Die  Ledigen, die Verheirateten...


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Die Ledigen, die Verheirateten und die Übrigen.

Worte über Ehe und Ehescheidung in der Heiligen Schrift.


Eine Betrachtung zum Ersten Korintherbrief, Kapitel 7. 8 - 16.



Treugemeint sind die Schläge des Freundes, aber reichlich die Küsse des Hassers.

Eine übersättigte Seele zertritt Honigseim; einer hungrigen Seele aber ist alles Bittere süß.


Spr 27. 6 - 7 (Schlachter)

Inhalt:

Stehen oder gehen? Eine Einführung * Ledige, Verheiratete, Übrige: Was gilt für wen? *
Verheiratete und Geschiedene * Was Gott zusammenfügt, soll der Mensch nicht scheiden *
Von göttlichen und anderen Bünden * Die dreifache Schnur *
Die Übrigen: Gläubige und Nichtgläubige * Zusammen-wohlmeinen *
Heilig dem Herrn * Nicht sklavisch gebunden *
Was weißt du? * In Frieden berufen

Neu durchgesehen und überarbeitet 2011.



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Stehen oder gehen? Eine Einführung.

    Die nachfolgenden Sätze sind vor nun schon einiger Zeit niedergeschrieben worden. Sie beschäftigen sich mit den Fragen der Ehe und der Ehescheidung in der Heiligen Schrift und legen besonderes Augenmerk auf solche Ehen oder Gemeinschaften, in denen nur einer der beiden Partner gläubig geworden ist. Dieses Thema, mit dem zu beschäftigen ich mich aufgrund vieler Gespräche veranlaßt sah, ist nicht ohne Brisanz; und so gilt es auch hier ganz besonders, die klaren Aussagen der Bibel aufzurichten und das landläufig Gelehrte an diesen Aussagen zu messen. Gerade in diesem Zusammenhang soll dem Wort des Paulus wieder mehr Raum gegeben werden, das er seinem Schüler Timotheus mitgegeben hat, dem er nahelegt, sich

    selbst Gott bewährt darzustellen, als unbeschämter Arbeiter, der das Wort der Wahrheit richtig schneidet,
2Tim 1. 15

    was bedeutet, daß eben dieses Wort in unterschiedlichen Zusammenhängen auch unterschiedlich angewendet werden, auf die Situation, in der sich die Hörer
jeweils befinden, also stets richtig zugeschnitten sein muß, und zwar derart, daß die Anweisungen hinsichtlich des Personenkreises, dem sie erklärtermaßen gelten, entsprechend genau zugeordnet werden. Auch in Bezug auf unser Thema ist dies nicht anders, wie wir anhand der Aussagen des Apostels Paulus noch sehen werden, der verschiedene Aussagen und Anweisungen auf drei durchaus nicht identische Personengruppen bezieht und ihnen demgemäß das Wort Gottes unterschiedlich zueignet bzw. zuteilt und damit auf deren jeweilige Situation exakt zuschneidet, ergo also genau das tut, was er seinem Schüler Timotheus oben ans Herz gelegt hat.

    Ganz offensichtlich also gilt nicht jedes Wort Gottes für jede Person in jeder Situation gleichermaßen. Gerade auch im Bereich von Ehe und Partnerschaft ist dies nicht anders, so daß ein gleichmacherischer Gebrauch des Wortes Gottes sich hier in besonderer Weise rächen muß, greift er hier doch außergewöhnlich tief in die Lebensumstände der Betroffenen ein, die somit falsch gewertet werden; die in wohlmeinenden Ratschlägen verabreichte Medizin ausgesprochener Ge- oder Verbote wird so zu mitunter tödlichem Gift. Die stetige Vernachlässigung, ja sogar Verneinung geistlicher Erkenntnisse auf diesem Gebiet und das schriftwidrig undifferenzierte, in jedem Fall unbedingte Bestehen auf einem rigorosen Scheidungsverbot und dem ausnahmslosen Verweigern einer jeden möglichen Wiederheirat, ohne dabei die Gegebenheiten im Leben der Betroffenen selbst zu berücksichtigen, hat so bis heute vielerlei Irrtümer, Schmerzen und viel unnötiges Leid verursacht. All dies sind Folgen einer im Verlaufe der Jahrhunderte entstandenen, gesetzlich-religiösen, kirchlich geprägten Lehre, deren Gedanken gerade auch in vermeintlich freien Kreisen noch immer nachwirken und erhebliches Unheil im Leben solcher Geschwister anrichten. So führen heute auch die meisten Bücher zu diesem Thema nicht etwa dazu, daß die überaus wichtigen und zur Klärung notwendigen Fragen endlich einmal klar beantwortet würden, sondern bewirken geradezu das Gegenteil – die Wahrheit wird immer noch mehr verschleiert. All dies ruft vor allem bei den betroffenen Frauen, zunehmend aber auch bei Männern, viele Selbstanklagen hervor, läßt sie mit ihren Problemen im Regen stehen und verschärft diese sogar noch, da die Unklarheit bestehen bleibt, ja eine Lösung in immer weitere Ferne gerückt wird.

    Oftmals wird auch heute – gerade in charismatischen Kreisen – mit einer geradezu erschreckenden Blauäugigkeit auf dieses Thema eingegangen. Naivität verknüpft sich vielfach mit Wunschträumen und wird dabei als Glaube verkauft. Das Reden eines geängstigten Herzens und Gewissens, das es in einer solchen Situation gar nicht besser wissen kann, wird von vermeintlichen „Ratgebern” als Reden Gottes mißinterpretiert. Eine hier unbedingt notwendige, sich auf die Schrift gründende Nüchternheit wird so mit einer gefährlichen Schwärmerei ersetzt. Ganz gefährlich, da in die Nähe der Zauberei gelangend, wird die Sache dann, wenn man vermeintliche Lösungen mit Nachdruck „herbeizubeten” und zu „erglauben” sucht, die Gottes Wort nicht verheißen hat. In der Regel wird dabei vernachlässigt, daß wir in einer gefallenen Welt leben, in der die Ordnungen Gottes nicht oder nur noch eingeschränkt Gültigkeit besitzen, da Satan der Fürst dieser Welt ist. Gerade in Ehebeziehungen jener Neubekehrten, die einen ungläubigen Partner haben – auf die in dem Vorliegenden ein Hauptaugenmerk gelegt werden soll – offenbart sich, wie vielfach die ganze Hölle gegen den Gläubigen aufsteht, ihre alten Einflüsse und Anrechte geltend macht und den Ungläubigen hierbei gegen den Gläubigen treibt.

    Die Finsternis läßt niemanden freiwillig ziehen, und wird alles ihr noch mögliche tun, um das von Gott Geborene wieder zunichte zu machen. In zahlreichen Ereignissen des Wortes Gottes, in denen es um einen Neuanfang und um die Herausgeburt neuen, göttlichen Lebens geht, finden wir exakt diese Aussage wieder. Hierzu anzuführen wären zunächst die Herausführung Israels aus Ägypten, dem Land ihrer Knechtschaft und aus der Hand Pharaos, (2Mo 14. 5 - 31), dann die Flucht der Familie Jesu nach Ägypten, da der König Herodes dem neugeborenen Gottessohn nach dem Leben trachtete (Mt 2. 13 - 15), und – als Höhepunkt des Heilsgeschehens – die Entrückung des „männlichen Sohnes” zu Gott, nachdem er eben geboren worden war, bevor der Drache, ein Synonym für die Schlange oder den Teufel, ihn fräße (Off 12. 4 - 5). Immer, in all diesen Ereignissen, besteht die Aussage fort, daß das Neue, das Gott wirkt, das neugeborene Leben, das Er hervorbringt, durch die es umgebende Finsternis gefährdet, bedrängt und schließlich umgebracht werden soll. Hier dürfen wir nicht „darunter bleiben, wie es Kindern Gottes, die sich in solchen Situationen befinden, vielfach einzureden versucht wird, sondern es ist aus dem herauszugehen. Deswegen gilt es auch nicht, in beispielloser und gefährlicher Geistesschwärmerei etwa irgendwelche „Bekenntnisse” und „Proklamationen” in die „geistliche Welt hinein” zu vollführen, um hier einen Schutz errichten zu wollen, der auf diesem Wege nicht bestehen kann, sondern das zu tun, was Gott in Seinem Wort klar festgelegt hat, und wofür es keinen Ersatz gibt.

    Hier kann also gerade nicht durch irgendwelche „Bekenntnisse” ein „Sieg” verkündet werden, der auf diesem Wege nicht zu haben ist, sondern es ist dem zu entfliehen, wie Gott gesagt hat. Denn der Sieg ist immer nur auf dem Wege zu bekommen, den Gott in Seinem Wort schon geoffenbart hat. Allein auf dieser Bahn kann auch nur Seine Führung erwartet werden. Wir dürfen eben nicht stehen, wenn gehen angesagt ist, und können auch nicht gehen, wenn Gott stehen sagte. So, wie Mose den Kindern Israel immer wieder zu sagen hatte, daß sie fortzuziehen hatten (2Mo 14. 15), und so, wie der Engel Gottes dem Joseph bedeutet hatte, nach Ägypten zu fliehen, da Herodes beschlossen hatte, das Kind zu töten (Mt 2. 13), so nimmt – als wolle Er dies noch einmal bestätigen – Gott am Ende der Tage dieses Zeitalters selbst das soeben von der Gemeinde Herausgeborene und entrückt, ja er rafft es von dort weg zu Gott und Seinem Thron, noch bevor der Drache „ihr Kind fräße (Off 12. 4). Nicht stehen, sondern gehen ist hier das Gebot der Stunde!

    Als Israel aus Ägypten befreit wurde, war dies eine Befreiung aus der Sklaverei, um Gott zu dienen. Denn dies war das Wort, das Mose an Pharao zu richten hatte:

    „Entlasse Mein Volk, damit es Mir diene!”
2Mo 9. 1

    Damit war die alte Sklaverei aufzugeben, um mit Gott ein neues Bündnis einzugehen, das ebenfalls ein Dienstbündnis, allerdings eines mit einem völlig anderen Charakter, sein würde. Nur das Eingehen in dieses Bündnis, dieser Bindung an Gott, in dem nun anstelle der Sklaverei Ägyptens Gott zu dienen war, ermöglichte also die Freiheit von dem alten, aus dem ausgegangen werden mußte. Als Israel sich endlich auf den Weg gemacht hatte, setzte Pharao mit all seinen Wagen und seinem ganzen Heer ihm nach, um das zu verhindern, was Gott vorgesehen hatte: er wollte sich zurückholen, was von Ihm gerade eben herausgeführt worden war, um es weiterhin im Sklavendienst zu halten (2Mo 14. 5). Und erst dann, als die endgültige Trennungslinie – das Schilfmeer – durchquert worden war, hinter die es keinerlei Rückzugsmöglichkeit mehr gab, war Israel vollkommen frei, und hatte endgültig Ruhe vor seinem Feind, der bekanntlich in den Fluten umkam und „mit Mann und Maus” ertrank (2Mo 14. 26 - 28). – Wie Mose die Kinder Israel aus Ägypten und aus der Knechtschaft ihres Herrschers, Pharao, herausgeführt hatte, um dem lebendigen Gott zu dienen, so wurden auch wir gegenbildlich aus der Welt, dem Herrschaftsbereich Satans, durch Jesus errettet, um nun unserem Gott zu folgen und Ihm allein zu dienen. All das ist uns ja zur Lehre geschrieben worden, damit wir daraus lernen und uns warnen lassen (1Kor 10. 1 - 11). Auch in unserem Thema wird es um einen Sklavendienst gehen, an dessen Stelle Gott die Freiheit schenken möchte. Doch so, wie Israel all die Hemmnisse und Einflüsse Pharaos auf diesem Weg klar zu verlassen und eine endgültige Trennung zu vollziehen hatte, haben auch wir aus allem herauszugehen, was der Finsternis dient, und was von dieser dazu gebraucht wird, uns auf diesem Wege aufzuhalten und das neue Leben in uns zu bedrohen. Und diese Bedrohung, die heute vielfach nicht mehr gesehen zu werden scheint, kann unter ganz bestimmten Umständen tatsächlich lebensgefährlich werden.

    Wie brisant diese Zusammenhänge wirklich sind, zeigte sich mir anhand eines Berichtes in den Fernsehnachrichten, den ich im Frühjahr des Jahres 2001 sah, und der mich tief erschüttert hatte. Wie man berichtete, war eine junge Kölnerin von ihrem Mann erschlagen worden, Der Grund hierfür hatte darin bestanden, daß sie an Jesus gläubig geworden war und dem Mann bezeugt hatte, daß Jesus nun den ersten Platz in ihrem Leben einnehme. Man mag nun über Weisheit oder Unweisheit spekulieren. Fakt ist jedoch, daß ein schlichtes Zeugnis die Hölle in ihm in Fahrt gebracht hatte. Die Frau hatte dabei nicht gewagt, ihn zu verlassen. Nun war sie tot; der Mann – ein vom Teufel gehetztes und mißbrauchtes Menschenkind – befindet sich für die wohl längste Zeit seines Lebens hinter Gittern, und eine Welt, die Gott ablehnt, hat ihren Stoff zur vermeintlichen Unterhaltung der Allgemeinheit gefunden. Dies sind die traurigen Früchte jener unbiblischen Lehren, die heute noch immer ihr Unheil treiben, und nach denen sich insbesondere Frauen nicht wagen, solche für sie oftmals sogar lebensbedrohlichen Umstände zu verlassen, und dem Feind ihr klares Nein entgegenzusetzen. Welch bodenloser Leichtsinn und welche Unverantwortlichkeit liegt doch bei denen, die solche Lehren verbreiten! Es macht daher also keinen Sinn, von einer vermeintlichen Wirklichkeit auszugehen, von der nicht einmal das Wort Gottes ausgeht. Die vorhin angesprochene, als Glaube mißverstandene Naivität und Schwärmerei enthüllt sich so schnell als gefährlicher, irreführender Wahnsinn. Dies alles hilft nicht; nur Gottes Wort, das die Wahrheit ist, vermag uns zu helfen, wenn wir uns allein daran halten.

    Menschen, die dieses klarzustellen bemüht sind, und das zu sagen wagen, was Gott sagt, werden dann sehr schnell als lieblos abgestempelt. Auch Paulus machte sich zum Feind, als er die Wahrheit sagte (Ga 4. 16). Ist man lieblos, weil man die Wahrheit sagt? Wenn man sagt, daß die von zahlreichen Schriften, die von Ehe und Partnerschaft schreiben, immer wieder suggerierte „heile Welt nicht existiert? Ist es lieblos, über eine brennende Welt zu sagen, daß sie brennt? Ist es lieblos, den Weg heraus aufzeigen zu wollen? Oder ist es nicht vielmehr lieblos, die Lüge immer weiter aufrechtzuerhalten und die Menschen ihren Nöten zu überlassen? – Von Frauen, die dieses Thema hinter sich gebracht haben, wird oftmals gesagt, daß sie zumeist solche Literatur nicht mehr lesen, da sie durch Erfahrung wissen, daß sie durch diese betrogen worden sind, und im Nachhinein erkennen müssen, daß ihnen viele Verletzungen erspart worden wären, wenn sie sich nicht an sie gehalten hätten. Deshalb soll auch hier einmal in die Schrift ohne Rücksicht darauf, was Menschen sagen – hineingegangen werden, um herauszufinden, welche Antworten das unvermischte Wort Gottes zu geben hat. Diese zu finden und herauszustellen, ist Anliegen der vorliegenden Seiten.

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Ledige, Verheiratete, Übrige: Was gilt für wen?

    Wir betrachten nun die verschiedenen Aussagen des Apostels Paulus zu diesem Thema.

    8 Den Unverheirateten und den Witwen sage ich aber: Trefflich ist es für sie, wenn sie dabei bleiben, wie auch ich. 9 Wenn sie aber nicht enthaltsam sein können, sollen sie heiraten. Denn es ist besser, zu heiraten als zu glühen.

    10 Den Verheirateten weise ich an, das heißt nicht ich, sondern der Herr: Die Frau trenne sich nicht vom Mann. 11 Wenn sie aber geschieden wird, soll sie unverheiratet bleiben oder sich mit dem Mann versöhnen. Ebenso soll der Mann nicht seine Frau verlassen.

    12 Den Übrigen jedoch sage ich und nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und diese willens ist, bei ihm zu wohnen, so soll er sie nicht verlassen. 13 Ebenso, wenn eine Frau einen ungläubigen Mann hat und dieser willens ist, bei ihr zu wohnen, so soll sie den Mann nicht verlassen. 14 Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig. 15 Wenn aber der ungläubige Teil sich trennen will, so soll er geschieden werden. In solchen Fällen ist der Bruder oder die Schwester nicht sklavisch gebunden. In Frieden hat uns Gott berufen! 16 Was weißt du denn, Frau, ob du den Mann retten wirst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau retten wirst?
1Kor 7. 8 - 16

    Dieser Text aus dem ersten Korintherbrief besteht aus drei Anordnungen, die an drei jeweils verschiedene Adressen gerichtet sind: Die Verse 8 bis 9 sprechen zunächst von den Unverheirateten und den Witwen, die Verse 10 bis 11 von den im biblischen Sinne Verheirateten, und die letzte Gruppierung, auf die wir unser besonderes Augenmerk legen wollen, von solchen Paaren, von denen ein Partner gläubig geworden, der andere aber ungläubig geblieben ist. Diese letzte Gruppe bezeichnet Paulus weder als Ledige, noch als Verheiratete, sondern ganz schlicht und einfach als die Übrigen; er deutet damit bereits an, daß diese weder zu der Gruppe der Ledigen noch zu der der Verheirateten hinzuzurechnen sind. Damit hat es also eine besondere Bewandnis; wir werden später sehen, warum. Daß diese Abhandlung von drei voneinander zu unterscheidenden Personengruppen spricht, die nicht ineinandergemengt werden dürfen, darf dabei nicht übergangen werden, wenn es uns gelingen soll, das Ganze richtig einzuordnen und zu verstehen. Es wäre nicht nur töricht, sondern auch geradezu fahrlässig, Dinge, die Paulus bezüglich der einen Gruppe sagt, nun auch für eine andere geltend machen zu wollen. Dennoch begegnen wir diesem Durcheinander bei nicht wenigen, gerade auch bibeltreuen, Auslegern.

    Die erste Gruppe, der Paulus hier etwas zu sagen hat, besteht aus den Ledigen und den Witwen. Paulus sagt ihnen im achten und neunten Vers, daß es ihnen gut sei, wenn sie so blieben wie er, d. h. ledig und damit an einen Menschen ungebunden. Wenn sie aber sich nicht enthalten könnten, so sollen sie heiraten. Dies ist eine klare Anweisung, die uns ganz unspektakulär und selbstverständlich vorkommen mag; jedoch wird uns ihre Brisanz alsbald deutlich werden, wenn wir das Umfeld begreifen, in dem Paulus dies schrieb. Dies ist ja ein Brief an die Gemeinde im alten Korinth, in der ganz offensichtlich Viele gerade erst zum Glauben gekommen waren. Die Zustände in Korinth waren die, daß jede sexuelle Verfehlung – bis hin zur Tempelprostitution – möglich, und eine entsprechende Freizügigkeit im Umgang der Geschlechter an der Tagesordnung war. Mit den Neubekehrten dürften solche Dinge durchaus in die Gemeinde hereingekommen sein. Das sehen wir daran, daß hier ganz offensichtlich Partnerschaften bestanden, die ohne eheliche Verbindung, in „freier Liebe” also, miteinander Umgang hatten. Denn sonst wäre diese Ermahnung wohl kaum notwendig gewesen. Auf diesem Gebiet waren also Dinge klarzustellen und zu bereinigen.

    Demgemäß sagte Paulus denjenigen, denen es nicht gegeben war, enthaltsam leben zu können, nicht etwa, daß sie ihrem Fleisch weiterhin freien Lauf lassen sollten, wie es in ihrem heidnischen Umfeld so alltäglich und selbstverständlich war, und gewisse Philosophien ihnen als ganz natürlich, als vorgegeben, oder gar als notwendig dargestellt haben mochten. Nein – er sagt ihnen, sie sollten heiraten. Es geht dem Paulus also ganz offensichtlich darum, die Ordnungen Gottes aufzurichten. Dies könnte unter seinen Briefempfängern, die bislang doch etwas anderes gewöhnt waren, durchaus eine kleine „Revolution” ausgelöst haben. Aber auch wir erkennen im Hinblick auf unsere Zeit recht schnell, daß unsere heutigen Gegebenheiten nicht sehr weit von denen des alten Korinth entfernt sind. Und auch heute stößt man durchaus bei so Manchem auf erbitterten Widerstand, wenn man ihm bedeutet, daß der Weg Gottes, ein Paar zu verbinden, die Ehe ist, während jede sexuelle Gemeinschaft ohne ein zuvor ergangenes, öffentliches Eheversprechen als Hurerei bzw. Unzucht (grie. porneia) zu bezeichnen ist (vgl. 1Kor 7. 2). Es gilt jedoch immer noch: Wenn sie sich nicht enthalten können, sollen sie – als klare Anordnung – heiraten. [1] Wir werden im Folgenden immer wieder die an ein „Wenn geknüpften Anordnungen sehen, was uns sagt, daß nicht jedes Wort Gottes in jeder Situation gilt. Die Anweisung, zu heiraten, galt also – und jeder wird das verstehen – nur für die Ledigen, wenn sie nicht enthaltsam leben konnten.

    Die Erstgenannten haben wir eben ganz kurz angerissen; hier ging es um die Unverheirateten. Die Verse 10 und 11 sprechen dagegen von den Verheirateten. Paulus gibt hier die Anweisung des Herrn wieder, die für sie – und nur für sie – gültig ist. Hierzu wird es notwendig sein, sich mit dem Eheverständnis der Bibel auseinanderzusetzen, um zu erkennen, daß nicht jede Verbindung einer von Gott zusammengefügten und damit sowohl von als auch vor Ihm geschlossenenen Ehe gleichkommt.

    Vom zwölften Vers an wird jedoch nicht mehr von den im Sinne des 10. Verses Verheirateten gesprochen werden; mithin werden die dort Genannten von den in Vers 10 Angesprochenen eindeutig unterschieden. Während im Vers 10 Paulus noch zu den unter Gott Verheirateten sprach (wir werden später sehen, warum), spricht er zu den in Vers 12 genannten Paaren als von den Übrigen. Die Anmerkungen, daß der Herr dies sagt (Vers 10), bzw. daß Paulus dies sagt (Vers 12), bedeuten nicht, daß das eine ein stets anzunehmendes Wort Gottes sei, und das andere nicht. Dies ist eine Fehlauslegung, die man immer wieder hört. Es ist auch nicht der Fall, das das, was der Herr sagte, verbindliches Gebot, während das, was Paulus sagte, nur ein unverbindlicher oder vielleicht hilfreicher Ratschlag gewesen sei, den man so oder so auslegen könne. Beides ist Bestandteil der Schrift, und selbstverständlich stellen beide Anweisungen jeweils auch verbindliches, d. h. gültiges Wort Gottes dar (vgl. 2Tim 3. 16). Man muß daher erkennen, was hier für wen gilt, und berücksichtigen, daß wir hier zwei voneinander zu unterscheidende Sachverhalte vorliegen haben, die man nicht „über einen Kamm scheren” darf. Dementsprechend müssen wir davon ausgehen, daß für die Erstgenannten die durch den Herrn eingesetzte Regel Gültigkeit besitzt, während für die Anderen gilt, was (derselbe Herr durch) Paulus zu sagen hat. Es geht hier also nicht darum, daß das eine Wort mehr Wert als das andere besäße, weil der Herr es gesagt habe, sondern es geht lediglich um die Aussagen zweier Personen, die zu verschiedenen Zeiten und zu verschiedenen Anlässen ergangen sind, wobei der Herr in Seinem Umfeld das für diese Situation Betreffende, und Paulus in einem anderen Umfeld das für dessen andere Situation Betreffende aussagt. Beides ist also vollgültig, und steht daher gleichberechtigt nebeneinander; jedoch gilt beides nicht für Beide, und demzufolge kann auch beides nicht miteinander vermengt werden.

    Bei der Erkenntnis, daß hier zwei verschiedene Worte und ganz offensichtlich auch zwei verschiedene Ordnungen vorliegen, in die hinein jedes dieser Worte, seiner Situation entsprechend redet, ist es hilfreich, wenn wir begreifen, daß zur Zeit Jesu das Wort Gottes noch nicht vollständig offenbart war, und daher auch nur das für diese Zeit Betreffende gesagt werden konnte. Wir hatten es ja zu seiner Zeit noch allein mit dem Volk Israel als dem Träger der Verheißungen Gottes zu tun, in dem Mischehen (Gläubige mit Ungläubigen) nach dem bis dahin bestehenden Gesetz von vornherein unterbunden, also nicht vorgesehen worden sind. Erst nachdem die Gemeinde des Neuen Bundes, aus den Nationen kommend, gebildet wird, werden sich aufgrund anderer Gegebenheiten auch andere Notwendigkeiten auftun, die diesem Rechnung tragen, muß vieles dem bis dahin geoffenbarten Wort Gottes noch hinzugefügt werden. Deshalb sagte Paulus an anderer Stelle (Kol 1. 25), daß es ihm – als dem Apostel der Nationen – im Hinblick auf die Gemeinde gegeben sei, das Wort Gottes zu vervollständigen (griechisch pleroo, vervollständigen, ergänzen, zum Abschluß bringen). Diese Vervollständigung des Wortes ist richtigerweise als Abschluß des Bibelkanons verstanden worden. Das bedeutet also, daß damals dem bis dahin schriftlich niedergelegten Wort Gottes noch etliche Bestandteile fehlten, die durch Paulus noch zu ergänzen, hinzuzufügen waren – nämlich all die Dinge, die die Verwaltung Gottes zum Inhalt hatten, die die Gemeinde in ihren Zusammenhängen betraf (Kol 1. 25 - 29). Dazu gehörte auf jeden Fall auch die Berücksichtigung der Tatsache, daß mit dem Gläubigwerden von Menschen aus der nichtjüdischen Welt plötzlich auch Paare präsent wurden, in denen ein Teil sich bekehrt hatte, während der andere ungläubig geblieben war. Dies war gegenüber dem bisher Erfahrenen eine völlig neue Situation, die einer Klärung bedurfte. Dem trug Paulus in seinen Anweisungen Rechnung, während der Herr innerhalb derselben Thematik zu den Dingen etwas sagte, die schon zu seiner Zeit auf der Erde bestanden hatten.

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    Verheiratete und Geschiedene

    Es sollen uns zunächst die Verheirateten beschäftigen.

    10 Die Verheirateten weise ich an, das heißt nicht ich, sondern der Herr: Die Frau trenne sich nicht vom Mann. 11 Wenn sie aber geschieden wird, soll sie unverheiratet bleiben oder sich mit dem Mann versöhnen. Ebenso soll der Mann nicht seine Frau verlassen.
1Kor 7. 10 - 11

    Wer sind nun die Verheirateten, von denen 1Kor 7. 10 spricht? Die vorstehende, vom Herrn Jesus aufgenommene Regel spricht von Ehe und Ehescheidung in Israel. [2] Er hatte diese Aussagen stets gegenüber den Pharisäern, wo es um die Auslegung des Gesetzes Gottes ging, oder im Jüngerkreis gemacht. Sie alle waren Gläubige, und gehörten zu Gottes Volk. Dieses Wort redet also ausnahmslos von solchen Ehen, die unter dem Volk Gottes geschlossen worden sind. Indem Paulus dies hier für „die Verheirateten” verwendet, ist also klar, wer gemeint ist: Es sind ausschließlich Ehen gemeint, die zwischen Kindern Gottes, zwischen Gläubigen also, zustande gekommen sind. Und diese sind gehalten, sich nicht zu trennen. Sollte es dennoch zu einer Trennung gekommen sein, sollen sie entweder unverheiratet bleiben, oder sich wieder mit dem Mann versöhnen. Andere Möglichkeiten werden hier nicht genannt. Warum? Weil nach dem Wort des Herrn die Ehe, durch Ihn und vor Ihm geschlossen, unauflöslich ist. Dies aber spricht allein von den Ehen, in denen Mann und Frau gläubig sind. Paulus weiß damit den Herrn hinter sich, in dessen Vollmacht er hier spricht.

     Da Paulus jedoch vom dem Herrn spricht, gehört alles das, was der Herr gesagt hat, in diesen Zusammenhang mit hinein. Dies betrifft nicht nur die Ehe an sich, sondern auch die Möglichkeit einer Scheidung. Hier ist jedoch zu beachten, daß von Gott her in dem Zusammenhang eine solche Scheidung nicht vorgesehen ist; der Scheidebrief, von dem Mose spricht, ist lediglich ein Zugeständnis, die sich aus der menschlichen Herzenshärtigkeit ergeben hat. Insofern ist zwischen Willen und Zulassung Gottes zu unterscheiden. Ausdrücklich ausgenommen von dem Scheidungsverbot ist jedoch der Fall, in dem einer der beiden Partner Ehebruch begangen hat (Mt 19. 4 - 9). Dazu ist sicherlich anzumerken, daß Jesus hier von einem Aussetzen des entsprechenden Gebotes spricht, nicht aber von einer Weisung, daß die Ehe in jedem Falle aufzukündigen wäre, ohne dem verfehlenden Partner die Möglichkeit einzuräumen, Gott und den anderen Part um Vergebung zu bitten und Buße zu tun. Zu denken ist dabei also eher um ein Leben im Ehebruch, als um ein einmaliges Versagen. Mit in diese Rubrik gehört auch fortgesetzte häusliche Gewalt. [3]

    Erst nachdem der Apostel in Vers 10 diese Verheirateten angesprochen hat, spricht er im Vers 12 von den Übrigen”. Die „Übrigen” sind also ganz offensichtlich andere als die, die er gerade als Verheiratete unterwiesen hat. Dies ist unbedingt zu berücksichtigen, denn für die in Vers 10 Genannten gilt nicht das, was zu denen in Vers 12ff. gesagt ist; und ebenso gilt das in Vers 12 zu den „Übrigen” Gesagte nicht für die „Verheirateten” ab Vers 10. Mithin darf die Regel, nach der Geschiedene nicht wieder heiraten sollen, auch nicht als für alle geltend ausgelegt werden. Wie wir sehen, bezieht sich diese Erkenntnis auf die in Vers 12 Genannten.

    Es erscheint uns ganz erstaunlich, daß Paulus im zehnten Vers von den Ehen Gläubiger als von Verheirateten spricht, aber im zwölften Vers, wo es ebenfalls um Paare geht, die eine eheliche Verbindung eingegangen sind, von ihnen lediglich als von den Übrigen redet. Betrachten wir jedoch die Zusammenhänge anhand des Wortes Gottes, so erkennen wir, daß in Israel Ehen Gläubiger mit Ungläubigen nicht vorgesehen waren. Hierzu bestand keinerlei Anweisung. [4] Nach dem Gesetz waren Verbindungen von Hebräern mit Partnern aus den sie umgebenden Nationen strikt untersagt, um von vornherein auszuschließen, daß Ungläubige die Gläubigen von Gott wegziehen und zur Verehrung ihrer heidnischen Götter verleiten könnten, eine Sicht, die auch im Neuen Bund nicht wesentlich anders ist. [5] Die einzige Ausnahme bestand darin, daß der oder die Fremde zuvor den Glauben Israels angenommen hatte, und als sogenannter Proselyt (das griechische Wort für Herzu-Kommender, es handelt sich dabei um Konvertiten) [6] in den Bestand des Volkes aufgenommen wurde, was eine umfangreiche Prozedur, und beispielsweise für den Mann die Beschneidung nach dem Gesetz Moses notwendig machte (vgl. Mt 23. 15, Apg 2. 10, 6. 5, 13. 43). Bis heute gilt im strengen jüdischen Sinn eine Ehe mit Nichtjuden als nicht geschlossen, d. h. als nicht existent.

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Was Gott zusammenfügt, soll der Mensch nicht scheiden

    Paulus bezieht sich bei der Erwähnung der Verheirateten auf das Wort, das Jesus für sie aussprach, und sagt somit, daß dieses Wort für die im Sinne des göttlichen Gesetzes Verheirateten – d. h. beide sind gläubig und gehören somit zum Volk Gottes – Gültigkeit besitzt. Der Herr zitierte dort nämlich das Gesetz, das allein für Israel Gültigkeit besaß, und kommt von dort aus auf die Ordnung Gottes bezüglich der Ehen in diesem Seinem Volk zu sprechen:

    „Auch ist geboten worden: Wer seine Frau entläßt, gebe ihr eine Scheidungsurkunde! Ich aber sage euch, Jeder, der seine Frau entläßt (mit Ausnahme im Fall der Hurerei) macht sie zu einer, deren Ehe gebrochen wird; und wenn jemand eine Entlassene heiratet, bricht er die Ehe.”
Mt 5. 32 

    Hierzu gilt das Wort, daß das, was Gott zusammengefügt hat, der Mensch nicht scheiden soll (Mk 10. 9). Die Ehe ist ja ein Bund, und auch dieser Bund wird – innerhalb des Volkes Gottes – durch Gott geschlossen (Pr 4. 9 - 12, Mal 2. 14). Die Ehen, von denen Jesus sprach, und die daher auch Paulus im zehnten Vers unseres Abschnitts bespricht, sind also solche Verbindungen, die Gott selbst zusammengeführt und -gefügt hat. Wie Adam, dem seine Frau von Gott zugeführt worden war (1Mo 2. 22), kann der Mann, den Gott mit seiner Frau zusammenführt, nur erkennen, daß diese vollkommen zu ihm paßt, und anbetend ausrufen:

    Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; Männin (ischah, so das hebräische Wort für Frau) soll sie heißen, denn vom Mann (isch) ist diese genommen.
1Mo 2.23, Rev. Elberfelder

    Adam erkennt in der ihm zugeführten Frau einen Teil von sich selbst wieder – Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch – als seine Entsprechung. Darum nennt er sie von sich, dem isch, dem Mann abgeleitet, ischah, Männin. Aufgrund dieses Zusammengefügtseins werden die Beiden, nachdem beide den Vater und die Mutter verlassen haben, zu einem Fleisch (1Mo 2. 24). Das sind die Verbindungen, die Gott stiftet. Und auf diese Verbindungen, die Gott Selbst zustande gebracht hat, indem Er Mann und Frau zusammenfügt, bezieht sich der Herr, wenn Er sagt, daß der Mensch nicht scheiden soll, was Gott zusammenfügte (Mk 10. 2 - 9).

    Noch etwas ist also bei den durch Gott Zusammengefügten wichtig: Bevor Mann und Frau zu einem Fleisch werden können, müssen sie, vor allem der Mann, aus ihrer Verwandtschaft, von Vater und Mutter ausgegangen sein. Die Sippe bleibt also „draußen. Es darf nicht übersehen werden, daß es notwendig ist, sollen beide ein Fleisch werden, daß das Frühere zu verlassen ist – vor der Ehe. Gerade, wenn die Eltern des Mannes, der Frau oder Beider ungläubig sind, so bedeutet dies notwendigerweise ein Ausgehen aus den Einflüssen dieser Welt, womit diese Einwirkungen von vornherein ausgeschlossen werden – oder die von Gott initiierte Beziehung kommt unter Seinem Segen nicht zustande. Denn Gott Selbst hat die Ordnung gesetzt, daß diese Scheidung von dem Früheren vor dem Einswerden Beider, dem Vollzug der Ehe also, zum Ausdruck kommt (1Mo 2. 24). Denn das Ein-Fleisch-Sein Beider beinhaltet auch die Selbständigkeit, gewissermaßen das als selbstständiger Körper Autark-Sein von dem Früheren. Das bedeutet nicht, daß die Eltern nun nicht mehr zu achten wären, und schon gar nicht, daß kein Kontakt mehr bestehen dürfe. Solche Dinge lehren die Sekten. Aber es hat doch klar zur Folge, daß die Beiden nun ihr eigenes Leben leben – ohne entscheidungsgebende Beeinflussung durch ihre Eltern oder ihre Herkunft. (Im islamischen Kulturkreis, in dem sich alles nach dem Sippenverband des Mannes zu richten hat, wäre dies beispielsweise nicht möglich.) Neben dem Kennzeichen, daß Gott Beide zusammenführt – was voraussetzt, daß Beide Ihm folgen und Ihm dienen – ist dieses Herausgehen aus dem Sippenverband, der früheren Herkunft also, das herausragende Kennzeichen eines unter Gott geschlossenen Ehebundes.

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Von göttlichen und anderen Bünden

    An dieser Stelle gilt es, mit einem weitverbreiteten Irrtum aufzuräumen. Die heute vorherrschende, sich – gewissermaßen wie ein ungeschriebenes Gesetz – hartnäckig haltende Lehre sagt, daß das Ein-Fleisch-Werden eines jeden Mannes mit seiner Frau nach seinem Eheversprechen, ganz gleich, ob diese mit oder ohne Gott leben, schlechthin schon den Vollzug der Ehe darstellt, die Gott als eine solche eingerichtet habe, und deklariert nun jedes weltliche Verhältnis als einen von Gott gesegneten, geheiligten, von Ihm zusammengeführten und unter seinem Schutz und unter Seiner Vollmacht stehenden Ehebund. Etwas, was ursprünglich einmal zu Gott und in Seinen Thronbereich gehörte, wird dabei aus seinem göttlichen Zusammenhang und Seiner Gegenwart herausgelöst und danach zu einem göttlichen Handeln an sich erklärt. Biblisch ist dies nicht nachvollziehbar. Dinge aus der Gegenwart Gottes herauszunehmen, entspricht von jeher der Taktik des Teufels, des Lügners, Mörders und Sünders von Anfang (Jo. 8. 44, 1Jo 3. 8). Ist es doch jener Räuber, der das Heilige Gottes aus dem Zusammenhang Seiner Gegenwart stiehlt, es für sich stellt, und der Menschheit dann einen Weg dorthin suggeriert, der nicht in die Gegenwart Gottes führt, sondern in die Unabhängigkeit von Ihm – und das alles unter dem Vorzeichen, daß Gott „solches gegeben” habe. Bloßes Erfüllen scheinbar notwendiger Gegebenheiten macht Seine Gegenwart überflüssig, kann man doch anscheinend zu einem göttlichen Ziel gelangen, ohne Gott selbst dabei auch nur zu berühren. Die Erkenntnis der Dinge ersetzt dabei das persönliche Erkennen Gottes.

    Dieses Gebaren ist die Folge davon, daß der Mensch allzu schnell auf das Versprechen der Schlange hereinfiel, sein zu können wie Gott, ohne in einer tatsächlichen Beziehung mit Ihm zu stehen und Ihm gegenüber gehorsam zu sein – allein auf dem Wege der Erkenntnis des Guten und des Bösen (1Mo 3. 5). Hier finden wir auch die Wurzel der Vermischung vor, die die Schlange unter den göttlichen Samen gesät hat. Jeglicher Prinzipien„glaube, der weite Teile der heutigen Christenheit so sehr beschäftigt, und sie dabei davon abhält, Gott Selbst zu suchen und Ihm zu gehorchen, kommt von genau dort her. Hierzu wäre einiges zu dem Thema der sogenannten „Gnosis” zu sagen, vor der schon Paulus (1Ti 6. 20) gewarnt hatte; doch würde dies den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, und so belassen wir es bei diesen Ausführungen. Wie oben erklärt, werden auch hierbei Prinzipien (bezeichnen wir sie besser als Gesetzmäßigkeiten) aus dem Zusammenhang Seiner Gegenwart herausgerissen, und, da sie scheinbar auch in sich selbst funktionieren, zu etwas Gottgegebenen und -gewollten an sich erklärt und somit zu Seinem Handeln umgedeutet. Ein echter Schachzug der Finsternis, der das Geraubte obendrein noch zu etwas erklärt, was der Vater gegeben habe. Und genau dasselbe macht der Feind, da hier nichts ausgenommen werden kann, gerade auch mit der Ehe.

    Ein jedes in der Welt gegebene Eheversprechen wird dabei zu einem von Gott gegebenen, durch ihn initiierten und zusammengefügten Ehebund schlechthin erklärt, hinter dem Er Selbst stehe. Man pflegt hier also ein im gewissen Sinne magisches Verständnis der Ehe als eine feststehende, unantastbare göttliche Institution, unabhängig davon, ob Gott im Leben dieses Paares, und damit in dieser Ehe ist, oder ob nicht. Diese Vorstellung übersieht jedoch völlig, daß vor der Ein-Fleisch-Werdung von Mann und Frau die Tatsache steht, daß Gott die Frau dem Mann zuführt, was geradezu voraussetzt, daß beide Teile vor dem Eingehen in die Ehe in der Gemeinschaft mit Gott gelebt haben müssen, wie uns dies anhand der Geschehnisse im Garten Eden klar veranschaulicht wird. Nur dann kann auch davon gesprochen werden, daß Gott diese Ehe Selbst zusammengefügt hat. Erst danach – und nur in diesem Zusammenhang kommt es dazu, daß der Mann seine Frau erkennt: das Bild für die körperliche Vereinigung, wonach die Frau schwanger wird (1Mo 2. 22 und 4. 1).

    Auf diese Zusammenhänge im Garten Eden, worin Gott dem Adam seine Frau zuführte, und dieser erst dann seine Frau erkannte, bezieht der Herr Jesus Sich, wenn Er davon spricht, daß das, was Gott zusammengefügt hat, der Mensch nicht scheiden soll. [7] Der biblische Begriff der Ehescheidung erhält nach dem Wort des Herrn seine Brisanz also allein von Eden aus. Wer ihn von anderswoher definiert, der übersieht, daß wir es heute mit einer gefallen Schöpfung zu tun haben, und bezieht Dinge, die allein in Eden, mithin also nur in der Gemeinschaft mit Gott ihre Gültigkeit haben, auf die Natur des gemeinhin gottlos lebenden Menschen. Ebensowenig, wie jedes fleischliche Einssein eines Mannes mit einer Frau schon eine Ehe darstellt, gilt daher auch der Umstand, daß eine jede Ehe einen Einfluß Gottes darstelle, nur weil sich Mann und Frau vor einer weltlichen Instanz einst die Treue versprachen. Obwohl auch dies einen Bund darstellt, der zu respektieren ist, fällt er jedoch nicht unter den Begriff eines von Gott gestifteten Ehebundes. Die Tatsache, daß ein jeglicher Bund das bewirkt, was die Bezeichnung „Bund” auch aussagt – er bindet Parteien aneinander –, besagt nicht, daß er von Gott kommt, und daher unlösbar sei. Denn es entspricht der Ordnung eines göttlichen Bundes, daß der Mensch ihn, da Gott ihn gefügt hat, nicht scheiden kann, während all das, was Menschen gebunden haben, auch wieder durch Menschen gelöst werden kann, sofern sie sich zu diesem Bund einmal entschlossen hatten.

    Diese Aussagen mögen für uns zunächst, sprechen wir hier doch auch von Ehenbünden, schockierend sein. Doch es gilt anzuerkennen, daß nicht jeder Bund von Gott kommt oder von Ihm gewollt ist, nur weil er in sich funktioniert – also bindend ist. In diese Rubrik hinein gehört die Aussage, daß wir

    ...durch ein mündliches Versprechen gebunden, gefangen sind durch die Reden unseres Mundes.
Spr 6. 2, Schlachter

    Das, was wir sagen, hat also bindende Kraft; wir binden uns damit sowohl an das Wort, das wir ausgesprochen haben, als auch an die hinter ihm stehende Wirklichkeit – ein Bund von anwesenden Parteien kommt so zustande. Gott nun bricht in dieses von uns geschaffene Bündnis nicht ein; aber die Tatsache, daß Er diesen Bund nicht auflöst, besagt nicht, daß Er hinter diesem Bund steht. Denn Gott wird nicht Dinge auflösen, die Er nicht zueinandergefügt hat. Er bricht weder Sein eigenes Wort, noch ist Er ein Räuber. Er wird ja nicht umsonst als ein Gott, der das Recht liebt (Ps 37. 28), bezeichnet: 

    Gerechtigkeit und Recht sind die Grundfesten Seines Thrones.
Ps 97. 2, Rev. Elberfelder

In Jesaja 61. 8 sagt Gott:

    „Denn ich, der HERR, liebe das Recht; ich hasse den Raub mitsamt dem Unrecht.”
Jes 61. 8, Rev. Elberfelder

    Und genau deshalb, weil Er das Recht liebt und den Raub haßt, kann Er auch nicht in einen anderen Bund einbrechen.
Selbst dann, als der Mensch, den Gott erschaffen hatte, in Sünde fiel, und durch Gehorsam der Schlange gegenüber unter die Herrschaft Satans gelangte, nahm Gott diesem die Menschheit nicht einfach wieder weg, sondern errichtete wiederum einen neuen Bund, nach dem Er das, was Ihm eigentlich rechtmäßig zustand, aus der Macht der Finsternis regulär zurückkaufte – mit dem Blut Seines eigenen Sohnes als Lösegeld, auf das wir uns nun berufen können.

    Gerade weil dieses Lösegeld ja schon bezahlt worden ist, können wir nun aus diesen Verbindungen mit der Finsternis frei herausgehen. Dinge also aufzulösen, mit denen wir uns an etwas anderes gebunden haben als an das, womit Gott uns verbinden will, fällt nicht in Seine, sondern in unsere Vollmacht. Wir haben diese Dinge zu lösen. Sind wir also in Dinge eingegangen, die uns an Falsches binden, und uns damit von Gott wegführen, ist es auch an uns, diesen so entstandenen Bund aufzukündigen, und damit aufzuhören, ihn weiter aufrechtzuerhalten, und die Ansprüche des falschen Bündnispartners zu bedienen. Hierbei gilt auch das dem Petrus für die Gemeinde – als den auf der Erde Wandelnden – gegebene Wort, daß das, was er auf Erden binden wird, auch in den Himmeln gebunden sein wird, und das, was er auf Erden lösen wird, auch in den Himmeln gelöst sein wird (Mt 16. 19). Dies ist letztlich nichts anderes als die Vollmacht, Bündnisse einzugehen, und Bündnisse wieder zu lösen – als die Schlüssel des Königreichs der Himmel. Beachte dabei, daß das Wort Himmel hier im Plural steht; es ist hier nicht etwa der himmlische Bereich Gottes gemeint, sondern das Reich der Himmel als die geistliche Welt schlechthin. Wir haben oftmals eine idealisierte Vorstellung, wenn wir das Wort „Himmel” hören; wir assoziieren dies fälschlicherweise allzu schnell mit dem Bereich Gottes. Dies ist hier jedoch nicht gemeint. Hier wird ausgesagt, daß das, was wir auf der Erde, also im Sichtbaren, binden oder lösen, immer seine entsprechende Auswirkung in der geistlichen Welt, im Unsichtbaren, also besonders auch im Hinblick auf die Finsternis haben wird. Diese Wirklichkeit gilt letztlich für alle Bündnisse, die nicht von Gott kommen – sie sind lösbar. Da Er – als der Sich nicht Verändernde, der Unwandelbare – sie selbst nicht geschlossen hat, gilt über ihnen auch nicht, daß sie unantastbar, also unauflöslich sind. Nur das, was Gott verbunden hat, muß auch verbunden bleiben.

    Dem entspricht die Tatsache, daß eine Ehe, die Gott hervorgebracht hat, indem Er ein Paar zusammenfügte, untrennbar ist, was von einer weltlichen Ehe nur bedingt zutreffend sein kann. Wie wir sahen, ist jeder Bund die Übereinkunft mindestens zweier Parteien in einer Sache. Die durch diese Übereinkunft ausgehandelte Sache ist dann für alle Beteiligten bindend, deshalb ist das Ganze ein Bund. Niemand, der nicht zu diesem Bund gehört, ist berechtigt, an dem in ihm Ausgehandelten teilzuhaben. Auch kann niemand von außen einem Bund nachträglich etwas hinzufügen oder wegnehmen (Ga 3. 15). Jemand, der nun in der Welt mit einer anderen Frau verkehrt, bricht deshalb die Ehe dieser Frau und des Mannes, der sich mit ihr verbunden hat. Denn er bricht ja in einen Bund ein, der ihn nichts angeht, und der nicht mit ihm besteht. Auch wenn Gott nicht in dieser Ehe ist, so ist dies also doch genauso ein Ehebruch mit denselben traurigen Ergebnissen für die Beteiligten. So ist auch eine Ehe, die in der Welt geschlossen ist, von außen nicht lösbar, es sei denn, jemand bräche in diesen Bund ein, was nicht erlaubt ist.

    Denn auch in der Welt hat ja das Paar, das sich die Treue versprach, dies angesichts der versammelten Öffentlichkeit, also nach außen hin getan. Gewissermaßen ist so eine, wenn auch stillschweigende, Vereinbarung – ein Bund – mit derselben Öffentlichkeit getroffen worden, die besagt, daß diese, nachdem sie den Bundesschluß Beider vernommen und ihm nicht widersprochen, d. h. durch ihr Stillschweigen ihr Einvernehmen bekundet hat, auch künftig diesem Ehebund nicht zuwiderhandeln, ihn achten und respektieren werde. (Von dort kommt die am Tage der Eheschließung früher verkündete Formel her, daß, wenn jemand etwas gegen diese Verbindung zu sagen habe, dies jetzt tun solle, wenn aber nicht, so solle er für immer schweigen.) Dieses Gelöbnis gegenüber der Öffentlichkeit ist es auch, die die Ehe Beider ihr gegenüber für bindend erklärt. Das vor der Allgemeinheit abgegebene Eheversprechen stellt diese somit unter öffentlichen Schutz, und macht sie – rein rechtlich gesehen – gegen Anfechtungen von außen immun, d. h. also unangreifbar. (Soweit – aber auch nur soweit – besteht auch Übereinstimmung einer weltlichen Ehe mit einer solchen von Gläubigen.) Diese Verantwortlichkeit des öffentlich gegebenen Ehegelöbnisses ist letztlich auch der Grund, daß die Ehe in der Welt nur vor derselben Öffentlichkeit (dem Standesamt) geschieden werden kann, angesichts derer sie einst feierlich bekundet worden war.

    Anders ist die Sache, betrachten wir einen solchen weltlichen Bund aus der Sicht der Parteien, die ihn geschlossen haben, also von innen heraus. Hier gilt aus der Sicht Gottes, daß all das, was Menschen gebunden haben, auch von Menschen wieder gelöst werden kann. Der Fortbestand eines Bundes, und nicht nur der eines Ehebundes, richtet sich also immer allein nach den an ihm beteiligten Parteien. Von außen ist dieser Bund nicht zu lösen, doch von innen sehr wohl. Die Parteien, die einen Bund errichtet haben – allerdings auch nur diese allein – sind immer auch in der Lage, ihren miteinander geschlossenen Bund wieder zu lösen. Dies gilt für einen jeden von Menschen geschlossenen Bund, da diese vergänglich sind.

    Bei einem Bund Gottes nun verhält sich dies völlig anders. Denn während über allem menschlichen Handeln das Zeichen der Vergänglichkeit steht, gilt bei allem, was Gott wirkt, daß es für ewig ist:

    Ich habe erkannt, daß alles, was Gott tut, für ewig ist; es ist nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen; und Gott hat es so gemacht, daß man sich vor Ihm fürchte.
Pr 3. 14, Schlachter

    Wir sahen ja anhand des Geschehens in Eden, daß Gott der Initiator, der Anwesende und der Vollbringer des Bundes war, durch den Er Adam und Eva zu einem Fleisch verband. Adam und Eva verbanden sich nicht selbst. Dies begründet die Tatsache, daß sie diesen Bund auch nicht wieder lösen konnten. In der Tatsache allein, daß Gott zwei Menschen zu einer Eheperson verbindet, liegt demzufolge auch das Gebot begründet, daß das, was Gott Selbst zusammengefügt hatte, der Mensch nicht scheiden soll. Denn jeder Vorgang in einem Bund setzt auch das Einverständnis aller der an demselben Bund Beteiligten voraus. Der Mann, der seine Frau aus diesem Bund verstößt, wie die Frau, die sich von dem Mann trennt, sündigen somit gegen Gott, weil Er es war, der sie zusammenfügte, und nicht sie selbst. Hier allein finden wir die Aussage begründet, daß Gott die Ehescheidung haßt (Mal 2. 16). Das Perfide an dieser Situation besteht ja gerade darin, daß Gott mit dem verstoßenen Partner sozusagen „mitverstoßen”, „allein” gelassen wird; der Mann, der seine Frau verstößt, und die Frau, die den Mann verläßt, trennen sich damit nicht nur von ihrem Ehepartner, sondern sie trennen sich damit auch von Gott Selbst - als Dem, Der diesen Bund ja zustande gebracht hat. Dies muß auf Gott, der Sich alle Mühe gemacht hat, die Beiden zusammenzubringen, wirken wie ein Schlag mitten ins Gesicht. Denn, wiewohl es um das Paar an sich geht, ist Gott doch der Erste im Bunde!

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Die dreifache Schnur

    Die Ehe unter Gott ist also nicht ein Bund von nur zwei, sondern von drei Parteien. Ein sehr schönes Bild zu dem Gesagten finden wir in Prediger 4. 9 - 12. Hier wird uns ein Bund erst Zweier, dann Dreier anhand des Bildes einer Schnur verdeutlicht. Eine Schnur oder ein Seil hat ja immer eine verbindende Funktion; dies weist uns stets auf einen Bund hin, in dem etwas zueinandergefügt, miteinander verbunden werden soll:

   Es ist besser, man sei zu zweien, als allein; denn der Arbeitslohn fällt um so besser aus. Denn wenn sie fallen, so hilft der eine dem andern (wörtlich: seinem Verbündeten) auf; wehe aber dem, der allein ist, wenn er fällt und kein zweiter da ist, um ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so wärmen sie sich gegenseitig (wörtlich: so erhitzt sich´s ihnen); aber wie soll einer warm werden, wenn er allein ist? Und wenn man den einen angreift, so können die beiden Widerstand leisten; und eine dreifache Schnur (wörtlich: der dreisträngige Faden; gemeint ist eine dreifach ineinander geflochtene Schnur) wird nicht so leicht zerrissen.
Pr 4. 9 - 12, Schlachter

    In diesem Wort wird der Unterschied zwischen einem Einzelnen, einem Bund zweier Menschen, und dann einem Bund Dreier verdeutlicht, wobei die dreifache Schnur als ein Bund zu verstehen ist, in dem sich unsere zwei in ihm Verbündeten befinden, und Gott – als der die Beiden durch Seine Gegenwart umwindende und sie mit- und ineinander verflechtende Teil – der alles Zusammenhaltende in der Mitte ihres Bundes ist!

    Ganz offensichtlich ist das Ganze als eine Aussage über eine Ehe zu begreifen. Schon am Anfang sagte Gott, daß es für den Menschen nicht gut sei, wenn er allein bliebe, weshalb Er ihm eine Gehilfin machen wolle, als seine Ergänzung (1Mo 2. 18). Dieses Ergänzen, das Um-Ihn-Sein wird sehr schön in dem Beieinanderliegen der Beiden deutlich. Gerade das Beieinanderliegen zweier Menschen weist ja auf die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau hin. Das Erwärmt werden ist nur diesen, wenn sie beieinander liegen, nicht aber dem Einzelnen möglich. Und auch, wenn sie von außen bedrängt werden, so können Beide diesem viel besser widerstehen als nur einer. Jedoch gilt: Eine dreifache Schnur kann nicht mehr so schnell zerrissen werden. Der Bund zweier besteht zwar, ist aber noch löslich, wie sich im Bilde zwei beieinander liegende Fäden noch auseinanderdrehen können, wenn die Beiden ihr Beieinanderliegen beenden; ist jedoch ein Dritter im Bunde, was in der dreifach ineinander geflochtenen Schnur verdeutlicht wird, in der jeder Faden den anderen aufs Innigste berührt, kann diese Schnur, als der Bund Dreier, nicht mehr auseinandergedreht werden, wird ein Zertrennen sehr schwer – unmöglich, dies ohne Schaden zu überstehen.

    Gehen wir noch ein wenig in die Thematik des von Gott gestifteten Ehebundes. Wir finden in der Schrift ein ganz vortreffliches Bild einer Ehe innerhalb des Volkes Gottes, wobei Gott Selbst als der anwesende Trauzeuge fungiert. Bereits in den oben kurz angedeuteten Geschehnissen im Garten Eden haben wir ja Gott Selbst erlebt, wie Er ein Paar zusammenführt, das dann ein Fleisch werden kann. Gott erscheint also nicht nur als der Urheber, sondern auch als der Vermittler einer solchen Ehe, indem Er – als Anwesender – dem Adam seine Eva zuführt, die dieser dann als sein Fleisch, zu ihm passend, erkennt (1Mo 2. 22 - 23). Gott ist also sowohl der den Bund Bewirkende als auch der beim Bundesschluß Anwesende. Dieses Anwesend-Sein des zur Stunde der Übereinkunft handelnden Gottes, nachdem Er die Eheleute zu diesem Ereignis hingeführt hat, macht den Bund der Ehe zu einem von Gott Selbst zusammengefügten. Denn ein geschlossener Bund macht stets das gemeinsame Anwesend-Sein aller beteiligten Parteien zur Stunde des Bundesschlusses notwendig, da sonst dieser Bund nicht zustande kommen kann.

    Dementsprechend werden wir in der Schrift keinen von Gott errichteten Bund vorfinden, bei dem am Tage des Bundesschlusses Gott nicht auch Selbst gegenwärtig gewesen wäre. Ja mehr noch: Gott ist es, Der einen solchen Bund einsetzt, er geht nicht vom Menschen aus; der Mensch kann freilich reagieren, erwidern, Ja oder nein sagen. Er sollte Ja sagen, nachdem Gott zu ihm gesprochen hat! Damit wird wieder klar, daß nur eine in der Gemeinschaft mit Gott und unter Seiner Führung geschlossene Ehe einen von Gott zusammengefügten Ehebund darzustellen vermag, den ein Mensch, ohne zu sündigen, nicht scheiden kann. Diesem großartigen Bild entsprechend schreibt Maleachi, wie oben schon angedeutet, von Gott als dem Zeugen zwischen dem Mann und dem Weibe seiner Jugend, als diese sich die Ehe versprachen. Es heißt hier zunächst, daß Gott nicht mehr bereit war, Opfer aus den Händen Seines Volkes entgegenzunehmen:

    Und ihr fragt: „Warum?” Weil der HERR Zeuge war zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend, welcher du nun untreu geworden bist, obschon sie deine Gefährtin (wörtlich: Beigeselltes) und das Weib deines Bundes ist. Und hat er sie nicht eins gemacht und geistesverwandt mit ihm? Und wonach soll das eine (d. h. das, was durch Gott zu Einem zusammengefügt worden ist) trachten? Nach göttlichem Samen!
Mal 2. 14 - 15a, Schlachter

    Gott spricht hier zu dem Mann als zu dem, der seinem Weibe untreu geworden ist. ER erscheint uns Selbst als der anwesende Trauzeuge, der das beiderseits gegebene Eheversprechen bezeugen kann. Gott Selbst ist es auch, der die Beiden zu einem Ganzen, als einer Ihm geistesverwandten Eheperson zusammenfügt. Und dieses Eine, das Gott gerade erschaffen hat, soll nun nach einem göttlichen Samen trachten, d. h. einem Nachkommen, der den Wesenszügen Gottes entspricht. Dies entspricht voll und ganz der von Gott zusammengeführten Ehe. Der Hinweis, daß dies nicht irgend ein beliebiges, weltliches Eheversprechen sein kann, das ohne Gottes Gegenwart und Zeugnis am Tag der Hochzeit abgegeben worden ist, sollte sich von hier aus eigentlich erübrigt haben. Denn wir sahen ja, daß zu einem Bundesschluß immer die gemeinsame Gegenwart aller der an dem Bund beteiligten Parteien am Tage der Vereinbarung notwendig ist, soll dieser Bund zustandekommen. Dies ist auch hier der Fall. Und diesem Mann aus Seinem Volk, den Er Selbst, als Er auch als Zeuge dieser Eheschließung beiwohnte, mit seiner Frau zu einem Ganzen zusammengefügt hat, woraus ein Ihm entsprechender Same erwachsen soll, hat Gott nun zu sagen: 

    So hütet euch denn in eurem Geiste, und niemand werde dem Weibe seiner Jugend untreu! Denn ich hasse die Ehescheidung, spricht der Herr, der Gott Israels, und daß man sein Kleid (ein Bild für die den Mann umgebende Ehefrau) mit Frevel (eigentlich Gewalt) zudeckt, spricht der HERR der Heerscharen; darum hütet euch in eurem Geist und seid nicht treulos!
Mal 2. 15b - 16, Schlachter 

    Die
hier erwähnte Ehescheidung, dazu noch im Zusammenhang mit der der Frau erwiesenen Gewalt ist es, die Gott haßt; [8] denn auch hier tritt uns der von Gott zusammengefügte Ehebund, der die zwei zu einem Ganzen macht, entgegen, den kein Mensch scheiden darf. Es bleibt also dabei: Eine Ehe im Sinne Gottes ist nur eine solche, an deren Beginn und deren Ausgangspunkt Gott stand – indem ER die beiden Partner zusammenfügte. Und diesen Mann und diese Frau, die Gott zu einem Fleisch unlöslich zusammenfügte, soll der Mensch nicht scheiden.


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Die Übrigen: Gläubige und Nichtgläubige

Wir kehren wieder zurück zu unserem Wort aus dem ersten Brief an die Korinther.

    10 Die Verheirateten weise ich an, das heißt nicht ich, sondern der Herr ...

    12 Den Übrigen jedoch sage ich und nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und diese willens ist, bei ihm zu wohnen, soll er sie nicht verlassen. 13 Ebenso, wenn eine Frau einen ungläubigen Mann hat und dieser willens ist, bei ihr zu wohnen, so soll sie den Mann nicht verlassen. 14 Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.
1Kor 7. 10 und 12 - 14

    Wir haben nun also gesehen, wer die Verheirateten in Vers 10 sind – Gläubige, die Gott zu einem Fleisch zusammenfügte. Jetzt wenden wir uns den im 12. Vers genannten „Übrigen” zu: Schnell erkennen wir, daß diese – die Paulus so deutlich von den vorher genannten unterscheidet – nicht Ehen zwischen Gliedern des Volkes Gottes sind, von denen unser Herr sprach, sondern Verbindungen, in denen ein Partner sich bekehrt hat, während der andere ungläubig geblieben ist, und in denen der gläubig gewordene Teil nach seiner Bekehrung einen Ungläubigen in diese neue Beziehung mit Gott gewissermaßen „mitgebracht” hat. Es sind also Verbindungen, die noch in der Welt entstanden sind. Da diese Verbindungen nicht unter der Herrschaft Gottes, sondern in der Welt nämlich in der Trennung von Gott, als auch der nun gläubige Teil noch als Gottloser in der Welt lebte zustandegekommen sind, können diese nicht für sich in Anspruch nehmen, von Gott zusammengefügt worden zu sein. (Wir sind bereits auf den vorangehenden Seiten auf diesen Umstand ausführlicher eingegangen.)

    Denn die Schrift sagt klar und unmißverständlich, daß über dem Gottlosen der
Zorn Gottes geoffenbart ist; der Gottlose ist in der Welt dahingegeben; d. h. Gott überläßt ihn sich selbst, Er läßt ihn in sein Verderben laufen (Rö 1. 18 - 32), und zwar solange, bis er sich zu Gott bekehrt, und von seiner Sünde läßt, also aus der Welt ausgeht. Auch wenn es eine vorlaufende Gande gibt, kümmert Sich Gott also weder um einen solchen, wie Er Sich um Seine Kinder kümmern würde, noch gibt Er ihm Anteil an Seinen Ordnungen. Das zentrale Bild der sich unter dem Zorn Gottes befindlichen Welt, deren Einwohner in dem Verderben dahingegeben sind, finden wir in dem Gericht über die Städte Sodom und Gomorrha wieder. Diese Städte, deren Bewohner bösartige und überaus große Sünder vor Jahwe(1Mo 13. 13) gewesen waren, sind nicht etwa bewahrt, sondern völlig zerstört worden; nur der, der aus ihnen herausging, wurde vor dem Gericht gerettet (1Mo 19. 12 - 28). Bezeichnend ist dabei, daß die Frau Lots, als sie zwar herausging, sich dabei aber nicht von dem Früheren trennen konnte und zurückschaute, zur Salzsäule erstarrte – als eindringliche Mahnung für Saumselige (1Mo 19. 26).

    Der Ungläubige und Sünder – und das sind wir alle einmal gewesen – befindet sich unter dem Gericht und dem Zorn, der Gläubige unter der Gnade Gottes. Dies bedeutet nicht, daß Gott den Sünder nicht liebt, hat Er doch Seinen Sohn für ihn dahingegeben; doch muß der, der von Gott gesegnet sein will, sich auch an die von Gott gesetzten Ordnungen halten, in denen allein uns Sein Segen zuteil werden kann. Gott kann nicht segnen, was in Sünde (d. h. in Trennung von Ihm) lebt, und sich daher unter seinem Zorn aufhält, findet Er doch keine Veranlassung dazu. Er kann den Sünder nur auf den rechten Weg hinführen, auf dem er Jesus, der vor dem Zorn rettet, finden wird (Rö 5. 9). Paare, die aus der Welt gekommen sind, sind also nicht miteinander in dem Sinne der in Vers 10 genannten Verheirateten von Gott verbunden worden, sondern entstanden aufgrund von rein menschlichem Begehren auf dem Weg des in den eigenen Willen Dahingegebenseins, in denen sich alles nur um die eigenen, irdischen Bedürfnisse drehte essen, trinken, heiraten und verheiraten, wie auch der Herr sagte, wobei Er Sich auf den Zustand der Welt vor dem Gericht der Sintflut bezog, und dies mit dem Zustand der Menschen in der Endzeit verglich (Mt 24. 37 - 39).

    Hier etwa rückwirkend – aus dem früheren Leben als Ungläubiger heraus – grundsätzlich eine Führung Gottes herleiten zu wollen, ist ein Unsinn, den man jedoch immer wieder hört. Nicht aus Gott, sondern aus den Bedürfnissen des Fleisches heraus, aus rein menschlichen Erwägungen also, sind die Ehen in der Welt entstanden. Dies stellt keine Wertung dar, sind wir doch alle von Gott als Wesen nicht nur mit einem Geist und einer Seele, sondern auch aus Fleisch und Blut erschaffen worden (manche unter uns möchten ja nur all zu gern so „geistlich” sein, daß sie dies viel lieber vergessen machen wollen) – jedoch bleibt einem Menschen, der ohne Gott lebt, auch nicht mehr als dies. Und nun, nachdem einer der beiden Partner durch die Gnade Gottes gläubig geworden ist, und Gott Seinen Weg mit ihm begonnen hat, gilt für diese etwas völlig anderes als für die Ehen, in denen Beide von vornherein gläubig gewesen sind, und deren Verbindung in der Zeit des ihnen gemeinsamen Glaubens, unter der Herrschaft Gottes also, entstanden ist. Deshalb sagt uns Paulus auch, daß für die Erstgenannten das Wort Gültigkeit besitzt, das der Herr auch für sie verwendet hat (nämlich, daß das von Gott Zusammengefügte nicht durch Menschen getrennt werden soll), und für die anderen gilt das, was Paulus hierzu sagen wird – ab dem zwölften Vers.

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Zusammen-wohlmeinen

    Wir wiederholen also:

    12 Den übrigen jedoch sage ich und nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und diese willens ist, bei ihm zu wohnen, so soll er sie nicht verlassen. 13 Ebenso, wenn eine Frau einen ungläubigen Mann hat und dieser willens ist, bei ihr zu wohnen, so soll sie den Mann nicht verlassen. 14 Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.
1Kor 7. 12 - 14

    Für diese, einmal aus der Welt gekommenen Paare, wendet Paulus nun folgende Regel an: Wenn der eine Teil einen ungläubigen Partner hat, und (d. h. also, wenn auch das Folgende zutrifft) dieser ist willens, bei ihm oder ihr zu wohnen, so (dann, und nur dann, wenn Beides zutrifft) soll auch er oder sie den ungläubigen Teil nicht verlassen. Das Wort willens sein lautet im Griechischen syneudokeo, zusammen-wohlmeinen. Die Vorsilbe syn deutet auf die Gemeinsamkeit hin, eu bedeutet gut oder wohl und weist auf Erfreuliches hin. Das Wort Evangelium z. B., das aus der gleichen Vorsilbe eu, und aus dem angelion, der Kunde, Botschaft oder Übermittlung, gebildet ist, lautet griechisch euangelion und ist die Gute oder die Freudenbotschaft, eigentlich, wie Baader übersetzt, eine Wohlkunde. Der Wortteil dokeo weist auf ein Dokumentieren, ein gemeinsames Festlegen hin. Willens zu sein, beieinander zu wohnen, griechisch syneudokeo, hat also zum Inhalt, daß ein Teil wohl oder gut, Erfreuliches von dem denkt, was der andere beschließt, und dies somit für Beide übereinstimmend festgelegt werden kann. Das gilt also in beide Richtungen, d. h. daß dies auch in beide Richtungen möglich sein muß, will der Ungläubige beim Gläubigen wohnen, bzw. soll auch der Gläubige ihn nicht verlassen.

    Dabei gilt, daß der Ungläubige sich dabei mit dem Gläubigen einverstanden erklären muß, soll der Gläubige die Beziehung aufrechterhalten, und nicht umgekehrt. Das Wort für „wohnen” ist das griechische
oikeo. Es leitet sich von oikos, Haus ab. Das bedeutet eine Gemeinschaft unter einem Dach. Unser Wort Ökonomie, Haushaltung kommt aus diesem Wort. Das Beieinander-wohnen spricht also von einer gemeinsamen Haushaltung und Verwaltung des gemeinsamen Lebens unter einem Dach. Man bedenke nun im Kontext des Glaubens und des Lebens mit Gott, dem der ungläubige Teil ja zustimmen, d. h. zusammen-wohlmeinen soll, was es bedeutet, in diesem Sinne beieinander zu wohnen. Das Zusammen-Wohlmeinen beider Teile beinhaltet nämlich, wie aus dem soeben Genannten hervorgeht, daß der ungläubige Teil Gutes und Erfreuliches, d. h. wohl von dem Christentum des gläubigen Teils denkt, und ihm auch dementsprechend begegnet. Dies ist nach Paulus die Bedingung dafür, daß der gläubige Teil bei dem Ungläubigen bleiben kann, und bedeutet dementsprechend, daß der Gläubige nicht bleiben kann, wenn diese Übereinstimmung nicht gegeben ist. Diese Grundbedingung wird im Nachfolgenden ausführlicher beschrieben werden.

    Zunächst ist es also wichtig, die Aussage des Wortes Gottes anzuerkennen, nach der es klar heißt, daß der ungläubige Teil sich mit dem Gläubigen einverstanden erklären muß (Vers 12). Dies bedeutet also nicht, daß der Gläubige sich dem Ungläubigen in allem unterordnen soll, in der Hoffnung, daß dieser endlich seinen Glauben annimmt. Nicht der Gläubige soll ja dem Ungläubigen zustimmen, sondern der Ungläubige dem Gläubigen. Das heißt, daß der Ungläubige sich, was den Glauben betrifft, nach dem Gläubigen richten und sein Leben umstellen muß, und nicht umgekehrt. Dies beinhaltet gerade auch, daß der Ungläubige, indem er einwilligt, das gemeinsame Leben nach der Bekehrung seines Partnes fortzusetzen, damit auch dem göttlichen Einfluß des gläubig gewordenen Teils zustimmen muß, den dieser nun mit sich bringt. Er muß also diesen Glauben des Partners sowohl akzeptieren, als auch respektieren. Nichts darf er dabei unternehmen, was diesen Glauben erschwert, ihm zuwider ist oder untergräbt – nichts, was diesem Glauben entgegensteht.

    Er wird also auch der Art und Weise, wie der gläubige Teil als solcher leben will, zustimmen und sich in dies einfügen. Anderenfalls wäre dies keine Einwilligung, bei ihm als einem Gläubigen zu wohnen. Indem er also einwilligt („wohlmeint), bei dem Gläubigen zu bleiben, willigt er somit in den Glauben des wiedergeborenen Teils ein, auch wenn er sich dabei (noch) nicht bekehren muß. Dies durchzieht das ganze Leben und ist daher von allem anderen nicht zu trennen. Mit seiner Einwilligung ordnet er sich also dem Einfluß Christi unter. Das ist die eigentliche Bedeutung dessen, was es heißt, bei einem Gläubigen zu wohnen. Und dies ist die Grundbedingung dafür, daß ein gemeinsames Leben weiterhin möglich ist, und demgemäß auch nach Paulus die Grundlage dafür. Dies bedeutet letztlich, daß, wenn Paulus dem gläubigen Teil sagt, er solle bleiben, wenn der ungläubige Partner dessen Glaubensleben zustimmt, dann sagt er auch, daß der Gläubige gehen muß, wenn dies nicht der Fall ist. Denn ein Bleiben des gläubigen Teils ist unwiderruflichan diese Bedingung geknüpft.

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Heilig dem Herrn

    Dies erschließt sich auch anhand des nachfolgenden vierzehnten Verses:

    Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig.
1Kor 7. 14

    Hier wird ausgesagt, daß erst der ungläubige Partner, und mit diesem auch die gemeinsamen Kinder durch den Gläubigen geheiligt werden. Wir haben dies bislang immer als eine Art Automatismus verstanden, als ob dies durch eine solche Beziehung schlechthin zustande käme. Wenn wir jedoch das vorher Gesagte beachten, und uns dann damit auseinandersetzen, was das Wort geheiligt oder heilig sein (hagiázo) aussagt, werden wir alsbald eines Besseren belehrt. Der Begriff des Heiligens oder auch der Heiligung bezeichnet nämlich einen sehr aktiven Vorgang, der immer von einem Heiligenden ausgeht und der jeweils den, die oder das zu Heiligende im Mittelpunkt seines Handelns hat. Etwas zu heiligen, bedeutet vor allem, es für einen bestimmten Zweck abzusondern, es beiseitezusetzen, bereitzuhalten und somit auch vor fremdbestimmten Zugriffen anderer zu bewahren. Wenn wir sagen, daß uns etwas heilig ist, dann meinen wir, daß uns etwas als unantastbar erscheint. Das heißt, daß diese Sache außer uns niemand anrühren darf. Das ist die durchaus richtige Bedeutung dieses Wortes. Ein anderer Irrtum besteht in der schon instinktiv vorhandenen Ansicht, nach der das Wort „heiligan sich schon als in Verbindung mit Gott stehend angesehen wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Derjenige, der etwas heiligt, oder zu dem etwas hin geheiligt werden soll, ist dann auch immer der Heiligende, wer auch immer dies sei. Es gibt ja nicht nur das Heilige Gottes. Auch andere Völker, etwa die Azteken, Ägypter, die Inder, Kanaaniter usw. hatten und haben ihre Heiligtümer, was durch den Umstand, daß diese Heiligtümer anderen Göttern geweiht waren, an sich nicht aufgehoben wird. Hier geht es also immer um einen Besitzanspruch dessen, der heiligt oder zu dem hin geheiligt wird.

    Dem Herrn heilig zu sein, heißt dementsprechend, dem Herrn zu gehören und Ihm allein zur Verfügung zu stehen, was jegliche Verfügungsgewalt anderer ausschließt. Und dem Herrn etwas zu heiligen, bedeutet, etwas für den Herrn zur Verfügung zu stellen und nur für Ihn bereitzuhalten. (Hier spielt etwa auch die Fürbitte für den Ungläubigen eine nicht unbedeutende Rolle.) Dem Herrn etwas zu heiligen, ist also keine automatisch ablaufende, passive Sache, an der unser Handeln nicht beteiligt wäre, sondern eine sehr aktive, die unseren ständigen Einsatz fordert. Diese Tatsache, die dem Ungläubigen wie den gemeinsamen Kindern zuteil wird, geschieht nun durch den gläubigen Teil, wenn das weitere Zusammenleben unter dem Vorzeichen des Glaubens gewährleistet ist. Wenn also der Ungläubige und die gemeinsamen Kinder durch den Gläubigen Geheiligte sind, besagt das im Hinblick auf ihr noch bestehendes Unerrettetsein, daß sie auf den Herrn hin geheiligt sind, und der Einfluß der Welt damit zum Stillschweigen gebracht worden ist. Dies bedeutet also, daß der Gläubige die heiligende Rolle ausüben muß, und nicht der Ungläubige. Würde der Ungläubige die heiligende, d. h. die beiseitesetzende und damit von anderen Einflüssen trennende Rolle ausüben, wären die Kinder unrein; nun aber sind sie rein; denn der Gläubige heiligt sie auf den Herrn hin; der Ungläubige aber heiligte sie auf seinen Unglauben, oder, ist er ein Verehrer anderer Götter, auf seinen heidnischen Gott hin. Und da der Heiligende immer das heiligt, was zu ihm gehört, bedeutet dies auch, ist er ungläubig, daß er seinen gläubigen Partner mit sich reißen würde!

    Wäre also der Ungläubige der in Glaubensdingen bestimmende Teil, indem er das geistliche Leben des gläubigen Teils untergraben würde, träfe das ein, was Paulus für einen solchen Fall angekündigt hat: Die gemeinsamen Kinder würden unrein, d. h. also im vollen Wortsinn, daß sie nicht für den Herrn bewahrt, sondern in ihren Seelen verunreinigt würden. Hieraus erklären sich auch die zahlreichen unguten Einflüsse, seelischen Verunreinigungen und Verletzungen, die die Kinder solcher Paare immer wieder erleiden müssen, weil hier keine Klarheit herrscht. Nur, wenn der Gläubige sie auf den Herrn hin heiligen kann, indem sein Einfluß, geistliche Dinge betreffend, als der maßgebliche respektiert wird, sind sie rein. Es ist hierbei also entscheidend, wer in einem Paar, das aus einem Ungläubigen und aus einem gläubigen Teil besteht, die heiligende Rolle ausübt. Nicht umsonst hat Paulus das Mitgeheiligtsein des Ungläubigen durch ein „Denn” mit dem zuvor Gesagten verbunden, wo davon die Rede war, daß der Gläubige den Ungläubigen nicht verlassen soll, solange Einverständnis, d. h. Übereinstimmung im Zusammenleben mit dem Gläubigen besteht. Und was das heißt, haben wir oben gesehen. Ist also die Möglichkeit eines solchen Geheiligtwerdens des ungläubigen Partners wie auch gemeinsamer Kinder zu Gott hin nicht gegeben, da keine Übereinstimmung bezüglich des Gläubigen besteht (Verse 12 - 13), bleibt auch hier – schon um die Kinder zu schützen – nur die Trennung. Das ist hier eine ganz klare Aussage.

    Wir dürfen jedoch auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Um die Jahreswende 2003/4 hatte man mir von einer Frau berichtet, die gerade dabei war, in den Glauben hineinzuwachsen und dabei mit einer kleinen Gemeinde Bekanntschaft gemacht hatte. Sie lebte mit einem Mann zusammen, den sie sehr liebte. Dies nahmen die Brüder dort, unter Verweis auf 2Kor 6. 1ff., zum Anlaß, sie zu bedrängen, die Beziehung abzubrechen und den Mann zu verlassen. Die Folge war, daß die Frau jedoch, tief in ihrer Seele verletzt, diese Gemeinde verließ und nun für den Glauben nicht mehr ansprechbar war. Der Mann ging von ihr, als er starb. Das meint der Apostel hier jedoch nicht, war hier doch jenes Zusammen-Wohlmeinen, von dem wir uns weiter oben befaßt haben, klar gegeben. Hier war in den Frieden, von dem Vers 15 sprechen wird, ganz klar von denen eingebrochen worden, die es wieder einmal „besser wissen wollten als Gott Selber” und sich mit einem selektiven Bibelverständnis über andere erhoben haben. Ihre Bibel wirklich gelesen haben solche Leute jedoch nicht. Von Liebe zu sprechen dürfte sich damit ebenfalls erübrigt haben.


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Nicht sklavisch gebunden

    Nachfolgend geht es tatsächlich um die Aufhebung eines Bündnisses, deren Legitimität im Falle einer Trennungswilligkeit, geäußert durch den ungläubigen Teil, gegeben ist.

    Wenn aber der ungläubige Teil sich trennen will, so soll er geschieden werden. In solchen Fällen ist der Bruder oder die Schwester nicht sklavisch gebunden. In Frieden hat uns Gott berufen!
1Kor 7. 15

    Nachdem Paulus auf dieses Mitgeheiligtwerden sowohl des Ungläubigen, als auch der gemeinsamen Kinder durch den Gläubigen hingewiesen hat, fährt er mit einem Wenn-Aber fort: Wenn aber (d. h. wenn im Gegensatz zu einer möglichen Übereinstimmung) der Ungläubige sich trennen will, so soll er geschieden werden”. Solange also, wie der ungläubige Teil in die Gemeinschaft mit dem Gläubigen einwilligt – was bedeutet, mit ihm übereinzustimmen –, dann soll – das ist ein Gebot! – der Gläubige ihn nicht verlassen. Wenn aber das alles dem anderen Teil zu viel wird, und dieser Teil daraufhin gehen will, dann soll – auch das ist ein Gebot – er geschieden werden.

    Die Fügung soll er geschieden werden lautet nach dem Grundtext eigentlich: „Wenn aber der Ungläubige Raum machen will, mache er Raum(ei de d´ apistos choriztesai, chorizesto). Das nach den meisten gängigen Übersetzungen wiedergegebene „scheide er sich” bzw. „soll er geschieden werden”, das zumeist im Sinne einer rechtlichen Scheidung verstanden wird, steht hier also nicht. Das Wort chorizo ist tatsächlich von dem griechischen chora, Raum (vgl. unseren Begriff Chor für den Altarraum einer Kirche) abgeleitet. Es geht hierbei also um eine räumliche Veränderung oder einen räumlichen Wechsel, ein Verlassen des Raumes, in dem Beide leben - es heißt also gewissermaßen „wenn er das Feld räumen will, dann laß ihn das Feld räumen. Das Wort bezieht sich also nicht auf ein etwaiges rechtliches Scheidungsverfahren, sondern sagt lediglich aus, daß der Ungläubige gehen soll, wenn er gehen will. Damit ist also nicht gesagt, daß der Gläubige sich niemals scheiden lassen dürfe, sondern lediglich, daß die Trennung, solange ein Zusammenleben im Frieden möglich ist, nicht bei ihm beginnen soll.

    Somit wird zunächst einmal klar, daß die Trennung nicht von dem gläubigen Teil ausgehen kann, solange der Ungläubige, wie oben beschrieben, eingewilligt hat, gerade im Hinblick auf den christlichen Glauben seines gläubigen Partners bei ihm zu bleiben. Was dies alles zu bedeuten hat, und welche Bedingungen daran geknüpft sind, haben wir vorhin gesehen. Will er sich dann aber doch trennen, so trenne er sich. Das „Trennen” bedeutet dann sowohl, daß der Gläubige ihn nicht aufhalten soll, als auch, daß der Gläubige, zumal dann, wenn dessen ungläubiger Partner ja im Verlassen des gemeinsamen Daches (!) seinerseits die Trennung schon vollzogen hat, sich nun auch von diesem trennen, ihn also aus der Beziehung freigeben, d. h. entlassen soll. (Im Alten Testament geschah dieses Entlassen durch die Ausstellung eines Scheidebriefes seitens des Mannes, den man der Geschiedenen mitgab und sie damit ziehen ließ.) [9] Das ist die Bedeutung dessen, was allgemein mit jemanden gehen lassen, „ihn loslassen umschrieben wird. Damit ist das Bündnis Beider aufgehoben – Paulus spricht davon, daß er nicht sklavisch gebunden (w. nicht versklavt) sei und somit ist er er frei: Fortan gilt für ihn vor Gott, was Paulus für die Ledigen geschrieben hat.

    Denn mit dem Weggehen des ungläubigen Teils ist der Gläubige ab sofort von diesem frei, und hat diesem gegenüber keinerlei Pflichten, wie der Weggegangene dem Gebliebenen gegenüber keinerlei Rechte mehr hat. [10] Das Loslassen des ungläubigen Teils bewahrt also vor Anrechten, die die geistliche Welt durch diesen immer noch stellen will und wird, solange hier keine Klarheit, und keine völlige und eindeutige Trennung herrscht, die auch der ungläubige Teil als eine solche erkennt. Der Gläubige soll in einem solchen Fall also nicht mehr an der Beziehung festhalten, was auch bedeutet, daß er weder daran glauben, noch für ihre Weiterführung beten soll. Hier gilt es, den anderen Teil vielmehr völlig loszulassen, und daher weder etwas zu unternehmen, noch etwas aufrechtzuerhalten, was die schon vollzogene Trennung etwa rückgängig machen oder den Lauf der Dinge aufhalten könnte. Das Beenden der Beziehung zu dem Gläubigen, das durch das Verlassen des gemeinsamen Daches vom ungläubigen Teil ja bereits in die Tat umgesetzt wurde, ist ein biblisch gerechtfertigter Scheidungsgrund, ja es begründet dies als Gebot der Stunde. Unsere obige Wiedergabe (Konkordante Übersetzung) ist daher also zwar nicht wörtlich, doch aber sinngemäß völlig korrekt. Denn so wie damals in Israel, so hat auch in der Welt die eheliche Trennung zuletzt doch die rechtliche Konsequenz der Scheidung zur Folge. Deshalb haben wir hier auch eine solche und keine andere Übersetzung vorliegen. Wenn der Ungläubige sich bereits getrennt hat, dann soll er auch geschieden werden. Denn auch das Gebot, daß der Gläubige beim Ungläubigen bleiben soll, gilt nur solange, wie eine Übereinstimmung im Vollzug des gemeinsamen Lebens, nachdem ein Teil gläubig geworden ist, gegeben ist.

    Um eines klarzustellen: Hier sollte nicht gesagt werden, daß der Gläubige nicht für den ungläubigen Teil beten dürfe. Es ist allerdings darauf hingewiesen worden, daß er nicht etwas von Gott erwarten oder dafür beten soll, was Gott in Seinem Wort klar verneint, und daher anders beschlossen hat. Wenn Gottes Wort dem Sinn entsprechend sagt, „laß ihn (oder sie) gehen, dann meint es das auch so. Natürlich sollte immer für die Errettung des ungläubigen Teils gebetet werden. Aber das hat nun nichts mehr mit einem gemeinsamen Leben oder mit einer versuchten Wiederherstellung desselben zu tun. Denn es hat keinen Sinn, etwas wiederherstellen, herbeisehnen oder „herbei-beten” zu wollen, was Gott nicht vorsieht, daß wir es wissen sollen, daß also wir es in der Hand hätten. Und man kann nicht durch falsch verstandene „Unterordnung” oder das bewußte Annehmen von Verletzungen, durch ein falsch verstandenes Sich-demütigen, ein Versklaven unter den Ungläubigen, indem man alles tut, was dieser getan haben will, diesen zur Annahme des Herrn oder zur Wiederkehr bewegen. Dies ist ein Trugschluß und eine dämonische Pervertierung von Gottes Wort – aber trotzdem ist es weit verbreitet.

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Was weißt du?

    Auch mit diesem Trugschluß räumt Paulus gründlich auf:

    Was weißt du denn, Frau, ob du den Mann retten wirst? Oder was weißt du, Mann, ob du die Frau retten wirst?
1Kor 7. 16

    Wichtig ist also die Bemerkung, wonach der gläubige Teil niemals davon ausgehen kann, daß er es in der Hand habe, ob der andere Teil gerettet wird. Paulus sagt, indem er diese Frage stellt: Nein, er hat es nicht. Auch wenn er eine Vision, oder ein Wort, oder eine Prophetie zu haben meint, die etwas anderes sagt, und die uns vorhersagt, daß der andere doch noch gerettet wird, sei es durch unser Wohlverhalten, oder durch irgend sonst etwas: Gottes Wort sagt hier, er weiß es nicht; er hat es also nicht in der Hand. Wir können daher nicht vorgeben, etwas zu wissen, wenn Gottes Wort uns sagt, daß wir es nicht wissen können. Eine jede Prophetie, die mit Gottes Wort nicht übereinstimmt, ist daher falsche Prophetie. Und ein Geist, der etwas sagt, was Gottes Wort zuwider ist, ist ein verführerischer Geist. Wir mögen dies oder jenes durchaus im Herzen bewegen, aber es ist überhaupt nicht relevant, da wir es nicht wissen können. Das, was im Herzen vorgeht, ist daher für uns nur insofern wichtig, wie der Heilige Geist (nicht unsere Seele) in unseren Herzen regiert.

    Wir sollten hierbei auch durchaus verständliche Wünsche und die Sehnsüchte unseres Herzens, die
gerade in einer solchen Situation hochkommen, nicht mit dem Reden des Geistes Gottes verwechseln. Haben wir Dinge im Herzen, die mit Gottes geschriebenem Wort nicht übereinstimmen, so haben wir die falschen Dinge darin. Dies ist als nüchterne Bestandsaufnahme zu verstehen, nicht etwa als Anklage. Wenn wir dann doch etwas wissen oder etwas erwarten wollen, wovon Gottes Wort uns sagt, daß wir es nicht wissen können, geraten wir in Auflehnung gegen Sein Wort, und sind dabei Gott nicht untergeordnet. Gerade hier kann uns Seine Hilfe nicht erreichen, wenn wir uns nicht unter Sein Wort und in Seinen stets mit dem Wort übereinstimmenden Plan hinein demütigen. Hier – in diesem Zusammenhang – gilt es nicht, an der (schon gescheiterten!) Beziehung festzuhalten, sondern sie loszulassen. Die Scheidung dessen, der den Gläubigen schon verlassen hat, weil er nicht bereit ist, sein Leben mit ihm zu teilen, ist hier nicht mehr nur Möglichkeit, sondern Gebot.

    In solchen schwärmerischen Vorstellungen tritt häufig auch ein falsches Leidensverständnis zutage, das insofern gefährlich ist, als daß es den Kreuzestod Jesu aus der Mitte verdrängt. Nicht dein Leiden errettet den Partner, sondern das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz allein. Selbst wenn wir also der Ansicht wären, den Märtyrertod sterben zu müssen, damit der andere gerettet werde, so kann unser Leid ihn doch nicht retten. Hier gilt es, sowohl eine falsche Lehrmeinung als auch eine mißverstandene Demut geradezurücken und damit zu brechen. Mithin sehen wir auch das Wort aus 1Ptr 3.1, worin die dem Wort nicht gehorchenden Männer durch den Wandel der sich ihnen unterordnenden Frauen ohne Worte gewonnen werden sollen, unter diesen Zusammenhang gestellt. Ist es nicht möglich, es im Frieden zu leben, muß von der Beziehung, die alles andere als ein „Zusammen-Wohlmeinen” darstellt, gelassen werden. Gottes Wort widerspricht sich nicht: Wenn Paulus sagt, daß wir es nicht wissen (es also nicht in der Hand haben), ob der Ungläubige sich bekehrt oder ob nicht, wird Petrus an anderer Stelle nicht sagen, daß er es doch in der Hand habe, und durch sein eigenes Tun, so wichtig es auch ist, erzwingen könne. Wir können also nicht durch Unterordnung und falsch verstandene Demütigung unter Zustände, in die hinein wir nicht berufen sind (Vers 15), zu erreichen suchen, daß der Ungläubige sich bekehrt und bei uns bleibt. Eine solche Demut hat mit der echten nichts gemein; sie ist letztlich nichts anderes als ein geschickt getarnter Stolz, der seinen eigenen Willen durchsetzen will. Dies schlägt Jesus ins Gesicht, der alles vollbracht hat – auch für den ungläubigen Partner. Was wollen wir da noch vollbringen?

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In Frieden berufen

    Noch etwas anderes ist hier sehr wichtig: Paulus sagt in diesem Zusammenhang, daß wir in Frieden berufen sind (Vers 15). Wie kann es jedoch im Frieden sein, wenn unaufhörlich gestritten wird, man sich zankt oder Häßlichkeiten an den Kopf wirft oder sogar geschlagen wird? Was hat es mit Frieden zu tun, wenn der Ungläubige ständig über den Glauben seines Partners herzieht und verächtlich über ihn redet, oder gar die Verehrung anderer Götter im Spiel ist, die Gott ein Greuel sind, und in die wir – möglicherweise – hineingezogen werden sollen? Wie kann hier der Friede Gottes bestehen? Hier muß, wie wir oben gesehen haben, völliges Einverständnis vorliegen, sonst kann der Weg des Friedens, in den wir berufen sind, nicht gegangen werden. Frieden spricht stets von Übereinstimmung. Weder können wir mit Dingen übereinstimmen, die sich gegen unseren Gott richten, noch entspricht es der Übereinstimmung (die Paulus im 12. Vers ja zur Bedingung macht!), wenn der Ungläubige nicht unseren Glauben respektiert. Aber auch etwaige Sticheleien des gläubigen Teils sind zu unterlassen. Frieden lebt von gegenseitigem Respekt. Dieser Weg, der immer der einer möglichen Übereinstimmung ist, muß aufrechterhalten werden können, sonst ist es kein Friede. Er wird also weder auf Kosten unseres Glaubens, noch auf Kosten eines der beiden Partner gegangen werden können. Will der Ungläubige sich dann trennen, so ist es der Weg des Friedens, ihn gehen zu lassen und von ihm geschieden zu werden, nicht aber, um jeden Preis ihn festzuhalten, und etwas zu hoffen, was Gottes Wort uns nicht verheißt, und uns statt dessen sagt, daß wir dies nicht in der Hand haben. Wichtig wäre es nur, daß auch das soweit möglich im Frieden geschieht. Aber auch das hat der Gläubige letztlich nicht in der Hand.

    Ganz gewiß wird das Vorstehende kein Anlaß sein können, in diesen Dingen unbedacht und vorschnell eine Entscheidung herbeizuführen. Hier gilt es, auf einem schwierigen Weg immer wieder die Führung des Herrn und Sein Wort zu suchen, und dementsprechend verantwortlich zu handeln. Gerade dann, wenn es uns immer unter dem Vorbehalt des Glaubens möglich sein wird, in einer Gemeinschaft mit dem Ungläubigen zu bleiben, dürfen wir aus dieser Gemeinschaft auch nicht ausbrechen! Viele Menschen haben auch gerade auf dem Wege des Zeugnisses ihres gläubigen Partners selbst zum Herrn gefunden, was auch der Zweck des Weiterbestehens solcher Beziehungen sein wird. Wenn aber dies nicht gegeben ist, so hält uns das Wort Gottes nicht dazu an, ein Joch aufrechtzuerhalten, das Er uns nicht auferlegt hat. Gerade hier gilt es, Mitverantwortung zu übernehmen, ist die Gemeinde gehalten, solchen Geschwistern besonders beizustehen, sie in der Frage einer möglicherweise gegebenen oder nicht gegebenen Trennung nicht zu bedrängen, aber es dabei auch nicht an der notwendigen Klarheit fehlen zu lassen. Denn die Frage eines Weiterbestehens oder der Beendigung einer solchen Beziehung ist letztlich immer eine Sache zwischen dem Gläubigen, der in dieser Beziehung steht, seinem Partner und Gott allein. Hier ist sehr viel Einfühlungsvermögen und auch Weisheit nötig, die wir uns von Gott erbitten dürfen, und die Er uns nach Seinem Wort reichlich zuteil werden läßt (Ja 1. 5).

    Fassen wir dies alles kurz zusammen. Indem Paulus hier zu zwei verschiedenen Gruppen sprach – zu innerhalb des Volkes Gottes Verheirateten einerseits, und zu solchen, deren Partner ungläubig ist, andererseits – ist nun also klar geworden, daß die in den Versen 10 und 11 gemachten Aussagen nicht für die ab dem 12. Vers Genannten zutreffen. Sie sind für diese nicht anwendbar. Was noch für die „normal” Verheirateten zutraf, trifft nicht für die gemischten Ehen zu, und umgekehrt. Die Bindung, die nicht aufgehoben werden soll, und das Gebot der Versöhnung, sollte die Beziehung doch geschieden worden sein, gelten nicht mehr für die Ehen, deren einer Teil ein Ungläubiger ist, wenn er die Gemeinschaft beider verlassen will, oder wenn eine notwendige Übereinstimmung im Zusammenleben des Gläubigen mit dem ungläubigen Teil nicht gegeben ist. Deshalb spricht Paulus davon, daß der Bruder oder die Schwester – in solchen Fällen, von denen im 15. Vers die Rede war – nicht sklavisch gebunden (wörtlich: nicht versklavt) sind. Sie sind völlig frei. Somit gilt für diese all das, was er zu den Freien – den Ledigen sprach (hier die Verse 8 und 9 und die späteren Verse 25 - 28). [11] Dies beinhaltet also gerade auch die Frage einer erneuten Heirat (diesmal eines Gläubigen; das Eingehen in die Ehe mit Ungläubigen bleibt Kindern Gottes – wie auch damals dem Volk Israel – untersagt), die, sollte der oder die Freigewordene heiraten wollen, in solchen Fällen stets bejaht werden muß – nicht kann, sondern muß. Denn der, den das Wort Gottes freispricht, der ist ja auch frei. Und die Gemeinde sollte dies respektieren, diesen Geschwistern in der nötigen Liebe und Ehrerbietung gegenüber auftreten, ihnen beistehen, und dementsprechend handeln.

* * *


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Anhang Anmerkungen und Parallelstellen

[1] Dem, dem diese Aussagen zu gewagt sein mögen, sei einmal mehr die Schriftstelle Hbr 13. 4 ans Herz gelegt: Die Ehe sei in allem ehrenhaft und das Ehebett unentweiht; denn Gott wird die Hurer und Ehebrecher richten”. Betrachten wir die Stelle nach dem Grundtext, in dem das Wort „sei” nicht steht, so wird klar, daß der Schreiber des Hebräerbriefes seine Ermahnung nicht mit einem Wunsch, sondern mit einer Feststellung beginnt, nämlich der, daß allein die Ehe (wörtlich die Hochzeit, gamos, es ist also die öffentliche Eheschließung gemeint) und dann auch das Bett unentweiht sind, das die Übersetzer hier jedoch nicht ohne Grund mit Ehebett wiedergegeben haben. Das ist jedoch eine Umschreibung; der Passus ist viel deutlicher: Im Grundtext steht das Wort koitê, das in erster Linie für den Geschlechtsakt (Koitus) an sich (vgl. die Empfängnis Rebekkas in Rö 9. 10, oder auch die in Rö 13. 13 genannte Unzucht), dann aber auch für das im Kontext von Ehe und Familie genannte Bett schlechthin steht (so die in dem Bett befindlichen Kinder in dem Gleichnis Lk 11. 7). Alles das, was im Bett im freiwilligen Miteinander geschieht, ist heilig dann, wenn beide die Ehe eingegangen sind, um dieser Ehe willen, weil die Ehe es ist, die den Geschlechtsakt heiligt. Zuerst kommt also die öffentliche Eheschließung, erst dann das gemeinsame Bett, d. h. also das Beieinanderliegen und die körperliche Gemeinschaft unter dem Schutz dieser Ehe, in der dann auch die Kinder geboren werden und heranwachsen sollen.

Damit ist es die Ehe allein, die das Bett und damit alles, was im Zusammenhang dieses Bettes geschieht, heiligt. Dies hat freilich nichts mit der noch heute weithin verbreiteten Leibfeindlichkeit gewisser Kirchenlehren zu tun (vgl. Zölibat, Fastengebote u.v.a.m., siehe auch 1Tim 4. 1 - 8). Sexualität ist ein Gottesgeschenk, das nicht nur zum Kinderzeugen bestimmt ist, sondern auch zur Freude des Paares, das Gott – zum Einssein im Fleisch – zusammengeführt hat (vgl. 1Mo 2. 21 - 25). Man lese hierzu einmal das Hohelied Salomos, um zu begreifen, wie frei Mann und Frau da miteinander umgehen und einander genießen können! Wird in solcher Gemeinsamkeit allerdings die Ehe umgangen und damit außer Kraft gesetzt, das Bett also entweiht, dann haben wir es demnach bei Ledigen mit Hurerei oder Unzucht (porneia) bzw. bei Verheirateten mit Ehebruch (moicheia) zu tun; die Hurer und Ehebrecher aber wird Gott richten. Das ist eine ganz klare und nicht zu bestreitende Aussage, und es ist ein Wort an die Gemeinde!

Zu beachten ist in dem Passus auch, daß der Schreiber Ehe (gamos) und  Ehebett (koitê) schon von ihren unterschiedlichen Begriffen her ganz offensichtlich als verschiedene Dinge begreift und auch so wertet. Nicht wenige theologische Ausleger befinden sich nämlich im Irrtum, wenn sie behaupten, daß mit dem Geschlechtsakt an sich eine Ehe eingegangen würde. Die Ehe wird vor Gott und Menschen geschlossen und durch den Geschlechtsakt vollzogen. Ein Koitus ohne vorherige formelle und öffentliche Eheschließung bleibt Hurerei.

[2] Mt 5. 32 - 33. Die Anordnung des Herrn, auf die Paulus sich in 1Kor 7. 10 bezieht und die für die dort Genannten gilt. In dieser geht es um Ehe und Ehescheidung in Israel und die dazugehörige Ordnung Gottes.

Siehe auch Mk 10. 2 - 12, Mt 19. 3 - 12, Lk 16. 18.

[3] Der Fall des Ehebruchs durch einen der beiden Partner ist von dem Gebot, die Ehe aufrechtzuerhalten, ausdrücklich ausgenommen. In ähnlichem Zusammenhang ist der Fall fortgesetzter häuslicher Gewalt zu sehen. Wir sprechen dann von fortgesetzter Gewalt, wenn auch nach einer Zeit einer möglichen Abkehr von derselben der gewaltausübende Partner nicht zur Einsicht gekommen ist. Ehe und Gewalt gehören nach Maleachi 2. 14ff. nicht zusammen. Siehe hierzu die Anmerkung 8. Ist eine Ehe jedoch so zerrüttet, so daß langfristig selbst eine Versöhnung nicht mehr möglich erscheint, sollte aus unserer Sicht einem gänzlichen Neuanfang auch hier nicht widersprochen werden. Zwischen einem solchen und der Vorzeit wird allerdings eine geraume Zeit verstrichen sein müssen. Die in vermeintlich „frommen” Kreisen immer wieder zu hörende unbedingte Forderung nach einem Leben der nun geschiedenen Partner in Ehelosigkeit ist jedoch in sich kaum logisch: Die vormalige Ehe war ja bereits zerrüttet, der Ehebruch schon vollzogen: Eine gebrochene Ehe (wir sprechen vom Bruch eines Bundes) hat mit diesem Bruch ihren Bestand verloren. Man sollte hier, beispielsweise im Falle trinkender und prügelnder Ehemänner, gerade hinsichtlich des schuldlosen Teils nicht Härten aufrichten, die man selber kaum tragen könnte.

[4] 1Mo 24. 3, 2Mo 23. 32, 2Mo 34. 12 - 16, 5Mo 7. 2 - 4 u. a. Das Verbot von Mischehen in Israel. Das Wort Gottes weist dabei klar darauf hin, daß immer die Gefahr bestehen wird, daß der Partner, der nicht zum Volk Gottes gehört, den Gläubigen von Gott wegziehen wird. Auf den Einfluß des Götzendienstes bzw. des Einflusses fremder Götter wird ausdrücklich verwiesen. Gingen Israeliten eine Eheverbindung mit Partnern aus Fremdvölkern ein, drohte ihnen der Tod durch göttliches Gericht (5Mo 7. 4). Dabei geht es nicht um Nationalität, sondern vielmehr um Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zum Volk Gottes, um Gläubige oder um Ungläubige. Vgl. auch 1Kö 11. Die vielen ausländischen (heidnischen) Frauen Salomos neigten sein Herz fremden Göttern zu. Daraufhin erweckte der Herr ihm verschiedene Widersacher, die ihn bekämpften. Salomo verliert deshalb den größten Teil seines Reiches. – Siehe auch Jesaja 30. 1: Das (allgemeine) Eingehen von Bündnissen ohne den Geist Gottes und das darauffolgende Wehe.

[5] 2Kor 6. 14 - 18. Keine Gemeinschaft mit Ungläubigen. Damit ist nicht gemeint, daß wir nicht mit ihnen reden, oder nicht zu ihnen gehen dürften (wie dies im manchen Sekten vorkommen mag), sondern, daß wir mit ihnen keinen Bund eingehen sollen. Ein Bund ist eine Übereinkunft verschiedener Parteien, die diese an eine Vereinbarung, eine Sache, Person usw. bindet. Dem entspricht das Bild des Joches, das aus der Landwirtschaft Israels entlehnt worden ist. Näheres dazu in der Schrift „Die Zügel Gottes” hier auf diesen Seiten. Nach dem Gesetz war es verboten, Rind (das folgsame und für die Feldarbeit vorgesehene Tier) und Esel (das widerspenstige Tier) in einem Joch laufen zu lassen (5Mo 22. 10). Genauso sollen auch wir mit Ungläubigen nicht in demselben Joch laufen, ein Bild, das nicht nur, aber auch für ein Eheverhältnis steht. Das Bild der Ehe ist ein Joch. In Mk 10. 9 spricht der Herr bezüglich der Ehe (dies als ein Beispiel; hier soll nun lediglich das Gemeinsame als solches interessieren) als von einem Zusammengejochten. Das griechische Wort für zusammenjochen ist suzeugnumi, mit dem auch Jesus hier wiedergegeben wird. Eine Verbindung, die gemäß 1Kor 7. 12 nicht in Übereinstimmung des Glaubens hineinführen kann, sondern dazu angetan sein wird, das in uns hineingelegte göttliche Leben zu zerstören, indem es uns unter den Ungläubigen unterjocht, ist damit, unter Beachtung des dort nachfolgend Gesagten, klar zu verlassen. Paulus meinte in seinem Wort eigentlich ein Ungleich-Gejochtsein (griechisch hetero-zugeo). Gott gebietet hier also eindeutig, aus jeglicher Verbindung mit Ungläubigen herauszugehen, die uns mit ihnen an dasselbe Joch bindet, und uns von ihnen abzusondern, d. h. von ihnen zu trennen und von ihnen gesondert zu halten (Vers 17). Hieran hängt unsere Annahme bei Ihm, und dementsprechend auch unsere Hilfe, die nur Er uns geben kann (Vers 17). Heraus also aus jedem falschen Joch! Dazu Kapitel 7, Vers 1, der gleich danach folgt, also mit dem Vorigem im Zusammenhang steht: Da wir nun solche Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von jeder Besudelung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes vollenden.

Auf unsere Verhältnisse übersetzt heißt das, eine solche Verbindung strikt zu meiden, und auf diesem Gebiet sich von Unerretteten abseits zu halten (vgl. die o. a. Stelle aus dem Zweiten Korintherbrief). Siehe hierzu auch die Bemerkung des Paulus: Eine Schwester zur Frau (1Kor 5. 9). Gerade dieses Thema zieht sich also durch die ganze Bibel.

[6] Luther übersetzte proselytos ganz folgerichtig mit „Volksgenosse” oder „Judengenosse”.

[7] Spr 18. 22. Wer eine gute Frau erlangt hat, hat Gunst von dem Herrn erlangt. Die gute Frau ist also die, die der Herr zuführt, die also von Ihm kommt.

[8] Maleachi 2. 14 - 16. Gott haßt Scheidung ebenso wie Verrat und Gewalttat. Beachte jedoch den Kontext des Volkes Gottes, in dem das Wort hier steht (Israel). Nicht die Frau, sondern der Mann wird hier als der Schuldige benannt. Gemeint ist hier das Weib deiner Jugend, das durch den Ehemann verraten wird, und das von ihm erst geschlagen, und danach verlassen, also geschieden wird. Das Gewand, mit dem der Mann sich bekleidet, und das hier mit Gewalttat bedeckt wird, ist ein Bild für die Frau. Die Frau ist nach der Schrift die Herrlichkeit des Mannes, mit der dieser sich (bildlich gesehen) bekleidet, d. h. sich mit ihr umgibt wie mit einem Gewand. Deshalb hier das Bild des Gewandes für die Frau. Hierzu siehe 1Kor 11. 7 - 15: Das der Frau gegebene lange Haar ist ihre Herrlichkeit. Vers 15. Dieses Haar ist ihr an Stelle einer Umhüllung gegeben. Das Haar des Mannes ist kurz, was versinnbildlicht, daß er keine eigene Herrlichkeit besitzt; seine Herrlichkeit ist die Frau, Vers 7. Wäre das Haar des Mannes lang, würde ihm dies zur Unehre gereichen, siehe Vers 14. So, wie bildlich gesehen, die Frau sich mit langem Haar schmückt und sich damit umhüllt oder umgibt, und es ihr zur Herrlichkeit gereicht, ist die Frau wiederum die Herrlichkeit des Mannes, mit der dieser sich umgibt, also umhüllt oder bekleidet und schmückt.

Aus der in Maleachi erwähnten ehelichen Gewalt geht unstrittig die Erkenntnis hervor, nach der es unmöglich ist, ein Kind Gottes sich dem, was Gott haßt, unterordnen soll. Die Ehe ist von Gott ganz eindeutig nicht zum Ort für solche Auseinandersetzungen vorgesehen. Fortgesetzte Gewalt ist also klar ein biblischer Grund für Scheidung, neben fortgesetzter Hurerei des Partners, und dem nach 1Kor 7 Beschriebenen.

[9] 5Mo 24. 1 - 4. Der Scheidebrief (siehe hierzu das Reden Jesu in den oben angeführten Stellen aus den Evangelien). – Das Verbot der Wiederheirat des entlassenen Partners, wenn diese(r) sich bereits mit einem (einer) Anderen verbunden, und nachdem der (die) einst Entlassene von dem (der) andern auch geschieden worden ist.

[10] Dies ist eine Aussage, die die geistliche Welt betrifft; wir beziehen uns damit nicht auf materielle Ansprüche, die durch etwa vorhandene gemeinsame Kinder, Unterhaltsansprüche etc. vorhanden sind, wie sie sich auch aus der weltlichen Rechtsprechung ergeben.

[11] 1Kor 7. 25 - 28 handelt von den Unvermählten wie den von der Frau (dem Mann) Losgewordenen. Paulus spricht hier also klar von der Wiederverheiratung Geschiedener. Beachte Vers 27 und 28: Bist du an eine Frau gebunden, so suche keine Lösung; hast du dich von einer Frau gelöst, so suche keine Frau. Aber auch, wenn du heiratest, sündigst du nicht. Ebenso sündigt auch die Jungfrau nicht, wenn sie heiratet. Solche werden jedoch Drangsal durch das Fleisch haben, und davon sähe ich euch gern verschont. Weshalb führt Paulus hier an, daß die Jungfrau nicht sündigt, wenn sie heiratet? Jeder weiß doch, daß sie dabei nicht sündigt. Beachte das Wort ebenso. Ebenso, wie die Jungfrau nicht sündigt, wenn sie heiratet, so sündigt gleichermaßen auch der von einer Frau Freigewordene nicht, wenn er (erneut) heiratet. Der Hintergrund der Anmerkung ist jedoch vor allem dieser: Solche werden jedoch Drangsal durch das Fleisch haben. Diese Drangsale (w. Bedrückungen, Einengungen, Ängste i. d. Mhrz.) werden sich aus der alten Beziehung ergeben. Eventuell sind Kinder da, der alte Partner läßt sich sehen, alte Forderungen tauchen auf u.v.a.m. Das Ganze wird nicht problemfrei sein. Wir erkennen also, wie realistisch und klar der (selbst ehelose) Paulus dies sieht und auch hier mit beiden Beinen auf der Erde steht. Es gibt also keinerlei Raum für irgendwelche schwärmerischen Vorstellungen, weder auf der einen, noch der anderen Seite.

Literaturempfehlung:

Bob Yandian, Gottgegebene Leidenschaft Handbuch für ein harmonisches Eheleben. Dort lese man insbesondere das, was er über Ehen und Ehescheidung nach 1. Korinther 7 schreibt, ab Seite 175. Ich bin nicht unbedingt mit allem einverstanden, halte es aber trotzdem für etwas mit zu dem Besten gehörenden, was es für dieses Thema zur Zeit zu kaufen gibt. Nicht zu vergessen: Gottes Wort ist das Allerbeste. Buchempfehlungen daher nur ausnahmsweise ;-). ISBN 3-926879-20-3, Delta-Edition.





Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
 Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985”

Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969



Lieber Bruder, liebe Schwester!

Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Diese Schrift ist am 24. 11. 2012 zuletzt bearbeitet worden.

© 2003 ff.

 
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