Wißt ihr nicht?


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Wißt ihr nicht?

IHR seid der Tempel!

Der menschliche Körper als Abbild des Christuskörpers.
DER CHRISTUS als eine von Gott über alles gesetzte Person,

bestehend aus dem Haupt, dem Herrn im Himmel,

und der Gemeinde, Seinem Körper,
der Vervollständigung des Hauptes.


(Gedanken über die Gestalt der Gemeinde nach dem Neuen Testament)


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     Der Inhalt dieser Schrift beschäftigt sich mit der Gestalt der Gemeinde, [1] die Jesus Sich mit Seinem Blut zum Eigentum erworben hat. Diese Gemeinde ist Sein Körper. Das Neue Testament lehrt uns die Vorstellung des auferstandenen Christus Jesus als dem Haupt, in lebendiger Verbindung mit Seinem Körper, der aus den vielen Gliedern besteht, die, bei aller Verschiedenartigkeit, in Einheit diesen Körper bilden (Eph 1. 22, 23). Diese Glieder sind all die Gläubigen, die der Herr mit Seinem Blut erkauft und in das „Königreich des Sohnes Seiner Liebe” (Kol 1. 14, 18; Off 1. 5, 6) hineinversetzt hat; und diese Gläubigen sind es dann auch, die in Wahrheit zusammen mit ihrem Haupt sich selbst starben, ihren alten Menschen demgemäß in der Taufe in den Tod  zu Grabe getragen haben (Rö 6. 3 - 4), mit Ihm zu einem neuen Leben durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes geistlich auferstanden sind (Rö 6. 5 -14, 8. 1 - 10; vgl. Eph 1. 20) und die versiegelt wurden mit dem Geist der Verheißung (Eph 1. 13, siehe auch Rö 8. 15 - 17), durch den allein sie in diesen Christuskörper hineingetauft worden sind (1Kor 12. 13). Bereits anhand dieser Tatsachen also wird deutlich, daß die Bildung und Auferbauung dieses Leibes, um den es hier geht, niemand anders vollbringen kann als nur das erhöhte Haupt Selbst.

    Diese Vereinigung aus dem Haupt, dem Herrn im Himmel, und dem Körper, Seiner Gemeinde, stellt den einen von Gott gesalbten Menschen, [2] den Christus [3] im Himmel und auf Erden dar (Eph 1. 9 - 10, 2. 15). Dieser eine neue Mensch Gottes ist es, den Gott in und mit uns offenbaren möchte, so daß wir erkennen können, daß die Gemeinde, dem im Abbilde Gottes erschaffenen Menschen gleich, in untrennbarer Einheit bestehend aus Haupt und Gliedern, aus der Sicht des Himmels eine einzige Person bildet.

    Die Einheit und Stärke, in der Gott diese Christusperson sieht, ist so gewaltig, daß das Wort Gottes von Jesus als „dem Haupt über alles der herausgerufenen Gemeinde” spricht, indem Gott, der Vater, Ihm alles unterordnet, „Ihm zu Füßen”, [4] nach Seinem Vorsatz, „um in Christus das All (oder alles) aufzuhaupten, beides, das in den Himmeln und das auf der Erde”, wenn die Zeit hierzu erfüllt ist (Eph 1. 10, 22), [5] so daß Jesus, das Haupt der Gemeinde, zusammen mit dieser und durch sie auch zum „Haupt über alles” werden kann.

    Dies ist es, wozu der Apostel die Epheser in seinen Gebeten erwähnt,

    „damit der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch geistliche Weisheit und geistliche Enthüllung zur Erkenntnis Seiner Selbst gebe, (nachdem die Augen eures Herzens erleuchtet wurden), damit ihr wißt, was das Erwartungsgut Seiner Berufung ist”
Eph 1. 16 bis 18,

    und wozu jene Einheit des Christuskörpers, zuerst mit seinem Haupt und darin auch unter seinen Gliedern, offenbar werden muß, damit Gott solches mit Seiner Gemeinde vollbringen kann. – Diese Wahrheiten sind mir erst nach längerer Zeit, auch des Zerbruches, nachdem sie auch schon früher hier und da einzeln aufgeleuchtet sind, nun um so deutlicher, ja herrlicher und strahlender als je zuvor geworden, nachdem ich erkennen mußte, daß man solches „Wissen” wohl „im Kopfe haben kann”, es dort aber nichts nützt; da es uns wirklich von oben her geoffenbart worden sein muß. –

    Hier wird auch deutlich, worin unsere Einheit nur gegründet sein kann – sie fußt nämlich allein in der oben beschriebenen Erwartung des Kommenden, dessen nämlich, den es hier zu erkennen gilt, als dem, der die Gemeinde zu dem herrlichen Ziele führen will, von dem Paulus hier spricht. Daher können alle anderen Erwartungen, von denen es in unseren Tagen nur allzu reichliche gibt – wie etwa die Erwartung eines irdischen Reiches, einer irdisch fixierten „weltweiten Erweckung” (von der man immer wieder hört, die aber in der Schrift keineswegs verheißen ist), [6] die Erwartung überhaupt von Irdischem, von Wohlstand auf der Erde oder gar die Ausrichtung auf menschliche Ehre – nur zur Spaltung des Christuskörpers führen, und werden zwangsläufig auch dazu führen müssen. In dieser Ausrichtung auf Irdisches anstelle des uns zugeordneten himmlischen Erwartungsgutes liegt letztlich auch der wesentliche Grund für den jämmerlichen Zustand der Gemeinde, wie er sich uns heute darstellt. Das Wort Gottes läßt jedenfalls keinen Zweifel daran, daß wir uns mit dem Himmlischen und nicht so sehr mit dem Irdischen beschäftigen sollten.

    Diese Einheit, wie sie nur im Geist verwirklicht werden kann, hat auch nichts gemein mit so manchen und vielerlei „Einheitsbestrebungen”. Sie kann und wird sich nur dann einstellen, wenn wir gemeinsam in jener Einheit mit dem Haupt stehen, in solcher Abhängigkeit von Ihm, wie Er es mit dem Vater war und es uns in dem Hohepriesterlichen Gebet überliefert worden ist (Jo 17). Es ist jenes Gebet, das der Herr vor Seinem Opfer am Kreuz gebetet hat, Ausdruck des letzten Willens Dessen, der sich eben zu sterben anschickte. Insofern kommt es geradezu einem Vermächtnis gleich. Und niemand sonst als nur Johannes, der Jünger, den Jesus liebhatte, und der ganz nah am Herzen des Meisters ruhte (Jo 21. 20, 24), hat es uns überliefert. Ruhen auch wir am Herzen des Meisters, dann werden also auch wir zu gleicher Erkenntnis gelangen. Dann wird sich auch die Einheit mit all denen einstellen, die gleichermaßen allein auf Jesus als unserem verherrlichten Haupt ausgerichtet sind, und die bei vielen erkaltete Liebe, auch untereinander, wird dann wieder oder ganz neu entfacht werden können, weil der Eine, der wirklich lieben kann, endlich wieder in unserer Mitte ist. Menschliche Bemühungen aber [7] werden dies nicht erlangen können, da sie den kläglichen Versuch darstellen, am Haupt der Gemeinde vorbei, die Einheit ohne eine solche ständige Ausrichtung zu erzielen; sie waren und sind zum Scheitern verurteilt.

    Der Christuskörper, die Gemeinde also stellt, wie wir nachfolgend immer wieder sehen werden, auch jenen heiligen Tempel dar, das Haus Gottes, von welchem Gott [8] gesagt hatte, daß Er Selbst in ihnen, das sind die den Tempel bildenden Glieder, wohnen und „unter ihnen wandeln” will (2Kor 6. 16). Somit erscheint uns dieser Tempel als ein Ort des Redens Gottes und Seiner Gegenwart, der Herrschaft Seines Throns und der unmittelbaren Gemeinschaft mit Ihm; ein Ort, in dem der Mensch zu schweigen und dem nichts von sich aus hinzuzufügen hat; denn wer in die Gegenwart Gottes eintreten will, von dem wird – im Bilde – gleichwie von einem Mose verlangt, seine Schuhe auszuziehen’,

    „denn die Stätte, auf der du stehst – sie ist heiliger Boden” (2Mo 3. 5). –

    Dies zeigt uns, wie weit wir von dem Zustand, ja einzigem Zweck noch entfernt sind, zu welchem Gott diese Stätte Seiner Gegenwart erwählt hat. Wie diese Gegenwart sich auswirkte, das zeigen die ersten Kapitel der Apostelgeschichte eindrucksvoll. Nichts Unheiliges konnte sich halten, ohne daß das Gericht des unmittelbar gegenwärtigen Gottes Seinen Tempel reinigte und seine Heiligkeit aufrechterhielt. Die Geschehnisse um Ananias und Sapphira (Apg 5. 1 - 11) beleuchten diese Heiligkeit eindrucksvoll. Der soeben erstandene Tempel Seines Leibes war so heilig, daß von den Außenstehenden es niemand auch nur wagte, sich aus eigenem Antrieb zu der Schar der diesen Tempel bildenden Jünger hinzuzutun (5. 13 - 14). Und so war es immer der Herr Selbst, Er ganz allein, der Seinem Tempel neue lebendige Steine hinzufügte (2.47b). Dies währte so lange, bis der Mensch das Zepter in die eigenen Hände nahm. DIe Resultate der Kirchengeschichte sind vor aller Augen. Wie also sieht das Gebäude aus, das sich uns heute darbietet? Es erscheint längst nicht mehr in dem Zustand des Tempels, wie Gott ihn Sich wünscht; verunstaltet durch unser aller Menschenwerk, zeigt es sich in einer Verfassung, die eines Zerbruches, ja eines Abbrechens ganzer Strukturen und Gebäudeteile, der Reinigung und grundlegenden Erneuerung bedarf, die weitaus tiefer gehen wird, als wir vielleicht auch nur zu ahnen wagen. In bespiellosem Hochmut haben wir es gewagt, die Heiligkeit Gottes zu profanieren und selbst Hand an Seinen Tempel zu legen, mit frommen Worten zwar und stets „nach der Bibel”, aber doch in Eigenregie zu bauen, zu schalten und zu walten. Und noch immer haben wir, die wir uns Christen nennen, nicht begriffen, daß wir es bei diesen Tempel nicht mit einer Gemeindestruktur, sondern mit dem dreimalheiligen Gott Selbst zu tun haben, Der ihn bewohnen, regieren und mit Seiner Gegenwart ganz erfüllen möchte! Wir werden nicht umhin kommen können, anzuerkennen, daß all das, was Menschen errichtet haben, nicht von Ihm ist und deshalb nicht in Seinen Tempel gehört. Mögen wir daher zu jener durchgreifenden Umkehr in der Lage sein, die hierzu in den unmittelbar vor uns liegenden Zeiten, die jedoch schon begonnen haben, zu einem solchem Zerbruch notwendig sein wird. –

    Wir glauben, daß Gott Selbst in diesen Tagen die Gemeinde, die ja Seine und nicht etwa „unsere” ist, als Seinen Körper und Tempel, wieder herstellt. Er allein schafft das, was Menschen nicht werden vollbringen können. Es ist nun an uns, jenen Zerbruch zuzulassen, der hierzu unabdingbar ist; es ist dies, Geburtswehen gleich, ein schmerzhafter und uns schwierig erscheinender Vorgang, der aber endlich zu der „Geburt” jenes „mannhaften Sohnes” führen wird, durch den Gott Sich uneingeschränkt und unmittelbar, als mit und in diesem Selbst gegenwärtig, verherrlichen kann (siehe Eph 4. 13, Off 12. 1 - 5; vgl. auch Ga 4. 19). Dieses Stadium des männlichen Sohnes kennzeichnet die Vollreife des Leibes.

    Johannes sah in seinem Evangelium, gewissermaßen prophetisch, die gleiche Situation. Er erkannte Jesus, als Er in den Tempel Gottes kam, und bevor dort irgend etwas anderes geschehen konnte, diesen zu reinigen suchte. Dies gehört mit an den Beginn des öffentlichen Wirkens unseres Herrn überhaupt, [9] über das uns Johannes berichtet, und er erwähnt es in seinem Bericht mit an vorderer Stelle.

    13 b Dann zog Jesus hinauf nach Jerusalem. 14 Er fand dort in der Weihestätte die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. 15 Da machte Er aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus der Weihestätte hinaus samt den Schafen und den Rindern, schüttete das Wechselgeld der Makler aus und stieß die Tische um. 16 Zu denen, die Tauben verkauften, sagte Er: „Nehmt diese von hier fort! Macht nicht das Haus Meines Vaters zu einem Kaufhaus! 17 Da erinnerten sich Seine Jünger, daß geschrieben ist: Der Eifer um Dein Haus wird Mich verzehren. (Ps 69. 10) 18 Die Juden nun antworteten Ihm: „Was für ein Zeichen zeigst Du uns, daß Du dies tun darfst?19 Jesus antwortete ihnen: „Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten!” ... 21 Er aber hatte von dem Tempel Seines Körpers gesprochen.

Jo 2. 13b - 19, 21

    In dem vorliegenden Bericht des Johannes spricht Jesus von einem Zeichen, das gegeben werden würde. Zuvor hatte Er diejenigen, die im Tempel Handel trieben, indem sie an geweihtem Ort mit dem Verkauf der als Opfergaben (für die Zehnten) vorgeschriebenen Tiere ihr Geld verdienten, mit Nachdruck vertrieben mit dem Hinweis, das Haus Seines Vaters mit solchem Treiben nicht zum Kaufhaus zu machen, und macht damit klar, daß Er der Sohn des Hausherrn ist, der in Seinem Hause solches nicht dulden wird. – Sein Haus ist kein Kaufhaus, in dem nur der Gott nahen und an Seinen Segnungen und Dienst teilhaben kann, der dafür „zahlen kann, der hierzu etwas leistet”, sondern soll

    „ein Haus des Gebets für alle Nationen heißen”.

    Sie aber machen es zu einer

    „Höhle für Wegelagerer” (Mk 11. 17). [10]

    Das geläufigere Wort hierfür ist Räuberhöhle; dagegen ist Höhle für Wegelagerer der genauere Begriff. Hier geht es tatsächlich um Wegelagerei an einem Weg, der eigentlich ein Weg zu Gott sein sollte. Wegelagerer leben von denen, die regelmäßig „des Weges kommen. Aus genau dem Grunde haben sie sich dort niedergelassen. Wie bei den Karawanenräubern ist das Ganze den meisten verborgen, solange, bis sie merken, daß sie beraubt worden sind. Hier aber sind die am Weg Gottes Herzukommenden die Opfer, da ihrem Zugang zu Gott – letzten Endes – Barrieren und Schranken errichtet werden, an denen der, der Gott nahen will, zuerst ihnen gegenüber etwas zu erbringen und abzugeben hat, bevor er Gott nahen darf. Wer nicht zuvor bei ihnen „kauft, der ist nicht mit dabei. Sind sie es doch, die die Herzukommenden erst mit dem zum Zutritt notwendigen Opfer „ausstatten”; deren Glaube wird für sie zu einem Geschäft. [11] – Was sagt der Herr des Hauses dazu? Solche gehören nicht in den Tempel Gottes, und deshalb reißt der Herr ihre gesamte – vermeintliche – Ordnung herunter, indem Er „das Wechselgeld der Makler” [12] ausschüttet, Tische und Stühle dieser Räuber, denn als solche bezeichnet Er sie, umstößt, und nicht zuläßt, daß auch nur irgend „jemand dergleichen Gerät durch die Weihestätte” trage, und wirft sie, mit all dem, was sie hierzu von außen hineingebracht haben, mit Nachdruck wieder hinaus. Selbst die zur Schlachtung feilgebotenen Schafe und Rinder werden hinausgetrieben, da das von Gott ersehene Schlachtopfer, das wahre Lamm Gottes, Selbst vor ihnen steht; ein Symbol dafür, daß der alttestamentliche Opfer- und Tempeldienst, wie jegliche selbsterwählte Form eines vermeintlichen Gottesdienstes sonst auch, aufhören wird. – Die Juden fordern nun, um seine Legitimation hierzu in Frage stellen zu können, ein Zeichen seiner Vollmacht.

    In dem ganzen Bericht geht es allein um das Haus, den Tempel Gottes. So ist das Zeichen, von dem Jesus hier spricht, das Niederreißen „dieses Tempels”, welchen Er drei Tage nach dessen Abbruch neu aufrichten würde. Dieses Zeichen ist, wie die ganze vorangegangene Handlung, prophetischer Natur: Der alttestamentliche Tempel und die alte Art des Gottesdienstes würden ein Ende haben, ein neuer Tempel erstehen. Das Ganze ist doppeldeutig: Denn dieser von Jesus gemeinte Tempel, so beschreibt Johannes, ist Sein eigener Körper (Jo 2. 21), und zwar zunächst der vor Seiner Auferstehung; Er spricht also von dem Abbrechen seines eigenen und von dem Auferstehen eines, Seines neuen Körpers: Dabei würde nicht Er der Einreißende sein, sondern Sein Körper würde durch die Vertreter der religiösen Oberschicht, zu denen er hier spricht, „niedergerissen” werden:

    „Reißt (ihr !) diesen Tempel nieder; und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten” (Jo 2. 19). [13]

    Vorgezeichnet wird dies bereits vorher durch den Hinweis auf die alttestamentliche Voraussage, daß der Eifer um das Haus Gottes Ihn verzehren würde (Jo 2. 17).

    Dieses Geschehen finden wir in der Kreuzigung und Auferstehung Jesu erfüllt. Er wurde von den Pharisäern an die Römer ausgeliefert und durch deren Hand getötet. Er starb um der Sünde willen am Kreuz. Gleichwie nun ein Weizenkorn allein bleiben wird und keine Frucht bringen kann, wenn es nicht in die Erde gelegt wird und stirbt (Jo 12. 24, 25), so mußte auch der Herr sterben, in die Erde (in ein Grab) gelegt werden und nach drei Tagen auferstehen (Mt 27. 63), um die Frucht hervorbringen zu können, zu der Ihn Sein Vater bestimmt hatte: nämlich die Seinen, die Ihm der Vater nach Seinem Todesleiden gegeben hat (vgl. Hbr 2. 9 - 12).

    So wurde Er zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern” (Rö 8. 29; Hbr 1. 6) , zum „Haupt der Gemeinde, deren Anfang Er ist als Erstgeborener aus den Toten” (Kol 1. 18): Er starb und wurde, einem Samen gleich, in die Erde gelegt; Er war hinabgestiegen „in die untersten Örter des Todes”, wo Er nicht gehalten werden konnte, da der Tod keinerlei Anrecht auf Ihn hatte (siehe Apg 2. 24) - Er stand durch die wirksame Kraft Gottes auf und war nun wiedergeboren worden als der Erste aller derer, die nach Ihm von neuem geboren werden würden und aus denen sich dann der neue Tempel Seines Körpers, als dessen auferstandene Glieder, zusammensetzen würde.

    Um diesen Körper des Christus nun in der richtigen Weise zu verstehen, benötigen wir zunächst ein Verständnis dessen, was Jesus in Seinem Leibesleben hier auf der Erde tat und vor allem, in welcher Eigenschaft und in welcher Art und Weise Er es tat. Wir sehen, daß der Herr absolut keinerlei sichtbare Wirksamkeit auf der Erde ausübte, und dies für die längste Zeit Seines irdischen Lebens, nämlich über ganze dreißig Jahre hinweg, bevor Er nicht angetan worden war mit der Kraft aus der Höhe, und bevor nicht Zeit und Stunde gekommen war. Erst nach Seiner Taufe war Er somit zum Christus (Messias) gesalbt worden. Er konnte jedoch nichts tun ohne den Vater und ohne diese Ausrüstung aus der Höhe.

    Getauft stieg Jesus sogleich aus dem Wasser, und siehe, da öffneten sich ihm die Himmel; er gewahrte den Geist Gottes wie eine Taube herabsteigen und auf Ihn kommen. Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sagte: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an Ihm habe Ich Mein Wohlgefallen”.
Mt 3. 16 - 17

Dieser Punkt markiert den Beginn Seiner Wirksamkeit:

    Von da an  [14] begann Jesus zu herolden und zu sagen: „Sinnet um! Denn das Königreich der Himmel hat sich genaht!”

Mt 4. 17

    Bereits hier erkennen wir eines der größten, ja tragischsten Mißverständnisse über den Dienst und die Wirksamkeit Jesu. Viele Menschen glauben, daß der Herr all die Erweise Seiner Kraft, Wunder und Zeichen in göttlicher Eigenschaft aus Sich Selbst heraus vollbracht habe. So genannte Glaubenslehrer” bringen uns dazu, Wunder und Zeichen selbst zu vollbringen, und lehren uns, den Weg scheinbar „göttlicher” Gesetze, Prinzipien und Praktiken zu gehen. Die Heilige Schrift lehrt dagegen völlig klar und unmißverständlich, daß Jesus Seine Gottesgestalt vollständig abgelegt hatte: Er wurde Mensch wie wir (Phil 2. 6 - 8). Was jene lehren, ist Magie in christlichem Gewand; was Jesus uns lehrt, ist Abhängigkeit von Gott.

    Denn Er, der nun nicht mehr in göttlicher Eigenschaft auf der Erde war, sondern als Mensch, der Gott in völligem Gehorsam ausgeliefert war, konnte aus diesem Grunde erst wirksam werden, nachdem Ihn der Vater mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet hatte. Er war deshalb vollkommen – ununterbrochen – abhängig vom Vater und wurde Ihm gehorsam [15] – bis hin zum Tode am Kreuz. Allein diese Salbung und Abhängigkeit vom Vater machte Ihn, den Menschen, zum Gesalbten, zum Christus. [16] In diesem Zusammenhang erschließt sich uns auch die Aussage des Paulus:

    „Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.”

1Tim 2. 5, Revidierte Elberfelder

    Das größte Mißverständnis des Dienstes unseres Herrn beruht daher auf einem fehlenden Verständnis Seiner unmittelbaren Abhängigkeit vom Vater. Oben ist das schon etwas angeklungen. Und so wird, nachdem wir durchaus die Salbung des Heiligen Geistes erhielten, diese notwendige Abhängigkeit übergangen, weil man uns gelehrt hat, daß wir nun die Kraft zum Dienst besäßen, und die „Dinge Gottes selbst durch Glauben aneignen und vollbringen” könnten. Gerade diese Sichtweise ist jedoch eine gefährliche Entstellung der Wahrheit, weil sie an Gott selber vorbeigeht. Demzufolge gehen wir unweigerlich in die Irre, in Stolz und Verblendung hinein, wenn wir das persönliche und direkte Nachfolgen Jesu mit jenem Befolgen von „Glaubensprinzipien” ersetzen, wie dies in diversen Lehren der so genannten „Glaubensbewegung” und artverwandten Gemeinschaften vielfach der Fall ist. Der wesentliche Kern der Wahrheit besteht darin, daß Jesus andauernd, beständig abhängig war von dem jeweils aktuell geoffenbarten Willen Seines Vaters. So vollbrachte der Sohn absolut nichts, was Er nicht auch den Vater hatte tun sehen; und ebenso können wir nichts tun, was wir nicht auch den Sohn tun sehen, welcher uns den Vater offenbart (vgl. hierzu Jo 4. 25, Kap. 5. 18 - 20, 14. 8 - 15, 15. 4 - 11 und 15; Kap. 17. 21 - 24). [17] Der ‚Schlüssel’ zum Reich Gottes ist die geistliche Armut, das bedeutet, nichts aus sich selbst zu haben und in allem auf Ihn angewiesen zu sein. Dies ist die erste Feststellung, mit der Jesus Seine uns als Bergpredigt überlieferten Aussagen beginnt (siehe hierzu Mt 5. 2, Lk 6. 20). – Jener „Schlüssel der Erkenntnis” ist es auch, den die Pharisäer infolge ihres eigenen Tuns, des buchstäblichen Erfüllens und Befolgens des Gesetzes, und des damit verbundenen Aufrichtens ihrer eigenen Gerechtigkeit [18] weggenommen hatten, indem sie nicht in das Reich Gottes eingingen, und dies auch den Hineingehenden verwehrten (Lk 11. 52).

    Gleichwie nun der Herr in Seinem irdischen Dasein ausgerüstet und geleitet worden war, wird nun auch die Gemeinde auf Erden angetan und geführt:

    „So wie der Vater Mich ausgesandt hat, sende auch Ich euch” (Jo 20. 21).

    In dieser Sache gibt es keinen Unterschied. Wie Er dürfen auch wir, wollen wir Ihm dienen, unser Leben nicht lieben bis in den Tod; gleich Ihm werden wir in den Tod getauft; was den wohl stärksten Ausdruck in der Taufe nach Römer 6 findet. Dies bedeutet für uns nicht weniger als den Verlust des alten, fleischlichen Lebens mit allen seinen Fähigkeiten und seiner vermeintlichen, eigenen Stärke, die Gott nicht gebrauchen kann. Gleich Ihm werden auch wir demzufolge angetan mit der Kraft, der Salbung des Heiligen Geistes, ohne die wir absolut nichts, aber auch gar nichts tun können. Gleich Ihm – ja mehjr noch als Er – müssen wir Gehorsam lernen und sind beständig abhängig vom geoffenbarten Willen des Vaters und Seinem Plan. Nicht umsonst waren ja die Jünger angewiesen worden, in Jerusalem zu warten, bis die „Verheißung des Vaters gekommen wäre, was wir in dem Geschehen am Tage der Pfingsten, als in der Tat die Kraft aus der Höhe auf sie kam und sie vollkommen veränderte, in wunderbarer Weise erfüllt sehen. [19]

    Was in diesem Raum, in dem die Jünger versammelt waren, eigentlich geschah, ist vielen unter uns gar nicht geläufig. Die Feuerzungen und verschiedenen Sprachen vermögen dies auch nur anzudeuten; Hintergrund des eigentlichen, gewaltigen und übernatürlichen Geschehens sind selbst sie nicht. Was hier geschah, ist nicht weniger als die übernatürliche Bildung und Einsetzung des Christus auf Erden, des Gesalbten, bestehend aus Jesus, dem Haupt, und seinem Körper, der Gemeinde, repräsentiert durch die vielen Glieder, durch die Ausgießung des Heiligen Geistes.

    Als Jesus noch nicht in den Himmel aufgenommen worden war, hatte Er die Jünger angewiesen,

    „nicht von Jerusalem zu scheiden, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, ‚die ihr von Mir gehört habt; denn Johannes hat nur mit Wasser getauft, ihr aber werdet nicht sehr lange nach diesen Tagen in Heiligem Geist getauft werden’.”

Apg 1. 5,

woraufhin sie sich versammelten und einmütig im Gebet anhielten (Vers 14). Am Pfingsttage waren sie dann, so wörtlich, alle zusammen auf ein und dasselbe hin, nämlich auf das Reden und die Offenbarung des Herrn gemäß Seiner unmittelbar zuvor an sie ergangenen Verheißung, ausgerichtet. [20]

    Im Folgenden soll auf die wunderbaren Geschehnisse, die aus der Gruppe der versammelten Jünger einen Leib, den Körper des Christus machten, näher eingegangen werden.

    1 Als sich der Tag der Pfingsten erfüllte, waren alle zugleich am selben Ort. 2 Da geschah plötzlich aus dem Himmel ein Brausen, wie ein daherfahrendes, gewaltiges Wehen, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, wie von Feuer, die sich zerteilten, und es setzte sich eine auf jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle mit heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Zungen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab, auszusprechen.

Apg 2. 1 - 4

    Hier erleben die Jünger die äußerliche Manifestation dessen, was der Herr ihnen angekündigt hatte: Gott gießt Seinen Heiligen Geist aus, der ihnen als ein Feuer erscheint, das sich in viele Flammen zerteilt und sich auf sie setzt, und zwar jede Flamme auf jeden einzelnen von ihnen. Sie alle werden erfüllt mit dem Heiligen Geist, überströmend, und fangen an, in anderen als ihren eigenen Sprachen von den großen Taten Gottes zu reden (Vers 11), Gott also zu loben und zu preisen, den Umstehenden zum Zeugnis.


    Auf deren spöttelnde Bemerkung, daß die Jünger betrunken seien (Vers 13), gibt Petrus, nun geführt durch den Geist Gottes, seine bemerkenswerte Rede, in der er unter anderem ausführt:

    22 Männer, Israeliten, hört diese Worte: Jesus den Nazarener, unter euch als ein von Gott gesandter Mann durch Machttaten, Wunder und Zeichen erwiesen, die Gott durch Ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wißt, 23 diesen Jesus, der euch nach dem festgesetzten Ratschluß und der Vorerkenntnis Gottes ausgeliefert wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz heften und hinrichten lassen; 24 den hat Gott auferstehen lassen, indem Er die Wehen des Todes löste, weil Er unmöglich von ihm gehalten werden konnte... 32 Diesen Jesus hat Gott auferstehen lassen, dafür sind wir alle Zeugen. 33 Nachdem Er nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Geistes, des heiligen, vom Vater erhalten hat, gießt Er das aus, was ihr jetzt erblickt und hört...

    36 Mit Sicherheit erkenne daher das ganze Haus Israel, daß Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
Apg 2. 22 - 24, 32 - 33, 36

    Petrus spricht hier von dem Menschen Jesus, dem Nazarener, der von Gott gesandt war, und durch den Gott in der beschriebenen Weise wirkte, und der durch die Umstehenden („ihr”) an die Gesetzlosen ausgeliefert worden war, damit diese ihn kreuzigten. Er spricht von dem Jesus, der nach dem Ratschluß Gottes für die Sünde der Menschheit sterben sollte, und an dem das Gericht Gottes stellvertretend für uns vollzogen wurde. Er redet von Dem, der, nachdem er gestorben war, nicht vom Tode gehalten werden konnte, da keine eigene Sünde an Ihm zu finden war, von Dem, den Gott Selber hat auferstehen lassen.

    Dieser Jesus, nachdem Er auferstanden war, ist nun – soeben! – zur Rechten Gottes erhöht worden und erhält jene Verheißung des Vaters, den Heiligen Geist, die Ihn zum Herrn, zum Haupt und jene versammelte Schar auf der Erde zum Körper des Christus macht, und gießt gerade das aus, was „ihr jetzt erblickt und hört”. Damit hat nicht weniger stattgefunden als die göttliche Einsetzung des Christus, des Gesalbten, auf der Erde, der aus dem Haupt, dem Herrn im Himmel, und den Gliedern besteht, die nun durch den Einen Geist zu Einem Körper getauft wurden, Seiner Gemeinde (vgl. 1Kor 12. 13, Ga 3. 27). – Dies ist der eigentliche Inhalt dieser Rede.

    Durch den vom Haupt empfangenen und auf die Versammelten ausgegossenen Heiligen Geist werden diese nun zu einem Körper, der ab sofort vom Geist Gottes Selber geleitet, mit Kraft erfüllt und zum Dienst befähigt wird. Dieser Körper wird nun dem Haupt, dem Herrn im Himmel, hinzugefügt; somit ist der Christus, der Gesalbte Gottes auf Erden, geboren. Gott Selbst kommt zu den Menschen; es ist ja nicht nur der Körper des Christus, sondern damit auch der Tempel Gottes, die Behausung Gottes im Geist [21] entstanden; Gott Selbst wohnt mitten unter den Seinen und spricht und wirkt nun unmittelbar unter uns gegenüber einer gefallenen Welt.

    Die äußerlichen Kennzeichen des Geschehens am Pfingsttage verdeutlichen diese begonnene Innewohnung Gottes inmitten Seines Tempels, zu dem die Versammelten geworden sind, in einer signifikanten, ja atemberaubenden Weise. Es ist der eine Geist, der in Form des Feuers auf die Versammelten fällt, sich in einzelne Flammen zerteilt und, jedem nach seinem Anteil, auf sie setzt – eine einzelne Flamme des einen Feuers auf jeden einzelnen, was anzeigt, daß jeder einzelne des nun entstandenen Leibes Christi auf Erden seinen ganz bestimmten Anteil desselben Einen Geistes erhalten hat. Es ist die ganze versammelte Schar, die in verschiedenen – allen Umstehenden vertrauten – Sprachen nun anfängt, von den großen Taten Gottes zu reden: eine Zurschaustellung des Körpers des Christus für alle Anwesenden, der aus den vielen Gliedern besteht, die aus allen Völkern und Stämmen herausgerufen worden sind, die nun durch den einen Geist Zeugen Seiner Herrlichkeit geworden sind und durch die Gott jetzt – und zwar durch alle von ihnen, ein jeder nach seinem soeben empfangenen Anteil des Geistesfeuers – redet und handelt.

Kann es auf der Erde noch Gewaltigeres geben ? –

O kommt und staunt und betet an den Herren Jesus Christ.

Er hat so Großes uns getan, das nicht zu sagen ist.” –

    Genau so, wie Jesus während Seines Erdenlebens in Seinem Körper den Christus (den Gesalbten) zur Schau stellte, so stellt nun, nachdem sie eben mit der Kraft des Heiligen Geistes gesalbt worden ist, die versammelte Gemeinde in der Vielzahl von Menschen insgesamt den Körper des Christus dar und kann nun all das, was Jesus als nur eine einzelne durch seine Körperlichkeit an einen Ort gebundene Person vollbrachte, noch viel umfassender ausführen. Während Jesus, das Haupt, nun im Himmel ist, wandelt somit Sein Körper noch immer auf der Erde und vollbringt, geführt vom Haupt, den Willen des Vaters.

    Gleichwie Jesus während Seines irdischen Wirkens nach der Ihm verliehenen Salbung alle Dienste in Sich vereinigte und durch Seine Glieder, Seine Hände, Seine Füße, Seinen Mund usw. ausübte, übt nun die Gemeinde, Sein Körper, alle Dienste durch alle ihre Glieder aus (vgl. Eph 4. 6). Die Gemeinde als der zum erhöhten Haupt gehörende Körper ist nun das Organ geworden, das Gott gebraucht, um Seinen Willen kundzutun und Seine Pläne zu offenbaren. Welch gewaltige Frucht es hervorbrachte, und welche Heiligkeit und Furcht Gottes sich vielmehr offenbarte, als die versammelte Gemeinde als Körper unter der Herrschaft des unmittelbar gegenwärtigen Hauptes durch den in ihnen wohnenden und sie führenden Heiligen Geist im Gehorsam gegen den Gott, der Seinen Thron in ihrer Mitte aufrichten konnte, zu wirken begann, zeigen die ersten Seiten der Apostelgeschichte und auch so manches spätere Zeugnis vieler dem lebendigen Gott wirklich Hingegebener zur Genüge. – Laßt uns gemeinsam ihren Weg gehen!

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Anmerkungen, Erklärungen und Kommentare zum Thema

[1] Ergänzend sei hierzu auf die Schrift „Die Versammlung Gottes - Die Herausgerufene als Hinauf-Zusammenführung des Herrn und Tempel Gottes” verwiesen.

[2] grie. anthropos, Hinauf - Gewandt - Schauender (nach: Konkordantes NT). Dieser Eine, aus Haupt und Gliedern nach dem Bilde Gottes neuerschaffene Mensch ist der, welcher den Vater anschaut, und in welchem Der Vater Sich und Seine Herrlichkeit widerspiegeln kann. Jesus hatte gesagt, „Ich habe die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie EINS seien, so wie wir eins sind: Ich in ihnen und Du in Mir, damit sie zur Einheit hin vollendet werden und damit die Welt erkenne, daß Du Mich ausgesandt hast und sie liebst, so wie Du Mich liebst (Jo 17. 22, 23). -
[3] Christus, die lateinische Form (Bibelübersetzung Vulgata) des griechischen Christós, welches wiederum die Übersetzung des hebräischen Wortes Messias darstellt, „der Gesalbte”.
[4] Die Füße laufen auf der Erde. Es sind die Füße der Gemeinde, die – als der auf Erden wandelnde Teil dieses Christuskörpers - zusammen mit dem Haupt „den Christus”, „den Gesalbten” auf der Erde bilden. – Es muß hier ergänzend jedoch auch gesagt werden, daß wir an dieser Stelle oftmals einen Schnitt gemacht haben, ganz als ob wir auf der Erde Lebenden schon den gesamten Christuskörper ausmachten. Dem ist jedoch nicht so. Zum Körper gehören nach dem Haupt ja nicht nur die Füße, die auf der Erde wandeln, sondern auch der ganze Körper, der in allen seinen Gliedern sich durch die Himmel hindurch bis hin zu unserem erhöhten und verklärten Haupt erstreckt. Hier erschließt sich das Wort, das Jesus dem Petrus erwiderte, als Er den Jüngern die Füße wusch; während Petrus Ihn bat, auch die Hände und das Haupt zu waschen, erwiderte Jesus ihm, daß es ausreichend sei, die Füße – als dem auf Erden wandelnden Teil des Körpers – zu reinigen (Jo 13. 5 - 10). Dieselben Füße auf Erden werden auch mit dem Öl des Heiligen Geistes gesalbt, um einerseits ihre Inbesitznahme durch Gott anzuzeigen, und um andererseits – daraus resultierend – das Werk auf dieser Erde tun zu können, zu dem Gott sie gesetzt hat. Prophetisch wird dies dadurch veranschaulicht, daß Jesus gestattete, daß jene Maria aus dem Dorf des Lazarus ihm die Füße zunächst mit ihren Tränen wusch, mit ihren Haaren abtrocknete und sie anschließend mit kostbarem Würzöl einrieb, welches sie an dem Tage Seiner Bestattung wiederholen sollte (vgl. Jo 11. 2 und 12. 3; siehe auch Lk 7. 38 - 39). Dieser Tag Seiner Bestattung – als dem des Abbrechens des Körpers Seines Fleisches, in dem Er in die Welt gekommen war – würde unmittelbar hinführen zur Auferstehung und somit einmünden in die Erschaffung Seines neuen Körpers, der Gemeinde (vgl. Jo 2. 19 - 21), deren Teil die auf der Erde wandelnden Füße darstellen. Wenn wir also von den Füßen als von dem Christus auf Erden sprechen, ist demgemäß eigentlich der auf Erden lebende Teil der gesamten Christusgemeinde zu verstehen. Der ganze Christus ist doch so unendlich viel größer, als wir alle zu denken wagen; er ist selbstverständlich nicht nur über unser örtlich begrenztes Denken erhaben, als ob unsere kleine, vor Ort begrenzte Gemeinschaft, unsere Kirche, Richtung und Lehrgebäude, oder unsere, wie wir behaupten mögen, vorgeblich „von all diesem freie Gemeinde schon alles seien, sondern er übersteigt bei weitem unseren kleinen Horizont, bei dem wir nicht weiter als bis zu dem Sichtbaren, irdisch Faßbaren schauen können.
    Wie geringfügig und völlig unzureichend bislang oftmals unsere Schau gewesen ist, erzeigt sich in der gewaltigen Perspektive, die etwa der Schreiber des Hebräerbriefes uns vor unsere geistlichen Augen malt, indem er seinen Lesern und Zuhörern zeigt, zu welch einer gewaltigen und unfaßbaren Dimension der himmlischen Welt Gott sie herbeigerufen hat: „Doch ihr seid zum Berg Zion herzugetreten und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem überhimmlischen Jerusalem, zu einer All-Zusammenkunft und zu der herausgerufenen Gemeinde der Erstgeborenen, angeschrieben in den Himmeln, und zu Gott, dem Richter aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler eines frischen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser spricht als das Abels” (Hbr 12. 22 - 24).
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    Gerade der Hebräerbrief offenbart in einer einzigartigen Weise, daß um uns herum jene sind, die ihren Lauf schon vollendet haben, indem er von der uns umgebenden Wolke von Zeugen spricht, die nun wiederum unserer Vollendung entgegenfiebern, da sie nicht ohne uns vollendet würden (Hbr 11. 40); er spricht von einem Wettlauf, den wir – für unsere himmlischen Freunde einem Schauspiel gleich (grie. theatron, so die ganz ähnliche Aussage des Paulus in 1Kor 4. 9) - „mit Ausdauer rennen
sollen, indem wir nämlich „alle Hemmungen samt der bestrickenden Sünde ablegen, ... und (von alldem wegsehend) auf den Urheber und Vollender des Glaubens blicken, auf Jesus, der anstatt der vor Ihm liegenden Freude das Kreuz erduldete und die Schande verachtete und Sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat (Hbr 12. 1 bis 2). Das griechische Wort, das hier mit Wettlauf wiedergegeben wird, lautet agon; es ist doppeldeutig und kennzeichnet zunächst den Kampfplatz der griechischen Antike, auf dem Ring - und Wettkämpfe aller Art, die bis aufs Blut gehen und das Leben kosten konnten (in etwa vergleichbar den Gladiatorenkämpfen im Colosseum in Rom) ausgetragen wurden. Daraus resultiert die andere Bedeutung des Todeskampfes (Agonie); das Wort beschreibt also sowohl die Art dieses Wettkampfes, als auch den Ort, an dem solche Kämpfe ausgetragen wurden. Das zugehörige Verb ist agonízomai und wird beispielsweise für den Todeskampf Jesu im Garten Gethsemane gebraucht, in dem Er mit der Sünde rang, die Er in dem Kelch des Vaters aufnehmen sollte, wobei es heißt: „Sein Schweiß wurde wie Blutgerinnsel, das auf die Erde herabfiel” (Lk 22. 42 - 44). Dementsprechend sagt der Schreiber des Hebräerbriefes auch seinen Empfängern, daß sie sich noch „nicht bis aufs Blut ringend der Sünde entgegengestellt  hätten (Hbr 12. 4). Die Sicht des Hebräerbriefes in diesem Zusammenhang ist in der Tat die einer solchen Kampfarena; die Schar der Wettläufer oder gewissermaßen der Gladiatoren, die den Kampf auf der Erde bestreiten, ist die noch auf Erden ringende, die alles bestrickende Sünde überwindende Gemeinde, die ihren Kampf ausficht, indem sie von alldem weg auf ihr Ziel, den Herrn als „den Urheber und Vollender des Glaubens” selbst aufblickt, der schon überwunden und sich nun zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat (Hbr 12. 2), während auf den Zuschauertribünen sich diejenigen aus ihren Reihen befinden, die ihren Lauf bereits vollendet haben (11.1), ihren Brüdern und Schwestern vom Himmel her zusehen und diese bei ihrem ihrer Vollendung entgegenstrebenden Wettlauf durch ihr eigenes bereits gegebenes Beispiel anfeuern. Dies ist die Wolke der Zeugen, die – gewissermaßen auf den die Kampfbahn, auf der wir laufen sollen, umsäumenden Rängen – uns ständig umgibt.
    Diese Wolke der Zeugen ist zunächst zwar die Schar der Glaubensvorbilder des Alten Bundes, wie sie Hebräer 11 uns beschreibt, jedoch haben wir es nicht nur mit diesen zu tun. Der Christus – wir sprechen hier über den ganzen Christus aus Haupt und Gliedern – besteht ja nicht nur aus uns als den auf der Erde Lebenden, als ob diese allein mit dem Haupt ein Ganzes bildeten, sondern auch jene gehören dazu, die – ganz wie oben beschrieben – ihren Lauf vollendet haben, und nun nicht mehr sichtbar auf der Erde sind. Trotzdem gehören sie zum Christuskörper. Sie sind unsere bereits vollendeten geistlichen Väter.
    Oft genug haben wir uns jedoch selbst von dem Segen und dem Teil des Lebens abgeschnitten, den Gott gerade durch diese vollendeten Glieder und durch ihr früheres Wirken uns zugute kommen lassen wollte, indem wir, dem vermeintlich Neuen entgegenpreschend, ihr Reden, ihr Vorbild und ihre Mahnungen in Stolz und Überhebung dahinten ließen und vorschnell verwarfen. Dies schreibe ich nicht zuerst Anderen, sondern zunächst für mich und dann aber auch für jene, die sich in der gleichen beschriebenen Weise überhoben haben. Es war doch allzu leicht, um des vermeintlich Neuen willen jene Brüder und Väter in Christus zu verlassen, um eigene Wege zu gehen und um sich selbst in „neuen Gemeinden” zu organisieren – und um nach einigen Jahren erkennen zu müssen, daß jene kirchlich – gemeindlichen Strukturen, die wir damals doch hinter uns gelassen zu haben glaubten, nun in gesetzlichem, eigenem Tun ganz offensichtlich und noch viel ausgeprägter wiedererstanden sind. Wir haben dabei gänzlich übersehen, daß wir uns von den unsere Väter betreffenden Lebensströmen des Herrn selbst abgetrennt haben! - und sind indes in die Knechtschaft des Gesetzes geraten, indem wir uns jene aufhäuften, die uns das verkündigten, worin sie unsere Ohren zu „kitzeln” verstanden (2Tim 4. 3). – So sind wir – es ist die Rede vor allem der charismatischen und Glaubensgemeinden und Bewegungen – nach den damals beginnenden und so hoffnungsvoll erscheinenden geistlichen Aufbrüchen zwar ganz gewiß bunt und vielfarbig schillernd, dafür aber in biblisch - theologischer Hinsicht wurzellos geworden. Ein Baum ohne seine Wurzeln jedoch beginnt zu sterben, ja er ist bereits schon tot. Da nützt es dann auch nichts, den toten Baum, mit welcher Aktivität oder welch vermeintlichem Attribut auch immer, noch zu schmücken, indem man versucht, durch einen äußerlichen Anstrich von Werken, ganz als wolle man die toten Blätter grün einfärben, Leben zu suggerieren.
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    Der Tod ist das unausweichliche Schicksal eines jeden Baumes, der seine Wurzeln verliert; und unsere Wurzeln sind jene Lebensströme und jene Worte Gottes, die der Herr uns durch unsere geistlichen Väter mitzuteilen gedachte, und die wir wie oben beschrieben in Stolz und Überhebung zurückgelassen haben. Mögen sich mache dieser Väter an einigen Punkten geirrt haben oder auch nicht – sie irrten nicht mehr als wir, eher sehr viel weniger; wir alle, so sagt Jakobus uns, „straucheln allesamt in vielem
(siehe Ja 3. 2). Anstatt nun alles, was sie zu sagen hatten, anhand des geschriebenen Wortes Gottes zu prüfen, und das Beste zu behalten (1Thes 5.21), haben wir an dieser Stelle oftmals alles verworfen, was uns bis dahin mit auf den Weg gegeben worden war, da andere, so meinten wir, uns das Neue als das vermeintlich Eigentliche, Wahre zu geben hätten, und taten es darin den Galatern gleich, die durch genau dieselben Verhaltensmuster unter die Knute des Gesetzes geraten sind, da ihnen ein Glauben verkündigt worden ist, der nichts mit Gnade, dafür aber sehr viel mehr etwas mit Gesetz und Glaubensleistung gemein hat, welche uns einreden will, durch Erbringen von Werken, also durch Leistung als Vorbedingung zur Erfüllung göttlich gegebener Verheißungen und damit zu einer im täglichen Leben erlebten, vermeintlichen Gnade zu gelangen (vgl. Ga 1. 6 - 12, 2. 18 - 21, Kap. 3. 1 - 3 und 10 - 14; Kap. 5. 1 - 6 u. a.). -
    In dem Zusammenhang wurde mir sogar schon erklärt, daß man sich woanders hin, u. a. nach Amerika orientieren müsse, da es in Deutschland angeblich keine geistlichen Väter gebe. Diese Behauptung ist ebenso ungeheuerlich wie falsch, da sie suggeriert, daß ein Kind sich seinen Vater aussuchen könne; wieviel weniger können dies geistliche Kinder mit ihren geistlichen Eltern tun! Auch ist es keineswegs so, daß wir in Deutschland keine geistlichen Väter hätten es gibt sie zur Genüge – nur haben wir sie verworfen! Und so überführen schon einige wenige Blicke in die Kirchengeschichte diesen Satz der Lüge. Als ich selbst vor nun mehr als 11 Jahren jenen Bruder verließ, der mir über Jahre hinweg auch ein geistlicher Vater war, da ich meinte, Anderem folgen zu müssen, und mich den damals aufkommenden Glaubensgemeinden zuzuwenden begann, war eines seiner letzten Worte hierzu: „Wir haben nicht viele Väter. Dieser Satz ist wahr und hat sich mir so fest eingeprägt, daß ich ihn wohl niemals vergessen werde; schon der Apostel Paulus gebrauchte ihn: „Denn wenn ihr auch zehntausend Geleiter in Christus hättet, so habt ihr jedoch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt” (1Kor 4. 15) - Die Korinther wußten den Dienst eines solchen Vaters jedoch nicht zu schätzen, und mißachteten alsbald das, was Gott ihnen durch ihn zu geben hatte, um der „hervorragenden Apostel” willen (vgl. 2Kor 11. 5 und 12. 11); und ganz wie sie, die ohne die ihnen zur Seite gestellten Brüder reich sein und wie Könige herrschen wollten (1Kor 4. 6 - 13), so haben auch wir, von unseren eigentlichen Vätern getrennt, im Laufe der Zeit wohl den bunten Schein eines geistlichen Lebens und geistlicher Kraft entwickelt, doch uns dabei nach und nach unserer Wurzeln entledigt. Dies erzeigt sich u. a. daran, daß es unter uns kaum oder nur selten noch eine gesamtbiblisch fundierte und theologisch exakte Schriftauslegung gibt – die Lehre der Schrift um der Schrift, das Wort Gottes um Gottes, und nicht um einzelner Lehren willen, um nur eines zu nennen; doch wer bemerkt dies schon noch? Wer prüft das uns Dargebrachte? Wer studiert denn noch das Wort selbst, und schlägt nicht nur die vom „Prediger angeführten Schriftstellen zu dessen Bestätigung nach?
    Und wo ist die wahre Anbetung des Vaters „im Geist und in der Wahrheit” geblieben (Jo 4. 23 - 24), von der in früheren Zeiten so vieles zu hören war, und von der heute, statt sie weiter zu verfolgen und darin zu wachsen, kaum mehr noch als nur kümmerliche Reste – traurige Dokumente trügerischer Selbstbeweihräucherung und einer Erhebung seelischer Gefühle – übrig geblieben sind? Wer sucht noch den Vater Selbst, und besingt nicht nur seine eigenen Erlebnisse aus der Vergangenheit? Und so gibt es vieles andere mehr zu sagen. - Wohl kaum jemand hat je die Tragödie realisiert, die hier stattgefunden hat: Herausgekommen ist bei all dem Gebaren, das wir uns selbst erwählt haben, letztlich ein anderes Evangelium, nämlich das der Werke, und ein daraus resultierendes, unmerkliches Absterben und Zurückdrängen des Lebens, das Gott uns durch die uns gegebenen Wurzeln eigentlich mitzuteilen gedachte. Auf diesem Wege haben wir vieles verloren. Die Wurzeln eines Baumes entfernt man eben nicht ungestraft, so daß man sich nicht in dem Wahn befinden sollte, daß der Baum auch ohne sie existieren oder gar wachsen könne. Gottes Gebot, den Vater und die Mutter zu ehren, „auf daß du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott geben wird” (2Mo 20. 12, Schlachter) – gilt es nicht auch für unsere geistlichen Väter und Mütter? – Den wenigsten unter uns wohl ist es geläufig, daß auch hier jenes Pauluswort greift, das uns vor den Folgen warnt, wenn wir den ganzen Christuskörper nicht unterscheiden bzw. nicht anerkennen und ehren würden (1Kor 11. 29). Auch sollten wir einmal dem Wort Mal 3. 24 nachsinnen, worin es – als dem letzten Wort vor dem Beginn des Neuen Testamentes – heißt, daß Gott noch vor dem Tag des Herrn „das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder wieder zu den Vätern zuwenden” würde (Schlachter). Herr, gib uns Augensalbe, um zu sehen!

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[5] Konkordante Übersetzung. Schlachter übersetzt hier alles unter ein Haupt zu bringen in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm; sehr ähnlich auch die Unrev. Elberfelder. – Die Revidierte Elberfelder Übersetzung weicht von dieser Klarheit leider ab. Das oben nach der hier zwar ungewöhnlichen, doch sehr eindeutigen Konkordanten Übersetzung mit „aufhaupten wiedergegebene Wort lautet im griechischen Grundtext ana kephalaioo (herauf-haupten); es hat eingebunden den Wortstamm von kephalé, Haupt oder Kopf, beinhaltet also im Sinnzusammenhang deutlich mehr als nur eine Zusammenfassung, vielmehr ein gemeinsames Unterordnen von beidem, „das in den Himmeln und das auf der Erde unter das benannte Haupt, also durchaus ein „aufhaupten, indem diese ein gemeinsames Haupt „aufgesetzt bekommen.

[6] Dies ist ein gewaltiger Irrglaube, dem man nun schon seit Jahrzehnten nachhängt, ohne daß er sich auch nur im Ansatz wirklich bestätigt hätte! Gottes Wort sagt eben gerade nicht die große Erweckung voraus, sondern den großen Abfall, Verführung und Gericht, bevor Jesus wiederkommt (s. Mt 24. 3 - 24, 37ff, 2Thes 2. 3 - 12, 2Tim 3. 1 - 5).
[7] Nur wenn jedes einzelne Glied des Christuskörpers für sich und darin alle miteinander eins in Ihm, das heißt allein auf Ihn ausgerichtet sind, ist die von Gott her gewollte Einheit dieses Körpers vollzogen. – Vor Jahren begegnete mir jemand, der ganz überzeugend klarzumachen suchte, daß „es in unserem Land demnächst eine große Erweckung geben würde”, und an seinem Wohnort vieles geschehen würde, weil dort eine so überaus große Einheit bestünde, indem dort niemand „den Pastor kritisiere und sie ihm alle gehorchten. Neben dem Umstand, daß die Bibel hinsichtlich der Endzeit nicht von einer großen Erweckung, sondern von einem großen Abfall spricht, konnte mir allerdings schon damals kaum eine größere und erschütterndere Fehlinterpretation von Einheit vorstellen. Wenn auch klar sein wird, daß wir nicht einander richten und verletzen können, und wir aufeinander achten und hören sollen, so kann doch die Gemeinde nicht in menschlicher Unterordnung und – Menschen erwiesenen – vermeintlichem Gehorsam eins werden. Dies ist nicht der Weg zum Segen, sondern der zum Gericht, auf dem eine große Zahl von Gemeinden sich heute offensichtlich befindet. Unsere Einheit besteht in Christus allein; nur das Haupt kann und wird jene Einheit vollziehen; kein Pastor, keine Dienste, nicht Menschen oder Lehren bewirken dies; im Gegenteil – die Schriften des Neuen Testamentes, vor allem die Paulusbriefe, beweisen zur Genüge, daß eine Ausrichtung auf Menschen zuletzt immer Spaltungen zur Folge haben wird (siehe 1Kor 3). – Als der Herr mit Seinen Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus auf jenem Berge der Verklärung war, und nachdem sie dem Mose, dem Elia und dem Herrn Zelte bauen wollten, nachdem diese dort erschienen waren – als Mose und Elia gerade vom Herrn schieden – , überschattete eine Wolke das Geschehen, so daß die Jünger es nicht mehr weiter verfolgen konnten; und nachdem diese Wolke sich verzogen hatte, sahen sie niemand als Jesus allein. „Und eine Stimme ertönte aus der Wolke: Dies ist Mein auserwählter Sohn; höret auf Ihn! Während die Stimme erscholl, fand es sich, daß Jesus allein war” (Lk 9. 28 - 36). –

[8]
Der Tempel Gottes wird in der gesamten Heiligen Schrift allein durch Seine Gegenwart, nie aber von dem Gebäude selbst definiert. Wo Gott gegenwärtig ist und Selbst spricht, dort ist Sein Haus und Seine Wohnung (d. h. Sein Aufenthaltsort). Näheres dazu in der Schrift „Die Versammlung Gottes - Die Herausgerufene als Hinauf-Zusammenführung des Herrn und Tempel Gottes” im letzten Kapitel.
[9] Unmittelbar nach dem Wunder der Verwandlung Wassers in Wein auf der Hochzeit zu. Kana, siehe hierzu Jo 2. 1 - 11. -  In Mt 21. 10 - 12 und Lk 20. 41 und 45 wird uns die Tempelreinigung als erste Handlung des Herrn nach seinem Einzug in Jerusalem überliefert.
[10] Siehe auch Jes 56. 7 und Jer 7. 11.
[11] Die Verkäufer der Rinder, Schafe und Tauben stehen im Zusammenhang mit der alljährlichen Darbringung der Zehnten durch die Landbesitzer in 5Mo 14. 22 - 27. Der Zehnte „deines Korns, deines Mosts, deines Öls und die Erstgeburt von deinen Rindern und Schafen” sollte an den Ort gebracht werden, „welchen Er erwählt, daß Sein Name daselbst wohne” (Vers 23, Schlachter), und dort gegessen werden. Wem aber der Weg zum Tempel zu weit wäre, der sollte es in Geld umsetzen; dieses Geld sollte man an seine Hand binden, mit diesem Geld zum Tempel kommen und davon „alles, was deine Seele gelüstet, es sei für Rinder, Schafe, Wein, starkes Getränk, und was sonst deine Seele wünscht” (Vers 26), erwerben, um es dort vor dem Herrn zu essen und mit der ganzen Familie („du und dein Haus”) fröhlich zu sein. Dabei sollte auch der Leviten, dem Stamm, der Priesterdienst tat und selbst kein Land besaß, gedacht werden. Die entsprechenden Tiere konnten hierzu bei den Verkäufern vor Ort erworben werden.
  Diese Verkäufer nun sind es, zusammen mit den Wechslern, auf die nachfolgend eingegangen werden wird, die Jesus im Tempelbereich (in den sog. „äußeren Vorhöfen) vorfand. Sie lebten vom Handel mit den Zehntengaben, was sich im Laufe der Zeit offensichtlich in der Weise verselbstständigte; daß das Nahen zu Gott zu ihrem festen „Geschäft wurde, ohne das zu tätigen die Hinzukommenden anscheinend nicht an jener Freude, an jenem Fest vor den Herrn teilhaben konnten. Die Freude und das Feiern vor dem Angesicht Gottes verkamen zum Geschäft einiger und einer Last vieler. Der Zehnte, der zur gemeinsamen Festfreude und der liebenden Zuwendung für den Priesterstamm und für die Bedürftigen (5Mo 14. 29) gedacht war, wurde zur gesetzlichen Bürde, zur Leistung, ohne die man nicht Gott nahen darf; „ohne gehört man eben nicht „dazu. So muß man sich seinen Zutritt zu Gott und Gottesdienst erkaufen; das Haus des Vaters, das ein Haus des Gebets sein sollte, verkommt zum Kaufhaus.
   Das ausgesprochen Perfide an dieser Situation ist der Sachverhalt, daß diese „Kaufleute” ja nicht gegen den Tempeldienst, ja den Gottesdienst an sich sind - bietet er ihnen doch eine sichere und beständige Einnahmequelle - sondern ein Herannahen zu Gott wird ohne sie offensichtlich unmöglich gemacht;ohne sie läuft nichts - zuerst kommen sie und ihr Teil, und dann Gott: Wer zu Gott nahen will, der muß erst an ihnen vorbei. Man kann, so suggerieren sie, nicht Gott dienen, ohne zuvor ihnen gedient, sie ernährt, unterhalten und somit ihr Geschäft aufrechterhalten zu haben. - Scheinbar sind sie sogar ein Dienst, der zu der vor Gott versammelten Gemeinde gehört, ja diese erst möglich macht (!). So erscheinen sie dem unbedarften Betrachter sogar als ein Bestandteil des Gottesdienstes. -

   Dies vollzieht sich bis in unsere Tage hinein. In solchem Zusammenhang, da eine ähnliche Entwicklung später auch in der Gemeinde stattgefunden hat, schreibt auch der Apostel Paulus von „falschen Aposteln und „betrügerischen Arbeitern, deren Kennzeichen es ist, die Gemeindemitglieder zu „versklaven”, „aufzuzehren” und „von ihnen zu nehmen”, d. h. sie zu berauben; er bezeichnet solche als „Diener Satans”, die sich, Satan gleich, „zu einem Boten des Lichts, d. h. zu einem Überbringer göttlicher Offenbarung und damit zu einem Mittler Gottes verstellen (siehe 2Kor 11. 13 - 20; vgl. auch Phil 3. 18 - 20). Wie jene „Verkäufer”, die uns wie „Vormünder”, wie „Davor - Gesetzte” erscheinen, verlangen auch sie zuvor, ihre Vorstellungen erfüllt zu sehen; zuerst kommt „ihr Teil”, den sie vor die persönliche Offenbarung Gottes setzen; ohne das Erfüllen ihrer (zumeist gesetzlichen) Lehren und ohne ihnen zuerst gedient, ihnen gehorcht und sie aufrechterhalten zu haben, dürfen die Herzukommenden nicht Gott nahen: So stellen sie sich zwischen Gott und die Anbetenden; die Begegnung mit Gott Selbst aber findet nicht mehr statt - denn nur einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus” (1Tim 2. 5, Revidierte Elberfelder). - Gott jedoch ändert sich nicht (Ja 1. 17): Gleich jenen vermeintlichen „Dienern wird der Herr auch sie hinaustreiben, ihre vermeintlichen „Ordnungen umstoßen und Seinen Tempel von ihren Werken reinigen.

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[12] Die Geldwechsler oder „Makler tauschten die Münzen für das ursprünglich in 2Mo 30. 11 - 16 durch Mose erhobene „Versöhnungsopfer”, aus dem dann erst später, beginnend unter Joas, einem König von Juda (siehe 2Chr 24. 6, vgl. auch Neh 11. 32) eine Steuer wurde. Joas hatte den schlechten Zustand des Tempels gesehen und nahm sich aus diesem Grunde aus sich selbst heraus vor, den Tempel zu erneuern (2Chr 24. 4). Er ordnete den Priestern an, Geld für eine jährlich wiederkehrende Ausbesserung des Tempels aus dem Volk zu sammeln; als dies nicht in der von ihm gebotenen Eile geschah, verwies er auf „die Steuer”, „welche Mose, der Knecht des HERRN, auferlegte und welche die Gemeinde zur Hütte des Zeugnisses brachte” (Verse 5 - 6). Hierzu baute man eine Lade und stellte diese „außerhalb des Tores am Hause des HERRN” auf, wonach viel Geld zusammenkam (Verse 8 - 11).
   So wurde durch eigene, menschliche Entscheidung, die offensichtlich nicht auf ein Reden Gottes hin, sondern aufgrund einer sich anscheinend darbietenden Notwendigkeit getroffen wurde, aus einem einmaligen Opfer jene Tempelsteuer (Kopfsteuer), die von allen Hinzukommenden alljährlich zu entrichten war, aber nur nach alter Währung (in Schekeln, einem Gewichtsmaß; der Geldwert war hier nach Gewicht zu ermitteln) angenommen wurde. Die zur neutestamentlichen Zeit wegen der römischen Besatzung üblichen römischen und auch griechischen Münzen waren deshalb im Tempel nicht anerkannt und wurden durch die Wechsler gegen einen Aufpreis nach der Tempelwährung verrechnet, wobei eine Doppeldrachme (vgl. Mt 17. 24) dem Gegenwert eines Schekels entsprach. – Diese Abgabe hatte Gott dem Volk Israel unter Mose ursprünglich als einmaliges Opfer (keine regelmäßige Steuer) auferlegt bei der Musterung (Zählung) des Volkes, als die Stiftshütte errichtet wurde. Jeder Gemusterte sollte ½ Schekel „nach dem Schekelmaß des Heiligtums (20 Gera = 1 Schekel) zur Sühne, als „Hebopfer zur Beschirmung für ihre Seelen” darbringen, „damit sie bei ihrer Musterung kein Schlag zum Verderben treffe” (2Mo 30. 11 - 14, eine „Auslösung”, vgl. „Lösegeld”, gewissermaßen also ein „Lösungsopfer”).
    Dieses Opfer ist, nach der Maßgabe, daß die Einrichtungen des Alten Bundes ein Schatten der Dinge des Neuen sind, die das Wesen dieser Dinge selbst beinhalten, ein Abbild der durch Christus erworbenen Erlösung und Seiner Gerechtigkeit (Hbr 8. 5 und 10. 1; vgl. auch Kol 2.17). – Das Silbergeld, das bei der Hinzuzählung des Volkes erhoben wurde, sollte dann für den Dienst der Stiftshütte, dem Vorbild des Tempels, verwendet werden (2Mo 30. 15). Es ist daher ein Ausdruck und Abbild dessen, daß nur die Erlösten, die infolge dieser Erlösung gerecht geworden sind, hinzugezählt werden und Anteil haben an dem Tempel Gottes, der im Neuen Bund die Gemeinde ist, und an dessen Dienst. Jeder, der zu den Gemusterten des Volkes überging, sollte Gott dieses Opfer geben, indem der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger als diesen halben Schekel darbringen sollte, was aussagt, daß jeder gleichermaßen Anteil an derselben Erlösung hat (2Mo 30. 14). Deshalb spricht auch Jesus Selbst von Seiner Seele als Lösegeld, die er für viele gegeben hat (vgl. Mt 20. 28), und deshalb lehrt auch Petrus davon, daß die Gemeinde durch Sein Blut „als das eines makellosen und unbefleckten Lammes” von dem früheren Wandel losgekauft worden ist (siehe hierzu 1Ptr 1. 18 - 20).
   Von dem Silber, das die Kinder Israel zum Bau der Stiftshütte gaben, wurden die Fundamente für die Stützpfosten des Zeltes hergestellt. Wie ein Fundament, das zur Gründung eines Hauses auch nur einmal gesetzt wird, so wurde auch die Erlösung ein für allemal (vgl. Hbr 9. 26, 28a) vollbracht; wie das Zelt der Zusammenkunft auf den Silberfundamenten ruhte, die aus den Gott einmal dargebrachten Gaben der Kinder Israel bestanden, so ruht auch der geistliche Tempel, die Gemeinde, auf dem Fundament des einmal gezahlten Lösegeldes, der Grundlage der Versöhnung durch das ein für allemal dargebrachte Blut Jesu. Vorbildlich für diese ein für allemal erbrachte Erlösung war nun diese von allen Söhnen Israels geforderte Gabe von jeweils ½ Schekel „zum Gedenken” vor dem Herrn, „als Beschirmung (Versöhnung) für eure Seelen” (2Mo 30. 16), als einmaliges Opfer erhoben worden.
    Das hierbei zusammengekommene „Silber der Gemusterten aus der Gemeinde” (603550 Mann) betrug 100 Talente und 1775 Schekel, die wie schon erwähnt für die Sockel des Heiligtums, 1 Talent für jede Säule, verwendet wurden; der Rest diente für die Haken und Verbindungsstücke für sie (siehe 2Mo 38. 25 bis 28). Der ganze Bau konnte nun gegründet und fest verankert werden auf dem Grund dieses „Silbers” der „Erlösung”, ein wunderbares Bild für den geistlichen Bau der Gemeinde. Die Führer Israels jedoch machten aus dem ein für allemal, als Erinnerung an die „Beschirmung (oder Versöhnung) der Seelen” gegebenen Opfer ein immer wiederkehrendes Ritual eines Opferdienstes, wozu nun die oben angezeigten „Wechsler”, wie beschrieben, die gebräuchlichen Münzen in diese halben Schekel, oder was auch immer zu der Zeit verlangt wurde, umzutauschen hatten.
    Es war nun damals üblich, daß diese Wechsler (grie. kermatistes, Knipser) bei der Verrechnung des dargebotenen Geldes beim Wechseln, da der Geldwert nach Gewicht ermittelt wurde, einzelne Stückchen von diesem „abknipsten. - Auch hier haben wir die Tatsache vorliegen, daß der Besucher des Tempels, wollte er an der Anbetung Gottes, der versammelten Gemeinde Anteil haben, letztlich über die Weisung Gottes hinaus an gewisse „Dienste zu „zahlen hatte; es galt gewissermaßen: Wollt ihr Anteil am Tempel und Seinem Dienst, Anteil am Gottesdienst der Gemeinde haben, so handelt mit uns, gebt uns zuvor. Somit richten solche ihre eigene Gerechtigkeit auf, und damit nicht genug; sie zwingen hierdurch auch die Gemeinde, an dieser ihrer eigenen Gerechtigkeit teilzuhaben und mit ihnen zusammen Gott, dem sie eigentlich nahen wollte, letztlich zu verfehlen. Hierin wird, neben dem, daß sie von der Gemeinde nehmen, ihr eigentlicher Raub deutlich, den sie als echte „Wegelagerer, als die Jesus sie bezeichnet, verüben. - Jesus nun zeigt auf prophetische Art und Weise an, daß solcher „Dienst keinerlei Grundlage besitzt, indem Er dessen Tische umwirft; und Er beendet dies, indem Er nun dieses beim Umtausch zustande gekommene „Wechselgeld der Makler, diese abgekniffenen Stücke (grie. kerma, Geknipstes) ausschüttet, damit ihren gesamten Handel zunichte macht und solchen vermeintlichen „Dienst, als nicht zum Tempel zugehörig, aus diesem entfernt.

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[13] Dies entspricht der in Jo 10. 17 und 18 gemachten Aussage Jesu, daß Er sowohl Vollmacht habe, Seine Seele hinzugeben, als auch sie (Selbst!) wieder zu nehmen; „dieses Gebot habe Ich von meinem Vater erhalten.
[14] erst nachdem Er mit der Kraft aus der Höhe ausgerüstet worden war, nach einer Zeit der Versuchung durch den Teufel und als Zeit und Stunde, die Erfüllung der Verheißungen von Gott her gekommen war (siehe hierzu Mt 4. 12 - 16).
[15] Die Schrift lehrt sogar, daß Er - ganz wie auch wir - Gehorsam erst lernen mußte (Hbr 5. 8).
[16] Die Sohnschaft, die der Herr auf der Erde auslebte, war demzufolge nicht auf den ihm verliehenen göttlichen Eigenschaften, die Er seit Ewigkeiten besitzt, sondern erst aufgrund der nach Seiner Taufe empfangenen Salbung des Vaters, der Kraft aus der Höhe gegründet. Demnach erscholl auch die Stimme aus dem Himmel „Dies ist mein geliebter Sohn, an Ihm habe Ich mein Wohlgefallen” (Mt 3. 16, 17; Lk 10. 21), erst nachdem der Geist Gottes in der Gestalt einer Taube Sich auf Ihm niederließ und auf Ihm blieb (siehe Jo 1. 32, 33). Jenes „auf Ihm Bleiben zeigt schon an, daß der Sohn Gottes beständig in der durch diesen Geist gewirkten Gemeinschaft mit dem Vater bleiben würde.
   Ebenso macht uns nicht der innewohnende Geist Gottes schlechthin, sondern vielmehr erst der uns führende Geist Gottes zu Söhnen Gottes. Demgemäß heißt es in Rö 8. 14: „Welche der Geist Gottes führt (oder leitet), diese sind Söhne Gottes” (húioi, Pl. von húios, Sohn; nicht aber etwa Kinder, das wäre teknía, wörtlich Gezeugte). – Man vergleiche hierzu auch die Reifestadien der Kinder Gottes, 1Jo 2. 12 - 14. - Durch den Geist Gottes geführt werden zu können ist demzufolge auch ein Kennzeichen von Mündigkeit. Erst die Führung des auf dem Geführten ruhenden Geistes und der Diesem folgende Gehorsam machen zum Sohn; deswegen wurde auch dem Sohn Gottes das Wohlgefallen des Vaters bezeugt. Insofern ruht der Friede Gottes in den Menschen des Wohlgefallens, wie dies in der Proklamation der himmlischen Heerscharen Lk 2. 14 anläßlich der Geburt, der Menschwerdung Jesu wörtlich bezeugt wird. Deshalb spricht Paulus auch in Rö 8. 15 im Zusammenhang der durch den Geist geleiteten Söhne Gottes vom Geist des Sohnesstandes, wörtlich der Sohn-Setzung (huio-thésia). Dies bedeutet ein Einsetzen in den Stand eines mündigen Sohnes, welcher vom Vater ins Vertrauen gezogen werden kann, und kennzeichnet sowohl die Einsetzung Jesu, des Sohnes Gottes als auch die der mündigen Söhne Gottes, welche sich gleich dem erstgeborenen Sohn des Vaters (Rö 8. 29) vom Geist Gottes, der Salbung des Vaters, leiten lassen und dieser Führung gehorsam sind.
[17] Insofern steht auch hier der Jünger ganz gewiß nicht über seinem Lehrer, noch ein Sklave über seinem Herrn, wie Jesus dies in verschiedenen Zusammenhängen betont hatte (vgl. Mt 10. 24, 25 und Lk 6. 40).

[18] In diesem Sinne einer geistlichen Armut vermag sich uns auch das Pauluswort aus 2Kor 8. 9 zu erschließen: „Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß Er, wiewohl Er reich ist, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch dessen Armut reich würdet. Jenes „Reich werden erschließt sich uns nur durch die Armut unseres Herrn, der Seinen eigenen Reichtum und Seine Herrlichkeit verließ, also um unsertwillen arm wurde (Phil 2. 6 - 8). Er verließ und entledigte sich der Herrlichkeit, die Er bei Gott hatte, um als Mensch (Menschensohn) in der Abhängigkeit des Vaters zu wandeln; und gleichermaßen müssen auch wir auf unsere eigenen Möglichkeiten, auf eigene Stärke verzichten, d. h. in Wahrheit arm werden in uns selbst, uns also die Armut Jesu aneignen und beständig in ihr wandeln, um reich zu sein in Ihm. In diesem Sinne spricht Paulus auch vom „Haben, als hättet ihr nicht (vgl. 1Kor 7. 29 - 31) und bezüglich seines Dienstes als dem von solchen, „die nichts haben und doch alles innehaben” (2Kor 6. 10). Dies entspricht den von Jesus in der Bergpredigt angeführten „geistlich Armen”, denen das ganze Reich Gottes gehört.
[19] Lk 24. 47 - 49; Apg 1. 7; 2. 1 - 4. - In der Apostelgeschichte siehe hierzu aber auch die Wahl des Matthias, welche, da sie offensichtlich nach eigener Überzeugung, Erkenntnis und Schriftauslegung wohl im Vorgriff auf die Gründung der Gemeinde durch die Ausgießung des Geistes durchgeführt worden war, im Folgenden keinerlei Bestätigung oder Erwähnung mehr findet (Apg 1. 15 - 26), sondern - als eine „unzeitliche Geburt” - statt dessen durch die göttliche Erwählung des Apostels Paulus später die Zwölfzahl der „Apostel des Lammes” wiederhergestellt wurde (das sind die ersten Apostel, wozu diejenigen gerechnet werden, die den Herrn noch gesehen hatten; vgl. 1Kor 15. 5 - 9, Off 21. 14).
[20] Bezeichnend ist, daß der Herr, als Er Sich nach Seiner Auferstehung „vierzig Tage unter ihnen (den Jüngern) sehen ließ” nur über Dinge sprach, „die das Königreich Gottes betreffen” (Apg 1. 3b). Allein in diesem Zusammenhang hatte Er den Jüngern gesagt, daß sie die Verheißung des Vaters, das Getauftwerden im Heiligen Geist, erwarten sollten. Nicht die Frage nach dem irdischen Reich (Israels), der Verwirklichung eines irdischen Reiches (einer sichtbaren Struktur!) galt es für sie zu beantworten, noch war dies eine Sache, mit der sie sich beschäftigen sollten (vgl. Apg 1. 6 !), sondern allein das Kommen des Heiligen Geistes war entscheidend, wodurch die Herrschaft Gottes auf der Erde durch Seinen Christus (das Königreich) verwirklicht werden sollte, zu dessen Zeugen sie durch den Geist Gottes werden würden.

[21] vgl. 1Kor 3. 16; Eph 2. 22 u.a. - Daß jeder Körper zugleich ein Bauwerk, eine Behausung („Gehäuse), eine Zeltwohnung und somit ein Tempel ist, entspricht durchweg gängigem Denken im Neuen Testament. Petrus schreibt davon, daß er die Gemeinde an gewisse Dinge erinnern wird, „solange ich noch in diesem Zelt bin”, und davon, daß das „Ablegen meines Zeltes schnell geschehen” werde, also von dem nahenden Sterben seines Körpers (2Ptr 1. 13, 14). In ähnlichem Zusammenhang schreibt auch der alt gewordene Paulus von seiner bevorstehenden „Auflösung”, nachdem er den guten Kampf gekämpft habe (2Tim 4. 6, 7). In 2Kor 5. 1 - 5 heißt es von unserer „irdischen Zeltwohnung”, also unserem jetzigen Körper, daß dieser abgebrochen, also abgetan werden wird, und wir sodann ein „Gebäude (Haus) von Gott haben, ... in den Himmeln”, usw. Der Körper des Menschen kann sowohl eine Behausung der Dämonen (Mt 12. 44, 45; Lk 11. 24 - 26) als auch „Tempel des Heiligen Geistes” sein (1Kor 6. 19), je nachdem, wo und in welchem Zustand sich dieser Mensch befindet. In demselben Sinne schreibt Paulus auch von dem sich in unseren Herzen offenbarenden „Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi” als einem „Schatz in irdenen Gefäßen”; „wir”, so schreibt er, „werden stets um Jesu willen in den Tod dahingegeben, damit auch das Leben Jesu (der Schatz) in unserem sterbenden Fleisch (dem Gefäß) offenbar werde” (2Kor 4. 6, 7, 11).




Verwendete Bibelübersetzungen und Hilfsmittel

Wo nicht anders angegeben, wurden für das Neue Testament, das Erste und Zweite Buch Mose, die Psalmen, die Propheten Jesaja und Daniel die folgenden Ausgaben der Konkordanten Übersetzung verwendet:

Konkordantes Neues Testament mit Stichwortkonkordanz
6. Auflage 1995, Alle Rechte vorbehalten

Konkordantes Altes Testament, Das Erste und Zweite Buch Mose
2. erw. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Die Psalmen
1. Auflage 1994

Konkordantes Altes Testament, Jesaja
 Studienheft mit transliterierten göttlichen Titeln
3. Auflage

Konkordantes Altes Testament, Daniel
1. Auflage 1991

Konkordanter Verlag Pforzheim
Leipziger Str. 11
75217 Birkenfeld

An allen anderen Stellen wurden verwendet:

Elberfelder Übersetzung (Unrevidierte Version)
„Die Heilige Schrift Aus dem Grundtext übersetzt”
73. Auflage 1993

Revidierte Elberfelder Übersetzung
Verlag R. Brockhaus, Wuppertal

Schlachter - Übersetzung
„Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments / Unter Berücksichtigung der besten Übersetzungen / Nach dem Urtext übersetzt von Franz Eugen Schlachter / Neu bearbeitet und herausgegeben durch die GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf, 1985” sowie

Die Bibel / Übersetzt von Franz Eugen Schlachter nach dem hebräischen und griechischen Grundtext mit Parallelstellen und Studienhilfen / Version 2000 / Neue revidierte Fassung / GENFER BIBELGESELLSCHAFT, Genf 2003”


Die Geschriebene des Alten und des Neuen Bundes
Übersetzung von Fritz Henning Baader, 3. (überarbeitete) Gesamtausgabe 1998
Copyright 1998 by F. H. Baader, 75328 Schömberg

Novum Testamentum Graece
Nestle - Aland, 26., neu bearbeitete Auflage 1979-1988
Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten

Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament
Hrsg. Gerhard Kittel u. a.
Verlag Kohlhammer, Stuttgart u. a., 1933-1969ff.





Lieber Bruder, liebe Schwester!

    Wir hoffen, daß die vorliegenden Bibelstudien Euch zum Segen geworden sind und unser HERR Jesus Christus Euch damit in Seiner Liebe neu begegnet ist und berührt hat, so wie auch wir von Ihm berührt worden sind.

    Gleichzeitig bitten wir Euch aber auch, selbst in der Schrift nachzuforschen, ob es sich so verhält (Apg 17. 11). Gottes Wort ist so voll unerschöpflichen Reichtums, daß wir ganz bestimmt nicht auf Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit dieses Bibelstudiums bestehen. Denn allein in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2. 3).

    Wir wünschen uns, daß sich dieser Reichtum in Eurem Leben entfaltet und Ihr so nicht nur zu Schatzsuchern, sondern zu Schatzhebern werdet.

    Wenn Ihr aus diesen Bibelstudien etwas empfangen habt und sie an Geschwister weitergeben wollt, die ebenfalls „Hunger” danach haben, so bitten wir Euch, das sehr verantwortungsbewußt und mit göttlicher Liebe und Weisheit zu tun. Benutzt diese Bibelstudien nicht, um einen „Krieg” zu entfachen, Geschwister zu verwirren und zu trennen. Bitte bedenkt, daß unser HERR voller Gnade und Sanftmut mit Jedem von uns Seinen eigenen Weg geht und ER aussucht, wann wir welcher „Nahrung” bedürfen. Wir möchten auf Johannes 10. 8 hinweisen: Jesus sagte: „Alle, die Mir zuvorkommen wollten, sind Diebe und Wegelagerer; die Schafe jedoch hörten nicht auf sie.” Werden wir zu solchen, dann haben wir die Liebe verlassen, die wir unseren Brüdern und Schwestern schuldig sind. Hört also bitte auf das Reden unseres HERRN Jesus Christus und gebt diese Bibelstudien weiter, wenn ER Selbst dafür eine Tür aufgetan hat.

    Bitte beachtet dabei die folgenden drei Dinge:

1. Gebt diese Studien kostenlos weiter, auf welchem Wege auch immer Ihr wollt, aber nehmt nichts als Gegenleistung dafür (Mt 10. 8 - 9).

2. Bitte gebt diese Studien unverändert und vor allem vollständig weiter. Einzelne Bruchteile könnten durchaus, da sie aus dem Zusammenhang herausgenommen worden sind, mißverstanden werden. Solche Mißverständnisse können Schaden anrichten.

3. Diese Studien dürfen nicht in irgendwelchem Zusammenhang mit kommerzieller oder sonstiger Werbung veröffentlicht werden.

Diese Schrift ist am 19. 06. 2011 zuletzt bearbeitet worden.

© 2003 ff.


 
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