich von Hubal (vgl. „Baal”), einer Hauptgottheit aus der Kaaba, dem altarabisch-heidnischen Heiligtum Mekkas herleitet. Er ist also nichts anderes als ein Abkömmling des alten kanaanitischen Baal selbst, dem man hier seit Anfang des siebten Jahrhunderts unter anderem Namen huldigt – der Mondgott aus alten Zeiten, der Gott altbabylonischer Fruchtbarkeitskulte, der sich seitdem unter anderem Namen verbirgt und der Menschheit unentwegt einzutrichtern sucht, das er nicht nur ein, sondern der Gott sei...



Heilige Seinen Namen

    Unser Gott aber hatte sich dem Mose längst schon offenbart – mit Seinem Namen. Vielleicht bemerken wir nun den Betrug, der hier ganz offensichtlich stattgefunden hat und leider noch immer stattfindet. Wir haben daher unbedingt anzuerkennen, daß der Name Gottes nicht nur eine kosmetische Floskel darstellt. Der Name, hebräisch ScheM, steht immer im Zusammenhang mit dem Dort, dem Wesen selbst, was im Hebräischen mit dem SchaM ausgedrückt wird. In dieselbe Wortfamilie hinein gehört auch das Wort hören, schemah. Der Ausspruch Gottes über Israel lautet:

    Sch´ma Jissrae´l, Höre, Israel, Jahwe ist Gott, dein Gott ist Einer (5Mo 6. 4).

    Nach: Die Geschriebene des Alten Bundes, Übersetzung nach F. H. Baader.

    Wie auch Baader schreibt, ist in dem Sch´ma das ScheM, der Name, wie gleicherweise das SchaM, das Wesen des Gegenübers enthalten. Erst der Name verleiht das Hören; er ist es, der das Wesen kennzeichnet, von anderen unterscheidet und damit gesondert ansprechbar macht. Damit ist er nie Selbstzweck, nie bloße Bezeichnung: er steht immer für die Person, die ihn trägt. Gottes Namen und damit Seine Person, Ihn Selbst zu heiligen, ist daher für unseren Glauben lebenswichtig, ja entscheidend. Nicht umsonst hatte der Herr Jesus, als Er Seine Jünger zu beten lehrte, die Bitte, daß der Name des Vaters in den Himmeln geheiligt werde, ganz an den Anfang des Gebetes gesetzt, das uns als Vaterunser geläufig ist (Mt 6. 9).


    Auch das Gesetz beinhaltet das Gebot, Seinen Namen zu heiligen und nicht unnütz zu führen (2Mo 20. 7). Bezeichnenderweise wird diese Anordnung unmittelbar an das erste Gebot angefügt, keine anderen Götter zu haben, sich auch keine Abbilder zu machen und sich vor ihnen nicht niederzuwerfen. Gott ist ein eifernder Gott, der jene straft, die Ihn hassen, d. h. Seinen Namen zurücksetzen und damit bedeutungslos machen (2Mo 20. 3 - 6). Die Heiligung des besonderen Namens Gottes steht also in ursächlicher Verbindung mit dem Verbot eines jeden Götzendienstes und der damit verbundenen Zurücksetzung, d. h. einer Gleichmachung Seiner Person mit anderen Göttern, indem Sein Name entweder profaniert oder gleich ganz unterschlagen und damit anderen Göttern gleichgesetzt wird. Er, Jahwe, der Seiende, ist unbedingt zu unterscheiden von allen Göttern, wie Er um so vieles erhabener ist als sie (Ps 97. 9) ist Er doch ihr Schöpfer. Nur Er, Jahwe, ist der Gott der Götter, der Elohim der elohim”, und der „Herr der Herren”; Er allein (Ps 136, 1 - 3). Ja mehr noch: Er ist der einzige, der wahre Gott; alle anderen sind Nichtse, wörtlich: Nichts-Seiende vor Ihm (Ps 96. 5). Schon am Anfang hatte Mose um die vielen anderen Götter gewußt und erkannt, daß der eine Gott zu unterscheiden war: er hatte den Gott, der ihm im Dornbusch erschien, nach seinem Namen gefragt. Nicht einmal der Hinweis Gottes, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu sein, hatte ihm ausgereicht. Und so tat der Gott Israels etwas, was Er nicht einmal Abraham gegenüber getan hatte, als er ihn berief (2Mo 6. 3). [8] Er stellte sich ihm persönlich, mit Nennung Seines Namens vor: „Ich bin, der Ich bin” - nicht irgendein Gott, irgendein Elohim, sondern Jahwe (2Mo 3. 14 - 15).


Nach dem Opfer: Jethros Ordnung

    Die von Jethro initiierte Führungshierarchie, die seinem Opfer folgen sollte, darf demnach nicht als eine göttliche Ordnung angesehen werden; sie sie war ebenso heidnisch, wie Jethro zeit seines Lebens ein heidnischer Priester gewesen ist. In diese Falle tappte nicht nur Mose. An ihr straucheln auch all jene, die aus den Vorstellungen eines Heidenpriesters eine Ordnung Jahwes ableiten wollen.. Genau das geschah hier jedoch nichjt: Erst sollte Israel mit dem Gott oder den Göttern Jethros verbunden werden, dazu das Opfer; nun galt es, dessen Ordnung aufzurichten, um es so der Wirksamkeit des Priesteramtes Jethros ganz unterzuordnen. Es geht dabei also um eine Wegführung – heraus aus der Wirklichkeit des Vorigen, hinein in die Wirklichkeit Jethros. Genau das ist ja der Dienst eines Priesters; und dabei ist es ganz gleich, welcher Religion dieser angehört. Er soll zwischen dem Gott, dem er dient, und dem Volk vermitteln und das Volk unter die Herrschaft dieses Gottes bringen bzw. auch darunter erhalten.

    Hier nur von der Ordnung Jethros zu sprechen, ist in Wirklichkeit also eine Verschleierung des eigentlich Dahinterstehenden, wie wir sahen. Eine grobe und der biblischen Überliefrung völlig widersprechende  Irreführung ist es jedoch, diese als eine Ordnung Gottes darzustellen. Die Ordnung, die Jethro in Israel einführte, war ja nicht die Ordnung Israels; es war die Ordnung Midians als die seines Heimatvolkes, das er regierte, und dessen oberster Priester er war. Schon der Name Midian weist darauf hin. Mit diesem Namen (hbr. Streit, Hader) hat es eine Besonderheit. Er bedeutet im engeren Sinne soviel wie Rechtstreitigkeit oder Rechtsverwaltung (im Sinne einer Verwaltung der Bevorrechtigungen). Das Volk der Midianiter wurde also nicht nur nach seinem Stammvater, sondern – mit ihm – auch nach dem Prinzip benannt, nach dem es seine Rechtsstreitigkeiten regelte und seine Rechte untereinander aufteilte und verwaltete.


    Dabei ging es um Berechtigungen, also nicht nur darum, Recht zu sprechen, sondern vielmehr darum, wem welches Recht vor den anderen zustand.„Wer ist der Größte, wer der Leiter, wer der Erste?”, das war die Frage, um die man stritt und haderte; deshalb die Hierarchie, die dieser Ordnung innewohnte, um dieser Frage Genüge zu tun und für alle verbindlich festzulegen, wer der Erste unter ihnen sei. Nicht umsonst bedeutet auch der Name Jethros (hebr. Jitro´) „Sein Übriger” und „Vorgezogener”. Jethro war also der, der sich von allen anderen seines Volkes abhebend, „übrig”, vor diesen „vorgezogen” war. Der Gott, dem Jethro als Oberster Priester diente, offenbarte auch, wessen Vorgezogener er war, nämlich der Erste, der nach einer heidnischen Gottheit kam, und deren Einfluß nun in seinem Volk geltend zu machen hatte. Auch sein hebräischer Name, Reguel, weist auf diese Zusammenhänge hin. Er lautet übersetzt soviel wie „Hirtet dem El” (Hirtet dem Gott). Es ist anzunehmen, daß die Hebräer ihm diesen Namen in Unkenntnis der wahren Hintergründe seines Auftretens gegeben haben. Und doch ist auch dieser Name hilfreich im erkennen der Hintergründe. Zu welchem Gott hin er das Volk aus seiner eigenen Sicht nämlich zu weiden hatte und wie dieses Weiden aussah, dürfte nun klar geworden sein. Daß Midian in dem Götzendienst Baals und der Aschera (kanaanitische Fruchtbarkeitskulte) verwurzelt war, ist allgemeines biblisches Zeugnis (vgl. Ri 3. 7, 6. 25 u. a.). Genau dieselbe Ordnung als die eines heidnischen Landes, mit einem heidnischen Priester an der Spitze, unter dem wiederum andere standen, die dann das Volk regierten und in ihm anstelle des ihnen Übergeordneten Recht sprachen hatte Jethro nun in Israel eingeführt.

    Um hier tiefer einzusteigen, ist es notwendig, sich weitere Schriftzusammenhänge zu erarbeiten. Die Midianiter waren ein Volksstamm, der auf Midian, einen späteren Sohn Abrahams, des Stammvaters Israels, zurückzuführen ist. Nach dem Tode Saras hatte sich Abraham – zu den Nebenfrauen, die er schon hatte – eine weitere Frau namens Ketura genommen, aus deren Verbindung die Söhne Simran, Jokschan, Medan, Midian, Ischbak und Schuach hervorgingen (1Mo 25. 1). Bezeichnend ist dabei der Name Keturas, einer Kanaaniterin: Übersetzt heißt er Beräucherung. Hier wird also bereits ein okkulter Einfluß der Anbetung (Räuchern) kanaanitischer Gottheiten (Baal u. a.) offenbar. Daß Ketura aus Kanaan stammt, wird deutlich, wenn wir bedenken, daß Abraham in Kanaan wohnte und sich von dort, wo er auch seine Begräbnisstätte hatte, nicht mehr wegbewegt hat (1Mo 23. 19 - 20). Midian, einer ihrer Söhne, wurde dann der Stammvater des nach ihm benannten Volkes, den Midianitern. Aus Midian gingen dann weitere Stämme hervor. Hierbei muß festgehalten werden, daß Gott Seinen Bund zwar mit Abraham gemacht hatte – doch galt dieser Bund nur für den ihm verheißenen Nachkommen, nämlich den Isaak, der ihm von Sara, seiner ersten Frau, dieser Verheißung gemäß geboren worden war. Alle anderen hatten an diesem Bund und den in ihm enthaltenen Verheißungen Israels keinerlei Anteil. Beispielsweise war Ismael zwar gesegnet worden (1Mo 21. 18) – doch in den Bund Gottes, zu Seinem Eigentumsvolk zu werden und das von Ihm verheißene Land zu bekommen, gehörte er nicht hinein. Dies betraf auch alle anderen nach ihm – also auch Midian. Nicht umsonst wird unser Gott als der Gott „Abrahams, Isaaks und Jakobs” bezeichnet. Abraham hatte demgemäß alles, was er hatte, seinem Sohn Isaak vermacht, während er den Söhnen seiner Nebenfrauen Gaben schenkte, und sie „von seinem Sohn Isaak ostwärts hinweg” schickte, „in das Land des Ostens” (1Mo 25. 5 - 6). Wir werden uns dem an anderer Stelle nochmals zuwenden.


Rückblick II: Moses Flucht und Sitzhabe am Brunnen Midians

    Machen wir uns nun auf eine zweite Reise in die Vergangenheit, die beleuchten soll, wie Mose in die beschriebenen Verstrickungen geraten war. Mose ist einer jener Säuglinge gewesen, die auf das Geheiß des damals herrschenden Pharaos getötet werden sollten, um zu verhindern, daß ihm das Volk Israel zu stark würde. Seine Mutter hat ihn nach seiner Geburt im Schilf des Nil verborgen, wo die Tochter Pharaos ihn findet und ihn in ihrer Weise aufziehen läßt. Die hebräische Amme, die von ihr herzugerufen wird, ist jedoch – durch wunderbare Fügung Gottes – Jochebed, die Mutter des Kindes selbst (2Mo 2. 1 - 10). Als der Knabe größer geworden ist, kommt er in die Obhut der Tochter Pharaos, die ihn Mose nennt – „denn ich habe ihn aus dem Wasser gezogen” (Vers 10). Dies ist also das erste prägende Ereignis im Leben Moses. Sein Leben wird in all den Widrigkeiten bewahrt, und die ersten Lebensjahre erlebt er bei seiner Mutter, einer Hebräerin, die noch etwas vom Gott der Hebräer zu sagen weiß. Interessanterweise gehören die Eltern Moses zum Stamm Levi, dem späteren Priesterstamm (2Mo 1. 1). Aber schon sein Name, den er übrigens nie mehr ablegen wird, wird ein ägyptischer sein; seine weitere Erziehung übernimmt nun Pharaos Tochter. Fortan wird er in der ganzen Weisheit der Ägypter unterrichtet werden, und mächtig sein „in seinen Worten und Werken” (Apg 7. 22). Für die Töchter Jethros wird Mose später als ägyptischer Mann gelten, und er wird dem lange nicht widersprechen (2Mo 2. 19). Und doch – in seinem Herzen schlummerte etwas, was aus seinen Kindertagen herrührte: die Erinnerung an sein Volk und an seinen Gott. Der von seiner Mutter eingepflanzte Glaube an Gott hatte nicht ganz verschüttet werden können. Und so

    „...verweigert Mose, als er groß geworden war, Sohn der Tochter Pharaos genannt zu werden, und zog es vielmehr vor, gemeinsam mit seinem Volk Übles zu erdulden, als eine befristete Annehmlichkeit der Sünde zu haben, da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum erachtete als die Schätze Ägyptens; denn er blickte (davon fort) auf die Belohnung.”
Hbr 11. 24 - 26

    Bei all dem, was wir hier notwendigerweise zu betrachten haben werden – auch dies steht ganz groß über Moses Leben: Sein himmlisches Kanaan hat er erreicht, und kann sich einreihen in die Schar der Glaubenszeugen, die Gott die Treue gehalten haben (vgl. auch Hbr 3. 2, 5). Und doch dürfen wir über dem anderen nicht die Augen verschließen.


    Mose hat seine Herkunft aus Israel, dem Volk Gottes, nicht vergessen können, und sieht sich, gerade vierzig geworden, nach seinen Brüdern um. Als er sieht, wie ein Ägypter einen Mann seines Volkes mißhandelt, erschlägt er ihn, weil er der Ansicht ist, daß Gott durch seine Hand dem Volk Erlösung aus der Knechtschaft bringen würde (Apg 7. 25). Dies zeigt an, daß Mose in eigener Kraft handelte. Seine Hand sollte es sein, die Befreiung brächte. Schon hier ist Mose ein Mann, der Gott immer wieder vorgreifen möchte und sich und andere damit in Schwierigkeiten bringt. Als er merkt, daß die Sache dem Pharao bekannt wird, flieht er vor ihm. So gelangt er nach Midian. Bezeichnend ist der nächste Satz, der diesem folgt:

    „... Mose entwich vor dem Pharao und wohnte im Land Midian. Dort setzte er sich an den Brunnen” (2Mo 2. 15).

    Er ließ sich in Midian also nieder, und er trank aus dessen Brunnen. Die wörtliche Übersetzung lautet eigentlich, daß Mose Sitz hatte im Land Midian, und er hatte Sitz an dem Brunnen. Mose hatte sich in Midian also fest eingerichtet, und trank dessen Wasser. Wer ein wenig Gespür hat für das Orientalische, der wird schnell merken, daß im Orient „Wasser trinken” mehr bedeutet, als nur seinen Durst zu stillen. Es bedeutet stets auch, sich mit dem zu identifizieren, aus dessen Brunnen das Wasser quillt. Wer im Orient das Wasser reicht, macht sich immer zum Freund des Durstigen. Der Brunnen bildett stets auch einen Lebensmittelpunkt derer, die aus ihm leben und von ihm abhängig sind. Man traf sich dort; vielfach wurden an diesem Ort auch die Belange des täglichen Lebens geregelt, die Lebensgeschäfte der Anwohner organisiert. Dies alles wurde für Mose zur festen Größe; er ließ sich dort nieder.


    Furcht ist also die Triebfeder gewesen, die Mose nach Midian gebracht hatte. Und doch ist sie nicht aus Gott, und Flucht war noch nie ein Ausweg; heißt es doch: „Wer glaubt, flieht nicht”(Jes 28. 16). Wie viele sind heute auf der Flucht, nachdem sie auf ihre Kraft vertraut und Schiffbruch erlitten hatten? Auch Mose glaubt hier nicht, vertraute er doch auf die Kraft seiner Hände, indem er meinte, daß Gott auf seine Hände angewiesen sei – und so flieht er vor dem Pharao, dessen Zorn er mit diesen seinen Händen herausgefordert hat (2Mo 2. 14 - 15). Wir sollten nicht glauben, daß, nach gescheitertem Eigenwillen, Flucht uns dem Weg Gottes näher bringt. Vielmehr entfernt sie uns von Ihm, und führt uns in viele Irrtümer und Nöte hinein. Davon weiß auch der Schreiber dieser Zeilen ein Lied zu singen; und doch steht am Ende immer der treue Gott, so wir unsere Irrwege aufzugeben und Gott zu folgen bereit sind. Moses eigenes Handeln im Vertrauen auf seine eigene Kraft also bringt ihn auf diesen Weg, und führt, ja treibt ihn geradewegs in die Arme Jethros. Mose wird für eine Zeit von vierzig Jahren (!) bei ihm wohnen, seine Tochter Zippora zur Frau nehmen und ihm als Hirte des Kleinviehs dienen – sich also seinem Willen und Anordnungen unterwerfen. Denn wem jemand dient, dessen Knecht ist er auch (vgl. Rö 6. 16). –

    Man kann sich leicht vorstellen, daß diese vierzig Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sein dürften. Gott Selbst hatte diese Jahre zunächst gebraucht, um sein Vertrauen in die eigene Kraft zu zerbrechen. Als Er dem Mose in dem brennenden Dornbusch begegnet und ihm den Ruf mitteilt, daß er Israel aus seiner Knechtschaft befreien solle, weicht Mose – mit dem Hinweis auf die eigene Schwäche – zurück. Aus einem vermeintlich Starken ist also ein Schwacher geworden, den Gott endlich gebrauchen kann und nun auch gebrauchen will – wenn es auch dem Mose zunächst nicht gelingt, von seiner eigenen Schwäche weg auf Gott hin zu sehen (2Mo Kap. 3). Das aber ist – nachdem wir aus dem Vertrauen auf unsere Stärke ausgegangen sind – dann der zweite Schritt, den wir unbedingt zu lernen haben!


    Freilich, ganz gewiß gebraucht Gott diese Zeit auch, um Mose auf seinen Dienst am Volke Gottes vorzubereiten. Der, der erst eine Viehherde hütet und es guter Weide zuführt, der soll bald ein ganzes Volk hüten und in ein gutes Land bringen. Trotz aller Vermischung und Verquickung mit den eigenen Wegen schafft Gott ein Neues!

    Aber auch etwas anderes war ja geschehen, was bislang ganz offensichtlich nicht beachtet worden ist: Mose hatte ja, wie oben erwähnt, für ganze vierzig Jahre (!) bei den Midianitern zugebracht. Er aß wie die Midianiter, er trank wie sie, er schlief wie sie, und er dachte schließlich wie sie – und schließlich diente er Jethro, ihrem obersten Priester, war diesem also untertan. Ein solcher Einfluß mußte über eine so lange Zeit in ihm Spuren hinterlassen haben. Einst hatte er die Tochter Jethros, des Fürsten Midians, eines heidnischen Volkes, zur Frau genommen. Auch diese Unsitte bleibt Bestandteil in Moses Leben. So wird er später eine andere Frau, wiederum aus einem anderen Volk nehmen – eine Kuschiterin, eine dunkelhäutige, hamitische Frau. [9] Später wird gerade diese Schwäche, die abzulegen Mose nie gelungen ist, zu einem Ärgernis im Volk Israel werden: Aaron, der eigentlich für Mose sprechen soll, und Mirjam, dessen Schwester, nehmen dies zum Anlaß, um gegen Mose reden zu können (4M 12. 1). Sie lästern ihn wegen der Dunkelhäutigen, und stellen die Frage, ob Gott allein durch ihn spräche, und nicht auch durch sie. Diese Frage implementiert eigentlich, daß Mose eine Frau habe, die sich ihrer Meinung nach weit unter ihrem Niveau befände – gewissermaßen, ob er sich mit dieser Frau noch immer über sie stellen wolle? Ob er sich denn „das überhaupt leisten” könne? Ob Gott demnach zu ihm allein spräche, und er also privilegiert sei, das zu tun, was ihnen nicht einfallen würde? So wähnen sie sich besser als jene. Doch Gott schweigt dazu nicht. Seine Antwort ist treffend für die, die sich an dem Äußeren Anderer störten. Denn sie trifft das Äußere. Durch ein Strafgericht wird Mirjams Haut aussätzig wie Schnee!

    Wir erkennen daran, daß unser Fehlverhalten zu einem Fallstrick für andere werden kann, selbst wenn diese nicht ursächlich damit in Verbindung stehen. Jesus sagte:

    „Es ist undenkbar, daß keine Fallstricke kommen; indessen wehe jenem Menschen, durch den sie kommen” (Lk 16. 2)

    Das griechische Wort für Fallstrick (andere übersetzen mit Ärgernis) lautet skandalon. Es bezeichnet eigentlich den Stellholz genannten Teil einer Falle; trat jemand nichtsahnend an dieses Holz, dann setzte sich ein Mechanismus in Bewegung; die Falle schnappte zu, und der Betreffende war zum Gefangenen seiner Unvorsichtigkeit geworden. Hier wird ein Mechanismus beschrieben, der immerwährende Gültigkeit besitzt. So wird Moses heidnische Frau schließlich zum Fallstrick auch für Aaron und Mirjam. Ihnen gerät dieser Anlaß zur Sünde, und sie verunreinigen sich deswegen, was in dem an der Mirjam erscheinenden Aussatz sichtbar wird.



Erinnerung an Abraham: Keine Vermischung

    Wie wichtig es schon in der Frühzeit Israels war, daß das Volk rein blieb – also unbeeinflußt von den Sitten und Gebräuchen seiner Nachbarvölker, und demzufolge auch von deren Frauen, zeigt uns der biblische Bericht der Brautwerbung, die Abraham für seinen Sohn Isaak einleitete, dem die Verheißung und der Bund Gottes galt. Abraham selber hatte wohl noch Frauen gehabt, die nicht aus seinem Volk stammten. Er selbst also hat sich nicht an diese Regel gehalten. Hinzu kommt der damalige Brauch der Vielweiberei, die Gott zwar geduldet hatte, die aber dennoch zu keiner Zeit Seinem Willen entsprach. Die Ordnung Gottes für Mann und Frau ist bereits von Anbeginn der Schöpfung an niedergelegt. Sie lautet ganz schlicht: Ein Mann, eine Frau:

    „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau (Singular) anhangen und sie beide werden ein Fleisch sein.”
1Mo 2. 24

    Hier ist kein Platz für Viele. Der Herr Jesus hat diese Ordnung als eine „von Anfang an” bestehende nochmals bekräftigt, und zwar im Zusammenhang mit der Frage nach der Ehescheidung (Mt 19, 4 - 6; Mk 10. 6 - 9). Die Zeit Abrahams, wie überhaupt die Zeit vor und unter dem Gesetz, ist also von einem ständigen Übergehen dieser Ordnung gekennzeichnet. Daß ein Mann mehrere Frauen hatte, und dies dazu aus anderen Stämmen, war ganz allgemeine Tagesordnung. Hinzu kam, daß das Volk Israel sich noch im Entwicklungsstadium befand – es bestand zu der Zeit lediglich aus Abraham und seiner Familie, die etwa siebzig Personen umfaßte. Bereits hier, in der Keimzelle Israels, findet also schon eine Vermischung des göttlichen Samens mit Ungöttlichem statt.

    Doch das neu entstehende Volk, zu dem Abraham und sein Same nach ihm werden würde, sollte nun unbeeinflußt von anderen Völkern sein. Noch bevor er also stirbt – als habe er etwas wieder gut zu machen, und als sei dies sein Vermächtnis –, ruft Abraham seinen Diener, den „ältesten seines Hauses, der über alles herrschte, was ihm gehörte”, und sagt ihm:

    „Lege doch deine Hand unter meine Hüfte. Ich will dich schwören lassen bei dem Jahwe Elohim der Himmel und Elohim der Erde, daß du für meinen Sohn Isaak keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter nimmst, in deren Mitte ich wohne. Vielmehr sollst du in mein Land, woher ich kam, und zu meiner Verwandtschaft gehen und von dort eine Frau für meinen Sohn, für Isaak, nehmen.”

    So wichtig ist ihm diese Sache, daß er seinen Diener Elieser, der doch sonst sein ganzes Vertrauen besitzt, schwören läßt. Er wird noch eindringlicher: Als der Diener ihm bedeutet, daß es wohl möglich wäre, daß ihm die Frau nicht folgen wolle, und ihn fragt, ob er in diesem Falle seinen Sohn in das Land zurückbringen solle, von dem Abraham einst ausgezogen war, erwidert dieser:

    „Hüte dich, daß du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringst. Der Jahwe Elohim der Himmel und Elohim der Erde, der mich aus meines Vaters Haus und aus dem Land meiner Verwandtschaft, woher ich kam, herausnahm und der zu mir sprach und der zu mir geschworen hat: Dir und deinem Samen werde ich dieses Land geben, Er wird Seinen Boten vor dir hersenden, und du sollst für meinen Sohn Isaak von dort eine Frau nehmen. Doch falls die Frau nicht willens ist, mit dir in dieses Land zu gehen, so bist du entbunden von diesem meinem Schwur; nur sollst du meinen Sohn nicht dorthin zurückbringen!”
1Mo 24. 3 - 9

    Schließlich schwört Elieser, sein Diener, ihm; und wir lesen in den nächsten Kapiteln, wie wunderbar sich das Anliegen Abrahams erfüllt. Elieser wirbt im Folgenden um Rebekka, „die dem Bethuel geboren war, dem Sohn der Milka, der Frau Nahors, des Bruders Abrahams” (1Mo 24. 15), und gewinnt sie dem Isaak zur Frau. Der Herr hatte ihn geradewegs zum Haus der Brüder seines Herrn geleitet (1Mo 24. 27). Laban, der Bruder Rebekkas, und Bethuel, ihr Vater, sprechen schließlich aus, was sie erkannt haben:

    „Diese Sache geht von Jahwe aus. Wir können zu dir weder Schlechtes noch Gutes reden. Siehe, Rebekka ist vor dir, nimm sie und geh hin, damit sie die Frau des Sohnes deines Herrn werde, wie Jahwe gesprochen hat.”
1Mo 24. 50 - 51

    Schon sehr lange vor Mose war also klar, daß eine Frau aus einem anderen Volk weder Anteil an dem Land hatte, noch in das Volk Israel hinein gehörte. Wohl durfte der Fremde und Beisasse bei ihnen wohnen, wie dies auch später im Gesetz verankert worden war (3Mo 19. 33 - 34, 25. 6 u. a.); aber er war und blieb immer der Fremde, und er gehörte nicht zu ihnen. Dies erzeigte sich unter anderem auch daran, daß er von Gottesdienst und Opfer Israels größtenteils ausgeschlossen war (2Mo 12. 45, 3Mo 22. 10). Selbst wenn die Tochter eines Priesters „die Frau eines fremden Mannes” wurde, durfte sie nicht mehr von den Opfern essen; eine Regelung, die erst wieder aufgehoben wurde, wenn ihr Mann verstarb und sie kinderlos geblieben, oder verstoßen worden war, und sie wieder in das Haus ihres Vaters zurückkehrte „wie in ihrer Jugend” (3Mo 22. 12 - 13). Das Anliegen, sich keinesfalls mit den heidnischen Völkern zu vermischen und ihre Frauen nicht zu ehelichen, ist für Gott also entscheidend, so daß Er es in das Gesetz Israels hat aufnehmen lassen (2Mo 34. 15 - 16, 3Mo 21. 14 - 15), und auch im Neuen Bund hat es dieselbe Gültigkeit (2Kor 6. 14 - 7. 1). Nach einiger Zeit, als Israel das ihm verheißene Land einnehmen soll, wird dies noch verschärft werden:

    „Wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, darein du kommen wirst, es einzunehmen, und wenn er vor dir her viele Völker vertilgt, die Hetiter, die Girgasiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Pheresiter, die Heviter und die Jebusiter... du sollst keinen Bund mit ihnen machen... Und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern; du sollst deine Töchter nicht ihren Söhnen geben, noch ihre Töchter für deine Söhne nehmen; denn sie werden deine Söhne von mir abwendig machen, daß sie andern Göttern dienen; so wird dann der Zorn des HERRN über euch ergrimmen und euch bald vertilgen.”
5Mo 7. 1 - 4; in Auszügen, Schlachter

    Dies alles sind zwar spätere Belege dafür, wie sehr Gott auf die Reinheit Seines Volkes achtet. Wie wir jedoch schon anhand des Beispiels Abrahams sahen, war Mose ganz gewiß nicht unwissend eine solche Verbindung eingegangen; war doch schon lange vor ihm bekannt, daß die Frau eines fremden Volkes nicht an die Seite eines hebräischen, mithin Gottes Volk angehörenden Mannes gehörte; und so war der heidnische Einfluß, den seine midianitische Verwandtschaft auf ihn ausübte, stets gegenwärtig – sein ganzes Leben lang.



Midians Fleisch und Blut oder Vom Übertreten der Gebote Gottes

    Der Einfluß Midians war so gewachsen und Mose – schon buchstäblich – so sehr „in Fleisch und Blut übergegangen”, daß er selbst darauf nicht mehr verzichten wollte, und seine heidnischen Verwandten schließlich sogar nötigte, bei seinem Volk zu bleiben. In 2Mo 18. 27 war dies schon angeklungen. Nachdem Jethro seine Vorstellungen dem Mose kundgetan hatte, „entließ Mose seinen Schwiegervater”, was uns im Kontext vermittelt, daß Jethro gehen wollte, aber nicht ging, bevor Mose ihn nicht endlich ziehen ließ. Als nach vielen Jahren das Volk Israel auf den Befehl Gottes hin aufbricht, um in das verheißene Land zu gelangen, spricht Mose –

    „...zu Hobab, dem Sohn Reguels, des Midianiters, seinem Schwager: Wir ziehen an den Ort, davon der HERR gesagt hat: Ich will ihn euch geben! Komm mit uns, wir wollen dich gut behandeln; denn der Herr hat Israel Gutes zugesagt! Er aber antwortete: Ich will nicht mit euch gehen, sondern in mein Land und mit meiner Verwandtschaft will ich ziehen. Er sprach: Verlaß uns doch nicht; denn du weißt, wo wir uns in der Wüste lagern sollen, und du sollst unser Auge sein! Und wenn du mit uns ziehst, so wollen wir auch an dir tun, was der HERR Gutes an uns tut.”
4Mo 10. 29 - 32, Schlachter

    Auch hierin erzeigt sich ein Abweichen von dem Gebot und der Ordnung Gottes. Geplant war anderes: Der Herr Selbst leitete sie in der Gestalt der Wolken - und Feuersäule, und die Lade des Bundes „zog vor ihnen her, um einen Weideplatz zu erkunden” (4Mo 10. 33); nun aber will Mose, daß Hobab, der „Sohn Reguels, des Midianiters” ihr „Auge” sei (Vers 31). Wiederum kann sich der Einfluß Midians verfestigen, und wieder geschieht dies über Moses Verwandtschaft, seinen Schwager, Jethros (d. i. Reguels) Sohn und damit letztlich über den okkulten Einfluß des Heidenpriesters selbst. Mose verläßt an dieser Stelle also ganz klar die Leitung des Herrn und die mit Seiner Gegenwart verbundenen Orientierung, die sich sowohl anhand der Wolken - und Feuersäule, als auch der mitziehenden Bundeslade erzeigt, und will diese von einem Menschen erwarten, der noch dazu nicht zu dem von Gott erwählten Volk gehört und von daher auch keinerlei Bindung an dessen Gott besitzt. Die Hilfe seiner Verwandtschaft geht ihm hier vor Gottes Führung; sein Vertrauen in den lebendigen Gott ist nicht völlig, und so blendet Mose völlig aus, daß seine Verwandtschaft eine heidnische ist. Schließlich war es Israel, dem allein das Land verheißen war, zu dem sie aufgebrochen waren; kein anderes Volk sollte daran Anteil haben. Erinnern wir uns doch noch einmal, was Gott einst zu Abraham gesagt hatte:

    „Deine Frau wird für dich einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Isaak nennen. Ich werde Meinen Bund mit Ihm aufrichten”
1Mo 17. 19, 21

    und:

    „... nach Isaak soll dir der Same genannt werden” (1Mo 21. 13).

    Hier aber – in völligem Gegensatz nicht nur zu dem reden Gottes, sondern auch zu dem Handeln Abrahams, der seine anderen Söhne weggeschickt hatte (1Mo 25. 5 - 6) – will Mose bestimmen, daß ein anderer in das Land kommt, einer, dem dieses Land nicht verheißen war, da er nicht zu der Nachkommenschaft Isaaks, und damit nicht zu seinem Volk gehörte! Auch hier offenbart sich so die ständige Vermischung im Leben Moses, aus der er nun nicht mehr herauskommt. Er möchte wohl, was Gott will; und doch will er nicht von dem lassen, was den Einfluß seiner Verwandtschaft betrifft. Er trank also, bildlich gesprochen, noch immer das Wasser Midians, das seine Quelle vergiftete.



Jethros Einfluß – Sauerteig der Vermischung: Wirst Du unbrauchbar?

    Die Vermischung der Kinder Israel mit den heidnischen Frauen und Familien der Nachbarvölker, die Gott strikt untersagt hatte, und damit nicht nur mit deren Kulter, sondern vor allem auch mit ihrem Gedankengut und ihrem Götzendienst, ist in Israel immer ein Problem – man kann sagen das Problem – gewesen. Viele Nöte und Widrigkeiten sind aus solchem Ungehorsam entstanden. Diese Vermischung fand ganz augenscheinlich auch in dem Leben Moses statt. Wir finden in ihm beides vor – sowohl den Einfluß Midians, als auch die Ansprache und die klare Führung Gottes. Beides verlief parallel zueinander. Eine solche Entwicklung stellt eine wesentliche, ja die größte, weil unerkannt bleibende Gefahr dar. Später wies auch Paulus darauf hin, daß „ein wenig Sauerteig den ganzen Teig” durchsäuert; d. h. das Gute, das Gott wirkte – das Ungesäuerte – wird durch eine nicht wieder auftrennbare Vermischung mit Ungöttlichem unbrauchbar (Ga 5. 9, 1Kor 5. 6). Die Lösung dieses Problems geschah im Vorfeld – indem man sich nämlich vor dem fremden Sauerteig von vornherein bewahrte, und seinen Einfluß nicht zuließ (Mt 16. 6, Mk 8. 15, Lk 12. 1). Danach war es zu spät: Ein einmal durchsäuerter Teig kann nicht mehr zu Ungesäuertem werden; hier braucht es dann wiederum einen neuen, frischen Teig. Wie in dem Gleichnis vom edlen Samen und dem Taumellolch (Mt 13. 24 - 30), den ein Feind in das Feld gesät hatte, als der Bauer schlief, läßt sich im Nachhinein das Unkraut nicht mehr ausreißen, und muß Beides ausreifen zur Ernte. Um von dem Sauerteig (oder, in dem anderen Bild, vom Unkraut) frei zu bleiben, gilt es im Vorfeld wachsam zu sein; wurde das versäumt, hilft nur noch ein völliger Neuanfang – eine gründliche Reinigung, bis wir uns, wie oben angedeutet, in dem Zustand des ungesäuerten, frischen Teiges wiederfinden, von dem der Apostel Paulus spricht (1Kor 5. 7- 8).

    In diesem Sinne des das Ungesäuerte beeinflussenden Sauerteigs, der diesen verdarb, muß auch der Einfluß Jethros gesehen werden. Wie hatte der Götzendienst Midians nach Israel gelangen können? Wir müssen verstehen, daß es eine Entwicklung, einen Weg hierzu gab, der mit einer Flucht begonnen hatte. An deren Ende stand Jethro, ein heidnischer Priester. Dieser Weg setzte sich fort, als Mose dessen Tochter zur Frau nahm, und sich somit mit dem Volk der Midianiter verband. Dies machte Jethro, den Priester Midians, zu seinem Schwiegervater und damit zu einem engen Verwandten. Schließlich räumte Mose diesem ein maßgebliches Mitspracherecht in den Fragen des Volkes Gottes ein, das dieser auszunutzen verstand stand er doch an der Stelle eines Vaters. Die bittere Folge war, daß sich nun die Ordnungen Israels (in dem Bilde das Ungesäuerte) mit denen Midians (dem Sauerteig) zu vermischen begannen. So wurde das Reine, Ungesäuerte Gottes von dem fremden Sauerteig durchsäuert; es wurde unbrauchbar. Einen Kernsatz hierzu, der auf eine beginnende Durchsäuerung hinweist, da wir in ihm eine Tür vorfinden, die diesem Vorgang geöffnet wurde, finden wir in unserem Ausgangstext aus 2Mo 18, worin es heißt, daß Mose sich vor Jethro verneigte, ja so der Grundtext niederwarf (2Mo 18. 7).

    Seine Verneigung galt also nicht nur seinem Gott, der ihn berufen und geführt hatte, sondern auch seinem heidnischen Umfeld. Von dieser Unterwerfung des Mose vor dem heidnischen Priester Midians bis zum offenen Götzendienst Israels und einer späteren Gefangenschaft unter die Midianiter (vgl. Ri 6. 1) war es zwar noch ein langer Weg; entscheidend aber ist, daß es schließlich doch dazu kam. Das Gefährliche an dieser z. T. bis heute unentdeckt gebliebenen, weil schleichenden Untermischung von Gutem mit Bösem war also auch, daß die schon mit Jethro beginnende Fehlentwicklung erst sehr viel später ihre Früchte zeitigte, die sich lange nach Moses Tod schließlich entfalteten. Da offenbarte sich auch die Feindschaft Midians und des mit diesem Volk verbundenen Götzendienstes gegen Israel und seinen Gott völlig, von dem das Buch der Richter, aber auch schon frühere Berichte reichlich Zeugnis ablegen. Mit der Annahme der sogenannten Ordnung Jethros war dem Feind eine Tür aufgetan worden; nun strömten seine Einflüsse ungehindert hinein – der Feind, der mit falschem Rat seine Saat ausstreuen konnte, hatte ganze Arbeit geleistet: Die Verunreinigung und darauf folgende Zersetzung Israels begann von innen. Einem späteren Sieg Midians über Israel war – durch die Gewährung von Anrechten – so die Wurzel gelegt worden.


Von Midians Hinterlist, Moses Zorn und einem verborgenen Grab

    Erst sehr viel später, als dem Volk infolge seines Unglaubens der Eintritt in das Land ihrer Verheißung verwehrt blieb (2Mo 14), lange danach, als Aaron und Mirjam, seine Schwester, gestorben waren, und die erneute Wüstenwanderung Israels längst begonnen hatte, offenbarten sich auch die Listen Midians mehr und mehr:

    „Als Balak, der Sohn Zippors, alles sah, was Israel den Amoritern getan hatte (4Mo 21. 10 - 20), fürchtete sich Moab sehr vor dem Volk, denn es war zahlreich; und es graute den Moabitern [10] vor den Kindern Israel. Da sprach Moab zu den Ältesten der Midianiter: Nun wird dieser Haufe alles rings um uns her auffressen, wie das Vieh alles Grüne auf dem Felde wegfrißt. Balak aber, der Sohn Zippors, war zu derselben Zeit König der Moabiter. Und er sandte Boten aus zu Bileam... daß sie ihn beriefen und zu ihm sagten: Siehe, es ist ein Volk aus Ägypten gezogen; siehe, es bedeckt das ganze Land und lagert sich gegen mich! So komm nun und verfluche mir dieses Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich es dann schlagen und aus dem Land treiben; denn ich weiß: wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.
4Mo 22. 2 - 6, Schlachter

    Die Geschichte Bileams, von seinen Vorhaben der Wahrsagerei und Zauberei (Fluchen), das Gott jedoch in einmaliger Weise zu unterbinden weiß, indem Bileam statt dessen für Israel prophezeien muß, legt hiervon eindringlich Zeugnis ab (4Mo 22 und 23). Im 25. Kapitel erleben wir dann, wie Israel

    „anfing, Unzucht zu treiben mit den Töchtern der Moabiter, welche das Volk zu den Opfern ihrer Götter luden. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an Baal-Peor. Da ergrimmte der Zorn des HERRN über Israel.”
Kap. 25. 1 - 3

   
Eine Plage beginnt daraufhin in Israel. Als ein Israelit vor den Augen Moses (!) eine Midianiterin anbringt, und schließlich mit ihr im Zelt verschwindet, um mit ihr Unzucht zu treiben, geht nicht etwa Mose, sondern Pinheas, ein Enkel Aarons, ihnen nach und tötet beide, wonach die Plage aufhört. Es stellt sich heraus, daß die erschlagene Frau Kosbi heißt, und die Tochter Zurs, eines Stammesoberhauptes unter den Midianitern war (Kap. 25. 6 - 15). Doch hören wir nun, was Gott dazu sagte:

    „Und der HERR redete zu Mose und sagte: Befehdet die Midianiter und schlagt sie; denn sie sind es, die euch befehdet haben mit ihrer Arglist, die sie wider euch erdacht haben in Sachen Peors und ihrer Schwester Kosbi, der midianitischen Fürstentochter, die am Tage der Plage erschlagen wurde, die um Peors willen entstand.”
Kap. 25. 16 - 18, Schlachter

    Es ist geradezu bezeichnend, daß Mose erst am Ende seines Lebens zornig auf die seinerzeit von Jethro eingeführten Hauptleute wurde. Der Grund dafür war, daß sie Teile der Midianiter verschonten und am Leben ließen, als Gott geboten hatte, sie zu schlagen (4Mo 31. 1 - 15). Dies betraf gerade die Frauen, mit denen die Kinder Israel Unzucht getrieben hatten, und durch deren List Israel verführt werden sollte, sich vom Herrn abzuwenden. Die Vermischung – weiter oben war vom Sauerteig die Rede – sollte aufrechterhalten bleiben. Hier nun bewahrheitet sich das bekannte Sprichwort:„Wes Brot ich eß´, des Lied ich sing”. Was „von Midians Gnaden” kommt, muß Midian schonen. Am Abschluß seines Lebens muß Mose diese seine falsche Haltung korrigieren. Gott sagt ihm dort, daß er an Midian Rache nehmen soll; unmittelbar danach wird er zu seinem Volk versammelt werden (4Mo 31. 1). Dies klingt wie ein Vermächtnis; spricht es doch von seinem nahenden Tode. Hier muß er nachholen, was er zeitlebens versäumt hatte, um danach zu sterben welche Tragik, ja unermeßliche Trauer liegt doch in diesen Worten.

    Gott spricht hier nicht davon, daß Mose nun zu seinen Vätern versammelt wurde, wie er dies bei anderen Vätern des Glaubens tat. Mose hatte in Israel keinen weiterführenden Stammbaum mehr, wohl aber in Midian. So versammelt Er ihn zu seinem Volk. Das Volk aber, zu dem Mose im Tode versammelt wurde – das ist hier nicht mehr Israel, das ist Midian. Und so wurde nicht das Land der Verheißung, das er lediglich sehen durfte, sondern das Land Moabs zu seiner letzten Ruhestätte.

    „Und Mose stieg von den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, auf die Spitze des Pisga, Jericho gegenüber. Da zeigte ihm der HERR das ganze Land: Gilead bis nach Dan, das ganze Naphtali, das Land Ephraim und Manasse und das ganze Land Juda bis zum westlichen Meer; auch den Süden und den Kreis der Ebene von Jericho, der Palmenstadt, bis nach Zoar. Und der HERR sprach zu ihm: Dies ist das Land, welches ich Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen habe, als ich sprach: Deinem Samen will ich es geben! Ich lasse es dich mit deinen Augen sehen, aber hinübergehen sollst du nicht. Also starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande der Moabiter, nach dem Befehl des HERRN; und er (Gott Selbst!!) begrub ihn im Tal, im Lande Moab, Beth-Peor gegenüber; aber niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.
5Mo 34. 1 - 6, Schlachter

    So führt ihn Gott noch einmal auf einen Berg, um zu sehen. Mose schaut das verheißene Land zwar, doch hinübergehen darf er nicht. Statt dessen gelangt er vom Berg hinab in das Tal: Nachdem er noch einmal von Gott sehen durfte, wird er im Lande Moab, einem Teil, in dem auch Midian zu Hause war, begraben. Israel wird eines Tages weiterziehen und – wenn auch erst in der zweiten Generation – nach Kanaan gelangen. Mose aber stirbt in Moab, und wird dort zu den Seinen versammelt, denen er zeitlebens angehangen hatte. Wie sein Leben in diesem Volk beginnt, so endet es – mit Midian fängt es an, und mit Midian wird es enden. So sehr war er in Midian gefangen, daß er auch in seinem Tode nicht aus ihm herauskommt. Midian hatte Anrecht an ihm und seinem Körper, und hält ihn so selbst noch in seinem Tode fest. Und Gott hält sein Grab verborgen bis auf den heutigen Tag, um eine nachmalige Verehrung auszuschließen – weil es eben gerade nicht um die Mittelsperson geht, sondern immer nur um Gott Selber.


Das Anrecht Midians und der Herausruf in die Ordnung Gottes

    Wer letztlich hinter Midian und seinem Anrecht stand, vermag der Judasbrief eindrucksvoll zu klären. Solange Midian Anteile an jemandem hat, hat er auch das Recht, hieraus Ansprüche herzuleiten, und solange die Finsternis dieser Welt an der Gemeinde Anteile hat, weil diese für sich beschloß, nach der Art, der Struktur und den Prinzipien der sie umgebenden Welt zu leben, befinden auch wir uns nicht in der völligen Freiheit, in die Gott uns hineinführen möchte – wir bleiben Gebundene, und kommen, wie Mose, nicht in das uns Verheißene hinein. Das ist auch der Grund, weshalb wir in dieser Zeit so vieles sehen, aber in die Wirklichkeit dessen, was wir sehen, bis heute nicht eingetreten sind – gleichwie Mose das verheißene Land zwar sah, selbst aber nicht hineinkam. Der Grund für diese Tragödie liegt klar und eindeutig in Anteilen und Anrechten der Finsternis, die diese an uns erhebt, da wir bislang nicht willens waren, das Verkehrte in Gemeindeleben und -praxis zu bedenken und es abzulegen. So blieb es vielfach unerkannt. Und nur allzu oft hat man sich gegen jene mit Erfolg zur Wehr zu setzen gewußt, die auf Geheiß Jesu, des treuen Zeugen gesandt waren und es wagten, warnend ihre Stimme zu erheben, statt auf Sein Reden einzugehen und umzukehren. Es war doch schon immer um so vieles einfacher, die Zeugen der Wahrheit mundtot zu machen und sich in Sicherheit zu wiegen, als anzuerkennen, daß da etwas nicht stimmt mit unserem Wandel vor Gott und unserem Umgang miteinander. So blieben wir gefangen in dieser Welt, in ihrer Struktur und in ihrem System, wie auch Mose Gefangener Midians blieb – bis in seinen Tod hinein, ja sogar darüber hinaus. Deshalb erhob sich in der himmlischen Welt ein Rechtsstreit um den Körper des Mose, der zwischen Michael, dem Engelfürsten, und Satan, dem Fürsten dieser Welt, geführt worden war. Hierzu heißt es in Judas 9:

    „Dagegen hat Michael, der Botenfürst, als er den Widerwirker wegen des Körpers des Mose anzweifelte und mit ihm Worte wechselte, nicht gewagt, ein lästerndes Urteil über ihn aufzubringen, sondern nur gesagt: Der Herr schelte dich!”

    So offenbart sich uns der Ruf Gottes an Mose, der an ihn aus jenem Dornbusch heraus ergangen war (2Mo 3), als ein Herausrufen aus der ihn umgebenden Welt – der Ordnung, der Struktur und dem Lebensprinzip Midians, in dem er sich zu diesem Zeitpunkt befunden hatte. Und so, wie Mose aus all diesen Dingen herauszurufen war, so ist auch die Gemeinde eine aus dieser Welt und den sich aus ihr heraus ergebenden Dingen und Abhängigkeiten Herausgerufene – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das ist der eigentliche Name dieser Gemeinde: Die Herausgerufene – griechisch ekklesía. Und nur dann, wenn sie diesem Ruf in Treue Folge leistet, sich also nicht wieder in die Dinge und das Schema dieser Welt verstricken läßt, wird sie frei sein und bleiben können von jedem Anrecht der Finsternis, und wird bereit sein können, wenn der Herr wiederkommt – um Ihm entgegengehen zu können und ihr himmlisches Kanaan einzunehmen. Dies ist eine deutliche Warnung, die auch für die Gmeinde des neuen Bundes höchst bedeutungsvoll ist.

    Die Schrift trifft klare Aussagen über jene, die nicht in Wahrheit ausgehen, und demgemäß der Lebensart und den Bindungen dieser Welt verhaftet bleiben: Sie verlieren ihr Erstgeburtsrecht, die Erlösung des Leibes, die in jenem Ihm Entgegengerücktwerden offenbar werden soll, dem Herrn entgegen, in unser himmlisches Kanaan hinein, auf das wir doch so sehr warten sollen, und auf dessen Erwartung allein hin wir errettet worden sind (Rö 8. 18 - 25 und 29, 1Thes 4. 13 - 5. 11; siehe auch Hbr 6. 9 - 20 und 10. 15 - 39). Den Sieg über den letzten Feind, den Tod, den werden diese nicht miterleben dürfen (1Kor 15. 23 - 26 und 50 - 57; 2Tim 1. 10). Nein - diesem Tode werden sie nicht entrinnen, gleichwie Mose dem Tode nicht entrinnen konnte und vor den Toren Kanaans sterben mußte, statt in dieses Kanaan einzugehen, wie es seiner Verheißung und Berufung entsprochen hätte. Waren sie doch jenem Esau gleich, der um einer weltlichen Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte (Hbr 12. 14 - 17). So haben auch diese das Recht der Erstgeburt, die Erwartung der vorzugsweisen oder ersten Auferstehung, der „Ausauferstehung aus den Toten” an die Welt und damit an den Teufel, ihren Fürsten verkauft, aufgegeben um des Genusses einer Speise, um des Erringens weltlicher Vorzüge willen (Phil 3. 10 - 14, Off 20. 4 - 6). Und so werden auch sie an der Hochzeit des Lammes keineswegs teilhaben können, sondern müssen, da ihnen, den zu spät Kommenden, das Tor verschlossen bleibt, durch die Leiden und Gerichte der antichristlichen Zeit hindurchgehen. Sind sie doch der Welt nur allzu sehr verbunden geblieben und haben demnach ihre hohe Berufung, die des himmlischen Kanaans, versäumt, so wie Mose dem Stamm und dem Lebensprinzip des heidnischen Midians verhaftet geblieben war und die Verheißung Gottes, das gelobte Land einzunehmen, für sich selbst verfehlt hatte.

    So starb er im Lande Moab, gewissermaßen vor den Toren des verheißenen Landes, und so starben all die mit ihm, die sich einst geweigert hatten, die Stimme Gottes zu hören und so in Seine Unmittelbarkeit einzutreten (Hbr 3. 7 - 19, 4. 1 - 12 und 12. 22 - 29). Was aber sagt Gottes Wort über jene, die damals ausgezogen waren, um in ihr Kanaan einzugehen?

    „Denn ich will euch nicht in Unkenntnis darüber lassen, Brüder, daß unsere Väter alle unter der Wolke waren (dem Bild des Heiligen Geistes) und alle durch das Meer hindurchgezogen sind und alle in Mose getauft wurden (dem Vorbild der Taufe); auch aßen alle dieselbe geistliche Speise, und alle tranken dasselbe geistliche Getränk; denn sie tranken aus dem Felsen, der da folgte (Bilder des Wortes und des Mahls des Herrn). Der Felsen aber war der Christus. Doch an der Mehrzahl von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen; sie wurden in der Wildnis niedergestreckt. Diese sind für uns warnende Vorbilder geworden, damit wir uns nicht nach Üblen gelüsten lassen, wie es jene gelüstete... Dieses widerfuhr ihnen vorbildlicherweise und wurde uns zur Ermahnung geschrieben, zu denen die Abschlüsse der Äonen gelangt sind. Wer daher zu stehen meint, der sehe zu, daß er nicht falle.
1Kor 10. 1 - 12

Und seht doch das Fazit, das Paulus aus diesen Worten herleitet:

    „Darum, meine Geliebten, fliehet vor dem Götzendienst!” (V. 14)

    Dies alles sind Zusammenhänge, die wir in der zurückliegenden Zeit nur allzu schnell übersehen haben. Hier rächt sich eine oftmals stattgefundene Idealisierung der Heiligen Schrift, der wir vielfach bereitwilligst gefolgt sind, weil wir nur allzu gerne unseren Zustand in ihr bestätigt sehen wollten. Die Bibel selbst idealisiert jedoch an keiner Stelle – niemals. Statt dessen bleibt sie in allem realistisch; sie sagt stets schonungslos und ungeschminkt die Wahrheit über die in ihr Handelnden - und gerade auch über jene, die Gott berief. Es ist ja gerade die herausragende Stärke dieses Buches, daß niemals Menschen verherrlicht und glorifiziert werden, sondern Gott allein die Ehre gegeben wird. So bewahrheitet sich in ihr das unter Gläubigen bekannte Sprichwort, daß Gott „auch auf ungeraden Zeilen gerade” schreibt. Und doch – weder übersieht Gott etwas, noch hat er gesagt, daß wir ungerade Zeilen machen sollen. Niemals.


Von Unnützem und Stolpersteinen: Achte auf Deine Nachkommen

    Die Tatsache also, daß die midianitischen Einflüsse zwar schon frühzeitig nach Israel gelangten, deren wahre Natur sich jedoch erst sehr viel später offenbarte, lehrt uns auch, daß wir in weiteren Räumen denken müssen, als wir dies bisher getan haben; wir sollten nicht fragen, welche Folgen unser Tun heute hat, sondern unsere Frage sollte sein: Welche Folgen hat es morgen und übermorgen? Welche Folgen hat es für die nächste Generation? Haben wir heute die Welt in uns, so wird dies heute und morgen Folgen haben – sowohl für uns, als auch für die nach uns Kommenden, denen wir unseren Ungehorsam hinterlassen, wenn wir nicht hier und heute umkehren. Immer war die Vermischung der Anfang der Sklaverei, und stets mußte Gott aus dieser Sklaverei herausführen, indem Er das Volk zur Umkehr führte und allein Seine Ordnungen wieder aufrichten ließ, und so deren Vermengung mit dem Heidnischen beendete. Wie wir also sahen, hat Mose nicht immer von Gott gehört, und hat deswegen zuletzt auch seine eigentliche Berufung, das Land der Verheißung einzunehmen, für sich selbst verfehlt und ist mit den anderen in der Wüste gestorben, nachdem er es nur von außerhalb sehen durfte (5Mo 34. 1 - 6, siehe weiter vorn). Seine Generation war zu einem vierzigjährigen Irrweg in der Wüste verurteilt; und selbst jene, die Gott treu erachtet hatte, mußten diesen Weg mitgehen. Unglaube und Ungehorsam, Fleisch und Götzendienst waren allzuviele Stolpersteine auf diesem Weg. Ganz gewiß also war Jethro nicht der allein sichtbare Grund, weshalb Israel diesmal sein Ziel nicht erreicht hatte; und doch steht dieser neben vielem Anderen am Ausgangspunkt einer Entwicklung, die ein so tragisches Fehlgehen an den Tag gebracht hatte.

    Wie einige nun eine solche Vermischung, die sich anhand eines durch einen heidnischen Priester vorgeschlagenen,  in der Sache gescheiterten Führungsstils erzeigt, nun zum Weg der neutestamentlichen Gemeinde erklären können, ist daher schlicht nicht nachvollziehbar. –


    Wieder einmal wird offenbar, daß man nicht auf das Reden Gottes hatte warten können und somit auf menschlichen Rat hin Seinem Wirken vorgegriffen worden war. In unserem einleitenden Wort aus 2Mo 8. 13 - 27 gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, daß Gott hierzu jemals gesprochen hätte oder – weder von Gott, noch von Mose her – die Notwendigkeit auch nur irgendeiner Abänderung bestand: Es war allein Midians Heidenpriester, der auf eine Abänderung hin insistierte. So war dies Begehren Jethros nichts anderes als ein unerlaubter Vorgriff auf das, was Gott zu tun gedachte (vgl. Jo 10. 8) - in einer gänzlich anderen Ordnung jedoch, die Seiner Vollkommenheit entsprach. Diese andere, göttliche Ordnung zeigte dementsprechend auf, daß das von Menschen Gemachte zumindest unnütz und keinesfalls hilfreich war – welche Notwendigkeit hätte sonst für diese bestanden, wenn die andere, alte Ordnung ausgereicht hätte? Und warum rief Mose später den Herrn um Unterstützung an, als das Volk murrte –

    „Warum finde ich nicht Gnade vor deinen Augen, daß du die Last deines ganzen Volkes auf mich legst? (...) Ich kann dieses Volk nicht allein (!) tragen; denn es ist mir zu schwer”  –,
4Mo 11. 11, 14

    wenn er doch in der durch Jethro eingeführten, bereits bestehenden Ordnung schon eine entsprechende Hilfe gehabt hätte, wie dieser ihm zugesagt hatte und was ihm auch heute noch viele glauben? Im Gegenteil: weder wurde, wie wir sahen, dem vorgebeugt, daß Mose sich infolge seines Dienstes aufrieb, wie Jethro ihm zugesichert hatte, wenn er nur seinen Vorschlägen folgen würde (2Mo 18. 17 - 23), noch wurde das Volk der Ordnung und dem Willen Gottes gemäß gerichtet (2Mo 18. 15 - 16). Sünde, Murren und Abfall nahmen statt dessen ständig zu. Was Jethro dem Mose versprochen hatte, nämlich, wenn Mose seinen Vorschlägen folgte, „dann kann all dieses Volk in Frieden an seinen Ort kommen” (Vers 23, Schlachter), war gerade nicht eingetroffen. So entpuppt sich dieses Versprechen als Lüge – eine List und ein Betrug der Finsternis. Um der Not der Überlastung des Mose zu begegnen, wie sie sich erst hier offenbarte, hatte nicht Jethro, sondern Gott die Antwort: Er Selbst hatte den Plan, wie wir anhand der Aussagen aus 4Mo 11. 11 - 30 erkennen können – als Er nämlich die 70 Ältesten berief und mit Seinem Geist begabte.



Die siebzig Ältesten - eine prophetische Darstellung des Neuen Bundes

    In der durch Gott Selbst vollzogenen Einsetzung der siebzig Ältesten wird die eigentliche und ursprüngliche Ordnung Gottes offenbar. Nicht die von außen künstlich übergestülpte Hierarchie der Bevorrechtigungen Midians, die durch Jethro nach Israel gekommen war, sondern die durch Gott Selbst eingeführte Ordnung gleichberechtigt Geistbegabter war die Antwort auf die Frage Moses. Sie allerdings kam erst zu der von Gott vorgesehenen Zeit und nicht, als Jethro eine Unterstützung seines Schwiegersohnes für notwendig erachtet hatte. In diesem Zusammenhang erzeigt sich nicht nur die Andersartigkeit, ja Gefährlichkeit, sondern auch die völlige Nutzlosigkeit der von Menschen eingeführten, midianitischen Ordnung. In dem Geschehen, welches uns in 4Mo 11. 24 - 29 geschildert wird, erkennen wir auch eine besonders schöne Vorausschau auf das Wirken Gottes im nachfolgenden Neuen Bund, der eingeführt wurde aufgrund des Überholtseins und der Nutzlosigkeit des Alten (Hbr 7. 18, 10. 13). Als dem Mose die Last, das ganze Volk und sein Murren – trotz der durch Jethro eingeführten vermeintlichen „Hilfestellung” – noch immer allein tragen zu müssen, wie oben beschrieben zu schwer geworden war, versammelte man nun auf Anordnung Gottes hin siebzig Männer von den Ältesten des Volkes. Anschließend kam Gott Selbst

    „... in der Wolke hernieder und nahm von dem Geiste, der auf ihm (d. h. auf Mose) war und legte ihn auf die siebzig Männer, die Ältesten. Und es geschah, sobald der Geist auf sie kam, weissagten sie...”;

    ein Vorgang, der vorbildlich anzeigt, wie Gott Selbst von Jesus, unserem Herrn und Haupt, als dessen Vorbildung Mose im Alten Bund gilt (Apg 7. 35 - 38; 5Mo 18. 15), von dem Ihm verheißenen Geist Gottes nimmt, und mit Ihm Seine Gemeinde salbt, und zwar jedem nach seinem Anteil (vgl. Apg 2. 33). Diese himmlische Ordnung war somit gültig schon zu der Zeit, als Israel sich nicht in dem ihm verheißenen Lande (d. h. der irdischen Ordnung) befunden hatte!


    Es geht in dieser Betrachtung nicht darum, in der Gemeinde nichts zu tun. Aber es geht wohl darum, daß Gottes Wege nur in Gottes Weise und zu Seiner Zeit, d. h. also nicht in Menschenweise und nach menschlichem Zeitempfinden beschritten werden können, wollen wir zu ihrem Ziel gelangen. Es geht dabei nie um Pragmatismus, sondern um Gehorsam, von Gott zu hören, und die Dinge exakt und zu dem Zeitpunkt auszuführen, wie und vor allem auch wann Gott dies jeweils führt. Während in der Ordnung Jethros bzw. Midians die Führung und Ansprache des Volkes – der Hierarchie entsprechend bis in die Sippen und Familien hinein – durch Menschen vonstatten ging, und daher also auch die Rechtsprechung und Mitteilungen der Ordnungen Gottes durch menschliche Vermittlung erfolgen sollten (2Mo 18. 19 - 22), geschieht die Ansprache, Weisung und Führung hier durch den Geist Gottes, und zwar unmittelbar. Die Zahl der Siebzig deutet schon auf jene Vollkommenheit und Vollständigkeit der Gemeinde Gottes hin, wie sie im Neuen Bund geoffenbart wird. Selbst jene zwei im Lager Verbliebenen weissagen. Als Josua diesem wehren will, sagt Mose, gewissermaßen schon auf den Neuen Bund hindeutend:

    „Eiferst du für mich ? Ach, daß doch alles Volk des HERRN weissagte, möchte der HERR (w. Jahwe) seinen Geist über sie geben!” (Schlachter).


Vom Hören der Stimme Gottes zur Vermittlung unter dem Gesetz

    Wir erkennen beim Studium der entsprechenden Schriftstellen immer wieder, daß es in Israel in der Regel zur Einführung hierarchischer Strukturen kam, wenn das Volk Gott ungehorsam geworden war oder Gott nicht vertraute – entweder durch eigene Wahl oder auch als Reaktion Gottes auf ihren Ungehorsam. Selbst für den Alten Bund kann gesagt werden, daß ein solches Vorgehen, das Volk durch menschliche Vormünder und Häupter zu führen, nicht dem ursprünglichen und vollkommenen Willen Gottes entstammte. Bekanntlich ist auch das Gesetz „nicht aus Glauben” (Ga 3. 12); es wurde hinzugefügt um der Sünde willen. Es hatte also keinen Selbstzweck, sondern war einer Notwendigkeit geschuldet, die sich erst aus dem damaligen Zustand Israels ergeben hatte. Diesen Zustand bezeichnet die Bibel klar als Sünde; er war also alles andere als gottgegeben. Mithin war das Gesetz keine endgültige, sondern eine Notlösung: Da Israel sich weigerte, selbst die Stimme Gottes zu hören (2Mo 20. 18 - 21, vgl. Hbr 12. 19), mußte es, um das Leben dieses Volkes dennoch gewährleisten zu können, unter die Vormundschaft eben dieses Gesetzes gestellt werden (Ga 3. 19, 4. 1 - 4). Sünde ist ja immer die Trennung von Gott als Person. Gottlosigkeit bedeutet nicht, das Verkehrte zu tun, sondern es bedeutet, Gott - los, d. h. ohne Ihn Selbst zu sein. Dies besteht auch gerade dann, wenn ein zu haltendes Gesetz oder Prinzip an die Stelle der Beziehung zu Ihm tritt, wie wir zweifellos anhand der zahlreichen Auseinandersetzungen Jesu mit den Pharisäern erkennen können. Ebenso kann Beziehung nicht vermittelt werden; entweder man hat sie, oder man hat sie nicht. Der Plan Gottes für Sein Volk entsprach also – geoffenbart noch unmittelbar vor der Einführung dieses (aufgrund der Sünde hinzugefügten) Gesetzes – jener Verheißung, die dem Mose in der Wüste auf dem Berg Sinai gegeben wurde:

„Werdet ihr nun meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen und meinen Bund bewahren, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein, denn die ganze Erde ist mein; ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein,”
2Mo 19. 5, 6, Schlachter

    d.h., wenn sie Seine Stimme (!) hören und ihr gehorchen würden, so sollten sie Gottes besonderes Eigentumsvolk sein – in dem Reich, in dem Gott Selbst und ausschließlich ihr König sein wollte. „Mir”, so sagte Gott, sollten sie priesterlich dienen, indem sie die Dinge und Willensäußerungen Gottes den Völkern der Erde kundtun und diese Völker als Priester Gott entgegenführen sollten; ein Priestertum, das noch immer dem ganzen Volk Gottes verheißen ist und das, in den Neuen Bund einfließend, wir u. a. in 1Ptr 2. 9 erfüllt sehen. –


    Diese Stimme erscholl zu ihnen auf dem Berge, verbunden mit Donner und Erscheinungen; und diese Stimme war es auch, die sie nicht hören wollten, da sie sich vor ihr fürchteten. Hier finden wir auch die eigentliche Berufung Moses vor. Er führt das Volk hin zu Gott, hin zu Seiner Stimme:

    „Am dritten Tag, als es Morgen wurde, geschah ein Donnern und Blitzen. Schweres Gewölk lag auf dem Berg, als ein überaus gewaltiger Posaunenschall ertönte, so daß alles Volk, welches im Lager war, zitterte. Doch Mose führte das Volk aus dem Lager heraus, um dem Einen, Elohim, zu begegnen; und es stellte sich unterhalb des Berges auf. Da rauchte der ganze Berg Sinai, weil Jahwe in Feuer auf ihn herabgestiegen war...
2Mo 19. 16 - 17

    Israel erlebt hier also klar eine Begegnung mit dem lebendigen Gott. Es hört Seine Stimme. Dann jedoch weicht es zurück:

    „Alles Volk nahm das Donnergetön und das Blitzen wahr, den Posaunenschall und den rauchenden Berg. Als das Volk dies sah, da wankten sie, blieben in der Ferne stehen und sagten zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören, doch Elohim soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben. Da sagte Mose zu dem Volk: Fürchtet euch nicht!, denn der Eine, Elohim, ist gekommen, um euch zu erproben und damit die Furcht vor Ihm auf euren Angesichtern liege, so daß ihr keinesfalls sündigt. So blieb das Volk in der Ferne stehen ...”
2Mo 20. 18 - 21

    Wir lesen in dem vorangegangenen Absatz zweimal, daß das Volk in der Ferne blieb. Es zog also die Entfernung von Gott vor, und erwählte sich selbst den Weg der Vermittlung durch Menschen: „Rede Du mit uns, wir wollen hören, doch Elohim soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben”. Diese Todesangst resultiert aus Sünde heraus. Es ist gerade nicht die vor Sünde bewahrende Ehrfurcht vor Gott, in die sie anhand dieses Geschehens gerade hingeführt werden sollen (Vers 19), sondern die Angst vor dem Gericht. So fürchten sie sich vor Seinem verzehrenden Feuer; sie weichen zurück, damit sie nicht sterben. Sünde trennt von Gott, was hier eindrucksvoll demonstriert wird; die Scheu vor Seinem Gericht läßt das Volk zurückweichen, und so wählt man statt der Unmittelbarkeit die Vermittlung. Nur Mose befand sich in der Lage, von Gott zu hören – Gott redete zu ihm „von Angesicht zu Angesicht, wie jemand mit seinem Nächsten redet” (2Mo 33. 11). An ihn hängt man sich nun. Er, der sie eigentlich in diese Stimme hineinführt (2Mo 19. 5 - 8, 17), damit sie sie selbst hören, wird nun als Vermittler uminterpretiert. Mose soll reden, nicht Gott; Gottes Stimme ist ihnen unerträglich. Der Mittler, der eigentlich zum lebendigen Gott hinführen sollte, wird selbst an die Stelle des lebendigen Gottes gesetzt. In Folge dessen kommt es auch zur Übermittlung des Gesetzes - „angeordnet durch Boten in der Hand eines Mittlers” (Ga 3. 19). Fortan wird diese Vermittlung zum alles beherrschenden Weg in Israel.


Das goldene Kalb mit dem Namen Gottes: Baust Du selbst?

    Die große Problematik nicht nur im Leben Moses und Israels, sondern auch in der heutigen Gemeinde ist der Umstand, daß vielfach – oben wurde es bereits erwähnt – bloßer Pragmatismus an die Stelle einfachen Gehorsams getreten ist. So werden jedoch alle selbsterrichteten Strukturen zum Götzendienst. In dem Zusammenhang gilt es eine Angelegenheit zu betrachten, die zwar weithin bekannt, dennoch aber in ihrer Bedeutung bei Weitem unterschätzt wird. Wir werden uns mit einem Gebilde zu befassen haben, das zwar golden schimmert, tatsächlich auch aus Gold ist, das sogar auch unter dem Namen Gottes firmiert, doch mit diesem Gott Selbst nicht das Geringste zu tun hat. Es ist durch und durch Menschenwerk, weil es eingeführt wurde durch Menschen, angeordnet durch Menschen und errichtet von Menschen. So kommt es auch heute noch dazu, daß die Gemeinde nicht mehr dem Herrn, sondern, im Wahn, man erfülle Sein Wort, einer Sache, einer Struktur dient; ein Götzendienst, da man nicht mehr in der Offenbarung des lebendigen und gegenwärtigen Gottes wandelt und Ihm dient, sondern nun Gemeindestrukturen gewissermaßen zu demselben Gott erklärt werden, dem man zu dienen vorgibt. So heißt nun der neue, unausgesprochene Name ihres Gottes, der vor ihnen vorhergeht, dem sie folgen und dem sie Opfer bringen (vgl. 2Mo 32. 6 - 7), „unsere Gemeinde”. Hier wandelt man nicht mehr im Geist, in der Gemeinschaft mit Gott Selbst, sondern im ,Fleisch’, in eigener Kraft, nach menschlichem Weg und Willen, indem man in erster Linie durch das vermeintliche Erfüllen von Schriftstellen Gemeindestrukturen errichtet und bedient, also den benannten Götzen aus Opfergaben „des Volkes” (2Mo 32. 2 - 4) erst baut, und ihm dann erneut Opfer darbringt, indem man einer Sache nachgeht, die der Herr nicht geboten hat. –

    Diese Form eines dem Wesen nach gottlosen Biblizismus erinnert in deutlicher Weise an den oben angedeuteten Götzendienst Israels, der sich in dem Anfertigen des goldenen Kalbes in 2Mo 32. 1 - 10 erzeigte. Als Mose auf dem Berg in der Gegenwart Gottes verharrte und dem Volk die Zeit zu lang wurde, entschloß man sich, jenes Abbild eines goldenen Kalbes, einem Sinnbild eigener Kraft, zu fertigen, das den Zorn Gottes herausfordern mußte. Die Israeliten waren nicht in der Lage gewesen, auf die Offenbarung des Herrn zu warten, so daß die Zeit reif geworden wäre, daß Gott Selbst vor ihnen hergehen und sie führen könnte, sondern wollten sich selbst Götter schaffen, die vor ihnen hergehen sollten. Es begann bereits damit, daß das Volk sich aus eigenem Entschluß zu Aaron hin versammelte. Auch hier haben wir eine versammelte Gemeinde; gewiß aber ist es nicht die des Herrn, obwohl es dieselben Leute sind. –

    Als Mose augenscheinlich vom Berg Gottes wiederzukehren verzog, gab das Volk schließlich ihn, und damit die Offenbarung des Herrn auf, die zu erlangen Mose den Berg bestiegen hatte, indem es zu Aaron sagte:

    „Erhebe dich! Mache uns (selbst!) Götter, die vor uns hergehen sollen, [11] denn von diesem Mann Mose, der uns aus dem Land Ägypten heraufgebracht hat, wissen wir nicht, was aus ihm geworden ist.”
2Mo 32. 1

    Solcherlei Animationen, die dazu führen sollen, daß man "aufstehe und gehe", ohne daß dazu ein aktuelles Wort Gottes ergangen wäre, sind in nicht wenigen der Gremien, dies sich heute als Gemeinde bezeichnen, gang und gäbe. Aaron goß das Bild des goldenen Kalbes schließlich aus den Ohrringen des Volkes (Verse 2 und 3), die es ihm darbrachte (Vers 4), was verdeutlichen mag, daß dieser Götze das Gehör (den Schmuck bzw. den Dienst der Ohren) des Volkes Israel fordern würde. Israel würde ihm nachfolgen und gehorchen müssen. Sein Götzendienst bestand allerdings nicht in der Verehrung fremder Götter, sondern in dem Erheben, Bedienen und Befolgen eigener Werke, von Bildern und Vorstellungen („Leitbilder!”) von Gott: Hier war es ein Bild eines Stieres, das mit dem wahren Gott verwechselt wurde, was sich darin zeigt, daß Aaron diesem gegossenen Bild einen Altar baute und den darauffolgenden Tag zu einem Festtag für Jahwe bestimmte (Vers 5).


    Man erschuf sich also selbst einen Gott, den man als den Gott Israels – Jahwe – deklarierte und feierte. Das Bildnis, das Aaron erschaffen hatte, wurde als der Gott dargestellt, der Israel aus Ägypten herausgeführt hatte, d. h. als der Gott, der ihm voranging und dem man auch ferner folgen wollte. Das Volk wollte nicht auf den Herrn warten, sondern – möglichst alsbald – in eigener Kraft Resultate erzielen. Hierzu erschuf man ein sichtbares Abbild, eine Vorstellung seines Gottes, der man nachfolgte. So wie zur damaligen Zeit die Tierwelt Pate stand (der Stier als Götzenbild war den Israeliten aus ihrer Zeit der Knechtschaft in Ägypten wohlbekannt), so stehen heute der Mensch bzw. menschliche Maßstäbe als Abbild, Vorstellung und Ersatz für die Herrlichkeit des lebendigen Gottes bereit. Das Wort des Römerbriefes wird hierbei schaurige Wirklichkeit:

    „Weil sie, Gott kennend, Ihn nicht als Gott verherrlichen oder Ihm danken, sondern in ihren Folgerungen eitel wurden, ist auch ihr unverständiges Herz verfinstert. Vorgebend, weise zu sein, sind sie töricht geworden und verändern die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in die Gleichgestalt eines Bildes: des vergänglichen Menschen, der Flügler und Vierfüßler und Reptilien,”  [12]
Rö 1. 21 - 23

    also nach den Vorstellungen gemäß der Sichtbarkeit und damit dem Wesen dieser Welt entsprechend, das doch der Vergänglichkeit unterworfen ist (vgl. 2Kor 4. 18, 10. 7). –


    So verwarf man also die unmittelbare Offenbarung und Herrlichkeit des Herrn zugunsten einer Vorstellung von Ihm und eines vermeintlichen Abbildes; zugunsten seiner eigenen Wege und seines selbsterwählten Dienstes, der sich in der Erschaffung, dem Bedienen und dem Nachfolgen jenes goldenen Kalbes manifestierte, dem man in der Weise diente und das man so feierte, als wäre es Jahwe Selbst. Und dies ist eine große T r a g i k , die in Israel stets vorhanden war und die sich in der heutigen Gemeinde erneut zu wiederholen scheint. – – Ob es wohl der heutigen Christenheit noch gegenwärtig ist, daß Gott verboten hatte, sich ein eigenes Bildnis von Ihm und von himmlischen (geistlichen) Dingen zu machen? (2Mo 20. 4, 5Mo 4. 16, 23, 25; Kap. 5. 8)


 
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Anmerkungen und Erklärungen zum Kapitel

[1] Die Fügung „dem Einen” befindet sich nicht im Grundtext, in keiner Variante und geht auch aus keiner Lesart hervor, mit Ausnahme des bestimmten Artikels im zwölften Vers. Die Konkordante Übersetzung gibt den Gottesnamen mit Jewe wieder; wir wollen uns hier an das gebräuchlichere Jahwe (Tetragrammaton JHWH) halten.

[2] Im Gesetz wird später das Opfern für Jahwe selbst durch Unberufene strikt untersagt werden, und zwar bei Todesstrafe (2Mo 30. 9; vgl. 3Mo 10. 1 - 7). Dazu war nicht einmal jeder aus dem Volk berechtigt, die Darbringung von Opfern oblag allein dem Stamm Levi, d. h. Aaarons Söhnen (vgl. 2Mo 29. 44). Doch galt dieses Gesetz selbst ihnen nicht uneingeschränkt. – Zwar ist das Gesetz nicht lange nach den oben besprochenen Ereignissen erst hinzugefügt worden (2Mo 20ff); doch sollten wir dabei bedenken, daß dieses Gesetz nichts anderes ist als ein Ausdruck des Willens und damit der Wesensart Gottes - eines Gottes, der heilig ist, und der sich nicht ändert (vgl. Ja 1. 17). Schon bei der Erhebung des Passah-Opfers in Ägypten war jedoch, lange schon vor dem Gesetz, angeordnet worden, daß kein Fremder und Unbeschnittener an dem Opfer teilhaben durfte; wollte ein Fremder an dem Opfer teilnehmen, mußte er erst beschnitten werden und galt dann allerdings auch als ein Glied des Volkes (2Mo 12. 43 - 51). Erst dem im verheißenen Lande bei Israel wohnenden Fremden wird, wenn er will, das Opfern ermöglicht (4Mo 15. 14 - 16). Dies ist allerdings eine Bestimmung für das Land Kanaan, in das Israel erst noch hineingeführt werden sollte, und kann somit nicht auf Jethro in Midian bezogen werden. Weiterhin ist Jethro keineswegs ein Glied des Volkes Gottes geworden, was, wie oben beschrieben, durch Beschneidung zu geschehen hatte; er war und blieb immer der Priester Midians (2Mo 18. 27).

    Diese Ordnung aber, nach der ein Unbeschnittener nicht zum Volk gehörte und damit auch nicht zum Opfer zugelassen werden durfte, war inmitten Israels bereits seit langem bekannt. Hier ist auch zu sehen, daß – am Gipfelpunkt seiner Flucht aus Ägypten – Mose zu Jethro kam und von ihm in seine midianitische Sippe aufgenommen wurde; umgekehrt kam aber Jethro nicht zu Mose, um etwa ein Glied Israels zu werden. – Später brachte man die Opfer nicht mehr selbst dar, wie dies in der Frühzeit Israels noch geschehen war. Auch Jethro hatte das Opfer selbst dargebracht, offenbar in Ausnutzung der Tatsache, daß es zu der Zeit unter den Israeliten eine geregelte Opfergesetzgebung und damit eine gesonderte Priesterschaft noch nicht gab. Nach dem nur ein wenig später erlassenen Gesetz hatte man die Opfer zum Priester zu bringen, der dann im Zelt der Zusammenkunft bzw. im Tempel wirkte; so oblag, wie eingangs erwähnt, der Vollzug, die eigentliche Opferung selbst, allein den Leviten, d. h. den Nachkommen Aarons. Diese waren es dann auch, die die Opfer aßen (vgl. Jer 33. 18). Auch freiwillige Opfer waren damit genauesten Bestimmungen unterworfen. Man ziehe hierzu die Opfergesetzgebung im Dritten Buch Mose (Levitikus) zu Rate (siehe auch Lk 2. 22 - 24).


[3] Interessanterweise sind Ägypten (Mizrajim) und Midian ihrem Ursprung nach Verwandte; Midian ist der Sohn der Ketura, der Kanaaniterin, Abrahams Nebenfrau. Kanaan und Mizrajim sind Brüder; es sind Söhne Hams (Hamitenvölker). „Die Söhne Hams: Kusch, Mizrajim, Phut und Kanaan (1Mo 10. 6).

[4] Man vergleiche hierzu die Beschneidung Ismaels, dem, obwohl er gesegnet worden war, ebenso nicht der Bund Gottes galt (1Mo 17. 15 - 27). Auch für ihn übernimmt die Beschneidung lediglich eine gewisse Schutzfunktion, da er Gott verhältnismäßig nahe gekommen und auch von Ihm gesegnet worden war; doch Seinen Bund hatte Gott mit Abraham bezüglich der Linie Isaaks gemacht.

[5] Der Schutz des Ungläubigen durch den Einfluß des gläubigen Partners besteht auch im Neuen Testament fort; es handelt sich also um eine zeitlich nicht gebundene Ordnung Gottes. „Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein...”, schreibt Paulus in 1 Kor 7. 14. Allerdings wird sich auch das Gericht immer dann auswirken, wenn Sünde fortbesteht und versucht wird, mit dieser Sünde Gott nahe zu kommen. Der Tod ist in jedem Fall und zu jeder Zeit der Lohn der Sünde!

[6] Mizrajim ist die Wiedergabe des hebräischen Namens für Ägypten nach dem Grundtext.

[7] Auch dem Neuen Testament sind diese Zusammenhänge geläufig, ihre Erkenntnis von existenzieller Notwendigkeit. Man lese hierzu die – auf das Israel des Alten Bundes bezogenen – Aussagen des Paulus in 1Kor 10. 18 - 22.

[8] Erst später, als Gott mit Abraham einen Bund schließt, wird er sich auch ihm selbst mit Namen erklären: „Ich bin Jahwe” (1Mo 15. 7). Damit wird auch hier die Wichtigkeit des Namens Gottes in Verbindung mit Bündnissen offenbar; der Bündnispartner ist eindeutig zu identifizieren, hat er sich doch mit Namen zu erkennen gegeben. Vorher hatte Abraham allerdings schon, wohl von Hörensagen, um den Namen Jahwes gewußt. Bereits seit Kain ist dieser Name immer wieder angerufen worden (1Mo 4. 26). Noch im elften bzw. dreizehnten Kapitel lesen wir, daß Abram den Namen Jahwes anruft - an dem Altar, den er zwischen Ai und Bethel errichtet hatte (1Mo 11. 8 und 13. 4). Ihm war also der Name Gottes durchaus bekannt; doch erklärt hatte Jahwe sich ihm erst, als es darum ging, mit ihm einen Bund zu schließen.

[9] Kuschiter, auch Äthiopier genannt. Entgegen traditioneller Anschauungen kein Synonym für Midian, sondern ein ganz anderes Volk. Der Name geht auf Kusch, einen Sohn Hams zurück (1Mo 10. 6), während Midian einer der Söhne Abrahams mit seiner offensichtlich kanaanitischen Nebenfrau Ketura ist (1Mo 25. 1). Beide Stämme sind wohl – über Umwege – verwandt, da Kanaan ebenfalls einer der Söhne Hams war (Hamiten). Dennoch stellen sie zwei verschiedene Volksstämme dar. Die auslegerische Tradition beruft sich in ihrer Gleichsetzung Midians mit Kusch allein auf Hab 3. 7, übersieht dabei aber, daß es sich hier um eine Aufzählung zweier Völker nacheinander handelt; eine etwaige Konkretisierung des einen mithilfe des anderen geht aus diesem Text also gerade nicht hervor.

[10] Die Moabiter waren ein mit den Midianitern verwandter Stamm. Während Midian ein Sohn Abrahams war, der aus dessen Verbindung mit der Kanaaniterin Ketura hervorging, stammt der ältere Moab von Abrahams Neffen Lot ab, und zwar durch Inzucht mit dessen Töchtern (1Mo 19. 36 - 37). Midian und Moab bewahren ihre Verbindung stets und erscheinen in ihren Handlungen gegen Israel oft gemeinsam.

[11] Oder einen Gott, das hebräische Wort Elohim läßt beides zu.

[12] Bei einem solchen „Bild” geht es immer auch um die Präsentation eines Abbildes, einer Vorstellung, oder – im Wortsinn – die einer so genannten „Vision”, dessen also, was man „sehen” oder auch „gesehen haben” will.




Verwendete Bibelübersetzungen und Textausgaben

Wo nicht anders angegeben, wurde für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose,
die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die Konkordante Übersetzung verwendet.

Konkordantes Neues Testament (KNT)
mit Stichwortkonkordanz 5. Auflage 1980, neu überarbeitet

Konkordantes Altes Testament (KAT)
Das Erste und Zweite Buch Mose, 2. erw. Auflage

Die Psalmen, 1. Auflage 1994

Konkordanter Verlag Pforzheim

Die im KAT verwendete Transliterierung für den Gottesnamen haben wir in der Wiedergabe jeweils durch das gebräuchlichere „Jahwe” ersetzt.


An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift aus dem Grundtext übersetzt”, 73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung

„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments
Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen
Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter,
Neu bearbeitet und herausgegeben durch die
GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

sowie die Übersetzung „Schlachter 2000”

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, Schömberg

Novum Testamentum Graece
(Nestle-Alandt)

26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988,
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart





Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.


Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Stand: 01. 05.2012

© 2003 ff.

 
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